The Project Gutenberg EBook of Hin Und Her, by H. H. Fick

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Title: Hin Und Her

Author: H. H. Fick

Release Date: June, 2005  [EBook #8392]
[This file was first posted on July 6, 2003]

Edition: 10

Language: German

Character set encoding: US-ASCII

*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, HIN UND HER ***




E-text prepared by David Starner, Delphine Lettau, Charles Franks, and the
Online Distributed Proofreading Team




HIN UND HER

Ein Buch fuer die Kinder

Zusammengestellt von H. H. FICK

Supervisor of German, Cincinnati Public Schools







INHALT


  1. Am Morgen
  2. Der Tag bricht an
  3. Der Hahnenruf
  4. Beim Fruehstueck
  5. Zur Schule
  6. Bruder und Schwester
  7. Der Specht
  8. Die Uhr
  9. Schuleifer
 10. Raetsel
 11. Unser Hof
 12. Die Haustiere
 13. Sprueche
 14. Die Aepfel
 15. Peter Faulpelz
 16. Der Knabe am Bache
 17. Daheim
 18. Der Bau des Hauses
 19. Die Wohnung der Maus
 20. Karls Hase
 21. Das Lied vom Monde
 22. Das Mueckchen und das Maedchen
 23. Nasch-Ernst
 24. Der blinde Geiger
 25. Das Brot im Weg
 26. Die schoenen Drei
 27. Das Vogelnest
 28. Der Drache
 29. Die Voeglein
 30. Vom Haenschen
 31. Sprueche
 32. Die Schnecke
 33. Die Henne und die Entlein
 34. Die Tageszeiten
 35. Kind und Sonne
 36. Sonne und Regen
 37. Astern
 38. Raetsel
 39. Voegel und Blumen
 40. Danksagungstag
 41. Vom Vater
 42. Die vier Brueder
 43. Die zwoelf Monate
 44. Die Blaetter tanzen
 45. Die vier Jahreszeiten
 46. Winters Ankunft
 47. Der Tannenbaum
 48. Vogel am Fenster
 49. Das Bueblein auf dem Eise
 50. Raetsel
 51. Weihnachtsfreude
 52. Schneesterne
 53. Brief vom Weihnachtsmann
 54. Zu Neujahr
 55. Verstehst du das?
 56. Der Schneemann
 57. Maerz
 58. Ostergruss
 59. Der Osterhase
 60. Der Obstgarten
 61. Sprueche
 62. Die Voegel im Fruehlinge
 63. Das rote Huehnchen
 64. Raetsel
 65. Der naseweise Bello
 66. Heil, Amerika!
 67. Petersilie
 68. Das Kind und sein Bluemchen
 69. Nachlaessigkeit
 70. Ein Raetsel
 71. Was wuerdest du tun?
 72. Was wollen wir spielen?
 73. Die schlaue Katze
 74. Kannst du es sagen?
 75. Der Sperling
 76. Das Pferd und der Esel
 77. Der kluge Star
 78. Der Apfelbaum
 79. Der Hase und der Fuchs
 80. Sprueche
 81. Der Hase und die Schildkroete
 82. Hasenbraten
 83. Der Schein truegt
 84. Der Frosch
 85. Vom listigen Grasmuecklein ein lustiges Stuecklein
 86. Ein toerichter Streit
 87. Herr Wind! Herr Wind!
 88. Das Fuenkchen
 89. Raetsel
 90. Das Gaensebluemchen
 91. Die gruene Stadt
 92. Deutschland
 93. Sonnenschein
 94. Die Koenigin Luise
 95. Das goldene Schloss
 96. Die kleinen Muessiggaenger
 97. Der gute Kamerad
 98. Der Goldbaum
 99. Gerettet
100. Sprueche




1. AM MORGEN.

  Die Erd' erwacht, die Sonne lacht
  Sie an mit hellem Schein
  Und ruft ihr zu: komm aus der Ruh',
  Der ganze Tag ist dein.
  Guten Morgen.




2. DER TAG BRICHT AN.

Es ist dunkel. Am Himmel leuchten die Sterne. Zwischen ihnen steht
der Mond. Nun wird es langsam heller. Im Osten zeigt sich ein lichter
Schein. Das ist die Morgendaemmerung. Die meisten Leute schlafen noch
fest, aber der Hahn ist wach und kraeht ganz laut. Bald steigt die
Sonne empor. Dann ist es Tag. Die Voegel sind erwacht und zwitschern.
Jetzt stehen auch die Menschen von ihrem Lager auf und gehen gestaerkt
an die Arbeit. Die Tiere im Freien suchen ihre Nahrung und das Vieh
im Hofe bekommt sein Futter. Im Garten und auf den Wiesen glaenzt der
Tau. Alles ist neubelebt.




[Illustration]


3. DER HAHNENRUF.

  Im ersten Hofe kraeht der Hahn,
  Da faengt auch gleich der zweite an
  Und denkt: "Haett' ich's zuerst getan!"
  Doch, wie der zweite kaum beginnt,
  Kraeht schon der dritte Hahn geschwind.
  Der viert' und fuenfte faul nicht sind
  Und fallen schnell ins Lied mit ein,
  Denn jeder will der erste sein,
  Und jeder will am schoensten schrei'n.--
  Bald rufen alle in der Rund',
  Als staenden sie zusamm' im Bund,
  Und tun die Morgenstunde kund
  Aus voller Kehle laut und schnell:
  "Die Nacht entweicht, der Tag wird hell.
  Kikeriki! Kikeriki! Wir sind zur Stell'!"
  So soll'n auch wir in allen Sachen,
  Wo's gilt, zum guten zu erwachen,
  Es wie der Hahn am Morgen machen.




4. BEIM FRUEHSTUECK

_Mutter_: Papa, Karl, Emma und Klara, hurtig, kommt zu Tisch!
Das Fruehstueck ist aufgetragen!

_Papa_: Sieh! Da bin ich schon. Guten Morgen!

_Emma_ und _Klara_: Liebe Mama und lieber Papa, Wir sind
auch bereit und wuenschen euch einen recht guten Morgen!

_Mutter_ und _Vater_: Vielen Dank, ihr Kinder! Wo steckt
aber der Karl?

_Emma_ und _Klara_: Da kommt er!

_Karl_: Seid nicht boese, liebe Eltern, ich habe mich
verschlafen. Es soll aber gewiss nicht wieder geschehen!

_Mutter_: Schon gut! Setzt euch alle. Schaut, dass der Papa
bedient wird! Emma, reiche doch das Brot herueber und gib mir die
Butter. Nun, trinkt eure Milch! Klara und Emma, fuer euch habe ich ein
Stueck Kuchen.

_Karl_: Bekomme ich nicht auch eins?

Mutter: Du bist zu spaet gekommen! Dafuer musst du Strafe leiden. Heute
ist fuer dich nur Brot vorhanden.

_Karl_: Ach, liebe Mama! Ich bin so hungrig!

_Mutter_: Ei! Hungern sollst du nicht. Da ist eine Semmel und
dann habe ich auch noch ein Ei fuer dich. Aber der Kuchen ist nur fuer
die puenktlichen Leute da, merke dir das! So, seid ihr nun alle
fertig?

_Kinder_: Jawohl, Mama!

_Mutter_: Stellt eure Stuehle an ihre Plaetze! Jetzt koennt ihr
gehen! Du, Karl, holst dem Vater noch die Zeitung herein!

_Karl_: Gerne, liebe Mutter!

_Kinder_: Ade, Papa! Leb wohl, Mama! Heute mittag sehen wir uns
wieder!




5. ZUR SCHULE.

  Nun hurtig vom Stuhle
  Und schnell in die Schule;
  Es ist an der Zeit.
  Holt Huete und Kappen,
  Bringt Tafeln und Mappen;
  Nehmt auch fuer die Pause

  Euch etwas zum Schmause;
  So, Kinder, jetzt seid
  Zur Arbeit bereit!




6. BRUDER UND SCHWESTER.

Es ist Morgen. Die Nacht hindurch hat es geregnet und immer noch
fallen einzelne Tropfen. Seit einigen Tagen besucht der kleine
Wilhelm die Schule. Er hat einen neuen Anzug, eine huebsche Muetze und
einen bunten Schulsack erhalten. Wie leid tut es ihm, dass alles vom
Regen soll nass werden. Da kommt die gute Schwester Emilie. Sie muss
fuer die Mutter noch einen Gang auf den Markt machen. Nun will sie den
Bruder unter den Schirm nehmen und ihn bis an das Schulgebaeude
begleiten. Wilhelm fasst die Schwester am Kleide, und sie treten in
die Tuere. Aber, siehe da, der Regen hoert auf und als Emilie
vorsichtig die Hand ausstreckt, kann sie kein Troepfchen mehr spueren.
Da darf auch der zottige Spitz mit ins Freie.

[Illustration]





7. DER SPECHT.

  Herr Specht! so frueh schon klopfest du!
  Was stoerte dich denn aus der Ruh'?
  Es herrscht noch Stille im Erdenraum--
  Du haemmerst schon am Fichtenbaum.

  "Ist es auch frueh, ist's nie zu frueh,
  An Arbeit fehlt's dem Fleiss'gen nie,--
  Wer Tages etwas will gewinnen,
  Der muss recht fruehe schon beginnen."




8. DIE UHR.

Eben hatte es sieben geschlagen. Die Mutter ging in die Kammer, um
den kleinen Leo zu wecken. Der war aber schon wach und sass aufrecht
im Bette. "Ei, Leo!" sagte die Mutter, "Wie kommt denn das? Sonst muss
ich dich viele Male rufen und schuetteln, und heute bist du ganz
munter!" "Ach, denke nur, liebe Mama," sagte Leo, "ich War ja auch
noch so muede und haette gerne laenger geschlafen. Aber da hatte auf
einmal die grosse Uhr dort an der Wand ein Gesicht wie ein Mensch, und
machte immerfort: Auf! raus! Auf! raus! Nun hatte ich Angst, liegen
zu bleiben und wollte aufstehen. Jetzt hoerte ich die Uhr ganz
deutlich sagen: Recht so! Recht so! und sie sah wieder freundlich
aus!"

[Illustration]





9. SCHULEIFER.

  Im Winter, wenn es frieret,
  Im Winter, wenn es schneit,
  Dann ist der Weg zur Schule
  Fuerwahr noch mal so weit.

  Und wenn der Kuckuck rufet,
  Dann ist der Fruehling da,
  Dann ist der Weg zur Schule
  Fuerwahr noch mal so nah.

  Wer aber gerne lernet,
  Dem ist kein Weg zu fern;
  Im Fruehling, wie im Winter,
  Geht er zur Schule gern.

[Illustration]




10. RAETSEL.

  Im Wasser schwimmt es, gross und klein.
  Nun rat' einmal, was das mag sein!

  Wer waescht sich so rein
  Und haelt sich so fein
  Und braucht doch kein Handtuechelein?

  Ich weiss ein kleines, weisses Haus,
  Hat nichts von Fenstern, Tueren, Toren;
  Und will sein kleiner Wirt hinaus,
  So muss er erst die Wand durchbohren.




11. UNSER HOF.

Hinter dem Hause ist ein Hof. Da haben viele Tiere Platz. In einer
Ecke steht die Hundehuette. Dort wohnt Nero. Er bewacht unser Haus.
Auf der Kellertreppe sitzt Mieze. Das ist die graue Katze. Sie waescht
und putzt sich gern. Im Korbe liegen ihre vier Kaetzchen. Die koennen
noch nicht sehen. Mitten im Hofe geht der stolze Hahn. Er hat bunte
Federn und einen roten Kamm. Bei ihm sind fuenf huebsche Hennen. Auch
Tauben fliegen herbei und picken Koerner auf. Seht doch den grossen
Puter da drueben! Der ist zornig und jagt die anderen Voegel fort.




12. DIE HAUSTIERE.

  Lieb Kindchen, sag mir an,
  Was ein Haustier nuetzen kann!

  Die Kuh gibt Milch uns, liebe Mutter,
  Draus macht man Kaese, Rahm und Butter.
  Das Pferd zieht fleissig deinen Wagen
  Und kann dich in die Ferne tragen.
  Der Hund schuetzt treu dir Hof und Haus.
  Die Katze lauert auf die Maus.
  Das dicke, schmutz'ge, dumme Schwein
  Bringt Schinken uns und Wuerste ein.

[Illustration]





13. SPRUECHE.

Lust und Liebe zum Dinge
Macht Muehe und Arbeit geringe.

Morgen, morgen, nur nicht heute,
Sagen alle traegen Leute.

Lerne Ordnung, liebe sie;
Ordnung spart dir Zeit und Mueh'.




14. DIE AEPFEL.

Am Montag morgen wollte Otto seinen Freund Ludwig zur Schule abholen.
Als er aber in die Stube trat, war niemand da. Vorne beim Fenster
stand ein Korb voll Aepfel. Die waren schoen gelb und rot. Gerne haette
Otto einen genommen. Aber er dachte: "Nein, das tue ich nicht, die
AEpfel gehoeren nicht mir."

Schnell wollte er wieder zur Tuere hinaus. Da kam gerade Ludwigs
Mutter herein. Die freute sich sehr, als sie Otto sah. Sie steckte
ihm beide Taschen voll Aepfel. Dann rief sie Ludwig und gab den beiden
Kindern noch einen Apfel mit auf den Weg. Mit frohem Herzen gingen
die Knaben nun zur Schule.




15. PETER FAULPELZ.

  Laengst ist schon die Schule aus,
  Alle Kinder sind zu Haus:
  Peter nur, der faule Bube,
  Muss noch sitzen in der Stube,
  Hat gelernt nicht, noch geschrieben,
  Hat sich draussen 'rumgetrieben.
  Nun geht es ihm bitterschlecht--
  Faulpelz, das geschieht dir recht!




16. DER KNABE AM BACHE.

Siehst du den Knaben dort am Bache sitzen? Es ist Robert, der mit
seiner armen Mutter in dem kleinen Haeuschen wohnt. Sie hatten fuer den
Abend nichts zu essen. Da sagte Robert: "Mutter, ich will zum Bache
gehen und einige Fische fangen."

Hier sitzt er nun ganz stille. Zwei Fische hat er schon gefangen, und
den dritten macht er eben vom Haken los. Wie wird sich die Mutter
freuen, wenn Robert mit den Fischen nach Hause kommt!

[Illustration]




17. DAHEIM.

Hurra, die Schule ist aus! Schnell eile ich nach Hause, denn die
Mutter wartet schon auf mich. Sie hat ja mancherlei Arbeit, die ich
fuer sie besorgen kann. Erst bekomme ich aber ein grosses Stueck
Butterbrot. Wenn ich das gegessen habe, hole ich Kleinholz aus dem
Keller. Damit macht die Mutter das Feuer im Kuechenofen an fuer das
Abendessen. Dann gehe ich zum Metzger, um das Fleisch heimzubringen,
das der Vater am Morgen bestellt hat. Auf dem Wege bringe ich aus dem
Kramladen Seife mit und Streichhoelzchen. Auch sonst muss ich der
Mutter in der Kueche noch zur Hand gehen. Ich tue es gerne, denn ich
habe mein Muetterlein lieb. Wenn ich alles besorgt habe, darf ich eine
Weile auf der Strasse mit anderen Kindern spielen.

Bald ist es Zeit zum Abendessen geworden. Richtig, da ruft mich schon
die Mutter. Der Vater ist nun auch schon nach Hause gekommen, und
meine aelteren Geschwister sind ebenfalls da. Wir sitzen jetzt alle um
den grossen Tisch im Esszimmer, und der Vater erzaehlt, was er waehrend
des Tages in der Stadt gehoert und gesehen hat. Nach dem Essen nimmt
der Vater die Zeitung, und meine kleine Schwester und ich machen
unsere Schularbeiten. Da muss manchmal die liebe Mama ein wenig
helfen. Spaeter liest sie uns eine schoene Geschichte vor, oder spielt
mit uns Domino und Lotto.

Ich glaube, es ist nirgends schoener als abends daheim.




18. DER BAU DES HAUSES.

"Kommt, Knaben, wir wollen ein Haus bauen," sagte Emil zu Karl und
Heinrich, "Ich will den Keller ausgraben," sprach Karl. "Und ich,"
sagte Emil, "ich bin der Maurer; ich nehme Kalk und Steine und baue
die Mauern." Da meinte Karl: "Du darfst aber die Tueren und die
Fenster nicht vergessen. Ohne Tueren kann man nicht in das Haus
hinein, und durch die Fenster soll Luft und Licht in die Zimmer
kommen." Heinrich sagte: "Ich bin der Zimmermann; ich setze die Tueren
und Fenster und lege den Fussboden. Von einem Stockwerke in das andere
mache ich Treppen. Und oben auf das Haus setze ich das Dach; das
schuetzt vor Regen und Schnee. Unser Haus soll ein Wohnhaus sein mit
Kueche und Zimmern und einem Boden unter dem Dach."




19. DIE WOHNUNG DER MAUS.

  Ich frag' die Maus:
         Wo ist dein Haus?
  Die Maus darauf erwidert mir:
         Sag's nicht der Katz',
         So sag' ich's dir.
         Treppauf, treppab,
  Erst rechts, dann links,
  Dann wieder rechts
  Und dann grad' aus--
  Das ist mein Haus;
  Du wirst es schon erblicken!
         Die Tuer ist klein,
         Und trittst du ein,
  Vergiss nicht, dich zu buecken!

[Illustration]




20. KARLS HASE

"Papa, darf ich ein wenig deinen Stock nehmen?"

"Ja, Karl, aber was willst du damit machen?"

"Einen Hasen will ich schiessen, Papa."

"Dann musst du ja auf das Feld gehen."

"O nein, dein Stock ist meine Flinte und unsere alte Katze ist der
Hase."

Der Vater gab seinem Sohne den Stock. Karl legte ihn an die rechte
Wange, zielte und rief: "Piff, paff! piff, paff!" Ei, wie die Katze
von dem Stuhle unter den Tisch sprang!

Karl aber lachte und rief: "Hast du nun meinen Hasen laufen sehen,
Papa?"




21. DAS LIED VOM MONDE.

  Wer hat die schoensten Schaefchen?
  Die hat der gold'ne Mond,
  Der hinter unsern Baeumen
  Am Himmel drueben wohnt.

  Er kommt am spaeten Abend,
  Wenn alles schlafen will,
  Hervor aus seinem Hause
  Zum Himmel leis' und still.

  Dann weidet er die Schaefchen
  Auf seiner blauen Flur;
  Denn all' die weissen Sterne
  Sind feine Schaefchen nur.

  Sie tun sich nichts zuleide,
  Hat eins das andre gern,
  Und Schwestern sind und Brueder
  Da droben Stern an Stern.

  Und soll ich dir eins bringen,
  So darfst du niemals schrei'n,
  Musst freundlich wie die Schaefchen
  Und wie ihr Schaefer sein!




22. DAS MUECKCHEN UND DAS MAEDCHEN.

[Illustration]


Ein Mueckchen flog um ein Licht, das am Abend auf dem Tische brannte.
Da sagte ein Maedchen, welches nebenbei sass und strickte: "Mueckchen,
bleib' von dem Lichte, sonst verbrennst du dich!" Das Mueckchen aber
folgte nicht und flog so lange auf und nieder und um das Licht, bis
es daran seine Fluegelchen sengte und in die Flamme fiel. "Habe ich es
dir nicht gesagt?" sprach das Maedchen. "Haettest du auf mich gehoert,
muesstest du jetzt nicht sterben!"




23. NASCH-ERNST.

Ernst konnte das Naschen nicht lassen. Er ging oft an den Schrank, um
Zucker zu naschen. Die Mutter schalt, aber es half nicht.

Eines Tages ging Ernst in die Scheune. An der Wand hing etwas Rotes.
Ernst sagte: "Oh, hier hat die Mutter Zuckerzeug versteckt. Ich
sollte es nicht finden!" Schnell kletterte er auf einen Stuhl, um es
zu holen. Er biss gierig hinein. Aber, o weh, es verbrannte seinen
Mund. Er liess das Zuckerzeug fallen und schrie laut. Nun kam die
Mutter und gab ihm einen Trunk Wasser. Was Ernst naschte, war nicht
Zucker gewesen. Es war roter Pfeffer.

Ernst naschte nie wieder.




24. DER BLINDE GEIGER.

Ein armer, blinder Geiger ging auf der Strasse. Er suchte den Weg mit
seinem Stocke. Seine Geige trug er unter dem Arme. Bald kam er an
einen Steg. Als er das merkte, getraute er sich nicht hinueberzugehen.
Hans und Eugen kamen daher, und der arme Mann bat, sie moechten ihn
doch ueber den Steg fuehren. Aber die mutwilligen Buben lachten den
Geiger aus und liefen weg.

Da kam die kleine Lina aus der Schule. Die wartete nicht, bis sie
gebeten wurde. Sie fasste den Blinden bei der Hand, brachte ihn ueber
den Steg und schenkte ihm einen Cent, den sie von ihrer Mutter
bekommen hatte.

[Illustration]





25. DAS BROT IM WEG.

  Im Weg das Kruemchen Brot
  Tritt nicht mit deinem Fuss,
  Weil's in des Hungers Not
  Ein Tierlein finden muss.
  Leg's auf den Stein vor'm Haus,
  Und kannst du, broesel's klein:
  Still dankt es dir die Maus
  Und still das Voegelein.




26. DIE SCHOENEN DREI.

  Voeglein im hohen Baum,
  Klein ist's, ihr seht es kaum,
  Singt doch so schoen,
  Dass wohl von nah und fern
  Alle die Leute gern
  Horchen und stehn.

  Bluemlein im Wiesengrund
  Bluehen so lieb und bunt,
  Tausend zugleich;
  Wenn ihr voruebergeht,
  Wenn ihr die Farben seht,
  Freuet ihr euch.

  Waesserlein fliesst so fort
  Immer von Ort zu Ort
  Nieder ins Tal;
  Duerstet nun Mensch und Vieh,
  Kommen zum Baechlein sie,
  Trinken zumal.

  Habt ihr es auch bedacht,
  Wer hat so schoen gemacht
  Alle die drei?
  Gott, der Herr, machte sie,
  Dass sich nun spaet und frueh
  Jedes dran freu'.




27. DAS VOGELNEST.

In einem Garten lebte ein Voegelein, das sehr schoen singen konnte. Es
baute sich in einem Busch ein huebsches Nestchen. In dieses legte es
Eier hinein und bruetete Junge aus. Einmal suchte das alte Voegelein
Futter fuer seine Kinder. Da sahen zwei Buben das Nest und nahmen es
samt den Jungen weg. Darueber wurde die Mutter der jungen Voegelein
sehr traurig.

Sie flog hin und her und schrie, so laut sie konnte. Die Knaben
machten sich aber nichts daraus. Endlich hoerte die Schwester der
boesen Knaben das Voegelein schreien. Gleich ging sie hin und nahm
ihren Bruedern das Nestchen Weg und trug es wieder in die Hecke. Seit
dieser Zeit hatten die Voegelein das Maedchen recht lieb, und wenn es
im Garten war, sangen sie noch einmal so schoen wie sonst.




28. DER DRACHE.

Mein Bruder Karl hatte einen grossen Drachen gemacht. Er war aus holz
und Papier. Um untern Ende befand sich ein langer Schwanz und am
obern eine lange, duenne Schnur.

Nachmittags gingen wir hinaus auf das Feld hinter unserm Hause. Es
war ein schoener Tag; die Sonne schien praechtig, und es wehte ein
guter Wind. Wir liessen den Drachen steigen. Er stieg so hoch, wie die
Schnur reichte. Wir konnten ihn kaum noch sehen.

So standen wir lange im Schatten neben dem Zaune. Auch unser Hund
Karo kam unter dem Karren hervor. Wir waren sehr vergnuegt, bis der
Abend dem Spiele ein Ende machte.

[Illustration]





29. DIE VOEGLEIN.

  Warum wohl die Voeglein fliegen koennen?
  Ei, das magst du ihnen schon goennen.
  Auf der Erde sind Tiere viel
  Und haben hier und dort ihr Spiel.
  Da war kein Platz fuer die Voegel mehr;
  Das dauerte den lieben Gott so sehr,
  Darum hat er ihnen Fluegel gegeben,
  Dass sie dort oben in Lueften schweben;
  Da koennen sie spielen den ganzen Tag
  Und haben Platz, wie viel jedes mag.




30. VOM HAENSCHEN.

Haenschen und Gretchen spielten im Garten. Da kam ein schoener
Schmetterling geflogen. Gleich wollte Hans ihn fangen. Gretchen rief:
"Ach, lass doch das huebsche Tierlein gehen!" Aber Hans hoerte nicht
darauf. Mit dem Hute in der Hand lief er dem Schmetterlinge nach. Er
schaute immer nur in die Hoehe. Patsch,--fiel er in einen tiefen
Graben voller Wasser. Der Schmetterling flog munter davon. Haenschen
ging weinend heim und wurde noch ausgelacht.




31. SPRUECHE.

  Ein gutes Kind gehorcht geschwind
  Und folgt sofort aufs erste Wort.

  Was du nicht willst, das man dir tu',
  Das fueg' auch keinem andern zu.

  Vorgetan und nachbedacht
  Hat manchem grosses Leid gebracht.

  Quaele nie ein Tier zum Scherz,
  Denn es fuehlt, wie du, den Schmerz.




32. DIE SCHNECKE:

  Die Schnecke ist gar uebel dran.
  Wie muss sie sich doch plagen!
  Sie muss ihr Haus
  Tagein, tagaus
  Auf ihrem Ruecken tragen.

  Die Schnecke ist nicht uebel dran.
  Sie weiss sich wohl zu schuetzen:
  Nimmt sie Gefahr
  Vom Feinde wahr,--
  Bleibt sie im Haeuschen sitzen.

[Illustration]




33. DIE HENNE UND DIE ENTLEIN.

Die kleine Anna hatte eine Henne zum Geschenk bekommen. Diese legte
jeden Morgen ein Ei. Als nun Annas Mutter eines Tages das Nest mit
zwoelf Eiern sah, nahm sie dieselben voller Freude in die Kueche. Aber
siehe da! Die Henne jammerte und suchte ihr Nest. Nun fand sie in der
Naehe ein Entennest, in dem auch Eier waren. Sie setzte sich darauf,
bis die Jungen herauskamen. Das waren aber Entchen statt Kuechlein.
Doch die Henne hatte sie so lieb, als ob es Kuechlein waeren. Sie
suchte Futter mit ihnen und nahm sie unter ihre Fluegel, damit ihnen
kein Leid geschehe. Doch eines schoenen Tages liefen die Kleinen
davon. Wohin? In grosser Angst eilte die Henne hinterher. Die Entchen
waren zum Teiche gelaufen. Umsonst warnte die Henne: "Das ist Wasser!
Ihr muesst ertrinken!" Lustig schwammen die kleinen Enten schon umher,
und alles Glucken der alten Henne brachte sie nicht ans Ufer zurueck.

[Illustration]




34. DIE TAGESZEITEN.

Hoch am Himmel steht die Sonne. Sie leuchtet so hell, dass man sie
nicht lange ansehen kann. Wenn die Sonne morgens aufgeht, wird es auf
der Erde hell. Dann sagen die Leute zu einander: "Guten Morgen!" Die
Sonne steigt nun immer hoeher und hoeher, bis sie zuletzt fast ueber
unserem Kopfe steht. Es ist jetzt Mittag. Wenn sich Bekannte treffen,
wuenschen sie einander: "Guten Tag!" Bald darauf neigt sich die Sonne
wieder abwaerts. Sie sinkt bis an den Rand des Himmels. Alsdann sieht
sie wie eine grosse, feurige Kugel aus und faerbt die Wolken schoen rot.
Auf einmal ist sie verschwunden. Es wird dunkler und die Nacht bricht
an. Man bietet sich "Guten Abend!" und wuenscht allen vor dem
Schlafengehen eine "Gute Nacht!" Nun kommt die Zeit der Ruhe.




35. KIND UND SONNE.

_Kind_: Sag einmal, liebe Sonne, wohin gehst du, wenn es Abend
wird? Es heisst dich doch niemand fortgehen. Ich meine, du koenntest
immer bei uns bleiben. Das waere so schoen!

_Sonne_: Nein, mein Kind, das kann nicht sein! Wenn es Nacht
wird, schlafen die Leute, und du schlaefst auch. Beim Schlafen braucht
man mich aber nicht. Ich reise dann weit, weit fort in ein fernes
Land. Dort wohnen auch Menschen: Vaeter, Muetter und viele brave
Kinder. Wenn ich zu diesen komme, haben sie ausgeschlafen. Vater und
Mutter stehen dann auf und arbeiten, und die groesseren Kinder gehen in
die Schule, um zu lernen.

_Kind_: Ei, ei! Und wenn du bei diesen Menschen gewesen bist,
wohin gehst du hernach?

_Sonne_: Wenn ich dort gewesen bin, komme ich wieder zu dir, wie
an jedem Morgen. So reise ich zu allen Menschen auf der ganzen Erde.




36. SONNE UND REGEN.

  Die Sonne sprach: "Ich will scheinen
  So fort und immerfort!"
  Der Regen sprach: "Ich will fallen
  Ohn' Ende an jedem Ort!"
  Die Sonne: "Du machst ja alles
  Auf der Erde gang nass!"
  Der Regen: "Du machst zu trocken,
  Wenn du scheinst ohn' Unterlass!"
  Die Sonne: "Ich mache fruchtbar,
  Und alles freut sich mein!"
  Der Regen: "Du machst zu trocken,
  Dich mag man nicht allein!"
  So haben sie lang gestritten,
  Doch wurden sie einig zuletzt:
  Sie wollten miteinander wechseln,
  Und so ist es denn auch jetzt.




37. ASTERN.

Ein kleiner Knabe lag einmal im Grase und schlief. Da sah er im Traum
einen Engel, der eine wunderschoene Blume in der Hand trug. Der Engel
sagte, dass es im Himmel viele solche Blumen gebe. Der Knabe haette sie
gerne gehabt. Als er aufwachte, lagen da ein paar glaenzende
Samenkoerner. Die pflanzte der Knabe in seinem Garten. Als der Herbst
kam, waren aus den Samen die Blumen entstanden. Sie sahen gerade wie
Sterne aus. Der Knabe rief seine Eltern. Vater und Mutter sagten:
"Das sind Sternblumen oder Astern. Die sollen uns an den, Himmel
droben erinnern."

[Illustration]





38. RAETSEL.

Loch bei Loch,
Und haelt doch.
Was ist's?

Rat! Das Haus hat lauter Treppen,
Keine Fenster, keine Zimmer;
Wer drin wohnt, muss es immer
Auf seinem Ruecken schleppen.

Es ist ein Ding, hat Stamm und Zweig' und Blaetter,
Schuetzt dich vor Sonne und im Regenwetter.




39. VOEGEL UND BLUMEN.

  Die Voegel, sie fliegen wie Blaetter im Wind;
  Da winken die Bluemlein zum Abschied geschwind.
  Es singt in den Baeumen der Herbst schon sein Lied,
  Fort ziehen die Voegel, die Blumen sind mued'.

  Im Sueden die Voegel, die Blumen im Schnee,
  Sie warten, dass wieder der Fruehling ersteh'.
  Dann lachen die Blueten, das Voegelein singt;
  Dann duftet's und jubelt's, bis rings alles klingt.




40. DANKSAGUNGSTAG.

Was tut ihr, wenn euch jemand etwas geschenkt hat oder recht gut
gegen euch gewesen ist? Nicht wahr, ihr sagt: "Danke schoen!"
Vergesset das ja nicht! Wir Menschen, gross und klein, haben fuer gar
vieles dankbar zu sein. Die Kinder koennen sich freuen, wenn sie noch
Eltern haben, die sie lieben und fuer sie sorgen. Erwachsene Leute
sollen froh sein, wenn sie gesund sind und keine Not zu leiden
brauchen. Doch das wird oft nicht bedacht. Deshalb ist ein Tag da, an
dem ein jeder von feiner Arbeit ausruhen und froehlich Gott danken
soll fuer allen Segen. Im Herbste, wenn die Ernte vorueber ist, kommt
der Danksagungstag. Da gibt es meistens gut und reichlich zu essen
und zu trinken. In den Kirchen ist Gottesdienst. Auch fuer die Armen
und Ungluecklichen wird gesorgt, damit ein jeder im Herzen dankbar
sein moege fuer das Gute und Schoene, was das Jahr gebracht hat.



41. VOM PUTER.

  Puter, Puter, Polterhahn,
  Hast 'ne rote Weste an,
  Hast 'ne rote Nasenspitze
  Und 'ne rote Zipfelmuetze;
  Aber das gibst du wohl zu:
  Ich bin schoener doch als du!

[Illustration]





42. DIE VIER BRUEDER.

  Vier schoene Brueder kenn' ich wohl,
  Geschmueckt so wunderbar;
  Sie kommen schon seit alter Zeit
  Zu uns in jedem Jahr.
  Der erste Bringt uns einen Strauss,
  Streut Blumen um sich her.
  Den zweiten schmueckt ein goldner Kranz
  Von Aehren voll und schwer.
  Der dritte reicht uns Aepfel dar
  Und neuen goldnen Wein.
  Der vierte ist in Pelz gehuellt
  Wie Schnee so weiss und rein.
  Wer nennt die schoenen Brueder mir,
  Geschmueckt so wunderbar?
  Sie kommen schon seit alter Zeit
  Zu uns in jedem Jahr.




43. DIE ZWOELF MONATE.

  Gleich anfangs mit dem neuen Jahr
  Erscheint der kalte Januar,
  Dann kommt alsbald der zweite Mann,
  Der Februar, in Eile an.
  Der Maerz ist nun auch nicht mehr weit,
  Und der April ist bald bereit.
  Ihm folgt der wunderschoene Mai,
  Der Juni kommt drauf schnell herbei,
  Und ist der Juli nun erst da,
  So ist auch der August schon nah;
  Ihm schliesst sich der September an,
  Und der Oktober folgt alsdann.
  November ziehet schleunig ein,
  Dezember wird her letzte sein.




44. DIE BLAETTER TANZEN.

  Die Baeume stehen ruhig da,
  Die Blaetter fluestern leise.
  Hoert ihr den Wind, hei, hussassa,
  Bald blaest er seine Weise.

  Da braust der Wind gar wild einher
  Und ruettelt an den Baeumen,
  Er beugt sie hin, er beugt sie her,
  Laesst keine Zeit zum Traeumen.

  "Halt ein, du stuermischer Gesell',
  Wir stehen fest wie Lanzen!"
  Die Blaetter aber lachen hell:
  "Herr Wind, wir moechten tanzen!"

  "Ei," ruft der Wind, "ein luftig Wort,
  Da kann ich stark mich zeigen!"
  Er Blaest die bunten Blaetter fort;
  Die tanzen froh den Reigen.

  Der Wind ist fort, der Tanz ist aus,
  Die Blaetter sinken nieder;
  Der Schnee streckt sein Decke aus,
  Der Fruehling hebt sie wieder.

[Illustration]




45. DIE VIER JAHRESZEITEN.

Es gibt vier Jahreszeiten: Fruehling, Sommer, Herbst und Winter. Im
Fruehling wird die Luft warm. Der Schnee schmilzt, und die Fluesse
werden wieder frei vom Eise. Auf den Wiesen und in den Gaerten keimen
Graeser und Kraeuter, auf den Feldern gruent die Saat, und die Baeume
bekommen frisches Laub. Sie treiben Knospen und Blueten. Die Voegel,
welche im Herbste in waermere Laender gezogen waren, kehren zurueck.
Andere Tiere, die den Winter in ihren Hoehlen verschlafen hatten,
wachen auf und kommen hervor. Mit dem Sommer werden die Tage laenger,
und die Waerme nimmt zu. Das Getreide wird reif und vom Landmanne
geschnitten. Auf den Sommer folgt der Herbst. Im Herbst gibt es Obst,
Trauben und Kartoffeln, auch wird die Saat fuer das naechste Jahr
bestellt. Das Laub der Baeume vertrocknet und faellt zur Erde nieder.
Die Tage werden immer kuerzer. Oft ist es neblig und rauh. Bald wird
es recht kalt; die Fluesse frieren zu, und es gibt Schnee. Die Voegel
koennen draussen kein Futter finden. Sie kommen in die Strassen und vor
die Tueren, um einige Koerner und Broeckchen zu suchen. Zu Hause wird
eingeheizt; aber im Freien tummeln sich die Kinder, gleiten auf dem
Eise, oder fahren Schlitten. Sie freuen sich darauf, einen Schneemann
machen zu koennen. Bald naht auch das liebe Weihnachtsfest.




46. WINTERS ANKUNFT.

  Im weissen Pelz der Winter
  Steht lang' schon hinter der Tuer,
  Ei, guten Tag, Herr Winter,
  Das ist nicht huebsch von dir!

  Wir meinten, du waerest, wer weiss wie weit,
  Da kommst du mit einmal hereingeschneit.
  Nun, da du hier bist, so mag's schon sein;
  Aber, was bringst du Gutes uns Kindelein?

  Was ich euch bringe, das sollt ihr wissen:
  Froehliche Weihnacht mit Aepfeln und Nuessen
       Und Schneeballen,
       Wie sie fallen,
       Und im Jaenner
       Auch Schneemaenner!

[Illustration]




47. DER TANNENBAUM.

  So manches Baeumchen in dem Wald
  Verliert im Herbst die Blaetter,
  Jedoch der liebe Tannenbaum
  Der trotzet Wind und Wetter.

  Ist alles draussen oed' und leer,
  Steht er im gruenen Kleide
  Und setzt sich stolz ein Kaepplein auf,
  Ein Kaepplein weiss wie Kreide.

  Das nimmt er aber artig ab
  Am frohen Weihnachtsfeste,
  Und gruesset liebevoll und gut
  Die Kinder all' aufs Beste.

  O Tannenbaum, o Tannenbaum,
  Du kannst mir sehr gefallen,
  Du bist der allerliebste mir
  Doch von den Baeumen allen.




48. VOGEL AM FENSTER.

  An das Fenster klopft es: pick, pick!
  "Macht mir doch auf einen Augenblick!
  Dicht faellt der Schnee, der Wind weht kalt,
  Habe kein Futter, erfriere bald.
  Liebe Leute, o lasst mich ein,
  Will auch immer recht artig sein!"

  Sie liessen ihn ein in seiner Not;
  Er suchte sich manches Kruemchen Brot;
  Blieb froehlich manche Woche da.
  Doch als die Sonne durchs Fenster sah,
  Da sass er immer so traurig dort:
  Sie machten ihm auf, husch, war er fort.

[Illustration]




49. DAS BUEBLEIN AUF DEM EISE

Es war Winter. Da kam ein Knabe an einem Teiche vorbei. Der Teich war
zugefroren. Der Knabe hatte grosse Lust, auf das Eis zu gehen. Der
Vater aber hatte es ihm verboten. Das Eis war noch nicht stark genug.
Der ungehorsame Knabe wagte sich dennoch auf das Eis. Er hackte
darauf mit seinen Stiefeln. Auf einmal krachte das Eis. Der Knabe
fiel in das Wasser hinein und schrie laut um Hilfe. Ein Mann eilte
herbei und zog ihn heraus. Ganz durchnaesst musste der Knabe nach Hause
laufen. Die Mutter brachte ihn in das Bett, und dazu wurde er noch
von seinem Vater bestraft.




50. RAETSEL.

Weiss wie Kreide,
Leicht wie Flaum,
Weich wie Seide,
Feucht wie Schaum.

Wer baut wohl die billigste Bruecke?
Wer reisst sie nieder und schlaegt sie in Stuecke?

Was moegen das fuer Blumen sein,
Die unsre Fenster zieren,
Wenn drauss' vor Kaelte Stein und Bein
Im rauhen Winter frieren?
Sie sind nicht rot und blau gemalt,
Wie Blumen auf den Wiesen,
Und wenn die liebe Sonne scheint,
In Wasser sie zerfliessen.




51. WEIHNACHTSFREUDE.

Am Abend vor Weihnachten kam Else zur Mutter gelaufen und rief:
"Denke nur, Anna Maurer hat mir heute ins Ohr gesagt, sie haetten seit
gestern kein Holz, kein Brot und keine Milch. Und sie haben doch ein
kleines Kind, und die Grossmutter ist krank. Darf ich der Anna heute
Abend mein Brot geben?"

"O, gewiss," sagte die Mutter, "geh nur gleich hin. Bringe ihnen auch
diese Kanne voll Milch. Robert soll seinen kleinen Schlitten voll
Holz laden und es hinfahren." Wie freuten sich die Kinder, dass sie
den armen Leuten helfen durften.

Aber Robert wollte noch mehr tun. Er bat den Vater um ein ganz
kleines Tannenbaeumchen. Das schmueckte er mit farbigen Sternen und
Lichtlein. Dann suchte er seine warme Kappe fuer Maurers Karl und nahm
ein Saecklein voll Nuesse. Else holte eine ihrer Puppen. Alles das
packten sie in einen Korb.

Als es dunkel war, nahm Robert das Baeumchen und Else den Korb. Sie
gingen hin und stellten die Sachen leise vor Maurers Tuer. Dann
klopften sie und eilten davon.

Wie sich da die armen Leute freuten! Aber auch Robert und Else
meinten, noch nie so schoene Weihnachten gehabt zu haben, wie diesmal.




52. SCHNEESTERNE.

_Olga_: Komm, liebe Mama, komm geschwind! Ich hab' dir etwas
mitgebracht. Rate, was es ist!

_Mutter_: Nun, was mag das wohl sein! Blumen, Obst oder gar
Kuchen?

_Olga_: O, nein, nein; ganz etwas anderes. Schoene, weisse Sterne
sind es. Sieh her, hier hab' ich sie in meiner Schuerze!

_Mutter_: Wo sind sie denn? Ich kann nichts sehen.

_Olga_: Ach, Mama! Sie sind nun fort, und ich habe mich doch so
gefreut, sie dir zu bringen. Es sind nur noch kleine Tropfen auf
meiner Schuerze. Ich moechte weinen!

_Mutter_: Weine nicht, liebe Olga: Solche Sterne koennen nicht
bleiben. Die Waren einmal Wasser, und die Kaelte machte sie zu Schnee.
Da sehen sie gerade wie kleine, blitzende Sterne aus. Nachher werden
sie wieder zu Wasser. Menschen, Tiere und Pflanzen trinken das
Wasser. Nach und nach holt die Sonne auch viele Tropfen hinauf zu den
Wolken. Ohne Wasser koennten wir gar nicht leben.

[Illustration]




53. BRIEF VOM WEIHNACHTSMANN.

Daheim, am 1. Januar 1913.

Liebe Kinder!

Mein Vetter, der Neujahrsbote, bringt Euch meine Gruesse und Wuensche.
Eure Bitten habe ich, wie Ihr wisset, erfuellt. Erfreuet Euch nur
recht an den Geschenken.

Wenn nun heute mein Baum noch einmal strahlt und glitzert, dann nehmt
Euch vor, auch in diesem Jahre immer lieb und brav zu sein. Ihr koennt
Euren Eltern und mir keine groessere Freude machen. Schreibt mir zur
rechten Zeit wieder, ob Ihr Wort gehalten habt. Dann schenke ich Euch
das naechste Mal, was Ihr als gute Kinder verdient.

Euer Freund

Der Weihnachtsmann.




54. ZU NEUJAHR.

  Noch nicht erwachsen bin ich,
  Drum wuensch' ich kurz, doch innig:
       Ein glueckliches Neujahr!

  Und was euch freut, das weiss ich:
  Wenn brav ich bin und fleissig,
       Mehr als ich sonst es war.

  Gesundheit, Freude, Frieden
  Sei allen euch beschieden,
       Wie heut, so immerdar.




55. VERSTEHST DU DAS?

  Er ritt auf einem Rappen aus,
  Da kam etwas vom Himmel,
  Und als er wieder kam nach Haus,
  Da war der Rapp' ein Schimmel.
       Verstehst du das?




56. DER SCHNEEMANN.

Es hatte geschneit. Dick lag der Schnee auf Strassen und Plaetzen. Die
Knaben wollten sehen, wie tief er wohl sei. Sie wateten hindurch, dass
der Schnee in die Stiefel fiel. "Heute wollen wir einen Schneemann
bauen!" So riefen Fritz, Karl und Otto. Schnell machten sie einen
grossen Schneeball und waelzten ihn im tiefen Schnee herum. Bald wurde
der Ball so gross, dass ihn die Knaben nicht mehr fortbringen konnten.
Nun waelzten sie einen neuen Ball heran, den setzten sie auf den
ersten. Oben darauf kam ein kleiner Ball, das war der Kopf des
Schneemannes. In den Kopf steckte Fritz zwei Kohlen, das waren die
Augen. Auch Nase und Mund, ja sogar die Rockknoepfe des Mannes wurden
aus Kohlen gemacht. Nun bekam der Schneemann noch zwei Arme. In den
einen Arm legten ihm die Knaben einen grossen Stock.

Da stand er nun und drohte. Aber der arme Mann konnte nicht schlagen.
Fortlaufen konnte er auch nicht, als ihn die jungen mit Schneebaellen
warfen. Doch das war noch das Schlimmste nicht! Auf einmal guckte die
liebe Sonne ueber das Dach. Da fing der Schneemann an zu weinen.
Traenen liefen ihm ueber das Gesicht und den weissen Pelzrock. Es war
gut, dass die Sonne heute nicht noch laenger schien, sonst waere er ganz
zu Wasser geworden. Morgen aber oder uebermorgen wird's wohl so
kommen.

[Illustration]




57. MAERZ.

Nach vielen trueben Tagen sehen wir den blauen Himmel wieder. Manchmal
scheint auch schon die Sonne freundlich auf die Erde herab. Da muss
der Winter weichen. Der Schnee faengt an, zu schmelzen, und nur noch
des Nachts gibt es ein wenig Eis. An schoenen Tagen laesst sich
vielleicht ein Vogel hoeren, und ein fleissiges Bienchen fliegt umher.
Auf dem Felde und im Wald sieht es aber noch recht oede aus. Nur die
Weiden und Birken haben graue Kaetzchen, und an den Zweigen der Ulme
sind kleine Blueten. Die Kinder gehen ins Freie; sie spielen Ball oder
lassen den Drachen steigen.




58. OSTERGRUSS.

  Das Haeschen im Walde eilt hin und her,
  Nach Eiern ist heute ein grosses Begehr.
  Es borgt bei der Henne, es borgt bei dem Spatz
  Und sucht fuer die Nester den passenden Platz.
  Ein artiges Kindlein erhaelt heut' sein Ei.
  Es schleppen die Haeschen die Eier herbei;
  Und bist du am Ostermorgen erwacht,
  Hat Haeschen die Nester gefuellt ueber Nacht.




59. DER OSTERHASE.

Bald ist es Ostern. O, wie freue ich mich, denn es kommt der
Osterhase! Der bringt schoene, bunte Eier. Wir wollen ihm deshalb ein
Nest zurecht machen. Oft versteckt der Osterhase die Eier. Dann
muessen wir sie suchen. Zuweilen legt er sie in Huete, Schuhe oder
Koerbe. Auch unter den Schrank hat er sie schon gelegt. Ja, er steckt
sie uns wohl gar in die Taschen. Welche Freude, wenn wir sie finden!
Erst zaehlen wir sie und spielen damit. Spaeter essen wir sie; sie
schmecken gut. In Washington werden am Ostermontage viele Kinder zum
Praesidenten eingeladen. Sie koennen lange auf dem Rasen bei dem grossen
Hause spielen. Da gibt es dann viele und sehr schoene Ostereier. Die
werden hin und her gerollt und schliesslich verzehrt. Ihr moechtet auch
dabei sein, nicht wahr?

[Illustration]




60. DER OBSTGARTEN.

Neben dem Gemuese und den Blumen ist oft ein Platz, auf dem nur Gras
und Obstbaeume wachsen, es ist der Obstgarten. Welche Pracht, wenn die
Baeume im Fruehlinge bluehen! Der Kirschbaum kommt zuerst mit seinen
weissen Blueten. Dann ziehen der Birnbaum und der Pflaumenbaum ihr
weisses Kleid an. Am schoensten aber Bluehen der Apfelbaum und der
Pfirsichbaum, die bluehen schoen rot. Das Obst ist zuerst gruen; dann,
wenn die Sonne recht heiss scheint, wird es gelb, rot oder blau. Ah,
Wie schmecken Kirschen und Pflaumen so gut! Wenn sie nur schon reif
waeren!




61. SPRUECHE.

Was Haenschen nicht lernt,
Lernt Hans nimmermehr.

Gute Sprueche, weise Lehren
Muss man ueben, nicht bloss hoeren.

Frage nicht, was and're machen,
Sieh auf deine eig'nen Sachen.




62. DIE VOEGEL IM FRUEHLINGE.

Im Winter sind nur wenige Voegel Bei uns. Wo sind die andern? Sie sind
fortgezogen nach waermeren Laendern. Jetzt wird es aber auch hier bei
uns warm, und die Voegel kehren zurueck. Bald werdet ihr sie singen
hoeren. Fleissig fliegen sie zum Baume. Sie arbeiten. Im Schnabel
tragen sie Stroh, Heu, Pferdehaare oder auch kleine Zweige herbei;
damit bauen sie ihre Nester.

[Illustration]




63. DAS ROTE HUEHNCHEN.

_Huehnchen_: Hier ist ein Weizenkorn. Wer wird mir helfen, es zu
pflanzen? Bitte, hilf du mir, Frau Gans.

_Gans_: Es tut mir leid, aber ich kann dir nicht helfen.

_Huehnchen_: Bitte, hilf du mir, Frau Ente.

_Ente_: O, ich kann dir heute nicht helfen. Ich habe so viel mit
meinen Kindern zu tun.

_Huehnchen_: Nun, dann hilf du mir, alte Katze.

_Katze_: Ich kann dir auch nicht helfen. Ich muss meine Kaetzchen
waschen.

_Huehnchen_: Willst du mir denn nicht helfen, kleines Schwein?

_Schwein_: Ich kann keinen Weizen pflanzen. Ich bin zu muede.
Pflanz du ihn selber.

_Huehnchen_: Das will ich auch tun! Ich lege dich in die Erde,
Koernchen, und die Sonne, der Regen und der Wind werden dich wachsen
lassen.


          *         *         *         *         *


_Huehnchen_: Jetzt ist der Weizen reif. Wer wird ihn nach der
Muehle fahren? Willst du es tun, Frau Gans?

_Gans_: Es tut mir recht leid, Huehnchen, aber heute kann ich
nicht nach der Muehle fahren. Ich habe Rueckenschmerzen.

_Huehnchen_: Willst du es tun, Frau Ente?

_Ente_: Nein, ich kann auch nicht fort. Ich muss jetzt schwimmen.

_Huehnchen_: So tu du es, alte Katze!

_Katze_: Sch! Sch! Ruhig! Ich laure auf eine Maus. Ich kann
diesmal nicht gehen.

_Huehnchen_: Bitte, tu du es doch, kleines Schwein.

_Schwein_: Ach was! Es ist gerade Zeit fuer mein
Mittagsschlaefchen. Du kannst den Weizen selber zur Muehle fahren.

_Huehnchen_: Das werde ich auch tun.


          *         *         *         *         *


_Huehnchen_: Hier ist Mehl. Wer wird Brot daraus backen? Willst
du das Brot backen, Frau Gans?

_Gans_: Ei, nein! Ich habe in meinem Leben noch kein Brot
gebacken.

_Huehnchen_: Willst du das Brot backen, Frau Ente?

_Ente_: Ich! Brot backen? Nein, das kann ich wirklich nicht tun.

_Huehnchen_: Backe du das Brot, alte Katze!

_Katze_: Ich tue alles andere auf der Welt lieber als backen.

_Huehnchen_: Wach auf, kleines Schwein, und back du das Brot.

_Schwein_: Ach! lass mich in Ruhe. Ich will dir beim Essen
helfen, wenn es gebacken ist.

_Huehnchen_: Gut; da backe ich es selbst.


          *         *         *         *         *


_Huehnchen_: So, jetzt ist das Brot gebacken. Sechs schoene,
braune Laibe. Wer will helfen essen?

_Gans, Ente, Katze, Schwein_: Wir wollen dir helfen!

_Huehnchen_: O, nein! Nun brauch' ich euch auch nicht. Ich werde
es essen, und meine Kuechlein sollen mir helfen. Gluck, gluck, gluck!




64. RAETSEL.

Rate flink:
Ein kleines Ding,
Duenn und spitz;
Sticht wie der Blitz.

Zwei sind's, die nebeneinander steh'n
Und alles ganz gut und deutlich seh'n,
Nur immer eines das andre nicht,
Und waer' es beim hellsten Tageslicht.




65. DER NASEWEISE BELLO.

In einem Stalle wohnten fuenf kleine Hunde mit ihrer Mutter. Alle
waren schoen weiss mit braunen Flecken. Sie spielten lustig umher und
lernten auch von der Mutter Ratten und Maeuse fangen.

Nur einer der Kleinen wollte nicht folgen. Er wollte auch nicht mit
seinen Geschwistern spielen, sondern trieb sich lieber draussen herum.
Einmal war Bello--so hiess der kleine--wieder hinausgeschlichen. Bei
der Tuere stand ein Topf voll schwarzer Farbe. Bello wollte gerne
wissen, was darin waere, und so steckte er seine Nase hinein. Aber, o
weh! er kam mit dem Kopfe zu Weit hinein und warf den Topf um. Jetzt
war er ueber und ueber mit schwarzer Farbe bedeckt. Langsam ging er
zurueck und blieb mit haengendem Kopf auf der Tuerschwelle sitzen. Seine
Mutter und seine Geschwister schaemten sich des schmutzigen,
naseweisen Bello.



66. HEIL, AMERIKA!

           Hoch die Fahnen,
           Sie gemahnen
    An das teure Vaterland.
  Rot und weiss die Streifen winken,
  Licht im Blau die Sterne blinken,
    Sind der Freiheit Unterpfand.

          Freudig singen
          Wir und bringen
    Gruesse viel von fern und nah.
  Wo die Flaggen munter wehen,
  Stolz wir, sie beschuetzend, stehen,
    Deiner wert, Amerika!

[Illustration]




67. PETERSILIE.

Es waren einmal zwei Kinder, ein Knabe und ein Maedchen. Das Maedchen
hiess Silie, der Knabe Peter. Die Kinder konnten sich gar nicht
miteinander vertragen. Sobald sie zusammenkamen, stritten sie und
schlugen einander. Dies machte den Eltern viel Kummer. Das aergerte
den Paten der Kinder, der ein Zauberer war. Er sprach zu den beiden:
"Hoere ich euch wieder zanken, so lasse ich euch zur Strafe
zusammenwachsen."

Es dauerte gar nicht lange, so war wieder Streit; Silie schlug den
Peter, und Peter schlug Silie. Da kam der Zauberer durch die Luft
gefahren und ruehrte beide mit seinem Stabe an. Nun waren sie
verwandelt. Peter wuchs in die Erde hinein als Wurzel, und oben auf
ihm Silie als gruenes Kraut. Der Zauberer nannte sie nun zusammen:
Petersilie.



68. DAS KIND UND SEIN BLUEMCHEN.

  Ward ein Bluemchen mir geschenket,
  Hab's gepflanzt und hab's getraenket.
  Voegel, kommt und gebet acht!
  Gelt, ich hab' es recht gemacht?

  Sonne, lass mein Bluemchen spriessen!
  Wolke, komm es zu begiessen!
  Richt' empor dein Angesicht,
  Liebes Bluemchen, fuercht' dich nicht!

  Und ich kann es kaum erwarten,
  Taeglich geh' ich in den Garten,
  Taeglich frag' ich: Bluemchen, sprich,
  Bluemchen, bist du boes auf mich?

  Sonne liess mein Bluemchen spriessen,
  Wolke kam, es zu begiessen;
  Jedes hat sich brav bemueht,
  Und mein liebes Bluemchen blueht.

  Wie's vor lauter Freuden weinet,
  Freut sich, dass die Sonne scheinet;
  Schmetterlinge, fliegt herbei,
  Sagt ihm doch, wie schoen es sei!

[Illustration]





69. NACHLAESSIGKEIT.

Eine fleissige Mutter baute in ihrem Garten Gemuese aller Art. Eines
Tages sagte sie zu ihrer kleinen Tochter: "Lieschen, sieh da an der
untern Seite des Kohlblattes die kleinen, netten, gelben Tuepfelchen!
Das sind die Eier, aus denen die schoenfarbigen, aber verderblichen
Raupen kommen. Suche diesen Nachmittag alle Blaetter ab und zerdruecke
die Eier, so wird unser Kohl gruen und unversehrt bleiben."

Lieschen meinte, zu dieser Arbeit sei es immer noch Zeit, und dachte
am Ende gar nicht mehr daran. Die Mutter war einige Wochen krank und
kam nicht in den Garten. Als sie aber wieder gesund war, nahm sie das
saumselige Maedchen bei der Hand und fuehrte es zu den Kohlbeeten, und
siehe! aller Kohl war von den Raupen abgefressen. Man sah nichts mehr
als die Stengel und Gerippe der Blaetter. Das erschrockene und
beschaemte Maedchen weinte ueber seine Nachlaessigkeit. Die Mutter aber
sprach: "Tu' kuenftig das, was heute geschehen kann, sogleich heute
und verschiebe es niemals auf morgen!"




70. EIN RAETSEL.

Ratet, ratet, was ist das:
Es ist kein Fuchs und ist kein Has'.
Es hat zwei Augen und kann nicht sehen.
Es hat zwei Fuesse und kann nicht gehen.
Es hat zwei Ohren und kann nicht hoeren.
Es hat zwei Haende und kann sich nicht wehren.

Es ist ein Maedchen huebsch und fein,
Tut niemals zanken und niemals schrei'n.

Was fuer ein Maedchen mag das sein?

[Illustration]




71. WAS WUERDEST DU TUN?

"Wenn ich ein Koenig waere," sagte ein Kind, "liesse ich mir ein Schloss
bauen bis an die Wolken!"

"Und ich," sagte ein anderes, "truege nur Kleider von Silber und
Gold!"

"Und ich," rief ein dicker Bube, "ich aesse nur Kuchen und Wurst!"

"Ich," sagte ein kleines Maedchen und wurde ein wenig rot, "ich gaebe
allen armen Kindern Geld, dass sie sich Brot und Kleider kaufen
koennten!"




72. WAS WOLLEN WIR SPIELEN?

_Ella_: In fuenf Minuten ist Essenszeit,
       Noch schnell was zu spielen, das waere gescheit!

_Toni_: Ei! Jede holt ihre Puppe heraus,
       Wir tragen sie etwas spazieren ums Haus.

_Ella_: Das Puppenholen haelt aber doch auf!
       Komm, spielen wir haschen; ich fange dich, lauf!

_Toni_: Beim Haschen kommt man ja gar nicht zur Ruh'.
       Ach! spielen wir lieber Blindekuh!

_Ella_: Bei Blindekuh komme ich immer zu Fall.
       Topp! Weisst du was, spielen wir Fangeball!

_Toni_: Ach was, das Ballspiel machte mir niemals Spass;
       Reifentreiben, das waere noch was!

_Ella_: Die Reifen, die sind auch drinnen im Haus.
       Was meinst du, wir suchen Mama einen Strauss!

_Toni_: Wir duerfen ja nicht auf dem Rasen springen.
       So lass uns lieber ein Liedchen singen!

_Ella_: Ich habe den Husten, faellt eben mir ein!

_Toni_: Na, gut! So spiele ich fuer mich allein!

_Ella_: Ganz alleine? O, das waere nicht schlecht:
       Dir ist ja auch nimmer ein Vorschlag recht!

_Toni_: Was spiele ich nun?--Die Zeit geht vorbei--
       Zum Wettelaufen gehoeren doch zwei!

_Ella_: Mir ist nicht sehr zum Spielen zu Mut--
       Alleine tanzen geht auch nicht gut!

_Toni_: Mama ruft zum Essen! Wir muessen ins Haus!
       Ach, Ella, nun ist mit dem Spielen es aus!

_Ella_: Wie ist die Zeit nur so hingegangen!
       Wir haben ja nicht einmal angefangen!

_Toni_: Ja! weisst du, das Ueberlegen und Streiten!
       Es war doch wirklich recht dumm von uns beiden!

_Ella_: Wir haben recht kindisch uns angestellt!

_Toni_: Nach Tische spielen wir--

_Ella_:                     Was dir gefaellt!





73. DIE SCHLAUE KATZE.

Die Nachbarin hatte einen zahmen Zeisig, den sie oft aus dem Kaefig
liess. Dann huepfte das Tierchen in der Stube umher und suchte Krumen
am Boden. Die alte Katze war immer sehr freundlich mit dem Voegelchen.
Vor einigen Tagen aber erfasste sie ploetzlich den Zeisig, nahm ihn ins
Maul und sprang mit ihm auf den Tisch.

Die Nachbarin erschrak und glaubte, die Katze wolle ihr liebes
Voegelein auffressen. Da sah sie jedoch, dass die Stubentuere offen war
und eine fremde Katze sich ins Zimmer geschlichen hatte. Schnell
jagte sie diese hinaus, und sieh, die alte Hauskatze sprang sogleich
vom Tische herab und liess den Zeisig auf den Boden fallen, ohne ihm
etwas zuleide getan zu haben. Hat die alte Katze nicht klug
gehandelt?




74. KANNST DU ES SAGEN?

  Es sassen zehn Sperlinge auf dem Dach;
  Da kam der Jaeger und schoss danach;
  Er traf davon nur vier.
  Wie viel bleiben sitzen?
  Das sage mir.




75. DER SPERLING

  Ich bin wohl ein gemeiner Wicht,
  Das Singen, das versteh' ich nicht,
  In schoenen Kleidern geh' ich nicht;
  Es sieht mich auch der Mann kaum an;
  Nur boese Buben dann und wann,
  Die werfen mich mit Steinen;
  Und dennoch will mir's scheinen,
  Als sei so schoen die ganze Welt,
  So blau die Luft, so gruen das Feld--
  Zip, zip, zip! Ich hab' die Welt so lieb!




76. DAS PFERD UND DER ESEL.

Einst schleppte ein Esel eine schwere Last. Neben ihm ging ein
lediges Pferd. Der Esel bat das Pferd, es moege ihm doch helfen;
allein es hoerte nicht auf seine Bitte. Zuletzt konnte der Esel nicht
mehr weiter; er fiel zu Boden und starb.

Nun lud der Treiber die ganze Last dem Pferde auf. Er zog dem toten
Tiere die Haut ab, und das Pferd musste dieselbe noch obendrein
tragen. Hilf deinem Naechsten in der Not.




77. DER KLUGE STAR.

Ein durstiger Star wollte aus einer Wasserflasche trinken. Er konnte
aber das Wasser mit seinem kurzen Schnabel nicht erreichen. Da hackte
er damit aufs dicke Glas; doch er vermochte nicht, es zu zerbrechen.
Dann stemmte er sich gegen die Flasche und wollte sie umwerfen. Aber
dazu war er nicht stark genug.

Was tat der kluge Star zuletzt? Er las kleine Steinchen mit seinem
Schnabel zusammen und warf eines nach dem andern in die Flasche.
Dadurch stieg das Wasser endlich so hoch, dass er es erreichen konnte.
Jetzt loeschte er seinen Durst.

[Illustration]




78. DER APFELBAUM.

  Der Apfelbaum, das ist ein Mann!
  Kein andrer gibt so gern wie der.
  Im Winter, wenn man schuettelt dran,
  Da gibt er Schnee die Fuelle her.
  Im Fruehling wirft er Blueten nieder.
  Im Sommer herbergt er die Finken.
  Jetzt streckt er seine Zweige nieder,
  Die voller Frucht zur Erde sinken.
  Drum kommt und schuettelt, was ihr koennt!
  Ich weiss gewiss, dass er's euch goennt.

[Illustration]




79. DER HASE UND DER FUCHS.

Ein Hase und ein Fuchs machten im Winter eine Reise. Alles war mit
Schnee bedeckt. Der Hunger plagte sie sehr. Da sahen sie ein Maedchen
mit einem Korbe kommen, darin war Brot. Das merkte der Fuchs und
sagte zu dem Hasen: "Lege dich wie tot auf den Boden, dann wird das
Maedchen den Korb niederstellen, um dich aufzuheben. Ich nehme den
Korb weg und mache mich schnell davon. Du eilst mir nach, und dann
lassen wir es uns wohl sein." Das war dem Hasen recht.

Der Fuchs verbarg sich hinter einem Haufen Schnee, und der Hase legte
sich nieder. Das Maedchen stellte den Korb richtig hin und griff nach
dem Hasen. Da schlich der Fuchs hervor und machte sich mit dem Korb
so schnell davon, dass das Maedchen ihm nicht nachkam. Unser Hase aber
eilte ihm in grossen Saetzen nach. An einem Wasser hielten sie still.
Weil aber der Fuchs nicht teilen wollte, so sagte der Hase: "Brot
haben wir, jetzt sollten wir auch noch Fische haben. Dann haetten wir
ein Essen wie die grossen Herren. Stecke deinen Schwanz ins Wasser, so
werden sich die Fische daran haengen, denn die haben jetzt auch nicht
viel zu beissen."

Der Fuchs ging an den Weiher hin und hing seinen Schwanz in das
Wasser. Es dauerte aber nicht lange, so war er im Eise festgefroren.
Der Fuchs konnte ziehen und zappeln, wie er wollte--das Eis liess ihn
nicht los. Er musste nun zusehen, wie der Hase ein Brot nach dem
andern verzehrte. Dann rief der listige Hase dem Fuchs zu: "Im
Fruehjahr sehen wir uns wieder. Lass dir die Zeit nicht zu lang werden,
bis das Eis auftaut."




80. SPRUECHE.

Wer andern eine Grube graebt,
Faellt selbst hinein.

Wer redet, was er nicht sollte,
Muss hoeren, was er nicht wollte.

Kein besseres Kissen in Freude und Schmerz,
Als gutes Gewissen und froehliches Herz.




81. DER HASE UND DIE SCHILDKROETE.

Ein flinker Hase forderte einst die langsame Schildkroete zum Wettlauf
auf. Sie willigte ein, und eine grosse Eiche im Walde sollte das Ziel
sein.

Mit den ersten Sonnenstrahlen machte sich die Schildkroete auf den
Weg, der Hase aber hatte keine grosse Eile. Er spielte lange im Grase
umher, ehe er ans Laufen dachte. Endlich sprang er fort und holte die
Schildkroete wirklich ein. Da er jedoch sah, wie muehsam sie vorwaerts
kroch, legte er sich im Schatten eines Baumes nieder und schlief fest
ein.

Als er erwachte, war es schon lange nach Mittag. Da rannte er, so
rasch er konnte, den Weg entlang. Aber, siehe da, als er die Eiche
erblickte, sass die Schildkroete schon darunter und lachte den Hasen,
der seine Zeit verspielt und verschlafen hatte, tuechtig aus.

[Illustration]




82. HASENBRATEN.

  Auf dem Dach viel blanke Zapfen,
  Zu dem Schnee viel kleine Tapfen,
  Alle laufen nach dem Kohl!
  Haeschen, das gefaellt dir wohl?

  Naechtlich, bei des Mondes Schimmer,
  Sitzt es dort zu schmausen immer;
  Knusperknaeuschen, gar nicht faul:
  Ei, du kleines Leckermaul!

  Haeschen ist es schlecht bekommen;
  Vater hat's Gewehr genommen;
  Eines Abends ging es: bumm!
  Bautz! da fiel das Haeschen um.

  Kannst du wohl das Ende raten?
  Heute gibt es Hasenbraten,
  Apfelmus mit Zimt dazu.
  Ach, du armes Haeschen du!

[Illustration]




83. DER SCHEIN TRUEGT.

Bei einem Teiche wohnten viele Gaense. In der Naehe hatte auch ein
Fuchs seinen Bau. Gar oft versuchte er, sich eine Gans oder ein
Gaensekuechlein zu fangen. Daher fuerchteten sich diese sehr vor dem
braunen Gesellen. Einst war der Fuchs sehr hungrig. "Heute muss ich
mir einen fetten Braten holen!" sagte er zu sich selber.

Er streckte sich, so lang er war, im Grase aus und ruehrte kein Glied.
Als die Gaense den Raeuber so liegen sahen, kamen sie naeher und erhoben
ein freudiges Geschnatter. "Jetzt werden wir Ruhe haben!" sprachen
sie. "Unser Feind ist nicht mehr am Leben!"

Schnell sprang der Fuchs auf, erwischte den Gaenserich beim Fluegel und
trug ihn in seine Hoehle.

[Illustration]




84. DER FROSCH.

_Berta_: Geschwind, geschwind, Mama!

_Mutter_: Was fehlt dir? Wer hat dir etwas zuleide getan?

_Berta_: Sieh nur, was mir unser Spitz in den Schoss fallen liess!

_Mutter_: Einen kleinen Frosch! Und deshalb bist du so
erschrocken? Rasch, nimm den kleinen Burschen und setze ihn in das
Gemuesebeet!

_Berta_: Tragen soll ich das haessliche Tier? Ich wuerde es um
alles in der Welt nicht in die Hand nehmen!

_Mutter_: Nun, dann muss ich es tun! Schau, wie ich jetzt das
Tierchen anfasse und es ins Beet huepfen lasse. Hopp, da sitzt es
schon drinnen.

_Berta_: O, Mama, was tust du? Warum hast du den Frosch nicht
getoetet?

_Mutter_: Weil er ein sehr nuetzliches Tier ist. Freust du dich
nicht, wenn es im Garten die zarten Ruebchen und die suessen Erbsen
gibt, die Papa jedes Fruehjahr pflanzt?

_Berta_: Gewiss, Mama! Ich esse beides sehr gerne; aber was hat
das mit dem Frosch zu tun?

_Mutter_: Hoere nur, du wirst es gleich erfahren. Den Raupen und
Kaefern schmecken diese Gemuese auch gut, gerade wie dir. Im Fruehlinge
stellen sich diese Insekten ein und fressen die Blaettchen ab, so dass
die Pflaenzchen sterben muessten, wenn der Frosch nicht zur Hand waere.
Der glatte Bursche huepft dann durch den Garten, faengt die Raupen,
Fliegen und Kaefer, und die Pflaenzchen wachsen wieder. Soll ich den
Frosch zum Dank dafuer toeten, Berta?

_Berta_: Nein, liebe Mama; und wenn ich wieder sehe, dass ein
Knabe einen Frosch quaelt, will ich ihm sagen, was ich heute von dir
gelernt habe.

[Illustration]




85. VOM LISTIGEN GRASMUECKLEIN EIN LUSTIGES STUECKLEIN.

  Klaus ist in den Wald gegangen,
  Weil er will die Voeglein fangen;
  Auf den Busch ist er gestiegen,
  Weil er will die Voeglein kriegen.
  Doch im Nestchen sitzt das alte
  Voegelein just vor der Spalte,
  Schaut und zwitschert: "Ei, der Taus!
  Kinderlein, es kommt der Klaus,
  Hu, mit einem grossen Pruegel,
  Kinderlein, wohl auf die Fluegel!"
  Brr, da flattert's: husch, husch, husch!
  Leer das Nest, und leer der Busch.
  Und die Voeglein lachen Klaus
  Mit dem grossen Pruegel aus,
  Dass er wieder heimgegangen
  Zornig, weil er nichts gefangen;
  Dass er wieder heimgestiegen,
  Weil er konnt' kein Voeglein kriegen.




86. EIN TOERICHTER STREIT.

Zwei Knaben, Albert und Paul, suchten im Walde Nuesse. Da bemerkte
Paul eine grosse Walnuss unter einem Baume und rief seinem Kameraden
zu: "O, sieh dort vor dir die Walnuss!" Albert hob sie schnell auf und
steckte sie in seine Tasche. Damit war aber Paul nicht zufrieden; er
sagte: "Die Nuss gehoert mir, ich habe sie zuerst gesehen!" "Und ich
habe sie aufgehoben," erwiderte Albert trotzig; "ich gebe sie nicht
her!" So stritten sie heftig, und schon wollten die toerichten Knaben
einander schlagen, als Georg, ein aelterer Junge, herbeikam, der im
Walde Eichhoernchen schoss. Albert und Paul baten den grossen Knaben, er
solle entscheiden, wem die Nuss gehoere. Was tat Georg? Er zerbrach die
Nuss mit einem Steine und gab jedem der beiden Streitenden ein Stueck
von der Schale. "Den Kern," sprach er, "behalte ich als Lohn dafuer,
dass ich euer Richter war!" Dann ging er lachend fort.

[Illustration]




87. HERR WIND! HERR WIND!

  Ein Bauer hat ein Haus gehabt,
  Und auf dem Haus ein Dach.
  Zur Nachtzeit kam der Wind getrabt,
  Da ward der Bauer wach.
  Wie's heulte, krachte, klirrte, klang!
  Der arme Bauer flehte bang:
       "Ich bitt' dich, lass' dein Toben,
       Und lass' mein Dach dort oben,
            Herr Wind! Herr Wind!"

  Des Daches Luken schlossen gut
  Der Bauer und sein Knecht.
  Da ward der Wind voll Trotz und Wut
  Und kreischte: "Nun erst recht!"
  Herr Wind! Herr Wind! du boeser Wind,
  Du bist wie manche Kinder sind,
      Die das just haben wollen,
      Was sie nicht haben sollen.
           Herr Wind! Herr Wind!

  Mit Draeuen draengt der Wind und drueckt
  Mit Groll und grausem Krach;
  Er zieht und zerrt und ruettelt, rueckt
  Und reisst vom Haus das Dach.
  Zerstoert ist herzlos Heim und Haus;
  Der Bauer sieht so traurig aus,
       Sein Weib und seine Kleinen,
       Sie stehen da und weinen.
            Herr Wind! Herr Wind!

  Hast du's gehoert, mein liebes Kind?
  Sei freundlich, friedlich, froh!
  Denn wuerdest du ein solcher Wind,
  Dann spraech' man von dir so:
  Du bist nicht gut, du tust nicht gut,
  Du bist ein wild und trotzig Blut,
      Das stets gern haben wollte,
      Was es nicht haben sollte!----
           Herr Wind! Herr Wind!

[Illustration]




88. DAS FUENKCHEN.

Das Kind hatte mit dem Fuenkchen gespielt, obgleich seine Mutter es
schon oft verboten hatte. Da war das Fuenkchen fortgeflogen und hatte
sich ins Stroh versteckt. Das Stroh fing an zu brennen, und es
entstand eine Flamme, ehe das Kind daran dachte. Da wurde es dem
Kinde bange, und es lief fort, ohne jemandem etwas von der Flamme zu
sagen. Und da niemand Wasser darauf schuettete, ging die Flamme nicht
aus, sondern breitete sich im ganzen Hause aus. Als sie an die
Fenstervorhaenge kam, wurde sie noch groesser, und das Bett, worin die
Leute nachts schliefen, brannte hell auf, und die Tische und die
Stuehle und die Schraenke und alles, was der Vater und die Mutter
hatten, das wurde vom Feuer erfasst, und die Flamme wurde so hoch wie
der Kirchturm. Da schrieen die Leute vor Schrecken, die Glocken
laeuteten; es war fuerchterlich zu hoeren, und die Flamme war
schrecklich zu sehen. Nun fing man an zu loeschen, indem man Wasser in
das Feuer schuettete und spritzte; aber es half nichts; das Haus
brannte ganz ab, und nur noch ein wenig Kohlen und ein bisschen Asche
blieben uebrig. Da hatten nun die Eltern des Kindes kein Haus mehr und
kein Plaetzchen, wo sie wohnen und wo sie schlafen konnten, und auch
kein Geld, um sich ein neues Haus und neue Betten und Tische und
Stuehle zu kaufen. Ach, wie weinten die armen Eltern! Und das Kind,
das mit dem Fuenkchen gespielt hatte, war schuld daran.




89. RAETSEL.

Kennt ihr die Blume, in guter Ruh'
Dreht sie sich immer der Sonne zu;
Sie hat viel Samenkoerner schoen,
Wie Strahlen ihre Blaettchen stehn.

Erst weiss wie Schnee,
Dann gruen wie Klee,
Drauf rot wie Blut,
Dann schmeckt es gut.




90. DAS GAENSEBLUEMCHEN.

[Illustration]

Die Rose feierte einmal ihren Geburtstag. Sie stand mitten im Garten,
und alle Blumen kamen zu ihr, um ihr Glueck zu wuenschen. Zuerst kamen
die stolze Lilie und die praechtige Tulpe, hernach kamen die kleinen
Blumen. Alle neigten sich vor der Rose und sagten: "Wir wuenschen dir
Glueck, liebe Rose."

[Illustration]

Aber ein kleines, weisses Bluemchen getraute sich nicht, nahe an die
Rose heranzutreten, weil es so schuechtern und bescheiden war. Es
blieb von ferne stehen und fluesterte nur: "Ich wuensche dir auch
Glueck, liebe Rose!" Die Rose hatte das Bluemchen aber gesehen und
winkte ihm, naeher heranzutreten. "Komm doch naeher, liebe kleine
Schwester," sagte die Rose guetig. Als nun das Bluemchen naeher
herangetreten war, fragte die Rose: "Wie heisst du denn, liebe
Kleine?" Da sprach es ganz leise: "Ich heisse Gaensebluemchen."

[Illustration]

"Aber, liebes Gaensebluemchen," sagte die Rose freundlich, "du bist ja
tausendmal schoener als alle andern Blumen. Du sollst jetzt nicht mehr
Gaensebluemchen, sondern Tausendschoen heissen, weil du tausendmal
schoener bist als alle." Darueber freute sich das gute Gaensebluemchen
so sehr, dass es ueber und ueber rot ward, und seit der Zeit haben alle
Gaensebluemchen--rote Ohrlaeppchen.

[Illustration]




91. DIE GRUENE STADT.

  Ich weiss euch eine schoene Stadt,
  Die lauter gruene Haeuser hat.
  Die Haeuser, die sind gross und klein,
  Und wer nur will, der darf hinein.

  Die Strassen, die sind freilich krumm,
  Sie fuehren hier und dort herum;
  Doch stets gerade fort zu gehn,
  Wer findet das wohl allzuschoen!

  Die Wege, die sind weit und breit
  Mit bunten Blumen ueberstreut.
  Das Pflaster, das ist sanft und weich,
  Und seine Farb' den Haeusern gleich.

  Es wohnen viele Leute dort,
  Und alle lieben ihren Ort.
  Ganz deutlich sieht man dies daraus,
  Dass jeder singt in seinem Haus.

  Die Leute, die sind alle klein,
  Denn es sind lauter Voegelein;
  Und meine ganze gruene Stadt
  Ist, was den Namen "Wald" sonst hat.




92. DEUTSCHLAND.

[Illustration]

Weit weg von hier liegt Deutschland. Das ist ein schoenes Stueck Erde.
Zu Deutschland gehoeren Preussen, Sachsen, Bayern, Baden und andere
kleinere oder groessere Staaten. Dort gibt es breite und tiefe Fluesse.
Der Rhein, die Elbe und die Donau sind am bekanntesten. Daneben
finden sich weite Ebenen, hohe Berge und dichte Waelder. Auch fehlt es
nicht an Staedten, in denen viele fleissige Leute leben. Berlin,
Muenchen, Koeln, Dresden, Frankfurt und manche andere sind
bemerkenswert. Ueberall hat man praechtige Wohnhaeuser, reiche Kirchen
und herrliche oeffentliche Gebaeude. Alles wird sehr sauber und
ordentlich gehalten. Von Hamburg und Bremen aus fahren maechtige
Dampfschiffe und Segler nach allen Gegenden der Welt. Deutschland
besitzt auch zahlreiche grosse Fabriken. Die Felder werden auf das
Beste bestellt. Die deutsche Fahne ist schwarz, weiss und rot
gestreift. An der Spitze des Reiches steht der deutsche Kaiser.




93. SONNENSCHEIN.

  Sonnenschein,
  Klar und rein,
  Leuchtest in die Welt hinein;
  Machst so hell, so warm und schoen
  In den Taelern, auf den Hoeh'n,
  Die du alle ueberstrahlst
  Und so hold und lieblich malst.

  Sonnenschein,
  Klar und rein,
  Kehre auch ins Herz mir ein!
  Wenn ich habe heitern Sinn,
  Gut und froh und freundlich bin,
  Dann ist's in dem Herzen mein
  Wunderbarer Sonnenschein.




94. DIE KOENIGIN LUISE.

Vor hundert Jahren lebte in Preussen eine Koenigin, namens Luise. Sie
war jung und schoen, aber auch ebenso gut. Ein jeder liebte sie. Schon
als kleines Kind hatte sie ihre Mutter verloren und wurde von ihrer
Grossmutter einfach erzogen. So war sie zu einer echten, deutschen
Jungfrau herangewachsen, als der Kronprinz und spaetere Koenig von
Preussen, Friedrich Wilhelm, sie kennen lernte. Bald darauf wurde sie
seine Frau. Eine grosse Freude hatte sie an ihren Kindern, zwei
Knaben, mit denen sie gerne lernte und spielte. Aber da gab es einen
schrecklichen Krieg mit dem Kaiser von Frankreich, Napoleon. Die
Feinde waren staerker als die Preussen und besiegten sie. Das tat dem
Koenige und der guten Koenigin sehr weh. Es kam so weit, dass sie ihr
Schloss in Berlin verlassen mussten. Als die koenigliche Familie endlich
wieder zurueckkehren konnte, herrschte grosser Jubel. Die Freude sollte
aber nicht lange dauern, denn bald darauf wurde die edle Koenigin
schwer krank und erholte sich nicht mehr. Als sie starb, war die
Trauer allgemein. Noch heute ist die Koenigin Luise unvergessen.

[Illustration]




95. DAS GOLDENE SCHLOSS.

"Willst du eine Prinzessin sein?" So fragte ein Knabe seine kleine
Schwester. Die lachte ihn aus. Er sagte aber: "Ja, ich kann ein Koenig
und du kannst eine Prinzessin werden. Du bekommst ein schoenes, neues
Kleid und einen silbernen Thron. Ich bekomme einen roten Mantel, eine
goldene Krone und einen goldenen Thron." Die Schwester glaubte das
nicht und sagte: "Unsere Eltern sind ja so arm." Der Knabe erzaehlte
dann: "Letzte Nacht im Traume kam ein kleiner Mann zu mir. Er fragte
mich: 'Willst du ein Koenig sein und in einem goldenen Schlosse
wohnen?' Ich sagte, ja. Da sprach der Kleine: 'Komm in den Wald mit
deiner Schwester, wenn der Mond scheint. Bei der grossen Tanne warte
auf mich. Aber spaeter im goldenen Schlosse darf keine Traene auf den
Boden fallen. Wenn eine Traene auf den Boden faellt, muesst ihr wieder
heim.'" Jetzt glaubte die Schwester, was der Bruder sagte. Sie wollte
gerne mit ihm gehen.

Am Abend schien der Mond sehr hell. Da gingen Bruder und Schwester
hin zu der grossen Tanne im Walde. Das Maennlein war noch nicht da. Die
Kinder setzten sich ins Moos, um zu warten. Sie waren muede und
schliefen bald ein. Auf einmal wachten sie auf. Verwundert schauten
sie um sich. Sie hatten schoene neue Kleider an. Der Bruder hatte
einen roten Mantel und trug eine goldene Krone. Die Schwester hatte
ein himmelblaues Kleid mit silbernen Sternen. Auf ihren Haaren war
ein Kranz von Diamanten. Der kleine Mann kam und rief: "Willkommen,
willkommen!" Dann kamen noch viele kleine Maennlein mit einem goldenen
und einem silbernen Wagen. Der Bruder musste sich in den goldenen
Wagen und die Schwester in den silbernen Wagen setzen. Die Maennlein
zogen die Wagen und fuhren durch den Wald an einen Berg. Im Berge war
eine grosse, hohe Halle, und darin stand ein goldenes Schloss. Die
kleinen Maenner fuehrten die Geschwister in dieses Schloss. Dann holten
sie einen goldenen und einen silbernen Thron. Der goldene Thron war
fuer den Bruder und der silberne fuer die Schwester. Die kleinen Maenner
stellten sich vor sie hin und riefen: "Hoch lebe unser Koenig und auch
die Prinzessin!" Dann gab es zu essen, lauter gute Sachen.

Nach dem Essen wollten die Kinder schlafen, denn es war schon spaet.
Im Schlafzimmer standen zwei Betten, ein goldenes und ein silbernes.
Der Koenig legte sich in das goldene, die Prinzessin in das silberne
Bett. Da fragte der Bruder: "Schwesterchen, wie gefaellt dir das
goldene Schloss?" Sie antwortete: "Schoen ist es schon hier; wenn nur
der Vater und die Mutter auch hier waeren!" Der Bruder sagte: "Das
moechte ich auch haben. Was werden die Eltern jetzt machen?" Die
Schwester meinte: "Sie werden uns suchen und weinen, weil sie uns
nicht finden koennen." "Ja," war des Bruders Antwort, "sie werden
denken, der Wolf habe uns gefressen." Das konnte die Schwester nicht
anhoeren. Sie fing an zu weinen. Da warnte der Bruder: "Nicht weinen,
sonst fallen deine Traenen auf den Boden!" "Nein," sagte die
Schwester, "ich hab' sie mit der Hand aufgefangen. Aber ich muss
weinen." Nun wurde auch der Bruder ganz traurig. Auch er weinte
einige Traenen. Doch die Traenen fielen in das Bett. Die Schwester
fragte: "Wie lange willst du noch Koenig bleiben? Ich will nicht mehr
Prinzessin sein. Ich will heim!" Der Bruder sagte: "Ja, zu Hause bei
Vater und Mutter ist es doch schoener!" Da liessen sie beide grosse
Traenen auf den Boden fallen. Es donnerte, und die Kinder fielen aus
den Betten.

Nun kamen die kleinen Maenner wieder. Sie waren sehr traurig und
brachten die Geschwister zurueck zu der grossen Tanne im Wald. Da
schliefen Bruder und Schwester bald ein. Als sie die Augen oeffneten,
war es heller Tag, aber der rote Mantel und das himmelblaue Kleid
Waren verschwunden.

Da kamen auch schon die Eltern. Die freuten sich sehr, ihre Kinder
wieder zu haben. Die Geschwister waren ebenso froh und versprachen,
nie mehr fortgehen zu wollen.




96. DIE KLEINEN MUESSIGGAENGER.

Drei Kinder sollten nach der Schule gehen, aber sie sprachen: "Was
kann das Lernen helfen! Lasst uns in den Wald laufen; da spielen die
Tierlein, und wir wollen mit ihnen spielen."

Als die Kinder nun im Walde waren, luden sie zuerst die Kaefer zu
ihrem Spiele ein. Da summten die Kaefer um die Koepfe der Kinder, und
der eine sprach: "Ich habe keine Zeit, ich muss Holz saegen!" Der
andere sprach: "Ich muss ein Loch graben!" Noch andere riefen: "Wir
muessen uns ein Huettlein aus Gras bauen!"

Nun kamen die Kinder an einen Ameisenhaufen. Hier lief eine ganze
Menge von Ameisen aus und ein. Jedes dieser winzigen Tierchen hatte
etwas in seine Wohnung zu tragen; und wo es dem einen zu schwer ward,
sprach es zum andern: "Komm', hilf mir!"

Die Kinder schlichen vorbei und fanden Bienlein auf den Blumen. Die
waren so eilig und mochten gar nicht zu den Kindern aufsehen. Sie
sammelten Honig und Bluetenstaub und flogen dann flink davon.

Da hoerten die Kinder einen Vogel singen. Es war ein Fink. "Du kannst
so schoen singen," riefen sie, "und hast auch gewiss Lust, mit uns zu
spielen." Allein der Fink sagte: "Pink, pink! Flink, flink! Ich muss
Muecken fangen fuer meine Jungen und dann die Kleinen in den Schlaf
singen. Auch muss ich mich fleissig im Singen ueben, damit ich dem
Wanderer schoene Lieder vorsingen kann." Und fort war er.

Auf einmal rasselte es im Busche. Die Kinder erschraken. Eins sagte:
"Wenn nur ein Eichhoernchen kaeme und mit uns spielte!" Da lief auch
schon eines aus dem Busche und kletterte auf einen Baum. Es kicherte
und rief: "Ich suche Knospen und Nuesse!" Die Kinder baten: "Komm' und
bring' uns auch schoene Nuesse!" Aber das Tierchen zischte und knurrte
nur.

Bald darauf hoerten sie ein Baechlein plaetschern, und nun riefen sie
froehlich: "O, mit dem Baechlein moegen wir spielen! Kommt!"

Sie liefen geschwind hin. Aber das Baechlein sagte: "Seht doch die
faulen Kinder! Ihr meint, ich haette nichts zu tun. Ich muss Tag und
Nacht arbeiten; ich netze Felder und Wiesen und traenke die durstigen
Tiere. Wenn ich gross und stark bin, treibe ich Muehlen und trage
Schiffe. Geht, geht, ihr faulen Kinder!"

Da wurde den Kindern gar aengstlich zu Mute. Sie gingen beschaemt weg
und blieben nie mehr aus der Schule.




97. DER GUTE KAMERAD.

  Ich hatt' einen Kameraden,
  Einen bessern find'st du nit.
  Die Trommel schlug zum Streite,
  Er ging an meiner Seite
  In gleichem Schritt und Tritt.

  Eine Kugel kam geflogen,
  Gilt's mir oder gilt es dir?
  Ihn hat es weggerissen,
  Er liegt mir vor den Fuessen,
  Als waer's ein Stueck von mir.

  Will mir die Hand noch reichen,
  Derweil ich eben lad'.
  "Kann dir die Hand nicht geben,
  Bleib' du im ew'gen Leben
  Mein guter Kamerad!"




98. DER GOLDBAUM.

Eduard scherzte gerne und spielte auch gerne anderen einen Streich.
Dabei kam es nicht immer darauf an, ob, was er sagte, auch der
Wahrheit gemaess sei. Seine kleine Schwester Emilie, die noch nicht in
die Schule ging, fragte gerne ihren Bruder, den sie fuer sehr weise
hielt, ueber alles aus. Um sie schnell wieder los zu werden, sagte ihr
Eduard oft Dinge, welche das Kind ganz falsch belehrten.

Eines Morgens, es war Eduards Geburtstag, sah Emilie auf dem Tische
ihres Bruders ein Goldstueck liegen, das er vom Vater zum Geschenk
bekommen hatte. Sie fragte ihn: "Wo waechst das Gold?"--"Es wird
gesaet," antwortete Eduard, der sich wieder einmal auf Kosten seiner
Schwester einen Spass machen wollte, "dann wird ein Baum daraus, an
dem wachsen die Goldstuecke."

Als Eduard beschaeftigt war, nahm Emilie leise das Goldstueck vom
Tische, eilte damit hinunter in den Garten, grub mit den Haenden ein
Loch in die weiche Erde, legte das Goldstueck hinein und bedeckte es
wieder mit Erde.

Eine Weile spaeter sprang sie in Eduards Zimmer und rief: "Jetzt wirst
du bald viele, viele Goldstuecke haben! Ich habe deines im Garten
gepflanzt."

Umsonst bekannte Eduard, er habe nur gescherzt, und umsonst suchte
und grub er im Garten nach seinem Golde. Emilie wusste die Stelle
nicht anzugeben, wo sie es eingegraben hatte.

Der Vater kam hinzu und sagte: "Es war unklug von Emilie, das
Goldstueck pflanzen zu wollen; du aber, Eduard, hast gefehlt, da du
ihr, wenn auch im Scherze, eine Unwahrheit sagtest."




99. GERETTET.

"Rasch, Ernst, kleide dich an, und komme sogleich herunter!"

"Was ist geschehen, Vater?"

"Geschwind, mein Junge! Der Ohio ist ueber Nacht gestiegen, das Dorf
ist unter Wasser, und wir muessen unser Haus verlassen."

Mit einem Satz war Ernst aus dem Bette und fuhr wie der Blitz in
seine Kleider. Dann lief er die Treppe hinunter in die Wohnstube.
Hier stand das Wasser schon ueber zwei Fuss hoch. Auf einem Tische am
Fenster war der Vater mit den Seinen. Die Mutter hielt die kleine
Rosa an der Hand und trug das Juengste, ein herziges Bueblein, auf dem
Arme. Sie hatte Traenen im Auge, der Vater aber sprach ihr Mut zu.
Endlich kam ein Mann in einem Kahn, alle stiegen hinein, und durch
dieselben Strassen, durch welche gestern noch Leute gegangen und Wagen
gefahren waren, ruderten sie jetzt im Rachen dem Lande zu. Nachdem
sie eine hochgelegene Stelle erreicht hatten, stiegen sie aus. Der
Bootsmann ging mit dem Vater, der Mutter und den zwei Kleinen den
Huegel hinauf nach einem Hause. Dort wollten sie ein Unterkommen
suchen.

"Du kannst dableiben und auf meinen Kahn achtgeben," sagte der
Bootsmann zu Ernst. Das war dem Knaben gerade recht. Jetzt erst
schaute er sich um. Welch ein Anblick! Nach dem Flusse zu sah man nur
Wasser. So weit das Auge reichte, schien alles ein grosser See zu
sein. Drueben am anderen Ufer, ganz in der Ferne guckten die Wipfel
der Baeume und die Schornsteine aus der Flut empor. Ganz in der Naehe
stand das Bretterhaus der alten Frau Werner, welche sehr arm war und
von guten Leuten unterstuetzt wurde. Schon hatte das Wasser den
zweiten Stock erreicht und stieg immer hoeher und hoeher.

[Illustration]

Waehrend Ernst das Haeuschen der Frau Werner betrachtete, kam es ihm
vor, als rufe jemand um Hilfe. Richtig, jetzt oeffnete die alte Frau
einen Laden und schaute heraus. Als sie ringsum nichts als Wasser
erblickte, klagte und jammerte sie laut und rang die Haende.

Ernst sah alles und dachte nach, was er wohl tun koenne. Ja, so ging
es! Er wollte rasch den Huegel hinauflaufen und den Vater und den
Bootsmann rufen. Aber siehe da! Die Flut trieb einen maechtigen
Baumstamm gerade auf das Haeuschen zu. Wenn er gegen dasselbe stiess,
loeste es sich gewiss los, schwamm in der Stroemung fort, und dann waere
die alte Frau verloren.

Da sprang Ernst in den Kahn, stiess vom Ufer und steuerte nach dem
Haeuschen. Frau Werner stieg aus dem Fenster in den Rachen, und der
Knabe ruderte, so rasch er konnte, an das Ufer zurueck. Als er sich
demselben naeherte, kam sein Vater gerade wieder vom Huegel herab.

"Hurra, wir sind gerettet!" rief Ernst, als der Kahn ans Land stiess.
Mit Traenen des Dankes im Auge drueckte die alte Frau dem Knaben die
Haende. Der Vater aber schloss ihn an seine Brust und sprach: "Das war
wie ein braver Mann gehandelt, mein Sohn!"




100. SPRUECHE.

Erfuellte Pflicht
macht froh Gesicht.

Die traege Hand sei noch so glatt und weiss,
Der fleissigen allein gebuehrt der Preis.

Traegt einer gar so hoch den Kopf,
So ist er wohl ein eitler Tropf.

Allen Leuten recht getan,
Ist eine Kunst, die niemand kann.




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Those of you who want to download any eBook before announcement
can get to them as follows, and just download by date.  This is
also a good way to get them instantly upon announcement, as the
indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.

http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext05 or
ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext05

Or /etext04, 03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92,
91 or 90

Just search by the first five letters of the filename you want,
as it appears in our Newsletters.


Information about Project Gutenberg (one page)

We produce about two million dollars for each hour we work.  The
time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
searched and analyzed, the copyright letters written, etc.   Our
projected audience is one hundred million readers.  If the value
per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
files per month:  1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
If they reach just 1-2% of the world's population then the total
will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.

The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
which is only about 4% of the present number of computer users.

Here is the briefest record of our progress (* means estimated):

eBooks Year Month

    1  1971 July
   10  1991 January
  100  1994 January
 1000  1997 August
 1500  1998 October
 2000  1999 December
 2500  2000 December
 3000  2001 November
 4000  2001 October/November
 6000  2002 December*
 9000  2003 November*
10000  2004 January*


The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.

We need your donations more than ever!

As of February, 2002, contributions are being solicited from people
and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
Virginia, Wisconsin, and Wyoming.

We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
that have responded.

As the requirements for other states are met, additions to this list
will be made and fund raising will begin in the additional states.
Please feel free to ask to check the status of your state.

In answer to various questions we have received on this:

We are constantly working on finishing the paperwork to legally
request donations in all 50 states.  If your state is not listed and
you would like to know if we have added it since the list you have,
just ask.

While we cannot solicit donations from people in states where we are
not yet registered, we know of no prohibition against accepting
donations from donors in these states who approach us with an offer to
donate.

International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
ways.

Donations by check or money order may be sent to:

 PROJECT GUTENBERG LITERARY ARCHIVE FOUNDATION
 809 North 1500 West
 Salt Lake City, UT 84116

Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment
method other than by check or money order.

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by
the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN
[Employee Identification Number] 64-622154.  Donations are
tax-deductible to the maximum extent permitted by law.  As fund-raising
requirements for other states are met, additions to this list will be
made and fund-raising will begin in the additional states.

We need your donations more than ever!

You can get up to date donation information online at:

http://www.gutenberg.net/donation.html


***

If you can't reach Project Gutenberg,
you can always email directly to:

Michael S. Hart <hart@pobox.com>

Prof. Hart will answer or forward your message.

We would prefer to send you information by email.


**The Legal Small Print**


(Three Pages)

***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START***
Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers.
They tell us you might sue us if there is something wrong with
your copy of this eBook, even if you got it for free from
someone other than us, and even if what's wrong is not our
fault. So, among other things, this "Small Print!" statement
disclaims most of our liability to you. It also tells you how
you may distribute copies of this eBook if you want to.

*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK
By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm
eBook, you indicate that you understand, agree to and accept
this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive
a refund of the money (if any) you paid for this eBook by
sending a request within 30 days of receiving it to the person
you got it from. If you received this eBook on a physical
medium (such as a disk), you must return it with your request.

ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS
This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks,
is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart
through the Project Gutenberg Association (the "Project").
Among other things, this means that no one owns a United States copyright
on or for this work, so the Project (and you!) can copy and
distribute it in the United States without permission and
without paying copyright royalties. Special rules, set forth
below, apply if you wish to copy and distribute this eBook
under the "PROJECT GUTENBERG" trademark.

Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market
any commercial products without permission.

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efforts to identify, transcribe and proofread public domain
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things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or
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If you discover a Defect in this eBook within 90 days of
receiving it, you can receive a refund of the money (if any)
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time to the person you received it from. If you received it
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such person may choose to alternatively give you a replacement
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     requires that you do not remove, alter or modify the
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     if you wish, distribute this eBook in machine readable
     binary, compressed, mark-up, or proprietary form,
     including any form resulting from conversion by word
     processing or hypertext software, but only so long as
     *EITHER*:

     [*]  The eBook, when displayed, is clearly readable, and
          does *not* contain characters other than those
          intended by the author of the work, although tilde
          (~), asterisk (*) and underline (_) characters may
          be used to convey punctuation intended by the
          author, and additional characters may be used to
          indicate hypertext links; OR

     [*]  The eBook may be readily converted by the reader at
          no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent
          form by the program that displays the eBook (as is
          the case, for instance, with most word processors);
          OR

     [*]  You provide, or agree to also provide on request at
          no additional cost, fee or expense, a copy of the
          eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC
          or other equivalent proprietary form).

[2]  Honor the eBook refund and replacement provisions of this
     "Small Print!" statement.

[3]  Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the
     gross profits you derive calculated using the method you
     already use to calculate your applicable taxes.  If you
     don't derive profits, no royalty is due.  Royalties are
     payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation"
     the 60 days following each date you prepare (or were
     legally required to prepare) your annual (or equivalent
     periodic) tax return.  Please contact us beforehand to
     let us know your plans and to work out the details.

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software or other items, please contact Michael Hart at:
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*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*

