Project Gutenberg's Sieben Jahre in Sd-Afrika. Erster Band., by Emil Holub

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Title: Sieben Jahre in Sd-Afrika. Erster Band.
       Erlebnisse, Forschungen und Jagden auf meinen Reisen von
       den Diamantenfeldern zum Zambesi (1872-1879).

Author: Emil Holub

Release Date: May 7, 2005 [EBook #15787]

Language: German

Character set encoding: ISO-8859-1

*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK SIEBEN JAHRE IN SD-AFRIKA. ***




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Sieben Jahre in Sd-Afrika.

Erster Band.

[Illustration: Emil Holub.]

Sieben Jahre in Sd-Afrika.

Erlebnisse, Forschungen und Jagden auf meinen Reisen von den
_Diamantenfeldern_ zum _Zambesi_ (1872-1879).

Von

_Dr. Emil Holub._

Wien, 1881.

Alfred Hlder,
k. k. Hof- und Universitts-Buchhndler
Rothenthurmstrae 15.

       *       *       *       *       *

Mit 235 Original-Holzschnitten und vier Karten.

       *       *       *       *       *

Erster Band.




Seiner

_Apostolischen Majestt_

dem Kaiser und Knige

_Franz Josef I._

in tiefster Ehrfurcht gewidmet

vom

Verfasser.




Vorwort.

Mein Scherflein zu dem groen Werke der Erschlieung und Durchforschung
Afrika's beitragen zu knnen, war mein seit frher Jugend gehegter und
stets genhrter Wunsch. Als ich whrend meiner Studienjahre bei der
Lectre der Reisewerke ber den dunklen Erdtheil so selten den Namen
sterreichischer Reisenden begegnete, traten die Umrisse meines
Reiseplanes immer schrfer hervor und als ich im Jahre 1872 an der
Schwelle der Verwirklichung meines sehnlichsten Wunsches stand, war mein
Entschlu gefat. Sd-Afrika war das Feld, auf dem ich der Wissenschaft
und meinem Vaterlande ersprieliche Dienste zu leisten hoffen durfte.

Wie wechselvoll auch die Schicksale waren, welche mich whrend meines
siebenjhrigen Aufenthaltes in Sd-Afrika trafen, ich behielt unverwandt
die mir selbstgestellte Aufgabe im Auge und was die beschrnkte Kraft
und die Mittel eines Einzelnen vermochten, habe ich zu leisten redlich
mich bemht. Dank dem liebenswrdigen Entgegenkommen einer Reihe
hochherziger Mnner gelang es mir, manches Hinderni glcklich zu
besiegen, meine Sammlungen durch manches werthvolle Object zu
vervollstndigen.

Zum dritten Male aus dem Innern Sd-Afrika's in die Diamantenfelder
zurckgekehrt, wurde ich wiederholt von meinen sdafrikanischen Freunden
um die Verffentlichung meiner Reise-Erlebnisse ersucht. Da ich mich
jedoch mit aller Kraft der Ausbung meiner rztlichen Praxis zuwenden
mute, um die Mittel fr meine Rckkehr nach Europa zu gewinnen, war es
mir nicht mglich, die Bearbeitung meines Materials fr das Erscheinen
in Buchform in Angriff zu nehmen. Ich mute mich vielmehr darauf
beschrnken, in mehreren sdafrikanischen Zeitungen fragmentarische
Mittheilungen ber die bereisten Gegenden zu verffentlichen.

Nach Europa zurckgekehrt, wurde ich schon in London um die Publication
meiner Arbeiten angegangen und so war es meine Absicht--nachdem ich die
Heimat wiedergesehen--meine Gesammt-Erfahrungen, sowohl die
Reise-Erlebnisse als auch die wissenschaftlichen Resultate (letztere
unter Beihilfe von Fachmnnern) herauszugeben, wobei mir die Form des
Werkes ber die Novara-Reise als Richtschnur vorschwebte.

Um jedoch diesen Plan selbst in beschrnkterem Umfange durchzufhren,
htte es eines mindestens dreijhrigen Aufenthaltes in Europa bedurft,
whrend ich mich aus mehrfachen Grnden veranlat sehe, noch im Laufe
dieses Jahres nach Afrika zurckzukehren und meine Forschungen
fortzusetzen. Dies bewog mich, den Wnschen zahlreicher Freunde
nachzugeben, die wichtigeren Erlebnisse whrend meines siebenjhrigen
Aufenthaltes in Sd-Afrika in diesem Buche dem Leser vorzufhren und
dabei nur hie und da wissenschaftliche Gebiete zu berhren, whrend die
specielle Bearbeitung des in diese gehrigen reichen Materials im
Vereine mit hervorragenden Fachmnnern erfolgen soll.

Ich kann es nicht unterlassen, _meinem geschtzten Verleger_ an dieser
Stelle fr die eben so reiche und wrdige Ausstattung meines Buches und
die dafr gebrachten Opfer meinen wrmsten Dank zu zollen. Auch halte
ich es fr meine Pflicht, meinem lieben Freunde Dr. _Chavanne_ fr seine
Mitwirkung, sowie Herrn _Ronniger_ fr die meinem Werke gewidmete
Sorgfalt auf das Herzlichste zu danken.

An den Wunsch, da mein Werk dazu beitragen mge, das Interesse fr die
Erforschung und Erschlieung des schwarzen Continents in Europa zu
mehren, knpfe ich die Hoffnung, da es mir gegnnt sein werde, nach
Jahren dem Leser weitere Schilderungen aus Sd-Afrika, wie auch Neues
ber diesen Continent der Zukunft zu bieten.

Wien, Pavillon des Amateurs, September 1880.

Emil Holub.




Inhalt.


I. Auf der Fahrt nach dem Cap.--Die Capstadt.--Port Elizabeth

II. Meine Reise nach den Diamantenfeldern

III. Die Diamantenfelder.

Leben und Freuden in meiner rztlichen Praxis.--Ein nchtlicher
Ueberfall.--Dutoitspan und Kimberley.--Diggerverfahren.--Panorama der
Kopje.--Morgenmarkt.--Meine erste Pavianjagd.--Vorbereitungen zur ersten
Reise.

_Meine erste Reise in das Innere von Sd-Afrika._

IV. Von Dutoitspan nach Lekatlong.

Meine Reisebegleiter.--Schwierigkeit der Beschaffung geeigneter
Zugthiere.--Aufbruch aus den Diamantenfeldern.--Trostloser Zustand der
Wege.--Sdafrikanischer Vorspann.--Old de boers-Farm.--Bismarcks
Retreat.--Der Vaal-River und sein Thal.--Ein Besuch in Korannadorfe
bei Pniel.--Bauart der Korannahtten.--Sociale Zustnde
unter den Koranna's.--Vorschlge und Mittel zur Besserung
derselben.--Freimaurerthum unter den Koranna's.--Ein gefhrlicher
Nachtmarsch zum Vaal-River.--Klipdrift.--Racenunterschiede zwischen
Koranna's und Betschuana's.--Das Innere der Korannahtten.--Die
River-Diggings am Vaal.--Die Fauna des Vaal-Thales.--Eine
Krankenordination in Klipdrift.--Gong-Gong, Waldeks-Plant und der
Fly-Dyamond.--Eine desolate Strae.--Die Holitzer Schlucht.--Die Cobra
capella und ihre Gefhrlichkeit.--Ringhalsschlangen.--Im Schlamme des
Harts-River versunken.--Ankunft in Lekatlong.

V. Von Lekatlong nach Wonderfontein.

Batlapinenleben.--Webervgel und ihre
Nester.--Zuckerrohr-Pflanzungen.--Spitzkopf.--Mitzima's Dorf.--Schlauheit
der Batlapinen-Weiber.--Termitenbauten.--Reisende Batlapinen.--In
Lebensgefahr.--Springbockfontein.--Transvaal-Emigranten.--Gassibone und
seine Residenz.--Tauschhandel.--Wanderheuschrecken.--Ein seltsamer
Labetrunk.--Am Vaal-River.--Wasser- und Land-Leguane.--Christiana, die
westlichste Transvaal-Stadt.--Einfache Rechtspflege.--Landschaftlicher
Contrast der beiden Vaalufer.--Bloemhof.--Ein gefhrlicher Nachtmarsch
bei Gewittersturm.--Waidmanns Eldorado.--Knigskraniche.--Gnu
und Blbock.--Romberg's Farm.--Von schwarzen Gnu's
berrascht.--Hhnervgel.--Klerksdorp.--Potschefstroom.--Das
Moi-Riverthal.--Geognostische Entdeckungen.--Wonderfontein und seine
Grotten.

VI. u. VII. Rckreise nach Dutoitspan.

Wolmaran's Farm.--Ein junger Boer.--Tabakbau im Moi-Riverthale.--Ueppige
Vegetation.--Optische Tuschung.--Transportkosten und
Schwierigkeiten.--Gestrte Mahlzeit.--Ein Hinterhalt.--Farm
Rennicke.--Eine Vogel-Colonie.--Gildenhuis.--Eine Lwenjagd an den
Maqwasi-Hhen.--Gekrnkte Hottentotten-Ehre.--Auswanderer nach den
Leydenburger Goldfeldern.--Hallwater Farm und Saltpan. (Vermeintliche
Ruinen von Monopotapa.)--Batlapinen-Gerichte.--Eine unliebsame
Entdeckung.--Hebron.--Ostersonntag im Vaal-River.--Ankunft in
Dutoitspan.

_Zweite Reise in das Innere von Sd-Afrika._

Nach Musemanjana--Moschaneng--Molopolole--Schoschong--und Rckkehr ber
Linokana nach den Diamantenfeldern.

VIII. Von Dutoitspan nach Musemanjana.

Vorbereitungen und Ausrstung zur Reise.--Meine diesmaligen
Reisegefhrten.--Aufbruch von Dutoitspan.--Klipdrift.--Platberg in
Gefahr.--Diamantenfund.--Afrikanische Wegmauth.--Hebron.--Wassermangel.
--Ein Grasbrand auf der Hochebene.--Hartebeest-Antilopen.--Ein theuerer
Labetrunk.--Gassibone's Kraal.--Nigers Abenteuer mit einer Cobra.--Taung.
--Ein hollndischer Schmied.--Reverend Brown und die Missionsstation
in Taung.--Maruma.--Monkey's Freuden und Leiden.--Eine dornenvolle
Jagd.--Billige Diamanten.--Von Pavianen genarrt.--Unser Empfang in
Musemanjana.

IX. Von Musemanjana nach Moschaneng.

Aufbruch nach Moschaneng.--Quaggaflats.--Hynenjagd bei
Mondschein.--Makalahari-Reiter.--Konana.--Barolongenstolz.--Acht
Lwen.--Eine Begegnung mit Lwen am Setlagole.--Thierleben auf der
Hochebene.--Gnujagd bei Nacht.--Boly verirrt sich.--Zebrajagd.
Skeletthgel.--Eine abenteuerliche Gansjagd.--Sdafrikanischer
Frhling.--Am Ufer des Molapo.--Molema's Town.--Rev. Webb und die
Mission daselbst.--Chef Molema.--Kranken-Ordination.--Siedelsperlinge.
--Hu-Hhe.--Ankunft vor Moschaneng.--Hohe Gste.

XI. Von Moschaneng nach Molopolole.

Knig Montsua und das Christenthum.--Die Wesleyan-Mission in
Moschaneng.--Besuch am Wagen.--Meine rztliche Praxis in
Moschaneng.--Merkwrdige Termitenbauten.--Ein Intermezzo bei unserer
Abreise.--Das Banquaketse-Hochland.--Anzeichen tropischer
Vegetation.--Hynenhunde.--Pittoreske Landschaftsscenerien an den
Naprstek-Hhen.--Beleuchtungseffecte auf der Hochebene.--Ruinen von
Mosilili's Stadt.--Klippdachsjagd.--Grasbume.--Ein Thari.--Molopolole.

XI. Von Molopolole nach Schoschong.

Malerische Lage der Stadt.--Rev. Price und Williams.--Die
Kotla.--Ausflug in die Molopolole-Schlucht.--Ein Festtag fr
Molopolole.--Missionrs-Laufbahn in Sd-Afrika.--Empfang bei
Seschele.--Die Bakwena's.--Geschichte des Bakwena-Reiches.--Knigin
Ma-sebele und Kronprinz Sebele.--Religise Vorstellung
derselben.--Raka's, Linjaka's und Moloi.--Heilmethode und Heilmittel
derselben.--Beschwrung Khama's.--Regenmacher.--Aufbruch
von Molopolole.--Ein dornenvoller Marsch.--Eingeborne
Postboten.--Wassernoth.--In Lebensgefahr.--Barwa's und
Masarwa's.--Aberglubische Gebruche dieses Sclavenstammes der
Betschuana.--Ihre Jagdlist.--Neujahrsfeier in der Wildni.--Im
Bakwena-Lande verirrt.--Von Masarwa's gerettet.--Ein merkwrdiger
Fund.--Begegnung mit Leoparden.--Ein besorgter Vater.--Einzug in
Schoschong.

XII. Von Schoschong zurck nach den Central-Diggings.

Lage und Bedeutung Schoschongs.--Unser Empfang daselbst.--Rev. Mackenzie
und die Mission der London Missionary Society.--Geschichte der
Bamangwato's und ihres Reiches.--Sekhomo und Khama.--Sekhomo's
Rath.--Sitten und Gebruche der Betschuana (Schlu).----Die Circumcision
und Boguera.--Die Kotla in Schoschong.--Die Breiprobe.--Aufbruch von
Schoschong.--Das Fasanhuhn.--Khama's Salzsee.--Elephantenspuren.--Die
Buffadder.--Die Dornfelder im Limpopothale.--Ein Lwe und die
Hundemeute.--Ein seltener Anblick.--Zu Tode erkrankt.--Tschune-Tschune.
--Die Dwarsberge und der Schweinfurth-Pa.--Brackfontein.--Eine
sonderbare Elephantenjagd.--Linokana.--Rev. Jensen und die Hermannsburger
Mission.--Die Baharutse und ihr Ackerbau.--Zeerust und der
Marico-District.--Das Hooge Veldt.--Potschefstroom.--Die Elephantenjger
David Jakob und Viljeon.--Die Quarzitwlle am Klip-Port.--Trennung von
meinen Gefhrten.--Ankunft in Dutoitspan.

XIII. Dritter Aufenthalt in dem Diamantenfeldern

      *       *       *       *       *




Inhalt des Anhangs.


 1) Museum in Capstadt und botanische Grten Sd-Afrika's
 2) Der Hafen Port Elizabeth, Ausfuhr und Zoll-Einnahmen
 3) Grahamstown
 4 und 5) Cradock
 6) Colesberg
 7) Jagersfontein
 8) Anlage eines kleinen Thiergartens
 9) Salzpfanne an der Hallwaterfarm. Vermeintliche Ruinen von Monopotapa
10) Heilung einer Kehlkopfwunde
11) Gassibone und sein Gebiet
12) Die Batlapinen und die Boers
13) Mankuruana's Reich
14) Diebsthle in den Diamantenfeldern
15) Ethnographische Verhltnisse zwischen dem Harts- und Vaal-River
16) Konana
17) Carossen
18) Aerztliche Praxis in Moschaneng
19) Der Caracal
20) Ruinen von Mosilili's Stadt

       *       *       *       *       *




Karten.


_Uebersichtskarte_ von Dr. Holub's Reisen in Sd-Afrika.

       *       *       *       *       *




Verzeichniss der Illustrationen.


     Portrt des Verfassers (Titelbild)
  1. Ansicht von Funchal
  2. Capstadt
  3. Schlucht am Abhange des Tafelberges
  4. Elephantengruppe, Nachts am Zondags-River
  5. Termitenhaufen
  6. Euphorbiaceen-Bume
  7. Springbockjagd bei Colesberg
  8. Antilopenfalle
  9. Gegend bei Cradock
 10. Fahrt in die Diamantenfelder
 11. Hotel am Riet-River
 12. Nchtlicher Ueberfall
 13. Platz in Dutoitspan
 14. Die Kimberley-Kopje im Jahre 1871
 15. Frdermaschinen in den Diamantengruben
 16. Kimberley
 17. Kaffer, Schafe htend
 18. Trunk aus einer Sumpflache
 19. Pavianjagd
 20. Die Kimberley-Kopje im Jahre 1872
 21. Vorspann in Sd-Afrika
 22. Korannagehfte im Hart-Riverthale
 23. Koranna
 24. Inneres einer Korannahtte
 25. Kranken-Ordination in Klipdrift
 26. Batlapinenknaben den Kiri werfend
 27. Batlapine
 28. Nest des Hammerkopf (Scopus Umbretta)
 29. Mamba auf der Lauer
 30. Im Schlamme des Harts-River versunken
 31. Ackerbau bei den Batlapinen
 32. Tauschhandel am Wagen
 33. Nest des Webervogels
 34. Reisende Batlapinen
 35. Unfall im Hart-Riverthale
 36. Mein Gesandter bei Knig Gassibone
 37. Batlapinen bei der Arbeit
 38. Gefhrlicher Nachtmarsch
 39. Lager am Bamboesspruit
 40. Rckkehr von der Gnujagd
 41. Von schwarzen Gnu's berrascht
 42. Nachtlager
 43. Felsentrichter
 44. Grotte von Wonderfontein
 45. Junger Boer
 46. Jagd auf Zibethynen am Klipspruit
 47. Verlassener Jagdplatz
 48. Eine Vogel-Colonie
 49. Lwenjagd in den Maqwasibergen
 50. Hallwater-Farm
 51. Koranna
 52. Von der Arbeit heimkehrende Batlapinen
 53. Ostersonntag im Vaal-River
 54. Aus den Diamantenfeldern heimkehrende Basuto's begegnen dahinwandernden
 55. Schluvignette
 56. Titelbild zur zweiten Reise in das Innere von Sd-Afrika
 57. Ein Broddieb
 58. Platbergs Befreiung aus dem Schlamme des Vaal
 59. Grasbrand auf der Hochebene
 60. Hartebeest-Gazellen
 61. Kopf der Hartebeest-Gazelle (Antilope caama)
 62. Ersehnter Labetrunk
 63. Niger und Cobra
 64. Bei Taung um Branntwein bestrmt
 65. In Dornen gefangen
 66. Billige Diamanten
 67. Von Pavianen berrascht
 68. Erschreckte Paviane
 69. Musemanjana
 70. Empfang in Musemanjana
 71. Barolongmdchen Heuschrecken sammelnd
 72. Hynenjagd
 73. Von acht Lwen berrascht
 74. Jochom-Makalahari einen Blbock jagend
 75. Erzhlender Barolonge
 76. Der Betschuana findet seinen zerfleischten Bruder
 77. Wild auf den Quaggaflats
 78. Gnujagd bei Nacht
 79. Verlassener Jagdplatz der Barolongen
 80. Barolongen Zebra's jagend
 81. Prsch auf egyptische Wildgnse
 82. Feldapotheke
 83. Die Ueberbringer der Arznei
 84. Nest des Siedelsperlings
 85. Auffangen von Regenwasser
 86. Wald am Fue der Malau-Hhen
 87. Knigliche Besucher
 88. Barolongfrauen aus Moschaneng
 89. Klippdachsjagd
 90. Naprstek-Hhen
 91. Wolfshynen eine Viehheerde berfallend
 92. Afrikanischer Luchs
 93. Termitenhgel
 94. Bei Knig Seschele
 95. Regenbeschwrer
 96. Die Beschwrung Khama's
 97. Pit, der Griqua, entdeckt Leopardenspuren
 98. Eingeborne Postboten
 99. Scene aus dem Leben der Masarwa's
100. Flchtender Leguan
101. Trocknen von Giraffenhuten
102. Masarwa's am Feuer
103. Anschleichende Masarwa's
104. Neujahrstafel im Urwalde
105. Verirrt
106. Von Masarwa's gestrtes Lwenmahl
107. Trinkende Masarwa's
108. Begegnung mit einem Leoparden
109. Bamangwatoknabe
110. Frauenschrzen der Bamangwato's
111. Bamangwatohtten in Schoschong
112. Kotla in Schoschong
113. Bamangwatohaus
114. Sekhomo und sein Rath
115. Flucht auf die Berge
116. Korngefe der Bamangwato's
117. Staatskleid eines Bamangwato
118. Zchtigung der Knaben
119. Bamangwatomdchen zur Boguera bekleidet
120. Khama's Salzsee
121. Lwe von Hunden umringt
122. Elephant und Boer
123. Buysport, Felsenthor im Bushveldt
124. Baharutse Wasser schpfend
125. Scene aus dem Leben der Baharutse
126. Sdafrikanische Trappe
127. Tschukuru, Huptling der Baharutse
128. Missionshaus in Molopolole
129. Koles-Kopje im Jahre 1875

       *       *       *       *       *




Errata.
[Anmerkung des Bearbeiters: Die Errata wurden in diesem Text korrigiert.]


Seite 12 Zeile 1 von oben   lies  16 statt 6.
"     14 "     2 "   "      "     Salt-River statt Liesbeekflu.
"     18, 20, 21, und 28    "     Bakensflu statt Bakerflu.
"     48, Zeile 5 von oben  "     Steinhuschen statt Holzhuschen.
"     52, 56, und 73        "     Jagersfontein statt Sagersfontein.
"     69 Zeile 5 von unten  "     flea statt flie.
"     71 "     4 "   "      "     Botlaros statt Botlaris.
"     74 "    16 "   "      "     Diggers statt Diggings.
"     83 "     2 "   "      "     buyers statt keepers.
"     89 und 92             "     Krichofarm statt Krikofarm.
"    113 Zeile 7 von oben   "     Nomansland statt Normannsland.
"    134 "    14 "   unten  "     3 statt 83.
"    136 "    14 "   oben   "     Alluvial Periode statt Kreideperiode.
"    136 und 137 Zeile 2 von unten lies Cobra statt Mamba
"    138 Zeile 8 und Seite 139 Zeile 14 von oben lies Cobra statt Mamba.
"    142 "    12 "  17 von oben lies Harts-River statt Vaal-River.
"    144 lies: Im Schlamme des Harts-River statt Vaal-River.
"    149 Zeile 1 von unten lies   Fingo's statt Betschuana's.
"    141 "     5 "   oben  "      Kafirkorn statt Kaffee, Korn.
"    151 "     2 "   unten "      12-25 Ctm. statt 12-15 Ctm.
"    173 "     2 "   "     "      Schalenberreste statt Schneckenberreste.
"    188 "     3 "   "     "      Waggonhoutbaumes statt Waggonboutbaumes.
"    199 "    11 "   "     "      Bluebusches statt Bluebustes.
"    200 "     3 "   "     "      Jadgspruit statt Sagospruit.
"    231 "     3 "   oben  "      banje statt lantsch.
"    235 "    13 "   unten "      dreiseitig statt vierseitig.
"    334 "     7 "   oben  "      (Tukans) statt (Zulies).
"    460 "     6 "   "     "      unbedeutend statt ziemlich.
"    465 "     7 "   "     "      ersteren statt letzteren.
"    469 "     6 "   "     "      Banquaketse statt Bakwena.
"    521 "    16 "   unten "      Geologie statt Geschichte.
"    521 "     4 "   "     "      1/10 Gramm statt  Gramm.
"    521 "     3 "   "     "      Tinctura Aconiti Napellus statt Aconiti a
                                  Napellus.
"    523 "    13 "   "     "      dieser Reiche statt dieses Reiches.

       *       *       *       *       *




I.

Auf der Fahrt nach dem Cap.--Die Capstadt.--Port Elizabeth.


Neues frisches Leben durchrieselt unser ganzes Sein, alle krperliche
und geistige Lethargie ist mit einem Zauberschlage regster Beweglichkeit
gewichen, wenn nach mehrwchentlicher Seefahrt, von Southampton nach
Sd-Afrika, und mag sie auch noch so glatt und angenehm verlaufen, der
Capitn des Schiffes uns die frohe Botschaft von der Nhe des erwarteten
Landes in wenigen trockenen Worten verkndet. Nicht ein, nein, zahllose
Male strmen wir aus dem comfortablen und luxuris eingerichteten Salon
der ersten Cajte des imposanten Dampfers[1] auf das Deck, unsere Wangen
sind gerthet, in unserem Auge scheint sich die Spannkraft des ganzen
Nervensystems zu polarisiren, und mit fieberhafter Ungeduld sphen wir
an den fernen Horizont, denn jeden Augenblick kann der Marsgast aus dem
Mastkorbe das Erlsungswort Land auf das Deck herabrufen. Schon
glauben wir den Gipfel eines hohen Berges ber der Scheidelinie zwischen
Ocean und dem unendlichen Luftmeere auftauchen zu sehen--doch nein--es
ist die Mastspitze eines uns entgegen segelnden Fahrzeuges. Eine
Tuschung, die durch die hochgespannte Erwartung doppelt bitter
erscheint. Endlich ist es unlugbare Wahrheit, am sdsdstlichen
Horizonte zeichnet sich auf einer hellen, leichten Bank von Federwolken
ein blulicher, flacher Streifen ab, der von Minute zu Minute immer
hher aus den Tiefen des Oceans aufsteigt. Es ist die Krone einer
imposanten Felsenburg, jener steinerne Herold Afrika's der in der
Entdeckungsgeschichte unseres Erdballs einen ewig denkwrdigen
Wendepunkt bildet--der Tafelberg.

    1: Die Ueberfahrtsdauer von Southampton ber Madeira nach der
    Capstadt mit den Dampfern der beiden Concurrenz-Gesellschaften
    Union Steam Ship Company und Donald Currie & Cie. ist in den
    letzten Jahren bis auf 20 und 18 Tage abgekrzt worden.

Dieses Gefhl der Sehnsucht nach festem Boden, es steigert sich aber bis
zur peinlichsten Ungeduld, wenn das Schiff auf seiner langen Fahrt mit
all' den Launen und Tcken des Ocean's zu kmpfen hat; wenn der Neuling
zur See, anstatt alle jene originellen, wunderbaren Phnomene des
Meeres, die prchtige unvergleichliche Erscheinung des Sonnen-Auf- und
Untergangs, das Spiel in der Frbung des Himmels und Wassers, das
possirliche Treiben der Delphine und fliegenden Fische zu bewundern,
einem Gefangenen gleich in der engen Cajte Schutz vor Sturm und Wetter
suchen mu; wenn an Stelle der scheidenden Sonne, welche den weiten Plan
mit leuchtenden Bndern flssigen Feuers durchsetzt--ein Bild, das sich
dem fr Natur-Erscheinungen empfindlichen Gemthe mit unauslschlichen
Zgen einprgt--die Windsbraut, dunkle regengeschwngerte Wolkenmassen
in rasender Eile dahinjagt, wenn das Meer, anstatt in leicht
gekruselten, kosenden Wellen am Bug des Schiffes sich brechend, sich in
seinem ganzen majesttischen Zorne zeigt, im Kampfe mit dem Erbfeinde
die Wogen aufthrmt zu mchtiger Hhe und diese donnernd
zusammenbrechen, da fast dem Sturme davor bangt, wenn das mchtige
Fahrzeug in allen Spanten und Fugen chzt und sthnt.

So aber zeigte sich mir der Ocean: Von sechsunddreiig an Bord des
Briton auf der Fahrt von Southampton ber Madeira nach der Capstadt
verlebten Tagen--26. Mai bis 1. Juli 1872--hatten wir mehr denn dreiig
Tage strmisches Wetter, volle vier Wochen litt ich an einer heftigen
Dysenterie, welche meine Krfte derart herabgebracht hatte, da ich kaum
mehr zu hoffen wagte, das Gestade Sd-Afrika's lebend zu erreichen. Bei
einem solchen Krper- und dem damit verbundenen Seelenzustande werden es
die geehrten Leser wohl leicht begreiflich finden, da ich vor Begierde
brannte, festen Boden unter mir zu fhlen, war doch dieser Boden mein
hei ersehntes Ziel, die Sttte, an der ich in jahrelanger Thtigkeit
der Wissenschaft meine Krfte zu widmen gedachte. Obwohl todtmde,
fhlte ich neue Kraft in meine Glieder dringen, als der Ruf Land in
der zweiten Cajte bekannt wurde, unverwandt prfte ich den Horizont und
wich nicht frher vom Platze, bis nicht der Tafelberg und seine beiden
Genossen, der Lwenkopf zur Rechten und der Teufelsberg zur Linken,
sowie die sich nach Sden dieser Gruppe anschlieenden zwlf Apostel in
ihrer ganzen Massenhaftigkeit mir vor Augen lagen.

[Illustration: Ansicht von Funchal.]

Bevor wir das Deck des Briton verlassen und den Fu auf afrikanische
Erde setzen, sei es mir gestattet, mit einigen Worten eines Erlebnisses
an Bord desselben zu gedenken, das mir einen Vorgeschmack all' der
Gefahren und Mhsale bot, die meiner auf meinen Reisen in Sd-Afrika
harrten. Wir befanden uns am 20. Juni 1872 auf der Hhe von St. Helena,
schon mehr als drei Wochen hindurch verfolgte uns ein so schlechtes
Wetter, da es schwer hielt, sich auf Verdeck zu erhalten. Durch die
erwhnte Krankheit war ich sehr herabgekommen und je schwcher ich
wurde, um so gedrckter schien mir die Atmosphre in dem beengten Raum
der zweiten Cajte zu sein (meine Mittel erlaubten es mir nicht, einen
Platz in der ersten Cajte zu miethen). Als sich nun am genannten Morgen
auffallende Athembeschwerden einstellten, nahm ich mir vor, mich mit
Anwendung aller Krfte (der Schiffsarzt lag am Delirium tremens
darnieder und war mir somit ohne Nutzen) auf Verdeck zu schleppen, um
die frische Luft einzuathmen. Mit unsglicher Mhe erreichte ich das
Vorderdeck (Vordercastell), mehrmals von dem Gischt der hoch
aufschumenden an den Bug des Schiffes unter Donnergetse sich
brechenden Wogen durchnt; die Erleichterung, welche die Luft der
frischen Brise meiner Brust bot, war aber so verlockend, da ich es
nicht scheute, mich weiteren solchen Sturzbdern auszusetzen.

Nach wenigen Minuten sah ich jedoch ein, da hier nicht meines Bleibens
war; von einer berschlagenden Sturzwelle auf's Neue berrascht und ganz
durchnt erhob ich mich und ber den Bug in die aufgeregte See
blickend, berlegte ich eben, ob es wohl nicht gerathener schien, in die
Cajte zurckzukehren; in diesem Momente begegnete mein Auge aber schon
einer Riesenwoge, die sich mauerartig vor dem Schiffe aufthrmte. Bevor
ich mich noch bergen htte knnen, hatte sich das Schiff in die Woge
gebohrt, und whrend der Schiffsrumpf bei dieser Sturzwelle bis in's
Innerste erbebte, begruben die berstrzenden Wassermassen fr einen
Augenblick das ganze Vorderdeck; in diesem kritischen Momente griffen
meine Finger instinctiv in den gitterartig durchbrochenen Boden des
Vordercastells und suchten dort Halt zu gewinnen, allein wie ein Span
von der Kraft des niederstrzenden Wassers gehoben, wurde ich ber Bord
geschleudert. Da ich jedoch im Falle an die untere Querstange anschlug,
wurde die Wucht desselben geschwcht, und statt hinaus in's Meer
geworfen zu werden, fiel ich senkrecht an der Schiffswand herunter; das
Symbol der Hoffnung, der mchtige Schiffsanker, wurde meine Rettung. Ich
blieb zwischen einem seiner Arme und der Schiffswand hngen und konnte
von dem herbeieilenden Hochbootsmann aus meiner immer noch sehr
gefhrlichen Situation befreit werden.

Und nun zurck zum Tafelberge, der Hochwarte des Caplandes. Auf wenigen
anderen Punkten des Kstenumfanges der einzelnen Continente ist die
Bergform so bezeichnend fr die Gestalt des ganzen Binnenlandes als
hier. Am Fue der drei zusammenhngenden Berge, des Tafel-, Teufel- und
Lwenberges, dem Scheine nach an der gebogensten Stelle, einem der
sichersten Pltzchen der Welt, gleichsam im Schutze dieser drei
mchtigen Riesen lag mein erstes Reiseziel, breitet sich die Metropole
Sd-Afrika's, die bevlkertste Stadt sdlich des Zambesi, und die
zweitbedeutendste Handelsstadt der englischen Colonien in Afrika aus.
Obwohl ihr die Anmuth der Lage des sich an einer Berglehne
terrassenfrmig aufbauenden Hauptortes von Madeira, Funchal, den wir auf
unserer Fahrt bewundern konnten, abgeht, bietet sie doch dem Fremden ein
recht anziehendes Gesammtbild. Unwillkrlich bemchtigt sich des
Fremdlings ein behagliches Gefhl der Sicherheit, wenn er, langsam dem
Strande der Tafelbai folgend, sich der Capstadt nhert. Diese
weigetnchten, aus dem Grn der Straenalleen und Grten
hervorgrenden Gebude, hie und da von schlanken Thrmchen berragt,
scheinen dem Fremdling Ruhe und Frieden nach den Strmen des Meeres,
ebenso wie nach jenen des Lebens zu bieten! Ein Ort des Friedens scheint
es wie dazu erkoren. Allein wie so oft im Leben das dem Anscheine nach
zweckmig Erscheinende sich oft bei nherer Untersuchung als das
Gegentheil erweist, so ist auch dieser so geschtzt erscheinende Ort,
die Stadt wie die Bucht, zu manchen Jahreszeiten den heftigsten, rasch
sich wiederholenden Strmen ausgesetzt, welche die Stadt in eine
Staubwolke hllen; selbst bei ruhigem Wetter steigen durch den regen
Verkehr aufgewirbelt dichte Staubmassen in die Hhe, da man kaum auf
hundert Schritte vor sich hinsehen kann, so da alle halbwegs
Vermgenden nur des Tags und ihrer Geschfte halber sich in der Capstadt
aufhalten, ihre Wohnungen jedoch auerhalb derselben in den am Fue des
Lwen- und Teufelsberges erbauten Ortschaften gewhlt haben.

Dieser Uebelstand, an dem die Capstadt leidet, drfte wohl noch geraume
Zeit ihr anhaften bleiben, da einerseits eine Abhilfe gegen die aus der
Simonsbai hereinbrechenden Sdoststrme nicht durchfhrbar ist,
andererseits aber die Pflasterung der Straen der Capstadt bisher noch
nicht versucht wurde. Gegen die Tcken des Oceans, von deren
erbarmungsloser Herrschaft die am Strande der Tafelbai zerstreuten
Wracktheile stumme Zeugen sind, hat man sich besonders in den letzten
sieben Jahren unter der Verwaltung des Gouverneurs Sir Bartle Frre
durch die Anlage groer Hafen- und Schutzbauten zu wahren gewut.

Doch kehren wir zu meiner Ankunft zurck. Vorsichtig wurde unser Schiff
in den damals (im Jahre 1872) noch ziemlich beengten Hafen mit Tauen
hineinbugsirt. Am Ufer harrte eine dichte Menschenmenge, denn blos
zweimal in einem Monate besuchte damals ein Postdampfer die Kste
Sd-Afrika's--kein Wunder, da ein von der am Fue des Lwenkopfes
erbauten Signalstation signalisirter Sendbote aus dem Mutterlande stets
ein freudig erwartetes Ereigni war (gegenwrtig gehen die Postdampfer
wchentlich nach der Colonie ab). Jene, die ihre Verwandten erwarteten,
sowie Postbeamte mit einem Tro von Bedienten, um sofort die Post in
Empfang zu nehmen, nebst einer groen Anzahl von Farbigen: Malayen,
Hottentotten, Kaffern u.s.w., und zahlreiche Vertreter aus allen diesen
Racen zusammengewrfelter Bastardtypen, die als Handlanger dem
Ankommenden ihre Dienste anbieten, hatten sich am Hafendamme eingefunden
und bildeten in ungezwungener Weise ein dichtes Spalier. Noch einige
Minuten und der Dampfer hatte beigelegt; obwohl wir nur zwei Tage in
Capstadt verbleiben sollten, um am dritten unsere Fahrt nach Port
Elizabeth fortzusetzen, so eilte doch ein Jeder an's Land, um in dieser
kurzen Zeit so gut als mglich die Capstadt kennen zu lernen. Der Hafen
ist nach der Landseite von einer Mauer umgeben, innerhalb welcher ich in
dunkelgraue Tuchkittel gehllte und von bewaffneten Aufsehern berwachte
Strflinge die schweren Arbeiten, hard labour, zu denen sie
verurtheilt waren, verrichten sah. Die schweren Ketten an den Fen der
meisten unter ihnen, schienen wohl unternommener Fluchtversuche wegen
eine Verschrfung der Strafe zu sein.

Nach einigen hundert am Strande zurckgelegten Schritten stoen wir am
Eingange in die Capstadt auf den Fischmarkt, dessen Eigenart schon aus
betrchtlicher Entfernung penetrante Dnste verrathen und die es wohl
gerathen htten, den Fischmarkt in grerer Entfernung vor der Stadt
anzulegen. Eine artenreiche Zahl von Seefischen wird hier mit Ausnahme
des Sonntags von den malayischen Fischern tglich aufgestapelt, von
Hummern wahre Berge, deren ganze Masse auch stets willige Abnehmer
finden. Wer sein Geruchsorgan gegen die Ausdnstung des Marktes
unempfindlich zu machen wte, htte hier ein dankbares Feld fr Studien
nach jeder, insbesondere aber ethnographischer Richtung. Die seit
Decennien eingewanderten Malayen sind ihrer mitgebrachten Tracht und
ihren Gebruchen treu geblieben. Sie kamen als Fischer, Maurer,
Schneider und sind es auch geblieben, selbst zu gediegenen Rosselenkern
haben sie sich in der neuen Heimat gebildet. Mit rothen Tuchlappen, die
lteren mit riesengroen, kegelfrmigen aus Stroh, Schilf und
Bambusgeflecht erzeugten Hten gegen die Sonnenstrahlen geschtzt und
meist in weitbauschige Leinenhosen und -Hemden gehllt, sehen wir die
dunkelbraunen Gestalten der Mnner in ihren Booten mit dem Ausleeren
ihrer Fangbeute in Krbchen eifrig beschftigt. Der Gesichtstypus ist
flach, wenig ansprechend, doch das Auge verrth die tropische Heimat,
namentlich ist es bei den Frauen gro und schn. Die Frauen, den Mnnern
behilflich und lachend bald in der eigenen, bald in der hollndischen
Sprache den Beutezug besprechend, tragen grellfarbige Kopftcher und
ebenfalls bauschige weie Hemden und eine groe Zahl von Rcken, deren
Umfang an die Crinolinen-Mode erinnert. Zwischen den eifrig
beschftigten Mnnern und Frauen tummelt sich ihre schwarzkpfige
Nachkommenschaft; die Mdchen, niedlichen Puppen gleich, in weies
Linnen, die Knaben in kurzen Jckchen und Hosen gekleidet. Kaum halb
erwachsen, sind sie schon bemht, in ihrer Weise und nach besten Krften
die Eltern zu untersttzen und grere Fische nach dem Markte zu
schleifen.

[Illustration: Capstadt.]

Wir verlassen den Fischmarkt und begeben uns durch eine der vielen
parallel die Stadt durchkreuzenden Straen nach dem durch Pinien
umsumten Paradeplatz. Im Innern der Stadt werden wir weniger von der
Bauart der Huser, von denen noch viele den alten hollndischen Styl
zeigen, als vielmehr von dem Treiben in den Straen gefesselt, in denen
die Eingebornen, welche hier jedoch als Mischrace berwiegen, das meiste
Interesse des Fremden erregen. Sie sind als Lasttrger, als Kutscher und
Diener an jeder Ecke, in jedem Geschfte und Hause vertreten. Malayen,
Kaffern und Mischlinge liegen friedlich an derselben Ecke und suchen, wo
sich ihnen ein Job (eine Arbeit) darbietet, das Hchste
herauszuschlagen. Hat sich im Verlaufe meines siebenjhrigen
Aufenthaltes Manches im Aeuern der Stadt zum Vortheil gendert und ist
auch fr die Hebung der allgemeinen Bildung viel gethan worden, diese
Schichte der Bevlkerung ist sich gleich geblieben in ihrer Rohheit,
gewonnen haben ihre Mitglieder nur an Verschmitztheit und
Unverschmtheit in ihren Forderungen. Malayen und jene der Mischlinge,
die durch Vermgensverhltnisse oder in Bildungsanstalten eine bessere
Erziehung erwerben konnten, machen einigermaen eine Ausnahme.

Die Mischlinge zeigen die mannigfachsten Nancen der Hautfarbe, von
einem leichten Stiche in's dunkle bis zu dunkelbraun; die schwarzen
Gesichter gehren Kaffern und Eingebornen, die von der Ost- und
Westkste und von St. Helena eingewandert sind.

Capstadt ist der Sitz der hchsten englischen Behrde fr Sd-Afrika,
des _Commissioner for the Possessions and Dependencies in South Africa_,
des ihm zur Seite stehenden Ministeriums, sowie des aus dem Ober- und
Unterhause bestehenden Parlaments, ferner der Sitz eines anglikanischen
katholischen Bischofs, die Stadt zhlt sechzehn Kirchen (Bethuser mit
eingerechnet) und unter den Bewohnern, deren Mehrzahl Farbige sind,
finden sich Bekenner aller erdenklichen Confessionen. Unter den Weien
berwiegt das hollndische Element ber die brigen Vertreter
europischer Nationen, deren Rechte durch Consuln gewahrt werden; es
sind dies meist Kaufleute, welche die Consulargeschfte nebenbei
besorgen. Nur Frankreich und Portugal sind durch _Consuls de carrire_
vertreten.

An der Spitze der jetzigen Regierung steht ein Mann, der sich das
vollkommene Vertrauen der Colonisten erworben und zu den edelsten und
einsichtsvollsten Gouverneuren gehrt, die England je mit der Verwaltung
seiner sdafrikanischen Colonien betraut hatte. Viele der von Sir Bartle
Frre eingefhrten Neuerungen werden sich namentlich in der Zukunft
ersprielich erweisen.

Von den ffentlichen Gebuden knnen wir namentlich die Stadthalle, die
Kirchen, das Gouvernements-Gebude, das _Sailors Home_, die
Militrgebude, die Eisenbahnstation erwhnen; vor Allem aber verdient
das Museumsgebude mit dem Monumente Sir Grey's und mit dem angrenzenden
botanischen Garten, von den, die Stadt nach der Seeseite hin schtzenden
Befestigungen, namentlich das terrassenfrmig angelegte, steinerne
Castell, in dem der Chef der Militrbehrde der Capstadt residirt, und
welches gegenwrtig dem Zuluknig Ketschwaio zum provisorischen
Aufenthalte angewiesen worden ist, erwhnt zu werden.

Eine detaillirte Beschreibung der grten Stadt Sd-Afrika's wrde zu
weit fhren und ich will mich nur auf einige wenige Objecte beschrnken,
und damit von der Metropole scheiden (siehe Anhang 1). Von den
Bildungsanstalten der Hauptstadt ist namentlich das _South African
College_ zu nennen, an dem Mnner vortragen, die bereits als Gelehrte
europischen Ruf erlangt haben. Von den wissenschaftlichen
Gesellschaften nimmt die _Philosophical Society_ den ersten Rang in
Sd-Afrika ein. Sie hat Originalforschungen auf dem Gebiete aller
Wissenschaften zum Zwecke. Der gegenwrtige Prsident der Gesellschaft
ist der wohlbekannte Astronom Prof. Gill.

Und nun wollen wir einen Blick auf die Umgebung der Capstadt werfen,
deren Scenerie, sowohl dem von der See als auch aus dem inneren
Hochlande Kommenden den freundlichsten Eindruck macht und der Hauptstadt
einen besonderen Reiz verleiht. Nhern wir uns der Stadt von der hohen
See, so fallen uns schon aus groer Entfernung zahlreiche weie
Pnktchen auf, welche sich am Fue des langgestreckten Lwenkopfes lngs
der See hinziehen, sie entpuppen sich in der Nhe als Villen, die aus
den im prchtigsten Grn strotzenden Grten hervorlugen und sich am Fue
der hier mit einem Grasteppich bedeckten Hgel, dort schroff abfallenden
Felsenhhe ungemein reizend und malerisch ausnehmen. Ein Tusculum der
wohlhabenden Bewohner der Capstadt, besonders der Handelsherren,
verbindet eine Pferdebahn, welche von 6 Uhr Morgens bis 10 Uhr Nachts in
Betrieb gesetzt ist, diese Vorstadt mit der Metropole. Der von der Stadt
entfernteste, nach der hohen See zu liegende Theil dieser Vorstadt wird
Sea-Point, der nherliegende, mit ihr zusammenhngende Green-Point
genannt. Da, wo sie sich vereinigen, finden sich die Friedhfe, von
denen jener der Europer den stillen Cypressengrten Madeira's gleicht,
whrend die hher am Bergabhange liegenden Friedhfe der Eingebornen,
namentlich die Begrbnistelle der mohamedanischen Malayen mit ihren
zahlreichen mit Inschriften versehenen Grabsteinen fr den Ethnographen
groes Interesse bieten. Neben den auf dunklen Schiefertafeln
eingegrabenen Inschriften sind diese Grber blos mit aus Papier
geschnitzten und von Zeit zu Zeit erneuerten Blumen geschmckt.

Gewhrt schon der Fu des Lwenkopfes mit den schnen Villen einen
reizenden Anblick, so gilt dies in erhhtem Grade von dem untersten
Hange des Teufelsberges. Hier reiht sich auf Meilen hin Dorf an Dorf,
Garten an Garten, die einzelnen nett und sauber gehaltenen Gehfte oft
durch dichte Nadel- oder Eichengehlze von einander getrennt und
berschattet. Von hundert zu hundert Schritt taucht hier immer ein neues
anziehendes Bild auf, das zuweilen ausnehmend schn genannt werden kann,
wie z.B. die ber diesem Punkte sich erhebende Partie des Teufelsberges
hier als eine interessante Felsenformation, dort als Gehlze oder
blhende Erikawiesen den Hintergrund bildet. Eine ber 100 Meilen
landeinwrts fhrende Eisenbahn verbindet diese Vorstdte mit der Stadt.
Zge gehen in der Regel stndlich ab. Ein besonderes Interesse bietet
die dritte Station dar, sie fhrt der kniglichen Sternwarte wegen, die
etwas abseits gegen den Salt-River zu auf einer zu einem Lustgarten
umgewandelten Sanddne erbaut ist, den Namen Observatory Road. Unter
der Leitung Prof. Gill's stehend, hat die Sternwarte durch Herschel
junior's epochemachende Arbeiten Weltruf errungen. Auch der gegenwrtige
Leiter und seine Gemahlin sind in den englischen Kreisen wohl bekannt,
sie namentlich durch das von ihr verffentlichte Werk: _Sechs Monate
auf der Insel Ascension_, welche Zeit sie auf dieser den vulkanischen
Insel in Gemeinschaft mit ihrem Mann zubrachte, mit astronomischen, dem
Durchgange des Mars gewidmeten Beobachtungen beschftigt.

Der bedeutendste und anziehendste der drei die Capstadt so bezeichnenden
und mit der Stadt selbst berhmt gewordenen Berge ist der schon mehrmals
erwhnte 1082 Meter hohe Tafelberg (Table-mountain).

Mehr als ein Drittel der ganzen Hhe des Massivs nimmt der theils mit
angebauten Wiesen, theils mit Gras, Buschwerk und mannigfaltigen
Haidekrutern bewachsene Riesensockel ein, aus dem fast perpendiculr
die mchtige, zerklftete, doch oben vollkommen abgeflachte Kuppe
aufsteigt. Stunden vergehen, bevor man auf die mit Felsenblcken
bedeckte Hochflche, die dem Berge den Namen gab, gelangt, und oben
angekommen, erheischt es die grte Vorsicht, um nicht irre zu gehen! Es
ist daher angezeigt, sich der Fhrung eines Bewohners der Capstadt
anzuvertrauen, an solchen bereitwilligen Fhrern fehlt es aber nicht,
denn die Bewohner der meisten Stdte Sd-Afrika's zeichnen sich durch
ihre Freundlichkeit, ihre Gastfreundschaft und ihr biederes
Entgegenkommen aus. Namentlich ist fr jene, welche schne
Felsen-Scenerien bewundern wollen, das Besteigen des Tafelberges von
hohem Interesse; allein der Genu, den diese hie und da durch die
natrlichen, oft so grotesken Felsenformen und eine reiche tropische
Vegetation fesselnden und die Mhe des Besteigens so reichlich
entlohnenden Bergeslehnen bieten, wird noch von der schnen Aussicht
berboten, die den Besucher erwartet, wenn er mde von dem
beschwerlichen Aufstieg an der flachen Kuppe angelangt, den Blick rund
herum ber den Horizont schweifen lt. Vor uns dehnt sich scheinbar
endlos nach Westen und Norden der Spiegel des Oceans aus, die tief in
das Land einschneidende Tafelbai verrth uns jetzt noch das durch
Jahrtausende thtige Bestreben des Meeres, den schmalen Felsenriegel,
der die Tafelbai von der Kalk- und Simonsbai im Sden trennt, zu
durchbrechen. In der Tafelbai selbst aber erblicken wir die flache,
durch einen Leuchtthurm und Husercomplexe gekennzeichnete Robbeninsel,
auf der sich gegenwrtig ein Asyl fr Irrsinnige und ein Staatsgefngni
fr angesehene politische, den dunklen Racen angehrige Strflinge
befindet.

Unter uns der im farbenreichen Grn strotzende Fu des Tafelberges und
zwischen ihm und der Bai, in der zahllose, theils im sicheren Hafen,
theils auerhalb auf der freien Rhede liegende Schiffe von regem Handel
zeugen--die hellschimmernden Gebude der Stadt, durch die sich
kreuzenden geraden Straen als ein Complex von Rechtecken hervortretend,
deren Monotonie hie und da oasenfrmig durch das Grn der Grten und
Alleen angenehm unterbrochen erscheint. Dort drben am Abhange des
Lwenberges die stillen Ruheorte der Malayen und der Farbigen berhaupt,
weiter nach dem Green point-Leuchtthurm zu, die mit hohen Cypressen
bewachsenen Friedhfe der Bleichgesichter. Doch lassen wir das Bild des
Vergehens und wenden wir unsere Blicke zur Rechten und zur Linken, wo
sich die beiden Genossen des Tafelberges erheben. Da wo der Lwenkopf
sein steiles Haupt erhebt, verbrdert er sich mit einem der zwlf
Apostel, die an ihrem steilen Fue von den Wogen des Oceans besplt,
stolz ihre zackigen spitzen Hhen in den blauen Aether erheben. Schweift
der Blick zur Rechten und hat er sich an allen die Phantasie erregenden
Formen, an den Felsenschluchten, Klften, Felsenmauern, Terrassen und
Riesenblcken des Teufelsberges gesttigt, so blickt das Auge weiter
hinaus auf eine mit Gebschen, Wldern und Haidekrutern bewachsene
Ebene, auf grne, glnzenden Teppichen gleichende Wiesen und angebaute
Fluren, in denen sich Villen und Farmhuser anmuthig bemerkbar machen,
und die der Wohlhabenheit und Emsigkeit der Ansiedler das beste Zeugni
geben. So bietet die Umgebung der Metropole Sd-Afrika's, mgen wir sie
von dem ehrwrdigen Haupte des Tafelberges, oder von den beiden anderen
Hhen betrachten, mgen wir ihr von der See aus, von dem schaukelnden
Boote unsere Aufmerksamkeit widmen, uns immer ein anziehendes,
wechselndes Bild! Vom letzteren Standpunkte aus betrachtet, wird das
Bild ungleich interessanter, indem eine scharf nach oben abgegrenzte
Wolkenschichte in der Regel die obere Hlfte der beiden hheren Berge so
verhllt, da das spitze Haupt des einen und das flache des andern ber
die Wolkenbank hinausragen und dadurch einen effectvollen Anblick
gewhren.

[Illustration: Schlucht am Abhange des Tafelberges.]

Nach zweitgigem Aufenthalte in der Capstadt verlie der Briton die
Tafelbai und wandte den Kurs um das Cap der Guten Hoffnung nach Osten,
nach der Algoabai, um in der zweitgrten Stadt der Colonie, dem
wichtigsten Handelsorte Sd-Afrika's, woselbst die Mehrzahl seiner
Passagiere an's Land zu gehen beabsichtigte, zu landen.

Die Fahrt lngs der steilen bergigen Kste ist eine gefhrliche und
manches Schiff, selbst in jngster Zeit, fand an den verborgenen
Felsenriffen, welche die Kste sumen, sein Verderben.

Ich versichere Sie, uerte sich einer der Stewarts[1] an Bord des
Briton, unter fnf Shillingen werden Sie nicht an das Land
gelangen.--Fnf Shillinge fr eine Bootfahrt von etwa 1000 Schritt
Lnge? Unmglich! So tnte es als Antwort in allen mglichen Sprachen
zurck. Die Forderung schien unvergleichlich hoch. Eine halbe Stunde
spter und wir zgerten nicht, fr dieselbe Leistung das Zweifache, d.h.
zehn Shillinge zu geben, denn unter diesem Preise wollte keiner der
Bootsleute einen Passagier an's Land bringen. Fr mich war dieser an und
fr sich geringe Betrag eine harte Contribution, betrug ja mein ganzes
Vermgen in diesem Momente nur 3  St. und damit stand ich erst an der
Schwelle des Landes, dessen Erforschung meine Aufgabe war!

    1: Kellner.

Algoabai ist gleich den brigen Buchten der Kste Sd-Afrika's eine
weite, jedoch offene und deshalb den Strmen ausgesetzte Bucht; die eine
Seitenbucht der Simonsbai bildende Kalkbai ausgenommen, hat die ganze
Sdkste der Cap-Colonie keinen sicheren Hafen aufzuweisen, gewi ein
nicht zu unterschtzender Uebelstand, ein Hinderni fr die Entwicklung
des Imports und Exports, denn abgesehen von der umstndlichen und
zeitraubenden Lsch-Manipulation der Ladung zwischen den zumeist in 500
bis 700 Schritten Entfernung von der Kste ankernden Schiffen und
dieser, werden Fracht und Transport durch diesen Uebelstand ungewhnlich
vertheuert, andererseits nthigten die Gefahren der offenen Rhede zu
kostspieligen experimentalen Hafenbauten, deren Ausfhrung bedeutende
Summen verschlingen, die sonst der Colonie zu Gute kommen wrden.

Ein Gang entlang dem Strande der Algoabai, entrollt uns ein neues Bild
des zrnenden Oceans, und beweist uns die Richtigkeit der zweiten
Benennung des Cap der guten Hoffnung als Cap der Strme. Hier aus der
kahlen Dne, dort ber den nackten zerrissenen Felsen, ragt ein Wrack
empor, ob sein Rumpf auch eisengepanzert war, die Wuth des Sturmes und
die Klippen des Strandes, sie kannten keinen Unterschied. Zerschellt
liegt es neben dem einfachen Holzbaue an der den, unwirthlichen Kste.

Jene--und weil meist zur Nachtszeit sich abspielend--um so furchtbareren
trben Episoden, wo wthende Sdoststrme schumende Riesenwellen nach
dem Ufer der Algoa-Bai schleuderten und ein Fahrzeug nach dem andern,
oft bis neun in wenigen Stunden, an den Felsen zerschmetterten oder auf
die Sandbnke warfen--sind in der Geschichte des neuen Hafenortes der
zweitgrten Stadt Sd-Afrika's ebenso wichtige und ereignivolle als
hchst traurige Gedchtnitage geworden. Doch zurck zu meiner Ankunft
im Weichbilde der Stadt![1]

    1: Siehe Anhang 1.

Auf einem etwa 200 Fu hohen, felsigen Abhange erbaut, dehnt sich Port
Elizabeth ber eine Flche von zwei englischen Meilen Lnge und  bis 1
Meile Breite aus; entbehrt die Lage der circa 20.000 Einwohner zhlenden
Stadt auch landschaftlicher Schnheit, so ist ihre Bedeutung als
Handelsstadt ein Ersatz hiefr, indem sie fr ganz Sd-Afrika sdlich
des Zambesi die Rolle einer Handels-Metropole bernommen hat.

Namentlich wird die stliche Provinz der Cap-Colonie, der
Oranje-Freistaat, die Diamantfelder, theilweise auch der Transvaal-Staat
und das Innere Sd-Afrika's von diesem Hafenort aus versehen. Die
Handelsinteressen werden von einer Gewerbekammer gewahrt, welche die
bedeutendsten Kaufleute der Stadt zu ihren Mitgliedern zhlt. Lngs dem
Abhange, an der 1 englische Meilen langen Main-(Haupt-)strae von der
sich wieder kleinere Straen nach dem Meeresufer abzweigen und andere
diesen unteren mit dem oberen Stadttheil auf der flachen Hhe
verbinden--meist in eleganten und in groem Mastabe aufgefhrten
Geschftslocalen haben die bedeutendsten Handelshuser Port Elizabeths
ihre aus allen Welttheilen herrhrenden Waaren aufgespeichert. Die
Handelsherren selbst haben es sich oben am Hill, auf der Hhe, in
luxuris eingerichteten Wohnungen bequem gemacht, wo man eine Aug und
Herz erfreuende Fernsicht auf's Meer und die frische Luft der Algoabai
geniet. Hier haben sie in einem Clubhause eine elegante Ressource
eingerichtet, wo sie sich namentlich an Mittwochen zu einem
gemeinschaftlichen Diner einzufinden pflegen.

Ein kleiner schlammiger Flu scheidet die Stadt in einen sdlichen
kleineren und einen greren nrdlichen Theil, ersterer wird meist von
malayischen Fischern bewohnt. Nicht weit von dem Bakensflu, am
sdlichen Ende der oberwhnten Mainstrae findet sich der Marktplatz,
von dem prchtigsten Rathhause Sd-Afrika's an seiner sdlichen Seite
begrenzt. Sein Centrum ist von einer Granitpyramide geziert und man
gelangt zu ihm unmittelbar von dem in's Meer auslaufenden Pier,[1] so
da er den Fremden, der sich durch die etwas monotone Ansicht der Stadt
vom Meere aus, nicht viel verspricht, mit seinen schnen Gebuden und
den einer europischen Grostadt hnlichen, luxuris ausgestatteten
Verkaufslocalen auf das Angenehmste berrascht. Zwischen dem Meere und
diesem Marktplatz, wie auch bis zur Mndung des Bakensflusses, ziehen
sich riesige Speicher, in denen die Wolle zur Ausfuhr aufgestapelt und
die eingefhrten Gter, bevor sie in die Stadt gebracht werden,
lagern.--Der Anblick der Stadt von der See aus wird in seiner
Einfachheit einigermaen durch die zahlreichen schnen Kirchen etwas
gehoben. Oben am Hill findet sich auch ein sehr gut eingerichtetes
Hospital und etwa eine halbe Meile davon landeinwrts, sowie unmittelbar
unter den Hhen am nrdlichen Ende der Stadt je ein botanischer Garten.
In der Stadthalle finden wir eine sehr gute Bibliothek und ein leider
vollkommen verwahrlostes Museum, auf das ich noch spter zurckkommen
werde.

    1: Ich nenne Pier, die in's Meer auslaufenden, bei Hafenbauten
    errichteten Holzbrcken.

Nachdem ich gelandet, suchte ich ein Hotel auf, doch nicht mit der
Unbefangenheit des wohlausgersteten Reisenden, denn meine Barschaft
war, nachdem ich die zu entrichtende Waffensteuer (1  St. fr meinen
Gewehrlauf, zehn Shillinge fr meinen Revolver) geleistet, bis auf zehn
Shillinge zusammengeschmolzen und selbst diese dankte ich nur dem
Umstande, da die meinen Hinterlader enthaltende Kiste nicht mit auf dem
Briton verschifft worden war. Ein deutscher Kaufmann, Hermann
Michaelis, an den ich einen Empfehlungsbrief hatte, wies mich an den
sterreichischen Consul, Herrn Adler, und diesem Manne habe ich es zu
danken, da mir Port Elizabeth zu einem angenehmen Aufenthaltsorte
wurde. Ich kann es nur herzlich wnschen, da die Vertreter
Oesterreich-Ungarns, auch in anderen Weltgegenden solch' regen Eifer fr
das Wohl der ihrem Schutze Empfohlenen an den Tag legen, in so
energischer und unermdlicher Weise die Interessen ihres Staates wahren
mchten, als ich es in Port Elizabeth gefunden. Sowohl Herr Adler, der
damalige Consul, als auch seine beiden Nachfolger, die Herren Allerberg
und Mosenthal, der gegenwrtig Oesterreichs Interessen vertritt,
bewiesen sich mir als solche.

Herr Adler fhrte mich bei den Honoratioren der Stadt ein und bald hatte
ich die Freude und Genugtuung, einige Patienten meiner Obsorge
anvertraut zu sehen. Um jedoch die freien Stunden wo mglichst zu
benutzen, machte ich tglich Ausflge in die Umgegend, die ich in
Folgendem zu schildern versuchen will. Schon nach vierzehntgigem
Aufenthalte in Port Elizabeth wurde mir von einem der Grohndler der
Stadt der Antrag gestellt, mich gegen ein Jahreshonorar von 600  St. in
der Stadt als Arzt niederzulassen. So ehrenvoll der Antrag fr mich auch
war, und so sehr seine Annahme mich von allen Lebenssorgen befreit
htte, ich konnte ihn aus noch nher anzufhrenden Grnden nicht
annehmen.

Zu meinen Ausflgen erkor ich mir einerseits das sdliche Meeresufer,
eine breite, theils mit dichtem tropischen Gebsch bewachsene, theils
meilenweit mit Sanddnen bedeckte Landzunge, die an ihrer uersten
Spitze ein Leuchthaus trgt (7 Meilen von Port Elizabeth entfernt),
anderseits das nrdliche Meeresufer nach der Mndung des Zwartkop-River
zu, sowie auch das Thal des Baker-River, das mir viel des Interessanten
darbot.--Zu diesen Gngen whlte ich mir in der Regel (nach beendeten
rztlichen Visiten) den Morgen und kehrte am Nachmittag heim. Mit allen
Hilfsgerthen eines Sammlers ausgerstet, verlie ich dann das Hotel und
eilte an den Wollspeichern vorber nach der ber den Bakensflu
fhrenden Brcke zu. Auch an diesen groen Wolllagerpltzen konnte ich
nie vorbergehen, ohne nicht ein halbes Stndchen das Treiben an der
sich zwischen dem Meer und den Gebuden etwa 250 Schritt breit
erstreckenden Dne zu verfolgen. Diese bietet dem Besucher einen, Port
Elizabeth charakterisirenden und gewi sehr anziehenden Anblick dar. Auf
einer etwa 500 Schritt langen und 250 Schritt breiten, sandigen Flche
finden wir alle mglichen Schiffsartikel aufgestapelt. Da liegen an's
Land gezogene Khne und an ihnen gelehnt, schmauchen zahlreiche
Theerjacken ihr Thonpfeifchen--so gemthlich und phlegmatisch--fr alle
Welt vergessen, wie es die getreuesten ihres Schlages an den Ufern
Alt-Englands zu thun pflegen! Frmliche Barrikaden von Fssern, Kisten,
Eisendrahtrollen etc., riesige Anker und Ketten sowie verschiedene
Schiffsreste sind ber die Flche zerstreut aufgethrmt. Ein reges Leben
herrscht in diesem Labyrinthe von Kisten, Fssern und Rollen, ein stetes
Auf- und Abladen, hier in die groen Waaren-Lagerhuser, dort
unmittelbar auf die groen, ochsenbespannten Capwgen, deren
Bestimmungsort viele hundert englische Meilen landeinwrts liegt. Das
Amt der Custom-Officers (Zollbeamten) ist denn auch hier kein leichtes,
ihre Thtigkeit eine angestrengte.

Einen anziehenden Anblick bietet auf der Dne, das Landen der Kutter,
welche die Waaren von den Schiffen bringen, das Ausladen derselben durch
hunderte von schwarzen, nackten Hnengestalten. Die Seefahrzeuge, deren
oft mehr denn 30 in der Bucht liegen (die Dampfschiffe etwa der Mndung
des Baker-River gegenber) knnen nicht bis zum Ufer gelangen, die
riesigen Stein- und Pallissadenbrcken (Piers), die man in's Meer
hinausgebaut, um das Anlegen der Schiffe zu ermglichen, erweisen sich
nutzlos, da sie einesteils nicht den hinreichenden Schutz bieten, theils
zur Versandung fhrten, so da noch immer jene berseeischen Fahrzeuge
weit auf offener Rhede ankern mssen. Namentlich von der Hhe aus
gesehen, bieten die Fahrzeuge wie sie sich auf der dunklen Fluth hin-
und herwiegen, einen interessanten Anblick, oft kann man die mit vollen
Segeln auslaufenden Segelschiffe, die groen oceanischen Dampfer aus-
und einlaufen sehen, ein Anblick, der den Beobachter unwillkrlich mehr
denn als Viertelstunden zu bannen vermag. Von den Schiffen werden die
Waaren in unbeholfen aussehende, einmastige Kutter geladen und in den
letzteren nach der sandigen Uferstelle, den Lagerhusern gegenber,
gebracht. In einem Nu ist der Kutter von einem Schwarm Schwarzer
umringt, die an ihm emporkletternd sich die Waaren reichen; es whrt
nicht lange und die Ladung ist gelscht, d.h. in die Lagerhuser
getragen. Den geruschvollen, allein so manch' Anziehendes darbietenden
Ort verlassend, berschreiten wir die Bakerbrcke, um, die Ansiedlung
der Malayen durchschreitend, das freie Meeresufer zu gewinnen. An der
Mndung des genannten Flusses hatte man solch' einen Pier (Brcke)
angelegt, was eine Versandung des vermeintlichen Hafens, den das kleine
Flchen nicht auszuwaschen die Kraft und nthige Strmung besa, nach
sich zog.

Das sdliche Seeufer ist ein einziges bis zum Leuchthause reichendes
terrassenfrmig in die Tiefe absteigendes Felsenriff, hie und da
mitunter durch Anbau verschiedener Seethierchen, namentlich
Korallenthierchen incrustirt. Krzere und lngere Stellen sind mit Sand,
doch blos am Ufer selbst, bedeckt, ohne da der Sand tief in's Meer
reichen wrde, wie es nrdlich von der Stadt gegen den Zwartkop-River
der Fall ist. Was ich nun in der Ebbezeit in den knstlich von den
Seethieren gebildeten Grotten an solchen auffischen, fangen und an vom
Sdoststurme ausgeworfenen Korallen und Algen habhaft werden konnte, das
habe ich damals treu heimgeschlepppt. Auf meiner Rckreise aus dem
Innern, whrend meines letzten Besuches der Stadt, konnte ich allerdings
mit grerem Erfolge und im weiteren Umfange diese Sammlungen betreiben.
Von meiner kleinen schwarzen Dienerin Bella und 4-5 gemieteten Schwarzen
gefolgt, arbeitete ich mehrere Stunden hindurch an der Kste und kehrte
mit reicher Beute zur Stadt zurck. Viel Vergngen machte uns der Fang
der Nautilus-Mnnchen, die in den Grotten zurckgeblieben waren. Mit
einem aus Eisendraht verfertigten Haken stberten wir in den noch mit
Seewasser gefllten Felsenlchern umher; war einer jener Cephalopoden
daselbst zurckgeblieben, so fuhr er sofort wild nach dem metallenen
Eindringling, der es uns ermglichte, ihn von dem Felsen, an dem er sich
oft sehr fest geklammert, loszulsen. Fiel er dabei an eine trockene
Stelle, so bewegte er sich rasch, indem er die Fangarme anzog, nach der
Seeseite zu; fiel er auf loses Gestein, so hoben wir ihn in der Regel
mit fnf bis zehn oft faustgroen Steinen auf. Die grten dieser Thiere
hatten eine Lnge von 5 Zoll und bis 24 Zoll lange Fangarme; sie werden
hufig von den Malayen aufgesucht und genossen, und sind unter dem Namen
der Katfische bekannt. Oft trafen wir an einzelnen Stellen junge Mnner
und Frauen, welche mit Hmmern groe Schnecken, Napfschnecken und
Austern losschlugen, um selbe in der Stadt zu verkaufen, doch begegneten
wir auch weien Knaben, welche in, unseren Schmetterlingsnetzen
hnlichen Sckchen, kleine Palmons fingen, die in Port Elizabeth von
Vielen als Delicatesse angesehen werden. Taucher und Mven beleben die
seichteren Partien, erstere fliegen niedrig und spt auf, so da mein
Hund Spot mehrere erbeutete.

Ich erwhnte, da dieses Ufer eine Art breite Landzunge bildet, welche
etwa zur Hlfte eine einzige de Sanddne ist, whrend die andere
Hlfte, meist an der Seite von Port Elizabeth und der Theil nach dem
Leuchthause zu mit Ausnahme der uersten Spitze, mit einer ppig
wuchernden Vegetation bewachsen ist; und doch hat diese nur in dem
Dnensande festen Fu gefat, gewi staunenswerth, um so mehr, als der
Forscher auf dieser Strecke wenigstens 1000 Pflanzenarten finden drfte.
Vor Allen ist die fleischig-blttrige Mittagsblume in sehr vielen Arten
vorhanden, deren eine hie und da mit schnen, citronenfarbigen,
handgroen Blthen frisch aus dem dunklen Grn ihrer in Bscheln
stehenden, fingerfrmigen, dreikantigen Bltter hervorleuchtet. Einige
Schritte vor uns, am Fue eines dichten Gebsches prangt eine zweite und
dritte Art, die eine mit kleinen orangefarbenen, die zweite mit
dunkelrothen Blthen und whrend wir uns zu ihnen hinbeugen, berrascht
das Auge aus einem niederen Binsendickicht zur Rechten ein dichtes Lager
von einer dunkelblttrigen Art mit prachtvollen, Doppelthaler groen,
hellrothen Blthen. Wir haben uns noch nicht entschieden, welche wir
zuerst in unsere Bchse aufnehmen sollen, als bei dem nchsten Tritte
das Ausgleiten des Fues zur Vorsicht mahnt, und als wir nach der
Ursache unseres Falles forschen, finden wir, da ihn ein zierliches
Mittagsblmchen verschuldete, das theilweise von dem Rasen gedeckt, mit
seinen weien Blthenscheiben friedlich da unten vegetirte. In der
Betrachtung dieses Blthenflors bersieht das Auge fast die Menge von
Zwergbschen, die vielen Binsen- und Euphorbia-Arten.

Der Entstehungsweise entsprechend, bildet diese sandige Unterlage fr
Meilen hin kleine, seichte, wiesenbedeckte Parallelthlchen und
bebuschte Erhebungen, die letzteren etwa 30-50 Fu ber der
Meeresflche, die Thlchen 10-20 Fu tief, 100-900 Schritte lang.
Namentlich reich an Vegetation ist das westliche Ufer, d.h. jenes vom
Leuchthaus nach Westen zu, an dem auch mehrere Farmhuser liegen und
unzhlige Quellen zu dem hier eine einzige, zerrissene Felsenklippe
bildenden Meeresufer hinabrieseln. Die Smpfe sind hier mit zahlreichen,
den Moorboden liebenden Gewchsen berwuchert, farbenprchtige Blumen
und mehrere Schilfrohrarten sumen die offenen Tmpel ein; diese Smpfe
bedecken die Abhnge zum Meere, whrend die niedrigen, oben abgeflachten
Hhen in seichten doch breiten Thlern hier mit unzhligen, oft kaum
wahrnehmbaren, dort bis vier Fu hohen buschartigen Erica-Arten
berreich bedeckt sind; einem Botaniker geht das Herz ber, wenn er so
in diesen Schtzen nach Mue schwelgen kann. Diese Erica-Arten zeigen
nicht allein mannigfache Blthenformen, sondern auch alle mglichen
Farben in den zarten Blthen; wei und grau meist die hohen
strauchfrmigen, gelblich bis ockerfrbig die kleineren, doch auch roth
in allen Nancen und violett bis zu noch dunkleren Tnen.

Der sdwestliche Theil der Cap-Colonie ist durch seine Erica-Flora
charakterisirt, die in einem jedoch nicht tief in's Land reichenden
Grtel den sdlichsten Vegetations-Typus von Afrika bildet; die Umgegend
von Capstadt und Port Elizabeth weisen die meisten Arten auf.--Auer den
schon genannten findet der Forscher zu allen Jahreszeiten gewisse
Liliaceen in der Blthe, namentlich schnfarbige--feuer- und
carminrothe--auch schlanke Schwertblumen sind ziemlich hufig
anzutreffen, ihr schnes Roth mahnt an jenes der Alospecies, die wir so
hufig an den Abhngen der Zuurberge etc. vorfinden. Von Cryptogamen
sind namentlich Moose auf den berwucherten Dnen zu finden. Wenn man
durch dieses Blumeneden schreitet, whnt man, da auer den Insecten und
einigen wenigen Singvgeln kein lebendes Wesen diese Strecken bewohne.
Und doch sind sie von so manchem Thiere bewohnt, von Thieren jedoch, die
in den undurchsichtigen, wenn auch niederen Gebschen vor den Menschen
Schutz suchen, und nur Nachts sich aus denselben wagen. Es ist eine
zierliche, kaum einen halben Meter Hhe erreichende Gazellenart, dann
Hasen und Springhasen, graue Wildkatzen, Genettkatzen, Musehunde etc.,
die Nachts ihr Wesen in den Bschen und den wiesigen Niederungen
treiben. Der Leuchtthurmwchter fngt so manche in Eisen, mit denen er
seinen Miniaturgarten, den er sich in einem Thlchen angelegt, umgab.

[Illustration: Elephantengruppe, Nachts am Zondags-River.]

Ja, das Leben in diesem Leuchtthurme an der Sanddne, von drei Seiten
vom tobenden Meere umsplt, zeigte mir eine der reinsten Idyllen, die
ich je beobachtet. Doch ich mu befrchten, da es mir hier an Raum
gebricht, ihm eine lngere Schilderung, die er verdienen wrde, zu
widmen. Der Wchter fhlt sich in seiner Oede vollkommen glcklich.
Monatlich einmal geht er nach der Stadt, um seinen Gehalt zu beziehen,
whrend wchentlich ein zweirdriger Karren ihm seine Bedrfnisse von
der Stadt zufhrt. Er lebt mit seiner Familie und einem Gehilfen in
einem steinernen Gebude unter dem Leuchtthurm und hat jedes Schiff, das
von der hohen See in die Algoabai einlaufen will, oder das die Bucht in
sichtbarer Ferne passirt, nach der Stadt zu signalisiren. Ich habe
einen Tag den Dienst, den anderen mein Gehilfe, damit ich jedoch etwas
im Grtchen arbeiten kann, habe ich meiner Tochter telegraphiren
gelernt, die mir nun im Dienste recht behilflich ist, erklrte er mir.
Ich kann es mir nicht versagen, hier eines Erlebnisses des
Leuchtthurm-Castellans zu erwhnen, das er mir erzhlte.

Whrend einer strmischen, dunklen Nacht verirrte sich der Capitn
einer Barke, sah unser Licht fr das von Port Elizabeth an (er hatte
unzureichende Seekarten zu Gebote und war noch nicht in diesen Gewssern
bekannt) und steuert auf uns los; als wir das Schiff erspht hatten,
sahen wir auch, da dasselbe glcklich in einem durch Klippen
gefhrdeten Kanal Anker geworfen hatte. Ich telegraphirte nach Port
Elizabeth, gegen den Morgen kam die Tug (Schleppdampfer), die es
glcklich aus seiner unbequemen Lage herausbugsirte; etwa 20 Minuten
nachher trat die Fluth ein, eine Versptung um diese Zeit und das Schiff
wre rettungslos an den Felsen zerschellt worden. Die Wachsamkeit des
Wchters fand auch ihren Dank.

Lohnend waren meine Ausflge an die Ufer der beschriebenen Landzunge
whrend meines letzten Besuches von Port Elizabeth, ich erbeutete
namentlich Seefische, Krabben, Cephalopoden, Wrmer, Schnecken,
Patellen, Seeraupen, Seehasen, Muscheln, Korallen, Schwmme etc., Algen
und mehrere Arten Haifischeier.

Auer diesen Ausflgen nach dem sdlichen Ufer der Bucht unternahm ich
welche in entgegengesetzter Richtung nach dem nrdlichen, gegen die
Mndung des Zwartkop-Flusses. Das Ufer ist hier meist sandig, bis tief
in's Meer hinein, noch die glcklichste Stelle, an der ein Schiff, wenn
ihm der Sdoststurm die Ankerketten bricht, stranden kann. Das Meer gab
mir auf diesen Ausflgen namentlich interessante Muschelarten, an der
Mndung des Flusses schwrmen Haifische und der Flu selbst liefert dem
Forscher zahlreiche Seefische, whrend seine Ufer, namentlich das linke,
reichhaltige Petrefacten aus der Kreideperiode und im Alluvialboden
Ueberreste von jetzt noch in der See lebenden muschelartigen Thieren und
interessante schraubenfrmige Gypsformationen zeigt. Hier finden wir
(das Ufer ist flacher als das sdliche) auch riesige Lagunen sich in's
Land hinein erstrecken, die dem Ornithologen so manch' schnen
Regenpfeifer, Strandlufer und Hammerkopf versprechen. Wir finden hier
viele neue Species von Blumen, namentlich Alo, Wucherblumen, Ranunculus
und eine fleischige, nur hier anzutreffende Winde.

Ich kehrte gewhnlich landeinwrts nach der Stadt zurck, die zwischen
dem Flu und der Stadt liegende Salzpfanne (kleiner salzhaltiger und
zeitweilig im Jahre mit Wasser gefllter, etwa 500 Schritt langer und
200 Schritt breiter See) berhrend. Hier fand ich wieder neue Blumen,
einige interessante Kfer und Schmetterlinge. Diese Saltpan liegt auf
einer Grasebene, die nach Westen von dem Abhange, an dem die Stadt
erbaut ist, begrenzt wird. Auch diese Ebene weist andere meist niedrige
Pflanzen auf, ebenso der steinige Abhang, der berdie in den
Frhlingsmonaten August und September, an Schlangen, Eidechsen,
Scorpionen, Spinnen und Insecten eine sehr reiche Ausbeute liefert; ich
fing an diesem Abhange allein 34 Schlangen. Um diese Zeit (in den
genannten Monaten) beginnt die Winterklte nachzulassen, die Reptilien
und Kfer verlassen ihre Lcher und Schlupfwinkel, die Morgen und Nchte
sind jedoch noch so kalt, da sie sich unter die greren Steine
zurckziehen. Hier liegen sie so ein bis zwei Wochen in einem
halberstarrten Zustande, der es ermglicht, die Thiere, ohne sie stark
zu schdigen, zu bemeistern und der Spiritusflasche einzuverleiben.

Auch die landeinwrts unternommenen Ausflge, welche mich gewhnlich
durch das Thal des Bakensflusses fhrten, ermangelten nicht ihres
besonderen Reizes. Schroffe Felsenwnde, riesige terrassenfrmig sich
aufthrmende Blcke charakterisiren das Thal an seinem Unterlaufe,
hochgrasige, blumenreiche Triften die Abhnge seiner mittleren Partien,
Alles deutet darauf hin, da wir uns in der Nhe des Meeres befinden,
die ber das Thal zerstreuten Niederlassungen und Gehfte, die ppig
wuchernde Vegetation von tropischen Bschen, Schlingpflanzen und Farren,
die jede feuchte Stelle verrth und besonders an den Ruinen verlassener
Wohngebude lustig emporrankt. Einige hundert Schritte von der in einer
Thalbucht erbauten Dampf-Wollwscherei fand ich unter dem Gesteine ein
Vipernprchen eingerollt; da sie neben einander in einer wohl von einer
groen Spinne herrhrenden Vertiefung lagen, erfate ich mit der Zange
zuerst die eine und befrderte sie rasch in meine mit den
verschiedensten Kriech- und Kerbthieren zum grten Theile gefllte
Sammelflasche; ohne Schwierigkeit gelang es mir auch, das ahnungslos des
Mnnchens beraubte Weibchen zu fangen, so da das Prchen nun wieder
vereint war. Meine Excursion fortsetzend, hielt ich die Schlangen nach
mehreren Minuten fr hinreichend betubt, um die Flasche ffnen zu
knnen und um neue Funde rasch in Sicherheit zu bringen. Das offene
Gef in der einen Hand, sammelte ich eifrig weiter, als mich pltzlich
ein eigentmliches Rieseln an meiner Hand aufschreckte; ein Blick zeigte
mir, was geschehen,--unwillkrlich lie ich die Flasche mit ihrem ganzen
Inhalt fallen, der Fluchtversuch der Schlangen milang jedoch, denn
nachdem ich meine Fassung wieder erlangt, fing ich die Ausreier wieder
ein, diesmal mit aller Vorsicht die Flasche verschlieend.

[Illustration: Termitenhaufen.]

Eines Tages lud mich Herr Michaelis ein, mit ihm zu einem Freunde auf
die Hochebene zu fahren, um Bienen auszunehmen; es war ein kleiner,
etwa einen halben Tag in Anspruch nehmender Ausflug, der mir viel Freude
machte. Wir fuhren in einem zweirdrigen gedeckten Karren hinauf auf den
Hill und dann stlich auf die sich nach Nordost ausbreitende Ebene
hinaus. Mit niedrigem Grase bewachsen ist dieses Hochplateau von
Tausenden von meist halbkugelfrmigen, einen Meter im Durchmesser
haltenden und  bis 2/3 Meter hohen, rothbraunen Termitenhaufen bedeckt.
Die noch bewohnten haben eine glatte, die verlassenen, deren es einige
gab, eine rauhe, durchlcherte Oberflche. Ein Termitenbau wird nur dann
verlassen, wenn seine Knigin umkommt. Diese verlassenen waren eben die
Stellen, wo meine Freunde nach dem Honig fahnden wollten. Whrend man in
dem waldigen Innern Afrika's den Honigvogel als Fhrer zu den Nestern
der wilden Bienen bentzt, war es in unserem Falle in Port Elizabeth ein
halbnackter, mit einer rothen, wollenen Zipfelmtze bedeckter Fingo,
der, neben dem Karren einherlaufend, die verlassenen Termitenhaufen mit
Kenneraugen prfte. Es whrte auch nicht lange, so winkte er uns zum
Stillstande, er hatte gefunden, was wir suchten; aus einem der
zahlreichen verlassenen Termitenhaufen sah man Bienen ein- und
ausfliegen. Rasch war das Gefhrt versorgt und bald hatten die
Rauchwolken eines Feuerbrandes die Bienen in ihrem Baue betubt. Nun
ging's an's Wegrumen des Termitenbaues, in dessen frherer Hhle wir
mehrere parallel zu einander befestigte Honigkuchen fanden, die theils
von duftendem Honig, theils von junger Brut strotzten; ich konnte es mir
nicht versagen, den ganzen Bau mit einigen Strichen in meinem Notizbuche
zu verewigen. Die Zerstrung des Erdhaufens brachte auch zwei
Scapsteeker (Schlangen) in meine Gewalt, die meiner stetig anwachsenden
Sammlung einverleibt wurden. Mit solchen und hnlichen Ausflgen waren
vier Wochen meines Aufenthaltes in Port Elizabeth rasch verflossen, und
nun hie es, an den Aufbruch in das Innere denken.

Ich habe bereits im Vorhergehenden eines Antrags gedacht, der mir von
Seite eines Grohndlers in Port Elizabeth gemacht wurde, so verlockend
er war, ging ich darauf nicht ein, da mir einestheils von einem
Kaufmanne aus Fauresmith im Oranje-Freistaat weit gnstigere
Verhltnisse in Aussicht gestellt waren, und andererseits mir Alles
daran lag, dem Ziele nher zu kommen, und verlliche Nachrichten ber
das Innere erlangen zu knnen, dazu aber war Fauresmith, mehr denn 60
geographische Meilen nrdlich von Port Elizabeth gelegen, geeigneter als
dieses selbst.

Herr Michaelis setzte mich nicht nur durch ein freundlich gewhrtes
Darlehen in den Stand, nach Fauresmith zu reisen, sondern erbot sich
selbst, mich zu begleiten. Nur ungern schied ich von Port Elizabeth und
allen whrend meines kurzen Aufenthaltes hier gewonnenen Freunden, deren
herzliches Entgegenkommen ich nicht genug rhmen kann.




II.

Meine Reise nach den Diamantenfeldern.


So verlie ich denn in den ersten Tagen des August 1872 Port Elizabeth,
um ber Grahamstown, Cradock, Colesberg und Philipolis, Fauresmith zu
erreichen.

Von vier kleinen Pferden gezogen, legten wir die 86 englische Meilen
betragende Strecke nach Grahamstown, der drittgrten Stadt der
Cap-Colonie, in einem zweirdrigen Karren in 11 Stunden zurck.

Diese Strecke ist in Bezug auf die Schnheit der Scenerie und der
Vegetation gewi die anziehendste. Heute gelangt man nach jenem Orte
mittelst Bahn, auch diese fhrt durch reizende Partien, wenn ich ihnen
auch jene, die man frher per Achse passirte, vorziehe. Der grte Theil
des Weges fhrt lngs den Abhngen der Zuur-Berge, welche bebuscht und
bewaldet mit ihren Schluchten und Thlern, mit den eingeschlossenen
Lagunen und den begrenzenden Bergwiesen, dem Knstler wie Naturliebhaber
viel des interessantesten Stoffes bieten. Ich mchte sagen, da wir auf
dieser Strecke den mannigfachen Typen grerer Landstriche aller
Welttheile begegnen. Weite Ebenen, zum Theil mit hohem Grase bedeckt,
erinnern uns lebhaft an eine Puta, nur da die bekannten, unbeholfenen
Ziehbrunnen fehlen; kurzbegraste Flchen rufen uns ein Bild der Steppe
in's Gedchtni, whrend einige wenige mit sprlichem Graswuchs
bewachsene Sandflchen an die Wste mahnen. Mancher hochbegraste Abhang
gewhrt mit den hunderten ihn bedeckenden riesigen und armleuchterartig
geformten Euphorbien ein fesselndes Bild, doch den anziehendsten Anblick
bieten die bebuschten und mit Niederwald bedeckten Partien.

Die Gebsche stehen bald gruppenweise, auf Wiesenpartien dichte Knuel
bildend, ein Vegetationsbild, das namentlich weiter im Innern
Sd-Afrika's ganze Landstriche charakterisirt; doch bei weitem der
grte Theil der Strecke Port Elizabeth-Grahamstown ist von einem
sozusagen undurchdringlichen Gebsche bedeckt, das theils von
eigentlichen Bschen, theils von Zwergbumchen gebildet wird. Manche
derselben scheinen wahre Riesen an Alter zu sein, whrend andere wieder
von gewissen Insectenarten befallen, in kurzer Zeit absterben und
unaufhaltsam der Fulni unterliegen.

Oft fhrte uns der Weg an Abhngen vorber, deren weiberindete Bumchen
mit Schssel- und Baumflechten ber und ber bedeckt, einen
eigenthmlichen Anblick darboten und an niederschlagreiche Gegenden
mahnten; besonderen Reiz und eine anmuthende Erinnerung an die Wlder
des Nordens gewhrte das massenhafte Auftreten einer Bartflechte
(Usnea), welche mit ihren grau-grnen, fulangen und dichten Zotten,
einer Draperie gleich, die Querste der Bume schmckt und ihnen einen
ehrwrdigen Anblick verleiht. An anderen Stellen wieder berschaut das
Auge auf Meilen hin mit Zwergbschen bedeckte Abhnge, aus denen uns
sofort mehrere Arten der rothblthigen Alo, riesige baumartige,
zahlreiche strauchartige und krautartige Wolfsmilcharten, mit ihren
wundervollen, meist cactusfrmig gebildeten Formen auffallen
und das Herz eines Botanikers hoch entzcken. Zahlreiche
Solanum-(Nachtschatten-)Species, bald niedrig, bald strauchartig an den
Bumchen emporrankend, mit gelben, weien, violetten und blauen Blthen
beladen, gestalten mit anderen ppigwuchernden Schlinggewchsen
einzelne, durch hochstmmigere Bumchen ausgezeichnete Partien zu einem
frmlich undurchdringlichen Dickicht, whrend vor Allem die Menge von
Gras und Binsen, Erica- und Ranunculusarten unser Staunen erregt.

[Illustration: Euphorbiaceen-Bume.]

Den kaleidoskopartig wechselnden Landschaftsbildern entspricht auch die
Vegetation; kahle, niedrige, oder aber mit Hochgras bestandene Flchen,
Busch- und Miniaturhaine, marschige Stellen, Smpfe, Bergabhnge und
Ebenen zeigen uns immer wieder neue Liliaceen, Papilionaceen und
Mimosen.

Hie und da finden wir eine Farm in der Mitte einiger Acker bebauten
Landes, an der Wegseite ein aus galvanisirtem Eisen oder aus Backsteinen
erbautes Hotel; Hotel heit es immer, ob es den Namen eines solchen
verdient oder blos aus zwei Zimmern und einem Krmerladen besteht.

Nicht minder artenreich als die Flora ist die Fauna auf dieser Strecke.
Wir finden hier ein mannigfaltigeres Thierleben, als selbst im ganzen
Raume der nchsten zehn Breitengrade nach Norden, also gegen das Innere
Sd-Afrika's. Auf den kahleren, grasarmen Ebenen tummeln sich
Scharrthierchen und Erdeichhrnchen; beide Thiere leben in
gemeinschaftlichen Bauen, und solche Stellen sind dann etwas erhaben und
zeigen bis zwanzig Ein- und Ausgangslcher, so breit, da man bequem
eine Faust einfhren knnte. Wo die Erdeichhrnchen hausen, da finden
sich auch zahlreiche groe Spitzmuse vor. (Die Gewohnheiten dieser
Thiere will ich hier nicht beschreiben, aber spterhin bei der
Schilderung meiner drei Reisen in's Innere Afrika's, wo einzelne der
eben noch zu nennenden Thiergattungen bestimmte Landstriche bewohnen,
ihrer dann ausfhrlicher gedenken.) Die hochbegrasten Gegenden zeigen
uns zahlreiche Bauten von Maulwrfen, des Schabrakenschakal, des
Musehundes (das afrikanische Stinkthier), von Springhasen und
Stachelschweinen, Blindmusen, dem interessanten Erdferkel und
kurzschwnzigen Schuppenthier. An den Moorstellen beobachten wir
Fischottern, eine Wieselart und mehrere Rattenarten. Die felsigen
Abhnge weisen zahlreiche Pavianheerden, Rohrrler, schwarzgefleckte
Genetta's, Tharikatzen, Karakal's, Springmuse, eine besondere
Kaninchenart, rthliche Roibockgazellen und zahlreiche Klippschliefer
auf. An hochbegrasten Strecken, wo sich, wie schon erwhnt, stellenweise
gruppenfrmig dichte Gebsche vorfinden, finden wir nebst den schon
bisher erwhnten Zahnarmen (Edentata), Deuker und Steinbockgazellen.
Dichte, niedere, meilenweite Flchen bedeckende Gebschstrecken
beherbergen die gestreifte und gefleckte Hyne, sowie den Strandwolf
(Hyna brunea) und unter zahlreichen Nagethieren eine riesige Whlmaus;
ferner zwei Arten von Gazellen, darunter namentlich den schnen
Buschbock. Hochstehende, die weiten Abhnge bekleidende Bsche, sowie
der Niederwald dienen Pavianen und Meerkatzen, grauen Wildkatzen und
Fchsen und dem Leoparden, der Kudu-Antilope, dem Buschsark und
Blacksark, dem Bffel und dem Elephanten (der grten von den drei
afrikanischen Varietten) sowie einem auf Bumen lebenden Hyrax (einer
besonderen Art) zum Aufenthaltsorte.

Die Leoparden sind in diesen Gegenden gefhrlicher als in den
menschenleeren Gegenden des Innern, wo sie weniger an den Knall des
Feuerrohres gewohnt sind. Da sie als Feinde, namentlich wenn verwundet,
sehr gefhrlich werden, tdtet man sie in diesen bewaldeten Gegenden
meist mit Gift, oder fngt sie in Eisen. Die Elephanten sind durch ein
Gesetz vor den Nachstellungen geschtzt, so da wir in der Cap-Colonie
noch einige wilde Heerden[1] (je zu etwa 20-30 Stck) zhlten, whrend
sie im Oranje-Freistaat, den Transvaal- und in den sdlichen
Betschuanalndern schon vollkommen ausgerottet sind. Weil sie jedoch
nicht gejagt werden, sind diese Thiere recht bermthig geworden, was
uns sofort auffllt, wenn wir sie mit ihren Brdern im nrdlichen
Sd-Afrika und in Central-Afrika vergleichen. Dort bringt ein Schu
(wenn er auch in einer Entfernung von 2-3 englischen Meilen abgefeuert
wurde) eine Elephantenheerde sofort zur schleunigen Flucht und die
Thiere legen dann meistens 20-30 englische Meilen zurck, bevor sie sich
eine Rast gnnen; da dort ein Elephant ungereizt den Menschen angreifen
wrde, gehrt zu den grten Seltenheiten, trotzdem in den letzten
zwanzig Jahren allein von den Europern mehr denn 7500 Elephanten erlegt
wurden. Hingegen mu man in den Gegenden zwischen Grahamstown und Port
Elizabeth, wo sich die Elephanten aufhalten, vorsichtig sein, um nicht
den hin- und herwandernden Kolossen zu begegnen. Bevor ich auf der
Heimreise Port Elizabeth erreichte, ereignete sich eben ein trauriger
Fall in dem Niederwalde am Zondags-River, der theilweise die genannten
Waldpartien durchfliet. Ein farbiger Diener war von seinem Herrn
ausgeschickt worden, um einige Ochsen zu suchen, welche sich verirrt
haben mochten; da der Mann nicht wieder heimkehrte, forschte man nach
ihm, fand aber blos seinen verstmmelten Krper. An den Spuren ringsum
konnte man sehen, da ihn eine vorbeipassirende Elephantenheerde
ausgewittert, sich von ihrem Pfade ab auf ihn gestrzt und ihn zertreten
hatte. Nur mit Erlaubni des Gouvernements ist man berechtigt, eines der
Riesenthiere zu erlegen.

    1: Siehe Seite 25.

Von den Vgeln die mannigfachen Species zu erwhnen, wrde zu weit
fhren. Ein etwa sechsmonatlicher Aufenthalt wrde hier dem Ornithologen
eine reichhaltige Sammlung verschaffen. Ich will nur bemerken, da dem
Jagdliebhaber mehrere Trappenarten, Perlhhner, Reb-, Hasel- und
Steppenhhner, Schnepfen und Regenpfeifer, Wildenten und Wildgnse,
sowie Taucher und Schlangenhalsvgel tglich seine und seines Dieners
Jagdtasche fllen knnen. Bewundern wir auf der Jagd oder auf einem
Ausfluge in dieser Gegend die, die verschiedenen Strecken
charakterisirende Pflanzenwelt, so sind es namentlich die Vgel und
Insecten, welche den schnen, oft wundervollen Pflanzenformen doppelten
Reiz verleihen. Da sind es langschwnzige Kolibris und Honigsucher,
welche bald in den prchtigen kelchfrmigen Schwertblthen, bald in den
weithin schimmernden carminrothen Aehrenblthen der Aloarten nach
Insecten haschen. Dort wiederum winken uns die hellglnzenden
dunkelgrnen Bltter eines Zwergstrauches, wir fhlen nicht den
leisesten Windhauch, der sie bewegen wrde--und immer nicken die zarten
Aestchen wie mit Befriedigung einander zu. Doch siehe da, ein ganzer
Schwarm kleiner, gelblich-grnlicher, unserem Goldhhnchen nicht
unhnlicher Singvgel tummelt sich emsig in der Krone des Strauches
umher, um Kferchen von der Innenseite der Bltter aufzupicken.

Von der Spitze des Waggonbaumes halten Falken und zahlreiche schn
gefiederte Wrger ihre Rundschau--ein jeder hat ein kleines Reich um
seinen hohen Wohnsitz eigen--und hat jener eine Blindschleiche oder ein
Muschen, dieser einen summenden Kfer erspht, strzt er sich auf die
arglose Beute herab und da schnellt sich immer wieder das Aestchen, auf
dem er sa und mit ihm die nchsten Zweige, rasch empor, scheinbar froh,
von der Brde befreit zu sein. Die reichblttrigen Mimosen, mit
hellglnzenden Insecten bedeckt, locken gar manchen Vogel an, doch auch
die schilfigen Partien sind nicht weniger reich an befiederten Bewohnern
der Lfte. Rohrsnger, gelbe und feuerrothe Finken und Webervgel halten
die schlanken Rohrstengel in fortwhrender Bewegung, whrend die kleinen
Thlchen von ihrem Gezwitscher wiederhallen.

Von den Reptilien finden wir den Wasserleguan (riesige Eidechsen) in
jedem flieenden Gewsser; von Schildkrten eine reiche Auswahl auf dem
Lande und eine Art in stehendem und flieendem Wasser, von Schlangen
sehr viele und sehr giftige Species, namentlich Bussadern, Cobras,
Hornvipern, Korallenschlangen etc. etc. und von Wasserschlangen schne
harmlose grne Species, doch auch sehr giftige Seeschlangen, die
manchmal vom Meere aus die Flsse heraufzuschwimmen pflegen.

Spt in der Nacht desselben Tages, an dem ich Port Elizabeth verlie,
gelangten wir nach Grahamstown, und verlieen es schon zeitlich am
nchsten Morgen. Wir stiegen in einem Hotel ab; die gewhnlichen
Logispreise waren und sind geblieben 2 Shillings und 6 Pence fr ein
Bett und ebensoviel fr ein jedes Mahl.

Grahamstown liegt malerisch an den Abhngen einiger Sandsteinhhen, dem
Quellgebiete des Kowie-Rivers, es hat seinen eigenen doch offenen Hafen
an der Mndung dieses Flusses, Port Alfred genannt.[1] Ich bemerkte
schon, da wir hier den besten der botanischen Grten in Sd-Afrika
antreffen, indem auer afrikanischen Pflanzen meist Bume aus
Australien, Acacien und Eucalyptusarten, sowie Kasuarinen, ferner
Gewchse aus Mauritius, Madagascar und Sd-Amerika mit dem besten
Erfolge gepflegt werden. Von einheimischen Gewchsen sah ich namentlich
schne Exemplare des wundervoll geformten Elephantenfues und mehrere
Encephalartos-Arten sehr gut gedeihen. In dem gerumigen Glashause fand
ich unter andern Prachtformen riesige Exemplare sdafrikanischer
Farrenbume.

    1: Siehe Anhang 3.

Nach zwei Tagen angenehmer Fahrt in einer bequemen amerikanischen
Kalesche hatten wir die 25 geographische Meilen lange Strecke zwischen
Grahamstown (The Town of the Settlers) und Cradock zurckgelegt. Die
durchreiste Strecke war zu Beginn schluchten- und waldreich, wie jene
zwischen Grahamstown und Port Elizabeth, hierauf ein Hochplateau, das
mit zahlreichen isolirten Tafel- und Spitzbergen beset, von Bergkmmen
und Hhenzgen im fernen Nordost und Nordwest begrenzt war. Die ersteren
erhoben sich 200 bis 500 Fu ber das sie umgebende Flachland und sind
meist mit niederem Gebsch, namentlich dem Nahrung spendenden Speckbaume
bewachsen. Die Thler zeigen Dornenbume und Strucher, die Warte-bichi,
den Heckenstich und andere Mimosenarten im Ueberflu, welche
Thalbewaldung weiter nach Norden ber Cradock hinaus abnimmt und erst
wieder gegen den Vaalflu und von da nach Norden zu, hufiger auftritt.
Auf dieser Strecke nach Cradock beobachtete ich auch zuerst jene groen
Ebenen, die zur feuchten Jahreszeit ein unabsehbarer hellgrner (wenn
von Gras), dunkelgrner (wenn von dem Kapbusche gebildet) Teppich, zur
Zeit der Drre ein einfrmiger brauner oder rthlicher Wstenstrich
sind, wie wir sie in der westlichen Cap-Colonie, dem Freistaate, im
westlichen Griqua-Lande, der Transvaal-Colonie und dem Batlapinenlande
vorfinden, und welche den Zwergtrappen, den Spring- und Blabockgazellen
sowie dem schwarzen Gnu zum Aufenthaltsorte dienen. Da wo diese Thiere
wenig gejagt werden, finden sie sich noch zu Tausenden. Auf meiner Reise
nach Cradock beobachtete ich nur die erstgenannten, doch die
zierlichsten unter den greren Gazellen. Sie nehmen auf den Ebenen nach
Norden zu ab, und ich beobachtete sie nicht ber das Salzseebecken im
centralen Sd-Afrika hinaufreichend, whrend sie lngs der Westkste bis
zu den portugiesischen Besitzungen ausschwrmen.

Die Springbockgazelle (A. Euchore) gehrt unstreitig zu den schnsten
Gazellenarten, die wir kennen. Sie besitzt auer allen Vorzgen einer
Gazelle eine seltene Sprungkraft in ihren sthlernen Muskeln und ihr
edles zierliches Kpfchen schmckt ein so schnes, lyrafrmig
geschwungenes Hrnerpaar, da man ihr wohl den Vorzug unter den
mittelgroen ihrer Familie einrumen mu. Dieses ungewhnlich reizende
Thier hat so grazise Bewegungen, namentlich wenn es spielt, oder
aufgescheucht die Flucht ergreift, da man in Verlegenheit gerth, selbe
zu beschreiben. Selbst wenn sie gejagt wird und in Angst dahinfliegt,
scheint sie es darauf angelegt zu haben, durch ihre Coquetterie des
Jgers Mordlust zu beschwichtigen. Leider findet sie fr ihre Schnheit
abgestumpfte Nimrode in mehr als hinreichender Zahl und dies namentlich
unter den hollndischen Farmern und den Eingebornen, welche dafr
sorgen, da sie tglich seltener wird. Ihre Sprnge hneln dem
Ausschnellen einer Uhrfeder. Sie lt namentlich gewhnliche Jagdhunde,
mit Ausnahme der Windspiele, ziemlich nahe kommen; sie schaut die
anrennenden, laut klffenden Kter so gleichgltig an, wie wenn sie
geduldig erwarten wrde, bis sie zu ihr gekommen und ihr Alles gesagt,
was sie zu sagen htten. Pltzlich, wenn nach ihrer Berechnung die Zeit
zur Flucht gekommen, schnellt sie sich wie eine losgelassene Uhrfeder in
die Hhe, um etwa 6-8 Fu weiter die Erde mit ihren zarten, spitzen
Klauen zu berhren, allein kaum da dies geschehen, so ist sie schon
wieder ber derselben, und so macht sie fnf bis zehn Sprnge sehr rasch
hintereinander und dem Emporschnellen eines auf harten Boden
auffallenden Gummiballes nicht unhnlich; es scheint, als ob sie die
Erde gar nicht berhren wrde, kaum senkt sich der Krper zur Erde, hat
er sich auch schon wieder emporgeschnellt. So in einem berraschend
kurzen Zeitraume von dem Verfolger weit entfernt bewegt sie sich
pltzlich eine Minute langsam im Schritte vorwrts, wiederum dem Hunde
Zeit gnnend sich zu nhern, dann wiederholen sich die Sprnge, und so
neckt das Thier seine Verfolger mehrmals, bis es endlich, gleichsam des
Spielens mde geworden, in weiten, groen Stzen, in wilder Flucht
davonjagt, bis es sich vollkommen sicher glaubt, und man sie in einigen
Augenblicken in der weitesten Entfernung auf der Ebene als winzigen,
weilichen, beweglichen Punkt wahrnimmt, welcher dem Jger die Richtung
angibt, in der das schnellfige Thier seinen Lauf, oder besser gesagt,
seinen Flug genommen. Allein selbst seine fabelhafte Schnelligkeit
rettet es nicht vor dem Tode. Die Entdeckung der Diamantenfelder hat
Tausenden dieser Thiere, wie auch ihren Verwandten, dem Blbock und dem
schwarzen Gnu, Verderben gebracht. Die hollndischen Farmer als Besitzer
der Striche, auf welchen die edlen Thiere weiden, und als vortreffliche
Schtzen, sind ihre rgsten Feinde. Sie kamen periodisch auf die
Diamantenfelder und immer mit reicher Beute versehen. Ich hatte whrend
meines dortigen Aufenthaltes beobachtet, da in den Wintermonaten von
Mai bis September ganze Wagenladungen mit solchen erlegten Thieren zu
Markte gebracht wurden; doch auch sonst ist dies Wildpret nicht selten
zu haben. Namentlich sind es der ffentliche Auctionsmarkt, der jeden
Morgen in Kimberley und Dutoitspan abgehalten wird, wo sie an den
Meistbietenden berlassen werden. Da liegen sie vor uns, der Kpfe und
Fe beraubt, oft zu Dutzenden nebeneinander in langen Reihen! Der Preis
wechselt je nach der Jahreszeit und der Gre des Thieres zwischen 3-7
Shillinge.

Nicht uninteressant ist die Jagdweise dieser Thiere. Man jagt sie zu
Pferde, erlegt sie auf dem Anstande und hetzt sie mit Windhunden zu
Tode. Die gewhnlichste ist jene zu Pferde. Der Jger setzt im strksten
Galopp den Thieren nach; die auf jenen begrasten Ebenen geborenen und an
die Lcher der vielen Erdthiere sowie die niedrigen Termitenhaufen
gewhnten Pferde eilen im schnellen Laufe in der ihnen angegebenen
Richtung dahin, so da sie dem Jger wenig Mhe verursachen, ihm
vielmehr gestatten, seine ganze Aufmerksamkeit den fliehenden Gazellen
zuzuwenden. Etwa zweihundert bis hundert Schritte nach einem 1-2
Meilen (engl.) langem Ritte den Thieren nahe gekommen, bringt oft schon
ein leichter Druck mit den Knieen das im wilden Galopp dahinjagende
Pferd zum pltzlichen Stillstand, der Jger springt ab, legt an und
schiet. Es sind namentlich hollndische Bauern, welche in dieser
Jagdweise Unglaubliches leisten. Ich habe Flle beobachtet, wo der Jger
mit seinem Hinterlader zwei fliehende Gazellen mit einem Schusse
erlegte, auch Flle, wo die ersten beiden Schsse fehl gingen oder sonst
etwas dem Jger seinen zweiten Schu so spt abzufeuern erlaubte, da
die Gazellen erst nachdem sie 600 bis 800 Schritt weit abgekommen waren,
stehen blieben. Whrend sie dann nach dem Jger zurckblickten kniete
dieser nieder, wies sich umwendend mit den Worten: det rechte kantsche
bock, Mynheer auf eines der Thiere und streckte eben das bezeichnete
mit der Kugel seines Carabiners nieder.

Die zweite Art, die Springbcke zu jagen, ist jene auf dem Anstande. In
der Nhe der Wassertmpel, zu welchen die Gazellen trinken kommen, oder
auch an den Lachen in einem bis auf diese ausgetrockneten Flubette,
grbt man muldenfrmige Gruben, in der Tiefe von 1-3 Fu und 3 Fu im
Durchmesser haltend. In diese Grube kauert sich der Jger und schiet
die zur Trnke kommenden Thiere nieder. Diese Jagdweise ist
namentlich in trockenen Wintern sehr blich, wo es nur wenige
Wasserstellen gibt, an denen die armen Thiere ihren Durst stillen
knnen. Die sdlichsten der Betschuanen, die Batlapinen und Barolongen,
lieben eine hnliche Jagdweise, welche jedoch mehr eine Treibjagd
genannt werden mu. Sie thun dies auch, weil sie als schlechte Schtzen
sonst dem Wilde nicht gefhrlich werden knnten. Mehrere Mnner legen
sich in das etwa 2 Fu hohe Gras, welches die Ebenen zwischen dem
Hart-River und dem Molapo bedeckt, oder hinter die Termitenhgel platt
auf die Erde, und da sie in der Regel nur gewhnliche Musketen (_Pavion
boute_) besitzen und somit der Erfolg von _einem_ Schusse abhngt,
700-900 Schritte windabwrts von einer grasenden Springbockheerde, und
zwar jeder Schtze etwa 50, wenn es nur wenige sind, etwa 200 Schritte
von einander entfernt. Hier warten sie oft stundenlang, bis ihre
zahlreichen Genossen im weiten Bogen die Heerde umgangen, und sie
halbmondfrmig einschlieend, nach den Schtzen zu gedrngt haben. Sind
es nur wenige Eingeborne, die sich auf eine solche Jagd begaben, so
warten sie ruhig einen ganzen Tag im Grase liegend, bis sich das
grasende Wild ihnen allmlich genhert. Ich beobachtete Flle, wo sechs
Schtzen auf ein Thier anlegten, sechs Donnerbchsen (denn ihre Musketen
sind wahre Donnerbchsen) lieen die Erde erzittern und als sich der
Rauch verzog, da schauten hoch aufgerichtet ebensoviel dunkle Gestalten
verwundert, eine flchtige Springbockgais schnellfig das Weite
suchend--alle Schsse waren fehl gegangen.

[Illustration: Springbockjagd bei Colesberg.]

Mir selbst geschah etwas Aehnliches. Auf dem Anstande stundenlang in
einer kurzgrasigen Ebene, nahe an einem Salzsee drei Springbockgazellen
erwartend, sah ich endlich die schnen Thiere einige 20 Schritte vor
mir, allein mir schien's ein Verbrechen, ihnen ein Leid anzuthun; nur
der Gedanke, da wir Nahrung brauchten, brachte mich dahin, von meinem
_Snider-rifle_ Gebrauch zu machen; allein die Hand zitterte--ich konnte
mich nicht des Gedankens erwehren, da ich einen Mord begehe, mglich,
da man in grerer Entfernung hartherziger ist--und so legte ich die
Hand an den Drcker und die Thiere, erschreckt durch den pltzlichen
Knall, flogen in weiten Stzen von dannen. Livingstone erwhnt in seinen
sdafrikanischen Reiseberichten, bei Gelegenheit als er die Jagd auf
Gazellen bei den Betschuanen beschreibt, der sogenannten Hopofalle. Ich
sah sie nicht mehr im Gebrauch, sie ist auch heutzutage nicht mehr gut
mglich. Zu seiner Zeit war das Wild in jenen Gegenden weniger scheu und
in greren Massen vorhanden.

[Illustration: Antilopenfalle.]

Die dritte Jagdweise auf den Springbock ist die von den Englndern
eingefhrte und besteht darin, da man das Thier, ohne sich des
Feuergewehrs zu bedienen, mit Windhunden zu Tode hetzt. Die
Jagdgesellschaft jagt den Thieren mit verhngten Zgeln auf guten,
allein weniger an das Terrain gewhnten Pferden nach, bis es entweder
den Hunden gelingt die Gazellen einzuholen, oder die letzteren einen
solchen Vorsprung gewinnen, da die Verfolger, mde geworden, die
Verfolgung aufgeben mssen.

Auch in Cradock[1] whrte unser Aufenthalt nur einen Tag.--Cradock liegt
am linken Ufer des Fish-River, eines Flusses, der oft monatelang bis auf
einzelne Tmpel versiegt. Treten jedoch starke Regengsse ein, so
gengen einige Stunden, um das Flubett mit chokoladfrbigen
Wasserfluthen zu fllen, die mit tausendfachen Trmmern bedeckt,
Verderben und Entsetzen auf beiden Ufern verbreiten. Kommt man zur Zeit
der Drre zu einer der groen Brcken, von denen auch eine bei Cradock
das Flubett berspannt, so konnte man leicht versucht sein, die
Zweckmigkeit derselben zu bezweifeln, wir erfahren aber, da selbst
diese groe Brcke im Jahre 1874 von dem tckischen Gewsser zertrmmert
wurde, und der neue Brckentrger um mehr als 6 Fu hher gelegt wurde
als der frhere. Die solide und schwere Eisen-Construction war von den
Pfeilern gehoben und weggesplt, die Pfeiler gleichfalls arg mitgenommen
worden.[2]

    1: Siehe Anhang 4.

    2: Siehe Anhang 5.

[Illustration: Gegend bei Cradock.]

Am zweiten Tage nachdem wir Cradock verlassen, langten wir in der Stadt
Colesberg an, da wir aber mit Windeseile vorwrts ritten, fand ich kaum
mehr die Mue, die Physiognomie der Landschaft in's Auge zu fassen. Auf
meiner sieben Jahre spter erfolgten Heimreise, auf der ich mit einem
Ochsengespann der Drre wegen langsam reisen mute, hatte ich
Gelegenheit, die Strecke theilweise geologisch zu durchforschen und
dabei einige recht interessante vom Wege abseits liegende Partien kennen
zu lernen. Gegen Colesberg zu nehmen die isolirten, tafelfrmigen
Erhebungen allmlich an Zahl und Hhe ab, dagegen geht das Land nach
Norden zu in ein Hochplateau ber. Eine der schnsten Partien ist
New-Port, ein Pa, an dem sich die Wasserscheide der nach dem Sden
flieenden Gewsser und der Nebenflsse des Oranje-River befindet. Die
Hhen im Colesberg- und Cradockdistrict beherbergen viele Pavianheerden,
mehrere kleine Gazellenarten, kleinere katzenartige Raubthiere, sowie
Leoparden, und bei Cradock auf den flachen Huptern einiger Tafelberge
finden sich noch mehr denn 50 der eigentlichen Quaggas, ich glaube die
einzige Art, die wir noch in Sd-Afrika antreffen. Mit Freuden
beobachtete ich, da sie von einigen der Farmer geschont werden; vor
etwa zehn Jahren waren sie schon bis auf 15 Stck herabgeschmolzen.[1]

    1: Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, jenen einsichtsvollen
    hollndischen Farmern von Seite zoologischer Gesellschaften und der
    Thierschutzvereine einige Anerkennung zukommen zu lassen, damit sie
    nicht nur bei ihrem vernnftigen Entschlusse verharren, sondern auch
    ihre Freunde in der Umgegend die Thiere schonen und ihre
    Berufsgefhrten in den anderen civilisirten Theilen Sd-Afrika's
    bezglich anderer auch schon stark abnehmender, unschdlicher
    Vierfler ein Gleiches beobachten mgen. Und wenn es auch nur
    einfache Belobungsdecrete wren, sie wrden eine gute Wirkung nicht
    verfehlen.

Der Cradocker-, Colesberger- und der benachbarte District von
Graaf-reynet sind ausgezeichnet durch Lager fossiler Ueberreste,
namentlich Dicynodonlager und der dieser Periode angehrenden fossilen
Flora.

Colesberg selbst ist durch einen gleichnamigen Berg ausgezeichnet, an
dem wir die Schichtung der einzelnen Gesteine, welche den District
charakterisiren, vor uns aufgethrmt sehen. Die Stadt ist etwas kleiner
als Cradock und liegt in einem ziemlich engen Felsenthale. Die Hhen,
die sie umschlieen, sind meist nur mit Gras und so kleinen Zwergbschen
bedeckt, da sie dem Beschauer fast von aller Vegetation entblt
erscheinen. Die meist kahlen Blocke, welche sie bedecken, werden zur
Sommerszeit gewhnlich so ausgeglht, da sie die zwischen ihnen
liegende Stadt zu einem frmlichen Backofen, und den Aufenthalt daselbst
nicht besonders angenehm machen.[1]

    1: Siehe Anhang 6.

Auf meiner Weiterreise von Colesberg nach Norden zu, gelangten wir nach
zweistndigem Ritte zu dem Oranjeflusse, welcher die Grenze zwischen dem
Oranje-Freistaat und der Cap-Colonie bildet. Wir bersetzten den an
Wassergehalt der Elbe gleichkommenden Strom in einer Fhre, welche die
Communication der beiden Ufer vermittelte und noch vermittelt; doch
steht schon heute einige hundert Schritte stromaufwrts eine
Eisenbrcke, und drei andere erleichtern den Verkehr zwischen beiden
Staaten stromauf- und abwrts. Der erste Tag, den ich in der Republik
verlebte, wollte mir nicht recht gefallen, und ich erinnere mich noch
heute lebhaft aller jener kleinen Zwischenflle, die ich auf der Strecke
vom Oranjeflu bis Fauresmith erlebte. Der Weg zum Flusse bis Philipolis
wurde in etwa zwei Stunden zurckgelegt. Hier muten wir der
Passagierkutsche Valet sagen und hatten den Rest des Weges nach
Fauresmith in einem Postkarren zurckzulegen. Philipolis bot einen
uerst traurigen Anblick. Die Winterdrre hatte das Gras im Thale
ringsum, sowie an den umliegenden Hhen verbrannt, so da die ganze
Gegend braun und kahl erschien; ebenso traurig war das Bild einiger
sechzig viereckiger, flachgedeckter, in der Mehrzahl nicht
eingefriedeter Huser; nur an einer mit einigen seichten Wasserlachen
bedeckten Schlucht, dem Rinnsale eines jetzt ausgetrockneten Bchleins,
standen einige Bume, deren fahles Laub den traurigen Anblick des
Stdtchens nicht zu heben vermochte. Die Oede desselben wurde noch durch
die Stille des Ortes verschrft, kaum da das Auge einem lebenden Wesen
begegnete, denn die Mehrzahl der Huser war unbewohnt.

Da wir hier einige Stunden auf den Postkarren warten muten, nahm ich
mit meinem Freunde, Herrn Michaelis, in dem Postgebude Zuflucht. Es war
zugleich der Sitz der politischen Behrde und des Polizei-Commissariats
des Districts Philipolis. Denken wir uns ein kleines, etwa 14 Meter
langes und 6 Meter breites Steinhuschen, durch eine dnne Bretterwand
in einen dem ffentlichen Dienste gewidmeten und Privatraum getheilt,
von welchem letzterer nicht nur die Kanzlei der politischen Behrde (des
Landdrostes), sondern zugleich das Amtslocale des Sheriffs (der
Polizeibehrde) und des Postmeisters bildet. Ein mit einem Tuche
behangener Tisch auf einem Podium, ein Stuhl dahinter, zwei Holzbnke
und ein mit Latten abgesonderter, etwa einen Quadratmeter umfassender
Raum vor demselben das ganze Meublement des ersterwhnten Raumes
bildend, lt uns dessen Bestimmung als Gerichts-, Sitzungs- und
Wahlversammlungs-Saal des Districts errathen. Die Schilderung des
Posthauses drfte die geehrten Leser auch mit der Natur der Postkarren
vertraut machen.[1]

    1: Der Postdienst ist in Sd-Afrika zumeist an Privatleute vergeben,
    welche gegen eine fixe Subvention die Verbindung zwischen den
    einzelnen Stdten (ein- bis dreimal die Woche) herzustellen sich
    verpflichten.

[Illustration: Fahrt in die Diamantenfelder.]

In dichter bewohnten Gegenden, wo der Posthalter auf Passagiere rechnen
kann, sind diese Karren gedeckt und mit Polstersitzen versehen, wo er
jedoch auf diesen Nebenverdienst verzichten mu, sind dieselben sehr
primitiver Natur; ein roher, viereckiger, gelbangestrichener und auf
zwei hohen Rdern ruhender Holzkasten. Die Wohlthat eines solchen
Vehikels muten wir nun durch drei Stunden rascher Fahrt genieen.
Selbst auf einer glatten, asphaltirten Chaussee, bei herrlichem Wetter
einer Folterstrafe zu vergleichen, war unsere Fahrt mit einem solchen
Vehikel bei dem damaligen Zustande der Strae ein waghalsiges Beginnen.
Wir kamen in Verlegenheit, fr den Weg von Philipolis nach Fauresmith
selbst in Mexico und anderen durch den erbrmlichen Zustand der Straen
bekannten Lndern eine Analogie zu finden. Dazu beliebte es dem Kutscher
die Schnelligkeit seiner Pferde im gnstigsten Lichte zu zeigen.

Es bedurfte des Aufwandes aller Kraft und Balancirkunst, um bei dieser
tollen Fahrt ber einen von hunderten von Rinnsalen und Felsadern
durchsetzten, mit Blcken und Wasserlchern berreich bedeckten Weg (oft
ist derselbe das natrliche Rinnsal des abflieenden Wassers einer
greren Flche des Hochlandes) nicht vom harten Sitze herabgeschleudert
zu werden und bei dem durch die Fahrt verursachten Getse nicht
unbemerkt in Verlust zu gerathen. Flle, wo Kutscher und Passagiere
lebensgefhrliche Verletzungen davontragen, sind nicht selten.[1]

    1: So geschah es, da vor wenigen Jahren in der Nhe von Cradock ein
    Postbote mit vier Pferden ertrank und in einer Schlucht zwischen
    Cradock und Grahamstown ein Anderer umwarf, wobei die meisten seiner
    Passagiere umkamen. In beiden Fllen hatten Regenfluthen und der
    schlechte Weg das Unheil verschuldet. Leider wird diesem Uebelstande
    noch fr lange Zeit in vielen Theilen der sdafrikanischen Colonie
    nicht abgeholfen werden, da man trotz der groen Opfer, die man
    schon gebracht, noch nicht so viel Capital verwenden konnte, um die
    langen Strecken gegen die Einflsse der pltzlichen Regengsse zu
    schtzen. Es ist jedoch zu hoffen, da der Eingeborne in Sd-Afrika
    sich mehr an die Arbeit gewhnt, als es jetzt der Fall ist, und da,
    wenn dann ausgiebige Arbeitskrfte zur Verfgung stehen, alle diese
    Arbeiten auch viel leichter und mit geringeren Kosten ausgefhrt
    werden knnen.

Unsere Lage war noch dadurch erschwert, da wir auch noch unser Gepck
ngstlich behten muten; da saen wir drei auf einer ungefhr einen
Meter langen und einen halben Meter breiten Flche. Ein eisiger Wind
wehte uns entgegen, so da unsere Hnde bald erstarrten. Zudem ging es
langsam bergan und doch muten die armen Thiere zum scharfen Trabe
angehalten werden. Zum Ueberflusse fing es, als wenn sich Alles gegen
uns verschworen htte--eine Seltenheit in jenen Gegenden--zu schneien
an. Wir hatten etwa zwei Drittel der Strecke in diesem eisigen
Schneegestber zurckgelegt, weiter, das fhlte ich, konnte diese
Marterfahrt nicht ausgedehnt werden, denn Mensch und Thier waren der
Erschpfung nahe.

Lieblichste Musik duchte uns in dieser Lage das Gebell eines Hundes,
denn er bedeutete die Nhe einer Wohnsttte und Ruhe. Die elendeste
Kaffernhtte wre uns willkommen gewesen und mein Begleiter schwur, ein
 St. fr ein Nachtlager, wenn auch nur in einer gerumigen Hundehtte,
bieten zu wollen.

Wir waren auf das Freudigste berrascht, anstatt einer drftigen Htte
die erleuchteten Fenster eines Farmhauses zu entdecken. Wir fanden eine
beraus freundliche Aufnahme und, als wenn sich auch der Himmel mit uns
ausshnen wollte, lie, bevor wir noch die Pferde ausgespannt hatten,
das Gestber etwas nach. Bald saen wir am gastlichen Tische des
hollndischen Farmers und hatten alle ausgestandene Pein vergessen, so
vollstndig, da ich, als wir nach einer Weile vor die Thre tretend, um
nach dem Wetter zu sehen, kreischende Vogelstimmen hrten, mich
entschlo, mein Jagdglck zu versuchen. Der Himmel hatte sich etwas
aufgeklrt und lie das Licht des Mondes matt durchscheinen. Nach
Sdosten hing es noch dunkel; es war die Richtung des abziehenden
Unwetters. Mir war schon, whrend wir bei Tische saen, das hundertfache
Vogelgeschrei aufgefallen und auf meine Anfrage antwortete mir mein
freundlicher Wirth, da es von Det grote springhan Vogl herrhre. Die
Hollnder nennen nmlich den grauen, sdafrikanischen Kranich (C.
Stanleyi), von welchem ich ein Exemplar dem Prager Stadtpark widmete, ob
seines groen Nutzens, den er durch das Vertilgen der Wanderheuschrecken
bringt, den groen Heuschreckenvogel; zum Unterschiede von einer anderen
Art, welche sie den kleinen Heuschreckenvogel nennen, der in groen
Schwrmen diesen Insecten folgt, whrend die sdafrikanischen Kraniche
ihre stndigen Quartiere nicht verlassen.

Langsam schlich ich mich an, allein ich machte die Erfahrung, da diese
Thiere sehr wachsam sind, denn die ganze Gesellschaft erhob sich
kreischend in die Lfte; da ich nicht in den ganzen Schwarm feuern
wollte, zog ich mich wieder zurck. Spter machte ich die Beobachtung,
da diese Vgel, so wie die Kronenkraniche (_Balearia regulorum_), auch
Reiher und mehrere Storcharten, zur Nachtzeit stehende Gewsser
aufsuchen und hier bernachten. Dieser Aufenthalt schtzt sie vor den
Nachstellungen der Hynen, Schakale, Fchse, dem Hynenhund (_Canis
pictus_) und verschiedenen Katzenarten. Man findet oft groe Heerden
vermiedener Abarten dieser Stelzenvgel in den genannten Gewssern
versammelt, bei Anbruch der Dunkelheit stellen sie sich in langen Zgen
ein und erst bei Sonnenaufgang verlassen sie das schtzende Versteck.
Was mir besonders bei meinen hufigen nchtlichen Jagdausflgen zu den
Salzseen und in der Nhe hnlicher doch swasserhaltiger Gewsser in
Sd-Afrika auffiel, war, da sich die Vogelschaaren in den Gewssern
nicht auer aller Gefahr hielten. Sie haben Wachen ausgestellt, welche
sie von Zeit zu Zeit ablsen. Diese Wachen erheben etwa viertel- und
halbstndlich ein kurzes Geschnatter, etwas hnliches beobachtete ich
auch im Transvaalstaate bei den gewhnlichen und schwarzen Strchen, bei
den grauen Fischreihern am Molapoflusse, bei den kleinen weien
Reiherarten in den Smpfen des Limpopothales, bei dem Riesenreiher im
Sibananie-Walde und den Purpurreihern und Sporngnsen im Zambesithale.

Nach einer beschwerlichen Fahrt von mehreren Stunden erreichten wir,
nachdem wir die gastliche Farm verlassen, die Stadt Fauresmith. Sie
zeigte den Charakter aller Stdte des Freistaates; obschon sie kaum 80
Huser zhlte, dehnte sie sich doch ber eine betrchtliche Flche aus;
die reinlich getnchten Huser mit ihren flachen Dchern, aus den sie
theilweise umgebenden Grten hervorlugend, gewhrten uns einen
freundlichen Anblick. Fauresmith ist der Sitz eines Landdrosten und im
Allgemeinen eine der bedeutenden Stdte der Republik. Der gleichnamige
District, dessen einzige Stadt eben Fauresmith ist und der zu den
reichsten des ganzen Freistaates zhlt, verdient weiters noch durch
seine Pferdezucht und den nahe der Stadt gelegenen Diamanten-Fundort
Jagersfontein, in dem der Abbau etwas rationell betrieben wird,
besondere Erwhnung.[1]

    1: Siehe Anhang 7.

Fauresmith, sowie die meisten sdafrikanischen Stdte, bieten viermal
des Jahres, wenn die hollndischen Farmer zur Andachtsbung und
Erfllung ihrer religisen Pflichten (hauptschlich um das heilige
Abend- und Nachtmahl, wie es hier genannt wird, zu empfangen) und auch
zur Besorgung ihrer En gros-Einkufe und Abrechnung mit ihren
Geschftsfreunden nach der Stadt kommen, ein ungewhnlich belebtes Bild,
das zur gewohnten Stille und Einsamkeit einen grellen Contrast bildet.
Eine Unzahl der bekannten sdafrikanischen Riesenwgen durchzieht dann
die Straen und campirt theils in denselben, theils auerhalb der Stadt.
Im Gefolge der Wagen fanden wir immer einige Reiter, theils
Farmersshne, theils farbige Diener. Die bemittelteren der Farmer
besitzen ihre eigenen Huser in der Stadt und wo es die knstliche
Bewsserung erlaubt auch ein Grtchen dazu; die weniger wohlhabenden
miethen sich von den letzteren fr die Zeit ihres Aufenthaltes ein bis
zwei Zimmer, oder wohnen--was jedoch nur die Aermsten thun--auerhalb
der Stadt fr die kurze Dauer ihres Besuches in ihren groen Wgen.
Diese Besuche der hollndischen Farmer sind fr die dortigen
Geschftsleute hei ersehnte Tage und erinnern in mancher Hinsicht an
die europischen Messen. Auch der Arzt findet in dieser Zeit eine
vermehrte Beschftigung, da die Farmer sehr oft bei allen nicht
besonders gefhrlichen Krankheiten mit ihrer Consultation bis zum
Besuche der Stadt warten. Unter der nicht besonders zahlreichen
Bevlkerung dieser Stdte bilden die Prediger, der Landdrost, der Arzt,
die Kaufleute und der Notar die Crme der Gesellschaft.

Ich erwhnte bereits, da ich meine Reise nach Fauresmith mit den
schnsten Hoffnungen und in gehobener Stimmung antrat. War ich doch hier
dem ersehnten Innern viel nher als in Port Elizabeth, konnte ich doch
ber den Umfang und die Details meiner nthigen Ausrstung belehrt
werden, endlich sollte ich hier die Gelegenheit finden, mir die
Geldmittel zu meinen geplanten Reisen in das Innere zu verschaffen. Dies
Alles war mir von dem Fauresmither Geschftsmann so leicht, in solch'
schnen Farben geschildert worden, da ich es ja glauben mute, und ich
vertraute um so zuversichtlicher, als ich mich so alleinstehend, so
fremd und weil mittellos, so verlassen in dem mir fremden Welttheile
fhlte. Ein Ertrinkender fat mit ganzer Kraft und Zuversicht nach dem
schwchsten Zweige, der ihm erreichbar ist, von ihm erhofft er seine
Rettung; wre er am Ufer, er wrde allerdings solche Hoffnungen thricht
schelten.

Enttuschung ist wohl einer jener so oft im Leben wiederkehrenden, wenig
angenehmen Momente, die den Menschen zum Sammeln aller seiner Krfte und
Fhigkeiten zwingen, wenn er nicht muthlos verzagen will. Dieser
ungebetene Gast sprach aber bei mir so oft vor, da er mich heute nicht
mehr berraschen wrde. Wir haben ihn gewi alle ohne Ausnahme kennen
gelernt, vielleicht bin ich jedoch hufiger mit ihm zusammengekommen,
als Andere. Kannte ich ihn doch schon aus meiner frhen Jugend, aus den
Anfngen meiner Forschungsreisen im Mittelgebirge und im Egerthale,
aus meinen Universittsstudien in Prag, aus dem Beginne und aus der
Entwickelung meines Unternehmens.

Alle Hoffnungen, die ich auf den Aufenthalt in Fauresmith gesetzt hatte,
zerrannen in wenigen Tagen; ich hatte wahrgenommen, da ich auch dem,
der mich zur Reise hierher bewogen, zur Last fiel; er kam mit seinem
lteren Freunde, einem in Fauresmith wohnenden Arzte, meinethalben in
Collision, schlielich siegten seine lteren Sympathien ber die mir
zugedachte Gewogenheit, doch gab er mir den wohlmeinenden Rath, die
Diamantenfelder aufzusuchen, in welchen ich, wie er sich ausdrckte, am
rechten Platze und der rechte Mann wre. Mir blieb nichts brig, als
diesem wohlmeinenden Rathe zu folgen und so brach ich wieder auf. Ich
hatte kaum die nthigsten Kleider auf dem Leibe, meine Fubekleidung war
in Brche gegangen und da meine Mittel nicht hinreichten, mir neue
Kleider zu kaufen, mute ich versuchen, sie creditirt zu erhalten. Dies
gelang mir, und so zog ich weiter, mein Stolz verbot es mir, den Mann,
der in Port Elizabeth den guten Willen gezeigt hatte, mir zu helfen, an
sein Versprechen zu erinnern. Wie von Port Elizabeth nach Fauresmith, so
war auch von Fauresmith nach den Diamantenfeldern Herr Hermann Michaelis
mein guter Helfer. Fr jene Strecke hatte er mir das nthige Geld
vorgestreckt, auf dieser nahm er mich als seinen Gast mit, da er eben
auch nach den Diamantenfeldern gehen und sie besichtigen wollte. Wir
fanden nun noch einen Reisegefhrten in Herrn Rabinsvitz, dem
Oberrabbiner fr Sd-Afrika, der mir ein sehr freundliches
Entgegenkommen bewies. So schied ich denn von Fauresmith, ohne Groll und
muthig der Zukunft entgegenblickend. Dem Kaufherrn in Fauresmith sei
hier fr die gewhrte Gastfreundschaft mein Dank ausgesprochen.

Die Gegend zwischen Fauresmith und den Diamantenfeldern ist recht
eintnig. Nur die Strecke lngs des Riet-River und im Thale des
Modder-River, welches wir zu durchkreuzen hatten, bot eine etwas
anziehendere Scenerie dar. Hier zeigte sich mir auch eine gnstige
Jagdgelegenheit, und ich bentzte die wenigen freien Minuten whrend
einer Ruhepause, nach eingenommenen Mahle, die nchste Umgebung zu
durchstbern. Der Riet-River flo in einem tiefen Bette als ein dnner
Faden nach Nordwest, um sich mit dem Modder- (Sumpf-, Schlamm-) River zu
verbinden. Wie in den meisten Flssen Sd-Afrika's zur Trockenzeit
(Winter) hatten sich auch hier mehrere die ganze Breite des Flubettes
einnehmende, bis drei Meter tiefe, fischreiche Tmpel gebildet.

Der groen Mannigfaltigkeit von Landschaftstypen entspricht auch eine
groe Mannigfaltigkeit von Thierformen, namentlich Vierflern, und
selbst in den zur Trockenzeit wstenartig erscheinenden Gegenden bietet
sich dem Zoologen wie dem Jger ein reiches Arbeitsfeld. Diese
Mannigfaltigkeit ist besonders bei den niederen Thierformen ausgeprgt,
und ich fand schon in der Cap-Colonie viele Schmetterlings- und
Kferarten oft auf kleine, durch zwei parallel laufende Flsse begrenzte
Striche beschrnkt.

Mit einzelnen interessanten Arten von Federwild wurde ich eben jetzt in
dem mit Trauerweiden (_Salix babylonica_) dicht bewachsenen
Riet-Riverthale nher bekannt. Mein Jagdglck versuchend, war ich
thalaufwrts vorgedrungen und wollte mich eben durch ein dichtes Gebsch
drngen, um eine bessere Rundschau ber die Tmpel im Flubette zu
gewinnen, als ein wohl hundertstimmiges Geschrei und ein leises Rascheln
in den berhngenden Zweigen mir die befiederte Gesellschaft verrieth.
Zurcktretend, scheuchte ich die Thierchen vollends auf, welche mit
lautem Gezwitscher in ein nahegelegenes Dorngebsch einfielen. Es waren
die zierlichen, beschopften und durch lange schmale Schwnzchen
ausgezeichneten Wiriwa (Colius leucotis), von denen ich spter noch zwei
weitere Arten kennen lernte. Eines der Thiere hatte auf dem hchsten
Zweige Posto gefat, wohl um den fremden Ruhestrer im Auge zu behalten,
die brigen hatten sich in das Innere des Busches zurckgezogen, so da
sie meinen Blicken vollends entzogen waren. Es sind sehr muntere Thiere,
doch schwer in Gefangenschaft zu erhalten, die einzig lebenden fand ich
in Grahamstown, wo sie ein Vogelliebhaber mit Finkenarten in einem
groen Kfig gefangen hielt und sie mit Orangen ernhrte.

Das Gros der Vogelwelt im Riet-Riverthale bildeten die Vertreter zweier
Arten von Turteltauben, der eigentlichen sdafrikanischen,
blulichgrauen Turtur und der Lachtaube, welchen wir bis zum Zambesi und
darber hinaus begegnen, Vgel, die jeder Thierfreund, wenn er sie in
der Nhe beobachten kann, liebgewinnt. Ich hatte mir mehrere derselben,
die ich im Fluge leicht angeschossen, jahrelang erhalten, und mir damit
manche vergngte Stunde verschafft. Schon um 3 Uhr Morgens lieen sich
die Mnnchen mit ihrem Girren und dann mit ihrem Silbergelchter hren;
und als sie so ihren Morgengru den neben ihnen sitzenden Tubchen
gespendet, da antworteten diese, allein so leise und zart, da es wie
aus der Ferne, doch uerst melodisch und lieblich herberklang. Leider
fielen sie der Nachlssigkeit eines meiner schwarzen Diener zum
Opfer.[1]

    1: Siehe Anhang 8.

Auf der Ebene an den beiden Fluufern fand ich als das gewhnlichste
Wild Sd-Afrika's eine Zwergtrappenart, den Knurhahn, dessen Geschrei
uns vom ersten bis zum letzten Tage, so lange wir in der Karroo im
Freistaate[1] und Transvaalstaate reisen, begleitet und selbst einem
minder gebten Schtzen tglich gute Mahlzeiten sichert. Bemerkt diese
Trappe den Jger, so bewegt sie ihren Kopf neugierig nach allen Seiten,
duckt sich pltzlich nieder und hebt sich mit lautem, kreischendem,
weithin hrbarem Geschrei in die Lfte, setzt ihren unbeholfenen Flug
etwa bis 200 Meter fort, um langsam mit eingezogenen Flgeln und
herunterhngenden Beinen sich wieder niederzulassen. Ihr Obergefieder
ist schn braun melirt, das Gesicht, mit Ausnahme je eines weien
Streifens an den Wangen, Kehle und Unterleib schwarz, die Fe gelb. Ihr
Verbreitungsbezirk endigt in den waldbedeckten, nrdlicheren Gebieten
Sd-Afrika's; gleich den vorhergehenden Reprsentanten der Vogelwelt ist
auch sie nur sehr schwer in der Gefangenschaft zu erhalten.

    1: Es ist damit stets der Oranje-Freistaat gemeint.

[Illustration: Hotel am Riet-River.]

Unser Weg fhrte uns nun weiter im Thale des Riet-Rivers ber
Coffeefontein, nchst Jagersfontein bei Fauresmith, die zweite
Diamanten-Fundgrube des Freistaates, woselbst kleine aber schne und
weie Brillanten gefunden werden. Spt am Abend des ersten Tages unserer
Reise gelangten wir zu der Furth des genannten Flusses, die wir
bentzten, und bernachteten in einem am jenseitigen Ufer stehenden
Hotel.

Der pompse Ausdruck Hotel wird bei den geehrten Lesern leicht
irrthmliche Vorstellungen erwecken. Die folgende Skizze wird am besten
diesem Irrthume vorbeugen. Denken wir uns zwei mit Segeltuch berspannte
Bretterhuschen, die zugleich als Wohnsttte und als Geschftslocal
dienen, einige auf der Erde ausgebreitete Ziegen- und Schaffelle und wir
haben ein Bild der ueren und inneren Ausstattung des sogenannten
Hotels. Ein ungemthlicher Aufenthalt frwahr, besonders da ein heftiger
Wind, durch die Fugen eindringend, die in Fetzen herabhngenden Reste
einer Stofftapete, deren Aussehen kaum mehr ihre Provenienz errathen
lie, in schwingende Bewegung versetzte und uns mit einem dichten
Staubregen bedeckte; dazu eine empfindliche Klte whrend der Nacht, die
mich in Versuchung fhrte, die Tapetenlappen vollstndig abzureien und
sie als Decke zu bentzen.

An Schlaf war in dieser angenehmen Situation nicht zu denken, und so
erhob ich mich zeitlich des Morgens, nahm ein Gewehr und schlich mich
in's Freie, die Richtung nach dem nahen Flusse einschlagend. Kaum
angelangt, hrte ich stromaufwrts das mir schon bekannte,
weithintnende Geschrei der Kraniche; ein Zug kam den Flu abwrts
geflogen. Es war mir leid, auf eines der Thiere anzuschlagen, allein die
Aussicht, einen schnen Balg zu gewinnen, den ich vielleicht in den mir
Tags zuvor als nahe bezeichneten Diamantenfeldern prpariren konnte,
besiegte alle Bedenken. Als die Schaar mir beinahe ber dem Kopfe
hinflog, sandte ich eine Schrotladung hinauf, die Thiere wichen rechts
und links aus dem Zuge, nur einer schien mir zu schwanken, senkte sich,
und im nchsten Augenblick fiel er an einer seichten Stelle todt in den
Flu herab. Da war auch schon der kalte Morgen vergessen, rasch
entledigte ich mich der Stiefel und watete in den Flu, um mir meine
Beute zu holen.

Von einem Rudel heihungriger Kter begleitet, die der Schu aus dem
Hotel und den nahen Htten der Koranna's herbeigelockt, kehrte ich, die
Jagdbeute hochhaltend, zum Hotel zurck. Nach beendetem
Morgenimbi--einigen auf Kohlen gersteten Fleischstcken und
Zwieback--brachen wir auf, froh, diesem wenig einladenden Hotel den
Rcken gekehrt zu haben. Nachmittags hatten wir das Stdtchen Jakobsdaal
erreicht, das mit seinen 25 rmlichen, ber eine von der Hitze
ausgetrockneten Ebene zerstreuten Huschen ein trostloses Bild bot.
Schon am folgenden Morgen verlieen wir auch dieses letzte der
Freistaat-Stdtchen und erreichten nach mehrstndiger Fahrt die
Central-Diamantenfelder. Je nher wir denselben kamen, desto trauriger
wurde die Gegend, die Bsche schwanden zusehends, blos hie und da war an
den niedrigen Hhen zu beiden Seiten des Weges etwas trockenes Gras zu
ersphen. Ich mu eingestehen, da mir der Tag, an dem ich die
Diamantenfelder erblickte, unvergelich bleiben wird. Wir fuhren mit
unserem vierspnnigen Karren rasch die Hhen von Scholze's Farm herab;
mein Gefhrte wies auf eine, etwa zwei Stunden vor uns liegende kahle,
nur im Osten in der Entfernung von blulichem Gebirge begrenzte Ebene
und bedeutete mir, da sich unter dem auf ihr ruhenden, uns sichtbaren
Dunstkreise meine neue Heimat befinde. Ein kalter Wind strich von den
Hhen nach der Ebene hin und lie uns in dem luftigen, hohen Karren,
trotzdem, da wir uns in unsere Mntel gehllt hatten, den
sdafrikanischen Winter recht unangenehm empfinden. So weit der Himmel
reichte, hingen an ihm dichte, graue Wolken, welche die ohnehin
trostlose und wenig anmuthende Landschaft noch trauriger erscheinen
lieen. Unser Wagen rollte schnell nach dem gepriesenen Eldorado von
Tausenden aus aller Herren Lnder, welche der Reiz eines reich
entlohnenden Erwerbszweiges angezogen. Je nher wir kamen, desto mehr
sank mein Muth, einen so deprimirenden Eindruck bte die trostlose
Gegend auf mich. Der graue Dunstkreis, den wir frher von der Hhe
erblickt, war endlich erreicht und Gesicht und Geruch des Besuchers
konnten ihn nur zu leicht analysiren. Es waren dies dichte Staubwolken,
die der Westwind aus dem rthlich-gelben Sande, der den Boden auf der
Ebene bedeckt, aufwirbelte, und der sich mit den losen Theilchen der
berall zwischen den primitiven Wohnungen und um die Diamantengruben
angehuften kalkhaltigen Erdmassen mischend, die Atmosphre erfllten,
so da es keiner besonders erregten Phantasie bedurfte, um sich in das
Wthen eines Sandsturmes in der Sahara zu versetzen. Der Zeltstadt nahe
gekommen, jagte uns der Sturmwind eine so dichte Staubwolke entgegen,
da wir uns vorsichtshalber, da wir auf 30 Schritt nicht sehen konnten,
nur langsam vorwrts bewegen muten. Bald waren Gesicht und Kleider grau
incrustirt, kein Wunder, da wir uns--wie alle Neulinge--in dieser
Atmosphre, bevor wir das Geschftslocale des Fauresmither Kaufmannes
(er hatte in einem der Fundorte eine Geschftsfiliale), das noch etwa
1000 Schritt im Camp entfernt lag, erreicht hatten, sehr unwohl
fhlten; selbst die Pferde schnaubten und schienen dem reichsten
Minendistrict der Erde keinen Geschmack abgewinnen zu knnen. Die aus
dem eisen- und kalkhaltigen Sande bestehende Wolkenmasse schien die
beiden Ortschaften in den Diamantenfeldern Bultfontein und Dutoitspan
frmlich zu bedecken und erfllte bis zu einigen hundert Fu Hhe die
Luft, alles in ein undurchdringliches Dunkel hllend. Hie und da
erblickte ich, rechts und links von uns--so weit es eben die
staubgeschwngerte Atmosphre erlaubte, einfache runde und lngliche
Zelte, Zelthuser und aus geripptem Eisenblech errichtete, doch
geschlossene Verkaufslocale. Die Zeltstangen bogen sich unter der Gewalt
des Sturmwindes, der so heftig an den Stricken zerrte, da man jeden
Augenblick befrchten mute, die luftigen Behausungen im Sturmwinde
verschwinden zu sehen. Von den Dchern der eisernen Huschen halb
losgelste Blechplatten kreischten mit dem heulenden Sturme um die Wette
und vervollstndigten den entmuthigenden Anblick. Gewi ein seltsamer
Willkommengru fr den Ankmmling! Hie und da hatten sich die Pflcke,
mit denen die Zelte zur Erde gehalten werden, losgelst oder die Oesen
hatten sich ausgerissen und das halbe Zelt flatterte wie eine Fahne
lustig im Winde, hie und da lugten einige dunkle Krper aus dem
Hintergrunde des flatternden Zelthuschens hervor, die sich bei nherer
Besichtigung als auf der Erde liegende, schlafende oder ausruhende
halbnackte Gestalten der in den Diamanten-Fundorten arbeitenden
Eingebornen entpuppten.




III.

Die Diamantenfelder.

Leiden und Freuden in meiner rztlichen Praxis.--Ein nchtlicher
Ueberfall.--Dutoitspan und Kimberley.--Diggerverfahren.--Panorama der
Kopje.--Morgenmarkt.--Meine erste Pavianjagd.--Vorbereitungen zur ersten
Reise.


Es war nicht allein die trostlose Gegend, der hchst unfreundliche
Anblick der Stdte (Diamanten-Fundorte) und das rauhe strmische Wetter,
welches tglich in den verschiedensten, aber immer gleich unangenehmen
Variationen uns seine Wuth fhlen lie, was mich so niedergeschlagen
machte. Meine Verhltnisse waren auch trostlose. Im Vertrauen auf die
Versprechungen des Kaufmannes in Fauresmith hatte ich es versumt, mir
von Herrn Adler in Port Elizabeth Empfehlungsbriefe fr die
Diamantenfelder zu erbitten und meine Baarschaft war auf fnf Shillinge
reducirt, ein Betrag, kaum hinreichend, um die Kosten einer Mahlzeit zu
decken. Ich sollte hier entweder diggen, d.h. nach Diamanten graben,
oder unter der aus aller Herren Lndern zusammengewrfelten, theilweise
mehr als zweifelhaften Gesellschaft rztliche Praxis ausben, um meine
Existenz fristen, sowie um mir die Mittel zur Weiterreise verschaffen zu
knnen. Meine Lage war um so schlimmer, als ich weder der englischen,
noch der hollndischen Sprache mchtig war, die wenigen Redephrasen, die
ich mir frher aneignen konnte, reichten kaum hin, um mich nothdrftig
ber die allereinfachsten Dinge zu verstndigen, geschweige denn mit
einem Kranken zu verkehren. Die Wahl zwischen dem Diggen und
Prakticiren war bald entschieden, zu dem ersteren brauchte ich ein
Capital--das ich nicht besa--zum letzteren blos eine mitleidige Seele,
welche mir auf einige Wochen ein Zelthuschen und einige Mbelstcke
lieh. Der Zufall war mir hold.

Ich hatte nmlich einen Brief in der Tasche, der mir als
Empfehlungsbrief dienen, zugleich aber auch dem Adressaten mehr als ein
solcher sein sollte. Dieser war nmlich krnklich und wollte, da er in
den Diamantenfeldern keine Besserung erreichen konnte, nach Europa
reisen, um hier von den Aerzten Heilung seiner Krankheit zu suchen.
Glcklicherweise war dieser Mann der deutschen Sprache mchtig, und als
ich ihm meinen Empfehlungsbrief bergab, aus welchem er entnahm, da er
einen Arzt vor sich habe, wollte er es noch mit mir versuchen, ehe er
die beabsichtigte Fahrt nach Europa antrat, ein Entschlu, der
angesichts der hohen Kosten einer solchen Reise dem praktisch angelegten
und sparsamen Mann nicht schwer fiel. Es gelang mir denn auch, denselben
in acht Tagen so weit herzustellen, da er seine Reise definitiv aufgab,
und sich meiner Behandlung vollends anvertraute. In dem Mae aber als
mein Patient praktisch war, fehlte mir diese Tugend, ich unterlie es,
meine Forderungen zu fixiren, und nahm mit Dank gleichsam als
Abschlagszahlung fr meine Dienste das an, was er mir bot. Er stellte
mir nmlich ein altes, morsches Zelthuschen zur Verfgung, lieh mir
gromthig 5  St., eine Geflligkeit, um welche er von dem Kaufmanne in
Fauresmith ersucht worden war, und einige der nothwendigsten, allein
nichts weniger als comfortablen Mbelstcke. In meiner Lage sah ich
jedoch all' dieses als eine sehr groe Geflligkeit an, und hatte meine
herzliche Freude, den Herrn Gnner unter meinen Augen genesen zu
sehen.

Dieses etwa 3 Meter breite, ungefhr 3 Meter lange und 2 Meter hohe
Zelthuschen bestand aus Fichtenlatten, die mit einfacher Segelleinwand
berzogen waren. Die Leinwand war durch Staub und Regen so morsch
geworden, da sie weder vor Wind noch vor den eindringenden Staubmassen
schtzte, die Latten knarrten bei jedem Windsto und wre nicht ein
hlzernes Waarenhaus zur Seite gestanden, das dem Zelthause einigen
Schutz verlieh, ich glaube die heftigen Sdwinde, welche ihm oft eine
vllig windschiefe Form gaben, htten diese Ruine schon lngst von der
Erde gefegt. Auch der Zugang war recht bequem. Die Htte stand nmlich
knapp an der nach Kimberley (dem Hauptorte der Diamanten-Fundsttten)
fhrenden Strae, und es kostete immer einen beherzten Sprung ber den
Straengraben, wenn man den Eingang erreichen wollte. Die Thre stellte
ein beweglicher, mit Segeltuch berzogener Holzrahmen dar; um halbwegs
sicher zu sein, stemmte ich Nachts von Innen eine Eisenstange vor, die
ich in meinem Grund und Boden, den natrlichen Parquetten meines
luftigen Palastes, gefunden. Statt des Fensters war eine bewegliche
Leinwandklappe angebracht, welche bei dem geringsten Windstoe auf- und
zuflog. Ein grner Tuchlappen theilte den Innenraum in zwei Gemcher.

Das erste Gemach war mein Consultations-, mein Arbeitszimmer und die
Apotheke; sein Meublement bestand aus einem alten, unangestrichenen
Tische, zwei gleichen Sthlen und zwei Kisten, von welchen die eine zur
Aufbewahrung meiner Medicamente, die zweite als Bcherschrank diente;
war der Krankenbesuch zahlreich, und dies geschah, wenn eine ganze
hollndische Farmerfamilie mir in's Haus fiel, so stellten diese Kisten
so etwas wie Fauteuils im Ordinationszimmer meiner etwas comfortabler
eingerichteten europischen Collegen vor. Die zweite und etwas kleinere
Hlfte meines Zelthauses war meine Kche, meine Speisekammer und
Schlafzimmer, sowie das fr die Arbeiten meines Dieners bestimmte
Local--Arbeiten, die ich mir vorderhand, bevor sich noch ergiebigere
Einnahmen eingestellt hatten, nolens volens selbst verrichten mute.
Eine hnliche splendide Ausstattung hatte mein Lager, auf welchem ich
mich ohnehin meistens schlaflos vor Klte zitternd, zusammenkauerte. Das
eleganteste europische Mbelstck war noch mein von der Reise arg
hergenommenes Kofferchen.

Um die zu einer Reise in's Innere nthigen Mittel mglichst bald zu
erwerben und den Verpflichtungen, unter denen namentlich die Holitzer
Sparcasse mit 300 fl., Herr Hermann Michaelis mit 16  St. etc.
figurirten, gerecht zu werden, nahm ich mir vor, mich auf das Mglichste
einzuschrnken und so lebte ich auf Monate hin--als ich auch spter eine
Wohnung nehmen mute, in der grten Einfachheit und Zurckgezogenheit;
da mich die Theuerung in den Diamantenfeldern sehr erschreckte und mir
der geringe Werth des Geldes--denn damals herrschten noch gute Zeiten in
jenen Districten--auffiel, besorgte ich mir selbst die Kche. Sobald es
dunkel geworden war und die Straen menschenleer erschienen, besorgte
ich meine Einkufe und versah mich mit dem nthigen Wasservorrath fr
den nchsten Tag, theilweise zur Herstellung der Arzneien, grtentheils
aber, um allen gewhnlichen Ansprchen--und diese waren, wie sich leicht
denken lt, ziemlich mannigfaltige--zu gengen; mute ich doch das Amt
der Waschfrau und Kchin versehen--da ich mein eigener Leibschneider
war, brauche ich nicht weiter hervorzuheben.

Ich will die geehrten Leser nicht weiter in die Details meiner
Wirthschaft einfhren, sondern nur bemerken, da ich all' dies sehr
geheim halten mute, da das Bekanntwerden dieser Details mir in meinem
Ansehen als Arzt sehr geschadet htte. Mit der Zeit hatte ich nach und
nach eine ganz respectable Praxis erworben, deren Ertrag mich schon zu
Beginn des Monats October 1872 (ich war am 26. August in den
Diamantenfeldern angelangt) in den Stand setzte, meine Verpflichtungen
in der Heimat zu tilgen.

Allmlich konnte ich mich auch aus meiner Zurckgezogenheit hervorwagen,
mir eine krftigere Kost gnnen, wenn auch meine Wohnung noch fr lange
hin ein Zelthuschen verblieb, was wohl etwas unbequem war und manches
Ungemach im Gefolge hatte, allein mir in meinem ffentlichen Auftreten
zu jener Zeit keinen Abbruch that. Meine Praxis war mir dadurch
bedeutend erleichtert worden, da viele Deutsche, die von dem neu
angekommenen, deutschsprechenden Arzte hrten, zu mir pilgerten. Damit
war auch beiden Parteien geholfen, ich hatte aber noch den Vortheil,
meine Kenntnisse in der hollndischen Sprache in berraschend kurzer
Zeit zu erweitern.

Zu der Zeit meines ersten Besuches waren die Diamanten-Fundorte noch
nicht von allen den unreinen Elementen so gesubert, wie es gegenwrtig
der Fall ist; viele Abenteurer hatten sich da eingefunden und da die
Englnder in dem erst krzlich zuvor erworbenen Lande noch nicht alle
Reformen durchzufhren Gelegenheit gehabt hatten, war die Sicherheit des
Eigenthums und selbst des Lebens noch ziemlich problematisch. Den
Uebelthtern konnte man aber um so weniger beikommen, als die meisten
nach vollbrachter That das Weite suchten und in einer halben Stunde, von
den Central-Diamantenfeldern (Dutoitspan, wo ich mich niedergelassen,
bildet den stlichen Theil derselben) aus, den Oranje-Freistaat
erreichten, wo sie vollstndig geborgen waren, da die Regierung des
Freistaates den Englndern noch immer ob der Annexion von
West-Griqua-Land (d.h. eben der Diamantenfelder) grollte und sich
deshalb auch nicht bemssigt hielt, der englischen Polizei hilfreich die
Hand zu bieten. Seitdem aber England die Ansprche des Freistaates auf
diese Provinz mit 90.000  entschdigte, haben sich diese Verhltnis
selbstverstndlich zum Besseren verndert. Unter jenen Abenteurern gab
es viele, die sich darin getuscht sahen, ohne jede Anstrengung in dem
Diamanten-Eldorado Reichthmer zu erwerben, und da sie schwere Arbeit
scheuten, bildete sich aus ihnen eine lichtscheue Bande, die auch unter
der schwarzen Bevlkerung Rekruten und Helfershelfer fand. Gelang es nun
auch, einen oder den anderen dieser Wegelagerer dingfest zu machen, so
bot die nichts weniger als solide Bauart der Gefngnisse keine
Sicherheit gegen Fluchtversuche; die Loslsung einer oder mehrerer
Platten der Blechbedachung war keine schwierige Leistung, auf dem Camp
gab es genug frei grasende Pferde, nichts leichter daher, als eine
Flucht, die nach einem viertelstndigen scharfen Ritte in ein
schtzendes Asyl fhrte.

[Illustration: Nchtlicher Ueberfall.]

Wie sehr Vorsicht im Umgange mit den Bewohnern der Diamantenfelder am
Platze war, erfuhr ich leider selbst an einem im nahen (zwei englische
Meilen entfernten) Kimberley wohnenden Landsmann, in dem ich einen
Freund zu finden glaubte. Gleich vielen seiner Genossen hatte auch er
gehofft, hier in kurzer Zeit Schtze zu sammeln, und war Digger
geworden. So freundlich er sich mir aber im Verkehr zeigte, so
hinterlistig und ehrlos manvrirte er hinter meinem Rcken und trieb
lnger denn zwei Jahre dieses Doppelspiel, bis mir Briefe aus der Heimat
die Augen ffneten.

Es mag vielleicht unglaublich erscheinen, aber thatschlich war Neid die
Triebfeder seines ganzen Benehmens; er, der sich dazu ausersehen whnte,
Afrika als Vertreter Oesterreichs zu erforschen, suchte mich, seinen
Nebenbuhler, zu verdchtigen.

Mit den Leistungen der vorerwhnten Strauchritterbande sollte ich frher
als mir lieb war, bekanntwerden. Von einem Besuche in Kimberley eines
Abends heimgekehrt, bemerkte ich, als ich eben mein primitives Lager
aufsuchen wollte, da die Zeltwand in der hinteren rechten Ecke gerade
oberhalb der Stelle, wo mein Bettgestell stand, von oben bis unten
zerschnitten war. Ich hielt sofort unter meinen Mobilien und Schtzen
grndliche Nachschau, berzeugte mich aber, da alles auf seinem Platze
stand, woraus ich schlo, da der freundliche Besucher, welcher in
meiner Abwesenheit durch die Zeltwand hindurch bei mir vorsprechen
wollte, an der Ausfhrung seines Vorhabens durch irgend einen Zufall
gehindert worden war. Ich mu gestehen, da ich diese Nacht nicht zu den
angenehmsten zhlen konnte, da ich sie im Dunkeln mit dem Revolver in
der Hand durchwachen mute. Bei reiflichem Nachdenken ber den mir
zugedachten Besuch hielt ich es fr das Beste, meine Visiten nach
Kimberley vorlufig einzustellen, um abzuwarten, ob sich derselbe nicht
vielleicht wiederholen wrde. Ich sollte darber nicht lange im Zweifel
bleiben; schon in der nchsten Nacht wurde ich darber belehrt. Um den
nchtlichen Besucher an meiner Wachsamkeit irre zu fhren, hatte ich
absichtlich den am Zelthuschen verursachten Schaden nicht ausgebessert.
Ich lschte rechtzeitig mein Lieht aus, warf mich mit meinem
sechslufigen Freunde auf meine Lagersttte und wartete der Dinge, die
da kommen sollten. Es ist begreiflich, da ich jedem, auch dem
unbedeutendsten und leisesten Gerusche in der Nhe meiner luftigen
Residenz meine volle Aufmerksamkeit schenkte. Als es in den Straen
stille geworden war, glaubte ich Jemanden sich meinem Zelte von
rckwrts nhern zu hren, geruschloser, als es ein Vorbergehender
thun wrde, und was mir auffiel, nach der Stelle zu, wo Nachts zuvor der
Einbruch versucht worden war; ich erhob mich so sachte als mglich von
meinem Lager, und da der Lehmboden meine Tritte dmpfte, war es mir
mglich, dem von auen das Zelt Umgehenden Schritt fr Schritt zu
folgen, bis wir beide an der Thre angelangt waren. Bald vernahm ich den
Versuch, die Thre aufzudrcken, ein Augenblick gengte, um die
vorgeschobene Eisenstange geruschlos zu beseitigen und so dem
Ankommenden den Versuch, die Thre zu ffnen, zu erleichtern. Im
nchsten Augenblicke ri ich die Thre auf und der Eindringling, der
sich gegen dieselbe gestemmt, wre fast in das Zelt hineingetaumelt. Den
Strolch bei der Kehle fassen und ihm den Revolver an die Brust zu
setzen, war das Werk eines Augenblickes. Nun sah ich bei dem schwachen
Schimmer des halb von Wolken bedeckten Mondes, da ich einen halbnackten
Kaffer, der so schwarz wie ein Bewohner der Hlle war, gefat hatte. Der
Eindringling war durch das pltzliche Nachgeben der Thre und durch den
Zusammensto, jedoch noch mehr durch die unsanfte Berhrung seiner Kehle
und den Anblick der Waffe derart verwirrt, da er an keinen Widerstand
dachte, kaum einige Worte, wahrscheinlich eine Entschuldigung, lallen
konnte, und dann flehentlich bat, ihn freizulassen. Wir waren in dieser
Weise ber den Straengraben in die Mitte der fr ihn glcklicherweise
menschenleeren Strae gekommen, ein Allarm htte wohl den Kerl um sein
ses, schwarzes Dasein gebracht; ich schttelte ihn weidlich durch,
lie meinen Revolver noch etwas vor seinen Augen verheiungsvoll blitzen
und warf ihn dann in den Straengraben zurck, aus dem er sich
blizschnell aufraffte und eiligst die Flucht ergriff. Als ich am
folgenden Tage meinen Patienten von dem nchtlichen Besuche erzhlte,
bedauerten sie allgemein, da ich den Strolch nicht niedergeschossen
hatte. Mein energisches und kluges Abwehren dieses Einbruchversuches
hatte den gewnschten Erfolg, ich wurde spter nicht weiter belstigt,
und habe wiederholt die Erfahrung gemacht, da dieses Diebsgelichter es
scheut, einen miglckten Versuch zu wiederholen.

Da mein Heim nichts weniger als einbruchsicher war, ist damit wohl zur
Evidenz erwiesen, da es dem Regen und Winde freies Spiel lie, habe ich
bereits erwhnt; ich sollte aber noch erfahren, da der ganze Bau sich
der Elementargewalt des Windes gegenber mehr als nachgiebig bewies.
Bevor noch die Katastrophe mit meinem Zelte eintrat, die ich in
Folgendem schildern will, sei es mir erlaubt, einer Episode aus meiner
Praxis zu erwhnen. Eben mit einem Patienten beschftigt, sah ich einen
Fremden in meinen Ordinationssalon eintreten, und gedachte ihn zu
ersuchen, noch einige Augenblicke sich auf der Strae zu gedulden, als
ich an seiner Stimme einen meiner ersten Kunden erkannte. Es war ein
Deutscher, Namens Oppermann, ein Mann, den ich an einer Lungenentzndung
behandelt, und der durch einige Tage in Lebensgefahr geschwebt hatte.
Whrend wir unter der gegenwrtigen Behandlung gewhnliche, meist durch
Verkhlung verursachte Flle der Pneumonie (Lungenentzndung) in den
gemigten Strichen des europischen Continentes meist in kurzer Zeit
gebessert und auch bald geheilt sehen, gehrten die Pneumonien in den
Diamantenfeldern, namentlich als noch die Zelthuschen und die Zelte
berwogen und die Erkrankten gegen die Unbill des Wetters nicht den
geringsten Schutz fanden, zu den gefhrlichsten Krankheiten. Auch diesen
meinen Klienten hatten dessen Freunde aufgegeben und erklrten mir, so
oft ich ihn besuchte, da alle meine Mhe vergebens sei, der Mann msse
doch sterben. Ich that dennoch mein Mglichstes, ihn gegen den
eindringenden Staub und die Klte zu schtzen, denn da mein Erfolg in
diesem Falle fr mich und die Zukunft meiner rztlichen Praxis von
grter Tragweite sein mute, ist wohl selbstverstndlich.

Zu einem Ausgange in die freie Luft htte ich den Mann noch nicht fhig
gehalten und war daher berrascht und erstaunt, ihn bei mir zu sehen.
Ohne auf meine Widerrede zu achten, bestand er, der hier in den
Diamantenfeldern Schiffbruch an seiner ganzen Habe gelitten, darauf,
mich fr meine Mhewaltung zu entschdigen, und schlo seine Ansprache
mit den Worten: Nun, Doctor, nur noch einige Worte: Sie wissen wohl
selbst, da Sie mir das Leben gerettet haben, und da ich Ihnen wirklich
mit dem kleinen Geldbetrage nie meine Dankbarkeit hinreichend darthun
kann, erlaube ich mir, mich Ihnen zur Verfgung zu stellen, wenn Sie
mich als Begleiter auf Ihren Reisen brauchen knnten; ich werde gewi
Alles thun, um mir Ihre Zufriedenheit zu erringen. So hatte ich meinen
ersten Begleiter auf meine Reisen in das Innere gewonnen.

Und nun zum seligen Ende meines Zelthuschens. Von einem Krankenbesuche
zurckkehrend, war ich nicht wenig erstaunt, trotz alles Suchens mein
afrikanisches Heim nicht mehr wiederzufinden; verblfft blieb ich
stehen, sah mich nach allen Seiten um, die Staffage war dieselbe
geblieben wie immer, von einem Zelte aber keine Spur; whrend ich jedoch
noch darber nachgrbelte, was da vorgefallen sein mochte, trat einer
meiner nchsten Nachbarn, ein Kaufmann, an mich heran und sagte
lchelnd: Sie suchen wohl Ihr Haus, der Wind hat es weggeblasen; sehen
Sie, dort liegt es. Und damit wies er auf einen etwa 150 Schritte
weiter liegenden Haufen von Leinwandstcken, zwischen denen einige
meiner Karten lustig im Winde flatterten. Ehe ich mich noch recht
besinnen konnte, fhrte mich der Kaufmann zu den Ruinen und dann in sein
Verkaufslocale und zeigte mir in einer Kiste die Ueberreste meiner Habe,
die er freundlichst gerettet hatte. Mir blieb keine lange Zeit zum
Nachdenken brig, nachdem ich noch Manches aus den Trmmern gerettet,
was dem Kaufmann vielleicht berflssiger Ballast scheinen mochte,
beeilte ich mich, da der Abend bereits angebrochen war, ein neues Zelt
zu suchen. Nach langem Suchen und Fragen war ich so glcklich, dem
Magistratsgebude gerade gegenber ein kleines Zelthuschen vermiethet
zu erhalten. Dasselbe war von gleicher Beschaffenheit wie das eben vom
Wirbelwinde dagegen nicht so sehr vom Wind und Regen mitgenommen, auch
befand es sich in der Reihe der brigen Segeltuch- und Eisenhuschen,
welche die Hauptstrae von Dutoitspan bildeten, und war dadurch vor der
Wuth des Sturmwindes etwas geschtzt. Als Miethe mute ich monatlich 3
. St. bezahlen, und da der Besitzer desselben die Wissenschaft der
Hauseigenthmer grndlich studirt hatte, wurde mir diese Miethe im Laufe
eines Jahres auf 5 . St. erhht.

Ich hatte mich bald davon berzeugt, da ich mit meiner neuen
Acquisition aus dem Regen in die Traufe gekommen war. Whrend der heien
Jahreszeit mute ich stets im Innern meines Hauses den Schirm
aufgespannt erhalten, um mich der durchdringenden Sonnengluth zu
erwehren, bei Regenwetter war ohne Schirm noch weit weniger zu bestehen,
denn das Wasser rann in feinen Fden herab, dazu war der Raum so
beschrnkt, da ich namentlich bei meinen Kochversuchen in die rgsten
Verlegenheiten gerieth.

Die Situation wurde aber eine in hohem Grade komische, wenn mich meine
Patienten consultirten, denn dann wurde ihnen das Vergngen zu Theil,
den Schirm ber uns beide emporzuhalten; glcklicherweise nahmen es
dieselben nicht so genau, waren an die rauhe Witterung und das rauhe
Leben in den Diamantenfeldern gewhnt und so konnte ich auf
Entschuldigung der vielfachen Gebrechen meines Empfangssalons rechnen.
Eine der unangenehmsten Seiten meiner, sowie aller der Wohnungen mit
ungedielten Fubden war, da sie von allem mglichen Ungeziefer
strotzten. Mir wurde dieses in meiner neuen Wohnung zu einer wahren
Tortur und erst als ich sie nach etwa zehn Monaten mit einer anderen
vertauscht hatte, welche von dem Straengetmmel abseits lag, fhlte
ich, was ich in der Mainstrae ausgestanden und war um eine Centnerlast
erleichtert.

Das ganze Arsenal von Vertilgungsmitteln, das mir zu Gebote stand,
Pulver, Carbolsure, brachte nicht die mindeste Besserung zu Stande;
ergtzlich waren oft die Scenen, die sich unwillkrlich bei dieser
Sachlage whrend meiner rztlichen Ordinationsstunden abspielten. Da
eines Tages wurde ich mitten in der Berathung mit den Worten
unterbrochen: Please pardon, my Doctor, but you have a large flea
sitting on your left cheek. Ja, mein aufmerksamer Patient ging noch so
weit, da er, ber diese Landplage der Diamantenfelder losziehend, den
Unverschmten von meiner Wange entfernte. Doch damit waren die
nchtlichen Ruhestrungen nicht erschpft, es gehrte nicht zu den
auerordentlichsten Seltenheiten, des Morgens sich von einigen Krten
angestaunt zu sehen, oder gar durch ein eigenthmliches Rascheln am
Boden aus dem Schlafe gerissen zu werden, und mit dem Licht in der Hand
im tiefen Neglig sich pltzlich entsetzt einer Cobra capella gegenber
zu finden, die hochaufgerichtet, mit breit aufgeblhtem Halse den
Zelt-Insassen laut anzischte. Gewi eine erfreuliche Bescheerung!

Werfen wir nun einen Blick in das Straenleben der
Diamantenfelder-Stdte. Es ist Mittag, die belebteste Stunde; von allen
Seiten strmen die durch den grauen Staub der Diamantengruben fast zur
Unkenntlichkeit entstellten Digger von der Arbeitssttte nach ihren
Wohnungen, um hier fr kurze Zeit Ruhe und Erholung zu suchen. Diese
Digger (Diamantengrber) sind--dies verrth ihr ganzes Benehmen und
Auftreten--theils selbststndige Besitzer kleiner Claims (Gruben),
welche die Arbeit in diesen selbst beaufsichtigen, oder Aufseher
(Overseer), welche im Dienste einer Gesellschaft oder eines reichen
Claimbesitzers stehen.

Ein Tro von Eingebornen aller Farben-Nuancen, bald schreiend und
lrmend oder sogar tanzend, bald stille wie eine gedrillte Truppe, folgt
den Diggern, ihren Herren; die verschiedenen Hautschattirungen
verschwinden fr den flchtigen Blick unter der monotonen grauen
Staubkruste, die alle gleichmig bedeckt, nur das uere Costm lt
hie und da auf die innern Neigungen des Einzelnen schlieen.

In das Gewhl der bunten Menge von Passanten mischt sich ein Tro von
Fuhrwerken aller Art, hier zwei- und mehrspnnige, zweirdrige
Scotchkarren mit der diamantenhltigen Grubenerde beladen, dort die von
8-10 Ochsenpaaren gezogenen Ungeheuer von Capwgen--alle diese Vehikel,
zwischen welchen die leichten zweirdrigen Kaleschkarren mit
bewunderungswrdiger Geschicklichkeit sich durchwinden, bilden oft einen
dichten Knuel, dessen Entwirrung kaum mglich scheint. In das Gejohle
der Grubenarbeiter mischen sich dann die gegenseitigen hflichen
Complimente der Fuhrleute in allen europischen und sdafrikanischen
Sprachen.

Dieses rege Leben erklrt sich aber nicht nur aus der Natur und dem
leitenden Motiv der Beschftigung in den Diamantenfeldern, sondern auch
aus der Zahl der Beschftigten. In den auf einer verhltnimig
engbegrenzten Flche sich ausbreitenden vier wichtigsten Fundorten
Kimberley, Old de Beers, Dutoitspan und Bultfontein finden auer den
huslich und in Waarengeschften bediensteten Eingebornen sechs- bis
zwanzigtausend Schwarze, Hottentotten, Griqua, Koranna, Betschuana und
Zulu lohnende und dauernde Beschftigung.

Verlassen wir nun die Straen der luftigen Zelt- und Eisenstadt und
folgen wir den nach den Gruben zurckkehrenden Diggern und ihrem
schwarzen Arbeiterheere, es erwartet uns ein fr den ersten Augenblick
sinnverwirrender Anblick. Bevor wir uns jedoch mit dem bunten,
aufregenden Treiben in den Diamanten-Fundsttten vertraut machen, sei es
mir erlaubt, in Krze eine geographisch-historische Skizze der
Diamantenfelder zu entwerfen.

Die Diamantenfelder Sd-Afrika's liegen zum berwiegenden Theile in der
englischen Provinz Griqualand-West,[1] ein Landstrich, der mit der
Entdeckung seiner unterirdischen Schtze zum Zankapfel aller eingebornen
Frsten wurde. Der Griquaknig Waterboer, die Batlapinenhuptlinge
Jantje und Gassibone, sie alle stritten sieh um den Alleinbesitz,
obschon jeder von ihnen nur einen Theil des Gebietes sein Eigen nannte;
Waterboer besa die Hauptmasse des Landes, zu beiden Seiten des unteren
Vaal- und Modder-Rivers, Jantje den nrdlichen Theil an der
Hart-Rivermndung, Gassibone den nordstlichen zwischen dem Vaal- und
Hart-River und die Koranna das Thal des Vaalflusses von Fourteen stream
bis zur Einmndung des Hart-Rivers.

    1: Die gegenwrtige Provinz Griqualand-West ist in drei Districte
    getheilt; einen nrdlichen, am mittleren Vaal und am unteren
    Hart-River, das frhere Gebiet der westlichen Koranna's und jenes
    des Batlapinenfrsten Jantje in sich begreifend und the Division of
    Barkly (zu Ehren des frheren Gouverneurs der Cap-Colonie Sir Henry
    Barkly) genannt, einen mittleren District am linken Vaalufer
    zwischen dem sdwestlichen und dem obengenannten gelegen, the
    Division of Kimberley (zu Ehren des gewesenen englischen
    Colonial-Ministers) genannt und einen sdwestlichen an der
    Vereinigung des Vaal- und Oranje-Rivers gelegen the Division of
    Hay (zu Ehren des Generals gleichen Namens). Dieser war Waterboer's
    Stammland. Sein Hauptort, in welchen die Hauptmacht der westlichen
    Griqua's concentrirt ist, hie frher Griqua-Town, nun Hay; in der
    mittleren Provinz ist Kimberley (frher New-Rush genannt) und im
    nrdlichen Districte ist Barkly, frher Klipdrift, am rechten
    Vaalufer, der Berliner Missionsstation Pniel gegenberliegend, der
    Hauptort. Im Sden bildet der Oranjeflu die Grenze gegen die
    Cap-Colonie, im Osten verluft die Grenze zwischen der Provinz und
    dem Oranje-Freistaat nach einer von Colonel Warren und einer
    Freistaat-Commission bestimmten Linie, welche in ihrer nrdlichen
    Fortsetzung die Provinz von der Transvaalprovinz (dem frheren
    Gebiete Gassibone's) trennt, nach Westen ist die Grenze noch nicht
    festgestellt--tief in's Kalahari-Bushveldt greifend--und nach Norden
    zu wurde die frher gezogene Scheidelinie durch den Krieg mit den
    Botlaros bis zu den sdlichsten Viehposten der westlichen Barolongen
    vorgeschoben. Frher wurde dieser Landstrich von der Cap-Colonie aus
    verwaltet, seit den letzten sieben Jahren hat die Provinz ihre
    eigene Regierung, einen Gouverneur, dem ein executive Council zur
    Seite steht.

[Illustration: Platz in Dutoitspan.]

Die Auffindung der ersten Kieselsteine, wie die Diamanten anfnglich
von den Boers spttisch genannt wurden, erregte in ihnen allen die
Lndergier und als spter die Annexion der Diamantenfelder durch die
Englnder eine erbitterte Streitfrage zwischen diesen und der Regierung
des Oranje-Freistaates hervorrief, hielten sich beide Theile als die
allein berechtigten Besitzer kraft der ihnen von den vorerwhnten
Eingebornenfrsten eingerumten Concessionen.

Wie berall mute auch hier nach kurzem Besitze der schwchere Theil,
der Oranje-Freistaat, aus dem Felde weichen; er erklrte sich dennoch
fr den allein rechtmigen Besitzer, und alle Versuche Englands,
zwischen der neuen Provinz und der Republik, die, civilisirten
Grenzstaaten zum gemeinschaftlichen Wohle gereichenden Gesetze anerkannt
zu sehen, blieben fruchtlos, bis das mchtige England, ob als
gromthiger Nachbar oder dem Gerechtigkeitsgefhl folgend, jedweden
Anspruch des Freistaates auf den Landstrich Griqualand-West mit 90.000 
St. ablste, und sich nebenbei verpflichtete, weitere 15.000  St. zum
Ausbau einer Bahn beizusteuern, welche den Anschlu des Freistaates an
eine der Eisenbahnen in der stlichen Cap-Colonie herstellen sollte.

Die gesammten Diamantenfelder, sowie die Diamanten-Fundorte im engeren
Sinne des Wortes lassen sich in drei Districte eintheilen. Die ltesten
sind die am Vaalflusse, von dem Transvaal-Stdtchen Bloemhof bis zur
Vereinigung des Hart- und Vaalflusses sich erstreckenden River (Flu)
Diggings; ihnen folgen die in der Division Kimberley im engsten
Umkreise um diese Stadt gelegenen Dry-Diggings (so genannt, weil man
frher hier die Diamanten ohne die Erde zu waschen durch Sieben und
Sortiren der diamanthaltigen Erde auf trockenem Wege gewann) und endlich
die auerhalb der englischen Colonie Griqualand-West im
Oranje-Freistaate gelegenen Fundorte bei Sagers- und Coffeefontein als
dritten District.

Die Niederlassungen der River-Diggings wuchsen--wie es leicht
begreiflich und wie wir es hnlich in Californien beobachten knnen--wie
aus der Erde empor. Das der Missionsstation Pniel gegenberliegende
Klipdrift, welches sich ungemein rasch entwickelte, wurde der Hauptort
dieser Diamanten-Fundorte, ja zu ihrem Centralpunkte; seit den letzten
neun Jahren hat Kimberley (das frher New-Rush hie) ihm diesen Vorrang
abgerungen.

Im Thale des Vaalflusses, wo vor der Entdeckung der wasserhellen
Steinchen nur der eitle und mige Koranna sein Dasein zu vertrumen
gewohnt war, reihten sich schon ein Jahr nach dem Bekanntwerden der
Entdeckung ganze Colonnen von luftigen Zelten aneinander. Ganz
Sd-Afrika schien wie vom Fieber befallen, Jung und Alt, Gesunde und
Kranke, Lords und Diener, Landleute und Stdter, entlaufene Matrosen und
Soldaten, Boers mit ihren ganzen Familien wanderten nach dem gepriesenen
und gelobten Lande. In berraschend kurzer Zeit verwandelten sich diese
Zeltlager in Stdte von drei- bis fnftausend Einwohnern, denn nach
Bekanntwerden der aufregenden Nachrichten aus Sd-Afrika, namentlich
seitdem der Stern von Sd-Afrika, ein 83 Karat schwerer,
wasserheller Diamant gefunden war, brachte jeder Dampfer aus Europa
hunderte und wieder hunderte von Glcksjgern aus aller Herren Lnder.

So entstanden neben Klipdrift die Stdte Hebron, River-Town, Gong-Gong,
Blue-Jacket, New-Kierks-Rush, Delpoortshope, Waldecks-Plant und andere.
Doch ihr Wachsthum, ihre Blthezeit, war ebenso schnell verflossen, als
es begonnen, denn kaum war die Nachricht von der Entdeckung der
Diamanten auf der Ebene der Farm Dutoitspan unter den River-Diggers am
Vaalflusse verbreitet, und die Fama lie die Diamanten hier in Massen
auf der Erdoberflche zu Tage treten, als Alles diese Orte verlie und
nach den viel reicheren Dry-Diggings eilte.

Gro war die Zahl derer, die, durch das Glck begnstigt, sich in kurzer
Frist Vermgen erwarben, gro aber auch die Zahl jener, welche es ebenso
schnell entschwinden sahen und weitaus die Mehrzahl verkamen hier, denn
die Fundsttten waren sehr bald Lasterhhlen jeglicher Art.

Im Vaalflusse werden die Diamanten in dem _angeschwemmten_ Gerll
(Partien im Flubette wie im Thale oder im Gerll an den hheren
Thalpartien) gefunden. Dieses Gerll besteht aus Grnsteinblcken,
welche schne mandelartige Chalcedons und Achate, bald bis faustgro und
milchquarzartig, bald rosa- oder carminroth und zahlreich und klein,
bald bluliche und gelbliche, kleine und grere einschlieen, und
welches Gestein als Vaalgestein namentlich die Strecken von Bloemhof
bis Hebron bedeckt, ferner aus Bruchstcken der die Gegend von Hebron
bis zur Hart-River-Mndung, doch auch die meisten Hhen in der stlichen
Cap-Colonie, dem Oranje-Freistaat und Griqualand-West charakterisirenden
Trap-Dykes, aus ausgewaschenen mannigfarbigen greren und kleineren
Achatstcken, Milchquarz- und Thonschieferfragmenten, titaneisenhaltigem
Sand und zahlreichen, frher fr Rubin und Granaten gehaltenen Pyropen
(letztere in kleinen, Hirse- bis Maiskorn groen Stckchen vorhanden),
auch Bruchstcke des die Gegend zu beiden Seiten des Vaalflusses, doch
nicht im unmittelbaren Thale, bedeckenden Kalkgesteins, in dem ich
jedoch keine Fossilien nachweisen konnte.

Die Diamantengrber holten das diamantenhaltige Gerlle aus den ihnen
von der Behrde oder nach Uebereinkunft abgesteckten Gruben Claims,
fuhren bis zum Flusse herab, um es durch Sieben von den grberen
Steinstcken zu befreien, und dann in einfachen, 2-4 Fu lange, 1-1
Fu breite Wiegen Craddles zu waschen, worauf dann im feinen und von
dem Lehmgrund befreiten Rckstand nach den Brillanten gesucht wurde. Man
fand kleine Steine, selten einen greren, doch die meisten waren
schne, weie und reine, sogenannte Glassteine, so da man seither
die schnsten und werthvollsten der in den beiden anderen
Diamanten-Districten vorgefundenen Brillanten als wahre
River-(Flu-)Stones bezeichnet.

Von den genannten Stdten und Stdtchen der River-Diggings hat sich nur
Klipdrift als der Sitz der Obrigkeit und kleine unbedeutende
Handelsstation--das jedoch als solche Hoffnung hat, wieder zu
gewinnen--als nennenswerth erhalten, mehrere massive, zur Zeit seiner
Blthe aufgefhrte Gebude weisen noch auf seine frhere Bedeutung hin.

Der zweite und bis jetzt der wichtigste Diamanten-District ist der von
mir The Central-Diggings oder frher die Dry-Diggings benannte; es ist
Kimberley mit seiner Umgebung aus vier Fundorten in zwei Gruppen
bestehend, die nordwestliche Gruppe, die Kimberley und das damit an
seiner Ostseite zusammenhngende Old de Beers, und die stliche, welche
Dutoitspan und das sich sdlich und westlich daran schlieende
Bultfontein in sich begreift. Die letztere Gruppe liegt von Kimberley
zwei, von Old de Beers etwas ber eine englische Meile, und Kimberley
selbst circa 22 englische Meilen von dem oberwhnten Klipdrift in
sdstlicher Richtung entfernt. Der wichtigste der vier genannten
Diamanten-Fundorte ist Kimberley; hier werden die meisten Diamanten in
allen Qualitten, sowie reiner Krystallbildung gefunden, Dutoitspan ist
durch seine zahlreichen groen, hell und bis in's weingelbe spielenden
gelblichen und Bultfontein durch seine kleinen, aber schnen den
Riverstones ebenbrtigen Brillanten bekannt.

Diese vier, die Central-Diggings bildenden Niederlassungen stellen aus
Segelleinwand, aus Brettern, aus galvanisirtem Eisenblech, auch (in der
Minderzahl) aus gebrannten und ungebrannten Backsteinen und einige
wenige aus Trapdykes (Gebirgsformation) errichtete Stdte dar, in deren
Mitte sich Krater und muldenfrmige Vertiefungen befinden--die
jeweiligen Diamantengruben. Diese Niederlassungen liegen auf einer schon
von Osten und Sden in einer Entfernung von etwa neun englischen Meilen
von Hhenzgen begrenzten und durch eine unmerkliche Bodenerhhung in
zwei Abschnitte gesonderten Ebene. Diese steinige Erhebung the rise
scheidet auch die beiden oberwhnten Gruppen von einander.

Die Diamantengruben haben 45-200 Fu Tiefe, 200-760 Schritte im
Durchmesser; sie heien Diggings oder Kopjes und jede ist in eine
Anzahl Quadrate oder Parallelogramme, 10 Fu breit und 30 Fu lang, oder
30 Fu lang und 30 Fu breit (dies war die ursprngliche bliche Gre
derselben) in Claims eingeteilt. Ein Digger (Grber) kann einen oder
mehr, bis zu 20 solcher Claims besitzen, allein er mu sie bearbeiten
und monatlich eine gewisse, in der Regel 20 fl. bersteigende Grund- und
Wassersteuer (fr das Herauspumpen des Wassers) an die Regierung und den
Mining-Board (ein Ausschu von Diamantengrbern, der ber die Interessen
derselben wacht) entrichten; in Dutoitspan und Bultfontein gesellt sich
hierzu noch die Abgabe an den Proprietr, d.h. die Eigenthmer der
Farmen, whrend in der anderen Gruppe Kimberley und Old de Beers die
Regierung dieses Eigenthumsrecht von der Firma Ebden & Co. erstanden
hat.

Ich halte diese Gruben fr Oeffnungen von Schlammkratern, glaube aber
nicht, da diese vier Diggings sich von einem gemeinschaftlichen
Kraterkanale abzweigen, nur die in Old de Beers und Kimberley zu Tage
gefrderten Steine zeigen eine gewisse Aehnlichkeit und geben der
Vermuthung Raum, da diese beiden Diggings unterirdisch communicirende
Kraterbecken sind. Was die River-Diggings anbetrifft, so glaube ich, da
irgendwo in der Nhe des Flubettes oder vielleicht an seinem Rande,
doch oberhalb Bloemhof, sich eine oder mehrere Kratermndungen befanden.

[Illustration: Die Kimberley-Kopje im Jahre 1871.]

Die Jahre 1870 und 1871 waren die Glanzperiode der Diamanten-Diggings,
waren jene Zeit, wo es vorgekommen ist, da sich zuweilen ein
bermthiger Digger mit einer Fnfpfund-Note seine kurze thnerne
Tabakspfeife anzndete, und wo es einem rztlichen Gehilfen mglich war,
1100  in sieben Monaten zu verdienen. Man kann nicht sagen, da die
Ausbeute gegenwrtig geringer sei, allein die Steine sind seit 1871
stetig im Werthe gesunken, und so werden die Einnahmen die gleichen
geblieben sein; dagegen haben sich die Auslagen mehr denn verzehnfacht
und trotz des Sinkens der Preise hat sich der Werth der Gruben bedeutend
erhht. Bei der Entdeckung der Kimberley-Kopje konnte man fr 10  einen
Voll-Claim von 900 Quadrat-Fu Flche erlangen, freilich hatte man die
bloe Oberflche der Kopje vor sich, gegenwrtig ist man bis 200 Fu
tief gegangen und der Werth mancher der reicheren Gruben ist 12- bis
15.000  Sterling. Diese Thatsache beweist zur Genge, da sich die
Verhltnisse in den Diamantenfeldern nicht so verschlechtert haben, als
man es vielleicht erwartet htte, weil, wie an hnlichen stabilen
Goldgruben, das zgellose, gierige Rennen und Jagen nach pltzlichem
Reichthum einem besonnenen und erfolgreichen Streben nach Erwerb Raum
gemacht hat.

Man erkennt dies an Allem und berall. Die Regierungsorgane handhaben
mit Strenge und Unparteilichkeit die Gesetze, die socialen Verhltnisse
haben sich gebessert. Ein flchtiger Blick auf die Wohnhuser belehrt
uns darber. An Stelle der windschiefen, jeden Augenblick dem
Zusammensturz nahen Bretterbuden und Hartebeest-Huschen, nothdrftig
aus einigen mit Schilfrohr belegten, mit rother Thonerde und
eisenhaltigem Sand angeworfenen Pfhlen bestehend, finden wir jetzt
solide Eisen- und Ziegelhuser erbaut, deren innere Einrichtung den
verfeinerten Bedrfnissen ihrer Bewohner entspricht, whrend die
frheren Hausgerthe des Diamantengrbers von ehemals sich kaum noch in
einer Rumpelkammer vorfinden oder hchstens als Curiositt auf den
Morning Market erscheinen drften; die Zelte, die hufigste Behausung
des Diggers in frheren Jahren, werden jetzt zu 95 Percent nur noch von
den schwarzen, gemietheten Grubenarbeitern bewohnt.

Wie ich schon erwhnt, haben sich die Verhltnisse im Allgemeinen,
sowohl jene fr die Sicherheit der Person und des Eigenthums, als auch
die gesellschaftlichen und endlich die Beziehungen zu anderen Staaten
bedeutend und wesentlich zum Vortheile der Colonisten gebessert. Es
besteht jetzt dort, wo frher ziemliche Willkr herrschte, wo man sich
nicht viel um behrdliche Verfgungen und Anordnungen gekmmert und die
wenigen bestehenden respectirt hatte, eine feste, zielbewute Regierung.
Ihre Aufgabe ist keine leichte; denn auf der kleinen Flche, welche die
Central-Diggings bedecken, sind die verschiedensten Elemente, Vertreter
aller Eingebornenstmme Sd-Afrika's zusammengewrfelt. Die
gesellschaftlichen Verhltnisse gleichen jenen in einem civilisirten
Staate, trotzdem da hier die Eingebornenfrage Schwierigkeiten bereitet,
die ein europischer Staat nicht kennt und alle Industrie-Erzeugnisse,
deren sich die Civilisation nicht entschlagen kann, hunderte von Meilen
weit hergeschafft werden mssen.

Im Laufe der Jahre nahm der Betrieb des Diamantensuchens immer
complicirtere Formen an; in den Jahren 1870 und 1871 schafften die
Digger die Erde aus den in Parzellen getheilten Gruben mit Hilfe der als
Arbeiter verwendeten Eingebornen, meist Kaffern, Hottentotten und
Betschuanen heraus, ein oben am Rande der Grube in die Erde
eingelassener Pfahl, an welchen eine Holz- oder Eisenrolle befestigt
war, womit der diamantenhaltige Grund in Eimern mit den Hnden
herausgezogen wurde, war der ganze Apparat und galt fr Gruben mit
senkrechter Wand; da, wo sie mehr oder weniger geneigt, oder wo man etwa
100 Schritte weit her, ber andere Arbeitende hin den Grund herausheben
mute, schlug man unten in der Grube einen, oben drei Pfhle ein,
zwischen zweien bewegte sich ein Holzcylinder von 2-3 Fu Durchmesser
oder ein groes Rad; ein oder zwei Eingeborne setzten dieses auf beiden
Seiten mit Drehkurbeln in Bewegung, so da sich an demselben das Seil
ab- und von demselben aufrollte, und die mit Grund gefllten oder
leer nach abwrts laufenden Eimer befrdert wurden. Von dem dritten
Pfahle lief ein Hanfstrick, ein starker Eisendraht oder ein schwaches
Drahtseil zu dem in der Grube eingeschlagenen Pfahle und an diesem
bewegten sich zwei eiserne mit einer Rinne versehene Stbchen, welche
ein mit einem Haken zur Aufnahme des Eimers versehenes Eisengestell
trugen. Spter als die Gruben etwas tiefer wurden und namentlich die
Digger ihren Besitz auf mehrere Claims erweiternd, grere Mengen der
diamantenhaltigen Erde, und weil sie mit greren Kosten arbeiteten,
auch in krzerer Zeit herausholen wollten, wandte man zur Erleichterung
dieser Arbeit hlzerne Frdermaschinen an, welche mittelst Pferdekraft
in Bewegung gesetzt wurden. Von diesen sind gegenwrtig noch viele gang
und gbe, allein die reichen Grubenbesitzer, sowie die in neuerer Zeit
gebildeten Gesellschaften haben bereits zu Dampfmaschinen ihre Zuflucht
genommen.

[Illustration: Frdermaschinen in den Diamantengruben.]

Am besten konnte man dies an der Kopje zu Kimberley bemerken. Da diese
den kleinsten Rauminhalt hat, allein, weil die reichste, die meisten
Diamantengrber zhlt, war es diesen nicht mglich, ihre in der ersten
Zeit mit Handarbeit betriebenen Aufzge nebeneinander aufzustellen.
Deshalb wurden riesige Gestelle aus schwedischen Fichtendielen
errichtet, diese in drei Stockwerke getheilt, und so drei Aufzge
bereinander auf einer Flche von etwa 2 Quadrat-Meter errichtet. Diese
Gestelle standen in Gruppen, von welchen jede 18-30 Diggern das
Heraufholen der Diamantenerde ermglichte. Gegenwrtig ist der
dammartige Rand der Grube von groen durch Pferdekraft betriebenen
Frdermaschinen und aus England eingefhrten Dampfmaschinen bedeckt;
auch ist es jetzt nicht mehr gestattet, den diamantenhaltigen Grund nahe
an der Ausholungsstelle zu sortiren, wie es frher geschah, und viele
Unannehmlichkeiten zur Folge hatte. Der Besitzer mu ihn auf seinen
Grund und Boden oder auf eine dazu auerhalb der Stadt gemietete Stelle
verfhren, um ihn zu durchsuchen. Die letztere Prozedur ist gegenwrtig
auch viel schwierigerer Natur.

[Illustration: Kimberley.]

Frher wurde die diamantenhaltige Erde mit Hilfe verschiedener Siebe von
den grbsten Bestandtheilen befreit, dann der feinere Rckstand auf
einen flachen Tisch ausgeschttet und mit Hilfe eines Eisenblechstckes
oder eines kleinen Holzbrettchens sortirt. Bei einem solchen Verfahren
konnte man aber viele, namentlich kleine Steine bersehen, so da der
frher schon durchsuchte Boden um die Kimberley-Kopje als
diamantenhaltig verkauft wurde und als solcher die Mhe des Kufers
reichlich lohnte. Man bedient sich (unbemittelte Diamantengrber durch
Handarbeit in Bewegung gesetzter, wohlhabendere mit Pferdekraft
getriebener, von den bedeutenderen Claimbesitzern auch mit Dampfkraft
bewegter) complicirter Waschmaschinen, in denen die diamantenhaltige
Erde von ihren lehmigen Bestandtheilen befreit, blos die krnerartigen
Steinchen zurcklt, welcher Rckstand, nochmals in Wasserfsser
geworfen, die letzten ihm noch anhaftenden erdigen Bestandtheile
verliert, gewhnlich allabendlich mit Sieben herausgeschpft, etwas
durchgeschttelt und dem Aufseher oder Claimbesitzer zur Ansicht auf
eine Tafel vorgelegt wird. Finden sich Diamanten in der Lage, so sinken
sie bekanntlich unter dem krnigen kleinen Gestein der diamantenhaltigen
Erde als die schwereren Krper bis an das dichte Drahtnetz des Siebes,
so da sie beim Umstrzen des Inhaltes des letzteren obenauf zu liegen
kommen, und gleich in's Auge fallen.

Im selben Mae aber als das Betriebsverfahren und die hierbei
verwendeten Maschinen verbessert wurden, stiegen auch die Kosten
desselben. Zur Zeit erfordert das Diamantengraben schon eine ziemlich
ansehnliche Capitalsanlage, dadurch ist auch der Betrieb ein ruhiger und
geschftsmiger, das Heer der Glcksjger bedeutend gelichtet worden,
auch die Gesetze, welche das Diamantengraben behandeln und die Rechte
der Digger sowie jene der Diamantenhndler schtzen, sind geregelter
geworden.

Unter der Bevlkerung der Diamantenfelder sind namentlich die
Diamantengrber, die Diamantenkufer, The Diamond-buyers oder
merchants und die Kaufleute im allgemeinen stark, die Kanteenkeeper
(Besitzer von Localen, in denen blos Spirituosen verkauft werden)
zahlreich vertreten. Bei der groen Menge der schwarzen Diener und dem
Werthe des gesuchten Artikels ist es leicht erklrlich, da
Veruntreuungen, namentlich von Seite der Eingebornen hufig vorkommen
und in raffinirtester Weise ausgefhrt werden, zur Steuer derselben
wurden sowohl gegen die Verkufer als auch Kufer verheimlichter und
veruntreuter Steine drakonische Gesetze erlassen. Nebstdem wurde ein
eigenes Detectiv-Korps errichtet, welches zur Suberung der
Diamanten-Districte von den diese Gesetze noch umgehenden Elementen
beitragen soll. Die dagegen Handelnden werden mit Gefngnistrafe
(verbunden mit hard labour, d.h. schwerer Arbeit auf ffentlichen Orten)
mit Geldstrafen bis zu 300 und 500  St. und in manchen Fllen mit
krperlichen Strafen (der neunschwnzigen Katze) belegt.

Der Anblick, der sich uns bietet, wenn wir eine der greren
Diamantengruben von dem Kamme der ringsherum aufgetrmten Thonwlle aus
betrachten, ist ein so seltsamer, da Worte kaum hinreichen, ihn
naturgetreu zu beschreiben. Die Kopje lt sich zutreffend mit einem
groen Kraterkessel vergleichen, der vor der Abarbeitung bis zum Rande,
an dem wir stehen, mit vulcanischen Auswurfstoffen, hier der grnen, aus
zerfetztem Tuff begehenden, brckligen, diamantenfhrenden Erde
ausgefllt war, nunmehr aber tief ausgehhlt ist. Die zu ungleicher
Tiefe abgebauten viereckigen Claims fllen nun diesen groen
Kraterkessel mit einer chaotischen Menge von Erdmassen, die hier als
Pfeiler, Thrme, Plateaus, dort als Schchte, Wlle, Grben, Treppen
erscheinen, und es bedarf keiner erregten Phantasie, um in diesem
Labyrinth sich das Bild einer vor Jahrhunderten versunkenen, nunmehr
aber an das sonnige Tageslicht hervorgezauberten Stadt zu
vergegenwrtigen, namentlich aber in der Abenddmmerung oder gar wenn
des Vollmonds fahles Licht die Tiefen durchfluthet.

Die Illusion wird jedoch zerstrt, wenn unser Auge das lebhaft
pulsirende Leben, die geruschvollste, emsigste Thtigkeit am Grunde
dieses tiefen, dunklen Kessels erblickt, und sich uns der Vergleich mit
einem zerstrten Ameisenhaufen unwillkrlich aufdrngt. Die unabsehbare
Menge von Drahtseilen, die den Raum ber dem dunklen Grunde wie mit
einem riesigen Spinngewebe berzieht, an denen, glnzenden Knoten
gleich, die zahllosen Frdereimer auf- und abrollen, verwirren die
Sinne, dazu vermag das Ohr des Fremden das Gerusch der zahlreichen
knarrenden Winden, das Summen der Drahtseile, das Getse fallender
Massen, alles noch bertnt von dem Rufen, Singen und Schreien der
Arbeiter und von dem Klappern der das Wasser aus den Gruben entfernenden
Saugpumpen auf die Dauer nicht zu ertragen. Fast betubt verlassen wir
diese, ein neues Weltwunder bergende Sttte.

Bevor ich diese in allgemeinen Zgen gehaltene Skizze der
Diamantenfelder beschliee, will ich noch einiger eigentmlicher
Scenerien des Straenlebens in den Stdten der Diamantenfelder gedenken.
Vor Allem sind es die tglich mit Ausnahme Sonntags auf dem Markte zu
Dutoitspan und Kimberley abgehaltenen _Morning-markets_ (ffentliche
Auctionen). Ein von der Regierung angestellter _Morning-master_
(Auctionr), der jedoch auch Privatauctionen abhalten kann, versieht
dieses, wenn auch die Lunge ber die Zutrglichkeit anstrengende, dafr
aber sehr lucrative Amt. Dieser alltgliche Morgenmarkt bietet ein
hchst interessantes Schauspiel. Der ganze, von eisernen und leinenen
Husern umgebene, ungepflasterte Marktplatz ist in den Morgenstunden von
6-8 Uhr mit einer fast unabsehbaren Masse der bekannten Ochsenwagen
frmlich bedeckt, die Mehl, Frchte, Gemse, Kartoffeln, Mais, Schlacht-
und Federvieh aller Art, aber auch Brennholz, Fourage, Schilfrohr zur
Bedachung u.s.w. zufhren. Der Verkauf geschieht ausschlielich durch
Auction. Von dem Markterls erhlt der Staat 5 Percent, der Marktmeister
2 Percent. Die Preise der Waaren sind ungemein schwankend und hngen
ganz von der Gre der Zufuhr ab, der Preis eines Sackes Kartoffeln
schwankte auf dem Markte in Kimberley zwischen 15 Shillingen und 3 bis 4
 St.

Auer diesen _Morning-markets_ werden noch an allen Orten und Ecken mit
Ausnahme der Feiertage, in dazu errichteten Hallen, sowie Abends in den
Cantinen ffentliche Versteigerungen von Privatsachen sowie anderer
sonst unverkuflicher Geschftsartikel abgehalten. Um die Kauflust
anzufachen, wird auf riesigen Plakaten nebst den zur Veruerung
gelangenden Artikeln hervorgehoben, da whrend der Versteigerung
liquors gratis an das kauflustige Publicum abgegeben werden.

Die Mehrzahl der Cantinen waren die ersten Jahre hindurch zumeist nur
wahre Lasterhhlen und bildeten eine der traurigsten Schattenseiten der
Diamantenfelder; in letzterer Zeit macht sich indessen eine starke
Abnahme dieser Locale bemerkbar. Die hie und da in den Straen oder am
Rande der Niederlassungen errichteten hohen Ziehbrunnen mit dem sie
umkreisenden bunten Gewirre sind eine andere Specialitt. Das
Heraufziehen der Wasserkbel wird von Kaffern oder Pferden besorgt, das
Wasser aber verkauft. Hunderttausende von Gulden werden jhrlich in den
Central-Diggings fr dieses so notwendige, namentlich auf den
Sortirpltzen unentbehrliche Element verausgabt.[1]

    1: Zum Betriebe der Waschmaschinen und weil der diamantenhaltige
    Grund aus den Kimberley-Gruben erst lngere Zeit der Atmosphre
    ausgesetzt und mit Wasser benetzt werden mu, bevor er
    waschungsfhig ist. Gegenwrtig ist man darauf bedacht, die
    Grubenstdte aus dem etwa 15 Meilen entfernten Vaalflusse mit Wasser
    zu versorgen.

An Vergngungen und Belustigungen fehlt es in den Diamantenfeldern
keineswegs, dem Freunde lrmender Schauspiele bieten sie sich im
Theater, auf Bllen u.s.w., wenn auch die Kosten solcher Vergngungen
exorbitante sind; wer zurckgezogen bleiben will und hier nur die
Gelegenheit sucht, sein angelegtes Capital rasch zu verdoppeln oder
berhaupt Ersparnisse zu machen, findet in den zwischen Kimberley und
Old de Beers angelegten ffentlichen Grten manche Zerstreuung. Wie
inde in den californischen Goldgruben ist auch hier Alles, selbst die
luxurisesten Dinge--allerdings zu fabelhaften Preisen--zu haben. Die
hohe Fracht von der Kste bis hierher vertheuert eben alle Artikel
europischer Industrie in ungewhnlichem Mae, besonders gilt dies von
Metallartikeln, Maschinenbestandtheilen, Holzarbeiten u.s.w.

Unter den Unannehmlichkeiten, welche der Aufenthalt in den
Diamantenfeldern mit sich bringt, sind die Unbilden des Wetters
hervorzuheben, namentlich die in der trockenen (Winters-) Jahreszeit
tglich daherbrausenden Staubstrme, welche eine den Athmungsorganen,
Augen und Ohren wenig zusagende, mit allem mglichen Unrath gemischte
Atmosphre erzeugen, in die Huser dringen und hier in kurzer Zeit Alles
verderben. An meisten jedoch leiden jene unter dieser Unbill des
Wetters, welche den Tag ber unausgesetzt in den Diamantengruben
arbeiten, oder sich als Karrentreiber etc. in den Straen bewegen
mssen.--Wird dann das Land im Sommer, whrend der Regenzeit, von
heftigen Regengssen berfluthet, wo sich die am Sdende von Dutoitspan
in einer 1/8 englischen Meile im Durchmesser haltenden Bodenvertiefung
befindliche groe aber seichte Brackpfanne (einer der bekannten,
seichten, jhrlich austrocknenden Salzseen) oft in einem Tage fllt, so
werden die Straen so sehr aufgeweicht, da es namentlich bei dem regen
Verkehr in Kimberley kaum fr den Fugnger mglich ist, sie zu
passiren. Die neue Munizipalitt war jedoch bemht, diesem Uebelstande
abzuhelfen, indem sie Abzugscanle herstellen und die Straen schottern
lie.

Wir nehmen nun vorlufig von den Diamantenfeldern Abschied, ich werde
jedoch noch wiederholt Gelegenheit finden, manch' interessante Episoden
und Scenen aus dem socialen Leben daselbst zu schildern.

Ich will nun noch eines dreitgigen Jagdausfluges gedenken, den ich in
Gesellschaft von Pavianjgern zur Weihnachtszeit des Jahres 1872 von den
Diamantenfeldern aus nach den nahen Hhen im westlichen Theile des
Oranje-Freistaates unternahm.

Nachdem ich meine Patienten besucht und ihren Zustand derart gefunden
hatte, da ich sie auf einige Tage verlassen durfte, brach ich am ersten
Weihnachtstage in den ersten Stunden des Nachmittags bei einer wahrhaft
tropischen Hitze von Dutoitspan auf, um mich mit der Thierwelt der den
Horizont im Osten begrenzenden Hhen im Oranje-Freistaat bekannt zu
machen. Welch' groer Contrast zwischen jetzt und einst! Unwillkrlich
stieg die Erinnerung an die in der Heimat verlebten Abende der
Weihnachtszeit vor meiner Seele auf; anstatt in der gemtlichen, warmen
Stube die Feier des Tages zu begehen, schritt ich jetzt unter
afrikanischer Sonnengluth dahin, ohne durch irgend etwas an die Weihe
des Tages gemahnt zu werden. In meiner Gesellschaft befanden sich ein
junger deutscher Kaufmann, der hier mehr als in der Heimat zu Ausflgen
Mue fand, ein junger Pole aus Posen, den sein Hang zum Abenteuerlichen
nach den Diamantenfeldern verschlagen hatte, und ein Fingo, der mit den
Reise-Utensilien beladen, die Wohlthat eines Dampfbades im Freien zu
genieen verurtheilt war. Ich und der junge Pole waren jagdgerecht
bewaffnet.

Wir zogen anfnglich ber eine mit niedrigen, kaum 12-18 Zoll hohen
Zwergbschen (Scapbusch) bewachsene Ebene, auf welcher nur hie und da
die tiefer liegenden Einsenkungen das saftige Grn eines Rasens, die
hheren mit Felsblcken beseten Partien hohes Gras zeigten, die weite
Flche war von einem ungezhlten Heere von Insecten bevlkert,
unter welchen uns verschiedene, schn gefrbte Species von
Heuschrecken--manche mit hervorgehenden stacheligen Schildern wie
gewappnet--in dichten Schaaren die Milkbsche (Euphorbiacea) occupirend,
besonders auffielen.

Die 2-3 Zoll langen Thiere mit ihrem walzenfrmigen Krper, hell bis
dunkelgrn gefrbten und roth umsumten Flgeldecken saen in groer
Menge trge an den Bschen und fielen bei der Berhrung anscheinend todt
zur Erde nieder. Bei dem groen Heere ihrer Feinde aus der gefiederten
Welt (vom Adler bis zur Wildgans herab) fiel mir ihre Menge und
Verwegenheit, sich auf die exponirtesten Stellen der Bsche zu wagend
schon auf meiner Reise von Port Elizabeth nach den Diamantenfeldern auf,
hier wurde mir das Rthsel durch mein Geruchsorgan gelst. Diese
Heuschrecken sondern nmlich einen uerst penetranten und
belriechenden Saft aus, von dessen Parfm wir uns nur mit Mhe nach
lngerem Reiben der Hnde mit Sand befreien konnten. Auer diesen
Heuschrecken fanden wir mehrere Kferarten--einige Sandkfer, zwei groe
Laufkfer und an den Bschen in schnen metallisch schillernden Farben
prunkende Blattkfer. Die artenarme und von der Sonnengluth gedrrte
Vegetation erklrte uns den Mangel an Tagfaltern, deren Stelle
zahlreiche Mottenarten einnahmen.

Von Vierflern beobachteten wir nur ein hellrothes Scharrthier
(Rhyzaena) und ein Erdeichhrnchen mit seinen Gesellschaftern, den
groen Spitzmusen, am Rande ihrer unterirdischen Bauten hoch auf ihren
Hinterfen aufgerichtet und neugierig die Ankommenden anblickend. Das
Scharrthier leise knurrend, die Eichhrnchen mit einem schrillen Pfiff,
verschwanden bei unserer Annherung.

Von Vgeln fiel uns der bekannte, kleine sdafrikanische
dunkelgefiederte Steppenstaar auf, der sich auf die zahlreichen
Termitenhaufen schwingt oder die Spitzen vereinzelt stehender
Dornenbsche aufsucht und neugierig den Fremden zu mustern scheint. Er
ist ein dreistes und munteres Thierchen, welches oft die verlassenen
Hhlen der Scharrthiere und Erdeichhrnchen bewohnt, und sich, wenn
verfolgt, namentlich aber wenn verwundet, dahin flchtet.

[Illustration: Kaffer, Schafe htend.]

Nach etwa 1stndigem Marsche befanden wir uns am Rande einer jener
kleinen viereckigen Pfannen, welche den Charakter der greren,
Sd-Afrika namentlich in seiner Lngsachse charakterisirenden, seichten
Salzseen zeigten. Nahe dabei befand sich (die Salzpfanne war trocken)
eine kleine mit grnlichen. Wasser gefllte Regenlache, deren Inhalt mit
einem Lffel Brandy gemischt, geniebar war. Wir trafen hier auch
einen Schafe hirtenden Kaffer, der, nachdem wir durch ein Stckchen
Tabak seine Zuneigung gewonnen, uns ber die weiter nach Osten liegenden
Farmen belehrte; die sogenannte Krichofarm (auch _Kuudu-place_ genannt)
war die Stelle, die wir uns zu unserem Feldlager ausersehen hatten. Von
hier wollten wir dann unsere Ausflge nach den Hhen unternehmen.

Gegen Abend erreichten wir die ersten von Sden nach Norden sich
erstreckenden Auslufer der Freistaathhen. Die Vegetation war hier
schon ppig, wir fanden zahlreiche Bsche und die von den
Diamantenfeldern als dunkle Punkte sichtbaren Stellen entpuppten sich
uns als Kameeldornbume, deren breite niedere Kronen und groe, flache,
graubewollte Samenschoten ihren Mimosen-Charakter verriethen. Seit der
Zeit sind schon die meisten der Axt zum Opfer gefallen und in den
Diggings zu Asche verwandelt worden. Was uns an diesen Bumen, die bis
zu zwei Schuh stark, den knorrigen Stamm mit dunkelgrauer zerrissener
Rinde bedeckt, ein sehr hartes Holz liefern, auffiel, waren ihre bis
drei Zoll langen und oft an ihrer Basis fingerstarken, je paarweise
sitzenden, doch mit den Spitzen divergirenden Dornen und die an ihnen
hngenden Vogelnester, von denen wieder zwei besonders erwhnenswerth
waren. Es waren dies die Nester einer kleinen Kolonie von
Siedelsperlingen (_Philetaerus socius_). Die Bauart dieser Nester ist
eine hchst merkwrdige; haben diese Bienenflei entwickelnde Thierchen
ein geeignetes Stmmchen gefunden und den Bau ihrer Nester begonnen, so
verfertigen sie gemeinschaftlich das allen dienende Dach. Jedes Prchen
baut sein eigenes Nest aus trockenem Gras und bedacht es, aber eines so
dicht neben dem andern, da man nur ein einziges von einem groen, 2-5
Fu Durchmesser und 1-3 Fu Hhe haltenden Dache bedecktes Nest
erblickt, zu dem von unten unzhlige kreisrunde Lcher fhren. Oft
brechen die unter der Last dieser Nester sich biegenden Aeste, deren
Kronen ber das kegelfrmige und steil abschssige Dach herausragen.
Obgleich die Eingnge zu diesen Nestern sich an der unteren Seite
befinden und man doch denken wrde, da die munteren Thierchen durch ihr
abschssiges Dach nicht nur gegen Regenschauer, sondern auch gegen ihre
Feinde geschtzt wren, ist dies doch nicht der Fall; ich beobachtete,
da sich namentlich grere Schlangen, wie die Cobras, daran wagen, und
habe selbst einige Jahre spter einen solchen Ruber an einem Baume auf
der Oliphantfontein-Farm erlegt, als er sich in einem Nestbau dieser
Siedelsperlinge verkrochen und Verderben unter seinen Bewohnern
angerichtet hatte. Die Vgel, welche die Schlange im Neste berraschte,
waren von ihr gebissen und die Leichen herausgeworfen, die Jungen und
die Eier verschluckt und die aufliegenden Eltern durch Fauchen
verscheucht, die Muthigeren durch Bisse getdtet worden. Da ich durch
einen Schu nicht die vielleicht noch lebenden Jungen in den Nestern
tdten wollte und auch nur den Schwanz der Schlange sah, brachte ich sie
durch einen wohlgezielten Steinwurf zur Erde, um dann der davon Eilenden
mit einem Doppelschusse den Garaus zu machen.

Am Abend nachdem wir die Auslufer der felsigen Hhen erreicht hatten,
befanden wir uns auf einer bis zu den gegenberliegenden, etwa drei
englische Meilen entfernten Hhen reichenden Grasebene. Unter einer
nahen felsigen Erhebung standen zwei Zelttuchhuschen, in denen ein
Eingeborner eine kleine Cantine hielt, ein Beweis, da wir auf den von
den Diamantenfeldern nach dem Freistaate fhrenden Weg gestoen waren.
Aus einer nahen umfriedeten und bebuschten Stelle schlug das Meckern
einiger Ziegen an unser Ohr.--Ein Geschenk von einigen sterreichischen
Zigarren billiger Sorte zauberte auf das Gesicht des Cantinenwirthes ein
freundliches Lcheln und rief in seiner Seele eine wohl seltene
Anwandlung von Freigebigkeit wach, denn als Gegendienst bewirthete uns
der krauskpfige Schwarze mit Brandy, denselben vorsichtig in kleinen
Glschen credenzend. Ein befriedigendes Schmunzeln, mit dem er wieder
in's Huschen zurcktrat, berzeugte uns, da er sich nicht zu viel
zugemuthet und sein Vorrath an Brandy durch die eben bewiesene
Gastfreundschaft nicht sehr gelitten hatte. Die Freigebigkeit unseres
Wirthes brachte auch das Gesprch etwas in Flu und bald zeigte er sich
noch freigebiger, als er erfuhr, da ein Farmer, den ich in den
Diamantenfeldern behandelt hatte, und den er kannte, auf der Krichofarm
wohne. Er glaubte wohl sich seinem Freunde erkenntlich zu zeigen, wenn
er dessen Arzt in seinem kleinen Heim bewirthete. Seinen uns
anstaunenden, im tiefen Neglig und barfu erschienenen Kindern
bedeutete er, den Fremden eine Christmaboox zu bieten. Wir alle
verstanden jedoch nicht, was er damit meine, bis die beiden greren
Knaben, mit drei Tassen schwarzen, duftenden Kaffee's und einem Teller
Kuchen erschienen, eine Gabe, die von uns dankbar angenommen wurde. Nach
dem Kaffee lud uns unser Wirth ein, die Nacht in seinem Huschen
zuzubringen, doch ich wollte noch desselben Tages an Ort und Stelle sein
und so dankten wir herzlich fr die Christmaboox und die Bewirthung und
setzten durch tiefen Flugsand watend, unsern Weg fort. Es war dunkel und
deshalb gewagt, quer durch das hier dicht bebuschte Thal zu schreiten,
das viele Schlangen zu beherbergen schien.

[Illustration: Trunk aus einer Sumpflache.]

Spt Abends langten wir bei der Krikofarm an, ich entschlo mich im
Freien zu bernachten, und da wir auch sehr durstig geworden waren,
folgten wir dem Schimmer eines kleines Wassers, der uns zu einem halb
ausgetrockneten Teich brachte, und whlten uns nahe an demselben eine
ebene Uferstelle zu unserem Nachtlager aus. Unser Nachtimbi war bald
fertig, die tagsber erlegten rothfigen Kibitze, sowie einige kleinere
Trappen (eine von den Boers Patluperken genannte Art) mundeten nicht
minder wie eine Tasse Thee, zu welcher wir das Wasser aus dem Teiche
genommen hatten; bei Tage htte uns wohl nur der peinlichste Durst dazu
gebracht, dieses Wasser zum Munde zu fhren, denn es schillerte im
Feuerschein in allen Farben des Regenbogens und wurde selbst von den
Rindern der Farm verschmht.

Whrend wir um das Feuer sitzend die Erlebnisse des Tages besprachen,
wurden wir durch den Besuch dreier Korannas beehrt. Vom Feuer angelockt,
waren sie von dem etwa 100 Schritte entfernten Farmhause herangekommen
und mochten uns wohl fr arbeitsuchende Basutos (ein im Westen vom
Oranje-Freistaat wohnender Eingebornenstamm) halten, die sich hier ein
Nachtlager ausgesucht. Sie wunderten sich nicht wenig Weie hier
campiren zu sehen. Bald nachdem uns die neugierigen Besucher verlassen
und das Geklffe der Farmhunde verstummt, herrschte in unserer Umgebung
tiefe Stille, nur durch das monotone Zirpen einer kleinen Grillenart
unterbrochen. Nach so vielen in der Staubatmosphre von Dutoitspan
verlebten Tagen waren wir froh, hier in frischer, gesunder Luft zu
athmen, und waren bald in tiefen Schlaf versunken.

Zeitlich des Morgens durchstberten wir die nchste Umgebung der Farm.
Dieselbe liegt in einem breiten Thale, in welches, nahe der Farm, einige
Querthler mnden, die von den isolirten Hgelketten gebildet sind.
Diese Hhen fallen ziemlich steil, oft sogar perpendiculr ab und zeigen
Riesenblcke der Trapdykes. Es that unserem Auge wohl, an den Abhngen
dieser Hohen eine ziemlich reiche Vegetation zu finden, selbst die
flachen Kuppen waren mit kleinen, baumartigen Mimosen bewaldet. Auer
einer Menge gestreifter Muse fanden wir keine Sugethiere, dagegen eine
Menge Turteltauben, Kibitze, Wiedehopfe, langschwnzige, wei und
schwarz gescheckte Wrger, die gemeinen braunen Aasgeier oben auf den
Felsen hockend, die von ihrem Unrath so wei getncht waren, da man
diese Stellen 15 englische Meilen weit erblicken konnte, ferner kleine
Rothfalken und schne braune Gabelweihen, uns die gnstigste Gelegenheit
bietend, unsere Jagdtasche zu fllen und den Mittagstisch mit manch'
leckerem Bissen zu versorgen. Auch unsere Spiritusflaschen fllten sich
mit Frschen, Chamleons, Eidechsen, riesigen Spinnen und zahlreichen
Insecten. Zu unserem Lagerplatz zurckgekehrt, trafen wir den Farmer.
Meine Frage, wie wohl den die Hhen bevlkernden Pavianen beizukommen
sei, lie ihn sehr gesprchig werden.

Hier, meinte er, hausen in der Nachbarschaft zwei Pavianheerden, eine
kleinere und scheuere geht in der Regel Vormittags in der nahen
Bergschlucht zur Trnke, die groe Heerde wagt sich tglich an den
zweiten Teich in unserer Nhe. Der Farmer klagte nun sein Leid ber die
Frechheit dieser Affen; sie waren eine groe Plage, denn kaum, da sie
durch ihre auf den Felsen ausgestellten Wachen entdeckten, da Feld und
Garten verlassen waren, so war die Heerde auch schon bald ber den Zaun
eingebrochen und der Garten verwstet, besonders schdlich aber wurden
sie den weidenden Schafen. Geschah es, da der htende Hirt auch nur fr
kurze Zeit eingeschlafen, oder die Thiere aus einem anderen Grunde
unbewacht blieben, so konnte der Farmer gewi sein, einige Lmmer mit
zerrissenem Krper zu finden. Die Paviane folgen den Thieren auf den
Hhen, whrend die Schafe im Thale weiden und strzen, sobald sie selbe
unbeschtzt sehen, auf sie herunter und reien mit ihrem furchtbaren
Gebi den Thieren den Bauch auf, um zu dem Milchinhalt des Magens zu
gelangen; haben sie diesen entleert, so lassen sie die zuckenden Krper
liegen, um dasselbe an anderen der blde hin- und herrennenden Lmmer zu
versuchen. (Ich fand dies spter oft besttigt.) Nun begriffen wir wohl
des Farmers zufriedenes Schmunzeln, als er unser Vorhaben, einige der
Thiere zu erlegen, erfuhr. Des Farmers Redseligkeit bewog mich, ihn ber
die weiteren Absichten bei dieser Jagd zu unterrichten, da ich gerne
einige schne Blge zum Ausstopfen und einige Kopfskelette erlangen
wollte. Diese Mittheilung machte ihn stutzen. Etwas hnliches hatte er
doch noch nicht vernommen _Allmachtag_ (Allmchtiger) _wat will ye
dun_?[1] und kopfschttelnd ging er zu seiner Frau, um ihr das
_wonderlijke_ Vorhaben des albernen Doctors mitzutheilen, der einen
_Babuin_ todtschieen und das Fell, ja sogar das Kopfskelett nach
_Duitsland_ schicken wollte.

    1: Das in der Regel von den Farmern gesprochene Hollndisch in
    Sd-Afrika ist nicht das reine Hollndisch, wie wir es in Europa
    hren, sondern ein Gemisch von vielen Sprachen, englisch,
    plattdeutsch, franzsisch etc., dagegen sprechen die gebildeten
    Hollnder der Capstadt, in Bloemfontein und in der Nachbarschaft
    anderer Stdte ein sehr reines Hollndisch.

Viele der Freistaatfarmer sind einfache, gute, oft wahrhaft herzensgute
Leute, denen nur die nthige Bildung fehlt, um sie als bestndige
Gesellschafter zu wnschen. Ich habe nie dankbarere Patienten gekannt
als sie.

Gegen die Mittagsstunde verlieen wir die Farm und brachen nach den
Felsenhhen im Osten derselben auf, um noch zur Trnkezeit der kleinen
Heerde auf dem Platze zu sein. Wir passirten einige von Korannas und
Basutos, Dienern des Farmers bewohnte Htten. Die Basutos kommen von
ihrem im Osten gelegenen Lande und verdingen sich mit ihren Frauen an
die Farmer, sie werden jhrlich mit einer bestimmten Anzahl von Schafen,
ein oder zwei Khen und Ochsen, hie und da auch noch mit einer Mhre
oder einem Fohlen bezahlt und bekommen nebstdem die nthige Nahrung;
auerdem wird ihnen gestattet, sich nach einem fruchtbaren Stck Land
umzusehen, wo sie sich Korn (Sorghum-Art), Mais, Krbisse, Tabak etc.
anbauen knnen. Auf meinen spteren Reisen beobachtete ich, da
namentlich wohlhabende Farmer, wie Mynheer Wessels, auf dessem Gebiet
auch jene auf unserem Marsche berhrte Cantine lag und dessen Farmen
einen Umfang von mehreren Meilen hatten, von welcher Flche aber nur
etwa 1/36 angebaut war, mehrere kleine Basutodrfer ihr eigen nennen,
deren Bevlkerung sich in der obbeschriebenen Weise auf mehrere Jahre
verdingt. Es sind meist mittellose Leute aus dem dicht bevlkerten
Basutolande am Caledon-River, welche durch jahrelange Trockenheit um
alle ihre Ernte-Erwartungen gebracht, genthigt waren, aus der Heimat
auszuwandern und gnstigere Gebiete aufzusuchen.

An der Bauart der Htten konnten wir sofort den ethnographischen
Unterschied zwischen beiden Stmmen deutlich wahrnehmen; whrend die
Htten der Basuto's, aus Baumsten in cylindrischer Form (circa 3 Meter
im Durchmesser haltend) gebaut und von einem kegelfrmigen Dache
bedeckt, das auf dnnen Pfhlen ruhte und mit drrem Grase berdeckt
war, hatten die Koranna's halbkugelfrmige Htten, welche aus drren
Aesten erbaut und mit Matten lose berdeckt waren.

Wir hatten die Ehre, von einer der schwarzen Damen gemustert zu werden;
sie war vor den Zaun getreten und blos mit einem grauen kurzen Kaliko
(Unterrocke) bekleidet. Stirn, Wangen und die Brste waren mit einem
blulich-schwarzen Ocker mit Wellenstrichen bemalt; an einer der
Korannahtten stand ein europisch gekleideter Mann, dem eben ein
ltliches Weib, ebenfalls in schmutzige europische Fetzen gekleidet,
aus der Htte einen mchtigen Feuerbrand brachte. Ich war neugierig, was
sie wohl damit thun wolle, und siehe, er blieb ohne eine Miene zu
verziehen, gleichgiltig vor sich hinstarrend stehen, die ltliche Frau
jedoch hob das brennende Holz, von dem eine wahre Rauchsule
emporwirbelte, auf, legte die glhende Spitze desselben sachte an ihres
Mannes kurze Pfeife, der nun mit seiner Rechten nachzuhelfen sich
bemhte. Hervortretend fragte ich nach dem besten Aufgang auf die Hhe
und erhielt von dem braungelben Phlegmatiker eine artige, meinem
Ansuchen entsprechende Antwort. Eine halbe Stunde spter erreichten wir
die Kuppe der Hhe, die eine mit Busch bewachsene, wellenfrmige, mit
Steinblcken besete Ebene bildete. Nachdem wir sie in ihrer Lnge von
Sden nach Norden durchschritten und uns der vom Farmer erwhnten
Schlucht genhert hatten, vernahmen wir von dem gegenber liegenden
Abhange derselben, etwa 300 Schritte vor uns, ein heiseres,
mehrstimmiges Gebelle. Hinblickend sahen wir sieben, darunter vier
erwachsene Paviane mit Sprngen die Hhe erreichen, auf der kleinen
Tafelebene noch einmal nach uns umsehen und dann wieder in einer weiter
rechts liegenden Schlucht verschwinden. Wir folgten ihnen rasch,
erkannten auch an den frischen Spuren am Boden der Schlucht, da sie
erst vor kurzem die Trnkstelle verlassen haben muten. Um nicht die
grere Heerde zu versumen, folgten wir der Schlucht, die in unser Thal
mndete, fllten auch unsere Waidmannstaschen mit einigen Taubenpaaren,
die am Feuer gerstet, uns einen guten Imbi lieferten.

[Illustration: Pavianjagd.]

Whrend wir beim Mahle saen, lieen wir alle unwillkrlich die Blicke
auf die zu beiden Seiten und vor uns liegenden Abhnge schweifen, um
vielleicht einen der gesuchten Vierfer zu ersphen, allein vergebens.
Da erscholl pltzlich ein lautes Geschrei von der Farm her, welches sich
uns zu nhern schien, allein bald verstummte. Gegen diese hin standen
hohe Mimosenbume, zwischen denen nur durch eine schmale Lichtung ein
Theil des Hauses sichtbar wurde, rechts von uns erhob sich der etwa 12
Fu hohe steinerne Damm des Teiches, an dessen Ufer wir campirt hatten,
so da uns von unserem Standpunkte aus der Blick ber die Ursache des
Geschrei's nicht belehren konnte. Scherzweise warf ich hin, da, whrend
wir uns hier gtlich thaten die Paviane wohl die Mittagszeit bentzend,
dem Farmer einen Besuch abgestattet haben konnten. Ich hatte kaum
ausgesprochen, als ich aufbringend auf die etwa 250 Schritte von uns
entfernte Hhe zur Linken wies. Seht, ist das nicht ein Affe?--und
richtig ein Pavian, ein zweiter--eine ganze Heerde lief den Abhang
hinan, allein nicht sehr eilig und von Zeit zu Zeit auf einem Felsblock
hocken bleibend; am Fue der Hhe erschienen schon die Leute, der Farmer
und die farbigen Diener mit Kntteln und Stocken bewaffnet und laut
schreiend. In einem Nu waren wir unter der Hhe, bogen etwas nach
rechts, wohin sich auch die Affen, den hheren Partien zustrebend, zu
wenden schienen und meine Gefhrten zur Vorsicht mahnend, stiegen wir
empor. Ich schlug vor, in stille wie mglich uns aufwrts zu bewegen,
damit die Aufmerksamkeit der Thiere sich auf die brigen, ungefhr 200
Schritte mehr zur Linken langsam emporklimmenden, laut schreienden
Verfolger richten mge.

Da der eine meiner Gefhrten nur mit einem Schrotgewehr, der andere nur
mit einem Stock bewaffnet war, hie ich beide, in meiner Nhe bleiben,
um ihnen, im Nothfalle beistehen zu knnen, denn ein erzrnter,
erwachsener Pavian ist als Feind gefhrlicher als ein Leopard. Wir
hatten bereits den Abhang zur Hlfte erstiegen und noch immer war keiner
der Flchtigen zum Schu gekommen. Endlich erschien einer ber mir, doch
hoch oben von Block zu Block springend, bald deckte ihn ein Busch, bald
ein Felsen, so da kein Schu mit Erfolg anzubringen war. Das Thier
verschwand als es die Hhe erreicht hatte und wir muten, hher
klimmend, trachten, es noch auf der flachen Kuppe zu treffen, oder
vielleicht einen seiner Genossen zu ersphen. Meine Hoffnung wurde nicht
getuscht, denn schon 40 Fu hher entdeckte ich ein erwachsenes
Weibchen. Doch alle Mhe, zum Schu zu kommen, war vergebens, einmal
stand der schwarze Diener des Farmers mir in der Schulinie, und die
zweite gnstige Gelegenheit verdarb mein Gefhrte, der, als sich das
Weibchen uns bis auf fnf Schritte genhert hatte, mit lautem Schrei in
die Hhe sprang und damit das Thier in die Flucht jagte. Obwohl wir
athemlos die steile Hhe emporklommen, um das Thier nicht gnzlich aus
dem Auge zu verlieren, war es zu spt. Auf der Kuppe angelangt, war
nirgends mehr eine Spur von den Affen zu entdecken.

Wir stiegen herab, gewi nicht in der rosigsten Laune und gaben nicht
allein jeden Gedanken auf, noch am selben Tage einen Pavian zu sehen,
sondern hatten auch nicht die geringste Ahnung, da uns mit derselben
Heerde noch ein hnliches Migeschick begegnen wrde. Unten angelangt,
hrten wir nun von den Koranna's, da die Paviane einen Versuch gemacht
hatten, in den Schafkraal (Umzunung) zu gelangen, zu dem einige
blkende Lmmer die Affen hingezogen hatten. Sie wurden jedoch zeitig
bemerkt und damit sie ihren Raubzug nicht zu bald wiederholten, nicht
nur verscheucht, sondern auch verfolgt. Man versicherte uns jedoch, da
sie gewi noch einmal zur Trnke an den andern, uns schon frher
bezeichneten nahen Teich kommen wrden; alle Mdigkeit war bei dieser
Nachricht vergessen und wir begaben uns sofort auf die bezeichnete
Stelle. Ein kleiner von Regenwasser gefllter Teich lag im Thale, zur
Linken, etwa 300 Schritte entfernt zogen sich die Hhen hin, die wir
eben verlassen hatten, zur Rechten, ihnen gegenber, in der Entfernung
einer Meile eine zweite Reihe von Hhen. Der Teich war an drei Seiten
eingedmmt, nach dem Hause zu war der Damm aus Steinen errichtet und lag
der freien Einflustelle des Wassers gegenber. Diese Stelle war sandig,
zur Linken bildete das trbe, gelbliche Wasser eine kleine Bucht, zur
Rechten fiel dem Beschauer ein dichtes, niederes von der schon erwhnten
strauchartigen Euphorbia gebildetes Gebsch auf. An der Sandseite des
Dammes wuchsen aus den Steinspalten einige Strucher hervor. Hinter
einem derselben, ihn als Deckung fr den Kopf bentzend, hatte ich
Stellung genommen.

Wir hatten kaum unsere Stellungen bezogen, als uns der Knabe des Farmers
auf zwei dunkle auf dem Abhange des Hgels zur Rechten sichtbar werdende
Punkte aufmerksam machte; in der That konnten wir eine grere Anzahl
beweglicher dunkler Krper wahrnehmen. Sie bewegten sich bergab und als
sie auf etwa 900 Schritte nahe gekommen waren, erkannten wir die
Pavianheerde. Sie kommen zum Wasser! meinte der Knabe. Zu unserer
Verwunderung schienen sich die Affen nicht von der Stelle rhren zu
wollen, es verging eine Viertel-, eine halbe Stunde und noch immer war
der Haufen auf derselben Stelle--da auf einmal, wie aus der Erde
herausgezaubert, erschienen uns gegenber an dem freien Ende des
seichten, kaum 60 Schritt langen Teiches zwei riesige Mnnchen, keiner
unserer Gesellschaft hatte ihre Annherung beobachtet, ob sie in einem
Bogen quer ber das Thal oder durch das Gras geraden Weges von der
Heerde zu uns gekommen waren, konnten wir uns nicht aufklren. Da ich
die Thiere beobachten und mich dessen vergewissern wollte, ob sie zu
jener Heerde, die unter den niedrigen Mimosenbumen spielte, gehrten,
kam ich von dem Entschlusse, sofort eines der Thiere zu erlegen, ab und
wartete mit Spannung der weiteren Dinge. Nun sprangen sie vom Damme zum
Wasser, beugten sich nieder und tranken; sich wieder emporrichtend,
verlieen sie recht gravittisch auf allen Vieren einherschreitend das
Wasser und schlugen die Richtung nach der Heerde ein; sie gehrten ihr
also thatschlich an und waren die ausgesandten Kundschafter. Zu den
Ihren gekommen, setzte sich die ganze Truppe sofort in Bewegung; kurze
Zeit darauf waren schon alle am Teiche. Da gab es Mtter mit Suglingen
und halb erwachsenen Thieren, der erwachsenen Mnnchen nur drei oder
vier. Die Thiere kamen einzeln heran, tranken und kehrten unverweilt
zurck; nachdem etwa zehn in dieser Weise ihren Durst gelscht hatten,
kamen mehrere auf einmal, whrend die brigen sich auf dem Sande ringsum
mit Sprngen und Herumrollen ergtzten. Bald wren wir jedoch um alle
weiteren Betrachtungen gekommen, denn vom Hause her nherten sich zwei
Korannafrauen, Tpfe auf den Kpfen tragend, um Wasser aus dem Teiche zu
holen, an dem wir lagen. Durch Gesticulationen hielten wir glcklicher
Weise die Frauen ab, nher zu kommen, allein es war auch die hchste
Zeit, zum Schusse zu kommen. Eben waren, wie ich mir einbildete,
dieselben Mnnchen, welche so geschickt das jenseitige Ufer
ausgekundschaftet, zum zweiten Mal an's Wasser getreten, sie setzten
sich auf jede Seite der kaum zwei Fu hohen Einbuchtung und beugten sich
mit dem Vorderkrper zum Saufen nieder. Diesen Moment wollte ich
bentzen, um mein Glck zu versuchen. Wie wir spter an den Spuren
ersahen, hatten sich die beiden Thiere so gegeneinander vorgebeugt, da
blos ein Raum von nicht ganz vier Zoll zwischen den gesenkten Kpfen
frei blieb. Da donnerte meine Bchse--wie wir uns spter berzeugten,
hatte die Kugel, zwischen den Kpfen der Thiere durchfliegend, etwa drei
Fu hinter denselben eingeschlagen. Hoch sprangen sie beide auf, wie auf
ein Tempo mit den Hnden nach der Schnauze greifend, und unmittelbar
darauf eilte die ganze Heerde bellend, die greren Thiere etwas
zurckbleibend und sich oft umdrehend, von dannen.----Obgleich wir bis
zum Abend liegen blieben und sogar unser Nachtlager hierher verlegten,
sahen wir nichts mehr von den Affen, deren heiseres Gebell wir noch die
halbe Nacht hindurch von den Bergen herab deutlich vernahmen. Wir
blieben noch einen Tag, allein die Thiere, die uns von den Hhen
bemerken konnten, behielten uns im Auge, und wollten sich von den
Felsenhngen, wo sie Herren der Situation waren, nicht herabwagen.

Meine Begleiter waren in der dem miglckten Jagdtage folgenden Nacht in
tiefen Schlaf versunken, whrend mich das Gebell der Paviane in steter
Spannung erhielt. Allein auer ihren heiseren Tnen konnte ich auch
nichts Anderes vernehmen. Selbst der leise Wind war eingelullt und lie
von seinem Spiele mit den zarten Blthen der Mimosen ab. Solch' stille
Nchte--unter sdafrikanischem Himmel--ben auf den Fremden einen
mchtigen, lange hin nachklingenden Reiz aus. Die Atmosphre war rein,
der Himmel so dunkel und zwischen ihm und der Erde unzhlige Wlkchen in
solch' lebendigen Schattirungen zwischen milchfarben und grau, da ich
mich nicht entsinnen konnte, je etwas Aehnliches zuvor beobachtet zu
haben.

[Illustration: Die Kimberley-Kopje im Jahre 1872.]

Nach den Diamantenfeldern zurckgekehrt, nahm ich wieder meine
Berufsthtigkeit auf, die immer ausgebreiteter wurde, und es mir
erlaubte, zur Verwirklichung meiner weitgehenden Plne manches Pfund
Sterling bei Seite zu legen. Nachdem ich schon im Laufe des Jnner mir
einen der bekannten Wagen angeschafft hatte, also im Besitze des
wichtigen Reisemittels war, hielt ich zu Beginn des Februar 1873 die
Zeit fr gekommen, um meine erste grere Reise, gewissermaen eine
Recognoscirung, zu unternehmen.




Meine erste Reise in das Innere von Sd-Afrika.




IV.

Von Dutoitspan nach Lekatlong.

Meine Reisebegleiter.--Schwierigkeit der Beschaffung geeigneter
Zugthiere.--Aufbruch aus den Diamantenfeldern.--Trostloser Zustand der
Wege.--Sdafrikanischer Vorspann.--Old de boers-Farm.--Bismark's
Retreat.--Der Vaal-River und sein Thal.--Ein Besuch im Korannadorfe
bei Pniel.--Bauart der Korannahtten.--Sociale Zustnde
unter den Koranna's.--Vorschlge und Mittel zur Besserung
derselben.--Freimaurerthum unter den Koranna's.--Ein gefhrlicher
Nachtmarsch zum Vaal-River.--Klipdrift.--Racenunterschiede zwischen
Koranna's und Betschuana's.--Das Innere der Korannahtten.--Die
River-Diggings am Vaal.--Die Fauna des Vaal-Thales.--Eine
Krankenordination in Klipdrift.--Gong-Gong, Waldeks-Plant und der
Fly-Diamond.--Eine desolate Strasse.--Die Holitzer Schlucht.--Die _Cobra
capella_ und ihre Gefhrlichkeit.--Ringhalsschlangen.--Im Schlamme des
Vaal River Versunken.--Ankunft in Lekatlong.


Meine Vorbereitungen waren beendet, die Ausrstung besorgt; es blieb mir
nur noch die fr Reisen in Afrika wichtige und folgenschwere Wahl meiner
Begleitung zu treffen. Von der Idee, mich blos mit eingebornen Dienern
zu umgeben, kam ich bald ab und entschied mich in Begleitung von Weien
zu reisen. Meine Wahl fiel auf jene beiden jungen Mnner, deren ich eben
vorher auf meinem Ausflge nach dem Freistaate erwhnte und als dritten
Gefhrten lud ich Herrn Friedrich Eberwald aus Thringen ein, einen
biederen Charakter, der spter einer meiner herzlichsten Freunde wurde
und mir auch auf der zweiten Reise treu zur Seite stand. Ein
unwiderstehlicher Drang, fremde Lnder mit eigenen Augen zu schauen,
hatte ihn, nachdem er einen groen Theil von Europa, Kleinasien, Nord-
und Sdamerika gesehen, nach den Diamantenfeldern gefhrt, um hier sein
Glck als Diamantengrber zu versuchen, doch war ihm dieses nicht
besonders gnstig. (Ich kam auch nach meiner letzten Reise mit ihm
zusammen und bat ihn, mit mir nach Europa zurckzukehren, doch
vergebens.)

Vor meiner Abreise galt es noch, jedem meiner Begleiter sein specielles
Arbeitsressort zu bestimmen; mein Freund Eberwald legte sich die
freiwillige Pflicht auf, uns, so weit es mit dem Schrotgewehr anging,
mit Wildgeflgel zu versorgen und ber den Wagen zu wachen. K., der
zweite meiner Gefhrten nahm die Kche auf sich, whrend der dritte, F.,
mir im Jagen und Sammeln behilflich sein sollte. Diesen letzteren hoffte
ich mir zu einem steten Begleiter fr knftige Reisen heranzubilden.
Meine Mhe scheiterte jedoch an seinem ganzen Wesen; nicht nur, da er
sich gnzlich unfhig zeigte, er war auch bswillig und blieb
verstockt--und obwohl ich mich von seinem Charakter bereits auf der
ersten Reise berzeugt hatte, lie ich mich verleiten, ihn auf der
zweiten Reise mit mir zu nehmen, auf welcher er alle meine Geduld mit
schwrzestem Undank lohnen sollte.

Der Zweck der ersten Reise war, mich durch einen mehrwchentlichen
Aufenthalt im Freien dem afrikanischen Klima anzupassen, einen Begriff
vom Reisen im Innern zu gewinnen und namentlich durch eine solche
Versuchsreise den Umfang der Ausrstung fr eine grere Forschungsreise
nach dem Innern kennen zu lernen. Die endlich zur Abreise anberaumte
Frist war schon verflossen, allein mein Wagen konnte sich noch immer
nicht von der Stelle rhren. Man rieth mir, Ochsen als Gespann zu
whlen, ich jedoch dachte einen Versuch mit jenen stillen,
selbstzufriedenen Geschpfen zu wagen, welche schon im grauen Alterthume
durch mehrere ihres Gleichen, wie jenen, der durch Bileam's
Dressursinn sprechen lernte, hochgeehrt waren und in dieser Absicht
durch die Behauptung der Eingebornen bestrkt, da die sdafrikanische
Race tsetsefest sei. Ich fand unter meinen Patienten einen im Besitze
von zwlf solchen Stilldenkern und schlo den Kauf ab, 3  St. per
Stck. Als jedoch der Tag der Abreise kam und wir auf den Farmer
warteten, erschien er nicht, auch nicht den folgenden, sondern erst den
dritten Tag und nun erst mit der traurigen Nachricht, da sich seine
zwlf Grubh in ihrem Wissensdrang nach neuen (newe d.h. frisch)
Krutern und Gras verlaufen htten. Vergebens habe ich sie berall
gesucht und, heute heimgekehrt vernommen, da sie etwa 30 Meilen von
hier in der Pound seien. To keep in Pound heit das Recht,
aufsichtslose Hausthiere, vom Pferde bis zur Ziege, wenn diese von dem
Besitzer einer Farm auf seinem Grund und Boden angetroffen und von
diesem an dazu gesetzlich bestimmte Stellen, d.h. Farmen, abgeliefert
wurden--auf einen Monat zu behalten und zu berwachen. Eine solche Farm
heit eine Pound, der dazu gesetzlich bestimmte Farmer ist ein
Poundmaster. Werden die so eingebrachten Thiere, die in den
Districtsblttern genau beschrieben werden, nicht binnen vier Wochen
(vom Tage des Einfangens) von ihrem rechtmigen Besitzer gegen
Entrichtung eines verhltnimig geringen Betrages ausgelst und
abgeholt, so werden sie in einer ffentlichen Auktion, die vom
Poundmaster gehalten und in den Districtsblttern annoncirt wird,
feilgeboten. Der Ertrag kommt dem Staatssckel zu Gute.

[Illustration: Vorspann in Sd-Afrika.]

Es blieb mir nun nichts brig, als mich nach einem behrnten Gespann
umzusehen, machte hierbei jedoch die Erfahrung, da es unmglich war,
sofort gute Zugthiere zu erlangen und ich htte einige Wochen auf solche
warten mssen. Dies war noch schlechter, es blieb mir also keine andere
Wahl, als mich mit Pferden zu versehen, trotzdem der Preis eines
Pferdegespanns das Zweifache eines Ochsengespanns betrug und es
angesichts des herannahenden ersten Reifes, zu welcher Zeit eine
bsartige Pneumonie in Sd-Afrika alljhrlich Hunderte von Pferden
vernichtet, sehr gewagt war, Pferde zu nehmen. Da F. prahlte, ein
gebter Rosselenker zu sein, nahm ich mir vor, ihm nicht allein das
Lenken des Gespanns, sondern auch dessen Ankauf zu bergeben. Allein der
Preis, den man fr die Pferde forderte, berstieg meine Berechnungen und
ich wre gezwungen gewesen, meine Reise doch noch aufzugeben, wenn mir
nicht mein Gefhrte K. mit der nthigen Summe ausgeholfen htte.

[Illustration: Korannagehfte im Hart-Riverthale.]

So schieden wir denn--vier Weie mit fnf Pferden und fnf Hunden auf
einige Wochen aus der staubigen Atmosphre der Diamantenfelder. Ich
wollte mich direct nach Klipdrift begeben und im Thale des Vaalflusses
abwrts bis zu der Mndung des Hart-River, sodann im Thale des
Hart-Rivers nach Nordost vordringen, um einige der Batlapinenstmme
kennen zu lernen und nachdem ich diesen Zweck erreicht, in mein neues
Heim zurckkehren. Der mir berichtete schlechte Zustand der einzigen
Strae nach Klipdrift und mein Sammeleifer bewogen mich, querfeldein
ber die bebuschte Ebene zu reisen. Wir schlugen daher eine nordstliche
Richtung nach der Riet-Farm, einer der von allen Seiten die
Diamantenfelder umgebenden Pounds, ein. Diese ist wie die meisten der
brigen, ein hchst unbeholfen aussehendes, viereckiges Farmhaus, an das
ein ebenso einfacher Wagenschuppen angebaut war; ein aus Dornbschen
gebildeter Kraal fr die eigenen und eingefangenen Thiere zur Linken war
Alles, was von der einst blhenden und durch die Entdeckung der
Diamantenfelder im Werthe so hoch gestiegenen Farm brig geblieben war.
Nicht ein Stckchen Garten war zu sehen; unsere Aufmerksamkeit erregten
nur zwlf gezhmte, junge Straue, welche den sie beaufsichtigenden
Korannajungen willig folgten.[1]

    1: In den letzten Jahren hat sich die Strauenzucht in Sd-Afrika so
    bedeutend gehoben, da man gegenwrtig wohl ber 100.000 Straue in
    den Colonien hlt.

Auch in der eben eingeschlagenen Richtung zeigte sich der Boden derart
aufgeweicht, da kaum an ein Fortkommen zu denken war; wir schlugen
deshalb die Richtung nach Westen gegen die Old de boers-Farm zu, ein.
Neues Migeschick! Auch hier stand das Land unter Wasser, nur ein
schmaler Streifen am Fue eines, einen knstlichen Teich umsumenden
Dammes schien passirbar; nahe gekommen, fanden wir selbst diesen Engpa
morastig. Mit vereinten Krften gelang es, das Gefhrt bis zur Mitte des
Weges zu bringen, hier aber versanken die Rder bis zur Achse im
morastigen Grunde und alle weiteren Anstrengungen waren nutzlos. Selbst
als eine diese Strecke passirende Frau uns das Gespann ihres Karrens zur
Hilfeleistung berlie, konnten wir keinen Erfolg erzielen. Ermdet
gaben wir jeden weiteren Versuch auf.

Auf einer etwa 50 Schritte vom Wagen entfernten freieren, aber leider
nassen Sandstelle, breiteten wir unsere Decken aus und schlugen unser
Nachtlager auf. Von Schlaf war keine Rede, ein leiser Regen, ein kalter
durchdringender Wind und unzhlige Mosquito's hielten uns die ganze
Nacht wach. Wie es aber so oft geschieht, da man ber das Unglck eines
Armen, trotz der eigenen erlittenen Unflle noch lacht und spttelt, so
geschah es am Morgen des nchsten Tages dem armen F., als wir sein
Antlitz von vielen Insectenstichen verunstaltet sahen. Das Gesicht
stellte eine einzige dunkelrothe mit zwei feuerrothen Wlsten (den
Lippen) geschmckte Kugelflche vor, an der man von der Nase nicht viel,
statt der Augen blos zwei Spalten bemerkte.

Eine sehr schwache Lsung von Salmiakgeist brachte Linderung und zu
Mittag war er bereits wohlauf. Vier prchtige Ochsen und zwei Diener aus
der nahen Farm, deren Besitzer uns schon tagsvorher Hilfe zugesagt
hatte, stellten sich gegen Mittag beim Wagen ein und bald war derselbe
aus dem Modder befreit. Kaum dieser Misre glcklich entronnen, fing
der Himmel durch ein von Westen heranziehendes Gewitter sich zu
verdunkeln an und wir muten eilen, um noch vor dem Sturme die nahe Old
de boers-Farm zu erreichen. Als wir eben die steinige Farmhhe
hinanfuhren, da brach das Ungewitter ber uns herein und bald darauf
begegnete uns schon ein gelblicher Strom, der von der Ebene
herabflieend, den Weg als Abflugraben bentzte, und uns zum Stillstand
nthigte. Der kaum halbstndige, heftige Gewitterregen hatte den Weg so
tief versandet, da wir nun wieder verurtheilt waren, den Wagen aus dem
Sande frmlich herauszugraben. In der Farm endlich angelangt, waren wir
froh, fr die kommende Nacht Ruhe und ein schtzendes Dach finden zu
knnen. Ich gewann jedoch auch die Ueberzeugung, da wir von der
Fortsetzung des bisher eingeschlagenen Weges absehen muten und
beschlo, die Pferde nach Kimberley zurckzusenden und sie gegen
krftige Maulesel umzutauschen. Der Tausch kam indessen nicht zu Stande
und so waren wir genthigt, auf dem morastigen Wege nach Klipdrift
weiter zu reisen. Die Abwesenheit des Farmers, von dem ich zwei
Ochsengespanne zu erhalten hoffte, nthigte uns noch zu weiterem
Aufenthalte, den wir durch einen Jagdausflug ausfllten.

Unter der Beute dieses Jagdausfluges fanden sich auch zwei Exemplare
jenes schon von Livingstone beschriebenen, sdafrikanischen
Riesenfrosches Motla metlo, die ich meiner Sammlung einverleibte.
Diese Thiere verbringen die Zeit der Drre in einer Art Halbschlummer
unter der Erde, meist in verlassenen Erdlchern, und kommen nur nach
heftigen Regengssen zum Vorschein.

Nachdem wir noch unsere Vorrthe auf der Farm ergnzt, brachen wir auf;
es war dunkle Nacht geworden, als wir die einige Meilen nordwrts
gelegene Bredekam's Farm und das in der Nhe derselben befindliche Hotel
erreichten. Auch diese Farm, obwohl sie einem Manne angehrte, der in
den Diamantenfeldern reich geworden, war blos ein drftiger, zur Noth
seiner Bestimmung entsprechender Bau. Das Hotel bestand aus zwei mit
Eisenblech gedeckten Segeltuchhusern; es war von einem Deutschen
gehalten, von dem es Bismarck's Retreat (Erholungspltzchen) genannt
wurde. Trotzdem, da derselbe dieser Stelle Berhmtheit und sich selbst
ein gutes Stck Geld erwerben wollte, und deshalb mit Wort und Inserat
einige der vielen, Sd-Afrika charakterisirenden, salzhaltigen Quellen
als eminente Heilquellen ausposaunte, war es ihm nicht vergnnt, aus
Bismarck's Retreat ein Eldorado zu schaffen.

Nach mancherlei unangenehmen Zwischenfllen erreichten wir endlich die
Hhen, welche von Hebron ab das Ufer des Vaal-River sumen, und
begrten hocherfreut und aufathmend das uns entgegenschimmernde Grn
des Thales; bald weidete sich unser Auge am Anblicke des in ziemlicher
Flle hingleitenden Stromes, an dessen sdlichem Ufer wir die
zerstreuten Huschen der Berliner Missionsstation Pniel und ein kleines
Korannadorf erblickten.

Von den Pnielhhen herabfahrend, passirten wir am Wege die Ruinen eines
Missionsgebudes, in dem ein Korannaschmied mit seinem aus Schafhuten
verfertigten Blasebalg den zahlreichen hier nistenden grauen
Fledermusen Gesellschaft leistete. Wir machten nahe am Vaalflusse Halt,
und whrend meine Begleiter Anstalten zur Bereitung des Mittagsmahles
trafen, nahm ich das Gewehr, um die Gegend zu durchstreifen. Im Bette
einer ausgetrockneten Regenschlucht, die hier in den Vaalflu
einmndete, beobachtete ich zahlreiche Spuren von Wasserleguanen und
Fischottern, und erlegte nebst mehreren Musevgeln und Turteltauben
einige groe Regenpfeifer, welche mich mit ihrem lauten Tip-Tip
angelockt hatten. Der Vaal, der bedeutendste Nebenflu des Oranje, ist
an dieser Stelle, wo ihn der von Kimberley nach Klipdrift Reisende
zuerst trifft, etwa 100 Schritte breit, sehr schlammig und durch seine
unzhligen Stromschnellen charakterisirt, welche von einander durch
tiefe schlammige Stellen geschieden sind und an welch' letzteren der
Flu eine fast gleichmige bis 200 Schritt messende Breite zeigt. Seine
Ufer sind gleichfalls auf weite Strecken hin schlammig, und dadurch
unnahbar; Hausthiere knnen nur an den in den Flu reichenden
Felsenbnken oder an den Stromschnellen zur Trnke gefhrt werden;
durstige fremde Thiere, die hier ausgespannt und nicht gut bewacht zum
Wasser hinabeilen, ben einen solchen Versuch meist mit dem Leben.

Ein Besuch im Korannadorfe bot uns einen trostlosen Anblick und gab mir
die Ueberzeugung, da bei keinem anderen Eingebornenstamm, etwa mit
Ausnahme der Matabele, die Missionsthtigkeit so geringe Erfolge
aufzuweisen hat, als bei den Koranna's. Ihre socialen Zustnde und
Verhltnisse, ihre Bildungsstufe, bewiesen mir, da sie nur die Laster
der Civilisation angenommen, fr die Lichtseiten derselben aber wie
vorher unempfindlich geblieben waren. Krankheiten und Trunksucht mit
ihren verderblichen Folgen herrschen auch hier unter den Koranna's.[1]

    1: Zu Anfang des Jahres 1877, habe ich in einer Brochre die
    Eingebornenfrage in Sd-Afrika zu besprechen mir erlaubt und der
    englischen Regierung angerathen, diesen Koranna's gegenber, welche
    zum Theile im Vaalthale von Fourteen-Stream bis zur
    Hart-Rivermndung als englische Unterthanen wohnen, ferner am
    mittleren Hart-River um die Stadt Mamusa ein kleines selbststndiges
    Reich bilden, und auch unter den nrdlicher wohnenden Barolongen in
    der Stadt Koranna leben, den Verkauf spirituoser Getrnke zu
    sistiren, um sie zum Ackerbau anzuhalten, sowie durch wchentliche
    Inspicirung durch Polizisten sie zur Reinlichkeit und Instandhaltung
    ihrer Drfer und Gehfte zu gewhnen. Man kann sich keinen
    widerlicheren Anblick denken, als diese in europische Fetzen
    gekleideten, von Schmutz und Unreinlichkeit im hchsten Grade
    strotzenden Gestalten. Es freut mich, in der letzten Zeit vernommen
    zu haben, da der gegenwrtige Gouverneur Colonel Warren von
    Griqualand-West, die Ausfuhr von Spirituosen in die nachbarlichen
    Eingebornenreiche verboten und auf seine Provinz beschrnkt hat. Ein
    voller Erfolg, eine grndliche Verbesserung in den socialen
    Verhltnissen der Koranna's, wird aber erst dann eintreten, wenn das
    Gesetz noch bis zur vollkommenen Verweigerung der genannten Getrnke
    verschrft sein wird.

Unter allen Stmmen Sd-Afrika's verwendet dieses Volk die geringste
Mhe auf den Aufbau und die Instandhaltung ihrer Wohnungen. In der wohl
auch durch das Klima befrderten Indolenz und Energielosigkeit
bertreffen die Koranna's und Griqua's diese beiden Bruderstmme der
Hottentottenrace, selbst die bel beleumundeten Buschmnner, welche die
Felswnde ihrer frher bewohnten natrlichen Hhlen mit einfachen mit
Ocker bertnchten Zeichnungen bedeckt und die Gipfel der von ihnen
bewohnten Hhen, d.h. die diese bedeckenden dunkeln Felsenblcke mit
Ausmeielungen von thierischen und menschlichen Gestalten und anderen
Objecten geschmckt hatten. Wenn der Koranna sich aus der ihm
eigenthmlichen Trgheit, dem Mangel an Streben und Ausdauer
herausreit, um als Diener Anderer zur Arbeit zu greifen, so geschieht
dies nur, weil ihm dadurch die Mglichkeit geboten ist, sich dem
heiersehnten Branntweingenusse hinzugeben.

Hier am Abhange eines kahlen Hhenzuges, dort am Fluufer oder am Rande
einer Salzpfanne, hie und da auch in den Felsenschluchten des
Vaalflusses, finden wir eine oder mehrere, etwa 1 Meter Hhe und 3-3
Meter im Durchmesser haltende halbkugelige, jeder Umzunung bare Htten,
die augenscheinlich nur dem Nothbehelf dienen, weder gerumig, noch
symmetrisch gehalten, mehr thierischen Strohbauten gleichen. Die
Herstellung ist denn auch, dem Aussehen entsprechend, eine hchst
primitive. Wenn die Frauen, denen die Herstellung der Wohnung obliegt,
die oberen Enden etwa zwei Meter langer, dnner, im Kreise aneinander
gereihter und gesteckter Baumzweige in einem Mittelpunkte
zusammengebunden und das Gerippe mit Binsenmatten berdeckt haben, ist
auch schon das Wohnhaus in der Hauptsache hergestellt. Eine Oeffnung,
hinreichend gro, um einem Menschen in kriechender Stellung Einla zu
gewhren, bildet die einzige Verbindung mit der Auenwelt, die im
Nothfalle durch eine von innen vorgeschobene Matte abgesperrt wird. Das
Innere der Htte entspricht dem Aeuern, es lt sich kaum etwas
Trostloseres und zugleich Unreinlicheres denken als das Innere einer
Korannahtte. In der Mitte eine schsselfrmige Vertiefung als
Feuerherd, einige niedrige mit Querhlzern verbundene Holzgabeln,
behangen mit den Ueberbleibseln einstiger europischer Kleidungsstcke,
einige Ziegen- oder Schaffelle, weiters einige Tpfe, und die Einrichtung
ist damit fertig. Eine von drren Mimosenzweigen nothdrftig umzunte
Stelle zwischen oder vor den Htten, beherbergt die Rinder- oder
Ziegenheerde, und wo nicht die Hyne und der Leopard oder andere
Raubthiere auf ihren nchtlichen Schleichwegen zu frchten sind,
bezeichnet blos ein Dngerhaufen den Sammelplatz des Vieh's.
Bezeichnende Stille herrscht ber dieser trostlosen Scenerie, nur
nachdem Branntwein die Gemther erhitzt, den einer der Insassen von der
Stadt gebracht, oder den ein vorberfahrender Hndler ihnen berlassen,
geht es lrmend zu, sonst aber unterbricht nur des Morgens und Abends,
wenn die nackten Kinder die Heerden auf die Weide treiben, einige
Bewegung die Monotonie im trgen Leben der Htteninsassen.

Nur hie und da, wo wohlhabende Koranna's sich den Luxus einiger
Makalahari und Masarwa, Diener und Sklaven, gnnen knnen, wurde im
beschrnktesten Mae Ackerbau versucht, fr dessen Entwickelung an
vielen Stellen des Landes die natrlichen Bedingungen vorhanden sind,
und welche Versuche selbst bei der genannten Beschrnktheit den
gnstigsten Erfolg htten, wenn man Dmme aufzuwerfen oder hie und da
den Hart-River oder Vaal-River abzuleiten versuchen wrde.

[Illustration: Koranna.]

Wie die Hottentottenrace berhaupt, die eigentlichen, die Cap-Colonie
bewohnenden Hottentotten, die Griqualand-West an der Einmndung des
Vaals in den Oranje und jene, Neu- oder Ost-Griqualand oder das
sogenannte Nomansland um Kockstadt herum bevlkernden Griqua's, sind
auch die Koranna im Aussterben begriffen, ihre Zahl hat sich beinahe um
50 Percent, ihr Besitz um 25-75 Percent verringert. Arbeitsscheu und
unrein, hinterlistig und in der Mehrzahl der Flle untreu, rachschtig
und nur fr den Moment lebend, ohne auf das Morgen zu denken etc., sowie
fhig, alle mglichen Verbrechen zu begehen, um sich nur den Branntwein
zu sichern, boten sie mir ein abschreckendes Bild. Da sie jedoch als
Rosselenker und Gespanntreiber im nchternen Zustande (nur in der
Wildni, wo ihnen kein Europer das Feuerwasser reichen kann) besser als
die Kaffern etc. zu verwenden sind, so versuchte ich es auch mit ihnen
und trachtete nach Mglichkeit, sie nchtern zu erhalten--vergebliche
Mhe, ich mute den Versuch sehr bald aufgeben.

In England herrschen gegenwrtig unter den Gebildetsten bezglich der
Eingebornenfrage irrige Ansichten; dieses Miverstndni beruht
hauptschlich darauf, da die betreffenden Persnlichkeiten sich nicht
selbst von dem Stand der Dinge berzeugt haben. Wenn einzelne
Menschenfreunde oder ganze Gesellschaften etwas fr die Eingebornen
Sd-Afrika's thun wollten, wenn sie sich selbst ein Denkmal setzen und
den Farbigen die grte Wohlthat erweisen wollten, so wre es nthig
gewesen, da sie die gegenwrtige Bewegung in Sd-Afrika, jene der
Good-Templers in re unter den Eingebornen untersttzt htten, welche auf
Grund von namentlich in den Diamantenfeldern gesammelten, sehr bitteren
Erfahrungen den Verkauf von Spirituosen an die Schwarzen zu hemmen
suchten. Kriege mit den Eingebornen knnen denselben nicht so viel
materiellen Schaden an Krper und Habe (die Habe des Einzelnen
schmlernd) verursachen, als ein jahrelanger ungestrter Genu des
Feuerwassers und dies namentlich bei Stmmen, die schwach in ihren
geistigen Anlagen, sich leicht durch alles Glnzende, kleinen Kindern
gleich, bethren lassen. Ja, ich bin dessen vollkommen sicher, da viele
meiner hohen Gnner in England, denen die Eingebornenfrage Sd-Afrika's
am Herzen liegt, nie einen solchen Anblick vergessen wrden, wie er sich
den Bewohnern vieler Capland-Stdte noch darbietet, in den
Diamantenfeldern jedoch ein alltglicher war: da der weie Mann
betrunkene Korannafrauen, wild fluchend, von Schmutz halb verzehrt, in
den staubigen Straen herumwanken sah, bis sich ihrer ein Wachmann
erbarmte. Der Anblick eines unreinen, im Schlamm sich wlzenden Thieres
knnte nicht mehr anwidern als jener. Wenn ich aber hinzufgen darf, da
in den Diamantenfeldern, in der Provinz Griqualand-West selbst, in
dieser Beziehung ein lobenswerther, ein bedeutender Fortschritt geschah,
da die Regierung, um die materielle Lage ihrer farbigen Bevlkerung zu
verbessern, die Summe von 3000  St. in Kantinenlicenzen
(Kantinensteuern) aufopferte und sonst bemht ist--obgleich gegen eine
starke Opposition ankmpfend--den Verkauf des Brandy an Eingeborne zu
beschrnken, wird dies jeden einsichtsvollen Mann gewi befriedigen.
Unstreitig wird sich die materielle Lage der Eingebornen bessern, und
sie als kleine Steuerzahler, den der Regierung durch jene Maregel
verursachten Schaden wieder gut machen.

Es ist zu hoffen, da die in den letzten Jahren so vollkommen
zerrtteten Verhltnisse, das ber alle Begriffe demoralisirte
Familienleben der Koranna's sich verbessern und sie namentlich als
Viehzchter und Ackerbauer etwas Bedeutendes leisten knnen. Einen
kleinen Preis mte die Regierung ausschreiben fr jene, welche an ihren
Htten den einfachen europischen Styl nachahmend, ihre Wohnungen sich
selbst errichten, welche das meiste Feld bebauen, welche die schnsten
Feldfrchte gewinnen oder das beste Vieh aufziehen; so aufmunternd,
edlere Gefhle in der bis jetzt nur noch von blinden thierischen
Regungen erfllten Brust zu wecken trachten. Die Koranna's knnten in
der Holzschnitzerei und Steinschneiderei manches Gute leisten, wren
also auch hier zu untersttzen.

Durch den moralischen Verfall der Koranna's im letzten Jahrzehnte haben
dieselben die meisten ihrer frheren erwhnenswerthen Gebruche auer
Acht gelassen, ja ich mchte sagen; vollkommen vergessen; was sich
jedoch noch bei ihnen erhalten hat, das ist eine Art Freimaurerthum. Die
Mitglieder dieser Gesellschaft erkennen sich an einem ueren Abzeichen,
in der Regel drei auf der Brust ausgefhrte 1-1 Zoll lange (vernarbte)
Schnitte. Ein Mitglied dieses Bundes findet berall, wo er zu
Seinesgleichen hinkommt, die freundlichste Aufnahme, sowie er dem
Hausherrn die Narben auf der Brust gewiesen, oder dieser, dem Besucher
das Hemd an der Brust ffnend, das Zeichen erblickt hat. Solch' ein
Freimaurer wird nun von dem Bruderhausherrn auf das Freundlichste
aufgenommen, bewirthet, und einem Verwandten oder Familiengliede
gleichgehalten. Will ein Koranna diesem geheimen Bunde beitreten, so
macht er, da das Erkennungszeichen ziemlich bekannt unter dem Stamme
ist, einem seiner Nachbarn, an welchem er ein solches beobachtet, seinen
Entschlu bekannt, da er beitreten wolle. Hat sich der Angesprochene
berzeugt, da der Antragsteller im Stande ist, die Kosten der
Einweihungs-Ceremonie zu tragen, so meldet er es den in demselben Dorfe
oder ringsherum Wohnenden, und wenn sich keine in der Nhe aufhalten,
sondern weitab wohnen, so wird um diese gesendet und nachdem sie sich
versammelt, die Einweihungs-Ceremonie vorgenommen, welche darin besteht,
da man dem neuen Bruder die gegenseitigen Untersttzungspflichten
bekannt macht, und wobei er, von dem Aeltesten der Anwesenden mit den
drei Schnitten gekennzeichnet, das Gelbde, jenen Verpflichtungen
nachzukommen, abgibt und dies mit dem gewhnlichen Schwure so wahr als
ich eine Mutter habe bekrftigt. Eine Orgie beschliet diese Ceremonie,
wobei einige Stck Rindvieh, Schafe und Ziegen geschlachtet werden und
die Gesellschaft nicht eher scheidet, als bis alles consumirt ist.

Ich werde noch mehrfach Gelegenheit finden, diese in allgemeinen Zgen
gehaltene Charakteristik dieses Stammes zu vervollstndigen.

Nach einem fast dreistndigen Aufenthalte verlieen wir Pniel, der Weg
fhrte nun ber bebuschte Hochebenen, welche von zahllosen rothen
Flugsanddnen durchzogen waren, die unseren Zugthieren die grten
Schwierigkeiten bereiteten. Wir mochten etwa zwei Drittel des
Dnengrtels durchmessen haben, als unsere Thiere, erschpft, nicht mehr
von der Stelle zu bringen waren, und wir hier auf vorbeiziehende
Batlapinen warten muten, welche nach den Diamantenfeldern Holzhandel
treiben. Wir waren schon mit der Herstellung unseres primitiven
Nachtlagers beschftigt, als uns der bekannte gedehnte Knall der
Ochsenpeitsche (eines Monstrums in seiner Art) auf ein ankommendes
Gefhrte aufmerksam machte. Es waren, wie ich vermuthet, von Klipdrift
kommende Holzfuhrleute; die Unterhandlungen ber die geforderte
Entlohnung waren bald beendigt, und der Wagen in krzester Zeit aus der
mit Dnen beseten Ebene auf festem Boden in Sicherheit. Eine neue bange
Sorge verursachte uns die Beischaffung des nthigen Trinkwassers fr
unseren persnlichen Bedarf und zum Trnken der durstigen Thiere. Die
Nacht war sehr dunkel, ein kalter Nordwind durchdrang unsere Kleider,
nur ein ungewhnliches Wetterleuchten am westlichen Horizonte erhellte
zuweilen die tiefe Finsterni.

Die Wegrichtung zum Strom war uns wohl bekannt, allein in der
Dunkelheit, die uns kaum erlaubte, auf 40 Schritte hin deutlich zu
sehen, war es uns unmglich, uns ber die Stelle zu orientiren, auf
welche wir lossteuerten; es konnte ein steiler Abhang oder eine
schlammige Uferpartie sein, beides gleich gefhrlich.

Ich mein Reitpferd, meine weien Gefhrten je ein Paar der Zugthiere
fhrend, steuerten wir, unseren zurckbleibenden Wagen allen Gttern
empfehlend, in die Dunkelheit hinaus, von Nigr begleitet, der sich um
die Dunkelheit wenig zu kmmern schien und vorwrtseilend durch lautes
Bellen seine Befriedigung ber den nchtlichen Ausflug kundgab. Anfangs
ging es ber eine kurz begraste Ebene, die nach dem fteren Ausgleiten
zu urtheilen, mit vielen breitblttrigen Liliaceen bedeckt zu sein
schien, dann kamen wir an zahllose vom Regenwasser aufgewhlte Rinnsale,
deren erstes uns ein Schrei meines Begleiters F. ankndigte, der bis zu
den Hften darin versank. Wir brachen von den unseren Weg sumenden
Gebschen Aeste ab, um damit das Terrain vor uns zu sondiren, doch half
dies nicht viel, namentlich als wir uns dem Flusse nhernd, den Abhang
heruntergingen. An den zahlreichen Mimosenzweigen blieb so manches
wollene Wahrzeichen unseres khnen Nachtmarsches zurck, der den Koranna
unwillkrlich Achtung abringen mute.

Am Flusse angelangt, war eine sichere Trnkstelle nicht anders zu
entdecken, als da wir selbst mit Stcken den schlammigen Ufergrund
sondirend, nach einer solchen suchten. Unsere Bemhungen waren ber
alles Erwarten glcklich, nur wenige Schritte unterhalb unserer
Haltstelle stie mein Begleiter F. auf einen vorzglichen Trnkplatz.
Nachdem die Pferde mit aller Vorsicht einzeln getrnkt waren, hie es,
den Rckweg zum Lagerplatze auf der Hochebene antreten. Dies war nichts
Leichtes, denn wir hatten uns bald berzeugt, da wir beim Abstieg zu
sehr vom directen Wege abgekommen waren. In der herrschenden
undurchdringlichen Finsterni war unser Beginnen nicht ohne Gefahr, nach
wenigen Schritten, die wir vom Ufer ab zurckgelegt hatten, versperrte
uns eine dichte Gebschbarriere den Weg, wir muten also versuchen,
stromaufwrts freieres Feld zu gewinnen, ein in den letzten Zgen
flackerndes Feuer in der Entfernung von etwa 600 Schritten wies uns auf
die richtige Fhrte. Vor Klte zitternd (das Thermometer zeigte blos 7
Grad Reaumur) langten wir endlich am Wagen an, der heftige Wind und ein
vom Blitz und Donner begleiteter Regenschauer machten alle Versuche, ein
tchtiges Feuer zu entznden, zu Schanden. Obwohl auf das Aeuerste
ermdet, wollte dennoch kein Schlaf unsere Glieder strken, die durch
das Unwetter unruhig gewordenen Pferde zerrten ununterbrochen an unserer
Arche und vereitelten dadurch jeden Versuch, Morpheus an uns zu
fesseln, mit Gewalt. Da sich die Pferde durchaus nicht beruhigen lieen,
vermutheten wir, da sie durch herumschleichende Hynen bengstigt wren
und durchstreiften die nchste Umgebung, inde ohne etwas Verdchtiges
wahrzunehmen.

Gegen Morgengrauen des nchsten Tages brachen wir weiter gegen Klipdrift
auf. Kleine in unsern Weg mndende Thlchen und mit hohem Busch
bestandene Ebenen brachten in die bisherige Monotonie einige Abwechslung
und waren durch Deuker und Steinbockgazellen belebt, auch die graue
Zwergtrappe tummelte sich zwischen den in kleinen, dichten Gruppen
stehenden, 6-12 Fu hohen Bschen. Beide Gazellen halten sich tagsber
in dem niedrigen und dichten Gebsch im Versteck, die Steinbockgazelle
(_Tragalus rupestris_) verlt dieses nur zur Nachtzeit oder bei
annhernder Gefahr. Ich glaube auch darin, da sie des Tageslichtes
entwhnt ist, den Grund des Erblindens der in der Gefangenschaft
gehaltenen Thiere (zu 90 Percent) zu finden. Im minderen Grade ist das
bei dem Deuker (_Cephalolophus mergens_) der Fall, da er auch zuweilen
tagsber der Nahrung nachgeht. Gebte Schtzen jagen beide Thiere mit
dem Riflestutzen; unter allen Umstnden erfordert das Erlegen der
zierlichen, kaum 20 Zoll hohen Gazelle auf 200-400 Schritte Entfernung
eine meisterhafte Handhabung der Waffe.

Sportsmnner jagen die schnen Thiere mit Windhunden; hnliche
Thierqulerei, einem der unschuldigsten Thiere gegenber, hat der Weie
auch in allen anderen Welttheilen eingefhrt. In Sd-Afrika war es
bisher nur unter den Eingebornen im Gebrauch, _schdliche_ und
namentlich des _Pelzwerkes halber ntzliche Thiere_ mit Hunden zu jagen
und selbst bei diesen verkrzte man thunlichst die Dauer der Verfolgung.
Dazu gehren die sdafrikanischen Schakale (_Canis mesomelas_ und
_cinereus_), der Kamafuchs, sowie der Erdwolf (_Proteles Lalandii_), die
Genettkatzen und das Scharrthier.

Der Steinbock, von den Boers Steenbuck genannt, sowie der Deuker oder
Ducker sind in den dichtbebuschten und bewaldeten Partien am Abfalle des
sd- und centralafrikanischen Hochplateau's nach der Kste zu durch den
Grysbock (_Tragalus melanotis_) und den kleinen Blaubock (_Cephalolophus
coerula_), nach Norden hin durch den auf den Ebenen des
Salzpfannengebietes paarweise, jenseits des Zambesi in kleinen Heerden
lebenden Orbecki vertreten.

Die Fahrt ber die bebuschten Hgelpartien nahm unsere ganze
Aufmerksamkeit in Anspruch, denn der Weg glich dem trockenen Bette eines
mit Gerll berseten Wildbaches, der Wagen kam in die bedenklichste
Situation, seine Schwankungen kosteten einem unserer Hunde, der sich
unvorsichtiger Weise zu nahe gewagt, das Leben. Endlich war die
Vaal-Fhre erreicht und wir alle gegen zehn Shillinge Entlohnung ber
das Wasser gesetzt.[1]

    1: Zur Trockenzeit bentzen die Wgen eine unterhalb der Fhre
    befindliche Furth.

Am rechten Ufer des Vaal angelangt, schlugen wir in unmittelbarer Nhe
von Klipdrift, am Fue einer Anhhe unser Lager auf. Mit anderen
sdafrikanischen Orten verglichen, verdient Klipdrift ein hbsches
Stdtchen genannt zu werden. Aus etwa 150 theils steinernen, theils
Eisenblechhusern (die Ueberreste des frher 5000 Einwohner zhlenden
Hauptortes der River-Diggings) bestehend, liegt es am Abhange niedriger,
kaum 80 Fu das Niveau des Flubettes berragender, mit unzhligen
dunkelbraunen Felsblcken (Trapdykes) bedeckter Hhen; der aus Sdsdost
kommende Flu macht hier eine Biegung nach West. Kleine, theils kahle,
theils begraste, hie und da mit Bumen bedeckte Inseln in dem ober- und
unterhalb Klipdrift ber Felsenblcke rauschenden Strome verleihen
dieser Ansiedlung einen nicht geringen Reiz. Zur Zeit meines Besuches
schmckten hohe Bume beide Ufer des Flusses, von denen das linke hher
als das rechte ist.

Lange Zeit besa Klipdrift eine architektonische Merkwrdigkeit, nmlich
das einzige aus Steinen erbaute einstckige Haus, das Kanzleigebude der
Standardbank, eines Institutes, dessen Noten vollen Goldwerth haben.
Am Ostende von Klipdrift schliet sich die _native location_ (die
Niederlassung) der farbigen Eingebornen an, damals von Koranna's
Batlapinen und Barolongen bewohnt, von welchen gegenwrtig nur noch die
beiden ersten Stmme vertreten sind. Das Aeuere dieser
Eingebornen-Niederlassung erhlt durch ein buntes Gemisch verschiedener
Baustyle (Korannahtten, Basutohtten und in europischem Style
aufgefhrte Holz- und Lehmhuschen) einen eigentmlichen Charakter.

[Illustration: Inneres einer Korannahtte.]

Die Bewohner, Mnner sowohl als Frauen, entwickeln regen Arbeitssinn,
whrend sich die ersteren im Taglohn oder zu anderen Arbeiten (Jobs)
verdingen, steuern auch die Frauen (besonders die Kaffern- und
Betschuanafrauen) durch ihren Verdienst als Wscherinnen zu den Kosten
der Haushaltung bei. Ihre Thtigkeit belebt die Scenerie am Flusse.

Ein flchtiger Blick gengt, um die beiden Racen zu unterscheiden, und
ohne Zaudern werden wir den Vertretern der Betschuanarace, den
Batlapinen und Barolongen den Vorzug angenehmerer Gesichts- und
Krperbildung einrumen. Von mattschwarzem bis dunkelbraunem Teint, sind
ihre Gesichtszge weder schn noch hlich, whrend das gelblich-braune
Gesicht des Koranna direct hlich zu nennen ist. Die kleinen Augen
liegen in tiefen Hhlen, das kurze und schmale Gesicht zeigt kaum einen
deutlichen Nasenansatz, die unnatrlich vorgehenden Kinnbacken und
wulstigen Lippen sind die Hauptmerkmale der vorderen, ein kleiner,
lnglicher Schdel jener der hinteren Kopfbildung. Der Krper der Frauen
wird durch jene bekannte Sattelbildung der unteren Wirbelsule, welche
ihren Gang schwerfllig erscheinen lt, nicht wenig verunstaltet. Viele
Korannafrauen hatten Wange und Stirne mit rothem Ocker berschmiert,
oder blau bemalt, und zwar mit vom Ohre zu den Augen, Nase, Mund und
Kinn laufenden geraden oder nach oben zu concaven Linien. Hufig fand
ich die Wangen und Stirne auch braun und schwarz bestrichen, was ihnen
das Aussehen von gekleideten Affen verlieh.

[Illustration: Kranken-Ordination in Klipdrift.]

Bei einem meiner Besuche im Eingebornenviertel trat ich in eine der
Korannahtten. Es bot sich mir da ein eigentmliches Bild dar. In einer
schsselfrmigen Vertiefung in der Mitte der Htte lag in glhender
Asche ein wolliger Gegenstand; bei nherer Besichtigung erkannte ich,
da es ein Lmmchen war, das gebraten wurde. Zwei Frauen, den Oberkrper
vollkommen entblt, beide gemthlich rauchend, saen auf Matten,
whrend einige nackte Kinder, deren gelblich-graue, lichte Krperfarbe
durch Unreinlichkeit schwarz bertncht war, herumspielten. Das
Familien-Oberhaupt, in abgetragene europische Lappen gekleidet, sa
unmittelbar am Heerde und verfolgte mit gespannter Aufmerksamkeit das
Garwerden des Bratens, das ein lautes Schnalzen mit der Zunge
anzukndigen schien. Dies bettigte mir auch die Entfernung des
Stckchens Kautabak, das der Koranna nur whrend des Mahles weglegt. Es
whrte nicht lange, so war der Lammsbraten von der glhenden Asche
befreit, der verkohlten Wolle entledigt, in Stcke geschnitten und
zertheilt. Whrend die Kinder fest und gierig darauf losbissen,
schnitten sich der Mann und die Frauen, indem sie das eine Ende eines
Fleischstckes mit den Zhnen, das andere mit der Hand festhielten,
jeden Bissen mit dem Messer unmittelbar an den Lippen ab. Auer Fleisch,
wobei sie namentlich die Eingeweide und das Hirn der Thiere vorziehen,
genieen die Koranna's hufig Mehlbrei, gekochte Krbisse und Milch, nur
Fische, Krebse, Muscheln und Aehnliches verabscheuen sie wie die meisten
afrikanischen Vlker im Innern des Erdtheils, whrend wir berall lngs
der Seekste Spuren von Menschen finden, welche sich durch eine sehr
lange Periode nur von Fischen genhrt haben muten.

In geringer Entfernung von dem Eingebornenviertel in Klipdrift liegen
die in frheren Jahren bearbeiteten River-Diggings. Welcher
Unterschied--wie unscheinbar gegen die Dry- (Central) Diggings. Eine
Unzahl zwei bis acht Quadratmeter groer, bis zwei Meter tiefer,
theilweise mit Gerlle, namentlich calcedonartigen Steinen und
kopfgroen Grnsteinblcken gefllter Gruben, einem durchstberten
Friedhof nicht unhnlich, war Alles, was von den einst von Tausenden
emsiger und mit Fieberhast arbeitender Menschen belebten
Diamanten-Fundsttten brig geblieben, seit Dutoitspan entdeckt worden
war. Obwohl die Gruben keine besondere Tiefe hatten, mute trotzdem das
Diamantensuchen in diesem steinigen Boden sehr beschwerlich gewesen
sein; ich traf jetzt nur zwei Digger, welche im Schweie ihres
Angesichts nach den kleinen, glnzenden Kieseln und allem Anscheine nach
mit wenig Erfolg fahndeten; ein Englnder, der mit zwei Batlapinen
arbeitete, und eine abgemagerte, etwa dreiigjhrige weie Frau, in
deren Zgen Krankheit und Noth nur zu deutlich zu lesen waren; in ihrer
Gesellschaft ein kleines Kind, welches mit farbigen Steinen spielte.
Ihre sorgenschweren Mienen flten mir Mitleid ein und ich konnte die
Frage nach dem Erfolge ihrer Bemhungen nicht unterdrcken; ihre Antwort
entrollte mir eines jener traurigen Bilder, an denen das Diggerleben in
den Diamantenfeldern trotz der kurzen Zeit, die seit ihrer Entdeckung
verflossen, berreich ist. Vor mir stand eine junge Frau, welche ihrem
diamantensuchenden Gemahle nachgereist war, um ihn in sterbendem
Zustande wiederzufinden und nun selbst allen tckischen Wechselfllen
des aufregenden und aufreibenden Diggerlebens preisgegeben zu sein.--Ich
werde spter noch Gelegenheit finden, die Geschichte manches Opfers der
Diamantenfelder zu erzhlen.

Die mit ppiger, durch einige tropische Species charakterisirte
Vegetation bewachsenen, kleinen Bergthler, sowie einige morastige
Wiesen in der Nhe des Flusses, hauptschlich aber seine dichtbebuschten
und belaubten Ufer und sein bald felsiges, bald schlammiges Bett,
beherbergen als vorzglich geeignete Schlupfwinkel, eine artenreiche
Thierwelt. Ich bedauere, da ich Klipdrift und seine nchste Umgebung
stets nur flchtig, meist auf dem Durchmarsche berhren konnte; bei
lngerem Aufenthalte winkt hier dem naturwissenschaftlichen Sammler
reichliche Ernte, wie denn berhaupt der Ort wie eine Oase aus der
eintnigen Oede des sdafrikanischen Hochlandes hervorsticht. Doch
selbst whrend meines kurzen Aufenthaltes fand ich von Falken und
Sperbern manche interessante Art, graue Uhu's, Berg-, Baum-, Sumpf-,
sowie auch Zwergeulen ziemlich vertreten; mehrere Krhenarten und
namentlich in den Buschdickdichten der Ufer, sowie in der Nhe der
Gehfte fnf Staararten, von denen ich den kleinen, und den schnen
groen, langschwnzigen Glanzstaar besonders hervorheben will. Zahlreich
sind die Wrger, doch noch zahlreicher die krnerfressenden Singvgel
vertreten, von den letzteren fielen mir mehrere langschwnzige
Finkenarten auf, doch fehlen auch Drosseln und andere Insecten fressende
Singvgel nicht, namentlich Bachstelzen, Schnapper, Rohrfnger etc. Von
spechtartigen Vgeln traf ich nur zwei, dagegen mehrere Arten Colibri's
und eine Art des Bienenfngers, sowie zwei Eisvgel- und Kukuksarten an.
Auch der schon erwhnte langschwnzige kleine Musevogel, mehrere
Schwalben und eine Ziegenmelker-Species gehren zu den hufigeren
Erscheinungen, in entsprechendem Verhltnisse sind auch die brigen die
Fauna Sd-Afrika's charakterisirenden Vogelarten vertreten, vor Allem
aber Tauben, Zwergtrappenarten, Stelzenvgel, Enten und Taucher. Unter
den Reptilien waren namentlich drei Species von Landschildkrten, neben
einer im Wasser lebenden, hufig zwischen den Felsenblcken an den Hhen
anzutreffen. Die gewhnliche Schildkrte, die gemeine sdafrikanische
Landschildkrte, und eine flache Art mit viereckigen grnlichen
Zeichnungen in den Centren der oberen Schilder. Von Fischen beobachtete
ich fnf Species, von welchen ich eine nordwrts bis ber den Zambesi
hinaus in allen Gewssern sowohl im Swasser, als auch in den
Salzpfannen und Salzflssen vorfand. Es ist der sdafrikanische Wels mit
schildfrmigem Kopfe.

Erst hier, in der unmittelbaren Nhe von Klipdrift, gelang es mir, meine
vier Pferde gegen die tauglicheren Zugochsen einzutauschen; obgleich ich
dabei in pecunirer Beziehung Einbue erlitt, ging ich hocherfreut auf
den Tausch ein, denn schon war in der Umgegend die alljhrlich
grassirende Pferdekrankheit ausgebrochen und in unserer Nhe sonnten
sich bereits mehrere Pferdecadaver. Mein Gespann bestand nun aus sechs
Zugochsen, von welchen leider zwei uerst strrisch und unlenksam
waren, whrend der Verkufer mir alle als uerst zahm, gefgig und
Thiere par excellence anpries. Htte nicht die grassirende
Pferdekrankheit bereits so deutliche Beweise ihres mrderischen
Auftretens in unserer Nhe gegeben, so wre ich beim Tausche wohl besser
weggekommen; so aber schien der Mann nur zgernd das Geschft
abschlieen zu wollen. Mit der Vermehrung meines Gespanns erwuchs mir
auch die Sorge, wenigstens zwei farbige Diener zu miethen; einen als
Leader, um das vorderste Paar der hintereinander gespannten Zugthiere
zu leiten und einen Driver, der das Gespann mit der Peitsche anzujagen
hatte. Auch dieser Bedarf war bald gedeckt; bei einem Besuche des
Korannadrfchens hatte Freund F. einen hier lebenden Deutschen
angetroffen, den ich nun ersuchen lie, uns unter seinen Nachbarn zwei
rstige, junge Mnner auszusuchen und auf einige Wochen als Diener zu
miethen. Noch am selben Tage brachte uns dieser einen echten
Korannajngling von ungefhr 16 Jahren und einen Korannabastard mit
Namen Gert, welche sich beide geneigt zeigten, gegen einen wchentlichen
Lohn von 8 Shillingen und 6 Pence in meine Dienste zu treten.

Zu meiner nicht geringen Ueberraschung erbat sich der deutsche Ansiedler
als einzigen Gegendienst einen Besuch bei seiner kranken Frau. Gern
folgte ich ihm und fand mich bald darauf in einem kleinen, halb in
europischem, halb im Style der Korannahtten ausgefhrten kleinen
Gebude, wo der Mann in Gesellschaft einer Bastardfamilie wohnte. Auch
seine Frau gehrte zu diesen Mischlingen. Sie war in elende, doch
reinliche Lappen gekleidet und der erste Blick belehrte mich ber die
Natur ihrer Krankheit; die Aermste war in Folge drckendster
Nahrungssorgen gnzlich entkrftet; ich fand leider erst spter
Gelegenheit, ihr strkende Arzneien senden zu knnen. Whrend ich noch
mit der Frau sprach, hatte sich uns ein kleines, etwa sechsjhriges
Mdchen mit wahrhaft feinen und schnen Gesichtszgen und kurzgelocktem,
dunkelblondem Haare genhert. Es trug keine Spuren des dunklen Teints
seiner Mutter an sich. Ueber meine Frage: wie es der Mann ber sich
bringen konnte, sich hier unter den Farbigen niederzulassen, erhielt ich
die Antwort: Wohne nicht lange hier, habe ber 300  St., die ich mir
durch langjhrige Arbeit in der Colonie erworben, in jenen verlassenen
Diamantengruben dort drben eingebt; nun mu ich Taglhnerarbeit
verrichten, und in allen diesen Mhen, Sorgen und Enttuschungen fand
ich an diesem farbigen Weibe ein so treues, aufopferndes und
mitfhlendes Wesen, da ich mich nicht leicht von ihr trennen knnte.

Trotz hufiger Regenschauer, welche sich whrend unseres Aufenthaltes in
Klipdrift eingestellt hatten, dachten wir nicht daran, unser bisher
gewohntes Nachtlager unter dem Wagen aufzugeben; unser Erfindungsgeist
fand bald eine entsprechende Abhilfe. Dem Nachtlager war aber auch nicht
ein gewisser origineller und phantastischer Zug abzusprechen. Unsere
Diener schienen nicht nur in der Mythologie Sd-Afrika's wohl bewandert
zu sein, sondern auch unter den Gttern des Alterthums so manchen Gnner
zu haben, vor Allem schien Bacchus ihr Schutzpatron und Morpheus ihr
Liebling zu sein. Wenn wir sie nicht zur Arbeit angehalten htten, wren
sie im Stande gewesen, sechs Stunden des Tages dem Dienste des ersteren,
und den Rest des Tages dem Letzteren zu widmen. Ja, Gert trieb es so
weit, da er oft whrend des Mahles einschlief.

Nachdem wir uns mit etwas Provision, namentlich Mehl, Thee und Zucker
versorgt, verlieen wir Klipdrift und brachen nach Norden zu, gegen die
Vereinigung des Hart-River mit dem Vaal-River, in die von den westlichen
Batlapinen bewohnten Landstriche auf, wobei ich noch einige der
fluabwrts liegenden, verlassenen River-Diggings und zunchst das auf
halbem Wege liegende Gong-Gong berhren wollte. Die durchreiste Gegend
war ein mig hgeliges, nach Westen zu dem Vaalflu' steil abfallendes,
nur stellenweise dichter bebuschtes Hochplateau, auf welchem einige
Niederlassungen der Koranna's und Batlapinen zerstreut lagen.

Fr den Jger wie Naturforscher hat das Land zwischen dem unteren Hart-
und Vaal-River insoferne besonderes Interesse, als man von Sden her
hier zuerst das von den hollndischen Farmern blaues Wildebeest, von
den Betschuana's Kokon genannte, gestreifte graue Gnu (Catoblepas
Gorgon) rudelweise antrifft. Es breitet sich von hier und von den
nrdlichen Gegenden des Oranje-Freistaates nach Norden zu bis ber den
Zambesi aus und ist grer als das schwarze oder gemeine Gnu, dabei auch
minder wild. Seine Hrner unterscheiden sich auch wesentlich von jenen
des gemeinen Gnu, sie sind nmlich nach vorne und innen gebogen und
hneln denen mancher unserer kurzhrnigen Rindviehracen.

Die Jger unterscheiden beide Arten nach der Farbe der Schwanzhaare,
indem das schwarze durch einen weien, das auf blulich-grauem Grunde,
namentlich am Vorder- und Oberkrper schwarz gestreifte Gnu durch einen
schwarzen Schwanz schon aus groer Ferne erkennbar ist. In den baumlosen
Ebenen von den westlichen Theilen der Cap-Colonie bis zum 23. Grad
nrdlicher Breite ist es neben den Springbock- und den Blbockgazellen
das hufigste Wild.

In spter Nachmittagsstunde bogen wir in eine kleine Schlucht ein, an
derem Ausgange im Vaalthale einige Segeltuchhuschen und Zelte sichtbar
wurden; es waren die Reste des einst so blhenden Gong-Gong, das
anmuthig aus dem dunklen Grn ppiger Laubbume hervorlugte. Auch
fehlten einige Koranna- und Betschuanahtten nicht, die auf dem felsigen
und niedrigen Abhange des Plateau's zwischen den Steinblcken erbaut
waren. Gegenber von Gong-Gong liegt das noch rmlicher aussehende
Waldeks-Plant.

Wir schlugen im Drfchen selbst auf einer einladenden Rasenstelle unser
Lager auf. Ein Wagen war fr Gong-Gong und Waldeks-Plant etwas nicht
Alltgliches und so waren wir bald Gegenstand der allgemeinsten
Aufmerksamkeit geworden.

Die Diamantengruben von Gong-Gong lagen auf dem Abhange; jene im Thale,
unmittelbar am Flusse und im alten Flubette waren schon seit Langem
verlassen. Mehr Leben fand ich in Waldeks-Plant, welches sich auch durch
den Fund zweier schnen Steine in einer und derselben Grube einen Namen
errang. Es war ein gelblicher Stein, der 288 Karat wog und ein zweiter
weilicher, der in seiner Mitte einen schwrzlichen Fleck zeigte, einer
Fliege nicht unhnlich und deshalb auch der Fly-(Fliegen-)Diamond
genannt wurde. Ihr Finder wollte einst nach langer fruchtloser Arbeit
seinen Claim verkaufen, doch Niemand fand sich, der auf seine Forderung
eingegangen wre; um nicht mig zu sein, entschlo er sich allein, ohne
Beihilfe schwarzer Diener, das Graben und Suchen fortzusetzen. Das
bishin treulose Glck lchelte ihm nun zu und er fand zuerst den groen,
kurze Zeit darauf den Fly-Diamond und ward ber Nacht ein gemachter
Mann. Der Werth des groen Steines wurde damals mit 10.000  St.
angegeben und ich erinnere mich, da er nach meiner Rckkehr von der
ersten Reise in den Central-Diggings lngere Zeit hindurch gegen 1
Shilling Entre ausgestellt war.

[Illustration: Batlapinenknaben den Kiri werfend.]

Von Gong-Gong schlugen wir eine nrdliche Richtung nach dem Hart-River
ein; einige weie, aus der Ferne entgegenschimmernde Punkte an den zum
Vaal sich steil herabsenkenden Felsenhgeln bezeichneten uns die
Stellen, wo noch vor wenigen Jahren die blhenden River-Diggings
New-Kierke-Rush u.a. lagen. Die Strecke von Gong-Gong bis Delportshope
(dieses nicht ganz eine Meile von der Hart-Rivermndung entfernt) gehrt
gewi zu den unbequemsten, die ich je mit einem Wagen passirte. Ich
konnte es nicht fassen, wie zur Zeit der Blthe der River-Diggings auf
solchen Verkehrspfaden die Bedrfnisse von Tausenden von Menschen
mittelst der Achse herbeigeschafft wurden. Auf der ganzen
zurckzulegenden Strecke glich der als Fahrweg bentzte Erdstreifen
einem von Wasserfluthen ausgewaschenen Gerllboden. Die Fahrt ber diese
Chaussee war, wie leicht denkbar, eine martervolle; kaum war das eine
Hinterrad aus einem der zahllosen wassergefllten Lcher durch die
vereinten Anstrengungen der Thiere und die virtuose Handhabung der
riesigen Peitsche von Seite des Korannatreibers herausgefrdert, als
schon wieder eines der Vorderrder ber einen fast fuhohen Block
hinaufgezerrt wurde. Um das Ma voll zu machen, begannen die des Joches
ungewohnten Zugthiere in strrischester Weise ihre Dienste zu versagen.

Kein Wunder, wenn diese Fahrt die dreifache Zeit in Anspruch nahm. Ein
Blick auf die zu beiden Seiten des Weges zerstreut umherliegenden
Wagentrmmer gewhrte uns einen, wenn auch schwachen Trost; wir waren
nicht die einzigen, die unter diesen Qualen zu leiden hatten. Leider
waren dieser Fahrt alle meine Thermo- und Barometer zum Opfer gefallen.
Die Begegnung mit einem Batlapinen, der an einem Kiri, einer bei den
Zulu und Betschuana beliebten Waffe, ein Hschen trug, nahm mein ganzes
Interesse in Anspruch. Die Waffe ist aus Holz (bei den nrdlichen
Bamanquato auch aus dem Horne des Rhinoceros) gearbeitet, 20-90
Centimeter lang und luft an einem Ende in eine hhnerei- bis
faustgroe, einfache oder geschnitzte Kugel aus. Im Handgemenge ist der
Kiri eine sehr wirksame Waffe, auch findet er auf der Jagd Verwendung
und einige Stmme werfen ihn mit wahrhafter Virtuositt. Bei den
Matabele ist der Kiri jene furchtbare Waffe, mit welcher diese Zulu's
die Schdel der mnnlichen, erwachsenen Bevlkerung der rebellirenden
Makalakadrfer einschlugen.

[Illustration: Batlapine.]

Nebst dem Hasen trug der Mann auch ein Paar aus gegerbtem Leder
gearbeitete, mit Thiersehnen sauber zusammengenhte Unaussprechliche,
welche ich ihm sammt der Jagdbeute und der Waffe abkaufen wollte.
Nein, antwortete er, im gebrochenen Hollndisch, det brke (die
Betschuana's haben in ihrer Sechuana[1] keine Benennung fr viele der
von den Europern eingefhrten Artikel, darum nehmen sie das dafr im
Hollndischen oder Englischen gebruchliche Wort, es natrlich
verunstaltend, oder sie umschreiben es durch mehrere ihrer eigenen
Sprache), bring' ich zu meinem Bas (Herrn) nach Klipdrift, den
Hasen, meinte er, knne er selbst gut brauchen und den Kiri knne er uns
schon gar nicht berlassen, da er seiner zum Schutze gegen die Phyci
(Hyne) bedrfe. Wie der in der Colonie wohnende Kaffer auf seinen
Wanderungen stets seine beiden, in der Regel aus Eisen oder Assagaiholz
gearbeiteten Stcke mit sich fhrt, so nimmt auch der Betschuana und
Zulu seinen Kiri mit. Hat er auf der Weide oder im hohen Grase eine
Zwergtrappe bemerkt, so sucht er sich so nah' als mglich
anzuschleichen, erhebt sich dann pltzlich, um den Vogel zum Auffliegen
zu bringen und in diesem Momente saust sein kleiner, am Ende verdickter
Stock durch die Lfte. Er thut dies ebenso geschickt, wie er sich als
Schtze ungeschickt benimmt. Das Wild auf den unabsehbaren Ebenen
zwischen dem mittleren Hart-River und dem oberen Molapolaufe ist durch
diese Ungeschicklichkeit uerst scheu geworden.

    1: Die Sprache der Betschuana's.

Nach und nach senkte sich das Land gegen den Hart-River, dessen Thal
breit und offen erschien, und im Norden aus der Ferne durch den
N'Kaap, den bebuschten und felsigen Abfall des Hochlandes begrenzt
wird. Die Vereinigung des Hart- und Vaal-Rivers wurde mir immer als ein
besonders schnes Landschaftsbild geschildert, ich fand dies blos als
Gegensatz zu dem an schnen Naturscenerien so armen Gebiete
Griaqualand-West besttigt.

Von Sden kommend, breiten sich hier die vorher ber Stromschnellen
dahin rauschenden Gewsser des Vaalflusses in einem gerumigen
schlammigen Bett aus, wo sie ruhig dahinflieend sich gleichsam etwas
Rast gnnen um unmittelbar vor der Mndung des aus Nordost kommenden
Hartflusses eine pltzliche Wendung nach West zu machen, und nachdem sie
diese Richtung fr eine kurze Strecke verfolgt, eine entschieden
sdsdwestliche zu nehmen. Das linke Vaalufer an der Biegung ist
sumpfig, mit hohen Bumen bestanden und birgt so manche Wildkatze,
Luchse und hnliches Raubgethier, sowie einige Heerden verwilderter
Schweine.

Die sdliche Partie des rechten Ufers, in den oberen Schichten aus
Humus, in den unteren aus Lehm gebildet, ist eine fruchtbare, nur
unmittelbar an der Flumndung mit hochstmmigen Bumen bewachsene
Ebene. Das jenseitige Ufer des Hartflusses ist viel hher, steigt auch
zu einer Felsenhhe empor, die von Schieferlagern gebildet und von
petrefactenarmem Kalk berlagert, jene oben erwhnte nach dem N'Kaap
hinziehende Hochebene bildet. Diese Hhe fllt unmittelbar am Vaalflusse
oberhalb der Biegung steil ab, und wird von einer hier einmndenden
Schlucht getheilt, welche ich manches interessanten Fundes halber
(meiner Vaterstadt zu Ehren) die Holitzer Schlucht nannte und die kaum
300 Schritt von der Hart-Rivermndung entfernt liegend, mit der von
Hbner entdeckten Klippdachsgrotte nicht zu verwechseln ist. Beide Ufer
des unteren Hart-River gehrten frher zum Besitze des 3 englische
Meilen entfernt am rechten Ufer in der Stadt Lekatlong wohnenden
Batlapinenfrsten Jantsche, der gegenwrtig als englischer Unterthan
eine jhrliche Subvention von 200  St. erhlt.

Der Abstieg von der hohen Ebene von Gong-Gong in das Hart-Riverthal
fhrte uns an dem im bereits bekannten sdafrikanischen Styl erbauten
Gehfte eines Store-Keepers (Kaufmannes) vorber. Der freundliche
Empfang, den wir bei diesem fanden, brachte uns bald nher und so erfuhr
ich, da er ein Deutscher sei, der an eine hollndische Frau
verheirathet, im nahen Delportshope sein Glck im Diggen versuchte,
dabei aber noch ein kleines Tauschgeschft mit den Batlapinen des
unteren Hart-Riverthales betrieb und das Holz der Kameeldornbume, die
hier das jenseitige Ufer des Vaal dicht bedeckten, auf dem Markte in
Kimberley verkaufte.

Seine uns bewiesene Gastfreundschaft und das Bestreben, sich uns
gefllig und ntzlich zu erweisen, htte bald ein Menschenleben
gefordert. Als er meine naturhistorischen Sammlungen, all' die von ihm
so verabscheuten Reptilien und das giftige Gewrm in theurem Spirit of
wine (Spiritus) prparirt sah, war sein Erstaunen nicht gering, da er
aber bemerkte, welchen Werth ich auf die Acquisition schner Exemplare
dieses Gut (spr. Chut) legte, war er bemht, mir solches zu
verschaffen. Besondere Freude glaubte er mir durch den Fang einer
Fischotter[1] zu bereiten. Da es schwer hielt, die scheuen Thiere
lebendig zu fangen, wollten er und seine Freunde mir mindestens zu
einigen Blgen verhelfen. Ein junger Hollnder hatte deshalb sein altes
Schrotgewehr geladen, jedoch zu stark, beim Schusse barst das
Gewehr--glcklicherweise ohne den Schtzen oder Jemanden seiner Umgebung
zu verletzen.

    1: Ich beobachtete drei Fischotterarten in Sd-Afrika, eine in den
    Strmen der sdlicheren Partien und zwei im Limpopo- und
    Zambesi-Gebiete. Wenn die eine auch grer als die unsrige ist, hat
    doch keine der drei Arten einen gleich werthvollen Pelz.

In der durch Jahrtausende hindurch thtige Erosion ausgewaschenen
Felsenmulde der Holitzer Schlucht, machte ich bei nherer Besichtigung
derselben die interessante Entdeckung, da dieselbe ein wahres
schtzendes Asyl fr die artenreiche niedere Thierwelt und ein
natrliches Treibhaus fr die Vegetation sei. Whrend ich an den offenen
Ufern des Vaal krner- und insectenfressende Singvgel nur in kleinen,
mehrere Prchen zhlenden Colonien vorfand, wiederhallten hier die
dichtbebuschten, bald terrassenfrmig, bald steil abfallenden Wnde der
Schlucht von dem tausendstimmigen Gezwitscher der verschiedenartigsten
Snger. Die Bezeichnung schtzendes Asyl ist eine um so zutreffendere,
wenn wir die Lage und Umgebung der Schlucht nher in's Auge fassen. Die
Schlucht--offenbar nur die Fortsetzung, d.h. das durch das Wasser
muldenartig ausgewaschene Ende eines seichten Wiesenthales der
Hochebene--ist an ihrem oberen Rande derart von dichten und dornigen
Bschen eingerahmt, da nur sehr kleine Thiere ungehindert Zu- und
Ausgang finden; nach unten ist sie vom Flusse aus begrenzt, dessen
steiles und hohes Felsufer, eine wirksame Schutzwehr gegen mordlustige
Eindringlinge bildet.

Am Grunde der Schlucht, unter dem Schatten breitstmmiger,
dichtbelaubter Bume, erfreut uns das dunkle, saftige Grn eines ppigen
Rasens; hier konnten wir das muntere Treiben der Springhasen, kleiner
Gazellen, des Klippdachses und der Wildenten belauschen, whrend aus dem
dichten Laube der Bume das Geschnatter einer hier in Ruhe nistenden
Chenalopex (Gansart) heraustnte. Den Reiz dieses verborgenen
Erdenwinkels erhhte das Rauschen eines von den dichten beerenbehangenen
Bschen fast vllig verdeckten Wasserfalles im oberen Theile der
Schlucht, dessen Ufer (von einer Kalksteinlage berdeckter Sandstein)
grottenhnlich ausgehhlt sind. Zur Trockenzeit versiegt nun allerdings
das die ganze Scenerie belebende Rauschen des Bchleins. Mein Entzcken
ber dieses aus der anmuthslosen Umgebung edengleich hervorstechende
Pltzchen war vollstndig, als ich am Boden der Schlucht eine dichte
Lage von Fossilien der letzten Alluvial Periode, darunter auch eine
Tigerschneckenart entdeckt hatte.

An einem der zahlreichen, sein Geste ber die Schlucht ausbreitenden
Bume entdeckte ich einen mchtigen Nestbau, den ich fr den eines Affen
hielt, jedoch spter erkannte, da er einem der grten befiederten
Nestknstler, dem Hammerkopf angehre. Dieser etwa 18 Zoll hohe, durch
ein schn braunes Gefieder und einen langen Schopf am Hinterkopfe
ausgezeichnete Vogel baut zwischen den Gabeln starker Aeste meist
solcher Bume, welche Abgrnde und Flsse berhngen, oder zwischen
steilen Felsenklften sein 18 Zoll bis 3 Fu hohes im oberen Umfange 6-8
Fu haltendes, nach unten spitzig zulaufendes Nest, das einem
abgestutzten, oben umgekehrten Kegelkrper nicht unhnlich ist. Das
Ganze stellt einen soliden, oben gedeckten und eine gerumige Kammer
enthaltenden Bau dar; in die Kammer fhrt eine viereckige 8-10 Zoll im
Quadrat messende Oeffnung. Der Bau, in dem eine Menge von Knochen
anzutreffen sind, ist meist aus Reisig aufgefhrt.

Doch auch dieses Eden, vielleicht nicht unrichtig mit einem im tauben
Flugerlle verborgenen Diamanten zu vergleichen, hatte seine Schlangen.
Ich fand in der Holitzer Schlucht nicht weniger als sieben Arten, unter
diesen zwei Species der in ganz Sd-Afrika wohl bekannten Cobra. Das
erste Thier erblickte ich in dem Momente, als ich Insecten suchend,
einen schweren Stein aufhob. Anfangs bemerkte ich nur, da sich unter
demselben in einer migen Vertiefung die Reste eines Mausnestes
befanden; der durch das Laubdickdicht dringende Sonnenstrahl lie mich
aber sofort die glitzernde Haut einer Schlange erkennen. Da ich keine
geeignete Angriffswaffe bei mir hatte, blieb ich unbeweglich stehen, um
nach der Flucht der Schlange das Nest nach kleinen Insecten durchstbern
zu knnen. Ich hatte auch nicht lange zu warten; durch die warmen
Sonnenstrahlen geweckt, lste sich aus dem weichen Wollbettchen ein ber
vier Fu langer Knuel auf. Beim Emporrichten erblickte mich die
Schlange sofort und schon fauchte sie, wie es die Cobras[1] thun, mit
dem vorderen Drittel ihres Krpers aufgerichtet, nach mir herber. Dabei
blhte sie den dunkelgefrbten, ringfrmigen, etwa zwei Zoll breiten
Halstheil auf und zngelte lebhaft mit der gespaltenen dunklen Zunge.
Meine Haltung mute in ihr die Besorgni einer drohenden Gefahr erweckt
haben, denn sie verschwand bald darauf im dichten Gebsch.

    1: Obgleich ich whrend meines siebenjhrigen Aufenthaltes mehr als
    200 Schlangen erlegte, beobachtete ich in Sd-Afrika auer den drei
    Mambaarten keine Schlange, die ungereizt den Menschen angreifen
    wrde.

[Illustration: Nest des Hammerkopf (Scopus Umbretta).]

Bevor ich mich auf diese erste Versuchsreise begab, hatte ich eines
Tages, als ich mit meinem Gefhrten F. zwischen den Gesteinen auf den
Ebenen zwischen Dutoitspan und Kimberley nach Insecten und Echsen
fahndete, eine ber 5 Fu lange Cobra angetroffen; es war ein Exemplar
von seltener Schnheit, und da ich keine bessere Waffe zur Hand hatte,
griff ich schnell entschlossen nach einem der zahlreich umherliegenden
Ochsenskelette, brach eine Rippe davon ab und verfolgte das Reptil. In
die Enge getrieben, wendet sie sich pltzlich um und richtete sich fast
hart vor mir hoch auf; ich war aber schon zu weit vorgebeugt, um
zurckweichen zu knnen, ein minutenlanges Zagen und ich war verloren,
doch meine Geistesgegenwart verlie mich nicht, ein krftig und sicher
gefhrter Hieb in den Nacken und das schne aber gefhrliche Thier war
mein; mit triumphirender Miene trugen wir das um die Rippe gewickelte
Reptil heim.

Unter allen sdafrikanischen Giftschlangen halte ich die Mambaarten,
eine grne, eine schwarze und eine gelbliche Species fr die
gefhrlichsten. Mir sind Flle bekannt, da Mamba's (von den beiden
ersten Arten, welche die wrmeren Buschpartien an der Kste bewohnen)
nach dem Erblicken eines Menschen sofort zum Angriffe bergingen. Ich
will hier nur eines solchen gedenken. Einige Kaffernkinder, die sich in
den nur einige hundert Schritte vom Hause entfernten Bschen spielend
ergtzten, wurden einer aus diesen hervorschleichenden Mamba gewahr; die
Gefhrlichkeit des Thieres kennend, wandten sie sich sofort auf der
nahebei vorberfhrenden Strae zur Flucht; nach einer Weile im Laufe
innehaltend, blickten sie hinter sich und migten nun, nachdem sie das
Thier nicht mehr erblickten, ihre Schritte. Wenige Minuten darauf aber
schrie pltzlich eines der Kinder laut auf, die Schlange hatte
ihrerseits deren Verfolgung nicht aufgegeben und nun eines derselben in
die Ferse gebissen. Eine Viertelstunde spter war das Kind eine Leiche.

Die schmutzig-ockergelbe Mamba der wrmeren, nrdlichen Partien des
centralen Sd-Afrika, gibt auf eine andere, in den Mapaniwldern der
Sibanani-Ebene hufig zu beobachtende Weise den Rach- und Mordsinn[1]
ihrer Familie zu erkennen. Auf Wildpfaden, da wo diese zum Wasser fhren
und wo sich zwei brchige und hohle Mapanibume einander
gegenberstehend mit ihren dichten, doch nicht breiten, unscheinbaren
Kronen berhren, wird man diese Mamba finden. Sie liegt in dem Geste
und zwischen dem dichten lhaltigen Laube der Bume auf der Lauer;
nhert sich ein Geschpf, so rollt sie sich mit dem Schwanze um einen
Ast und lt sich mit dem Vorderkrper nach abwrts, hier aus dem
Gezweige zwischen den zwei Stmmen nach dem Pfade zu wie ein Assagai
herunterhngend. Da sie keine auffallende Farbe besitzt, wie ihre grne
und schwarze Schwester, so wird sie namentlich von dem Europer gar
nicht bemerkt und kann so bei der Heftigkeit ihres Giftes leicht sehr
gefhrlich werden.

    1: Ich schreibe ihr ausdrcklich Mordlust zu, denn sie ist nie im
    Stande, die von ihr getdteten Thiere zu verschlingen.

Am selben Tage als ich in der Holitzer Schlucht jener Cobra
gegenberstand, wurde auch einer meiner farbigen Diener nicht wenig
durch eine hnliche Schlange erschreckt. Eben damit beschftigt, ein
angeschossenes Tubchen aus dem Dickicht des Uferabhanges
herauszusuchen, sprang er pltzlich mit einem lauten Schrei aus den
Gebschen und eilte mit dem Rufe Sir a Slang zu mir. Alle Eingebornen,
mit Ausnahme der unter den Zulus als Zauberer bekannten Medicinmnner,
frchten sich hnlich wie die Affen, ungemein vor diesen Reptilien. Zwei
Tage spter erscho ich am Grunde der Schlucht eine jener kurzen,
schwarzen, von den hollndischen Farmern ob ihres weien, die untere
Halspartie kennzeichnenden Fleckens Ringhals benannten Schlangen. Der
frher erwhnte Kaufmann, dem ich mein Zusammentreffen mit dieser
Schlange mittheilte, wute mir etwas mehr ber diese Schlangenart zu
erzhlen; eines Vorfalls, von dessen Wahrheit ich mich nur zu sehr durch
andere hnliche in der Folgezeit beobachtete Thatsachen berzeugen
konnte, sei hier gedacht. Einige Monate vor meiner Ankunft fiel es dem
Farmer auf, da eine seiner tglich am jenseitigen Ufer weidenden Khe
regelmig durch mehr denn zwei Wochen um ein bis zwei Stunden spter
als die brigen Thiere der Heerde in's Gehfte zurckkehrte. Da es in
der Nhe keine gefhrlichen Raubthiere gab, lie man die Thiere ohne
Hirten auf die Weide gehen. Als nun dem Besitzer das eigenthmliche,
tgliche Ausbleiben des einen Thieres auffiel, sandte er einen seiner
Diener aus, um die Ursache dieser aufflligen Versptung zu erforschen.
Schon nach kurzer Zeit hrte der Farmer den Ruf des Dieners: Bas, Bas,
fat det rur[1] (Herr, fasse das Gewehr) und komm, schnell herber, ein
Ringhals sugt an Deiner Kuh. Aeuerst begierig den Vorfall zu sehen,
rief der Farmer seine Freunde zusammen und eilte nach dem Flusse. Unweit
des Flusses sah er die Kuh gemchlich niedergekauert grasen, und um ihre
Hinterfe zur Hlfte geschlungen hielt sich ein Ringhals aufrecht an
einem der Euter begierig saugend. Er war schon vollgesogen und hatte
ganz das Aussehen eines riesigen Blutegels; der schwer angeschwollene
Leib glitt fortwhrend ab. Bevor die erstaunten Zuseher noch in die Nhe
gelangt waren, verschwand die Schlange spurlos in den Bschen. Am
folgenden Tage gelang es den Farmerleuten, sich ganz leise dem Busche zu
nhern und das vollgesogene Reptil gefahrlos zu erlegen.

    1: Geschrieben wie es ausgesprochen wird.

[Illustration: Mamba auf der Lauer.]

Etwas Aehnliches ereignete sich einige Jahre vor meinem Besuche
Sd-Afrika's in dem Freistaat-Stdtchen Philipolis. Einer meiner
Freunde, Mr. K., den ich in den Diamantenfeldern kennen lernte, war
daselbst in dem Geschfte eines Herrn H. thtig und wohnte in dessen
nchster Nhe, in einem etwas hher als das Niveau der Strae stehenden,
aus Backsteinen solid erbauten Hause. Er war eines Nachmittags mit
einigen Boers beschftigt, als ihn seine Magd mit der Nachricht abrief,
da sein kleines Kind in Lebensgefahr schwebe. Ohne Ahnung, was diese
Nachricht zu bedeuten habe, lie der Mann Waare und Kufer im Stich und
eilte nach Hause. Heimgekommen findet er seine Frau vor Schrecken
wortlos im Vorhause, whrend ihm sein Tchterchen in kindlicher
Harmlosigkeit erzhlte, da eine lange schwarze Katze aus Baby's Flasche
die Milch trinke. Mr. K. eilte in die Kinderstube und findet sein
kleines Kind schlafend, auf der Erde die halbgeleerte, mit einem
Gummisauger versehene Milchflasche. Unterdessen hatte sich die Frau
einigermaen von dem tdtlichen Schrecken erholt und begann den Vorfall
zu erzhlen. Als ihr das kleine Tchterchen von einer schwarzen, langen
Katze erzhlte, da war sie sofort zum Baby geeilt; ein ihr Mutterherz
mit Entsetzen erfllender Anblick bot sich ihr; eine schwarze Schlange,
die neben dem Sugling zusammengerollt lag und aus der halbliegenden
Flasche, die dem schlafenden Kinde aus dem Munde entschlpft war, Milch
sog. Mit einem Schrei strzte ich heraus und das mute wohl das Reptil
so erschreckt haben, da es herunterfiel, oder sich irgendwo im Bettzeug
versteckte, ich hrte auch die Flasche fallen, dann fhlte ich ein
solches Zittern, da ich nicht mehr das Zimmer betreten konnte. Mr. K.
sah sich erst im Zimmer nach der Schlange um, und der erste Blick, den
er unter das Bett warf, berzeugte ihn, welchen gefhrlichen Gast das
Zimmer beherberge. Um die Schlange anzulocken und sie sicher zu treffen,
schob er die Flasche mit dem Sauger nach dem Reptil zu unter den Rand
des Bettes, whrend ihm seine Frau einen Kiri brachte. Die Schlange
konnte dieser Lockung nicht widerstehen, doch im nchsten Augenblicke
zerschmetterte ein einziger Schlag Schlange und Flasche. Nach Jahren
erst erfuhr Baby[1] in welcher Gefahr sie geschwebt und welch'
wunderliche, schwarze Katzen es frher in Philipolis gab.

    1: Baby nennt man ein kleines, unmndiges Kind, und zwar stets das
    Jngste.

In geographischer Hinsicht war es mir von groem Interesse, die Tiefen
der von mir berschrittenen und besuchten Flsse kennen zu lernen, und
ich war, wo dies nur immer anging, und nicht Krokodile ein solches
Beginnen vereitelten, bemht, diesbezgliche Messungen anzustellen; in
Ermanglung eines Bootes und anderer Apparate mute ich die Tiefe an
meiner Person selbst erproben. Ein Unfall im Harts-River, der mich nher
als ich ahnte, an den Rand des Grabes brachte, verleidete mir fr die
Folge solch' gewagte Experimente immer mehr, bis ich sie schlielich
ganz aufgab.

Es sei mir hier gestattet, diesem Unfall einige Worte zu widmen. Um eine
passende Uebergangsstelle fr meinen Wagen zu finden, mute ich die
Tiefe des nahe unserem Lagerplatze 6-8 Meter breiten Harts-Rivers
untersuchen. Ich fand endlich eine mir gnstig scheinende Stelle, die
hohen und trockenen Ufer, die geringe Wassertiefe von 14-16 Zoll in
dessen Nhe, bestrkten mich in der Hoffnung, die richtige Furth
gefunden zu haben. Nachdem ich mit einem khnen Wurfe den nothwendigsten
Theil meiner Garderobe an das jenseitige Ufer befrdert, ging ich daran,
den Flu zu bersetzen; schon nach dem ersten Schritt versanken meine
Fe in tiefem Schlamm, langsam und vorsichtig den Grund prfend, hatte
ich etwa die Mitte der Flubreite erreicht, ich stand in zwei Fu tiefem
Schlamm und ebenso tiefem Wasser. Jeder weitere Schritt zeigte mir, da
die Schlammschichte an Tiefe zunehme, ich wollte nur noch einen Schritt
nach vorwrts versuchen und wenn die Tiefe nicht abnahm, umkehren, doch
dazu kam es nicht mehr; ich sank immer tiefer und tiefer. Dabei fhlte
ich, wie der Schlamm immer zher und consistenter wurde.

Ein Hilferuf htte kaum Erfolg gehabt, denn der Wagen war zu weit
entfernt. Meine Lage war, ich mu gestehen, eine mich im hchsten Grade
bengstigende. Schon umsplte das Wasser mein Kinn, und ich schien
rettungslos verloren, als ich im Bewutsein der eminenten Gefahr,
vielleicht instinctmig den Oberkrper mit einem gewaltsamen Ruck nach
vorwrts bog und mit den Hnden die Bewegungen des Schwimmens versuchte.
Ich kam so, nachdem die Brust die dnne oberste Schlammlage zertheilt
hatte, mit Gesicht und Brust unter das Wasser, flach auf den Schlamm zu
liegen; ein mit aller Kraft unternommener Versuch, den einen Fu aus dem
zhen Schlamm zu befreien, glckte. Doch nun drohte mir der
Erstickungstod im Wasser und ich mute wieder den Kopf ber Wasser
halten, um Athem zu schpfen. Es war inde kein Moment zu verlieren,
wollte ich nicht den errungenen Vortheil opfern; ich wiederholte den
vorerwhnten Versuch und endlich fhlte ich den zweiten Fu aus seiner
Umklammerung befreit. Ein zweiter Ruck nach vorwrts und es gelingt mir,
meine Hnde in den festen Schlamm des jenseitigen Ufers einzugraben. Ich
war gerettet. Es bedarf wohl keiner weiteren Worte um meine Stimmung,
meinen Krperzustand zu schildern, als ich wieder festen Boden unter mir
fhlte.

Ich hatte mich kaum von der natrlichen Aufregung in Folge des mir
zugestoenen Unfalls erholt, als mir schon am folgenden Tage eine
andere, hchst empfindliche Ueberraschung erwuchs und ich den bei vielen
afrikanischen Stmmen so hoch entwickelten Diebssinn kennen lernte. Mein
Reitpferd war pltzlich verschwunden, vergeblich alle unsere vereinten
Bemhungen, eine Spur der Diebe zu entdecken. Erst nach sieben Jahren,
gelegentlich eines Ausfluges, den ich aus den Diamantenfeldern nach dem
Vaal machte, erfuhr ich von dem bereits mehrfach erwhnten Kaufmann, da
Jantsche's Leute das Pferd gestohlen hatten.

Nach mehrtgigem Aufenthalte an dieser mir in lebhafter Erinnerung
bleibenden Stelle setzten wir unsere Reise im Thale des Hart-Rivers
aufwrts fort.

Ab und zu verengt oder erweitert sich das Thal, je nachdem die es zu
beiden Seiten begrenzenden, zumeist parallel laufenden Felsenhhen nher
aneinander oder weiter auseinander rcken, und behlt diesen Charakter
bis in die Nhe des Hauptortes des freien Batlapinenreiches, Taung. Von
der Fruchtbarkeit des Bodens gaben die durchschnittlich - Aere
Flcheninhalt messenden und gut bebauten Felder Zeugni, deren
Gesammtausdehnung ich zu 1000 Schritt Lnge und 2-400 Schritt Breite
schtzte. Etwa hundert einzeln oder in kleinen Gruppen die Parzellen
dieser bebauten Flche bearbeitende Frauen belebten diese Strecke. Hier
war eine Gruppe damit beschftigt, die reifen Maiskolben abzubrechen,
dort wieder das Feld auszujten, andere wieder bearbeiteten mit uerst
primitiven Hauen den Ackerboden. Manche der Maispflanzen standen noch
sehr niedrig, dagegen waren bereits Krbisse und Wassermelonen in der
Reife so weit vorgeschritten, da den arbeitenden Frauen das Vergngen
vom Gesichte abzulesen war. Unter den Frauen bemerkten wir auch Mdchen
und Greisinnen, denen die leichten Arbeiten, namentlich das Grasjten
und das Zusammentragen der Maiskolben oblag. Mehrere der Frauen trugen
einen Sugling in einem Ledersacke am Rcken befestigt, oder hatten ihn
auf einer auf der Erde liegenden kleinen Carosse gebettet, umgeben von
mehreren bereits den Kinderschuhen entwachsenen Vertretern der
hoffnungsvollen Jugend von Lekatlong, welche sichtlich bemht waren, den
kleinen Schreihlsen die Zeit und die qulenden Fliegen zu vertreiben,
welches letztere sie theils mit Blttern, theils mit aus Thierschwnzen
verfertigten und auf Holzstbchen befestigten Wedeln mit wechselndem
Erfolge zu Stande brachten. Manche der Frauen hatten blos einige Lappen
(meist die Mdchen), andere eine kurze bis zu den Knieen reichende,
glatt gegerbte Carosse um die Hften geschlungen, andere wieder ein
kurzes, viereckiges Fell als Vorder- und ein greres, mit eingenhten
schwarzen Lederringen geschmcktes als Rckenschrze bentzt. Von der
Stirn perlender Schwei gab Zeugni, da sie wacker zur Arbeit hielten.
Als Schmuck trugen die meisten Schnre von groen blauen Glasperlen am
Halse, aus Messingdraht geflochtene Ringe an den Armen und aus einem
hnlichen Material gearbeiteten Ohrschmuck, der jedoch bei den rmeren
nur aus rundlichen Holzpflckchen bestand. Den Kopf hatten beinahe alle
mit einem kegelfrmigen aus Stroh oder aus Binsen und Gras geflochtenen,
tief in's Gesicht fallenden Hute bedeckt, der ihnen unter ein pund (
St.) nicht feil war.

[Illustration: Im Schlamme des Harts-River versunken.]

[Illustration: Ackerbau bei den Batlapinen.]

Das heitere und spttische Lachen der schwarzen Schnen galt besonders
unserem Begleiter F., dessen herausforderndes Benehmen das Hauptziel
ihrer Witze bildete,--diese frhliche Stimmung der Batlapinen
erleichterte auch den lebhaften Tauschhandel, der sich an unserem
Reisewagen entwickelte und bei welchem wir gegen einige Stckchen
Transvaaltabak und einige frbige Taschentcher unseren Bedarf an
Melonen und Krbissen einhandelten.




V.

Von Lekatlong nach Wonderfontein.

Batlapinenleben.--Webervgel und ihre Nester.--Zuckerrohr-Pflanzungen.
--Spitzkopf.--Mitzima's Dorf.--Schlauheit der Batlapinenweiber.
--Termitenbauten.--Reisende Batlapinen.--In Lebensgefahr.
--Springbockfontein.--Transvaal-Emigranten.--Gassibone und
seine Residenz.--Tauschhandel.--Wanderheuschrecken.--Ein seltsamer
Labetrunk.--Am Vaal-River.--Wasser- und Landleguane.--Christiana, die
westlichste Transvaal-Stadt.--Einfache Rechtspflege.--Landschaftlicher
Contrast der beiden Vaalufer.--Bloemhof.--Ein gefhrlicher Nachtmarsch
bei Gewittersturm.--Waidmann's Eldorado.--Knigskraniche.--Gnu
und Blbock.--Romberg's Farm.--Von schwarzen Gnu's
berrascht.--Hhnervgel.--Klerksdrop.--Potschefstroom.--Das
Moi-Riverthal.--Geognostische Entdeckungen--Wonderfontein und seine
Grotten.


Die Hauptstadt des sdlichsten der Batlapinenstmme, Lekatlong (der Name
bedeutet Vereinigung, wohl in Bezug auf die beiden Flsse), die Residenz
des Frsten Jantsche, bestand aus circa 160-200 Htten, welche drei
grere Gehftgruppen bildeten, in welchen je 2-4 Htten zu einem Gehft
vereinigt waren. Die einzelnen Gehfte waren von einem 4-6 Fu hohen,
aus drren Zweigen hergestellten Zaune umgeben. Die Htten der mittleren
Gehftgruppe zeigten die emsigste Arbeit, auch reichte die Gruppe bis an
den Flu. In ihrer Mitte standen auf einem freien Platze die Ruinen
eines Missionsgebudes, welches einige Jahre zuvor abgebrannt war. Zur
Zeit meines Besuches hielt sich hier kein Missionr auf, in neuerer Zeit
soll jedoch von der London Missionary-Society, in deren Wirkungsbezirk
Lekatlong gehrt, ein solcher dahin delegirt worden sein. In einiger
Entfernung vom Missionshause erhob sich die Kirche, ein lngliches, aus
ungebrannten Backsteinen aufgefhrtes, unscheinbares Gebude, dessen
Giebeldach mit drrem Grase gedeckt war.

Vom rechten Ufer aus gesehen bot die Stadt mit ihren regelmig
aneinander gereihten Gehftgruppen einen ganz netten Anblick. In den
Straen, d.h. den freien Rumen zwischen den einzelnen Gehften
herrschte reges Leben, hier sah man Frauen, welche, groe thnerne
Gefe auf dem Kopfe tragend, zum Flusse eilten, dort wieder Frauen, die
unter der Last groer schwerer Bndel drren Grases oder Gestrppe
seufzend nach Hause gingen, whrend eine Schaar nackter Kinder sich
spielend am Fluufer ergtzte, andere wieder mit den ihrer Obhut
anvertrauten Heerden auf die Weide zogen. Zu diesem Bilde emsiger
Thtigkeit der Frauen contrastirte das dolce far niente der Mnner
auffllig, man sah sie allerorts mig auf der Erde liegen, sich einer
gesttigten Schlange gleich im Freien sonnend und von den Anstrengungen
des eingenommenen Mahles erholend.

[Illustration: Tauschhandel am Wagen.]

Einige der Mnner hatten aus europischen Stoffen, andere aus
weichgegerbten Fellen gearbeitete Jacken und Hosen an; ihre Kpfe
bedeckten kleine, aus Gras oder Binsen gearbeitete Htchen. Die Mnner
waren meist von Mittelgre, ihr Wuchs war aber weder so schn wie jener
der Zulu's, noch so krftig wie jener der Fingo's, auffallend hell
schien mir ihre Hautfarbe. Ihre Gesichtszge waren durch eine anormale
Breite der Nase nicht wenig verunstaltet--eine Mibildung, welche durch
den Gebrauch kleiner, die Stelle des Taschentuchs vertretender
Eisenlffel hervorgerufen wird. Ihr Ruf als notorische Faullenzer war
wohl begrndet, denn obwohl ihr Gebiet sehr fruchtbar ist, verwendeten
sie sehr wenig Mhe auf den Anbau von Cerealien und waren auch auf dem
Markte von Kimberley seltene Gste.

In moralischer Hinsicht war der Ausgang des letzten Krieges zwischen den
Englndern und einem Bruderstamme dieser Batlapinen, den Botlaros, von
wohlthtiger Wirkung. Vor dem Kriege, besonders aber zur Zeit der
Entdeckung der River-Diggings kannten Jantsche's Hochmuth und seine
Prtensionen keine Grenze, seine Unterthanen verbten zahlreiche
Einflle in die Provinz und lieen die berittene englische Polizei am
Vaalflusse nie zur Ruhe kommen. Diesem Allen machte der Sieg der
Englnder ein schnelles Ende.

Nachdem wir das Weichbild der Stadt Jantsche's verlassen hatten,
betraten wir wieder einsamere Partien des Hart-Riverthales, in welchen
erst in grerer Entfernung fluaufwrts zwei bedeutendere
Eingebornenstdte liegen. Es sind dies Taung (nach dem frheren
Herrscher Mahura's Stadt genannt), circa 70 Meilen von der Mndung des
Hart-River's entfernt, und Mamusa, die Residenz eines freien
Korannafrsten. Zur Zeit meiner ersten Reise (auf welcher ich jedoch die
Stadt nicht besuchte) regierte daselbst ein Greis, der Maschon hie, von
den Boers jedoch Tibusch, d.h. Zerbusch genannt wurde, und welcher nach
einer Version 112, nach einer andern 130 Jahre alt war. Mamusa liegt
gegen 40 engl. Meilen fluaufwrts von Taung entfernt, welches, nebenbei
erwhnt, der Sitz des unabhngigen Batlapinenfrsten Mankuruane ist.
Auer diesen beiden Stdten finden wir zwischen Lekatlong und Mamusa
zahlreiche Eingebornendrfer, welche zu 90 Percent von Batlapinen,
zwischen Taung und Mamusa auch von Barolongen und nur ostwrts und
gegenber von Mamusa von Koranna's bewohnt werden. Diese Drfer sind mit
Ausnahme der von Koranna's bewohnten zumeist auf den Gipfeln der
niedrigen, an den Hart-River herantretenden und begrasten Hhen oder
unmittelbar unter dem Gipfel dieser Hhen erbaut und bestehen gewhnlich
aus zwei bis acht Gehften. Nur wenige, darunter das grte dieser
Drfer, Mitzima genannt, liegen im Thale; dieses zhlt etwa 30 Htten.
Die von den Bewohnern dieser Drfer bebauten Felder und Grten liegen
theils im Fluthale, theils an den Abhngen. Auer Kafirkorn und Mais
wird auf diesen Grundstcken auch Zuckerrohr gebaut, dessen Schaft 7-8
Fu Hhe erreicht.

Wir setzten im Thale des Hart-Rivers unsere Reise fort; die zahlreichen,
unseren Weg kreuzenden, tiefen Schluchten nthigten uns zu zeitraubenden
Umwegen und bereiteten uns mancherlei Schwierigkeit. Einige Meilen
hinter Lekatlong sah ich mich genthigt Rast zu halten; es whrte nicht
lange, so kamen aus dem nahen Gehfte ein Junge und ein Greis, welche
mit uns Makoa (Weien) in Tauschhandel traten. Ich war ber ihre hohen
Forderungen berrascht, fand aber bald die Erklrung; die Eingebornen
kannten hier bereits den Werth des englischen Geldes.

Auf der Weiterreise fanden wir in den reichbebuschten und mit hohem Gras
bedeckten Thalpartien nicht minder wie in den Ufergebschen, gnstige
Jagdgelegenheiten. In den letzteren trafen wir vier Arten von Trappen,
darunter zwei Zwergtrappenarten und eine Art von seltener Gre, die
beiden ersteren in greren Gruppen, die beiden greren Arten nur
paarweise aus den Bschen auffliegend; in der Nhe der niedrigen
Dornbsche fanden wir das groe Cap-Perlhuhn paarweise in der Erde
scharrend. An sandigen Uferstellen und mit Flugsand bedeckten Partien
der Thalabhnge sonnten sich Steppenhhner, die dicht beschilften Ufer
des Flusses, das Versteck groer Schwrme von Wildenten, lieferten uns
manche Beute. Die freieren Uferstellen waren zumeist mit den
herabhngenden Aesten der Mimosen berhangen, deren dnne Endzweige von
den schnen gelben, mit einem schwarzen Flecke an der Kehle geschmckten
Webervgeln entblttert waren, und an welchen diese ihre kunstvollen
Nester erbaut hatten, welche herabhngenden Frchten hnelten. Sie waren
platt gedrckt, hatten einen elliptischen Querdurchmesser von 6-10 und
12-15 Centimeter und eine Hhe von 12-25 Centimeter. Der Eingang befand
sich an der unteren, ebenen Seite des Nestes.

[Illustration: Nest des Webervogels.]

Diese Eingangsffnungen haben eine halbmondfrmige Gestalt und sind nur
so gro, da ein Thier hineinzuschlpfen vermag. Die obere Nestflche
luft kegelfrmig zu, so zwar, da das Nest mit der Kegelspitze an den
Zweigen befestigt ist. Die Nester waren aus frischem biegsamen Grase
gewoben. Die Bauart des Nestes ist eine kunstreiche zu nennen, die
einzelnen Grashalme sind sehr geschickt ineinander verwoben und der Bau
so fest, da er allen Strmen vollkommen Widerstand zu leisten vermag.
Bei dem leisesten Winde fingen die schnen Nester zu schaukeln an und
diese Bewegungen spiegelten sich in der ruhigen, durch zarte, in der
Tiefe wuchernde Algenformen verdunkelten Fluth treu wieder, ein Bild,
das dadurch noch an Anmuth gewann, da sich einer der einfliegenden
Vgel zuweilen lngere Zeit an der Oeffnung festklammernd schaukelte.
Dann erschien am Wasserspiegel ein sich hin- und her wiegender schn
gelbgefrbter Punkt, der wie ein schimmernder Edelstein ber die hellen
und dunklen Grottenpartien am Grunde des Flusses zu gleiten schien.
Diese Webervgel zeigten nicht die geringste Scheu, so da wir sie
namentlich gegen Abend leicht im Neste fangen konnten. Hatten wir uns
von dem Neste entfernt, und waren die bei unserer Annherung entflohenen
Snger wieder nach ihren Wohnungen zurckgeflogen, so beobachteten sie
mit anmuthiger Neugierde lngere Zeit hindurch jede unserer Bewegungen.

[Illustration: Reisende Batlapinen.]

Am dritten Tage unserer Reise erblickten wir im Osten einen aus Sden
hervortretenden, in das Thal des Hart-Rivers tief eindringenden
Hhenzug, der uns als zum Gebiete des Chefs Mitzima gehrig bezeichnet
wurde. Den uersten vorgebirgsartigen Auslufer dieses Hhenzuges
nannten die Boers Spitzkopf. Die von uns durchzogene Ebene glich auf
weite Strecken hin einem carminrothen Teppich, welcher bei nherer
Besichtigung aus einer Unzahl mehrblthiger Lilien bestand. An anderen
Stellen der Ebene trafen wir schne, dunkelgrne, auf der Erde wuchernde
Bltter einer anderen Liliacee, welche mit verschiedenen
Rsselkfer-Species frmlich bedeckt waren.

In der Nhe einer Zuckerrohrpflanzung begegneten uns vier arbeitende
Frauen--ich bentzte diese Gelegenheit, um noch vor unserem Eintreffen
in Mitzima's Stadt unsern Milchbedarf zu decken und sprach die Frauen in
dieser Absicht an. Sie zeigten sich beraus gefllig, ihre Hauen im
Stiche lassend, eilten sie lachend und schreiend ihren mehr denn 300
Schritte entfernten Htten zu und es whrte nicht lange, so waren sie
wieder da, zwei von ihnen mit irdenen Tpfen, die dritte, ein altes
hageres Weib mit einem groen Holzgefe, gefllt mit kstlich frischer
Milch. Als Kaufpreis forderten auch sie ein Stck Tabak, mein Erstaunen
wuchs, als sie mir durch Gert, meinen Dolmetscher, zu verstehen gaben,
da sie leidenschaftliche Consumenten von Schnupftabak wren. Um mir
jeden Zweifel zu benehmen, machten sie die Pantomime des Zerreibens und
lieen mit dem Rufe Monati (d.h. das ist schn) den Tabak in den
breiten Hhlen ihrer Nasen verschwinden.

Am Nachmittag fuhren wir an einem aus drei Htten bestehenden Gehfte,
dessen Sauberkeit mir sogleich auffiel, vorber. Auch auf meiner zweiten
Reise unter den verschiedenen Batlapinenstmmen fand ich kein zweites,
das sich mit ihm htte messen knnen. Die Htten waren gerumig und aus
starken Pfhlen erbaut, auch stand in einem aus Schilfrohr gearbeiteten
Schuppen ein gut erhaltener schwerer Lastwagen und im Hofe ein
kleinerer, an dem eben, was mir noch mehr auffiel, der Hausherr mit
einem Diener Verbesserungen vornahm. Auerdem fehlte auch ein Pflug
nicht--im Batlapinenlande war dies im Jahre 1873 noch eine groe
Seltenheit--und ein halbes Dutzend der ledernen Milchscke hing an der
fr das Vieh bestimmten Umfriedung. Im Schatten des Wagenschuppens saen
zwei andere Batlapinen, damit beschftigt, aus Segeltuch ein neues
Wagendach zusammenzunhen; ich habe nie wieder Leute dieses Stammes so
eifrig an der Arbeit gesehen als diese beiden.

Im gerumigen Hofraume des Gehftes tummelten sich 15 muntere
dunkelgefrbte Kinder umher, welche bis auf ein kaum blattgroes
Lederschrzchen splitternackt waren. Den greren oblag es, die Heerden
an den Ufern des hier eine englische Meile entfernten Hartflusses zu
hten. Alles zeigte den Segen und die Frchte der Arbeit und des
Wohlstandes.

Im Laufe des Nachmittags hatten wir uns den am Morgen erblickten Hhen
genhert. Sie sind die nrdlichsten Auslufer des bei Hebron am rechten
Vaalufer beginnenden Hhenzuges; ich fand sie namentlich durch die Form
der sie bildenden Felsen interessant. Bald sind es senkrechte Blcke,
Menschengestalten nicht unhnlich und sulenartig aneinander gereiht,
bald liegen sie stufenfrmig bereinander und erwecken die Vorstellung
einer gigantischen Treppe.

Als wir das diesseits vom Spitzkopf liegende Mitzima erreichten, waren
wir, kaum angelangt, von den Neugierigen umringt, deren grtes
Contingent das schne Geschlecht und die hoffnungsvolle zarteste Jugend
des nach seinem gegenwrtigen Besitzer genannten Eingebornendorfes
stellten. Sie setzten sich in der nchsten Umgebung des Wagens
gemthlich nieder und begannen zuerst die Makoa (die Weien) selbst,
dann den Wagen und unsere ganze Ausrstung auf das lebhafteste zu
kritisiren. Ihr von oft hchst komischen Gesticulationen begleitetes
Gesprch erregte die Lachlust unserer Diener im hchsten Grade, whrend
wir im Zweifel waren, ob das Mienen- und Geberdenspiel Bewunderung oder
abfllige Kritik zum Ausdruck bringe. Mein Begleiter K., dem bse Zungen
Eitelkeit zum Vorwurfe machten, hielt es fr das erstere, wofr auch die
Thatsache sprach, da F. ihn mehrmals mit dem Pennyspiegel in der Hand
berraschte.

Whrend F., der die Kinderschuhe noch nicht abgelegt hatte, in das
Lachen und das Mienenspiel mit einstimmte, behauptete E., wie immer,
sein Pfeifchen schmauchend, stoische Ruhe. Seine Miene und sein ganzes
Benehmen zeigten Verachtung, deren Ausdruck ihn aber zur besonderen
Zielscheibe der Sptteleien des schnen Geschlechtes machte, whrend
manch' wohlwollender Blick auf den netten K. gerichtet war.

Die anwesenden Frauen waren smmtlich, wahrscheinlich um den Weien
ihren Reichthum zu zeigen, in Kattunrcken erschienen und hatten Brust
und Hals mit zahlreichen Perlenschnren geschmckt. Unter ihnen stachen
zwei Mdchen durch bemerkenswerthe Hlichkeit der Gesichtszge hervor,
die durch die rothen Ockerstriche im Gesichte keineswegs gemildert
wurde.[1]

    1: Im Allgemeinen gebrauchen die Batlapinenfrauen jedoch nicht so
    viel Ocker, um sich Gesicht, Hals und Brust zu beschmieren, als die
    Frauen der Hottentottenrace und der in der Cap-Colonie wohnenden
    Kaffernstmme.

Das schne Geschlecht, der passiven Haltung mde, ging bald zum Angriff
ber und eine der Frauen lie uns durch Gert bedeuten, unsere Waaren zur
Schau auszulegen, da sie uns fr reisende Hndler hielten. Die mit
ausgestreckter Hand uns entgegen gehaltenen Schnupftabakdosen waren eine
stumme aber directe Aufforderung, dieselben zu fllen. Da wir keine
Miene machten, ihren Wnschen nachzukommen, beschlossen einige unter den
Frauen einen neuen Angriff, dessen Ziel unsere beiden Begleiter F. und
K. waren, deren Lcheln sie den Frauen als die Zugnglichsten erscheinen
lie. Nach abgehaltener Berathung trat die Hlichste und Aelteste der
Frauen zu F. heran und machte ihm eine so aufrichtige und herzliche
Liebeserklrung, da es Gert, der hierbei als Dolmetsch fungirte, kaum
mglich war, seine Lachmuskeln im Zaume zu halten. Die Scene rang uns
Allen ein helles Lachen ab, whrend es F. in Wuth versetzte.

Um unseren Neckereien zu entgehen, wagte er die Behauptung, es sei
Mitzima's jngstes Weib, die hbscheste des ganzen Dorfes gewesen.

Als die Frauen bemerkt hatten, da aller Minne Mhe vergeblich war,
entfernten sie sich vom Wagen und legten den Rckweg tanzend zurck; im
eigentlichen Sinne des Wortes war es kein Tanz, sie hpften vielmehr,
sie bewegten sich dabei in kleineren Gruppen zuerst in einem Halbkreise
nach links, dann in einem Halbkreise nach rechts, dann machten sie einen
etwa zwei Schritte langen Doppelsprung nach vorne, drehten sich um, und
begannen die Bewegung von Neuem.

Wir waren froh, der lstigen Besucher los geworden zu sein--unsere
Freude war aber leider nicht von Dauer, denn bald kam eine noch grere
und zudringlichere Gruppe und umstellte den Wagen. Diesmal half uns eine
List aus der Noth, ich erstieg den Wagen und begann das Schrotgewehr zu
reinigen. Beim Anblick desselben machten die Angekommenen eine
unwillkrliche Bewegung nach rckwrts, und ehe ich es vermuthete, war
das Feld gerumt.

In spter Nachmittagsstunde verlieen wir Mitzima's Dorf, das Passiren
mehrerer Schluchten nahm so viel Zeit in Anspruch und ermdete die
Zugthiere derart, da wir noch diesseits des Spitzkopfes, in 1 Meilen
Entfernung von Mitzima, in der Nhe von drei kleinen Batlapinengehften,
Halt machen muten.

Ein in unserem Rcken aufsteigendes Gewitter hatte uns auf dieser Strae
bange Sorge gemacht, denn ein halbstndiger Platzregen htte gengt, um
jede dieser Schluchten, die zu berwinden wir groe Anstrengungen machen
muten, in einen reienden und gefahrbringenden Regenstrom zu
verwandeln. Unsere Ankunft bei den erwhnten Gehften war trotz
vorgerckter Abendstunde nicht unbemerkt geblieben, es stellte sich auch
bald Besuch ein.

Die Nacht, die wir hier zubrachten, war eine besonders helle und schne,
aber auch empfindlich kalte. Die Felsenbildungen am Abhange der Hhen
glichen phantastischen Gestalten, deren dunkle Schatten weit in die
Ebenen hinausragten. Der niedrige Spitzkopf schien einem Riesen gleich
ber uns Wache zu halten, aus der Nhe und Ferne klangen die hellen Tne
der Batlapinengesnge zu uns herber.

Am nchsten Morgen tauschten wir von dem Ortsvorstande der naheliegenden
Gehfte einige Krbisse ein und brachen weiter nach Norden auf. Je
weiter wir den Hart-River hinaufzogen, desto fruchtbarer schienen mir
die Gefilde des Batlapinenlandes zu sein. Namentlich erregten die
kleinen Zuckerrohr-Pflanzungen auf den Feldern und in den Grtchen mein
Erstaunen. Was mir aber besonders auffiel, war, da die Eingebornen
diese Zuckerrohrart nicht anders bentzen, als da sie den unteren und
mittleren saftreichen Theil des Stengels in kleine Stcke schneiden und
zerkauen.

Wir durchschritten zunchst eine baum- und buschlose Ebene, auf welcher
mir namentlich ganz eigenthmlich geformte Termitenbauten auffielen.
Diese Termitenbauten stellen statt der gewhnlichen, manche der
sdafrikanischen Ebenen zu Tausenden bedeckenden halbkugel- und
brodlaibfrmigen bis 4 Fu hohen Hgel, an dessem Rande zwei bis drei
kleine Eingangslcher in das Innere fhren--eine aus der Erde
hervorstehende bis zu 6 Fu hohe und 3-10 Zoll im Durchmesser haltende
gebrechliche, aus Thonerde und Sandkrnern mit Hilfe des Speichels der
Thiere zusammengekittete Rhre dar. Wir beobachteten den Boden in einem
Umkreise von 10-48 Fu etwas wenig gehoben und meist kahl; aus der Mitte
einer solchen Stelle erhoben sich in der Regel eine oder drei, doch auch
mehrere nach oben zu offene Rhren, whrend im weiteren Umkreise die
Anfnge zu solchen Rhren lagen, die oft in groer Menge als kleine
kegelfrmige nach oben zu geschlossene Erdaufwrfe zu Tage treten.

Gegen Mittag hielten wir in der Nhe des Flusses und muten uns mit dem
sehr trben Wasser begngen, das wir in einigen Lachen in seinem Bette
vorfanden, welches berdies durch das Eintreiben der Heerden von Seite
der Eingebornen sehr verunreinigt worden war. Auch das mit diesem trben
Wasser bereitete Mahl wollte nicht munden. Whrend unseres Mahles kamen
hoch auf gehrnten Saumthieren einige Batlapinen von einem der nahen auf
einem kleinen Hhenrcken zu unserer Rechten gelegenen Drfchen
herbeigeritten. Sie sprangen ab und machten sich's in der Nhe unseres
Feuers bequem. Die Saumthiere blieben, kaum abgesattelt, wie an die Erde
angewurzelt stehen. Man kann sich des Lachens nicht erwehren, wenn man
eine solche Batlapinengruppe heranziehen sieht; ohne angetrieben zu
werden, eilen die Ochsen dahin, wie wenn sie miteinander um die Wette
liefen. Die Nasenscheidewand ist an den Nstern durchbohrt und ein
Holzpflckchen durchgesteckt, an welches, an beiden Enden
eingeschnitten, ein etwa 2 Meter langer Riemen, der Zaum, befestigt ist.
Ueber den Rcken des Thieres ist in der Regel ein Sack oder eine Decke,
oder ein Stck Leder geworfen, welches den Sattel vorstellen soll. Zu
beiden Seiten hngen Riemen mit eisernen oder ledernen Steigbgeln. Die
Ankmmlinge zeigten sich sehr freundlich und einer derselben antwortete
auf meine Frage, wie weit es noch nach Springbockfontein sei, schnell
gefat, indem er auf die ber uns stehende Sonne wies: Wenn Ihr jetzt
diese Stelle mit Eurem Wagen verlat, so werdet Ihr zur Zeit, wenn sich
jener Gebieter da droben zur Ruhe gelegt, mit der klaren Fluth des
Wassers, in dem die Springbcke ihren Durst stillen, auch Eure
Wassergefe fllen knnen.

Die nahen Mais- und Krbifelder boten mir Gelegenheit, meine Sammlungen
zu bereichern, namentlich durch einige schne Species von Sandkfern
(Cicindelidea). In meinem Eifer bemerkte ich nicht, da ein Gewitter
bereits dem Ausbruche nahe war, und erst als ein tchtiger Regenschauer
mich durchnte, eilte ich zum Wagen. Ein Blitzstrahl fuhr in diesem
Momente einige hundert Schritte thalabwrts in einen der Maisgrten
nieder; am Wagen angekommen, fand ich, da meine Begleiter es
unterlassen hatten, einige zum Trocknen an die Sonne gesetzte
Pflanzenprparate, sowie auch die an einem nahen Busche angelehnten
Gewehre vor dem Regen in Sicherheit zu bringen. Der fremden Besucher
saen nur noch drei am halberloschenen Feuer, doch rckten sie nun, um
etwas Schutz gegen den Regen zu suchen, auch nher an den Wagen heran.
In den Wagen springend ersuchte ich meine Freunde, mir rasch die
Pflanzen und dann die Gewehre zu geben.

[Illustration: Unfall im Hart-Riverthale.]

Einer meiner Begleiter hatte mir die ersteren gereicht, und war eben
daran, mir auch die Gewehre zu bergeben, als ein Blitzstrahl in
unmittelbarer Nhe hinter dem Wagen zur Erde niederfuhr. Ich hatte in
diesem Momente das Gewehr mit der linken Hand am Laufende erfat, um es
im Innern des Wagens an die gehrige Stelle zu legen (die Gewehre sind
stets an der Innenwand des Wagens gebrauchsbereit angeschnallt). Durch
den pltzlichen nahen Donnerschlag auer Fassung gebracht, lie mein
Freund das Kolbenende fallen, dabei hatte sich der eine Hahn (es war ein
Doppellauf) an der Deichsel aufgespannt und als ich eben mit der
Absicht, das Gewehr im Wagen zu bergen, dasselbe an mich heranzog,
entlud sich der mit Hasenschrot geladene rechte Lauf. Ich wei mich nur
noch zu erinnern, da in dem Augenblicke, wo der Blitzstrahl die ganze
Umgebung grell beleuchtete, eine heftig auflodernde, von starker
Detonation begleitete Feuererscheinung unmittelbar folgte. Ich fhlte
heftigen Schmerz in der linken Augengegend, und theils durch den
Schreck, theils betubt von dem Schusse, verlor ich das Gleichgewicht
und fiel vom Wagen herab. Meine Freunde hielten mich im ersten
Augenblicke fr todt, glcklicher Weise war meine Verwundung keine
tdtliche. Die Schrote waren durch die linke Hohlhand von unten nach
aufwrts gegangen und hatten die linke Schlfe so gestreift, da sie die
Hutkrmpe durchbohrt und die so erzeugten Lcher in derselben mit meinen
Haaren ausgefllt hatten.

Da jedoch der Schu in solcher Nhe der linken Gesichtshlfte abgefeuert
worden war, so war auch das Aeuere des linken Auges bedeutend verletzt.
Ich blieb auf zwei Tage auf diesem Auge vollkommen blind und litt noch
vierzehn Tage an einer ueren Augenentzndung. Unmittelbar nach dem
Schusse waren auch die Eingebornen aus ihrem Verstecke gesprungen und
wunderten sich nicht wenig ber das Ereigni, das sich vor ihren Augen
abgespielt hatte. Im Momente desselben war ein Batlapinengreis zu dem
Wagen herangekommen, der bei seiner Annherung auch ein Zeuge dieser
Scene gewesen. Bevor meine Freunde noch eingespannt hatten, um
wenigstens noch an diesem Tage Springbockfontein zu erreichen, kamen
noch einige Eingeborne zu Besuch, wovon einer, der Anrede nach zu
schlieen, der Sohn des alten Mannes zu sein schien, und von diesem
folgende weise Ermahnung erhielt: Sieh hinein in den Wagen, dort liegt
ein todter Bas (Gebieter, Meister). Mein Herz sagt es mir, da es ein
sehr bser Mann gewesen sein mute, denn als er vorne am Wagen stand,
und seine Freunde, die ihm langsam die Gewehre reichten, mit lauten
zornigen Worten schalt, da schlug ihn Morena (der Herr der Wolken) mit
Donner und Blitz, so da er vom Wagen herabrollte, und wenn er nicht
schon todt ist, gewi nicht mehr lange Mais essen und das Zuckerrohr
aussaugen wird.

Obwohl Springbockfontein nicht mehr weit entfernt war, muten wir es mit
Rcksicht auf meinen Zustand aufgeben, denselben Abend noch hinzukommen.
Die Erschtterungen des Wagens verursachten mir die heftigsten
Schmerzen. Nach zweistndiger Fahrt machten wir auch Halt.

Am folgenden Vormittage erreichten wir die sogenannte Ansiedelung der
Weien, welche aus mehreren Zelten und Schilfhtten bestand und von vier
hollndischen Familien, Flchtlingen aus der Transvaal-Republik, bewohnt
waren, die wahrscheinlich Schulden halber ihre frheren Wohnsitze
verlassen hatten.

Ich fand hnliche Ansiedelungen auch in den anderen Betschuanalndern,
deren Bewohner sich meist theils durch die Jagd, theils als Gerber,
Holzschlger oder als Hndler ernhren. Im Allgemeinen fhren diese
Menschen ein elendes Dasein und gehren wohl zu dem ungebildetsten
Theile der hollndischen Bevlkerung in Sd-Afrika. Ihre Lage ist
furchtbar, wenn sie, von Krankheiten heimgesucht, ohne Rath und Mittel
darnieder liegen.

Die Springbockquellen sind sehr schwach und durchflieen einen kleinen
Morast, bevor ihr Wasser den Hart-River erreicht; in dem kleinen Moraste
fand ich die gewhnliche sdafrikanische Wasserschildkrte zahlreich
vertreten.

Am folgenden Morgen, als ich mich etwas besser fhlte, verlieen wir den
Ort und zogen thalaufwrts weiter; ich hatte im Sinne, das Gebiet des
damals noch unabhngigen Batlapinenfrsten Gassibone zu bereisen; leider
hatten uns die an den Quellen wohnenden Hollnder eine falsche Richtung
angegeben, was wir erst spt Abends von zwei vorbergehenden Eingebornen
erfuhren. Unsere Reise an diesem Tage war eine recht beschwerliche, wir
zogen theils durch sehr dichtes Buschland, theils ber sandigen Boden,
und muten sehr oft halten und den Thieren Rast gnnen. Je weiter wir
nach Nordosten vordrangen, desto waldreicher schien die Gegend, d.h. das
Land war mit schwachen Bestnden von Kameeldornbumen bedeckt.

Nach und nach hatten wir uns vom Hart-River entfernt und muten, nachdem
wir von den beiden vorbergehenden Eingebornen die wahre Richtung von
Gassibone's Stadt erfahren, denselben Weg bis zu dem Hart-River
zurckgehen; reichliche Jagdbeute entschdigte uns inde fr diesen
Zeitverlust.

Wir schlugen nunmehr eine ostsdstliche Richtung ein und zogen quer
durch den Wald nach der das Hart-Riverthal im Osten begleitenden
Hhenkette, an welcher der Hauptkraal Gassibone's liegen sollte. Der Weg
war einer der beschwerlichsten, die wir auf der ganzen Reise
zurckzulegen hatten, und erheischte die grte Vorsicht, um Wagen und
Gespann vor Schaden zu behten. Anfangs fhrte derselbe durch ein
monotones Buschland, spter durch einen Mimosenwald, in dem uns einige
Batlapinen, Unterthanen Gassibone's, begegneten, die uns in freundlicher
Weise den krzesten Weg nach des Huptlings Kraal zeigten. Ueber eine
tiefe Einsattelung im Hhenrcken gelangten wir nun in ein
kesselfrmiges Thalbecken; im Hintergrunde, da wo mehrere Hhenzge
sternfrmig zusammenstieen, lag theilweise in dem Hauptthale, theils in
einem der einmndenden Querthler, die Stadt Gassibone's. Das Hauptthal,
vor dessen Eingang wir standen, war ziemlich gut angebaut.

Der lange beschwerliche Ritt hatte uns alle ziemlich abgespannt, ich
beschlo daher, da der Kraal des Huptlings noch ziemlich entfernt lag,
hier das Nachtlager aufzuschlagen.

Frh Morgens lieen wir die Thiere grasen und dann ging es aufwrts nach
Gassibone's Residenz. In den Maisgrten waren schon die Frauen emsig
beschftigt und die Jungen trieben nach allen Richtungen hin die Heerden
in die Berge auf die Weide. Es war ein schner warmer Morgen und die
gesammten Mitglieder der Expedition (Weie und Farbige) im besten
Humor.--Der volle Titel des Knigs dieses Batlapinenlandes, der sich
zwei Jahre spter der Transvaal-Republik freiwillig unterwarf,
gegenwrtig aber, seit der Annexion derselben durch die Englnder, ein
englischer Unterthan wurde, ist Morena Botlazitse Gassibone. Seinem
Charakter nach ist er ein Mann, der vielen Lastern, besonders aber dem
Trunke ergeben ist. Die Huser der Stadt zeigten denselben Charakter wie
jene Lekatlongs, die Stadt mochte ungefhr 2500 Einwohner zhlen. Meine
Absicht war, von der Stadt aus eine sdliche Richtung nach dem
Vaal-River zu nehmen und dann nordstlich nach der Transvaal-Provinz
vorzudringen. Da in dieser Richtung kein Weg nach derselben fhrte, so
sandte ich zum Knig um einen Wegweiser und betraute mit dieser Mission
den hoffnungsvollen F., der berdies den Auftrag erhielt, vom Knig
einige Tpfe Milch zu erstehen. Um dem Ueberbringer meiner Botschaft
mehr Ansehen zu verleihen, wurde ihm ein Revolver um den Leib gehngt
und ein Paar hohe Stiefel angezogen. F. fhlte sich durch die Mission so
geehrt, da sein ganzes Gesicht mit dunkler Rthe berzogen war und
seine Augen leuchteten, seine imponirende Haltung flte nicht nur den
Eingebornen, die ihm begegneten, demuthsvolle Scheu ein, sondern gewann
ihm auch das zuvorkommendste Benehmen Seiner schwarzen Majestt, so da
dieser nicht nur seiner Bitte um Ueberlassung einiger Tpfe Milch zu
willfahren versprach, sondern sich auch noch erbot, mir fr einen
zweiten Shilling einen Fhrer zur Verfgung zu stellen, der uns durch
die Schluchten auf die freie Ebene bringen sollte. Ja der Frst ging
noch so weit, um dem martialisch aussehenden Jngling einen Ausdruck
seines besonderen Wohlgefallens zu geben, da er ihm von dem Gerichte
anbot, mit dem eben eine seiner Kniginnen ihren Batlapinen-Appetit
stillte.

Die cylindrische, etwa 5 Meter im Durchmesser haltende und bis zum
Giebel des kegelfrmigen Daches etwa 3 Meter hohe Htte war durch einen
Mimosenbaum gesttzt, der bis zur Hhe des Daches reichte. Am Fue
dieser Sule sa die erwhnte schwarze Schnheit in ein europisches
Kattunkleid gehllt und auf ihrem Schooe hielt sie eine Holzschssel,
gefllt mit einem beliebten Batlapinengerichte. Unser wackere Herold
wollte, nachdem er des Knigs Antwort durch meinen Diener, der ihm als
Dolmetsch beigegeben war, erfahren, vom Anerbieten Gebrauch machen, und
griff mit voller Hand zu. Erschreckt zog er die Hand zurck, denn die
Schssel enthielt getrocknete Heuschrecken, nach deren Genu es unserem
Freund durchaus nicht gelstete. Zum Wagen zurckgekehrt, versicherte
F., hnliche Gesandtschaftsdienste zu anderen Betschuanaknigen nicht
mehr annehmen zu wollen.

Die knigliche Htte war inwendig mit Thonerde berschmiert und der
Boden glatt cementirt, an den Wnden hingen ringsum auf Pfhlen aus den
Fellen des Proteles, des grauen Fuchses, des Schabrakenschakals und der
schwarzgefleckten Genetta gearbeitete Carossen. Dem Eingange gegenber
hing an der Sule ein amerikanischer Hinterlader; auf der Erde lngs der
Wand lagen Schaf- und Ziegenfelle ausgebreitet--die primitiven
Ruhebetten. Whrend des Gesprches mit F. hatte Gassibone sich
entschuldigt, da die Krbisse auf den Feldern noch nicht reif seien,
und da er mir auch kein Fleisch bersenden knne, weil seine Heerden
der Wassernoth halber am Vaal-River weideten. Ich konnte mich auch
spterhin berzeugen, da es zu jener Jahreszeit im Jahre 1873 zwischen
dem Vaal- und Hart-River kein trinkbares Wasser gab. Selbst in
Gassibone's Stadt flo die Quelle so sprlich, da sie fortwhrend von
Batlapinenfrauen umlagert wurde und blos eine nach der andern zum Wasser
gelangen konnte. Als unser Diener zur Quelle kam, wurde er von den
Frauen so angeschrieen, da er es vorzog, sich schleunigst mit dem
leeren Eimer zurckzuziehen. Uns blieb nichts brig, als uns welches von
den Eingebornenfrauen zu kaufen oder uns mit einer entsprechenden Menge
einer mispelartigen, wildwachsenden Obstart zu versehen, um unseren
Durst zu stillen.

Im Allgemeinen schien es mir, da diese Batlapinen ihr Oberhaupt nicht
besonders respectiren. In den letzten Jahren (seit dieser ersten meiner
Reisen) kam es zwischen Gassibone einerseits und Mankuruan und Jantsche
andererseits zu Reibungen, welche grtentheils auf zwei Grnden
beruhten: erstens behauptete Gassibone wie Mankuruan, da jeder der
Paramontchief (oberster Frst oder der eigentliche Knig) der Batlapinen
sei, zweitens bewies sich Jantsche wie Mankuruan den Englndern und
Missionren gewogen, whrend Gassibone gegen dieselben eingenommen, den
Hollndern stets gewogen war. Darum trat er auch sein Land an die
Transvaal-Republik ab, als Mankuruan daran dachte, sich der englischen
Regierung zu unterwerfen. Als nun die Transvaal-Republik von den
Englndern annectirt wurde, belstigte er die hollndischen Boers, die
er nunmehr als englische Unterthanen hate, derart, da gegen ihn ein
Commando abgesendet werden mute, dem gegenber er sich ebenso feig als
vorher prahlerisch bewies.

[Illustration: Mein Gesandter bei Knig Gassibone.]

[Illustration: Batlapinen bei der Arbeit.]

Wie in allen Eingebornendrfern hatten wir auch hier eine Belagerung von
Seite der Eingebornen auszuhalten, die an Lrm nichts zu wnschen brig
lie; es wurde geschrieen, gesungen und gelacht, dabei Tauschhandel
getrieben, alte und frische Raubthierfelle, Ziegen- und Ochsenhute,
Holzlffel und stumpfe unbrauchbare Assagayen, Mais und unreife
Krbisse, gerstete Heuschrecken und Honig zum Kaufe angetragen. Der
Eine bettelte, der Andere bat, ein Dritter klagte, da ihm alles
mgliche fehle, dazwischen kreischte eine weibliche Stimme, ob ich auch
ein Medicinmann sei, wie ihr einer meiner Diener berichtet, sie wolle
eine Medicin kaufen, welche ihr zu einem Kinde verhelfen wrde; sie
htte weder Sohn noch Tochter. Ich habe aber einen Mann und mehrere
andere Frauen wohnen in demselben Gehfte und die haben Kinder, aber ich
keine. Je bereitwilliger man sich aber diesen Leuten gegenber zeigt,
desto rger und unverschmter werden sie in ihren Forderungen; je
zurckhaltender man ist, ohne jedoch barsch mit den Leuten zu verfahren,
desto bessere Resultate erzielt man.

Nachdem wir etwas Mais von den Leuten erstanden, machten wir uns auf den
Weg. Unsere Frage, ob wir unsere Fsser mit Wasser fllen sollten,
verneinte der uns vom Knige mitgegebene Fhrer mit der Bemerkung, wir
wrden an vielen Stellen des Wegs hinreichend Wasser antreffen. Da wir
den Mann als Fhrer erhielten, glaubten wir ihm vollkommen trauen zu
drfen, allein wir wurden bitter enttuscht. Wir fanden auf der ganzen
Strecke zum Vaalflusse kein Wasser, und hatten, da wir diesen und den
folgenden Tag in brennender Sonnenhitze reisen muten, viel Durst zu
leiden. Das Land zwischen Gassibone's Stadt und dem Vaalflusse ist eine
einzige Hochebene, theilweise bewaldet und bebuscht, theilweise, und
namentlich in feuchten Jahren, hochbegrast.

Auf dieser Ebene dahinziehend, fiel uns ein eigenthmlicher grauer sich
rasch nhernder Wolkenstreifen auf, der den westlichen Horizont
bedeckte. Je nher er kam, desto mehr hnelte er von der Erde
aufsteigenden, stellenweise dichteren Rauchsulen. Es war eine
Heuschreckenwolke. Diese Wanderheuschrecken erscheinen oft whrend der
sdafrikanischen Sommerszeit in meilenlangen Schwrmen, alles Grn in
der Vegetation vernichtend, wo sie einfallen. Ihr Flug ist aber ein
ununterbrochenes Einfallen, d.h. whrend sich der eine Theil zum Frae
niederlt, fliegen die bereits gesttigten Thiere ber die Ersteren
hinweg, so lange, bis sie der Hunger zum abermaligen Niederlassen
zwingt.

Unser Fhrer bezeichnete uns in der grasreichen Ebene, in der ich zehn
Monate spter durch einen Brand beinahe eine aeronautische Excursion
unternommen htte, eine binsenreiche, durch einen hohen Kameeldornbaum
gekennzeichnete Stelle in genau sdlicher Richtung, wohin wir gegen
Sonnenuntergang kommen und Wasser finden sollten. Als wir jedoch am
Nachmittag an Ort und Stelle waren, fanden wir eine sehr seichte, bis
auf einige wenige, kaum je einen Becher Wasser enthaltende Stellen,
vollkommen ausgetrocknete Regenlache. Wasser konnte man es eigentlich
nicht nennen; es war vielmehr ein grnlich-dickes reichlich mit
Kaulquappen, Insectenlarven und Infusorien versetztes und stark nach
Ammoniak riechendes, wsseriges Fluid. Es bedarf wohl keiner besonderen
Versicherung, da uns bei dem bloen Gedanken an den Genu dieses Fluids
anfnglich Ekel erfate, allein der Durst besiegte schlielich alle
Bedenken. Die Flssigkeit wurde aus einigen der Lcher mit einem Lffel
geschpft und damit eine Serviette gefllt, in der sicher Millionen von,
dem bloen Auge unsichtbaren und eine Unzahl von handgreiflichen
thierischen Gebilden herumtummelte, und das Wasser mhselig
durchfiltrirt. Das ganze Experiment ergab etwa 1 Becher einer
dicklichen Flssigkeit, welche Menge in fnf gleiche Theile getheilt
wurde.

Nach einer zweistndigen Rast, whrend welcher wir trotz brennenden
Durstes keinen zweiten Filtrirungsversuch machten, brachen wir wieder
auf. Im selben Mae als wir uns dem Vaalflusse nherten, schwanden die
Bsche und Bume, das Gras wurde niedriger--ein ausgezeichneter
Weideplatz fr groe Heerden. Wir sahen nichts von den Gnu's und
Gazellen, die wir nach der Angabe der Bewohner von Gassibone's Residenz
auf der genannten Strecke htten finden sollen; wir begegneten nur
wenigen Batlapinen, welche blos mit Stcken bewaffnet und von mehreren
afrikanischen Windhunden begleitet, auf Niederwild jagten.

Tags darauf, als sich die Sonne bereits hinter dem bewaldeten
Freistaatufer des Vaalflusses zu bergen begann, wurden wir von einem
kleinen Batlapinenjungen, der auf der weiten Grasebene Ziegen htete,
auf die bewaldeten Hgel aufmerksam gemacht, hinter welchen sich der
Flu hinschlngelte. In der angegebenen Richtung sahen wir einige
Htten, wo Gassibone's Viehhter wohnten, welche Frh und Abends die auf
der Ebene weidenden Rinder nach dem Flusse zur Trnke zu fhren hatten.

Der Vaal-River gehrt unstreitig zu einem der trgerischesten Flsse
Sd-Afrika's. Seine Ufer, weniger sein Bett, sind so schlammig, da die
zur Trnke gehenden Zugthiere einsinken und eines elenden Hungertodes
sterben; und dies namentlich ltere Thiere, welche der lngs des Flusses
fahrende Gespann- und Wageninhaber (Rider) wegen Abmattung an einer oder
der anderen Stelle bis zu seiner Rckkehr von der eben unternommenen
Geschftsreise oder bis zu einem vielleicht mehrere Monate spter
erfolgenden Besuche zurcklassen mu. Auch ich machte mehrmals bittere
Erfahrungen in dieser Hinsicht.

Whrend sich meine Begleiter daran machten, die Trnkestelle der
Batlapinenrinder aufzusuchen, wandte ich mich mit dem Gewehre
stromabwrts, um einige Wildenten fr unsern Nachtimbi zu erhaschen. Es
wurde allmlich dunkel. Ich trat so leise wie nur mglich, auf den
hrteren Bodenstellen blos mit den Fuspitzen auf, und wo ich vor mir
trockene Bsche an dem steilen Uferabhange zu berhren glaubte, da
beugte ich mich nieder, um sie zu beseitigen und so jedes Gerusch durch
ein Zertreten derselben zu vermeiden. Da, ein lautes Geschnatter--mir
schon bekannt--zu meiner Linken, dann ein schwerer Flgelschlag und ber
das Wasser stromabwrts bewegten sich zwei der ersehnten Wildgnse
(Chenalopa). Unwillkrlich knieete ich nieder, um desto besser sehen und
dem Flgelschlage lauschen zu knnen; die tiefe ber dem schnen hier so
ruhig, so langsam dahinflieenden Strome herrschende Stille durch einen
Schu zu unterbrechen, schien mir ein Frevel zu sein. Der breite Flu
schimmerte matt vor mir nach dem Westen zu, wie ein riesiges, glnzendes
Band; und in der Seele tauchte--unbewut und ungesucht--ein hnlich Bild
aus weiter, weiter Ferne auf! Ein schnes, fast hnliches Band, das den
Fu des Mittelgebirgs umsumt, und an dem ich so manchen Abend und
manche Nacht fischend durchgetrumt! In seiner Nhe, aus einem kleinen
bescheidenen Huschen, pflegte ein Licht in die dunkle Nacht mir
entgegen zu schimmern!--Schimmert es nun auch jetzt,--wo ich hier in der
Abendstille am Ufer eines afrikanischen Stromes weile? O, theures
Vaterherz, o, liebe Mutter denkt ihr meiner?--Zrnet nicht, da ich euch
verlassen, ich komme wieder und dann ist ja Alles gut!--Und so sa ich
stundenlang unter den hohen Weiden am Ufer des Garip. Nur undeutlich
hoben sich die schattigen Bume am Horizonte des jenseitigen Ufers ab.

Ich machte mich endlich auf den Heimweg. Die Dunkelheit erschwerte mir
diesen Versuch mehr als ich dachte. Oft stie ich mit dem Kopfe an einen
quer gegen den Flu reichenden Ast der Trauerweide oder ich stolperte
ber ihre Wurzeln. Einige Eulen schienen wohl am jenseitigen Ufer eine
Meerkatzenheerde aufgeschreckt zu haben, denn zuerst pltzlich und
mehrstimmig, dann nur in Pausen scholl das kurze, schwache Geschrei der
Meerkatzen zu mir herber, welche die Gipfel der hheren Bume zu ihrem
Nachtlager gewhlt haben muten. Mehrmals berraschte mich auch ein
pltzlicher Fall in's Wasser, es waren flchtende Wasserleguane
(Polydaedalus), riesige, fnf Fu und darber lange Eidechsen, welche
die Uferlehnen nach Musen, Kerbthieren etc. durchsuchend, geruschlos
bei meiner Annherung bis an das Wasser geschlichen und dann pltzlich
untergetaucht waren. Diese Riesenechsen whlen sich meist ein stetig
oder wenigstens periodisch flieendes Gewsser zu ihrem Aufenthaltsorte,
sowohl in der Nhe menschlicher Wohnungen als auch in der Wildni. Ihr
Gebi ist fr Thiere, die grer als ihr Schlund sind, ungefhrlich,
allein sie haben eine gewaltige Kraft in ihren Kiefern und eine noch
bedeutendere in ihrem langen Ruderschwanze, der ihnen namentlich beim
Fange von Wasserthieren von sehr groem Nutzen ist. Ein solcher Leguan
wartet in der Regel am Rande eines Baches, flach auf der Erde oder auf
einem berhngenden Baumstamme platt liegend, wie ein Stck Holz, so da
man ihn kaum bemerkt, und oft stundenlang unbeweglich auf Beute. Nichts
verrth in dem dunkelbraunen Thiere, dessen Schuppenleib von zahlreichen
grnen und gelblichen Querstreifen bedeckt ist, Leben, als die winzigen
Augen, die sich ununterbrochen ffnen und schlieen, bis sie eine
nahende Beute erspht und dieser ihre Aufmerksamkeit zollen. Muse,
Frsche und Kerbthiere und alles was er bewltigen kann--also was unter
Sugethieren die Gre einer Ratte, unter Vgeln die Gre eines Huhnes
etc. erreicht--wird seine Beute. Eine besondere Vorliebe scheint er fr
Krabben und Eier zu haben. Doch glaube ich, da jene Vorliebe fr das
Krabbenessen, die wir hufig beobachten konnten, eigentlich nur ein
Gebot der Nothwendigkeit ist und da die Echse nur aus Mangel an anderer
Beute dieses durch ganz Sd-Afrika und auch weit nach dem Norden zu
vorkommende Krustenthier aus seinen Lchern herausholt. An solchen
Bchen und Flssen werden wir eine Menge der zerkauten Schalenberreste
gewahr, so da wohl eine betrchtliche Zahl von Krabben fr die
tglichen Mahlzeiten des schuppigen Wasserbewohners nothwendig sein mag.
An flieenden Gewssern mit hochbegrasten Ufern liegende Gehfte haben
von den Leguanen viel zu leiden, weil sie nur zu gerne die Hhnerstlle
besuchen und dem Menschen das Einsammeln der Eier ersparen. Ja, sie
gehen in dieser Vorliebe auch so weit, da sie sogar hohe Bume
erklettern, um nach Vogelnestern zu fahnden, wie ich dies in der
Missionsstation Limkana am Matebe-Flchen beobachtete. Doch werden sie
im Baumklettern von ihren nahen Verwandten, den Landleguanen, bedeutend
bertroffen. Ich fand die Wasserleguanen von der sdlichen Meereskste
bis in das Marutse-Reich verbreitet. In Flssen, wo sich Krokodile
vorfinden, bewohnen sie die Stromschnellen, weil diese von den ersteren
gemieden werden.

Nchst dem Wasserleguan finden wir auch in Sd-Afrika eine hnliche,
doch nie im Wasser lebende Species, den schon nebenbei erwhnten
Landleguan. Diese Art ist breiter gebaut, unbeholfener, hat einen
bedeutend krzeren Schwanz als jene und wird im Ganzen 4-5 Fu lang. Man
findet sie auf grasarmen wie auf hochbegrasten Ebenen, in Felsenpartien,
in Gebschen, wie auch in Wldern. Sie suchen kleine Vgel, Muse,
Ratten, Asseln und Insecten zu ihrer Nahrung auf, auch das Nestausnehmen
ist ihnen eine beliebte Sache und die Bume sind fr sie das, was fr
die Polydaedalus das flssige Element ist. Wittern sie Gefahr, so
klettern sie rasch auf ihren luftigen Wohnsitz und legen sich dann flach
auf einen der Querste nieder; sind sie jedoch am Boden, so verkriechen
sie sich rasch in ein verlassenes Erdthierloch, oder wenn sie diese
Zufluchtssttte nicht finden, versuchen sie es, sich an den Boden
anzuschmiegen und bewegungslos zu verharren. So wie man sie jedoch
berhrt, kommt pltzlich Leben in die anscheinend schlafenden Thiere.
Sich aufrichtend, strecken sie sich, fauchen laut, und schreiten langsam
und gravittisch--man mchte sagen, blos auf ihren Nagelspitzen einher;
ebenso dick als sie uns frher, auf der Erde liegend, erschienen, ebenso
dnn und zu wahren Gerippegestalten werden sie nunmehr. Im Unterleibe
dieses Pachysauriers trifft man eine reiche lappige Fettansammlung,
welche von mehreren sdafrikanischen Eingebornenstmmen als Heilmittel
fr verschiedene Krankheiten gebraucht wird.

Erst gegen Mitternacht war ich wieder zu meinen Begleitern am Wagen
zurckgekehrt, welche durch mein langes Fernbleiben beunruhigt,
wachgeblieben waren.

Am folgenden Morgen brachen wir, nachdem wir uns die Wohlthat eines
Bades im Vaalflusse gegnnt, in ostnordstlicher Richtung nach der
Transvaal-Republik auf. Eher als ich es erwartet, stieen wir schon nach
zweistndiger Fahrt auf einige Gebude am rechten Vaalufer. Nher
kommend fanden wir ein lngliches Ziegelhaus mit Eisenblech bedeckt,
einen zweiten aus Erde und Pfhlen aufgefhrten Kunstbau, der jeden
Augenblick einzustrzen drohte und ein drittes aus gebrannten
Backsteinen erbautes Huschen mit flachem Dache. Diese an drei
verschiedenen Enden der ausgemessenen, zuknftigen Stadt aufgefhrten
Gebude, 2 Zelte und 13 Korannahtten, bildeten im Jahre 1872 das
Husermeer der westlichsten der Stdte der Republik, das spter durch
die Unruhen im Lande Gassibone's und unter den nahe anwohnenden
Koranna's in Sd-Afrika ziemlich bekannt gewordene Christiana. Das
erstgenannte Haus war die Wohnung des Landdrostes und zugleich das
Comptoir der hchsten Civil- und Militrgewalt des Districtes Bloemhof,
in dem zweiten kleinen, mit flachem Ziegeldach bedeckten war ein
Kaufmannsladen und in dem bauflligen Hause wohnten, wenn ich nicht
irre, der Sheriff, ein Notar etc. In dem einen Zelte die dem Sheriff
unterstehende Polizeiarmee fr die Stdte Christiana und Bloemhof und
fr den ganzen District--in Summa _ein_ Schwarzer. In dem zweiten Zelt
hatten sich ein paar Maurer einlogirt, welche ein ffentliches Gebude,
ich glaube ein fensterloses Gefngni, errichten sollten.

Seit jener Zeit meines ersten Besuches der Transvaal-Provinz hat sich
auch in Christiana viel und zum Bessern verndert, so da das Stdtchen
gegenwrtig an Bedeutung mit Bloemhof rivalisirt, welches im Jahre 1876
etwa 30 Huser zhlte. Die rasche Entwickelung Christiana's ist,
abgesehen von der gnstigen Lage der Stadt auf der aus Griqualand nach
der Transvaal-Provinz fhrenden Strae, wesentlich ein Verdienst seines
Landdrostes, dessen Bekanntschaft ich zu machen spter das Vergngen
hatte, und ich kann nur sagen, da er unter der Republik seiner
schwierigen Stellung als Grenznachbar mehrerer unruhiger
Eingebornenstmme in der besten Weise gerecht wurde, so da er selbst
nach der Annexion von Seite der Englnder in seinem Amte belassen wurde.

Als ich damals, im Jahre 1873, dem mich am Wagen besuchenden Kaufmann
(Kaufmann, Grohndler, Waffenschmied, Hotelbesitzer, Fleischer und
Bcker zugleich) mein Erstaunen an den Tag legte, da sich in Christiana
die Gesetzeskraft blos auf einen Polizisten sttzen knne und man auch
kein Arrestlocal fr gemeingefhrliche Individuen bese, antwortete
mir der Mann (der Nationalitt nach ein Deutscher), da man kein
Gefngni brauche, da es keinen Strfling gebe. Die Einnahmen des
Landdrostamtes von Christiana waren damals noch so klein, da man schon
an und fr sich nicht darauf erpicht war, Gefangene zu machen; aber
htte man auch einen Vogel ertappt, wo hin mit ihm? Der Herr Notar
konnte ihn unmglich zu sich in sein Zimmer nehmen, er theilte es ja mit
dem Sheriff, aus dem Zelte wre er mhelos entwischt, ihn im Hause des
Kaufmannes unterzubringen, ging auch nicht an, hier wre ihm die
Versuchung zu nahe gelegen, sich fr die Flucht noch mit Proviant gratis
zu versehen. Das waren alles wichtige Momente, die man bercksichtigen
mute, zudem hatten die Boers es gewhnlich dem Herrn Landdrost
erleichtert, da sie den Schuldigen unter ihrem Volke (schwarzen
Dienern) den Schambock (Hippopotamos-Peitsche) zu verkosten gaben,
sobald sich einer eines Diebstahls etc. zu Schulden kommen lie, und
wobei jede Mhe (das Transportiren des Diebes zum Gerichte und die
Tagfahrten) sowie Geld (all' die mit dem gerichtlichen Verfahren
verbundenen Kosten) erspart wurden.

Wir hatten unser Lager unmittelbar am Ufer des Vaal aufgeschlagen, das
hier ziemlich hoch ist und einen guten Einblick in die zahlreichen
Inseln und Stromschnellen des Flusses gewhrt. Unstreitig ist die
Fluscenerie bei Christiana recht interessant und fr den Ornithologen
ein Besuch der Inseln sehr lohnend. Ich habe hier die prachtvollen,
langschwnzigen Mandelkrhen an ihrer sdlichsten Verbreitungsgrenze
beobachtet.

Auch in Christiana wurden Diamanten gesucht, doch nur sprlich gefunden.

Am nchsten Tage (13. Mrz 1873) verlieen wir die Stadt und zogen
weiter fluaufwrts nach Bloemhof. Die zwischen beiden Stdten sich
erstreckende Gegend gehrt zu den kahlsten und desten des
Transvaal-Gebietes und trgt ganz den Charakter einer Karoo-Ebene. Zu
dem trostlosen Anblicke des Transvaalufers bildet das jenseitige
Freistaatufer einen scharfen Contrast. Dichte Kameeldornbume bedecken
das Ufer auf weite Strecken hin und in den Fluthen des Vaal spiegeln
sich zahlreiche Farmen ab, welche seine Gelnde sumen.

[Illustration: Gefhrlicher Nachtmarsch.]

Von Wild sahen wir blos drei flchtige Springbockgazellen, einige der
kleinsten Zwergtrappen und an den kahleren, felsigen Stellen
Erdeichhrnchen und Scharrthiere (Rhyzaena), die letzteren in groer
Menge, 15-20 je einen Bau bewohnend. Kaum hatten sie das Wagengerassel
gehrt, eilten sie schon von ihren nicht weit vom Baue unternommenen
Ausflgen, die ersteren um nach Wurzeln, die letzteren um nach Kfern,
Larven, Scorpionen etc. zu graben, zu ihrem Baue zurck. Sie sind nicht
besonders behend im Laufen und knnen leicht von einem Hunde, wenn sie
auch vor ihm einen bedeutenden Vorsprung haben, eingeholt werden. Beim
Laufen halten sie in der Regel den Schweif hochgehoben, die Eichhrnchen
ihre Fahne entfaltet: letztere kehren sich nicht eher um, als bis sie
ber ihren Lchern sitzend, noch einmal nach dem Strenfried ausschauen,
whrend die Scharrthiere sich oftmals umsehen, stehen bleiben und dabei
verdrielich knurren. Whrend die ersteren scheue und furchtsame Thiere,
sind die Rhyzaena als Raubthiere muthig und vorsichtig. Von jenen
beobachtete ich nur eine, von den letzteren mehrere Arten. Da, wo ich
die Erdeichhrnchen auf der Reise nach Norden zu vermissen begann und wo
die prairienartigen Ebenen dem Walde wichen, wurden diese Thierchen
durch eine kleine, gelbbrunliche, auf Bumen lebende Art ersetzt. Die
Eingebornen, mit Ausnahme der Hottentotten, essen das Fleisch beider
Thiere.

Am Nachmittag des 15. Mrz gelangten wir nach Bloemhof, welches damals
blos aus einer Strae bestand und das uns zu keinem Aufenthalte
einladend erschien; die Scenerie ringsum bot ein drftig-trauriges Bild,
seitdem jedoch hat das Stdtchen zusehends gewonnen.

Seitdem wir Klipdrift verlassen hatten, war uns fast ausnahmslos
heiteres schnes Wetter hold gewesen, doch kaum hatten wir Bloemhof im
Rcken, als sich der Horizont immer mehr zu umwlken begann. Mit der
zunehmenden Dunkelheit wurde es durch das inzwischen losgebrochene
Unwetter rings um uns so schwarz, da wir auf 20 Schritte nicht sehen
konnten und ich bedauern mute, nicht im Weichbilde der Stadt
bernachtet zu haben. Anfangs gingen wir vor dem Gespann, da der das
Leitpaar am Riemen fhrende Koranna behauptete, den Weg vor sich von dem
gleich dunkel aussehenden Boden zu beiden Seiten nicht hinreichend
unterscheiden zu knnen. Der heftige Regen, der uns durchnte, im
Verein mit dem kalten Winde, trieb uns jedoch in den Wagen hinein;
hundert Schritte weiter und die Zugthiere blieben stehen; sie glitschten
fortwhrend aus, was mich auf den Gedanken brachte, da wir vielleicht
vom Wege abgekommen, auf einen Abhang gelangt waren, und dann konnte
dies nur nach dem Flusse zu sein. An eine Fortsetzung des gefhrlichen
Nachtmarsches war unter solchen Umstnden nicht zu denken, wir muten
hier das Morgengrauen abwarten.

Die Recognoscirung unseres unfreiwilligen Lagerplatzes fhrte zu einer
Entdeckung, die mich tief erschreckte. Als ich den Wagen im strmenden
Regen zum zweiten Male, diesmal in einem etwas greren Radius umging,
schien es mir, als wenn sich etwa 20 Schritte vor den Zugthieren eine
dunkle Stelle befnde. Mir duchte es ein Erdloch, und so holte ich den
Triber (sprich Trajbr) herbei, um gemeinschaftlich bei der Helle des
nchsten Blitzes die Stelle zu untersuchen. Das erwnschte natrliche,
elektrische Licht blieb auch nicht lange aus und wir sahen zu unserer
Ueberraschung eine Regenschlucht, die zu dem Flusse fhren mute. Wren
wir noch 20 Schritte weiter gegangen, wir htten es theuer gebt. Am
Morgen zeigte sich eine Schlucht mit schroff abfallenden, etwa 16 Fu
hohen Lehmwnden.

Es war eine uerst ungemtliche Nacht, die wir hier zubrachten, der
Regen durchdrang selbst die Leinwandhlle des Wagens, der kalte Wind
lie uns erstarren und fhrte uns die Thatsache zu Gemthe, da wir uns
4000 Fu ober dem Meere, auf dem Plateau des sdlichen Transvaalgebietes
befanden. Nur David und Gert lieen sich durch das Unwetter nicht im
Mindesten in ihrer Vorliebe fr Morpheus stren, unbekmmert darum, da
sie frmlich in einer Regenlache schwammen, waren sie bald in tiefen
Schlaf verfallen, aus dem sie nur am kommenden Morgen (das Unwetter
hatte sich nach Mitternacht verzogen) die warmen Strahlen des
Tagesgestirns weckten.

Das jenseitige Freistaatufer ist durch eine sandige, mit Mimosenbumen
stellenweise sprlich, stellenweise ziemlich dicht bewaldete und
bebuschte Bodenerhebung gebildet. Viele der vermgenden Farmer, die
sdlich vom Flusse wohnen, haben sich hier Farmen, d.h. je etwa 3000
Morgen Land gekauft, um in der trockeneren Jahreszeit daselbst ihr Vieh
zu halten. Sie klagten mir ber bedeutende Verluste, die sie durch
Hynen (H. crocuta) erlitten, welche Fohlen, Klber und Maulesel
getdtet htten, so da die Farmer Strychnin zu Hilfe nehmen muten und
damit tchtig unter den nchtlichen Rubern aufrumten. Dem Sohne des
Farmers Wessel hatten die Raubthiere in einem Winter 18 Stck Hausthiere
getdtet und unter seinen Notizen halte ich namentlich einen Fall
nennenswerth. Sein Diener hatte, um ein leichtes Ueberwltigen der
Maulesel zu verhten, zwei derselben mit einem Riemen zusammengekoppelt;
als man sie nach einiger Zeit suchte, fand man den einen neben der
Leiche seines Gefhrten, beide noch mit dem Riemen verbunden und nach
den zahlreichen Spuren mute man schlieen, da einer derselben von den
Hynen getdtet und halb abgenagt worden war, whrend sich der
Ueberlebende, durch stete, jedoch fruchtlose Versuche sich loszureien
mde geworden, wohl in sein Schicksal ergeben haben mute. Seit jener
Zeit lie man nur Rinder und erwachsene Pferde ohne Hirten auf die
Weide.

Einige Stunden stlich von Bloemhof erreichten wir eine groe seichte,
schon aus der Ferne wei schimmernde Salzpfanne, an der eine Farm lag.
Wie immer war eine Stelle des Ufers der Pfanne von einem Hgel berragt,
whrend die anderen, mit Gras berwachsenen, fruchtbaren und moorigen
Stellen zum Ackerbau wohl geeignet sein mochten.

Ich sammelte einige, der mit Salz incrustirten Steine und
vegetabilischen Stoffe, whrend sich meine Gefhrten daran machten, die
zahlreichen, am reinen Kiesgrunde der Pfanne reichlich aufliegenden,
hirse- bis erbsengroen Salzkrystalle zu sammeln. Wir betraten nunmehr
das eigentliche sdwestliche Wildrevier des Transvaal-Gebietes, das sich
von den Ufern des Bamboesspruit bis zum Schoenspruit ber eine
ununterbrochene, im Sden vom Vaal-River, im Norden von den Maqwasihhen
begrenzte und von mehreren meist von Norden nach Sden oder Sdosten
laufenden periodisch flieenden Spruits und einem Flusse
durchschnittene, hochbegraste Ebene erstreckt.

Seit meinem Besuche dieser Gegend im Jahre 1873 hat das Wild bedeutend
abgenommen, doch ist zu hoffen, da die neue Regierung zu seinem Schutze
die nthigen Maregeln ergreifen wird. Bei einer vernnftigen Jagdweise
kann sich das brig gebliebene rasch vermehren und dennoch den Farmern
einen ergiebigen Ertrag sichern.

Whrend meiner ersten Reise beobachtete ich das gemeine schwarze Gnu in
Heerden von 5-30 Stck, Blbcke in Heerden von 15-300 Stck,
Springbcke, Deuker und Steinbcke von 10-150 Stck, nahe an den
bebuschten Partien nur paarweise; ferner eine Menge von den
rothlffeligen Hasen, eine Unzahl von Springhasen und Stachelschweinen,
Schuppenthiere und Erdferkeln--doch fehlten auch Raubthiere und Hynen,
Schakale und Proteles, an den Spruits Fischottern und im hohen Ufergras
Wildkatzen nicht; whrend mehrere Trappenarten, Wildenten und Gnse,
Wachteln (eine kleine Art) und in den bebuschten Partien Perlhhner
zahlreich vertreten waren.

Bevor wir noch den Bamboesspruit (18. Mrz) erreichten, erblickten
wir zuerst einige einzelne, spter eine kleine Heerde von
Blbock-Antilopen, so genannt, weil sie auf ihrer Stirne eine weie
Ble zeigen, die gut zu der dunkelrothbraunen Behaarung des Krpers
pat. Die Hrner sind nach hinten geneigt, gegen die Spitzen
auseinanderlaufend, weder so zierlich noch so schn wie jene der
Springbock-Antilopen, wie denn auch der Blbock, im Ganzen strker
gebaut und eine lngere Verfolgung, ohne dabei zu groen Sprngen seine
Zuflucht zu nehmen, auszuhalten im Stande ist.

Zahlreiche Kranichheerden jagten im hohen Grase nach Heuschrecken. Nahte
man ihnen, so flogen sie nach einem kurzen Anlaufe auf, um knapp ber
dem Grase hinreichend, einige hundert Schritte weiter wieder
einzufallen. So wie sie aufflogen, lieen sie ihre prchtige, weithin
hrbare Stimme ertnen.

Heftige Regenschauer nthigten uns, schon in den ersten
Nachmittagsstunden an einer Regenpftze, einige Meilen stlich vom
Bamboesspruit, Halt zu machen. Dazu trat noch eine allgemeine Ermattung
der ganzen Expedition ein, in Folge der letzt erlebten Nacht und des
Genusses von Salz aus der vorerwhnten Salzpfanne.

Der heftige Regen und unser Unwohlsein lie uns eine recht unangenehme
Nacht zubringen, erst gegen Morgen lie der Regen etwas nach und wir
versuchten etwas Schlaf unter dem Wagen, da die Ausdnstung der in dem
Wagen na gewordenen Gegenstnde nicht einladend war.

Whrend der Nacht lieen sich Hynen und Schakale oft nahe am Wagen
vernehmen, allein wir konnten weder in der Dunkelheit hinreichend klar
sehen, noch wollten wir uns auch in dem feuchten Wetter unserer in
Lederhllen aufbewahrten Gewehre bedienen. Das Liegen auf dem feuchten
Grase wurde uns jedoch bald unbehaglich und so waren wir schon vor
Sonnenaufgang bereit, die Weiterreise anzutreten.

Whrend sich meine Gefhrten nun im Feueranmachen versuchten, hielt ich
eine Rundschau ber die nur nach Norden in der Ferne von Hhen begrenzte
Grasebene, konnte jedoch nichts ersphen; am Himmel hingen noch schwere,
dunkle und tiefgehende Wolken, der Tag versprach so trbe zu werden, wie
es die Nacht gewesen. Whrend ich noch Rundschau hielt, hrte ich vor
mir--es schien von zwei, circa 600 Schritte vor mir vorberfliegenden
storch- oder kranichartigen Vgeln zu kommen--schne, melodische,
harfengleich klingende, sich mehrmals wiederholende Tne, welche auch
die Aufmerksamkeit meiner Begleiter auf sich zogen. Das ist
schn!--o, prachtvoll!--hrt Ihr die Aeolsharfe!--so zollte ein
Jeder von uns seine Bewunderung, kaum da jene Tne verklungen waren.

Nur Gert, der edle Korannajngling, schien ungerhrt. Von uns Allen um
Auskunft bestrmt--wobei er recht erschrocken von seinem
Frhstckstpfchen auffuhr--woher diese Laute kmen, ob von Vgeln,
anderen Thieren, oder was sie sonst erzeuge, schaute er ber die Ebene
hin, konnte aber nichts sehen, dann beugte er sich nieder, um lngs der
Grasspitzen besser in die Ferne sehen zu knnen, pltzlich fate er mich
bei der Hand, zog mich zu sich herab und sagte:

Siehst Du, Bas, dort fern von hier fliegen zwei Vgel, da--da setzen
sie sich nieder, das sind, das muten die Schreier gewesen sein, sie
sind solche Vgel wie die groten Springhanvogels (graue Kraniche),
allein sie haben schn weirothe Flgel und auf dem schwarzen Kopfe
tragen sie schne gelbliche Kronen und diese Kronen--dabei war er, als
er das Erstaunen in unseren Mienen gemerkt, aufgestanden und hatte sich
zur Strkung nach seiner diesmal so ungewhnlich wortreichen Rede mit
einem neuen Stckchen Kautabak gelabt--ja, diese Kronen sind nicht
Federn, sondern lange, gelbe steife Haare. Alle Menschen kennen sie in
Afrika und viele Farmer im Oranje-Freistaat und der Transvaal-Provinz
halten sie zahm auf ihren Hfen.--Und ihr Name? fragte
ich--M[=a]-hems, Sir, nennt man sie.

Nun waren wir so klug wie zuvor. Stelzenvgel waren es wohl, allein
wohin sie einreihen, wute ich nicht, bis ich zwei Tage darauf das Glck
hatte, drei davon auf einer Farm lebend zu finden. Es waren die
gekrnten oder Knigskraniche (Balearia regulorum), von denen ich ein
Prchen auch heimbrachte. Seine kaiserliche Hoheit, unser
durchlauchtigster Kronprinz Rudolph, erwies mir die hohe Ehre, das
Prchen gtigst anzunehmen und die Vgel dem kaiserlichen Thiergarten zu
Schnbrunn einverleiben zu lassen.

Auf der durch mehrere kleine, trockene Salzpfannen charakterisirten
Ebene tummelten sich auch zahlreiche groe Trappen. Wir berschritten
den Bamboesspruit, welcher nur an sehr wenigen Stellen in seinem
schlammigen Bette kleine Wasserlachen zeigte und zogen weiter ostwrts
gegen den zu ihm parallel laufenden und stetig flieenden Maqwasi-River.
Das Land stieg etwas nach dieser Richtung hin und war auch stellenweise
mit kleinen Bestnden von Mimosen, zumeist Kameeldornbumen bedeckt.

Am Rande des ersten kleinen Gehlzes blieben wir ber Mittag liegen und
da meine Freunde mit dem Trocknen der durch den letzten Regen na
gewordenen Sachen die Hnde voll zu thun hatten, ergriff ich ein Beil,
um Holz fr unsere Kche herbeizuschaffen. Da meine linke Hand noch von
dem Unfall mit dem Gewehre her nicht vllig geheilt war, fiel mir die
Arbeit schwer, und mein Ungeschick brachte mir nur eine neue
schmerzhafte Wunde am Schienbein des rechten Fues ein. Wenige Minuten
darauf schwebte ich wieder in ernster Lebensgefahr.

Um nicht unverrichteter Dinge zu meinen Gefhrten zurckkehren zu
mssen, trachtete ich, wenigstens die trockene Rinde von den
abgestorbenen Stmmen abzulsen. Bei diesem Beginnen sah ich pltzlich
etwas vor meinen Augen glitzern und im selben Momente versprte ich ein
Gefhl von Klte an meinem linken Unterarme. Eine Viper hatte sich, wie
dies hufig vorkommt, unter der Baumrinde verkrochen und war mir nun in
den linken Aermel gefallen. Mit dem Verhalten in solchen Fllen
vertraut, blieb ich unbeweglich, um das Thier nicht zum Bisse zu reizen.
Die Schlange hatte sich nun ausgestreckt, und dabei ragte glcklicher
Weise das Schweifende aus dem Aermel heraus. Rasch entschlossen ergriff
ich dieses und schleuderte das Thier weit von mir.

Die folgende Nacht war ebenso unangenehm wie die vorhergehende. Es
regnete so stark, da wir an Schlaf nicht denken konnten, wozu brigens
das Hynen- und Schakalconcert nicht ermuntern konnte.

[Illustration: Lager am Bamboesspruit.]

Am 19. Mrz verlieen wir unser Nachtlager. Nach etwa zweistndiger
Fahrt hrten wir ein deutliches Brausen, wie von einem Bergstrome
herrhrend, welches vor uns aus einer durch einen langen von Norden nach
Sden sich hinziehenden, durch einen Baumstreifen gekennzeichneten
Vertiefung zu kommen schien. Wir fanden dies auch besttigt und in jener
engen 20-35 Fu messenden Tiefe drngte sich der durch die in der
gleichnamigen Hgelkette gefallene Regenmenge angeschwollene
Maqwasi-River. Sein Bett ist meist steinig und steil, so auch seine
Ufer, und zeigt oft, wie unterhalb der von uns bentzten Furth,
anmuthige Scenerie, wenn auch im beschrnkten Mastabe, wie es ein enges
Flubett und ein ebenso enges Thal nur bieten kann; der Flu ist durch
mehrere der Wintermonate bis auf einige der tieferen, felsigen Lcher
trocken und ziemlich fischreich. Seine Ufer, und dies gilt namentlich
von den felsigen, zerklfteten Partien, sind von Fischottern,
Wildkatzen, einer Wieselart, der Genetta und anderen kleinen
Raubthieren, den Rohrrlern und auch von Wasserleguanen bewohnt. An der
Furth, welche durch die steile Ab- und Auffahrt schwer zu passiren war,
fanden wir das Wasser etwa drei Fu hoch; am rechten Ufer trafen wir
einige Transportwgen, welche Waaren im Gewichte von 6-7000 Pfund
aufgeladen hatten, deren Fuhrleute den angeschwollenen Flu nicht zu
durchfahren wagten und das Fallen des Wassers in einer in der Nhe
liegenden Cantine abwarteten. Ich entschlo mich jedoch, den Versuch zu
wagen, der auch bis auf einen kleinen Unfall, der uns einen Theil
unseres Kochgeschirres kostete, gelang.

[Illustration: Rckkehr von der Gnu-Jagd.]

Noch bevor die Sonne im Zenith stand, hatten wir die hier vom Norden
nach Sden vorbringenden Maqwasihhen an ihrem sdlichsten Abhange
erreicht, welche nicht nur dem Botaniker, sondern auch dem Mineralogen
eine hchst lohnende Ausbeute, letzterem prachtvolle Quarzit-Porphyre
bieten. Hasen und Trappen fanden sich auf der Ebene nach dem Sden,
whrend der nahe Teich des Farmers, der sich am Fue der Hhen
angesiedelt hatte, von schwarzen Blahhnern, von Tauchern, Wildenten,
Ibissen und Fischreihern wimmelte.

Am Nachmittage machte uns der Sohn des Farmers einen Besuch und ich
staunte ber die Fertigkeit, mit welcher dieser Mann meinen Revolver zu
handhaben wute. Schu auf Schu traf das Ziel. Gegen Abend verlieen
wir die Farm und zogen ber eine weite Ebene, welche von zwei Fu hohem,
ppigem Graswuchs bedeckt, zahlreiches Wild beherbergte. Etwa sechs
englische Meilen von unserem mittgigen Lagerplatze entfernt, am Abhange
der Hhen, muten wir anhalten, strmender Regen hinderte uns an der
Weiterfahrt. Wir befanden uns in einem kleinen isolirten
Mimosenwldchen, das eine Farm umgab. Der auerordentliche Reichthum der
Ebene an mancherlei Wild gab uns Veranlassung, hier einen ganzen Tag zu
verweilen.

Bei Tagesanbruch wurde ich durch einige in der Nhe gefallene Schsse
aus meinem kurzen Schlummer gerissen. Die Schsse schienen auf der Ebene
nach Sden abgefeuert worden zu sein. Spter, als wir beim Frhstcke um
unsere Eisentpfe saen, wurde uns die Erklrung dazu geboten. Zwei
Hollnder kamen auf unscheinbaren, allein sehr ausdauernden Ponies
herbeigeritten, und nachdem sie uns gefragt, ob der Bas (Hausherr)
daheim sei, eine Frage, auf die wir keine Antwort hatten, ritten sie auf
das mit Stroh gedeckte Huschen zu, um sich hier vom Nachbarn, Ohm
(gewhnlicher Titel eines hollndischen Farmers), einen Wagen zu
entlehnen, mit dem sie die zwlf diesen Morgen auf seiner Farm erlegten
Antilopen (Spring- und Blbcke) nach ihren, einige Meilen abliegenden
Farmen schaffen konnten.

Jene hollndischen Bauern, welche nahe an Stdten wohnen, bringen die
erlegten Thiere, meist nachdem sie dieselben ausgeweidet, und ihnen die
Kpfe abgeschnitten, die sie drauen im Felde den Schakalen und Geiern
berlassen, aufgeschnitten zu Markte. Jene, die entfernter wohnen,
zerstckeln ihre Beute, nachdem sie selbe abgehutet und die Hute zum
Trocknen auf der Erde ausgespannt haben. Von Springbcken werden die
Felle von den Farmern blos getrocknet, viereckig zugeschnitten und 8-12
solcher Hute zu Fudecken zusammengenht, eine Arbeit, in welcher sie
von den Eingebornen weitaus bertroffen werden.

Die Felle des Blbockes und des in den Wldern oder auf den bebuschten
Hhen wohnenden Kudu werden in hnlicher Weise ausgearbeitet und zu dem
hinteren strkeren Vorschlag (dem Achterschlag) der aus Giraffenhaut
verfertigten Peitsche bentzt. Auch gerben sie in sehr primitiver Weise
die Blbock-, Gnu- und Quaggafelle, und verkaufen das so gewonnene
Leder den in Stdten ansigen oder herumziehenden Kaufleuten. Zum
Gerben bentzt man die Rinde mehrerer auf Hhen wachsenden Bume, so
z.B. des Waggonhout-Baumes und anderer, und wo diese mangeln, einiger
der gewhnlichen, doch greren, meist an Fluufern wachsenden
Mimosenarten. Solche, die das Gerben als Nebengewerbe betreiben, kaufen
gewhnlich die ungegerbten Felle den Jgern ab, bezahlen in der Regel
3-4 Shillinge fr ein Blbockfell und verkaufen es gegerbt um 10
Shilling.

Aermere Farmer, die bei Freunden oder Verwandten wohnen, bereiten aus
den halbgegerbten Gnufellen die Sohlen, aus Blbock-, Kudu-,
Hartebeest-Fellen etc. das Oberleder zu einer unscheinbaren, allein auf
Reisen in Sd-Afrika sehr bequemen Fubekleidung, den sogenannten
Feldshoen, welche an Ort und Stelle mit 6-8, bei den stdtischen
Kaufleuten mit 10-14 Shillingen verkauft werden.

Das Fleisch des Wildes wird in lange Stckchen geschnitten, etwas
eingesalzen oder bei miger Tageshitze auf Riemen aufgehangen
getrocknet und als Beltong steinhart auf den Tisch gebracht. Zubereitet,
d. h. abgerieben und dann in Butter gesotten, gibt es einen delicaten
Imbi. Ein Pfund von diesem getrockneten Fleische wird mit 6 Pence bis 1
Shilling bezahlt und von manchem Farmer in greren Mengen auf den Markt
gebracht.

Der groe Wildreichthum der Umgebung des Gehlzes verhalf auch unserer
Kche zu manchem Leckerbissen und meiner Sammlung zu schnen Blgen.
Unter Anderem gewann ich einen prchtigen Uhu, einen Hhnergeier, zwei
Falken, eine Zwergeule, einen Wiedehopf, kleinere Spechte u.s.w.

Mein Enthusiasmus wurde inde pltzlich abgekhlt, als der Farmer mich
pltzlich mit seiner unmelodischen und schnarrenden Stimme zur Rede
stellte. Es war ein vollbrtiger Boer, der grimmigen Blickes mich und
meinen Gefhrten F. frug, wo wir del manier gelernt htten, Finks,
Falke, Eule und mar all det Vogels dot to skeuten ohne da man erst
will Mynheer permittiere angesucht htte. Die Entrstung des Farmers
hatte sich jedoch bald gelegt, als er erfuhr, da ich ein Doctor sei,
denn ein solcher ist dem hollndischen Farmer stets ein willkommener
Gast; ja er wurde spter sogar noch so liebenswrdig, uns fr einen
Shilling eine reichliche Quantitt frischer Milch zu berlassen.

Am folgenden Tage verlie ich das Gehlz und zog weiter nach Osten. Die
Strecke von diesem Gehlze bis zum Estherspruit ist durch
auerordentlichen Wildreichthum ausgezeichnet. Ich zhlte zu beiden
Seiten des Weges nicht weniger als zwanzig Antilopenheerden (Springbcke
und Blbcke). Zahlreiche Aasgeier hatten sich in geringer Entfernung
unseres Weges ber einen angeschossenen Blbock zum Frae
niedergelassen; da es an solchen Gelegenheiten auf dieser weitlufigen
Ebene nicht fehle, bewies uns ihre groe Zahl.

Wir kamen nach einiger Zeit zu einem nach Sden sich hinziehenden
grabenartigen Spruit, an welchem aus dem Dickicht eines kleinen
Mimosengehlzes in der Ferne ein weigetnchtes Farmhaus uns
entgegenschimmerte. Hier wohnte ein Hollnder, Namens Rensburg, ein
freundlicher, ltlicher Mann, den wir spter kennen lernten.

Am Ufer der Spruit machten wir Halt. Whrend wir uns beim Mittagsmahle
gtlich thaten, nherte sich uns ein eigenthmliches Gespann, das unsere
Aufmerksamkeit fr einige Zeit gnzlich in Anspruch nahm. Zwei
bewaffnete Betschuana's escortirten ein Doppelgespann von Ochsen, welche
eine aus Mimosenholz verfertigte schlittenartige, mit Aesten berdeckte
Gabel schleppten, auf welcher ein frisch erlegter Gnu-Stier lag. Es war
ein schwarzes Gnu, welches von den Eingebornen, die es erlegt hatten,
ihrem Brodherrn berbracht wurde. Rensburg hielt sich mehrere
Eingeborne, die mit ihren Familien in der Nhe seines Wohngebudes in
Htten wohnten. Die Frauen halfen in der Haushaltung des Farmers, die
dunklen Mnner aber jagten fr ihn. Diesen Stier hatte einer der Mnner
im Morgengrauen, nachdem er die ganze Nacht hindurch hinter einem kaum 2
Fu hohen Termitenbau gelauert, aus unmittelbarer Nhe erlegt. Da das
Fell des Thieres nicht bedeutend verletzt war, gab ich ihnen den
Auftrag, ihren Bas von mir gren zu lassen und ihn zu bitten, mir das
Gnufell zu berlassen, um es fr meine Sammlungen prpariren zu knnen.
Sie versprachen es und zogen ab. Nach einiger Zeit kehrten die Mnner
mit der Botschaft zurck, der Farmer berlasse mir das Fell um den Preis
von 5 Shillingen, ein Vorschlag, auf den ich bereitwillig einging.

Der Besuch eines Boers, der, in entgegensetzter Richtung reisend, in der
Nhe unseres Wagens Siesta hielt, verzgerte unsere Abreise und es war
bereits ziemlich dunkel, als wir Estherspruit verlieen.

Die Dunkelheit machte allen Jagdversuchen ein Ende, ich wurde indessen
durch den Fund eines Exemplares der Ringhalsschlange von seltener
Schnheit reichlich entschdigt. So oft mich spter Farmersleute
besuchten, zeigten sie einen unverkennbaren Schrecken beim Anblicke
dieses schwarzen giftigen Reptils.

Die Strae, deren guter Zustand mich vor dem Estherspruit berrascht
hatte, nahm bald ein Ende, wir waren pltzlich auf eine morastige Ebene
gerathen. Alle Mhe und Anstrengung, unseren Wagenkolo aus dem
sumpfigen Boden herauszubringen, waren vergeblich, und so mute ich
denn, wenn auch mit Widerwillen, an dieser gesundheitsschdlichen Stelle
den Morgen abwarten.

Nach Mitternacht wurde es heller, so hell, da wir die ungemein dreist
gewordenen Schakale in unserer unmittelbaren Nhe sehen konnten. So
gerne ich die freche Zudringlichkeit dieser argen Klffer gezchtigt und
mich in den Besitz einiger schner Schabrackenfelle gesetzt htte, stand
ich davon ab, da mir der Farmer am Estherspruit hievon abgerathen hatte,
und durch die Schsse das Wild verscheucht worden wre.

Am folgenden Morgen ging es weiter; schon nach 200 Schritten kamen wir
zum Klipspruit, einem kleinen, damals flieenden, doch bald nach der
Regenzeit bis auf einige Tmpel austrocknenden Flchen, welches nach
heftigen Regengssen zu einem 50-100 Schritte sich ausbreitenden Strom
anschwillt. Wir berschritten es und schlugen auf einige Tage am
gegenberliegenden Ufer unser Lager auf.

Es war ein herrlicher, des Waidmann's Herz entzckender Anblick, als der
anbrechende Tag uns einen Ausblick in die Ferne nach allen Richtungen
hin vergnnte. Wohin wir auch das Auge wenden mochten, berall erfreute
uns der Anblick kleinerer und grerer Gazellen- und Gnuheerden, die
nchsten etwa 400 Schritte vor uns, und manche wieder nur als dunkle
Punkte am Horizonte, der nach Westen, Sden und Osten unbegrenzten Ebene
erkennbar. Whrend die Springbcke gruppenweise grasten, hielten sich
die Blbcke in langen Ketten hinter- oder neben einander grasend. Von
mehreren Seiten klang der langgezogene Ton des Trappengeschreies zu uns
herber; jedes Pltzchen um uns athmete Leben. Als ich an jenem Morgen
des 23. Mrz 1873 die mir unvergeliche Rundschau von meinem Wagen aus
hielt, da kam es mir in den Sinn, mir einen greren Landbesitz in
diesen Gegenden zu wnschen, der umzunt, dem von allen Seiten
verfolgten Wilde als Hort dienen knnte; doch leider, dieser Wunsch wird
sich wohl nie erfllen! Nicht das Klima, der beschrnkte Raum in den
zoologischen Grten ist einer der Hauptgrnde, da so viele Thiere der
Gefangenschaft erliegen. Jene wandernden Menagerien werden mit der Zeit
aufhren mssen, je mehr stabile entstehen, die sich rasch mehren, denn
der notorischen Thierqulerei der ersteren, dem sogenannten
Gefngnisystem, mu einmal die sich mehr und mehr entwickelnde
Veredelung des menschlichen Geistes ein Veto gebieten.

Am Klipspruit wollte ich einen mehrtgigen Aufenthalt nehmen, nicht um
eine Razzia unter dem Wilde zu halten, sondern, wenn mglich, zu
beobachten und von den hervorragenden Wildspecies je ein Fell fr meine
Sammlung zu gewinnen. Leider war der Zufall selbst diesem bescheidenen
Wunsche nicht hold und heute bin ich zufrieden, da es so geschah. Wir
blieben bis zum 27. Mrz. Den ersten Tag beschftigten wir uns mit dem
Prpariren des erkauften Gnufelles--eine mhevolle Arbeit. Am zweiten
verfolgten wir den Lauf des Spruit, der sich grubenartig durch die Ebene
wand und nur stellenweise in Tmpeln Wasser aufwies, um ein geeignetes
Versteck in seinem Bette zu finden und das Wild aufscheuchen zu knnen.

Mehrere Wgen, die Transvaal-Farmern angehrten, welche mit Getreide
theils nach den Diamantenfeldern zogen, theils von daselbst kamen, und
die uns begegneten, hatten bis drei Stck Wild unter und an dem Wagen
befestigt. Das Wild lie denselben oft bis auf 300 Schritte Nhe
vorberfahren, was dann von den vortrefflichen hollndischen Schtzen
bentzt wurde, um auf der anderen Seite vom Wagen zu springen, sich in's
nahe Gras zu werfen und auf die arglosen Thiere anzuschlagen. Von je
drei Schtzen traf in der Regel einer tdtlich und so bot man uns
Springbockgazellen mit Fleisch und Haar fr 1 Shilling bis 1 Shilling 6
Pence, Blbcke fr 2-3 Shillinge und Gnus fr 7-8 Shillinge an. Ich
erstand zwei der ersteren Thiere.

[Illustration: Von schwarzen Gnu's berrascht.]

Doch weder mir noch meinen weien Gefhrten war Waidmannsglck jetzt
hold; schon waren drei Tage resultatlos verflossen, den letzten Tag (27.
Mrz) beschlo ich noch einmal, mein Glck zu versuchen, und unternahm
einen Ausflug, am Spruit abwrts.

Auf meinen an den frheren Tagen nach dieser Richtung hin unternommenen
Ausflgen war mir eine Stelle in dem etwas verbreiterten Flubette
aufgefallen, die von dem Wilde als Trnkstelle benutzt zu sein schien.
Neben ihr fhrte quer durch das sonst trockene Bett ein zu beiden Seiten
von einem Tmpel (der Trnkstelle) umsumter Pfad, den das Wild und
namentlich nach den Spuren zu urtheilen, Gnu's zum Ueberschreiten des
Bettes zu whlen schienen. Ich hielt es fr das Beste, an diesem Pfade
im Anstand zu liegen und das Herannahen des Wildes zu erwarten.

Ich verlie den Wagen nach Sonnenaufgang und legte kriechend die etwa
zwei englische Meilen entfernte Strecke zurck. Es mochte jedoch schon
11 Uhr gewesen sein, bevor ich es zu Stande gebracht, denn stellenweise
war das eigentliche Bett sehr seicht und ein sich in demselben vorwrts
bewegender Mensch konnte leicht vom Wilde von der Ebene aus beobachtet
werden. Der Pfad war eng, zu einer Seite Tmpel mit Schilf umsumt. Der
Flu war, wie ich schon erwhnt, ziemlich breiter, flacher und seichter,
als es sonst am Laufe des Klipspruit zu beobachten war. Ich mochte eine
Stunde an dem Pfade gelegen haben, die Sonne brannte hei und machte mir
meine Lage recht unbequem, als von Nordosten her in weiter Entfernung
einige Schsse fielen; theilweise durch einen Grasbusch gedeckt, lugte
ich nach Osten zu aus, sah jedoch nichts, auer mehreren ruhig grasenden
Heerden von Springbcken, Blbcken und Gnu's. Von den letzteren fiel
mir die eine dadurch auf, da die Thiere, eines hinter dem andern
trottend, eine bestimmte Richtung, und zwar gerade nach mir zu,
eingeschlagen zu haben schienen. Ich wandte mich deshalb auch gegen
dieses Ufer und machte mein Gewehr schubereit. Da jedoch die Gnu's noch
weit entfernt waren und sich langsam vorwrtsbewegten, kehrte ich meinen
Kopf nach der entgegengesetzten Seite, wohin ich zuvor ausgelugt, und
staunte nicht wenig, eine zahlreiche Blbockheerde im schnellen Laufe
aus derselben Richtung, aus welcher die Schsse gefallen waren,
herannahen zu sehen. Die Thiere waren mir nher als die langsam
schreitenden Gnu's, und da sie dieselbe Richtung, d.h. nach dem Pfade
eingeschlagen zu haben schienen, wurde ich den letzteren untreu, kroch,
mich flach auf den Boden legend, bis zur Mitte des Bettes; bis zum
gegenberliegenden flachen Rande zu gelangen war mir keine Zeit mehr
geblieben.

Nach einigen Sekunden erhebe ich ein wenig den Kopf, die Thiere muten
nun schon in unmittelbarer Nhe sein. Doch welche Enttuschung! Die
Blbcke muten mich bemerkt haben, denn etwa 200 Schritte vor mir
hatten sie sich zur Flucht gewendet. Die letzten Thiere der Heerde waren
eine Gais und ein kleines Bcklein, das lebend zu erlangen, mein
lebhaftester Wunsch war; ich wollte es daher versuchen, die Gais zu
verwunden und mich dann des Bckleins zu bemchtigen. In den rechten
Lauf geschossen, bumte die Gais auf, hinkte anfangs, allein bald war
sie wieder in vollem Lauf, unmittelbar von dem Bcklein gefolgt und
hatte die enteilende Heerde eingeholt.

Ich kroch nach meiner frheren Stelle zu, an den westlichen Rand, bckte
mich nieder, um rasch noch einmal laden und einen der schnen Bcke
erlegen zu knnen. Ich fhrte eben die Kugel ein, als ich ber mir ein
Pusten und Fauchen vernahm. Aufblickend, erschrak ich wie selten zuvor.
Ohne mich zu bemerken, war die von mir beobachtete Gnuheerde im vollen
Laufe nach dem Durchgangspfade herangeraunt gekommen, die bemhnten
Kpfe tiefgesenkt, den weien Schwanz hochgehoben, kamen sie wie ein
Sturmwind herangebraust. Noch einige Momente und ich lag unter ihren
Hufen. Da ich mich nach der nheren Bekanntschaft mit ihren Hrnern und
spitzen Hufen durchaus nicht sehnte, sprang ich rasch auf, um mit lautem
Geschrei und durch das Abfeuern des Gewehres, die Thiere zu erschrecken,
zum Stillstand, wo mglich zur Rckkehr zu zwingen.

Gesagt, gethan. Aufspringend und das Gewehr schwingend schrie ich laut
auf. Da stutzten die Thiere. Die struppigen Kpfe richteten sich auf
mich--ein Schu und der vorderste Stier wandte sich, den Kopf
tiefgesenkt und laut aufbrllend, zweimal im Kreise herum, dann nach
rechts, gefolgt von der Heerde, nach etwa 10 Schritten drehte er sich
wieder um, beschrieb einen Kreis, abermals von der ganzen Heerde
gefolgt, und dieses Manier von Zeit zu Zeit wiederholend, entfernte sich
die Heerde mit hochgehobenen Schwnzen und laut brummend.

Bevor jedoch die Thiere zum zweiten Male sich im Kreise gewendet hatten,
sandte ich ihnen eine wohlgezielte Kugel nach, mir ein halberwachsenes
Thier der Heerde auswhlend. Trotzdem, da ich das Gescho einschlagen
hrte, schien sich das Thier, ohne Schaden gelitten zu haben, zu
entfernen. Da ich meines Schusses auf's Blatt, wie ich glaubte, sicher
war, folgte ich den Thieren im Schweie meines Angesichts in der
brennenden Sonne etwa vier englische Meilen nach--doch vergebens; das
Thier blieb wohl das letzte in der Heerde, allein die Entfernung
zwischen mir und den Thieren wurde immer grer, auch war ich derart
ermdet, da ich endlich die Verfolgung aufgeben und enttuscht zum
Wagen zurckkehren mute.

Nachdem ich mich etwas gestrkt, machte ich mich mit Gert auf, um der
Spur des angeschossenen Gnu zu folgen; es war nicht schwer, sie zu
finden, wir folgten der Spur der Heerde von der Stelle, die ich bei dem
Anpralle der Gnu's innehatte und wohl bis zwei Meilen weiter als ich
frher die Verfolgung aufgegeben--es waren im Ganzen fnf Stunden seit
dieser Zeit verflossen--fanden wir, schon halb abgenagt, den Cadaver
eines jungen Gnu-Stieres, den wir den zahlreich versammelten Geiern als
Beute berlassen muten. Ich wurde jedoch durch diesen Mierfolg so
verstimmt, da ich am selben Tage das Lager abbrach und unsere Reise
nach dem Innern der Transvaal-Republik fortsetzte.

Als Ziel meiner Reise hatte ich mir die am oberen Moi-River gelegenen
Wonderfonteiner Felsenhhlen gewhlt, von wo ich den Rckweg nach den
Diamantenfeldern anzutreten gedachte. Als wissenschaftliche Ausbeute
brachte mir der Aufenthalt am Klipspruit einen hbschen jungen
Wasserleguan, einige Fischottern, Insecten, Skolopender und Pflanzen,
namentlich Gramineen, und einige Grnsteinvarietten ein.--Wir fuhren
spt in die Nacht hinein und hielten an einer Ebene etwa vier Meilen
nordstlich von der Klipspruit-Furth an. Die Nacht war schn, ziemlich
hell und whrend wir beim Abendfeuer sitzend unsere Erlebnisse an den
Ufern des genannten Spruit besprachen, hrten wir wiederholt in einer
mige Entfernung das Brummen der Gnu-Stiere, manchmal auch einen
dumpfen Schlag, der sich dann einige Male wiederholte, ein Schall, der
von den Anpralle der bermthigen, sich mit ihren breiten Hrnern
anrennenden Thiere herrhrte. Das am Abende von allen Seiten beginnende,
dann sich von Mitternacht an bis gegen Morgen wiederholende
Schakalgebell und jenes langgezogene hliche Hynengeschrei zeigten,
da die wildreichen Gegenden auch zahlreiche hundeartige Raubthiere
beherbergten.

Auch die Reise am 27. Mrz fhrte uns durch wildreiche Gegenden, nur da
jetzt die Senken, in denen sich die Spruits wanden, tiefer wurden und
stellenweise mit Buschwerk bestanden waren. Manche der letzteren
beherbergten die von der sdlichen Meereskste bis ber den Zambesi
hinaus verbreiteten Perlhhner.

Dieser wild lebende Hhnervogel gehrt unstreitig zu den
interessantesten Erscheinungen der afrikanischen Vogelwelt und da er in
den bewaldeten Gegenden ziemlich hufig vorkommt, mehrt er sich rasch,
trotzdem er vielfach gejagt wird. Der liebste Aufenthalt des Vogels, der
in Ketten zu 10-40 Stck haust, sind bebuschte und bewaldete Gegenden in
der Nhe von Flssen oder nie versiegenden stehenden Gewssern. Von
unserem Perlhuhn unterscheidet er sich namentlich durch seinen
hornartigen Auswuchs auf der Stirn. Ich will vorlufig nur der Jagdweise
Erwhnung thun, die ihn uns bekannt machte.

Am Vaal-, Hart-River und den anderen Nebenflssen des ersteren jagt man
diese Vgel mit dem besten Erfolge 1-2 Stunden vor Sonnenuntergang, zur
Zeit wo die Thiere von der Weide aus der hie und da bebuschten Ebene, in
anderen Gegenden aus den Bschen und Wldern zur Trnke eilen, woselbst
sie dann gewhnlich auf den hheren Uferbumen bernachten. Es lt sich
fast mit Sicherheit die Trnkstunde auf 4 Uhr Nachmittags fr alle
Jahreszeiten feststellen. Gewhnlich whlen die Thiere einen und
denselben Pfad; hat man sich nahe an diesem Pfade versteckt und blickt
man etwa um  4 Uhr von dem Gewsser landeinwrts, so wird man, wenn es
die Witterung gestattet, eine Staubwolke sich herannahen sehen, einige
Minuten spter vernimmt man die ersten Gackerlaute, ohne die Vgel
selbst noch zu erblicken. Die Staubwolke wird dadurch erzeugt, da die
zur Trnke eilenden Thiere noch auf ihrem Wege unausgesetzt im Sand oder
Thonboden nach Insecten und Samen scharren. In dichtem Grase erleichtern
die brigen Vgel den Hhnern die Arbeit dadurch, da sie alle
zeitweilig ihr Kpfchen erheben und fr einige Sekunden Rundschau
halten; ist das Gras 3 und ber 3 Fu hoch, so beobachtete ich, da die
Fhrer 10-15 Schritte weit voraus eilten und von Zeit zu Zeit aufflogen,
richtiger gesagt aufsprangen, um sich umsehen zu knnen. Hatten sie
etwas Verdchtiges gesehen, oder nherte sich ein Mensch oder ein
Raubthier von vorne her, so ergriffen sie mit lautem Gackern die Flucht,
und leisteten darin wahrhaft Unglaubliches. Ich kenne wenig Vgel,
welche so schnell laufen knnen; es geht so rasch im Wildpfade vorwrts,
da der mit den Gewohnheiten dieser Thiere wenig vertraute Jger sie
whrend des ganzen Tages nicht mehr zu Gesicht bekommt. Kennt man jedoch
ihre schnelle Flucht und sendet man ihnen Hunde nach, oder hat man sich
versteckt gehalten und tritt man pltzlich ihnen entgegen, so fliegen
sie auf und da sie einen schweren Flug haben, so ist es fr einen
halbwegs guten Schtzen leicht, mit jedem Schusse eines der Thiere
herunterzuholen. Von den Eingebornen droht ihnen, wie auch dem brigen
Wildgeflgel, keine groe Gefahr. Ich beobachtete, da blos die
Koranna's den Vgeln einigermaen nachzustellen pflegten, sie mit Hilfe
ihrer Hunde aufstberten und dann--ohne Schrot--mit den harten Krnern
des Blue-bushes (eine ebare kleine Frucht) niederschossen.

Am Nachmittage des 27. Mrz gelangten wir zum Matheusspruit. Trotz der
regenreichen Jahreszeit war der Spruit ziemlich ausgetrocknet und neben
dem Wege ein kleiner Damm quer ber sein Bett errichtet und dadurch ein
Teich gebildet. An einem nahen Abhange breitete sich ein dichtes Gebsch
aus, in dem einige verarmte Boers-Familien wohnten, welche ber die
Vorberreisenden wie Raubvgel herfielen und sie in folgender schlauer
Weise auszubeuten suchten.

Zog ein Boer aus dem Transvaal-Gebiete nach den Diamantenfeldern, um
seine Producte auf den Markt zu bringen, oder kehrte er zurck, oder
waren es--damals begann schon die Auswanderung--Unzufriedene aus den
Diamantenfeldern, welche die Leydenburger Goldfelder aufzusuchen im
Begriffe waren, so kamen wie zufllig einer oder zwei dieser Boer's aus
dem Gebsche heraus und auf den Wagen zu, knpften ein Gesprch an, und
gaben sich den Anschein, in Tauschhandel treten zu wollen, worauf sie
dann auf die gute Weide und auf das _schne_ Dammwasser hinzuweisen
nicht vergaen und zum Utspannen (ausspannen) einluden; half dies
nichts, so wuten sie die Wasserarmuth der nchsten Strecke bis
Klerksdorp in den dstersten Farben zu schildern. Gaben die Reisenden
nach, so waren sie bald darauf von drei und mehreren _Ohmen_, ihren
Frauen und einem Rudel schmutziger Kinder umringt und ihre Vorrthe
gebrandschatzt. Auch ich ging ahnungslos in die Falle.

Als wir ausgespannt hatten, fanden sich nicht weniger als 17 Kpfe an
meinem Wagen ein. Zuerst wurde um Tabak gebettelt, leider willfahrte ich
ihrem Ansuchen und so kam dann rasch Zucker, Kaffee, Thee, Blei,
Schiepulver etc. an die Reihe. Bevor wir noch abzogen, wurden wir noch
daran gemahnt, da fr das Trnken unserer Thiere am Teiche ein Shilling
zu bezahlen sei. Kaum war dies geschehen, da kam der ganze Tro zum
zweiten Male wieder und zwar um sich rztlichen Rath von mir einzuholen,
nachdem sie zuvor im Laufe des Gesprchs erfahren hatten, da ich ein
Arzt sei. Da hatte einer kranke Augen, jenem that der Kopf weh u.s.w.
Ich hrte sie an, ertheilte den rztlichen Rath whrend wir einspannten,
und pries den Augenblick glcklich, als Gert, der Wagentriber, ohne
sich um die uns Umlagernden zu kmmern, mit einem lauten Fatt mer
(fasset nun, ziehet an) das Gespann in Bewegung setzte.

Vom Mattheusspruit gegen den Estherspruit war der Zustand des Fahrweges
ein wahrhaft erbrmlicher. Theils fhrte er ber felsigen Grund, theils
durch derart aufgeweichten Boden, da wir alle Augenblicke stecken
blieben. Am 29. Mrz erreichten wir den Estherspruit, ruhten hier in der
Nhe einer gastlichen Farm etwas aus und erreichten am Abend desselben
Tages den Jagdspruit. Die landschaftliche Szenerie vom Mattheusspruit
(auch Matjesspruit genannt) bis hieher glich anfangs jener vom
Maqwasi-River bis zu diesem Spruit, rechts und links von uns meilenweite
Grasebenen, im Norden von den Maqwasihhen, im Sden vom Vaalflusse
begrenzt, von dem wir uns jedoch nach und nach so weit entfernt hatten,
da wir sein eigentliches Thal nicht mehr wahrnehmen konnten. Gegen den
Jagd- (der Hollnder spricht Jach-) Spruit zu nderte sich die
Scenerie insofern, als die Hhen zur Linken nher Herantraten, sich
sogar zwischen diesem Spruit und Klerksdorp (Klerksdorf) quer ber den
Weg nach dem Vaal-River ziehen und bei Klerksdorp einige interessante
Hhengruppen bilden.

Der folgende Morgen war schn und warm. Die aufgehende Sonne beleuchtete
die Ostabhnge der felsigen Klerksdorper Hhen, welche theilweise kahl,
theilweise mit Bschen berwachsen, die einen kegel- oder brodlaibfrmig
am Ufer des Schoenspruit isolirt, die anderen zu Hgelketten mit
scharfen Felsenkmmen gruppirt sind. Zwischen uns und diesen Hhen
breitete sich eine mige Niederung, ein etwa zwei Meilen breites
offenes Thal aus, welches einige Meilen nach abwrts in das enge Thal
des Schoenspruit einzumnden schien. Jenseits einer quer ber den Weg
sich hinziehenden Felsenkette sollte Klerksdorp, die lteste
Niederlassung in der Transvaal-Provinz, liegen. Der angenehme schne
Morgen lud mich zu einem Spaziergange auf der Ebene ein, wobei mich
unwillkrlich die artenreichen Kinder Flora's zum Botanisiren
aufforderten.

Schon am Wege fand ich mehrere sammelnswerth, unter diesen eine in
Unmasse, frmlich als Unkraut wachsende Cinna mit dunkelziegelrothen
oder rosafarbigen Blthen; sie bildet dichte, doch kleine, 12-40
Zentimeter hohe, meist zwei- doch auch hie und da mehrblthige Stcke.

In einem nahen Gebsche zur Linken fand ich reichliche Ausbeute an
kleinen Prachtkfern (Buprestidae), Blattkfern (Chrysomelidae) und
mittelgroen Bockkfern (Capricornia), auch an zahlreichen groen, gelb-
und schwarzgescheckten Spinnen, welche groe, unseren Kreuzspinnen
hnliche Gewebe zwischen den Bumchen und Bschen ausgespannt hatten.
Zwei Deukergazellen sprangen durch den Eindringling erschreckt auf, und
verschwanden ebenso rasch in dem Dickicht.

Von diesem kleinen Morgenausfluge zurckgekehrt, machte mich Freund E.
auf einen groen Vogel aufmerksam, der auf unseren Wagen loszulaufen
schien. Es war eine groe Trappe; ich legte an, ziele nach dem Halse,
der Schu kracht und der Vogel strzt zur Erde. Es war ein prchtiges
Thier, und zwar eines der grten seiner Art. Kaum 30 Fu von der
Rohrmndung entfernt, hatte sie den ganzen Schu in die vordere
Brusthhle bekommen, so zwar, da der Balg fr meine Sammlung ganz
unbrauchbar war, hingegen war das Fleisch eine werthvolle Acquisition
fr die Kche. Auer einem noch greren Trappenprchen derselben Art,
welches ich auf der dritten Reise am linken Limpopo-Ufer beobachtete,
sah ich nie wieder ein so groes Exemplar in Sd-Afrika.

Einen Gebirgssattel bersetzend kamen wir in das eigentliche Thal des
Schoenspruit, den man fglich River nennen knnte, weil er in
gewhnlichen Jahren meist fortwhrend fliet, nur in sehr trockenen den
Charakter eines Spruit zeigt. Im Allgemeinen gehrt dieses Fluthal zu
den interessanteren Thlern des sdafrikanischen Hochplateau's und auch
zu einem der fruchtbarsten und bestbebauten. Im Thale des Schoenspruit
reiht sich Farm an Farm; prachtvolle Weidepltze fr das Hornvieh, lngs
den Hhen und den Abhngen zum Flusse, erhhen noch den Werth des
Landbesitzes am Schoenspruit und im Moi-Riverthale. Bei Entfaltung
einiger Energie und einer rationellen Bearbeitung des Bodens knnte
leicht das Zehnfache des gegenwrtigen Ertrages an Cerealien erzielt
werden.

Klerksdorp oder Klerksdorf bestand im Jahre 1873 aus einer Hauptstrae,
in der ich, wenn ich nicht irre, 25 Huser zhlte; seitdem hat es sich
vergrert und verspricht unstreitig neben Potschefstroom die
bedeutendste Stadt des sdwestlichen Transvaal-Gebietes zu werden. An
jedem Hause fand ich einen Garten mit Obstbumen, namentlich Pfirsichen,
Orangen etc. und die Zune aus Quitten und Granatbumchen gebildet.
Jener Theil des Schoen-Riverthales, in dem Klerksdorp erbaut ist, gehrt
berdies zu den gnstigsten, namentlich in Bezug auf Wasserflle des
Flusses. Das Thal ist bei Klerksdorp von beiderseits aufzeigenden Hhen
eingeengt, und durch einen isolirt stehenden Hhenzug fluaufwrts nach
dieser Seite hin ziemlich geschtzt.

Da wir mit dem Ueberschreiten des Schoenspruit eine andere
Bodenformation betreten, welche sich bis Wonderfontein im centralen
Transvaal-Gebiete verfolgen lt, so will ich noch mit wenigen Worten
der geologischen Struktur der Strecke vom Bamboesspruit bis zum
Schoenspruit gedenken. Die Hauptmasse des sichtbaren Gesteins auf der
Ebene bilden in Bezug auf Farbe, Consistenz und die schon in den
Gegenden weiter vaalabwrts beobachteten mandelartigen Einschlsse,
verschiedene Varietten des Grnsteins. An manchen Stellen finden wir
ihn sehr hart und fest, riesige Platten bildend, an anderen ist er
brcklich und dann zeigt die Oberflche viele quarz- (Milch- und
Rosenquarz) und chalcedonartige Einschlsse. Hie und da finden wir
Thonschiefer, an andere eisenhaltige Schiefergeschiebe aufgelagert und
manche der die Wildebene umsumenden Hhen werden von Porphyr gebildet.

Ich durchstreifte die nchste Umgebung von Klerksdorp und war namentlich
mit der Pflanzenausbeute zufrieden. In einigen der brach liegenden
Grten fand ich eine Malvacee, welche in veschiedenen Varietten
vorkommt, deren Verbreitungsbezirk von der sdlichen Meereskste bis
ber den Zambesi hinaus reicht und schne, groe, schwefelgelbe Blthen
besitzt.

Schon den folgenden Tag nach unserer Ankunft brach ich wieder auf, um
meine Reise gegen Potschefstroom, der bevlkertsten Stadt der
Transvaal-Republik, fortzusetzen. Auf dieser 34 Meilen langen Strecke
berschritt ich drei trockene Spruits, den Kockemoer, den Matchavis und
den Bakenspruit, welche gleich den vorhergenannten so ziemlich parallel
von Norden nach Sden dem Vaal-River zustrmen. Das Land ist mehr
hgelig als jenes zwischen Bloemhof und Klerksdorp; die flacheren wie
die tieferen Thler scheinen sehr fruchtbar zu sein. Zwischen Klerksdorp
und den Kockemoerspruit berschritten wir eine stellenweise morastige
Hochebene, welche unserem raschen Vorwrtskommen Schwierigkeiten
bereitete. Zwei tief in den Modder (Morast) eingefahrene Wgen mahnten
uns zu grter Vorsicht. An manchen Stellen muten wir den Schlamm
ausschaufeln, dann Steine in die so erzeugte Mulde werfen, um einen
harten Untergrund zu gewinnen und dann rasch mit lautem Peitschengeknall
und Geschrei die Zugthiere zum Anspannen ihrer ganzen Krfte aufmuntern.
An anderen Stellen hie es, die unliebsamen Strecken zu umfahren; dies
gelang zuweilen an einer, jedoch fanden wir an anderen den Wiesengrund
so aufgeweicht, da sich die Rder tief einschnitten, als wenn die
breiten Eisenbnder mit scharfen Schneiden versehen gewesen wren.

Zur Zeit meines Besuches geschah fr die Communicationswege in der
Transvaal-Republik fast nichts. In der unmittelbaren Nhe von
Potschefstroom fand ich die Wege im schlechtesten Zustande.

Am nchsten Tage fhrte uns der Weg am Fue eines hheren Felsenhgels
vorber; die Scenerie der Landschaft auf diesem Punkte war nebst jener
bei Klerksdorp die anziehendste auf der Gesammtstrecke meiner ersten
Reise. In dem flachen hochbegrasten Thale des Bakenspruit war eine
zahlreiche Heerde von grauen Kranichen mit der Heuschreckenjagd
beschftigt, auch einige ruhig zwischen den Vgeln grasende
Springbockantilopen fielen uns auf. Nimrod F. versuchte sein Mthchen an
den arglos weidenden Thieren zu khlen, doch wie bisher ohne anderen
Erfolg, als ob seiner staunenswerthen Ungeschicklichkeit von uns
herzlich ausgelacht zu werden.

An der etwas morastigen Furth fanden wir Tausende von Schwalben, welche
sich auf dem nassen Grunde niedergelassen hatten. In hherem Grade als
unsere Hausschwalben sind die sdafrikanischen Species wahre
Menschenfreunde und so zutraulich, da sie sich nicht nur in den Gngen
eines Hauses, die eine stets offene Communication mit Auen verbinden,
sondern auch in bewohnten Zimmern, in denen die Fenster durch lngere
Zeit offen gelassen waren, anzubauen versuchen. Ich habe mehrere
derartiger Flle beobachtet. Die Nester der sdafrikanischen Schwalben
sind auch kunstvoller als jene der europischen _Hirundo_ erbaut, indem
sie frei an einer horizontalen Decke angeheftet, mit einem bis zwei Fu
langen geraden oder unbedeutend geschlngelten bedeckten Gange versehen
sind, so zwar, da Gang und Nest ein Ganzes darstellen. Die
sdafrikanischen Schwalben-Arten, sowie die Ziegenmelker-
(_Caprimulgus_) Species sind zahlreicher als die europischen vertreten,
allein ich beobachtete bei keiner der ersteren eine so starke und doch
so melodische Stimme, wie sie die europische Hausschwalbe auszeichnet.

Vom Bakenspruit fuhren wir ber eine Felsenstrae und hatten einen
Bergsattel zu berschreiten, von dem wir in ein Seitenthal des
Moi-Rivers einfuhren, welch' letzteres ber der Einmndungsstelle zu
einer weiten Ebene sich ausbreitend, zum Aufbaue einer Niederlassung
hinreichenden Raum bot, auf dem sich gegenwrtig Potschefstroom oder das
neue Moi-Riverdorp erhebt. Die Abhnge, an denen entlang der Felsenweg
fhrte, lohnten reichlich die Mhe des Botanikers und nach den
zahlreichen in den Hhen zur Linken, von denen die hchste etwa 4000 Fu
ber dem Meere sich erhebt, theils Vieh- und Ziegenheerden htenden,
theils Holz sammelnden Eingebornen dachte ich auf eine Eingebornenstadt
in diesen westlichen Potschefstroomhhen schlieen zu mssen. Als ich
darber fragte, theilte man mir mit, da daselbst eine Stadt der
Mohavis, eines Betschuana- (Barolong?) Stammes liege.

Aus dem hochbegrasten Seitenthale in das gerumige, an beiden Ufern in
der Entfernung einiger englischen Meilen von Hhenketten und isolirt
stehenden Hhenkuppen begrenzte Thal des Moi-Rivers--eines stets
flieenden Gewssers--einbiegend, sahen wir Potschefstroom vor uns
liegen. Aus der Entfernung erscheint es dem Besucher bedeutend kleiner
als es wirklich ist, was sich wohl dadurch erklrt, da sich die Stadt
in einer Ebene ausbreitet, ein Parallelogramm bildet und die Straen so
wie die Grten an den Husern mit dichtbelaubten Bumen bepflanzt sind.
Schon zur Zeit meines Besuches im Jahre 1873 war Potschefstroom eine der
bedeutendsten Stdte Sd-Afrika's, seither hat sie sich noch bedeutend
entwickelt und gehoben.

Sie war die Gartenstadt der Republik und wird diesen Rang auch in der
Transvaal-Colonie behaupten, so wie sie bis heutigen Tages die
bedeutendste Handelsstadt des Landes ist und nur durch den Bau der
Delagoa-Middleburg-Bahn von Pretoria berflgelt werden wrde. Zur Zeit
meines Besuches schtzte ich die Einwohnerzahl auf etwas ber 4000
Seelen, welche Zahl sich jedoch hher herausstellt, wenn wir das
sogenannte alte Moi-Riverdorp, d.h. die dicht aneinander liegenden, am
nrdlichen Stadtende beginnenden und fluaufwrts im Thale des
Moi-Rivers an beiden Ufern meilenweit sich hinziehenden Farmen in
Betracht ziehen. Der Flu, ziemlich stark strmend und viele
dichtbeschilfte Smpfe bildend, umfliet die Stadt an ihrer stlichen
Seite. Sein Wasser ist die meiste Zeit hindurch klar und beherbergt
zahlreiche Vaal-Riverfische und Krabben, seine Ufer Fischottern,
Wildkatzen und Leguane. Von dem Flusse aus, und auch, wenn ich nicht
irre, von den Hhen von Westen her versieht eine Wasserleitung die
Grten der Stadt, sie an ihrer westlichen Seite umflieend, von welchem
Hauptstrome kleine Bchlein zu den zahlreichen Husergruppen geleitet
sind.

In der Sommerszeit wuchert in den weniger bewohnten Straen ppiges
Gras, allein selbst in der Trockenzeit gleicht die Stadt, ob der vielen
immergrnen, meist auslndischen und hier eingefhrten Bume,
Cupressineen, Eucalyptusarten, Epheu etc., welche im Moi-Riverthale sehr
gut gedeihen, mit ihren reinlich angetnchten, schmuck aus dem dunklen
Grn hervorblickenden, theils flachdachigen, theils begiebelten Husern,
einem Garten, der sich namentlich aus der gelblichen Grundfarbe des
ringsum auf dem weiten Thalboden vertrockneten Grases ausdrucksvoll
hervorhebt. Sind jedoch--wie es zur Zeit meines ersten und zweiten
Besuches (1873 und 1874) der Fall war--die entfernten, mig hohen Hgel
und die breite Thalebene mit hohem, ppigem Gras bedeckt und haben sich
die Ufer des Flusses in zwei, mit weien, feuerrothen und gelben Blthen
bedeckte Blumenbeete verwandelt, dann ist die wahre Zeit gekommen, wo
Potschefstroom, im schnsten Schmucke prangend, den Ehrentitel der
Blumenstadt des Transvaal-Gebietes verdient.

Die Straen sind gerade--die Stadt ist in Blocks ausgemessen--mehrere
gerumige Pltze, von denen der bedeutendste theilweise als Markt und
Auctionssttte dient, finden sich an der Bereinigung mehrerer Straen.
Unter den Kirchen bietet das englische, epheuumringte Kirchlein ein
schnes idyllisches Bild. Sonst finden wir an ffentlichen Gebuden
nicht eines, das ber das Niveau der gewhnlichen, neueren
sdafrikanischen Stdtebauten hervorragen wrde. Die Stadt ist der Sitz
eines Magistrats, des portugiesischen Consuls, einiger Volksschulen, und
treibt regen Handel mit Natal; mehrere Mhlen und Lohgerbereien sind
auerhalb der Stadt angelegt. Die Haupt-Ausfuhrartikel sind Mehl,
Getreide, Tabak und Schlachtvieh nach den Diamantenfeldern, nach Natal
Tabak, Vieh, Hute und Carossen, auch etwas Strauenfedern und
gegenwrtig nur wenig Elfenbein. Ein guter Theil der Handelswaren aus
Natal, dem Oranje-Freistaat und den Diamantenfeldern hat auf seinem Wege
in das Innere des Landes Potschefstroom zu passiren.

Ohne da die Gebude der Stadt durch architektonischen Schmuck
hervorragen, sind doch sowohl die Geschftslocale feste, ihren Zwecken
vollkommen entsprechende, gerumige Bauten, als auch die Wohngebude
nett und niedlich, viele gleich eleganten Villen eingerichtet. Was
speciell oft jedem einzelnen, ja sogar einfachen Huschen besonderen und
der Stadt einen allgemeinen Reiz verleiht, das sind die sie
umschlieenden Obst- und Gemsegrten und Grtchen, sowie die vielen,
mit Hunderten und Tausenden, hier hellen, dort dunkelrothen Blthen
geschmckten dichten Rosenhecken und Zune aus hohem Feigengebsch oder
solche von der in einem schnen, glnzenden, dunklen Blattkleide und mit
feuerrothen Blthen prangenden, spterhin mit faustgroen Frchten
berladenen Granatpfelstaude gebildet. Ueberall grnt, blht und duftet
es und mehrere Monate hindurch winken reife Frchte an den Hecken,
Bschen und Bumen. Ohne groe Mhe knnen die Gehftbesitzer ihren
jhrlichen Bedarf an Grnzeug und Obst ziehen, ohne dabei ihrem Lndchen
den Reiz des Blumengartens zu benehmen.

An den meist von stetig flieenden Bchlein durchrieselten Straengrben
stehen riesige, in heier Sonnenhitze erquickenden Schatten spendende
Trauerweiden, welche mit dem lichteren Grn ihrer Bltter und den
schwermthig herabhngenden, dnnen, doch mit dichtem Blattwuchs
beladenen Zweigen deutlich und um so anmuthiger von den dunkel
nancirten Kronen der Obstbume, den noch dunkleren Eucalyptusblttern,
den spitz zulaufenden Blttern des Lebensbaumes und dem dunklen Grn der
Cypressenbume abstechen.

Wir hatten nicht weit von den Friedhfen in unmittelbarer Nhe der Stadt
ausgespannt und wechselten uns bei dem Besuche derselben ab, um den
Wagen nicht ohne Aufsicht zu lassen. Unsere Ankunft war nicht unbemerkt
geblieben, bald hatte sich einer der dunkelfarbigen Konstabler
eingestellt, um sich ber unsere Absichten und den Inhalt des Wagens zu
informiren. Ihn folgte bald der Clerk (Gehilfe) des Marktmeisters, der
auch ffentlicher Auctionr war, um nachzusehen, da er eben des Weges
vorbeiging, ob der Besitzer des hier ausgespannten Wagens nicht
vielleicht Schlachtochsen oder sonst andere Artikel mit sich fhre,
deren er gerne los werden wolle. Sein Chef, meinte er, wre _a
capital Auctionar_ und er bringe die Sachen, die er verkaufen solle, so
gut an den Mann, da die Leute weit und breit seine Hilfe in Anspruch
nahmen.--Kommt wohl von den Diamantenfeldern und wollt es nun in den
Goldfeldern versuchen? war seine Frage. Die Goldfelder im Leydenburger
District fingen im Jahre 1873 an, sich merklich in der ffentlichen
Meinung zu heben, im selben Mae, als die Diamantenfelder zu sinken
begannen; gegen das Ende des Jahres 1873 und im folgenden Jahre fand ein
Massenauszug von den letzteren nach den Goldfeldern statt.

Am Nachmittage bekamen wir neue Besucher, einige Deutsche, von denen
einer bei der Polizei angestellt, einer ein Maurer und die anderen
Grtner waren. Freund E. war mit ihnen in der Stadt zusammengetroffen.
Sie hatten in jener, in der Mitte der Fnfziger Jahre von der englischen
Regierung in Sd-Afrika nach der stlichen Provinz des Caplandes
eingefhrten deutschen Legion gedient, deren Mitglieder unter dem
Namen der Legionre ziemlich bekannt sind. Viele derselben haben sich in
den Districten East-London, King-Williams-Town und Queens-Town
angesiedelt und leben daselbst als Farmer. Diese waren die ruhigeren
Elemente der Legion. Die energischeren traten in Geschfte als
Handlanger, als Storekeeper ein, avancirten zu Klerks (Buchhaltern und
Geschftsfhrern) und einige haben sich zu wohlhabenden Kaufleuten
emporgeschwungen. Eine gute Anzahl, denen das Ansiedlerleben nicht
gefiel, und die eine vagirende Lebensweise vorzogen, zerstreuten sich
ber die Cap-Colonie, Natal, den Freistaat und die Transvaal-Provinz, um
hier als Maurer, dort als Zimmerleute etc. zu arbeiten, wobei sie in der
Regel den Erls noch im Orte verjubeln, um dann wieder weiter zu ziehen,
eine neue Arbeit aufzunehmen, wochenlang hart und anstrengend bei
zurckgezogener Lebensweise zu arbeiten, und kaum, da sie mit dem
Accord fertig geworden und die 20-40  St. empfangen haben, diese ebenso
wie die frhere Summe in Saus und Braus aufgehen zu lassen. Da es bei
solchen Trinkgelagen oft allzu lustig und lrmend herging und man sich
zuweilen auch dabei brutal betrug, ist nicht zu verwundern; so kam es,
da namentlich im Freistaat und in der Transvaal-Provinz die Legionre,
trotzdem sie als gute Arbeiter gepriesen werden, sich sonst keines guten
Rufes erfreuen. Wir mssen hier jedoch eine scharfe Grenze zwischen den
in der Colonie ansigen, Ackerbau oder Geschfte betreibenden und den
herumwandernden Legionren ziehen.

[Illustration: Nachtlager.]

Einige mit ihren Wgen vorberziehende Boers blieben kurze Zeit an
unserem Wagen stehen, um der althergebrachten Sitte gem uns Weien die
Hand zu schtteln und mit einfachen Worten nach dem Ziele unserer Reise
zu fragen. _Uns chat nach Wonderfontein to um det wonderljike chate to
kiek_ (Wir gehen nach Wonderfontein um die wunderlichen Hhlen zu
sehen) war die Antwort in unserem gebrochenen Hollndisch. Die sich
Verabschiedenden meinten, die Erdhhlen wren es werth, besichtigt zu
werden. Je mehr ich von diesen Wonderfonteiner Felsenhhlen hrte, desto
begieriger war ich, sie zu sehen, und um so grer meine Enttuschung,
als ich sie spter sah.

Bevor ich mich auf diese erste Versuchsreise begab, wurde ich darauf
aufmerksam gemacht, da sich in Potschefstroom ein Herr dem
Insectenstudium widme und der portugiesische Consul, Herr Fomann, sein
Mglichstes zu der geologischen Erforschung des sdlichen
Transvaal-Gebietes beitrage, ich solle sie gewi besuchen. Doch ich
hatte mich auf diese erste Reise so einfach ausgerstet, da ich mich
nicht im Stande fhlte Staatsvisiten zu machen. Und so hie es, nachdem
wir uns mit Proviant versorgt, der Stadt Valet zu sagen.

Wir brachen Abends auf und schlugen eine ostnordstliche Richtung nach
dem Moi-River zu ein. Es war ein hartes Stck Arbeit, um--nachdem wir
die Stadt durchfahren--die kurze, blos einige hundert Schritte lange vom
Nordende der Stadt bis zu der damals noch sehr primitiven Moibrcke
reichende Strecke zurckzulegen. Obwohl die Stelle ziemlich breit, war
sie doch durch die Feuchtigkeit des Bodens und in Folge der letzten
Regen sowie durch die Sorglosigkeit der Brger von Potschefstroom in
einen einzigen, stellenweise bis 1 Fu tiefen Morast verwandelt worden.
Mit geringen Unterbrechungen hatten wir die nchsten Stunden hindurch
mit immer wiederkehrenden Passage-Schwierigkeiten zu kmpfen; die
Erschpfung der Thiere zwang mich endlich, an einer keineswegs
einladenden, sumpfigen Stelle Rast zu halten.

Der nchste Morgen fhrte uns durch ein breites, nach mehreren Seiten
hin offenes Thal, in dem eine aus mehreren Husern bestehende und in
gutem Zustande gehaltene, von Aeckern und Grten umgebene Farm lag. Wir
erstanden hier einige Krbisse und fuhren weiter nach Osten, gelangten
auch bald auf eine Hochebene, die gegen Sden von einer theilweise von
Bumen bedeckten Hhenkette umsumt, nach Osten, Norden und Nordwest
einen freien Einblick in das Moi-Riverthal mit seinen zahlreichen Farmen
und den sie umgebenden dunklen Grten gestattete. Es war einer der
herrlichsten Anblicke die ich geno, in weiter Ferm zeigten sich
einzelne Hhen und Hhenrcken, der Abfall des Blue-Bank-Hochplateaus
und am fernen Nord-Horizonte die Umrisse der Magalies-Berge.

Auf der Hochebene, nach der wir unseren Weg nahmen, fielen mir
trichterfrmige, von Weitem schon durch dichten Baumwuchs auf den
Grasebenen gekennzeichnete 25-60 Fu tiefe Bodenvertiefungen auf. Ich
fand spter, da solche Bodentrichter im Transvaal-Gebiete in manchen
Strichen zwischen dem Hart-River und dem Molapo und zwischen dem unteren
Molapo und dem Vaal-River, im Barolong- und Batlapinen-Gebiete und im
Bereiche von Griqualand-West (im westlichen Theile der Division of Hay)
ziemlich zahlreich verbreitet sind und ein Charakteristicum des
Riesenbettes eines oberflchlich liegenden, seltener in dnnen Lagen
aufliegenden, oft jedoch mchtig bis Hunderte von Fu tief in die Erde
eingreifenden, stellenweise von Sand und weien, schligem Kalksteinen,
an anderen Punkten von Granitblcken und Schieferlagen berdeckten
Kalksteins bilden. Sie sind die weiten Oeffnungen von mehreren sich
vereinigenden, den Felsen in der Tiefe spaltenden Rissen. Dieses
Riesenbett des Kalksteins, welches deutliche, oft prachtvolle,
wellenartige Lagerung und Schichtung besitzt, zeigt meist von auen den
Einflu der Einwirkung des Wassers und ist in seiner Hunderte von Meilen
Flche bedeckenden Masse geborsten und gesprengt, doch mute das Gestein
ob seiner Hrte und Massen-Ausdehnung den Erdrevolutionen einen groen
Widerstand entgegengesetzt haben, so da 90 Percent der geborstenen
Theile, mit Ausnahme der entstandenen Klftungen und der daraus
erfolgten verhltnimig _geringen_ Verschiebungen, keine nennenswerten
Umwlzungen erlitten haben.

Diese unterirdischen Risse und meilenlangen Spalten dienen
unterirdischen Gewssern zum Abflu, welche sich dann in kleinen Spalten
an den Abhngen tiefer, steiler Thler, wie am oberen Molapo, nach auen
Bahn brechen. Ein Theil des Moi-Rivers fliet in dieser Weise unter der
Erde fort, ja er verschwindet theilweise an manchen Stellen ganz und
kommt weiter thalabwrts wieder zum Vorschein. Diese Spalten vereinigen
sich und an diesen Vereinigungsstellen finden sich dann jene auch schon
erwhnten (in tieferen und hheren Partien des Hochplateaus liegenden)
nach oben trichterfrmig sich erweiternden Oeffnungen, welche an ihrer
oberen Mndung einen Umfang von 24-180, selbst bis zu 240 Meter
erreichen. Sie erscheinen rundlich, weil die Wand oft mit Gerll und
Erde bedeckt ist, doch bei nherer Untersuchung zeigen sie sich
viereckig, die Mehrzahl jedoch dreieckig. Manche dieser Felsentrichter
besitzen kahle Felsenwnde, selten sind dieselben steil, hufiger mit
Gerll berlagert oder durch Felsenblcke gebildet; meist sind diese
Blcke mit Erde bedeckt, oder die Fugen und die Zwischenrume damit
ausgefllt, so da diese von einer ziemlich ppigen Vegetation,
namentlich aber Bumen und Struchern berwuchert werden und da die
hheren Bume dann ber diese Vertiefungen auf der begrasten, wenig oder
gar nicht bebuschten Ebene hervorragen, weithin erkennbar sind.

[Illustration: Felsentrichter.]

Da wo die am Boden solcher Felsentrichter sich vereinigenden oder von
hier austrahlenden Risse entsprechend breit sind, kann man einige Fu,
bei manchen tief senkrecht hinabsteigen und dann oft Hunderte von Metern
weit, die Risse als niedrige, mehr oder minder hohe und gerumige
Spalten verfolgen. Manche der trichterfrmigen Oeffnungen sind mit
krystallklarem Wasser gefllt und ich konnte nicht umhin, eine
derselben, welche eine Wassertiefe von ber 140 Fu zeigte und die ich
auf der Rckkehr von meiner dritten Reise am linken Ufer des Molapo
untersuchte, einen Miniatur-Felsensee zu nennen.--Ohne sie gesehen zu
haben, glaube ich, da Herrn Hbner's Klipdachs-Schlucht in die
Kategorie dieser eigentmlichen Bodenbildungen gehrt. So fand ich, da
viele Flchen im Gebiete des Vaal, Hart-River, Molapo und Marico (wohl
auch des oberen Limpopo) ihren Ursprung in solchen engen Felsenlchern
nehmen, also da, wo das unterirdische Wasser nicht abflieen konnte und
sich durch eine der trichterfrmigen Oeffnungen nach oben Bahn brach.
Wenn wir zu Farmen kommen, in deren Nhe sich solche Quellbchlein
befinden, so wird unsere Aufmerksamkeit darauf gelenkt, da diese
Bchlein oft meilenweit, oft aber nur einige hundert Schritte weiter
aufwrts, an einer marschigen Stelle entspringen und sich in deren Mitte
neben anderen aufsprudelnden Quellen ein umschriebenes, 50 und mehr Fu
tiefes Loch wie im Felsen eingebohrt befindet. An allen diesen Stellen,
selbst an solchen, welche blos unterirdischen Abflu hatten, fand ich
stets dieselben Fischspecies vor. Auf den wildreichen Ebenen zwischen
dem Hart-River und dem Molapo lernte ich einen beschilften Sumpf kennen,
der nach keiner Seite hin Abflu zeigte und uerst fisch- und
vogelreich war; nach der beinahe die Mitte desselben einnehmenden grte
Tiefe desselben zu schlieen, hielt ich auch diesen fr eine hnliche
Felsenffnung. Der diese Felsenformation bedingende Kalkstein zeigt
auer Quarzadern und anderen quarzhaltigen Mineralien Einschsse von
Blei, Kupfer, Eisen und Silber.

Am dritten Tage nach unserem Aufbruche von Potschefstroom erreichten wir
Wonderfontein, mit welchem Namen die Boers die wonderlichen Grotten
und Hhlen in den Felsen bezeichnen. Es ist nicht, wie in der Regel, der
Name einer Farm, sondern der Sammelname fr eine Anzahl solcher, welche
nahe aneinander in ausgezeichneten Weidetriften im Thale des Moi-Rivers
liegen. Es sind meist steinerne, ebenerdige, doch hohe, luftige
Wohngebude mit einem angebauten Wagenschuppen und in der Regel einer
oder zwei meist aus Schilfrohr verfertigten zum Trocknen des hier eifrig
cultivirten Tabaks gebrauchten Htten. Von diesen Farmen wird jene, auf
die wir zusteuerten, d.h. in deren Nhe sich der Eingang zu den Hhlen
befindet, das eigentliche Wonderfontein genannt.

Die Ufer des Moi-Rivers, der hier einen breiten Bach darstellt und dem
von beiden Seiten zahlreiche Quellen zustrmen, sind stellenweise sehr
sumpfig und von Schilfrohrdickicht umsumt, die fr den Ornithologen ein
frmlich unerschpfliches Arbeitsfeld abgeben. Ein tausendstimmiges
Pfeifen und Singen, Gezwitscher und Gackern tnt an unsere Ohren und
versetzt uns in Verlegenheit, wohin zuerst unsere Schritte lenken.

Mit der Erlaubni des Farmers schlugen wir unseren Lagerplatz unter
hohen und schattigen seinen Pfirsichgarten umsumenden Trauerweiden auf.
Als wir jedoch nach dem Eingange der Hhle fragten, gab man uns zu
verstehen, da der Eingang wohl zu finden sei, da man sich aber leicht
in den Hhlen verirren knnte und es darum gerathen sei, den Besuch der
Hhlen nur mit einem Fhrer zu unternehmen, wozu sich uns die Shne des
Farmers gegen ein Honorar von 1  St. per Person anboten. Da ich ja
hauptschlich der Hhlen halber nach Wonderfontein gekommen war, lieen
wir uns diese Erpressung gefallen und nachdem sich auch einige bei dem
Farmer zu Besuche weilende Verwandte desselben uns angeschlossen,
machten wir uns auf den Weg.

Zwei Shne des Farmers, die sich mit einem Bndelchen von Talglichtern
versehen hatten, waren unsere Wegweiser. Wir berschritten das Flchen
an seiner breiten, sehr seichten Furth, und hatten das rechte, felsige
und bewaldete Ufer zu erklimmen. Nach einer Viertelstunde kamen wir zu
einem uns entgegen ghnenden, senkrecht nach abwrts fhrenden
Felsenloche, eine der engeren, doch tieferen trichterfrmigen, vorher
beschriebenen Felsenklfte. Obgleich mir der Eintritt in die
unterirdischen Hhlen theilweise die Berstungen im Felsen deutlich vor
Augen fhrte, mu ich doch gestehen, da ich mich schon durch diesen
Eingang zur Hhle sehr enttuscht fhlte. Ich dachte eine jener Hhlen
zu finden, in welcher ich Knochenablagerungen von Thieren, der letzten
geologischen Periode finden und so diese Lcke in der Geologie
Sd-Afrika's ausfllen htte knnen.

Aus den Wnden des Trichters hervorragende Felsenblcke ermglichten es
uns, den Boden der sich nach unten bis zu einer schmalen Spalte nach
Nordnordwest verengenden und in schrger Richtung nach abwrts gegen
(und untere) das Flubett fortsetzenden Felsenffnung zu gewinnen. Wir
drangen in das Spaltengewirre ein; anfnglich waren es enge, niedrige
Gnge, kaum so hoch, da wir Einer nach dem Andern auf allen Vieren
durchkriechen konnten, spter verbreiterten sich dieselben bis zu 4 und
8 Fu und erreichten dabei bis zu 10 Fu Hhe. Beinahe alle verengten
sich nach oben zu dnnen Spalten, aus denen das Wasser herabrieselnd und
sickernd Stalaktiten erzeugte, ohne da sich diese durch auffallende
oder groe Formen ausgezeichnet htten. Leider hatten frhere Besucher
schon die meisten abgeschlagen oder beschdigt, deren Bruchstcke
bedeckten den Boden. An jenen Stellen--und deren gab es viele, denn die
unterirdischen Felsenspalten, in denen wir uns bewegten, zeigten die
Felsenmasse nach allen Richtungen gesprengt--wo sich zwei kreuzend
begegneten, erhob sich ber dem Beschauer eine Art Kuppe, etwas hher
als die Zerklftungen, doch auch nichts Bemerkenswertes bietend. Die
Wnde waren dunkelgrau, meist kahl und ziemlich glatt. Die Hlfte
unserer unterirdischen Wanderung legten wir barfu zurck, denn das von
Osten nach Westen durch die Grotten strmende und pltschernde Bchlein
flo in der Gesammtbreite des Ganges und wir konnten sein Murmeln schon
beim Eintritte in die unterirdischen Spalten vernehmen. Je weiter wir
nach Westen und Norden vordrangen, um so tiefer wurde das Wasser und
gerade von jenen Gngen her schimmerten schne, unbeschdigte
Stalaktiten herber, doch wir muten das weitere Vordringen, der
Weigerung unserer Fhrer wegen, aufgeben.

Ohne allzugroe Mhe, knnte man die engen Stellen zwischen den
breiteren Zerklftungen und dem Eingange, die schrg nach abwrts
fhrende Partie des unterirdischen Ganges erweitern und ein kleines,
kurzes Boot einfhren und auf diese Art mglicher Weise das Ende der
Gnge oder vielleicht grere Hhlenrume erreichen. Mir schien es, als
ob auf der vom Flusse abgewandten Seite weniger gangbare und meist nur
dnne, spaltenfrmig sich fortsetzende Gnge liegen, die breiteren
dagegen nach dem Flusse zu fhren wrden, so da hier das eingestrmte
Wasser die an und fr sich engen Spalten vielleicht weiter und breiter
ausgewaschen haben mute.

[Illustration: Grotte von Wonderfontein.]

Trotz unseres kurzen Aufenthaltes hatten wir in den Hhlen so manchen
Begleiter gefunden, denn als wir sie verlieen, da gaben uns diese in
Unzahl bis zum Felsenausgang hinauf ihr treues Geleite und als Andenken
sowohl an die Wonderfonteiner Hhlen, wie um meine Sammlung der Mamalia
zu mehren, nahm ich zwei derselben zum nicht geringen Staunen unserer
Fhrer mit, welche die flatternden Fledermuse (Vespertiliones) nicht
anzurhren wagten.

Wonderfontein ist einer jener Orte in Sd-Afrika, an welchen der
Forscher getrost lngere Zeit verweilen kann; seine Mhe wird hier
reichlich belohnt. Thiere, Pflanzen wie Mineralien sind hier des
Sammelns werth. Leider war mein Aufenthalt wegen der schon erwhnten
Grnde nur auf drei Tage beschrnkt und so konnte ich nur einen Einblick
in die Natur der nchsten Umgebung gewinnen. Groe wilde Vierfler gab
es hier nicht mehr, sie waren seit etwa 15 Jahren ausgerottet, doch
fanden sich noch Caloblepas Gorgon, Antilope albifrons und Euchore in
Menge auf den nrdlich sich erstreckenden Ebenen, whrend im hohen
Ufergras, in seinen Binsen und den beschilften, doch trocken liegenden
Partien einzeln oder paarweise, die schn gelblichbraune, mit ihren nach
vorwrts gerichteten, kurzen, etwas hakenfrmig gebogenen Hrnern
versehene Rietbockgazelle ziemlich hufig anzutreffen war.

Unser Farmer bewies sich die Zeit unseres Aufenthaltes hindurch uerst
freundlich und lud uns mehrmals ein, seine auf die Jagd gehenden Shne
zu begleiten. Auf den Ebenen zur Rechten und Linken zeigten nicht selten
frisch eingefahrene Lcher die Gegenwart der Schabrakenschakale, des
Proteles und der gestreiften Hyne, hufig waren Stachelschweine,
Springhasen und kurzschwnzige Schuppenthiere zu finden. Zwischen dem
Gestein bemerkte ich Genetta's und eine schwarz gestreifte Wieselart.
Auf einem meiner mit Freund E. am jenseitigen Ufer unternommenen
Ausflge, als wir beide unsere Gewehre abgelegt, dem Treiben einiger
groer Finkenarten im Rhricht unsere Aufmerksamkeit schenkten, hrte
ich einige Schritte vor mir, dort wo eine Oeffnung im Schilfe den Blick
auf eine Flustelle freigab, ein Pltschern in dem klaren, murmelnden
Gewsser. Es rhrte von vier sich rasch stromaufwrts bewegenden, neben
und hintereinander schwimmenden Fischottern her. Bevor wir unsere etwas
hinter uns an einem Felsen angelehnten Gewehre ergreifen und bentzen
konnten, waren die Thiere im dichten Schilfe vor uns verschwunden. Die
braunen Fischottern der sdafrikanischen Flsse sind gedrungener und
krzer als die europische Art, haben ein weniger werthvolles Fell und
halten sich an allen beschilften, flieenden Gewssern oder auch in den
Tmpeln der Spruits auf. An den zahlreichen Stromschnellen, sowie in den
tiefen Lachen, welche nach der Austrocknung der Flchen in ihrem Bette
zurckbleiben und sehr zahlreiche Fische bergen, ist ihnen Gelegenheit
geboten, feist zu werden, indem ihnen fast nie nachgestellt wird, auer
wenn sie zufllig am Flusse angetroffen oder durch das Geschrei der
Hhne zu einem Besuche menschlicher Wohnungen angelockt, von den Hunden
angegriffen und getdtet werden, letzteres jedoch ein seltener Fall. Nur
wo Eingeborne etwas dichter das Fluufer bewohnen, scheinen sie seltener
zu sein, da ihnen diese, sowie deren Hunde (letztere des Fraes halber)
eifrig nachstellen. In den Flssen des sdlichen mittleren, westlichen
und nrdlichen Transvaal, wo selbst die Thler der Flsse marschig, und
von ausgedehntem Rhricht bedeckt sind, finden die Thiere ihre besten
Schlupfwinkel. Selten beobachtete ich sie in stabilen Wohnpltzen, meist
jagen sie ber grere Strecken, wobei ihre Jagd in den seichten Smpfen
nach Fischen und Crustaceen, auf dem hochbegrasten Ufer nach Musen und
Ratten und in den mit Schilf dicht bestandenen tieferen Morast- und
Flupartien nach Vgeln uerst lohnend sein mu.

In den Schilfdickichten beobachteten wir hngende Nester von
Rohrfngern, von zinnoberrothen, schwarz gefleckten Feuer- und von dem
schnen langschwnzigen Knigsfinken (Vidua capensis). Diese schne und
wohl eine der grten Finkenarten besitzt ein brunliches Winterkleid
und ein schn sammtschwarzes Sommergewand. Die Schultern tragen je einen
orangefarbenen Fleck, der sich namentlich auf dem dunkelfrbigen
glnzenden Sommergewande prachtvoll ausnimmt. Doch auer dieser
Auszeichnung, mit der die Natur den schmucken Vogel fr die Periode des
ppigen Lebens in der sdlichen Hemisphre bedacht, hat sie ihm noch
eine andere zukommen lassen. Whrend im Winter der Schwanz des Vogels
von normaler Lnge ist, wchst er mit der zunehmenden Schwrze des
Federgewandes im Sommer zu einem Busche von bis zu 18 Zoll langen
Federn, welche den Vogel im Fluge hindern, ihm namentlich beim windigen
Wetter den Flug so erschweren, da er sich windabwrts tragen lassen
mu. Dieser schne Finke ist wie alle die im Rhricht lebenden
Finkenarten ein sehr munterer Vogel, oft sieht man ihn sich im oberen
Drittel der Schilfstengel wiegen und ausugeln oder ber den Morsten
flattern; sowie er sich unbeachtet whnt, lt er sich in die unteren
Schilfpartien herab, aus denen sein Gezwitscher ertnt. Wird er durch
etwas in Aufregung versetzt, ist es ein anderer Finke, der sich an sein
Nest wagt, oder eine pltzlich vor ihm sich aufrichtende Schlange, oder
wird er als Gefangener von den Menschen geneckt, so blst er seinen Hals
auf, faucht, richtet die schnen, melirten Halsfedern zu einer Krause
auf und trachtet mit seinem scharfen Schnabel Hiebe auszutheilen.
Unstreitig gehrt er zu den interessantesten Erscheinungen der
sdafrikanischen Vogelwelt.

Langohrige Eulen--echte Sumpfeulen fliegen auf, um sich nach kurzem
Fluge am Rande des Sumpfes niederzulassen. Am meisten sind jedoch
Wasservgel, Schwimm- wie Stelzenvgel, vertreten. Wir finden mehrere
Arten der Strandlufer, Rohrdommel, kleine Silber- und gewhnliche
graue, doch auch Purpurreiher, eine Species Kampfhhne, ferner
Blahhner, mehrere Wildentenarten und Taucher. Whrend der Forscher im
Kahne nach Nestern und Eiern dieser Thiere fahnden kann, ist es den ihm
lngs der Ufer Folgenden mglich, die auffliegenden Thiere zu
beobachten, oder die von ihm bezeichneten zu erlegen. Der reiche
Blumenflor an den feuchteren Thalpartien begnstigt auch die
Entwickelung einer vielartigen Insectenwelt und so sind denn die kleine
Insecten wie Krner fressenden Vgel, Kolibris, Bienensauger und
Schwalben zahlreich vertreten, die hier ber den schnblthigen Blumen,
dort im Gebsche, in den Grten und bewaldeten Partien sich
herumtummeln.

Als der Farmer meinen Eifer bemerkte, mit dem ich den gesuchteren der
hier lebenden Vgelspecies nachstellte, gab er mir den Rath, mich hinter
seinem Wagenschuppen zu bergen, weil sich auf dem ber diesen
erhebenden, theilweise verdorrten Baum ein besonderlik Vogel zu sonnen
pflege. Ich folgte seinem Rathe und hatte die Freude denselben, einer
kleinen Schlangenhalsvogelart angehrend, zu erlegen.

Die feuchten Wiesen bargen eine reiche Flle verschiedenartigster
Insecten, doch hatte das Sammeln derselben manche Schwierigkeit und
Gefahr. Erstlich wimmelten diese Wiesen von Mosquitos, welche uns nicht
nur Abends belstigten, sondern selbst in der Sonnenhitze Gesicht und
Hnde wund stachen; auerdem waren dieselben reich an Schlangen, unter
denen ich eine noch nie beobachtete schwarzgraue, fast gleichmig
fingerdicke, unten schwefelgelbe und etwa zwei Fu lange Art erhaschte.

Aus einem Gesprche mit dem Farmer entnahm ich, da auch mein College
Mauch diese Hhlen aufgesucht und sich hier eine Zeit lang aufgehalten
hatte und im Ganzen schien der Besitzer sehr stolz auf die wondeljike
chate (Hhlen) zu sein. So oft Jemand von uns im Hause vorsprach, wurde
er sofort mit einer Tasse Kaffee und einem Stck Zwieback bewirthet und
unser freundliche Wirth bedauerte nur, da wir zu viel det slechte Chut
(Reptilien u.s.w.) sammelten, unsere Zeit unntzer Weise
verschleuderten, whrend wir bei ihm sitzen und ber die
Diamantenfelder, Duits-land und Osteriek sprechen sollten.

Manche der Farmer destilliren aus den Pfirsichen eine Art Branntwein,
welcher namentlich im Transvaal-Gebiete als Perschke-Branntwein
verrufen und bedeutend schwcher und billiger ist als jener unter dem
Namen Cango in der westlichen Cap-Colonie aus Weintrauben bereitete.




VI.

Rckreise nach Dutoitspan.

Wolmaran's Farm.--Ein junger Boer.--Tabakbau im Moi-Riverthale.
--Ueppige Vegetation.--Optische Tuschung.--Transportkosten und
Schwierigkeiten.--Gestrte Mahlzeit.--Ein Hinterhalt.--Farm
Rennicke.--Eine Vogel-Colonie.--Gildenhuis.--Eine Lwenjagd an den
Maqwasihhen.--Gekrnkte Hottentotten-Ehre.--Auswanderer nach den
Leydenburger Goldfeldern.--Hallwater-Farm und Saltpan. (Vermeintliche
Ruine von Monopotapa.)--Batlapinen-Gerichte.--Eine unliebsame
Entdeckung.--Hebron.--Ostersonntag im Vaal-River.--Ankunft in
Dutoitspan.


Ich schied von Wonderfontein mit dem dankbarsten Herzen seinem Besitzer,
wie der gtigen Natur gegenber. Mit Wonderfontein war das Endziel
meiner ersten Reise erreicht und ich begab mich auf den Heimweg nach
Dutoitspan, bis Bloemhof dieselbe Route wie auf der Herreise benutzend.

Am zweiten Marschtage bemerkte ich, da Gert mit seltenem Eifer die
Kaufertigkeit seiner Kinnbacken erprobte; auf meine Frage, welche
Delicatesse er wohl erhascht, zeigte er mir eine Handvoll Gummi, von den
Mimosen herrhrend, die unseren Weg sumten, und pries die
durstlschende Eigenschaft desselben. Ich fand spter wiederholt
Gelegenheit, zu diesem Ersatzmittel des Wassers meine Zuflucht zu
nehmen. Am folgenden Tage, in der Nhe von Wolmaran's Farm, begegneten
wir einem etwa 12jhrigen, von der Jagd heimkehrenden Boerjungen. Obwohl
das Gewehr, das er nachlssig geschultert trug, beinahe grer war als
er selbst, sprach dennoch aus allen seinen Mienen groes
Selbstbewutsein und er schien die Ehre einer Ansprache von Seite meines
Begleiters F. ganz gleichgiltig hinzunehmen.

Der junge Jger hatte sich inzwischen auf sein Gewehr gelehnt und
reichte mit einem Guten Tag, Ohm Einem nach dem Andern die Hand.
Von seinem Hute hing das Schwnzchen einer frisch erlegten
Deukergazelle.--Und Du hast sie selbst erlegt?--Ja, Ohm.--Hast Du
das Thier im Laufen oder Stehen geschossen?--Ungefhr 200 Schritte
vor mir sprang sie auf, lief ein Stckchen, blieb stehen, ich war
niedergeknieet und hatte das Stillstehen erwartet, so wie sie stehen
blieb, blies ich ihr die Kugel durch den Leib. Ohne auf unsere weiteren
Fragen zu warten, schulterte er sein Gewehr, berhrte den Hut, reichte
wieder einem Jeden die Hand und ging seiner Wege.

Um die bereits erwhnte morastige Straenstelle jenseits der Brcke ber
den Moi-River bei Potschefstroom am nchsten Tage bei Tageshelle zu
passiren, beschlo ich, nachdem wir Wolmaran's Farm im Rcken hatten,
die ganze Nacht hindurch zu reisen und nur einige Stunden zu rasten.

Whrend einer solchen Rast wurde ich durch eigentmliche volle Tne aus
meinen Betrachtungen gerissen. F. machte mich auf ein Prchen groer
Vgel aufmerksam, welche kaum 100 Schritte vor uns ihre Stimme ertnen
lieen. Die Dunkelheit lie jedoch ihre Art nicht erkennen. Bevor wir
uns noch anschleichen konnten, hatten uns die Thiere bemerkt und hoben
sich in die Lfte. Den schnen, langgezogenen und vollen, durch die
Stille der Nacht erschallenden Ton, den sie dabei ausstieen, erkannte
ich sogleich als den Warnungsruf des grauen sdafrikanischen Kranichs.
Dieser voll schallende Ton, der wie ber einem Resonanzboden ausgestoen
so voll klingt und so deutlich und von groen Entfernungen her hrbar
ist, wird durch die einigen wenigen Vogelarten (auch den Schwnen)
zukommende Eigentmlichkeit bedingt, da sie ein weit ausgehhltes
Brustbein besitzen und die Luftrhre in diese Hhlung eintritt, um,
nachdem sie eine Curve gebildet, sich wieder nach auswrts zu wenden und
herauszutreten.

Am Abend des nchsten Tages schlugen wir wieder in Potschefstroom an der
bereits bekannten Stelle unser Lager auf.

Von einigen Bekannten, die zu unserem Wagen gekommen waren, erfuhr ich,
da sich Mauch mehrmals in Potschefstroom aufgehalten und in Herrn
Fomann einen guten und opferwilligen Freund gefunden, und da in den
nach Osten zu sichtbaren Bergen Versteinerungen und Pflanzenabdrcke
anzutreffen wren. Als ich zu den Besuchern ber das Innere des Landes
sprach, meinten sie, da hier mehrmals im Jahre mit Elfenbein,
Strauenfedern und allerhand Huten und Fellen beladene Wgen von der
Stadt der Bamanquato, Schoschong, auf dem Wege nach Natal ankmen, die
einem Brderpaar, den Hndlern Drake (die ich spter auf meiner zweiten
Reise in Schoschong auch kennen lernte und den einen zu behandeln
hatte), angehrten. Sie kmen den Limpopo herab, wobei sie den Marico
kurz vor seiner Mndung berschritten. Von denselben Besuchern hrte ich
noch, da sich in Potschefstroom zwei Mnner aufhielten, welche
Elephanten im Matabeleland gejagt hatten.

Wie die meisten Hottentotten so sind auch die Griqua's und Koranna's
leidenschaftliche Raucher und gleich manchen (doch meist den rmeren)
Hollndern leidenschaftliche Tabakkauer; weil nun der im Moi-Riverthale
angebaute Tabak ein ziemlich gutes Renomm besitzt, hatten mich Gert und
David mehrmals ziemlich unverblmt daran erinnert, bevor ich die Stadt
zum zweiten und letzten Male verlie, doch eine ganze Rolle (etwa 5
Pfund) von dem notwendigen Ding zu kaufen. Jeden Tag verbrauchten sie
per Mann ein fingerlanges Stckchen der daumenstarken Rollstange. Bis
jetzt wurde--wenn ich nicht irre--der grte Theil des hier angebauten
Tabaks im Lande selbst verbraucht, doch wird er unstreitig, in grerer
Menge angebaut und etwas billiger auf den Markt gebracht, in nchster
Zeit einen nennenswerthen Exportartikel bilden.

Obgleich ich keine statistischen Daten bezglich des Tabakbaues vor mir
habe, glaube ich doch, da von den gesammten sdafrikanischen,
civilisirten Staaten die Transvaal-Provinz den meisten Tabak producirt.
Unter den unabhngigen, im Westen und Nordwesten dieser Colonie
wohnenden Betschuanastmmen sind es namentlich die in dem Lande der
Bakwena wohnenden Bakhatla, welche ihre Zeit meist als Diener der Farmer
in der Transvaal-Provinz zugebracht und die Tabakcultur in ihrer
primitivsten Weise nach ihrer Heimat verpflanzt haben.

Die Strecke nach Klerksdorp legten wir ziemlich rasch (in zwei Tagen)
zurck. Auf dem Wege lngs eines in den Moi-River einmndenden
Querthales auswrts gegen einen Hhensattel zu, den wir zu berschreiten
hatten, beobachtete ich an den feuchteren, kurzbegrasten
Partien--trotzdem, da wir die Stelle noch keine zwei Wochen vorher
passirt hatten, neue Amaryllisspecies und andere mir noch nicht zuvor
bekannte Pflanzenspecies im Sprossen begriffen. Mit Leichtigkeit knnte
man in Sd-Afrika ebenso wie die aus dem wilden Zustande in Tpfe und
Grten verpflanzten Zwiebelgewchse, die sehr artenreichen Staphelien
und Euphorbiaceen verpflanzen und es wre wnschenswerth, da diese
beiden ersteren als Garten- wie Zimmerschmuck so leicht zu gewinnenden
Familien hufiger als nur bei einigen wenigen Amateurs und als die von
Europa, Australien und Sd-Amerika eingefhrten Gewchse gepflegt
wrden. Man kennt leider in Sd-Afrika im Allgemeinen mehr von
europischen Gartenpflanzen und von australischen und neuseelndischen
als von den einheimischen in diese Kategorie einschlagenden
Pflanzenproducten. Die schnen Gladiolus-, Amaryllis-, Iris- und ihnen
verwandte Species knnten in Grten und Tpfen sehr gut gedeihen, nicht
minder zahlreiche zartblthige Malvaceen, Scabiosaceen, Cinneen,
namentlich aber die im Sden so artenreichen Ericaceen. Unzhlig sind
die Species der Bodenkriecher, die, wenn etwas cultivirt, noch bedeutend
gewinnen wrden, zahlreich sind die lianenartig sich emporschlingenden
Gewchse. Im Sden, in den Kstendistricten, werden mit Ausnahme der
schon erwhnten botanischen Grten, die einheimischen Pflanzen doch nur
von wenigen Liebhabern cultivirt, und da sind es meist nur die
aloartigen, Encephalartos, Strelitzien, Staphelien, Euphorbiaceen,
Geranium-Arten, Farrenkruter und einige wenige mehr.--Doch zurck zu
unserer Rckreise nach Klerksdorp.

[Illustration: Junger Boer.]

[Illustration: Jagd auf Zibethynen am Klipspruit.]

Auf der Hhe des Bergsattels befindet sich eine kleine, weniger tiefe
Wasserlache, welche, obgleich seicht, wegen der steinigen Unterlage,
bedeutend lnger als tiefere Lachen in der Ebene und in manchen der
Spruits ihr Wasser hlt. Diese kleinen Hhenlachen sind zuweilen ein
nennenswerthes Charakteristicum vieler Hhen, besonders der Sattel und
Kmme des centralen sdafrikanischen Hochplateaus, der Reisende begrt
sie mit freudigem Herzen und den Neuling berraschen sie nicht selten
da, wo er sie am wenigsten erwartet. Nachdem er oft lange, ebene
Strecken durchreist, vergebens da, wo das Land eine Neige zeigte, nach
Wasser geforscht, fruchtlos einem trockenen Flubett stundenlang gefolgt
und sich mhevoll--nur um seinen und den peinlichen Durst der am Wagen
harrenden Gefhrten zu stillen--durch Schilfbrche Bahn gebrochen, ohne
das begehrte Element zu finden, endlich zu dem Wagen zurckkehrt, die
Reise fortsetzt, um noch die vor ihm liegende Hhe oder die sich quer
ber seine eingeschlagene Route ziehende Bodenerhebung oder Hgelkette
zu erreichen und von den hheren Punkten Rundschau zu halten, findet er
unerwartet oben auf der Hhe eine, wenn auch oft trbe, so doch volle
Wasserlache. Welch' eine beseligende Ueberraschung fr den Neuling, ein
Schatz fr den Veteran, der, ohne nach rechts oder links abzubiegen,
ohne sich durch noch so viel trocken scheinende Schluchten oder
Fludickichte tuschen zu lassen, gerade auf die ihm schon bekannten
oder Wasser versprechenden Bodenerhebungen lossteuert. Zur heien
Tageszeit wird leider das Wasser in diesen seichten Becken bedeutend
erwrmt, doch in der Abendkhle ist es bedeutend klter als jenes in den
Morsten oder Spruitlachen und wenn es nicht durch hufig hier zur
Trnke kommende Viehheerden verunreinigt wird, bedeutend reiner und
namentlich frei von faulenden Substanzen.

Whrend ich auf der Reise vaalaufwrts meine Zeit meist zur Croquirung
der Strecke verwendete, konnte ich mich nunmehr meinen Sammlungen und
der Jagd widmen. Ich ging mit meinem treuen und bereits gute Dienste als
Hhnerhund leistenden Niger in der Grasebene auf der einen, F. mit
seinem Karabiner auf der anderen Seite, 2-400 Schritte vom Wagen
entfernt, demselben als Eclaireurs voran. Die grauen und schwarzen
Zwergtrappen (die groen Trappen Eupodotis caffra und Kori waren zu
scheu), Rebhhner, Steppenhhner, rothfige Kibitze (in den Flgeln
schwarzwei gescheckt) und an den Flgeln bespornte Hoplopteri (an den
feuchteren Stellen) bildeten meist unsere Beute. Niger (ein bei der
whrend meines Aufenthaltes in den Diamantenfeldern unternommenen und
bereits geschilderten Pavianjagd erworbener Hund) that sein Mglichstes.

Zwischen dem Baken- und Matschavisspruit hielt uns ein Vorfall, der zu
den heiteren Zufllen dieser ersten Reise gerechnet werden mu, einige
Stunden auf. Auf einer der Grasebenen zu unserer Linken ersphte Gert
vom Bock aus, etwa zwei Meilen vom Wege entfernt, einen dunklen
Gegenstand, der bald als ein einzelnes grasendes Thier erkannt war. Nach
der Gre schien es ein Rind zu sein, doch war von einer Heerde oder
einem Hirten nichts zu sehen, und so wurde der dunkle Gegenstand trotz
den Einwendungen der beiden Diener, die uns Weien nicht beistimmen
wollten, fr einen jener alten, von den Heerden wegen ihrer Reizbarkeit
und Kampflust ausgestoenen Gnu-Stiere angesehen, der allein, sein
ferneres Dasein in der Verbannung fristen mute. Deinen Gefhrten bist
du nutzlos, desto eher kannst du in einem europischen Museum paradiren,
dachte ich und meine Freunde stimmten mit ein. Die Vorsicht, mit der
ich mich in die Nhe des vermeintlichen Wildes schlich, erwies sich
jedoch bald berflssig, denn schon auf 500 Schritte erkannte ich einen
Bullen, der seinerseits nun mir eine grere Aufmerksamkeit zuwendete
als mir lieb sein konnte und mit gesenkten Hrnern auf mich losging.
Einige blinde Schsse brachten ihn jedoch schlielich zum Nachgeben und
verstimmt ber diese Tuschung kehrte ich zum Wagen zurck. Das scharfe
Korannagesicht hatte seine Ueberlegenheit ber uns Europer bewiesen.

Ohne Unfall passirten wir die Furth ber den Schoenspruit und lagerten
bald auf dem freien, zwischen dem Flusse und der nach Klerksdorp
fhrenden Wasserleitung liegenden Rasenplatze. In unserer Nhe standen
zwei einem Transvaaler Fuhrmann (_Transportrider_) gehrende Wgen. Der
Eigentmer derselben kam an unseren Wagen und da wir eben Kaffee nahmen,
wurde ihm ein Becher offerirt. Der Transportrider fhrte Gter, wie er
glaubte, Kistchen mit franzsischen Weinen und Brandy, rothe Kistchen
mit hollndischem Gin, groe Kisten mit englischem Bisquit, ferner
solche mit eingelegten Frchten (_Jam_), sowie Picken, Schaufeln etc. im
Ganzen 13.000 Pfund Gewicht auf den beiden Wgen, die ihm in den
Diamantenfeldern aufgeladen wurden und die er nach den Goldfeldern zu
schaffen hatte.

Nach der Berechnung unseres Gastes, der ziemlich gelufig englisch
sprach, hoffte er nach Abzug aller Kosten 140  St. an diesem Trip
(Fahrt) zu verdienen, so da wir mit Zurechnung der Frachtauslagen von
Port Elizabeth annehmen mssen, da das Heraufschaffen der Gter von
diesem Hafenorte bis Pilgrims-Rast (Leydenburger District) auf 300  St.
zu stehen komme. Die Strecke von Port Elizabeth ber Hope-Town,
Kimberley (Diamantenfelder), Christiana, Klerksdorp, Potschefstroom,
Pretoria, Middleburg und Leydenburg (Lydenburg) betrgt nahezu 1100
englische (etwas ber 255 geographische) Meilen; fr den Transport von
130 Centner war mithin die Fracht von 3450 fl. eine sehr hohe. Die
meisten dieser sogenannten Transportrider (sprich raider) stehen sich
gut, nur in trockenen Jahren und wenn sie Schneegestber im Winter auf
den Karoohochebenen ereilen, haben sie oft sehr viel zu leiden und
knnen ihr gesammtes Zugvieh einben. So wei ich mich vor drei Jahren
eines Falles zu erinnern, wo ein einziger Fuhrmann, der mit sechs Wgen
nach der Cap-Kolonie fuhr, in einigen kalten Nchten 75 Stck Ochsen
verlor. Die Weide war sehr schlecht, wenn er die Thiere auch drei Tage
lang grasen lie, hatten sie sich nicht gengend erholt und erfroren um
so eher. Ich kenne auch Flle, wo solche Fuhrleute beim Durchfahren
grerer Flsse, wie des Oranje-Rivers, im Flusse stecken blieben und
bevor noch ausgiebige Hilfe ankam, war der Flu gestiegen und der
Fuhrmann verlor Wagen und Gter, die er ersetzen mute, Vorflle, die
schon so manchen an den Bettelstab gebracht.

Am nchsten Morgen verlieen wir das Weichbild von Klerksdorp und
schlugen die Richtung nach dem Estherspruit ein. Die letzten Tage hatte
es nicht geregnet und so durften wir auf schnes Wetter hoffen, doch
wurden die Nchte empfindlich klter als zur Zeit, da wir uns von den
Diamantenfeldern verabschiedet hatten.

Unter dem einladenden Schatten einiger jener mehrstmmigen, hutfrmigen,
nach abwrts mit ihrem verschlungenen Kronengezweige sich neigenden
Zwergbumchen hielten wir am folgenden Tage Mittagsrast. Die
beschatteten Stellen waren grasarm, beinahe nackt und kahl und zeigten
zahlreiche Muselcher. Doch ringsum in einigen unbedeutenden
Vertiefungen wucherte um so ppiger ein dichter Graswuchs.

Freund E. wollte eine hbsche Stelle fr den Mittagstisch und unsere
Sitze aussuchen, er schien endlich unter dem schattigsten der oben
erwhnten Zwergbumchen den gesuchten Ort gefunden zu haben, als er die
Muselcher zu zerstampfen begann. Ich wollte eben mit dem Insectennetze
in der nchsten Umgebung eine Razzia halten, als mich Freund E.'s
wunderliches Betragen zu der Frage veranlate, was er hier thue. Sehen
Sie, diese Lcher sind nach ihrer Umgebung zu urtheilen, verlassen und
da gibt es keinen unbequemeren Ort, als deren Nhe sich zum Rasten
auszusuchen, weil eben diese Lcher mit Vorliebe von Schlangen--. Eine
Schlange, eine Schlange, Doctor, nehmen Sie den Schambock
(Bileamspeitsche), passen Sie auf, sie luft auf Sie zu! schrie
pltzlich aus der nchsten Vertiefung der erschreckte F., der
hinabgestiegen war, um einige an den Grashalmen ersphte Kfer fr mich
zu erbeuten. Das ausgesucht werden blieb Freund E. in der Kehle
stecken, er hatte nicht nthig, seinen Satz zu beschlieen, denn da kam
schon pfeilschnell das Reptil hervorgeschossen, schnurstraks auf eines
der zugestopften Lcher zueilend. Dieses und ein anderes verschlossen
findend, wandte sich die etwa vier Fu lange, fingerdicke Schlange nach
dem Zwergbumchen, wo sie mir ber eine halbe Stunde harte Arbeit
machte, bevor ich sie in dem dichten Geste bemeistern konnte. Es war
eine als Giftschlange in Sd-Afrika wohlbekannte Scap- (Skap-) stecker.

[Illustration: Verlassener Jagdplatz.]

Im blumigen Thale des Estherspruit angekommen, widmete ich am folgenden
Morgen, wie an der letzten Raststelle, einige Stunden dem Insectenfange,
da hier viele Doldengewchse, auch Orakelblumen und Liliaceen von
kleinen Coleoptera-Arten strotzten. Mylabris, Cetonia Marienkfer,
Erdflhe etc. fanden sich artenreich vor. Dann wurde noch ein
allgemeiner Ausflug mit Gewehr, Pinzette und Schambock zwischen den das
enge Spruitthal zur Linken umgebenden Felsen versucht. Das Resultat war
der Fang einiger Echsen, zweier Schlangen, von denen sich (nach der
Breite der Spur zu urtheilen) hier viele Buffadern aufhalten muten. Sie
muten auch gut gedeihen, denn alle Bedingungen dazu waren hier in den
geschtzten Felsenlchern vorhanden, in denen sich kleine, braune und
groe, graue, schwarz gestreifte Rohrrler aufhielten, whrend in den
nahen Zwergbschen gestreifte Muse und im nahen Thale Lurche in groer
Zahl anzutreffen waren. Die Rohrrler sind kleine muthige Raubthiere,
der Gestalt nach mte man sie Spring-Spitzmuse nennen. Die groen (von
der Gre einer Ratte) leben paarweise in Lchern unter umfangreichen
Blcken, sind sehr wachsam und nhren sich von Insecten und
Insectenlarven. Sie springen sehr behende und pflegen sich auf der
Flucht zeitweilig umzusehen, was ihnen natrlich oft zum Verderben
gereicht.

Spt am Nachmittage erreichten wir den durch die bereits geschilderten
Raubritter--jene hollndischen Qulgeister, deren ich schon auf der
Hinreise gedacht--berchtigten Matjesspruit. Ich nahm mir vor, in dem
Thale gar nicht zu halten, sondern noch drei Meilen darber hinaus zu
fahren, um nicht belstigt zu werden. Als wir ungefhr das erste Drittel
des zum Spruit fhrenden Abhanges erreicht hatten, machte mich der mit
der Peitsche neben dem Gefhrte schreitende Gert auf den Wchter des
in dem Gebsche zur Rechten liegenden Raubgehftes aufmerksam. Einer der
Bauern stand unter einem Bumchen auf dem Wege und lugte aus. Als wir
auf etwa 300 Schritte nahegekommen waren, verschwand er pltzlich und
lief buscheinwrts, um die Annherung einer Prise zu melden.

Wir whnten, als von Gert angetrieben das Gespann sich in Trab gesetzt
hatte, der drohenden Gefahr glcklich entronnen zu sein, und konnten uns
nicht enthalten, ob der gelungenen List in ein lautes Gelchter
auszubrechen. Doch wie gewhnlich, wir hatten zu frh gelacht. Pltzlich
erscheint eine schmutzige Hand an dem Seitenbrette und dann folgt ein
bestrztes Gesicht. Chun (guten) Dag, Mynheer, ah, ah Dokter, wart doch
bichi--ras ni so banje (viel) mit det ow (alte) wachen (Wagen). Dann
erschien neben Gert ein zweiter Raubritter in zerrissenen Hemdrmeln und
beide bemhten sich, ihn zu berreden, das Gespann zum Stehen zu
bringen. So hatten uns doch die unbarmherzigen Qulgeister ereilt! Doch
Gert lie vom Peitschen nicht ab und das Gefhrte eilte bis zu dem
Flchen, das wir zu durchschreiten hatten. Kaum da wir das Spruitbett
berschritten hatten, als ein Tro von Kindern und Frauen dem Wagen
nachgerannt kam. Ja warum lauft Ihr denn so vorbei, hie es von allen
Seiten, bleibt doch ein bischen stehen. Wir sprangen vom Wagen ab, um
wenigstens der Sitte gerecht zu werden und den zwlf Anwesenden Einem
nach dem Andern ihre nichts weniger als reinen Hnde zu schtteln und
sie zu versichern, da wir es sehr eilig htten und unter keiner
Bedingung hier bleiben knnten. Da nahmen die diesmal glcklich
zurckgeschlagenen Freibeuter zu einer anderen List ihre Zuflucht, wobei
sie jedoch vergaen, da wir dieselbe schon kannten. Aber Ihr knnt'
nicht weiter, denn wo Ihr noch heute Nacht hinkommt, da ist kein Gras
fr Eure Ochsen, kein Wasser fr Euren Thee, der Boden ist kahl
gebrannt, ohne Gras wie dieser Weg, bleibt doch hier ber die Nacht.
Doch es half alles nichts, wir kannten unsere Pappenheimer zu gut und so
blieb ihnen nichts brig, als mit leeren Hnden den Heimweg anzutreten.

Die Sonne stand schon ziemlich hoch, als wir am folgenden Tage am
Klipspruit (steinigen Spruit) Rast hielten. Etwa 1 englische Meilen an
demselben auswrts stand ein Wagen und nahebei grasten einige Pferde.
Hinter dem Wagen schien ein Zelt zu stehen. Ich hoffte hollndische
Jger zu finden, von denen ich, im Falle wir ohne Erfolg gejagt htten,
einige frisch erlegte Thiere, der Hute halber, zu erstehen gedachte.
Wir hatten auch ganz richtig geurtheilt, denn wir fanden den Besitzer
der Landstrecke, auf der wir rasteten und der weiter auswrts sein
Farmhaus hatte und mit seiner Familie auf einer Erholungsreise begriffen
war, wobei er sich seine Zeit mit Jagen vertrieb. Um den Wagen waren
mehrere Aeste in den weichen Boden eingelassen und mit Ochsenriemen
verbunden, an denen zahllose, lngliche Fleischstcke hingen, um zu dem
bekannten Beltong getrocknet zu werden. Auf der Erde lag ein Gnu-Stier,
den eben ein Koranna abzuhuten bemht war.

Wohin wir auch unsere Blicke wenden mochten, berall begegneten sie
einem berraschenden Reichthum an Wild jeder Gattung. Wir waren Zeugen
eines Kampfes zweier Gnu-Stiere, die mit unglaublicher Vehemenz
aufeinander eindrangen; nichtsdestoweniger aber hatten sie ihren
gemeinschaftlichen Gegner in uns bald gewittert und folgten der
fliehenden Heerde rasch nach.

[Illustration: Eine Vogel-Colonie.]

Bei dem Prpariren des mir von dem Farmer berlassenen Gnufelles hatte
ich mich an den spitzen Knochen des Kopfskelettes verletzt, im Eifer der
Arbeit, zu deren Beschleunigung ein drohender Regengu mich anspornte,
achtete ich nicht darauf. Heftige Schmerzen und angeschwollene Hnde
belehrten mich nchsten Tages, da ich unvorsichtig genug vorgegangen
und das Arsenikprparat in die Wunden eingedrungen war. Ich wurde erst
spter eindringlich an die Gefahr dieser Sorglosigkeit gemahnt.

[Illustration: Lwenjagd in den Maqwasibergen.]

Am nchsten Morgen verlieen wir Klipspruit, berschritten den Lwen-
und Wolfsspruit und erreichten gegen Abend die schon erwhnte Farm
Rennicke, deren Besitzer uns auf der Hinreise anfangs ziemlich
unfreundlich empfangen hatte. Diesmal hatte er gegen unser Vorhaben, im
Gehlze zu jagen, nichts einzuwenden, ja er gab uns sogar seinen Jungen
als Fhrer mit. Der kleine Bursche geleitete uns an den nrdlichen Rand
des Gehlzes, an dem angelangt er uns niederbeugen und ihm stille folgen
hie.

Nach etwa 60 Schritten standen wir an einem niederen, kaum fnf Fu
hohen, hie und da mit Zwergstruchern berwucherte Erddamme. Der Junge
vor uns kroch aufwrts und sah sich um, dann hie er uns vorsichtig
folgen und durch eines der Bschchen gedeckt auslugen. Kick, Ohm
(schau, Onkel), flsterte er mir in's Ohr, und wies mit seiner Linken
ber den Damm. Ein unvergelicher Anblick bot sich uns dar. Ich wnschte
ein Netz ber diese Scene ausgespannt zu sehen und das Leben darunter
als Leben zu erhalten.

Der Damm, an dem wir lagen, war die sdliche Umzunung einer
dreiseitigen, eingedmmten Vertiefung, die von Gras und Binsen
berwachsen, nur vom Regenwasser gespeist zu sein schien. In diesem
Gewsser watschelte, schwamm und tauchte ein Heer von Vgeln umher, Die
auffallendsten waren die heiligen Ibise, wenigstens fnfzig, die Einen
in ihrem schneeweien Gefieder auf einem Fue schlummernd, die andern
langsam und gravittisch ausschreitend und den kleineren Genossen (den
Tauchern etc.) zuweilen Hiebe austheilend, whrend die meisten rasch hin
und herliefen und dabei unter der Wasserflche mit dem dunkelgefrbten
Kopfe und dem Schnabel hin- und herfahrend fischten. Auer ihnen stand
nach der einen Dammseite, wie aller Welt vergebend, ein graues
Fischreiherprchen. Zwischen dem Grase und in den Binsen gackerten graue
und schwarzwei gescheckte Wildenten, whrend unzhlige Blhhner ihre
tiefen Stimmen hren lieen. Dazwischen tummelten sich die kleinen
behenden Taucher. Am Rande des schrg zu dem trben Wasser abfallenden
Dammes liefen laut pfeifend einige Kampflufer (Philomachus pugnux) auf-
und nieder, whrend kleine Strandlufer in dichten Schaaren von dem
einen zum andern Ufer flogen, ohne lange auf derselben Stelle zu
verweilen. Spter fand ich die Erklrung zu dem lauten Treiben dieser an
das flssige Element gebundenen Vogelwelt. Ein heftiger Platzregen hatte
eine Unmasse von Insecten und Wrmern von der Ebene in die Vertiefung
herabgeschwemmt, auch todte Eidechsen, sogar Muse fanden ihren Weg
dahin; an dieser reich besetzten Tafel lie es sich nun die befiederte
Gesellschaft recht wohl schmecken.

Einer von uns mute wohl unvorsichtig den Kopf vorgestreckt haben, denn
bevor ich mich dessen versah, hatten sich alle die Langstelzen mit
lautem Geschrei in die Lfte erhoben. Unwillkrlich und wohl auch in der
Angst, sie alle davonfliegen zu sehen, legte ich auf einen der Ibise an
und brachte ihn wie auch ein Blhuhn herunter. Auf dem Heimwege die
Morste berhrend, erbeutete Freund E. eine Wildente.

Am Wagen angekommen, erfuhr ich von Freund K., da der Farmer mich zum
Besuch eingeladen habe. Obgleich derselbe wohlhabend zu nennen, war doch
sein Haus hchst einfach aus Backsteinen aufgefhrt. Er klagte mir sein
Leid ber die Verluste, die er durch die herrschende Pferdekrankheit
alljhrlich erleide und bat mich um meinen Rath, da eben sein Reitpferd
von der Krankheit befallen war.

Am Nachmittage verlieen wir Rennicke's Farm und langten in der
Dunkelheit an Gildenhuis Place an, derselben am Sdfue der hier
vorbringenden Maqwasihhen erbauten Farm, welcher ich auf der Hinreise
bereits erwhnte.

Auf der dritten Reise--zwei Jahre spter--traf ich weit im Innern einen
herumwandernden Elephantenjger, der seine Heimat an den nrdlichen
Auslufern der Maqwasihhen hatte, zu deren sdlichem Abhange wir eben
lagerten. Er war ein tchtiger Jger, und ich will im Folgenden, bevor
ich von den Maqwasihhen scheide, eine seiner Jagdepisoden erzhlen.
Weinhold Schmitt hielt sich in seiner Junggesellenzeit in einer an den
Quellen des Maqwasi-Rivers liegenden Farm auf. Zu dieser Zeit waren die
nrdlichen Schluchten der Maqwasihhen durch das Treiben von vier in der
Regel gemeinschaftlich jagenden Lwen arg verrufen. Keiner von den in
der Umgebung wohnenden Boer's hatte sich bisher erkhnt, den verwegenen
Lwen an den Leib zu gehen. Da kam eines Tages der Sohn des einen
Farmers mit der traurigen Botschaft heimgeritten, da er die Leichen
dreier Pferde--es waren gesoute (gesalzene, d.h. gegen die Pneumonie
gefeite), welche er abzuholen hatte--vorfand, die schon halb aufgezehrt
im Grase lagen, und an den zahllosen Spuren waren die Urheber der
ruchlosen That nur zu deutlich zu erkennen.

Diese Nachricht brachte es zu Stande, da sich die Boer's endlich zur
That aufrafften und gemeinschaftlich die Raubthiere zu erlegen
beschlossen. Der Farmer und sechs Reiter fanden sich ein, der junge
Mann, der die getdteten Pferde aufgefunden, wurde zum Fhrer gewhlt;
die Spur der Lwen war bald gefunden. Es ging durch ein Thal, ber eine,
ber eine zweite Hhe, dann kamen sie auf eine Ebene, die leider
kurzbegrast war; der Boden war hart und wohl auch deshalb verloren sie
die Spur der Thiere und muten die Verfolgung aufgeben. Es ist jedoch
wahrscheinlicher, da den Lwenjgern der Muth etwas gesunken war und
da alle nur zu sehr einverstanden waren, lieber heimzukehren, als noch,
abgemdet nach einer lngeren Verfolgung, den Kampf mit den Raubthieren
aufzunehmen. Auf ihrer Heimkehr trennten sich die enttuschten Jger
nahe an Schmitt's Wohnung. Doch wie erstaunten er und sein Freund, als
sie in unmittelbarer Nhe des Gehftes ein Lwenprchen im hohen Grase
erblickten. Nach der Stellung, welche die Raubthiere eingenommen hatten,
schienen sie auf der Lauer zu liegen. Beim Annhern der beiden Reiter,
deren Pferde sich brav in der Nhe ihres Erzfeindes hielten, erhoben
sich die Lwen, und Schmitt, um einen sichern Schu zu gewinnen, sprang
ab, nahm die Zgel, machte einige Schritte nach vorwrts und legte
gerade auf den nach ihm stierenden Lwen an, als ihn sein Gefhrte
anrief; als sich Schmitt umwandte, sah er, da ihn dieser verlassen und
eben in einer Entfernung von 50 Schritten Posto gefat hatte. Dies war
unserem Jger sehr unangenehm. Zwei Lwen sah er vor sich, die brigen
durften wohl nicht ferne sein, sein Freund hatte ihn in dieser
ungemthlichen Situation verlassen.

So blieb ihm nichts brig als selbst an den Rckzug zu denken. Sein
Pferd am Zgel fhrend wich er zurck, doch so, da er stets die
Raubthiere im Auge behielt. Bevor jedoch der Schtze seinen Gefhrten
erreicht hatte, wandten sich die Lwen zur Flucht nach den Hhen. Dies
gab unsern Jgern Muth und beide galoppirten ihnen nach, Schmitt mit der
Absicht--wie es jeder berittene und etwas erfahrene sdafrikanische
Lwenjger in einem solchen Falle versucht--den Lwen einen Vorsprung
abzugewinnen und ihnen den Weg zu verlegen. Es gelang ihm und die beiden
Lwen befanden sich nun zwischen ihm und seinem Gefhrten, der mit
Geschrei und Hutschwenken die Freunde, von denen sie kurze Zeit zuvor
geschieden und die noch nicht aus Schuweite gekommen waren, auf den
Fund aufmerksam zu machen sich bemhte. Bevor jedoch diese--obwohl mit
verhngten Zgeln einhersprengend--zur Stelle waren, hatte sich die
Lwin nach links gewendet und war in einer trichterfrmigen, bebuschten
doch seichten Felsenvertiefung verschwunden, whrend der Lwe mit
fletschenden Zhnen den Augenblick, wo beide Jger dem Dickicht nher
gerckt waren, benutzend, mit einigen Stzen im Gestrppe der nahen Hhe
verschwand und--nachdem er wohl noch durch den Anblick der heranjagenden
Menschen eingeschchtert--seine Flucht lngs der Hhe auch so eilig
fortsetzte, da er seinen Verfolgern nicht mehr zu Gesichte kam.

Als die brigen fnf Jger sich zur Stelle eingefunden hatten, beschlo
man, die Vertiefung zu umzingeln und namentlich den dem Hgel
zugekehrten Rand derselben scharf im Auge zu behalten, weil man nach
dieser Seite einen Fluchtversuch der Lwin befrchtete. Hier postirten
sich auch drei der Jger und begannen mit Geschrei und Steinwrfen die
Lwin zu beunruhigen und zu einem Fluchtversuche zu bewegen. Die
Steinwrfe mochten sie wohl kaum belstigt haben, umsomehr aber schien
die Lwin ber das entsetzliche Hollndisch emprt, in welchem die
drei Jger sich mit ihr unterhielten, denn nach einiger Zeit erschien
sie am Rande der Vertiefung, um die Situation auszusphen. Anstatt
gerade nach dem schtzenden Dickicht des Hgels zu halten, bog sie etwas
nach links ein, um in einer schiefen Linie das Ziel zu erreichen. Bei
der Ausfhrung dieses Vorhabens stand ihr jedoch das Unangenehme bevor,
vor den drei Schtzen vorbeidefiliren zu mssen. Sie zgerte nicht lange
und folgte der letzterwhnten Richtung. Drei Schsse knallten zur selben
Zeit. Die Lwin machte einen Versuch, ihre Bahn fortzusetzen, den
auszufhren jedoch ihre Lebenskrfte nicht mehr ausreichten. Sie war mit
dreifach durchbohrter Brust zur Erde gesunken.

Und die anderen Lwen? fragte ich.

Wir hatten fr lngere Zeit Ruhe vor den Raubthieren, sie zogen sich
nach dem Hart-River zu und hausten da im Lande der Barolongen. Doch
kamen sie zuweilen noch immer herber und selbst gegenwrtig kann man in
trockenen Wintern daselbst von Westen her zugelaufenen Lwen begegnen.

Nchsten Mittag spannten wir im Schatten einiger schner Cameeldornbume
unfern der Furth des Maqwasi-River aus. Der vor wenigen Wochen hoch
angeschwollene Flu war nunmehr wieder zu einem dnnen in der Ebene sich
hinschlngelnden Wasserfaden herabgesunken. Am jenseitigen Ufer standen
einige Wgen ausgespannt. Sie waren smmtlich mit Wein- und
Branntweinfssern geladen, welche nach den Goldfeldern gebracht werden
sollten. In einem nahen Ziegelhuschen ging es sehr lrmend zu, man
credenzte auch hier den Feuertrank, und vor dem Huschen lagen auf der
Erde im betrunkenen Zustande einige der zu den Wgen gehrenden
schwarzen Diener, whrend zwei andere--auch unter demselben
Einflusse--schreiend ihre Fertigkeit im Boxen an sich versuchen wollten.
Der eine hatte seine schmutzige Jacke abgeworfen und schlug die
Hemdrmel zurck, um sich fr den Zweikampf klar zu machen, whrend
sein Gefhrte mit in der Hose steckenden Hnden und mit ausgespreizten
Beinen ihm die rgsten Schmhworte zuschleuderte. Du bist kein
Hottentot nicht, nur ein elendige Boschman, warf dieser ein. Das war zu
viel fr das erhitze Gemth des braun-gelblichen Stammesbruders. Ik ke
Hottentott ni, so wahr ich eine Mutter habe (dies der gewhnliche Schwur
der Koranna) bin ich einer--nimm das--dafr Du drunken lap Du. Und die
eine der an die Brust gezogenen Fuste traf den sich kaum im
Gleichgewicht haltenden Gegner so dreist und wuchtig auf die
Nasenwurzel, da er mit einem Allmachtag nach rckwrts fiel und hoch
mit den Beinen aufschlug.

Auf unserer Weiterfahrt nach Bloemhof begegneten wir zwei Fugngern
(Weien), die nach monatelangem, erfolglosem Diggen in den
Diamantenfeldern ihr Heil in den Leydenburger Goldfeldern zu finden
gedachten. Der eine der Mnner trug zusammengerollte Decken, der zweite
in einem Ledersack Brod etc., sowie eine Theekanne und einen Becher. In
dieser Verfassung dachten sie die Gesammtstrecke von ber 115
geographischen Meilen Lnge zurckzulegen. Nachts schlafen wir unter
einem Busche, polstern uns die Stelle weich mit Gras aus und berrascht
uns ein Regen, so bleiben wir--wenn wir gerade nicht nahe an einem
Farmhause sind, um Schutz in dem Wagenschuppen zu suchen--ruhig liegen,
ist's ja nur Wasser, und reines Wasser, das da vom Himmel auf uns
kommt. Das war ein Paar jener Wettergebrunten, die man oft in den
Diamantenfeldern begegnet und die von dem Glanze der Diamanten und des
Goldes angezogen, die rauhesten Seiten des menschlichen Daseins kennen,
ertragen und verachten gelernt hatten; und haben sie sich an dieses
rauhe Leben, an dieses mit den grten Mhen und groen Kosten
verbundene, selten oder fast nie zu befriedigende Jagen nach Reichthum
gewhnt, so sind sie den gesellschaftlichen Formen des Lebens
entfremdet; auer da sie--was ihnen jedoch in Sd-Afrika nicht leicht
mglich ist--die eleganten Sle der Spielhhlen besuchen.

Spt am Abend langten wir am Bamboesspruit an und bernachteten am
diesseitigen Ufer, um die Furth nicht in der Nacht passiren zu mssen.
Wir blieben bis gegen Mitternacht um das lodernde Feuer geschaart und
besprachen die Gladiatorscene am Maqwasi-River, der wir ohne
Eintrittskarten gelst zu haben, beigewohnt hatten.

Am nchsten Tage legten wir die Tour durch die schon vorher erwhnten
Grasebenen zurck, berhrten die beiden an Salzpfannen liegenden Farmen
Rietfontein und Coetzee's Farm und erreichten den folgenden Tag
Bloemhof.

[Illustration: Hallwater Farm.]

Nach kurzem Aufenthalte brachen wir noch am selben Tage nach der
Hallwater Saltpan auf, um auf diesem krzeren Wege nach Christiana zu
gelangen. Diese Salzpfanne war im Jahre 1872 dadurch in Sd-Afrika
berhmt geworden, da man daselbst die Ruinen von Monopotapa
(Monomotapa, Motapa, Mosogra etc.), einer in einem Reiche desselben
Namens (das vor 200 Jahren noch existirte) liegenden Stadt, gefunden zu
haben glaubte. Aus alten Chroniken ersehen wir, da das ganze Centrum
Sd- und des sdlichen Central-Afrika von diesem Reiche eingenommen
wurde, da mit seinen Bewohnern--meist durch die an der Kste wohnenden
Eingebornen als Zwischentrger--von Seite der portugiesischen und
hollndischen Hndler ein lebhafter Handel getrieben wurde und man
glaubte auch, da bereits portugiesische Missionre von Osten her bei
den Bewohnern Monopotapa's gewirkt htten. Den Chroniken entnehmen wir
auch, da die Stdte meist in der Nhe von Goldminen erbaut und in
unmittelbarer Nhe der Stadt Monopotapa selbst an 3000 bearbeitete
Erdlcher (Minen) zu finden waren. Man hatte nun in der Nhe der
Hallwater Salzpfanne Steine vorgefunden, welche menschliche Arbeit und
zwar meist Bruchstcke von Sulen, ferner Gesimsstcke--jedoch nur diese
beiden Formen--darzustellen schienen, und da die Entfernung dieses
Fundortes von Kapstadt mit der, in den Bchern als Entfernung zwischen
der Stadt Monopotapa und Kapstadt angegebenen ziemlich bereinstimmt,
glaubte man Monopotapa gefunden zu haben. Ich hielt deshalb die Stelle
eines Besuches werth, um so mehr, als sie nicht weit, nur einige Meilen
nordwrts von meinem Wege liegen sollte.

Am selben Tage, nachdem ich Bloemhof verlassen, traf ich bei der
bezeichneten Salzpfanne ein. Obgleich nahe am Vaalflusse gelegen und zum
Gebiete der Transvaal-Republik gerechnet, und obschon hier eine weie
Frau mit ihren Tchtern in einem Moodhouse wohnte, die uns sogar einlud,
uns in ihrem Palaste niederzusetzen, fand ich, da die Koranna's von
Mamusa die eigentliche Herrschaft fhrten und diese auch bis zu Beginn
des Jahres 1879 aufrecht zu halten wuten.

Die Stelle bildete die Sdspitze eines Dreieckes mit der Basis gegen
Mamusa und dem Hart-River zu, welches von Gassibone und Mankuruan
(damals beide unabhngig), den Batlapinenchefs, Old-David Maschon, dem
Korannaknig von Mamusa und den Hollndern beansprucht wurde; bei dieser
Sachlage waren nur die hier angesiedelten Farmer zu bedauern, denn auf
sie fiel die Last aller Qulereien, sie waren der Sndenbock in allen
Streitigkeiten.

In der Nhe der Salzpfanne, welche wohl das beste Kochsalz in dem
Bloemhofer District liefert, und deshalb neben dem Graslande als Weide
durch den Salzgewinn einen Erwerb in cash (in Baarem) abwarf, war eine
Farm, ein besonders hervorstechender Punkt in the disputed territory
(streitigem Gebiete). Auer dem aus rohem Thonboden verfertigten und
nothdrftig mit Gras gedeckten Huschen, das von der erwhnten Frau,
entweder um ihr Vieh an der Pfanne weiden oder das Salz durch ihre
Diener gewinnen zu lassen, bewohnt wurde, standen noch am Nordrande der
Salzpfanne einige Korannahtten. Zwei etwa 12 Fu tief in die Erde
gegrabene Lcher lieferten einen kleinen Wasserstrahl, der durch einen
Graben in eine Bucht geleitet, die Bewohner mit Wasser versah. An diesem
uerst schmutzigen Tmpel tummelten sich zahlreiche rothfige und
einige Sporen-Kibitze, whrend im Wasser zahlreiche Wasserschildkrten
und Frsche ihr gengsames Dasein fristeten.[1]

    1: Siehe Anhang 9.

Die vorgehende Zeichnung der Hallwaterfarm habe ich im Jahre 1875 (zwei
Jahre spter) auf meiner dritten Reise aufgenommen. Wir sehen ein aus
Thon aufgefhrtes Huschen und einige Htten, in denen Koranna's
hausten. Die Weien hatten die Stelle bald nach meinem Abgange
verlassen. Die Koranna's gewannen nun selbst das Salz, von dem sie 25
Pfund fr eine halbe Krone verkauften. Einem Reisenden, der nach dem
Innern Afrika's seine Schritte lenken will, wrde ich es anrathen, sich
hier mit einer gengenden Menge Salz zu versorgen, da er beim Einsalzen
des Wildfleisches und Prpariren der Haut groer Sugethiere viel davon
brauchen, allein nicht leicht wieder ein hnlich gutes auf seiner
weiteren Reise finden wird. Die hier lebenden Koranna's ernhren sich
von Viehzucht, halten meist Rinder und Ziegen und besitzen einige
schadhafte Wgen, in denen sie das Salz nach Bloemhof, Potschefstroom
und den Diamantenfeldern zum Kaufe bringen und daselbst fr 1  St. per
mule (d.i. 200 Pfund) feilbieten. Oberhalb der Stelle, wo die trockenen
Bche einmnden, knnte die nchste Umgebung der Pfanne mit einem
niedrigen Damm versehen, und von dem so gebildeten Weiher hinreichendes
Wasser zur Bewsserung von Feldern gewonnen werden. Doch es gehrt mehr
als Koranna-Energie dazu, um einen solchen Versuch zu wagen; vielleicht
wird es doch mglich werden, wenn hier, wie in Griqualand-West, die
Eingebornen nicht mehr Gelegenheit haben, ihre Gedanken und Krfte im
Brandygenusse verkmmern zu lassen.

Whrend unseres ersten Aufenthaltes an der Hallwater Salzpfanne hatten
wir auch Gelegenheit, das Batlapinengericht, die Wanderheuschrecken,
zu verkosten. In der Asche gebraten wurden sie von einigen
durchreisenden Batlapinen genossen, die Einen aen sie mit Haut und
Haaren, Einer ri die Fe und Flgel, der Klgste von Allen auch den
Darmkanal aus; in der letzteren Verfassung versuchten wir dieses
Gericht. Ich bentzte die Gelegenheit, dieses noble Betschuana-Gericht
allen Gourmands, wenn sie so weit gediehen sind, da sie nichts mehr zu
essen haben, oder da ihnen nichts mehr pikant genug erscheint, als ein
billiges und doch ungewhnliches Ultimatum zu empfehlen. Wenn ich mich
jedoch zu diesem freundschaftlichen Rath erkhne, ist es auch nthig,
des Geschmacks dieser Wildgattung Sd-Afrika's mit einigen Worten
gedenken zu wollen. Derselbe ist jenem getrockneter, etwas ausgelaugter
italienischer Sardellen hnlich. Bentzt wird nur die eigentliche
sdafrikanische Heuschrecke. Ich fr meinen Theil fand das Thier als
Kder zum Angeln ausgezeichnet, besser als Regenwrmer etc.; bei ihrem
Schwrmen fallen Hunderte in die Flsse den Fischen zur willkommenen
Beute, sowie sie in den Lften sowohl von dem kleinen Vogel, der sie mit
beiden Fngen halten mu und stckweise verzehrt, bevor er mit ihnen
fertig wird, als auch vom Adler und Kranich als besondere Leckerbissen
angesehen und jeder anderen Nahrung vorgezogen werden.

Nachdem wir die krzere Wegrichtung nach Christiana erfahren hatten,
nahm ich mir vor, um die Gegend kennen zu lernen, meinen Weg nach Westen
fortzusetzen, und erst unterhalb Christiana gegen Hebron auf die Route
einzulenken, so da ich auf diese Weise den sdlichen Theil von
Gassibone's Gebiet von Ostnordost nach Westsdwest durchzog. In der
Richtung, die wir einschlugen, gab es keinen fahrbaren Weg, wir muten
uns durch Gebsche und ber begraste Ebenen unseren Weg bahnen. Mir war
es hauptschlich darum zu thun, einen Ueberblick ber die Gegend zu
gewinnen, leider war mir dies nicht gestattet und ich entschlo mich,
wegen der Beschwerden, die uns diese Reise bereitete, lieber die
krzeste Strecke nach dem Vaal einzuschlagen. Im selben Verhltnisse als
die jede Aussicht benehmenden Bsche abnahmen, traten nun leider wieder
die Kameeldornbume in greren Bestnden auf.

Zahlreiche fahle Zwergtrappenprchen, Deuker- und Steinbockgazellen
wurden sichtbar, die ersteren Gazellen ruhig grasend, die letzteren nur
wenn aus dem Gebsch aufgescheucht, bemerkbar. Wir fanden auch Spuren
von Hartebeest-Antilopen und solche, die den des Gnu hnlich, doch
wahrscheinlich jene des gestreiften Gnu's (Catoplepas Taurina, Gorgon)
sind. Diese Spuren und die Hoffnung, das Wild selbst beobachten zu
knnen, lie uns den Wald willkommen heien, allein um uns nicht zu sehr
der Freude ber den Wechsel im Charakter der Gegend und den damit in
Aussicht gestellten Eroberungen genieen zu lassen, wurde unsere
allgemeine Zufriedenheit schon whrend der ersten Stunden dieser,
zwischen den wenn auch wenig dicht stehenden Bumen unbequemen Fahrt
durch den Umstand getrbt, da wir kein Wasser aufzufinden vermochten.

[Illustration: Koranna.]

Gegen Mittag stieen wir auf einen, den Fuspuren nach zu schlieen,
ziemlich betretenen Pfad und hielten in Mitte einer Lichtung Rast. Schon
seit einigen Tagen war mir ein penetranter Fulnigeruch aufgefallen,
welcher einer Kiste entstrmte, in der ich die erbeuteten und
prparirten Felle untergebracht hatte; es waren im Ganzen zwei schwarze
Gnu-, drei Blbock- und zwei Springbockfelle, ferner solche von
Schakalen, Proteles, Springhasen, Scharrthieren, Erdeichhrnchen und
Klippschliefern. Da in der Kiste auch die Hrner der erlegten Thiere
obenauf lagen, so schrieb ich diesen den fatalen Geruch zu; um mich aber
darber zu beruhigen, machte ich mich daran, die Kiste zu ffnen. Meine
schlimmsten Befrchtungen waren noch weit berholt, alle Mhe und Plage
war verloren, meine Wunden an den Hnden schmerzten mich bei dem
Anblicke der aller Haare entblten, vom Regen aufgeweichten und in
Folge dessen in Fulni vergangenen Felle doppelt heftig. Es blieb mir
nichts brig als die Felle zu opfern und mich mit den Hrnern zu
begngen, die ich von den Kopfskeletten herabsgen mute. Whrend dieser
Arbeit wurden wir durch Gste berrascht, Batlapinen, die durch den
Rauch des Lagerfeuers angelockt, nicht wenig erstaunt waren, im Walde
Weie mit einem Wagen zu finden.

Dem Rathe der Batlapinen nachkommend, verfolgten wir den Fupfad und es
whrte nicht lange, so waren wir aus dem Walde heraus auf eine begraste,
stellenweise dicht, doch niedrig bebuschte Ebene gekommen, welche ich
fr eine der an Kleinwild reichsten Stellen in Gassibone's Lande halte.
Unter dem Kleinwild war die schmucke, kleine Steinbockgazelle
vorherrschend, doch sahen wir auch drei Springbcke, die sich bald
empfahlen, ohne uns auf Schuweite nahekommen zu lassen, sowie auch zwei
gravittisch neben einander einherschreitende Sekretre, welche die
weniger dicht und hochbegrasten Partien aufsuchend, eine Razzia auf
Schlangen und Eidechsen hielten. Unter dem Federwild waren Rebhhner
(meist paarweise) das hufigste Wild. Wir hielten einige 20 Minuten an
der Batlapinen-Post, die Frauen waren mit der Herstellung einer neuen
Umzunung beschftigt, die sie fr ihre Ziegen aus Dornbschen bereits
halb aufgebaut hatten. Die Mnner hatten zwei Hartebeestfelle, die
rauhgar gegerbt waren, mit feuchter Erde berschttet, um sie noch
weicher und nachgiebiger zu machen und dann daraus eine Carosse
verfertigen zu knnen.

Da ich in der Folge rasch reisen und mich nirgends lnger als
unumgnglich notwendig aufhalten wollte, entschlo ich mich, in der Nhe
des Vaal angelangt, noch einen Tag am Ufer desselben zuzubringen, um zu
fischen. Wir hatten kaum am Lagerplatze Feuer angezndet, als auch schon
aus dem kaum eine halbe englische Meile entfernten Farmhause
(unmittelbar am Flusse gelegen) der Farmer erschien und mir bedeutete,
da er mir nicht gestatten knne, hier zu bernachten. Ich wre vom Wege
abgefahren und auf dieses Vergehen stnde in der Republik 5  St.
Strafe.

Ohne mich in weitere Unterhandlungen einzuladen, traf ich Anstalten zum
Aufbruche. Unser Gefhrte F. war noch so glcklich, vor unserer Abfahrt
aus den Fluthen des Vaal einen etwa dreipfndigen Wels herauszufischen,
ein Fang, der in das Menu unserer tglichen Mahlzeiten angenehme
Abwechslung brachte.

Gegen Mitternacht hatten wir Christiana erreicht und gedachten nun, uns
an einer Tasse heien Thee's zu erwrmen, als wir die Entdeckung
machten, da wir die Kiste mit dem Kochgeschirr verloren hatten. Mich
traf dieser Verlust sehr empfindlich, denn meine Mittel waren schon
derart zur Neige gegangen, da sie die Neubeschaffung des notwendigen
Geschirres nicht zulieen. Freund E. half uns aus dieser Verlegenheit.

In Christiana hielten wir uns nur bis zu Mittag des folgenden Tages auf.
Nach einer halbtgigen Fahrt erreichten wir den am Wege erbauten kleinen
Eingebornenkraal, an dem wir, von Gassibone kommend, auf die
Klipdrift-Christiana-Route gestoen waren. Von hier bis nach den
Diamantenfeldern zu hatte ich eine fr mich vollkommen neue Strecke zu
durchreisen. Den interessantesten Theil derselben bildet unstreitig die
mittlere Partie, d. h. das Hebroner Hhennetz.

Der erste Theil der Strecke bis zum Fue der Hhen ist flach, zeigt
einige der bekannten, doch kleinen, von Wildgnsen (Chenalopes) und
Kranichen aufgesuchten, lnger als gewhnlich mit Wasser gefllten
Salzpfannen. Der Vaalflu entfernt sich von uns nach links in einem
weiten Bogen und wir treffen ihn erst nach einem langen Doppelmarsche,
indem wir die Secante zu diesem Kreisabschnitte beschreiben. Das Land
nach links, eine prachtvolle Grasebene (das Land innerhalb des vom
Flusse betriebenen Bogens), gehrte zu der Transvaal-Republik, jenes zu
unserer Rechten, hochbegrast, hie und da von Bschen und kleinen
Niederwald-Complexen bedeckt, Gassibone an; jetzt gehrt beides zu der
Transvaal-Colonie. Die Grasebene zu unserer Linken war eine der von den
schon oft erwhnten Knurrhhnern (Otis afra) am dichtesten bevlkerten
Jagdstellen, die ich auf meinen sdafrikanischen Wanderungen kennen
gelernt, es rauschte vor uns, neben uns, in der Ferne, auf beiden Seiten
des Weges.

[Illustration: Von der Arbeit heimkehrende Batlapinen.]

Unser Gefhrte F. wollte, als er die Trappen so hufig auffliegen sah,
wieder einmal Proben seiner weidmnnischen Ausbildung geben und rhmte
sich, mindestens einem halben Dutzend den Garaus zu machen. Doch bald
kehrte er zum traulichen Herde am Wagen heim, traurig mit gesenktem
Kopfe und--ohne Jagdbeute. Sein Gewehr war gut, sein Auge scharf, und
die Rechte sicher wie immer, doch sein Pulver war krumm und warf die
Schrote in jeder, nur nicht--wenn auch wohlgezielt--in der
entsprechenden Richtung. Wer htte auch dagegen ankmpfen knnen, wenn
Diana neckend die Schrote zerstreute. Freund E. brachte zwei Knurrhhner
und fr mich zwei Stck schwarzwei-gescheckte, unserer hnlich
gefrbten Art naheverwandte Wrger.

[Illustration: Ostersonntag im Vall-River.]

Ich ging mit Gert in das nahe liegende Gehlz Insecten suchen und gewann
einige Bockkfer, sowie zwei Species der Borkenkfer (Bostrichidae). Hie
und da stieen wir auf Gnuschdel, ein Beweis, da alle diese Gegenden
vor kurzer Zeit noch von Gnu's bevlkert waren, whrend sie sich jetzt
mehr im Innern von Gassibone's Lande aufhalten und sich nach Norden in
die zwischen dem Hart- und Molapo-River liegenden Wildebenen und jene an
der Klipspruit, die freier und gebschlos sind und daher das
Anschleichen erschweren, zurckgezogen haben.

Von Bloemhof ab fuhren wir parallel mit dem Freistaatufer, das bis gegen
Hebron hher als das rechte ist und an dem zahlreiche Farmen liegen.
Ungefhr 18 engl. Meilen von Christiana entfernt trafen wir wieder mit
dem Vaalflusse zusammen. Hier stand eine Cantine, in der es wild zuging;
an der Cantine theilt sich der Weg, der eine fhrt nach Hebron (weiter
stromabwrts) zu, der andere nach einer Ueberfuhr ber den Vaal, die
gegenwrtig unter dem Namen Blignauts-Pont bekannt und die hufigst
eingeschlagene Tour von den Diamantenfeldern nach der Transvaal-Republik
bildet; sie ist die krzeste, billigste und beste. Ich whlte die
lngere und beschwerlichere, weil ich die Hebroner Hhen, sowie die
umliegenden verlassenen River-Diggings kennen lernen wollte. Von
Blignauts-Pont bis gegen Delportshope (unweit der Vereinigung des Hart-
und Vaal-Rivers), theils in dem Hauptthale, theils in den einmndenden
Thlern wohnt in kleinen Drfchen und in einzelnen Gehften die Mehrzahl
der als englische Unterthanen lebenden Koranna's. Ueberall sahen wir
diese in europische Kleider und Fetzen gehllten Gestalten
herumlungernd, oder mit ihren Hunden die Gebsche durchstreifend,
whrend die meist nackten Kinder kleine Viehheerden hteten.

Von der oberwhnten Cantine ab, wurde die Scenerie etwas interessanter,
theilweise schon dadurch, da wir uns dem Vaalflusse wieder genhert
hatten, an dessen Ufer ein gebtes Auge immer eine Jagdbeute ersphen
kann und ein Forscher reichen Stoff fr seine Studien und Sammlungen
findet. Am Fue der Hebroner Hhen kamen wir an ein theils aus
Eisenblech, theils aus Segeltuch und Holz aufgefhrtes Hotel und
Waarenlager--nach dem Vaal-River, der hier zahlreiche Inseln bildet und
eine sehr anziehende Scenerie darbietet Fourteen Stream genannt. Von
hier erheben sich die Hebroner Hhen, welche den Vaal bis Delportshope
begleiten und einige Ketten nach Norden, Nordwest und Nordnordost gegen
den Hart-River zu ausstrecken, von denen eine mit dem schon erwhnten
Spitzkopf, andere mit den Hhen um Taung, Mankuruana's Residenz, enden,
und die sich endlich bis gegen Mamusa hinziehen. Diese Hhen sind dicht
bebuscht und mit Bumen bestanden und ber sie fhrt die Grenze zwischen
Griqualand-West und der Transvaal-Colonie. Sie beginnen etwa acht Meilen
oberhalb Hebron, der frheren Missionsstation, und dem verlassenen
Diamanten-Fundorte. Die Gesteinsformation ist auch hier wieder
Vaalgestein (Grnstein mit mandelartigen Chalcedon-Einschlssen), mit
zahlreichen Quarzgeschieben und von eisenhaltigem, quarzkrnigem
Thonsand bedeckt. Der Flu hat sich ber die Felsenblcke Bahn brechen
mssen und bildet Stromschnellen. Einen anziehenden Anblick gewhrt die
Scenerie nach Nordost in dem Momente, wenn wir Hebron erreicht haben und
dann nach den eben berschrittenen Hhen und den Flu aufwrts blicken.
Zugleich breitet sich vor uns ein weites Panorama, das jenseitige
Griqualand-West- und Oranje-Freistaat-Ufer mit einigen den Horizont
begrenzenden Hhenzgen und dem 800 Fu hohen abgeflachten Plattberg in
der Ferne, mit seinen Flchen, Weidegrnden und seinen Farmen aus.

So sehr die Landschaft auf der Strecke vom Fourteen-Streams-Hotel bis
Hebron das Auge entzckte, um so schrecklicher war der Weg, den wir zu
berwinden hatten; es war eine wahre Felsenstrae, die von der Natur mit
Blcken gepflastert worden war. Das Regenwasser hatte die befahrene
Stelle als Abflurinne bentzt, die Blcke waren theilweise aus- und der
Boden zwischen ihnen abgewaschen worden. Dem Wagen, der in die
bedenklichsten Stellungen kam, drohte auf Schritt und Tritt Verderben.
Da solch' eine Reise den in den Kisten im Wagen geborgenen, auf der
Reise gesammelten Gegenstnden nicht zum Vortheil gereichen konnte, ist
selbstverstndlich. Keiner von uns konnte es im Wagen aushalten,
besonders wurde derselbe jedoch herumgeschleudert, als wir die letzten
Hhen nach Hebron zu herabfuhren. Der Abhang war steil und zeigte
mehrere rasche Biegungen, so da wir alles aufbieten muten, um den
Wagen mit den Ochsen nicht die Hhe herabrollen zu sehen.

Ziemlich frh am Ostersonntag langten wir in Hebron an. Der Morgen war
kalt, in jeder Beziehung hchst unfreundlich; der Himmel war mit dichten
Wolken bedeckt, die von kalten Sdwestwinden getrieben auf ihrer
luftigen Bahn dahinstrmten, es war ein Tag, der das frhlichste Herz
trbe stimmen konnte. Der Blick auf die Ueberreste (Ruinen ist nicht der
entsprechende Ausdruck dafr, denn das Material, mit dem das noch vor
wenigen Jahren mehr denn 3000 Diamantendigger zhlende Hebron so rasch
aufgebaut wurde, war zu nichtig, zu vergnglich, um Ruinen hinterlassen
zu knnen) dieses frher als Missionsstation wichtigen, dann als
Diamanten-Fundort berhmt und endlich berchtigt gewordenen und in
diesem Zustande dahingesunkenen Ortes, war kaum geeignet, diese trbe
Stimmung zu verscheuchen. Oede ist die Sttte, um so einsamer und
trauriger an einem kalten, regnerischen Herbstmorgen, denn dann vermag
selbst die schne Aussicht, die man von dem Orte aus genieen kann und
die uns an warmen, klaren Frhlings- und Sommertagen die Oede der Stelle
vergessen lt, die Gedanken nicht heiterer zu stimmen; das einstens
belebte Hebron war auf zwei Krmerladen, ein Hotel, eine Schmiede, ein
Schlachthaus und ein Gefngni herabgeschmolzen.

Planlos zerstreute, vom Regen aufgeweichte und zerflieende Thonwnde
etc. deuteten auf einen bedeutenden Umfang der Niederlassung, deren
Gre uns jedoch dann erst auffiel, als wir die River-Diggings
aufsuchten. Hunderte von seichten Erdgruben zeigten, da hier Tausende,
Weie und Farbige, nach dem werthvollsten der Edelsteine gefahndet
hatten. Tausende Tonnen Gerll sind hier mit der bloen Hand aufgehackt,
herausgeschaufelt und auf das Emsigste durchsucht worden; jeder der
Steine und dort die riesigen Sandhaufen, die aus dem Gerlle durch's
Absieben gewonnen wurden, sind durch emsige Hnde gegangen und doch war
hier der Erfolg so gering, da wohl kaum zwei von den 3000 Diggern
Reichthum erwarben, und der Erfolg von 150-200 anderen unter ihnen so
viel Reingewinn abwarf, da sie ihre Auslagen htten decken konnen.

Hebron sank so rasch als es emporgeblht war, viel rascher als Klipdrift
und andere Diamanten-Fundorte. In den angeschwemmten Geschieben, in
denen die Diamanten gefunden wurden, konnte man deutlich Elemente
nachweisen, die von den umliegenden Hhen, und solche, die weiter aus
stromaufwrts liegenden Gegenden angeschwemmt worden waren. Nebst
massenhaftem Grnstein, in kleinen Fragmenten wie in Blcken, waren
Quarzstcke als Milch- und Rosenquarz, Quarzit, Porphyr, Quarzitporphyr,
sowie eigenthmlich kuchenartig geformte, lnglich-viereckige
Thonschieferstcke von einer gelblichen oder gelblich-grnen Farbe zu
finden, welch' letztere durch eine schwarze Umhllungskruste, wohl das
Product einer Zersetzung der uersten Lage, auffielen. An der
Bruchflche erschienen diese Thonschieferkuchen schn gebndert und
zeigten concentrisch angeordnete, dunkelbraune oder rthliche
Zeichnungen; irriger Weise wurden diese Thonschieferblcke als
Muttergestein der Diamanten angesehen.

Als ich bei einem der Krmer meine nthigen Einkufe besorgt hatte und
meine Barschaft nachzhlte, gewahrte ich, da dieselbe auf 16 Shillinge
herabgeschmolzen war. Mit diesem Gelde mute ich bis nach den
Diamantenfeldern gelangen. Ich mute unter solchen Umstnden trachten,
so schnell als thunlich Dutoitspan zu erreichen, und da der Fhrmann
sich weigerte, uns des hohen Feiertags halber ber den Flu zu bringen,
berdies seine Gehilfen derart betrunken waren, da wir selbst am
folgenden Tage keine Aussicht hatten ber den Vaal zu kommen, entschlo
ich mich nach abgehaltenem Kriegsrath selbst mein Glck zu versuchen und
den Flu an einer Furth zu bersetzen.

Mein Gefhrte F., den ich auf Erkundigung ausgesandt hatte, kam bald mit
der freudigen Nachricht zurck, eine sehr praktikable Furth gefunden zu
haben. Wir waren bald darauf an der zwei Meilen stromabwrts
befindlichen Stelle angelangt.

So einladend zur Rast die dicht bewachsenen Ufer auch waren, mein ganzes
Sinnen und Trachten war auf die glckliche Durchfahrt durch den
reienden Flu gerichtet. Aus dem Geste der Bume lockte so mancher
schne Vogel, doch vergeblich, denn meine Hnde waren von kleinen Wunden
wie beset und schmerzten mich auf's Aeuerste, seitdem mich noch ein
Scorpion gestochen hatte; das Gift des Arsenikprparats und des
Scorpion's vereinigten sich zu doppelter Wirkung.

Die Strahlen der scheidenden Sonne versprachen eine glckliche
Ueberfahrt, doch sie zeigten sich trgerisch, der Flu war wohl seicht,
aber die Strmung so stark und das Bett des Flusses derart von
Felsblcken beset, da die Thiere sich entsetzlich abgemht, bevor wir
noch das erste Drittel der Flubreite erreicht hatten, auch hatte die
Strmung uns sichtlich von der Furth abwrts getrieben. Unsere Situation
war sehr kritisch.

Trotz alles Antreibens und Schreiens von Seite der farbigen Diener
konnten die Thiere nicht mehr von der Stelle und von der Strmung
bedrngt, begannen sie sich zu bumen, an den Jochen und dem Ziehtaue zu
zerren, dabei sanken die vorderen Zugthiere immer tiefer ein und waren
in Gefahr zu ersaufen. Da war rasches Handeln nthig, und obgleich ich
mit meinen wunden, verbundenen Hnden nicht viel ausrichten konnte, so
sprang ich sofort von F. gefolgt in's Wasser. Doch allen unseren
vereinten Anstrengungen wollte es nicht gelingen, Thiere und Wagen aus
der gefhrlichen Situation zu befreien, es blieb uns nichts brig, als
die Thiere auszuspannen und mit unendlicher Mhe an das jenseitige Ufer
zu bringen, sodann aus dem Wagen die Kisten mit dem heiklichsten Theile
der Sammlungen hinber zu transportiren und den Wagen im Flusse stehen
zu lassen, bis Hilfe nahte. Ueber dieser anstrengenden Beschftigung,
whrend welcher ich auf den einzelnen Gngen zum Wagen zuletzt erliegen
zu mssen glaubte, senkte die Nacht ihre dunklen Fittiche auf die Scene
herab.

Es war eine traurige Nacht, die mich in steter Aufregung ber das
Schicksal unseres Wagens erhielt. Endlich dmmerte es im Osten und aus
der Ferne vornahmen wir am jenseitigen Ufer Peitschengeknalle,--die
ersehnte Hilfe nahte. Es waren vier je mit 6-8 Ochsenpaaren bespannte,
von Koranna's geleitete Wgen. Ohne weiteren Aufenthalt gelangten
dieselben an unser Ufer und gegen eine Entschdigung von 10 Shillingen
willigten die Fuhrleute ein, unseren Wagen aus dem Flusse
herauszubringen, was denn auch bald geschehen war.

Wir fuhren noch am selben Tage bis River-Town, einem der frher
berhmten Diamanten-Fundorte, von welchem aus die Uferhhen als
Fortsetzung der Hebroner Hhen sich zu entwickeln beginnen. Der Flu
wird hier von mehreren Felsenriffen und riesigen Felsenblcken
durchsetzt, von welch' letzteren, einige jener Gravirungen von Thieren
und Gestirnen (Sugethieren, Schildkrten, Schlangen, Sonne etc.)
zeigen, mit denen sich die Buschmnner in Sd-Afrika unsterblich gemacht
haben. Auch an einer der nahe anliegenden Hhen finden sich hnliche
Producte dieses Volksstammes, auf den und auf dessen Zeichnungen etc.
ich bei meiner Rckreise durch die Colonie noch zurckkommen werde.
River-Town war in einem ziemlich groen Umfange ausgemessen worden, ist
aber, bevor noch die in Zelten Wohnenden ihre Mhe in den
Diamantengruben gelohnt fanden und zum Baue stabiler Wohnungen schreiten
konnten, von anderen Orten berflgelt worden, so da wir nur zwei
Familien noch diggend am Ufer des Vaalflusses antrafen; ein gerumiges
Hotel und eine Segeltuchcantine waren die letzten Ueberbleibsel von
River-Towns frherer Glanzperiode. Ich blieb in River-Town ber Nacht
und reiste erst am Nachmittage ab, da ich in den tiefen Claims einige
interessante quarzhaltige Mineralien und so manche Coleoptera-Species an
den Abhngen sammeln konnte.

Am nchsten Tage hatten wir einen so beschwerlichen Marsch, da wir erst
am folgenden in den Diamantenfeldern anlangten. Die Strecke betrgt 15
englische Meilen, allein der bei weitem grte Theil davon wird durch
tiefsandige Flchen, eines der grten Hindernisse auf sdafrikanischen
Reisen, gebildet. Die Ebenen zeigten kaum nennenswerthe, wellenfrmige
Erhebungen, der stark quarz- und eisenhaltige Sand war mit hohem,
bschelfrmig wucherndem Gras bewachsen. Stellenweise fand ich eine
kleine, kaum 2 Fu hohe, mimosenartige Pflanze, welche groe braune, mit
2-5 Krnern gefllte Schoten trug. An Wild beobachteten wir in dem
gruppenweise stehenden Niedergebsch Deuker und Steinbockgazellen,
Hasen, Tauben, Knurrhhner und Trappen; nach den vielen Lchern zu
urtheilen, mute es hier zahlreiche Erdthiere geben. Auch war die
Ausbeute an Kfern trotz der Einfrmigkeit der Gegend und der Vegetation
eine recht lohnende.

[Illustration: Aus den Diamantenfeldern heimkehrende Basutos begegnen
dahinwandernden.]

Am dritten Tage nach jener trben am Vaalflusse verlebten Nacht traf ich
wieder in Dutoitspan ein. Obgleich ich mich auf das Mglichste
eingeschrnkt hatte, betrugen die Auslagen auf dieser ersten
Versuchsreise doch mehr denn 4000 fl. Ich hatte durch meine
zweimonatliche Abwesenheit die Hlfte meiner Patienten eingebt, und
von jenen Familien, die in der Zwischenzeit nicht zu anderen Aerzten
Zuflucht genommen, hatte die Mehrzahl--meist hollndische Farmer--die
Diamantenfelder verlassen, um sich im Freistaate anzusiedeln. Durch die
Behandlung einiger schwieriger Flle konnte ich mir nach einiger Zeit
das verlorene Terrain zurckerobern und so war es mir mglich, K. sein
Darlehen zurckzuzahlen, der bald nach unserer Rckreise Dutoitspan
verlie, um sich in der Colonie niederzulassen.

Den Zweck und das eigentliche Ziel meiner ersten Reise, einen Ueberblick
ber die Art und Weise des Reisens, Einsicht in den landschaftlichen
Charakter der zu durchreisenden Gegenden, Einblick in das husliche
Leben der Eingebornen und hollndischen Farmer, einige Erfahrung ber
ihr Betragen zu Fremden u.s.w., hatte ich glcklicher Weise erreicht.
Durch die Reise in der Sptsommerzeit und bei so unfreundlicher,
regnerischer und strmischer Witterung glaubte ich mich ziemlich
acclimatisirt zu haben. Obgleich ich durch die hufigen Regengsse
einige der auf dieser Reise gesammelten werthvollsten Gegenstnde,
darunter die mhevoll prparirten Gnufelle etc., eine Unzahl von
Vogelblgen, getrocknete Pflanzen etc., eingebt hatte, brachte ich 30
_anatomische Prparate_, etwa 1500 _getrocknete Pflanzen_, 1 Kiste mit
_Mammaliafellen_, 2 Kistchen _Vogelblge_, ber 200 _Reptilien_, einige
_Fische_, 3000 _Insecten_, einige _Fossilien_ und 300 _Mineralien_ mit,
ungerechnet die zahlreichen Duplicate bei letzteren, die ich namentlich
aus den Diamantenfeldern am Vaal (River-Diggings) mitnahm, um daheim
Museen und Schulen damit zu beschenken. Da ich auf dieser Versuchsreise
Manches gelernt hatte, versteht sich von selbst; ich sah namentlich ein,
da, um die sich oft weit verlaufenden Zugthiere rasch aufzufinden und
zurckzubringen, um eine interessant erscheinende, rechts oder links in
der Entfernung sichtbare oder aus diesem oder jenem Grunde von den
Eingebornen als anziehend bezeichnete Oertlichkeit nher zu untersuchen,
ohne den Wagen aufhalten zu mssen, um nach Wasser in wasserlosen
Gegenden zu fahnden, ohne erst mit dem Wagen planlos herumzuwandern oder
sich zu Fue halbtodt zu laufen und sich zu verirren, doch auch, um sich
des Wildes leichter zu bemchtigen, ein Reitpferd unumgnglich
nothwendig sei; auch war es mir klar, da ich besserer Waffen bedrfe.

Bezglich meiner Gefhrten machte ich die Erfahrung, da E. auch fr die
nchste Reise mir willkommen sein wrde, als Freund und Rathgeber in
manchem kritischen Momente und herzlich gerne bereit, mir in allen
schwereren Arbeiten nach Krften beizustehen. Durch die reichen
Erfahrungen auf seinen frheren Reisen in Amerika und Nord-Afrika, sowie
durch die Erzhlungen interessanter Episoden aus jener bewegten Zeit war
er mir ein uerst angenehmer Reisegefhrte geworden.

Wir blieben die ganze Zeit meines siebenjhrigen Aufenthaltes in
Sd-Afrika treue Freunde und sind es bis zur Stunde. Von F. kann ich
leider nicht dasselbe sagen, ein 17jhriger, unerfahrener Jngling, war
er nur gewhnt, das Leben von der leichtesten Seite aufzufassen--er
hatte wohl Mitleid mit jedem Geschpfe das in Nthen war, er nahm stets
einen guten Anlauf, doch dieser gute Wille war nicht von langer Dauer
etc. etc.--trotz Allem war ich ihm dankbar fr Alles, was er auf der
Reise fr mich gethan und wofr ich ihm hiermit nochmals danke.

Freund E. ging wieder an das Diamantendiggen, um nochmals sein Glck zu
versuchen, K. nahm auch sein Geschft wieder auf und F. vermietete sich
als Ladendiener, eine Beschftigung, bei welcher er, wahrscheinlich um
die Mannigfaltigkeit des menschlichen Charakters kennen zu lernen, vier-
bis sechswchentlich seinen Principal wechselte.

Als ich die Diamantenfelder verlie, um mich auf diese erste Reise zu
begeben, hatte ich mein kleines Zelthuschen, dem Gerichtsgebude
gegenber, in Miethe behalten und zog wieder in dasselbe ein; der Wagen
wurde hinter das Huschen geschoben, und die Zugthiere sofort verkauft,
um mit dem Erlse die zweimonatliche Miethe von 10  St. und je 3  St.
fr die Diener zu begleichen, sowie einiges Baargeld in der Hand zu
haben, da ich von allen Mitteln entblt nach den Diamantenfeldern
zurckgekehrt war.

Obgleich nur von sechsmonatlicher Dauer--war doch dieser Aufenthalt eine
sehr bewegte Zeit fr mich. Es gibt wenige Orte der Erde, wo der Arzt
nicht allein als solcher, sondern auch als Freund seiner Patienten
angesehen und angesprochen wird, und so ist es ihm ermglicht,
interessante psychologische Studien zu machen; die Beschrnktheit der
Rumlichkeiten, namentlich in der ersten Periode der Diamantenfelder, in
denen die Kranken wohnen muten--selbst bei Wohlhabenden oft eine
zahlreiche Familie in einem Zelte--macht es ihm mglich, nolens volens
das husliche Glck, die edlen, schnen Seiten des huslichen Lebens,
doch leider auch manch' trbe und traurige, manch' herzerschtternde
Scene zu beobachten. Und aus dem Arzte mute der Rathgeber, aus dem
Arzte mute der Frsprecher werden, zuweilen sah er sich selbst zu
Zurechtweisungen veranlat, wenn es auch oft allen Muth erforderte--mehr
Muth als im Kampfe mit einem wilden Thiere, an ein in Jahren
vorgeschrittenes, an ein graues Haupt mahnende, warnende Worte richten
zu mssen.--Was ich whrend meines Aufenthaltes in den Diamantenfeldern
erlebt und beobachtet, htte mir die reichste Praxis in dem
hundertthrmigen Prag nicht im vierfachen Zeitraume bieten knnen.

Ein eigentmlicher Fall verhalf mir wieder zum groen Theile zu meiner
ehemaligen Praxis. Eines Morgens, etwa um 5 Uhr wurde ich--wie es sich
spter herausstellte irriger Weise statt eines anderen Arztes--zu einem
Unglcklichen gerufen, der sich im Delirium tremens die Kehle
durchschnitten hatte. Meine Verlegenheit in diesem Falle war keine
geringe, da der grte Theil meiner chirurgischen Instrumente auf der
Reise in Folge ihrer Verwendung zu nichts weniger denn chirurgischen
Operationen, zerbrochen oder unbrauchbar war. Doch zum Ueberlegen war
keine Zeit, der Mann drohte zu verbluten, und so lief ich mit dem Boten
um die Wette.

Ich fand einen ltlichen Mann in seinem Blute liegend mit einer
klaffenden, 13 Zentimeter langen Halswunde, die er sich mit einem
Rasirmesser beigebracht hatte. Nach den zwei Schnitten hatte der Mann
noch dreimal in die so entstandene klaffende Wunde das Messer angesetzt,
so da der Kehlkopf im Ganzen fnf Schnitte zeigte.[1] Meinen
aufopfernden Bemhungen und meiner Pflege gelang es aber zu meiner
grten Befriedigung den Mann dennoch zu retten, trotzdem er nach den
ersten drei Tagen in einem Deliriumsanfalle sich den Nothverband
herabgerissen hatte.

    1: Siehe Anhang 10.

Da sich meine Patienten englischer Nationalitt mehrten, sah ich mich
nun genthigt, mich mit Eifer auf das Studium der englischen Sprache zu
werfen. Ein Drittel meiner Kunden waren Deutsche, ein Drittel machten
die Hollnder aus, ein Viertel der Patienten waren Englnder und den
Rest bildeten Eingeborne, Halfcasts aus der Colonie, Koranna's Fingo's,
Basuto's und Zulu's. Die Medicamente fr meine Kranken bezog ich aus der
Apotheke eines Englnders, mit Namen Anthony Davison, dem ich auch
seiner prompten Bedienung wegen, whrend meines Gesammtaufenthaltes in
den Diamantenfeldern treu geblieben bin.

Die Basuto-, die Zulu- und die Transvaal-Betschuanastmme stellten
damals das grte Kontingent zu den Tausenden der in den
Diamantenfeldern sich als Diener verdingenden Schwarzen. Sie bekamen 7
Sh. 6 P. bis 10 Sh. per Woche und die meisten blieben nur sechs Monate
in den Feldern, um, nachdem sie um 3 Sh. bis 4  St. ein Gewehr, dann um
15 Sh. fnf Pfund Schiepulver, etwas Blei und Kapseln, sowie eine oder
zwei Wolldecken, oder einen Hut etc. erstanden hatten, heimzukehren und
sich daheim eine Lebensgefhrtin zu kaufen. Jeder der Diener war seinem
Herrn durch einen, von einem eigens dazu angestellten Beamten
ausgefllten Schein zum Dienste verpflichtet, den er bei jedesmaligem
Platzwechsel erneuern mute, und ohne den angetroffen, er einer Strafe
verfallen war. Hatte er sich gut betragen und wollte er heimgehen, so
gab ihm sein Herr auf Ansuchen einen Zettel an die Magistratsbehrde,
von der dann fr den Diener ein Waffenschein ausgestellt, d.h. ihm die
Erlaubni ertheilt wurde, sich ein Gewehr zu kaufen. Auf diese Weise
hatten sich Tausende von den sowohl in der Kolonie als in ihren eigenen,
unabhngigen Staaten wohnenden Eingebornen Schiewaffen verschafft.

Ich erwhnte der Basuto's unter den obigen Stmmen. In den Jahren 1872
und 1873 bildeten sie wohl als Diener das grte Contingent unter ihren
dunkelhutigen Stammesverwandten. Es sei mir gestattet, ihnen hier
einige Worte zu widmen, um so das allgemeine Bild der Bantufamilie zu
vervollstndigen. Ich unterscheide in Sd-Afrika drei Eingebornenracen,
die Buschmnner, die Hottentotten und die Bantu's. Zu der ersteren
gehren die eigentlichen Buschmnner, zu der zweiten die eigentlichen
Hottentotten, die Griqua's und die Koranna's, zu der dritten die
Colonial-Kaffern, die Zulu's, Basuto's, Betschuana's, Makalaka's etc.,
mehr als 40 Stmme, doch kennen wir auch Uebergangsformen, wie zwischen
den Buschmnnern und den Bantu etc. Obgleich es dieser Stoff verdienen
wrde, grndlich behandelt zu werden, habe ich weder Raum noch Zeit, es
hier zu thun.[1] Von den obgenannten Familien hatten wir bisher
theilweise die Koranna und zwei Stmme der Batlapinen kennen gelernt.
Die Basuto's (ihre Sprache heit Sesuto) wohnen zum grten Theile an
dem Cornetspruit und am Caledon-River, zwischen diesen und den
Dracken-Bergen, also auf einem Gebiete, das vom Freistaat, vom Capland,
Normansland und Natal begrenzt wird. Sie leben unter englischer
Oberhoheit und dies seit ihrem Kriege mit dem Oranje-Freistaat, whrend
ein zweites Bantuvolk, die sdlichen Barolongen, als ihre westlichen
Nachbarn, Unterthanen der Oranje-Republik sind.

    1: Whrend meines Aufenthaltes in London im Jnner bis Mrz 1880 von
    der Anthropological Institute of Great Britain and Ireland
    aufgefordert, ber diesen Gegenstand zu sprechen, behandelte ich
    dieses Thema in einem speciellen Vortrage.

Unter allen Bantustmmen haben es die Basuto's in Bezug auf den Ackerbau
am weitesten gebracht. Ihnen zunchst stehen die Baharutse im
Maricodistrict der Transvaal-Colonie, deren ich auf meiner zweiten Reise
gedenken werde. Hunderttausende Centner Getreide werden in dem kleinen
Lndchen in guten Jahren producirt und man mu zugeben, da diese Stmme
jhrlich an Wohlhabenheit zunehmen. Sie besitzen auch groe Heerden von
Pferden und Rindern.

Als sich letzthin der sdlichste der Basutohuptlinge, der allerlei
unruhige Elemente, weggelaufene Diener, Diebe, aus dem letzten
Kaffernkriege flchtige Gaika's und Galeka's etc. bei sich aufnahm,
gegen die Englnder erhob und den Krieg mit Diebstahl erffnete, waren
es die brigen Basuto's, die freiwillig 2000 bewaffnete Reiter in's Feld
stellten, um den Englndern beizustehen. In der Bauart ihrer Htten und
in den brigen Arbeiten kommen sie bis auf wenige unbedeutende
Abweichungen den Betschuana's gleich, und nehmen in der eigenen
Industrie etwa die Mittelrolle unter den Bantuvlkern ein. Eines der
wichtigsten Unterscheidungsmerkmale ihrer Industrie von jener der
brigen Bantustmme ist, da sie aus Holz geschnitzte Fetische
(Gtzenbilder) verfertigen und diese meist roth und schwarz tnchen.
Thaba Bosigo ist der bedeutendste Kraal (Stadt) des Landes und Thaba
Unschu jener des von den Barolongen im Freistaate bewohnten Striches.
Gegen Norden sind die Basuto's bis an die Vereinigung des Tschobe und
Zambesi vorgedrungen.

[Illustration]




_Zweite Reise in das Innere von Sd-Afrika_

Nach Musemanjana--Moschaneng--Molopolole--Schoschong--und Rckkehr ber
Linokana nach den Diamantenfeldern.

[Illustration]




VIII.

Von Dutoitspan nach Musemanjana.

Vorbereitungen und Ausrstung zur Reise.--Meine diesmaligen
Reisegefhrten.--Aufbruch von Dutoitspan.--Klipdrift.--Platberg in
Gefahr.--Diamantenfund.--Afrikanische Wegmauth.--Hebron.--Wassermangel.
--Ein Grasbrand auf der Hochebene.--Hartebeest-Antilopen.--Ein theuerer
Labetrunk.--Gassibone's Kraal.--Rigers Abenteuer mit einer Cobra.
--Taung.--Ein Hollndischer Schmied.--Reverend Brown und die
Missionsstation in Taung.--Maruma.--Monkey's Freuden und Leiden.--Eine
dornenvolle Jagd.--Billige Diamanten.--Von Pavianen genarrt.--Unser
Empfang in Musemanjana.


[Illustration]

Whrend meines sechsmonatlichen Aufenthaltes machte ich unter anderen
Bekanntschaften (unter meinen Patienten) auch die dreier mit einander
nahe verwandter deutscher Familien, welche, um mir ihre Dankbarkeit fr
einige gelungene Curen zu beweisen, mich aufforderten, mir ein Huschen
in ihrem Hofe zu bauen, wohl in meiner Office, wo ich bisher wohnte, zu
praktiziren, allein in dem ersteren zu wohnen, damit ich eine bessere
Kost etc. und andere Bequemlichkeiten genieen und mich auch besser fr
meine zweite Reise vorbereiten knnte. Ich nahm ihren gtigen Antrag an,
und wohnte etwa zwei Monate unter ihnen, gerade die Zeit vor meiner
zweiten Abreise in's Innere. Ich betrachtete die Sprossen dieser Freunde
als meine Brder und Schwestern und wir haben immer dies
freundschaftliche Verhltni zu einander bewahrt. Sie waren mir alle zu
den Vorbereitungen zur Reise behilflich, und als ich, bis auf 120  St.,
die gesammten Kosten (gegen 900  St.) fr diese Reise zurckgelegt
hatte, da wurde es mir durch die Gte des einen der drei Familienvter
ermglicht, Gter zu denen, die ich schon fr baares Geld erkauft hatte,
von einem der Handelshuser in Dutoitspan im Werthe von 117  St.
geliehen zu erhalten, und schon vier Wochen vor der anberaumten Zeit die
Reise antreten zu knnen.

Diese Gter bestanden in Schiematerial, baumwollenen gefrbten Decken,
Tchern, Kleidern und Draht, und ich gedachte die Objecte als
Tauschgegenstnde zu benutzen, um uns, wenn nthig, Nahrung zu
verschaffen, hauptschlich aber, um ethnographische Gegenstnde und
Carossen aus verschiedenen Thierfellen fr meine Sammlungen zu erstehen.

Seitdem sich die Diamantenfelder zu purificiren begannen, viele Elemente
ausschieden und nur jene geblieben waren, die auf einen lngeren
Aufenthalt vorbereitet, sich wohnlich eingerichtet hatten, seitdem die
gesetzlichen und socialen Verhltnisse einen Umschwung zum Guten
erfuhren, haben sich die Central-Diggings einer europischen Grostadt
genhert. Frher herrschte zwar auch der Luxus der letzteren auf der
traurigen Ebene zwischen dem Modder- und Vaal-River, allein dieser Luxus
wohnte in Zelten und elenden Bretter- und Eisenhtten und war mehr Waare
als Gegenstand ruhigen und praktischen Genusses.

Im Jahre 1873, eben nach meiner Rckkehr von der ersten Reise, griff
eine lebhafte Auswanderung nach den Goldfeldern im Leydenburger District
der Transvaal-Republik um sich, und dies namentlich, weil aus dem
letzteren Staate sehr gute Nachrichten ber die Goldfelder einzulaufen
pflegten, und die Regierung der Transvaal-Republik mit der Idee der
Delagoa-Pretoria-Eisenbahn sich zu befassen begann. Diese Nachrichten
ermuthigten Viele, nach Leydenburg zu pilgern und Golddiggers zu werden,
ihnen schlo sich eine groe Zahl, der aus allen Erdtheilen meist mit
kleinen Baarschaften Zugewanderten an, die sich in den Diamantenfeldern
arm gediggt oder ihre Mittel zu gutem Theile vertrunken oder verspielt
hatten und daher begierig die Idee aufnahmen, an einer anderen Stelle
dem in Australien, Amerika, Neu-Schottland etc. vergebens gesuchten
Glcke wieder nachjagen zu knnen.

Je nher die Zeit des beabsichtigten Aufbruches rckte, desto eifriger
und umfangreicher wurden die Vorbereitungen betrieben. So wurde der
Wagen mit neuen Eisenbndern versehen, und um das Brechen der
Dachleisten--denn meine zweite Reise sollte mich durch bewaldete Partien
fhren--zu verhten, ein Eisendrahtnetz zwischen drei wasserdichte
Leinwandlagen eingelegt, was sich jedoch, sowie ein kleines
Aussichtsthrmchen, das am Wagen angebracht wurde, spter auf der Reise
als unnthig erwies. Ich selbst bentzte die Zeit, um mich in der
Reitkunst zu ben; an Gelegenheiten, meine Fertigkeit in dieser Hinsicht
zu erproben, sollte es auf der zweiten Reise nicht fehlen. Die ungesunde
Jahreszeit forderte auch bei mir ihren Tribut, ich verfiel in ein
heftiges Fieber, von dem ich mich nur allmlig erholen konnte, und
welches mich veranlate, die Abreise aus den Diamantenfeldern thunlichst
zu beschleunigen.

Freund E., der in der Old de Beers-Mine sein Glck als Diamantendigger,
allein mit immer gleichem Mierfolg erprobte, willigte ein, mich auch
auf dieser zweiten Reise zu begleiten. Er wollte auch ein Stckchen mehr
von Afrika sehen und nach seinen Worten mir helfen wo er konnte. Ich
bat ihn, die Oberaufsicht ber den Wagen zu bernehmen (wie auf der
ersten Reise), was er auch that, und derselben in der besten und
redlichsten Weise gerecht wurde.

Die zweite Reise sah ich keineswegs als meine Hauptreise an, sondern als
eine zweite, doch grere Versuchsreise, auf der ich wenigstens die
Hlfte der Strecke zwischen den Diamantenfeldern und dem Zambesi
zurcklegen und neue Erfahrungen fr meine geplante groe Reise nach
Central-Afrika sammeln wollte.

Unter meinen frheren Patienten befand sich auch ein junger Mann aus
Preuisch-Schlesien, der gewillt zu sein schien, mich auf dieser zweiten
Reise zu begleiten. Doch eines schnen Tages, nachdem ich fr ihn bei
seinen Glubigern gutgestanden und einen Theil seiner Verpflichtungen
getilgt, war er auf Nimmerwiedersehen verschwunden, mir es berlassend,
seine Glubiger zu befriedigen. Es war dies eine der gewhnlichen
Erfahrungen in den Diamantenfeldern, die damals noch ein Heer
zweifelhafter Existenzen beherbergten.

Durch Freund Eberwald's Frsprache lie ich mich trotz aller meiner
schlimmen Erfahrungen mit F. erweichen, ihn wieder als Begleiter auf die
Reise mitzunehmen. Als dritten Gefhrten brachte Freund E. eines Tages
einen seiner Bekannten, Herrn Boly aus Hannover mit und sprach sehr zu
seinen Gunsten; ich habe es spter nie bereut, da ich ihn acceptirte.
Einer meiner Kunden hatte mir ein Gespann von acht Ochsen und einen
Griqua als Triber besorgt.

Im Allgemeinen war ich diesmal viel besser ausgerstet als auf der
ersten Reise, ich hatte auch einen Sextanten erstanden, in dessen
Gebrauch mich ein gewesener Schiffsofficier unterrichtet hatte; leider
war es mir nicht vergnnt ihn bentzen zu knnen, da ich auf keine Weise
ein Exemplar des Nautical Almanach auftreiben konnte.

Am 3. November verlie ich endlich in Begleitung von Herrn Eberwald,
Boly, F. und einem Griquadiener, sowie neun Hunden, darunter meinem
treuen Niger, meinem Reitpferd und acht Zugthieren die Diamantenfelder.
Von Dutoitspan nahm ich den krzesten Weg nach Klipdrift; von Klipdrift
jedoch wollte ich bis Hebron, im Vaal-Thale aufwrts fahren und von
Hebron querfeldein die Richtung nach Gassibone's Stadt und dann weiter
nach dem von mir noch nicht besuchten Taung, dem Sitz des
Batlapinenknigs Mankuruan nehmen. Ich wollte auf diese Weise ein Stck
des rechten Vaalufers besuchen, das mir noch neu war und Gassibone's
Land von Sden nach Norden durchschneiden, whrend ich es auf der ersten
Reise von Westen und Ostsdost durchzog. Unseren ersten Reisetag
beschlossen wir an der Old de Beers-Farm.

Am folgenden Morgen ausbrechend, gelangten wir zu einem Trmmerhaufen,
einige Meilen vor den Ruinen eines Missionsgebudes in der Nhe der
jetzigen Pnieler Missionsstation gelegen, deren bereits Erwhnung
geschah. Auf dieser Strecke beobachtete ich eine Niederung in dem
Hochplateau, bevor wir noch seinen Abhang nach dem Vaal zu abzusteigen
begannen, in einen Binnensee von etwa 1 Meilen Lnge und Breite
verwandelt. Zahlreiche schwarze Strche und Kraniche liefen am Rande des
Gewssers umher. Als ich mich ihnen mit Niger nherte, folgte dieser
einer Spur in den Binsen am Ufer, blieb dann pltzlich stehen und machte
mich durch sein Wedeln auf ein kleines Binsendickicht aufmerksam, ich
machte mich schubereit, gab dem Hunde das Zeichen und er sprang
vorwrts; mit ihm zugleich sprang ein rothlffliger Hase aus den Binsen,
der unseren ersten Mittagstisch auf dieser Reise bereicherte. Wir
bentzten auf der Weiterfahrt die neue, unmittelbar ber dem Flusse von
den Strflingen in den Felsen gehauene Strae und wichen so dem tiefen
Sande auf dem Hochplateau, der uns auf der ersten Reise so viele
Schwierigkeiten bereitet hatte, aus; Abends hatten wir jene Stelle
erreicht, an der wir im Februar 1873 eine schlimme Nacht verlebt hatten.

Am folgenden Morgen wollte ich in den Bschen der Umgebung jagen, wurde
aber bald durch F. zurckgerufen, der mir berichtete, da bei dem
Trnken der Zugthiere, die zeitlich frh von Pit, unserem Griquadiener,
auf die Weide getrieben waren, eines derselben bis zum Halse im
Ufer-Schlamme eingesunken sei. Nur B. am Wagen zurcklassend eilten wir
zur Stelle und fanden Platberg, eines unserer Zugthiere in einer
schrecklichen Lage. Es war ein hartes Stck Arbeit, das Thier aus seiner
mehr denn ungemtlichen Situation zu befreien, doch gelang es; der Tag
war inde verloren, da wir dem an den Fen fast erlahmten Thiere
Erholung gnnen muten.

Am nchsten Tage hoffte ich das Versumte nachholen zu knnen und brach
mit Morgengrauen auf. Die Fahrt ging flott von statten, denn zu meiner
Ueberraschung fand ich die Strae seit meiner ersten Recognoscirungstour
in bedeutend besserem Zustande. Nach sechsstndiger Fahrt standen wir am
Ufer des Vaal.

Bevor ich noch den Flu in Klipdrift erreichte, hatte ich den Verlust
zweier Hunde zu beklagen, einer war whrend unseres nchtlichen
Aufenthaltes am Flusse, wohl zur Trnke gelaufen und da wahrscheinlich
von einer Hyne getdtet worden, der zweite kam nahe an Klipdrift unter
das Wagenrad und wurde getdtet.

Der Fhrmann am Vaal verweigerte uns den Dienst, indem er bei dem
niedrigen Wasserstande und dem Gewichte meines Wagens mit dem Boote
aufzufahren befrchtete; er verwies uns auf eine fluabwrts befindliche
Furth. Nach den unerquicklichen Erfahrungen des Ostersonntags, hie es
mit aller Vorsicht diese Furth untersuchen. Der Vaalflu war bis auf
eine kaum sechs Meter breite und  Meter tiefe Rinne ausgetrocknet,
diese Stelle war sandig, doch der brige Theil des Bettes ein einziges
aus kopfgroen und noch bedeutend greren Grnsteinblcken gebildetes
Gerlle. Ohne jeglichen Unfall wurde der Flu bersetzt und in der Nhe
von Klipdrift gelagert. Whrend der Rast berraschte mich Pit mit einem
etwa  Karat schweren Diamanten. Whrend die Ochsen grasten, lag er
stundenlang auf der Erde und durchsuchte den ausgesiebten Sand, der
schon frher von den Diamantengrbern ausgebeutet worden war. So hatte
er das Steinchen gefunden, ich nahm es an, um es meiner Sammlung
einzuverleiben, spter verlor ich es auf eine mir unerklrliche Weise.

[Illustration: Platberg's Befreiung aus dem Schlamme des Vaal.]

Wir brachen noch am selben Abende auf und fuhren eine steinige Hhe
hinan, auf der oben eine, dicht von jauchzenden, d.h. betrunkenen
Korauna's umlagerte Cantine stand. Der wiederholte Zuruf Wach mit det
wagon, Wach machte uns stutzig und bewog mich, anhalten zu lassen. Es
dauerte nicht lange und von rechts und links erschien ein durch das
Nachlaufen, doch auch von einem nicht zu seltenen Genusse des
gambrinischen Gebrues gerthetes Gesicht; das pltzliche Emportauchen
der zwei fleischigen mit mehreren dunklen Punkten und Stellen markirten
Gesichter war von einem mit heftigen Athembewegungen und
Hustenausbrchen unterbrochenen Redeschwall begleitet. Von der einen
Seite klang es hollndisch, von der andern englisch, was wollten
eigentlich die beiden Kerle? Pit war der erste, der die anscheinend
hochtnenden in Wahrheit aber unverstndlichen Phrasen aufzufassen
vermochte. Der eine war der Sheriff (Polizeibeamte), der zweite ein
Policeman, die Herren kamen nachgelaufen, um 10 Shillinge
Schadenersatz fr den Mann zu fordern, dessen Grund und Boden unsere
Zugthiere whrend unseres Aufenthaltes bei Klipdrift so schrecklich
zugerichtet haben sollten. Ich msse die 10 Shillinge begleichen, sonst
wrden sie mich nicht einen Schritt weiterziehen lassen. Obwohl ich mir
bewut war, da die beiden bereifrigen Diener der Gerechtigkeit eine
plumpe Finte gebrauchten, willfahrte ich ihren Forderungen; wir hatten
ihnen kaum den Rcken gekehrt, als F., den das Schicksal der 10
Shillinge beunruhigte, uns aufmerksam machte, da die beiden Gehilfen
der heiligen Hermandad in der Cantine verschwunden waren, um
hochstwahrscheinlich auf das Wohl des durch unsere Thiere geschdigten
Grundherrn ein Glschen Brandy zu leeren.

[Illustration: Grasbrand auf der Hochebene.]

Wir fuhren bis spt in die Nacht hinein, wobei wir uns von dem zur
Rechten nach Sdsdosten einen Bogen beschreibenden Vaalflusse
entfernten. Die bereiste Gegend waren bebuschte, steinige Hhen, die oft
von meilenlangen, ebenen Alluvialflchen gekrnt oder von solchen,
allmlig gegen den Flu abfallenden Strecken von einander getrennt
waren. Zahlreiche Feuer an beiden Seiten wiesen auf Korannagehfte hin,
aus den nheren konnten wir das deutliche Geblke der Bcklein und
Ziegen hren. Diese Gehfte schienen alle am Abhange der Hhen,
gewhnlich in einem Winkel, an vor Nord- und Nordwestwinden geschtzten
Stellen zu liegen. Wir begegneten noch zu solch' spter Stunde zwei
Halfcastmnnern, die von der Transvaal-Republik nach Klipdrift wanderten
und da sie uns auf zwei tiefe Regenschluchten, die wir bald zu
durchschreiten gehabt htten, aufmerksam machten, hielt ich es fr das
Gerathenste, nicht weiter die Gtter zu versuchen, sondern hier unser
Nachtlager aufzuschlagen. Bald loderte ein lustiges Feuer und prasselte
und sang mit unseren aufthauenden Lebensgeistern, ja auf F. wirkte
dieses und der duftende Mocca so mchtig ein, da er sich whrend des
Nachtimbisses feierlich erhob und den gefllten Blechbecher hochhaltend,
einen Toast auf die in Klipdrift weilenden Gerichtsmandarinen des 25.
Ranges ausbrachte; in welchen die Runde, das Blagesicht wie der
Schwarze einstimmte, da die Becher hell in die stille Nacht hinein
zusammenklangen.

Am 7. November blieb die Scenerie gleich der, die wir am Abend zuvor
beobachtet, nur hatten wir darber zu klagen, da kein Wasser in der
Nhe des Weges gefunden werden konnte, die mitgenommene Quantitt war am
Abend, Morgen und Mittag verbraucht worden und wir konnten frher denn
am Flusse auf keines hoffen.

Gegen 4 Uhr langten wir in Hebron an, wo wir uns jedoch nicht
aufhielten, sondern blos durchfuhren, um noch bei Tage zu der Stelle zu
gelangen, wo ich den Hebron-Christiana-Weg verlassen und querfeldein
nach Gassibone zu einhalten wollte. Seit den wenigen Monaten, die
whrend meines ersten Besuches des Ortes verflossen, waren die
Ueberreste der einst blhenden Stadt noch mehr zusammengeschmolzen. Der
schlechte Zustand des Weges gebot uns bald Halt. Ein junger Batlapine,
dem wir begegneten, offerirte sich uns am nchsten Morgen als Fhrer.
Gegen Mittag hielten wir unter dem Schatten eines breitkronigen
Mimosenbaumes unsere gewohnte Siesta und schlugen endlich, nach
mehrstndigem Marsche unser Nachtlager mitten auf der Hochebene auf.

Es war eine herrliche, eigentmlich anmuthende Scenerie, die sich uns
hier bot. Nach Sden und Westen umrahmten die Hebroner Hhen und ihre
dunklen von Purpurschimmer bergossenen Auslufer den Horizont, der nach
Norden und Osten die unabsehbare Ebene in wunderbar dunkler Frbung
berlagerte, und ein sicherer Vorbote einer, wenn wolkenfreien, so
beraus schnen sdafrikanischen Nacht war. Ein leiser Windhauch bewegte
um uns das blumenreiche, hie und da von dunkelgrnen, gruppenweise
zusammenstehenden Bschen berschattete Gras, dessen Keime der Wind
geset, das flchtige Wild in den Boden gebettet und das im Sommer die
unabsehbare Ebene mit einem grnen duftenden Teppich berzieht und im
Winter kaum je von weichem flockigen Schnee gedeckt wird,--nur die
gelblich-braune Frbung der Halme lt uns erkennen, da die Sonne dem
Norden zulchelt. Bald zngelt es berall unter und zwischen dem dicht
bereinander gelagerten trockenen Gezweige und die Flmmchen zu einer
Flamme sich vereinigend, streben nach einer Seite hin--nach Nordnordost.
Ob etwa nach der trauten Heimat zu? Der leise Abendwind, der sie
angefacht, eilt heute nach jener mir liebsten, nach jener gesuchten
Richtung hin, nach welcher so oft unwillkrlich das Auge in banger
Sehnsucht schweift. Das Feuer, die Ebene, Gassibone's Land, Afrika, sind
vergessen, das Ohr hrt nur zeitweilig menschliche Laute, Laute, die der
Gedanke sofort mit der fernen Heimat verknpft. Ein schwarzer, vor dem
mein Auge blendenden Feuer vorbeihuschender Schatten--es war der unseres
jungen Fhrers--gibt mich der Gegenwart zurck. Es war ein friedlicher
Abend, ihm folgte eine friedliche Nacht, ein Gegensatz zu der letzten,
eine gute Rast, gleichsam eine Strkung fr das, was uns Ahnungslose am
nchsten Tage erwartete.

Die Zugthiere, die etwas abseits grasten, kamen von selbst
herbeigelaufen und lagerten sich in des Wagens Nhe, whrend wir unsere
Decken in das duftende Gras werfend, weich gebettet, und berwoben von
den berhngenden zarten Stengeln, Rispen und Blthen, bald in den
wohlverdienten Schlummer fielen. Zeitlich machten wir uns nchsten
Morgens auf den Weg. Nach des Fhrers Worten schtzte ich die Entfernung
bis zur Stadt des Batlapinenknigs auf 35 englische Meilen; was uns
jedoch etwas erschreckte, war, da der Fhrer die Wassernoth der zu
bereisenden Gegend eingestand. Wir muten uns auch den Tag ber damit
begngen, Wasser fr das Mittagsmahl gefunden zu haben, ein Labetrunk
blieb ein unerreichbarer Wunsch.

Oft bei Nord-Richtung verfolgend zogen wir bald weiter und muten wohl
den von unserem Fhrer bezeichneten, monatelang Regen entbehrenden
Strich erreicht haben, denn je weiter wir zogen, desto gelblicher und
trockener wurde das Gras. Trotz des vorgeschrittenen Frhlings konnten
wir anfangs nur wenig, weiterhin gar keine neu aufgesprossenen Halme
sehen, nur selten gewahrte das Auge die erste, doch in Folge der Drre
schon halb vertrocknete Blattanlage der Amarillys.

Wir zogen allmlig bergaufwrts auf eine kleine Plateauhhe; je hher
wir kamen, desto seltener wurden die Bsche, desto drrer die ganze
Vegetation. Aus Nordwest erhob sich ein ziemlich starker Wind, der
sausend durch die hohen Grasstengel fuhr, da sich diese wie ein
Saatfeld bogen und hoben, und der uns hchst willkommen war, denn er
linderte die groe Hitze und khlte unsere brennenden Lippen. Die
Zugthiere, die 30 Stunden zuvor zum letzen Male getrunken hatten, kamen
nur sehr langsam vorwrts, wir konnten sie auch nicht in solcher Hitze
antreiben, da es bergan ging; seit zwei Stunden folgten wir einem
Fupfade und unser Fhrer meinte, da wir, auf dem hchsten Punkte des
Plateau's angelangt, uns etwas nach rechts wenden mten (West bei Nord)
und da auf Wagenspuren stoen wrden, da der Morena (Knig) zuweilen
jene Strecke mit Wgen befahren lasse--um Holz nach den Diamantenfeldern
zu bringen. Wenn wir dann ohne zu halten bis in die Nacht den Spuren
nach links folgten, wrden wir zu den erwhnten Eingebornenhtten
kommen. Das war fr uns halb Verdurstete eine trostlose Aussicht.

Whrend einer kurzen Rast am Abhange des Hochplateau's wurden wir auf
eine dunkle, lange Zeit hindurch gleichsam unmittelbar ber dem Plateau
schwebende Wolke aufmerksam, die von meinem Diener, von dem gemietheten
Fhrer, wie auch von uns allen als ein riesiger Heuschreckenschwarm
angesehen wurde. Am Rande der Hochebene angelangt, schreckte mich
pltzlich ein von den Gefhrten im Wagen ausgestoener Schrei aus meinen
Trumereien.--Ein Anblick, der mir und meinen Freunden einen Schrei des
Entsetzens entlockte, bot sich uns.--Die vor uns liegende, mit hohem,
trockenem Gras und Gebsch bedeckte Ebene, die wir durchziehen sollten,
war ein Flammenmeer. Der Brand kreuzte unsere Wegrichtung und war 5-6
englische Meilen weit entfernt, die graue Wolke, die wir eine Stunde
zuvor erblickt, waren die aufsteigenden, nach Ostsdost getriebenen,
dichten Rauchmassen. Der erste, der sich erholte, war der dunkle Fhrer,
der uns auf die kaum 20 Schritte entfernten Wagenspuren aufmerksam
machte, welche nach seiner Beschreibung mitten durch das Feuer fhrten.
Wir hatten uns auf 600 Schritte dem Feuer genhert, das nach rechts bis
an einem sozusagen parallel mit denselben laufenden Hhenzuge reichte,
das Land war nach dieser Richtung hin eben; nach links senkte sich das
Plateau nach der rechten Feuerflanke in eine etwa 300 Schritte breite
Mulde, an deren Ende das Feuer eben zu nagen begann; diese Mulde lag im
Hochplateau und war nach links von einem nach Norden felsig und steil
abfallenden, etwas bebuschten, etwa 40 Fu hohen Hgel begrenzt, der
zugleich den nrdlichen Abfall der Plateau-Erhebung bildete, die wir
eben erreicht hatten. Was war zu thun! Rasches, sofortiges Handeln war
nthig. Wir muten dem Feuer zu entkommen, und unsere schreckliche
Wassernoth bercksichtigend, deungeachtet vorwrts nach dem Wasser zu
gelangen trachten. Die Zugthiere waren auch zu mde, um einen sofortigen
Rckzug nach Sden oder Osten nach dem Vaalflusse zu nehmen, nach Osten
war es auch wegen dem rasch vorwrts schreitenden Feuer nicht mglich,
um so weniger, da die Zugthiere eine Hetzjagd durch das Gras wohl auf
eine Meile, allein kaum auf 10 oder 15 Meilen aushalten konnten, und
eine solche wre nach Osten unvermeidlich gewesen.

Es blieb nichts brig als vorwrts zu kommen; ja, vorwrts, allein wie,
um dem Feuer auszuweichen, vom rasenden Elemente verschont zu werden?
Das Gras um uns abzubrennen und so das Feuer zu erwarten war unmglich,
weil wir nebst einigen tausend Patronen 300 Pfund Schiepulver am Wagen
hatten, unmglich, weil die Wagenleinwand und das Holz durch die
sengende Sonnenhitze erhitzt, kaum das Anlegen der Hand gestattete und
von den vom Winde fortgetragenen brennenden Zweigen und glhenden
Blttern leicht in Brand htte gesetzt werden knnen und wir wohl
Spiritus und Branntwein, aber kein Wasser mit uns fhrten. Mein Blick
blieb an dem Hgel zur Linken hasten, wre es mglich, da unten in der
Schlucht durchzukommen?--Bis jetzt schien das Feuer etwa 300 Schritte
von dem Hgel entfernt, doch es nherte sich uns wie dem Hgel, wenn
auch dem letzteren, weil dieser etwas aus der Windrichtung lag, weniger
schnell. Ja, wenn wir nur mit dem Wagen schon an dem Hgel in dem noch
freien Zwischenraume angelangt wren, und so das Feuer, das etwa 100
Schritte breit war, umfahren htten knnen.

Hinter dem Feuermeere breitete sich eine meilenweite, schwarze Flche,
das abgebrannte Feld, aus, ber welche hie und da Flammen, die
Ueberreste eines brennenden Busches aufflackerten. Meine den Gefhrten
mitgetheilte Ansicht fand einstimmigen Beifall. Der dunkle Diener
begriff es a Bass sol dun und der Blick seines dunklen Auges zeigte,
da er sein Bestes thun wolle, um die Zugthiere in der angegebenen
Richtung zu fhren und in derselben zu halten.

Nun erst, nachdem ich mich auf mein Pferd geschwungen hatte, lie ich
meinen Blick ber die Strecke schweifen, die wir zu durchfahren,
nein,--zu durchfliegen hatten. Ich konnte mich eines Ausrufs nicht
enthalten, denn die circa 1000 Schritt messende Entfernung (bis an den
Hgel) war ein miger, in den unteren Partien etwas steiler, mit
niedrigen Bschen und Gras bewachsener, und mit Felsblcken berseter
Abhang; wie, wenn ein Rad bei dem raschen Fahren an einem der braunen
Steine zerschellen wrde?--Doch ich hatte keine Zeit zum Denken, meine
Gefhrten hatten ihre Posten eingenommen, Boly schwang die Peitsche und
gab mit dem gebruchlichen Fat an das Zeichen zur schleunigen
Flucht--dem Feuer entgegen, um dem Feuer zu entrinnen.

Durch das Geschrei, Hiebe mit Peitsche und Aesten, doch auch durch den
grauenhaften Anblick der Feuerwoge zur Rechten angetrieben, der wir mit
jedem Schritte nher kamen, jagten die Ochsen mit ihrer Last, wie mit
einem leeren Karren dahin. Oft whnte ich, da der Wagen schon auf der
Seite liege, so hoch kam zuweilen ein Rad auf einen der Felsenblcke,
whrend die beiden Vorderrder im nchsten Momente gegen das Gestein so
heftig anfuhren, da die Stangenthiere durch den Anprall niedergeworfen
wurden. Die Hitze wurde unertrglich, da wir noch immer den Wind gegen
uns hatten, das Prasseln des trockenen Grases und der Bsche, von denen
jedoch die meisten grnten, erfllte die mit dichtem Qualm und
brennenden Grasstengeln, Aestchen, Blttern etc. geschwngerte Luft mit
einem sinnebetubenden Getse; das Pferd, das ich auf dieser Reise ritt,
war kein scheues Thier, allein der Anblick zu seiner Rechten machte es
wild und unbndig, da ich es kaum bemeistern konnte.

Doch wir rasten weiter. Mehrmals stolperte mein Reitthier an Felsen und
fiel gegen Bsche an, denn ich mute die Wagenleinwand im Auge behalten,
um etwaige, sich da ansetzende Brandstcke rasch zu beseitigen und mute
auch noch Pit dem Fhrer und Boly dem Lenker die einzuschlagende
Richtung angeben, um den greren Blcken vor uns, die ich von dem
Pferde aus wahrnehmen konnte, auszuweichen. Das Schreien und das
Antreiben der Ochsen, welche dichte Schaumflocken abgeiferten, das
Laufen ber Stock und Stein, durch die brennende Tageshitze und die
Gluth der nahen Flamme, hatte meine Gefhrten im hchsten Grade
abgehetzt; als wir endlich die Niederung erreichten, muten wir einige
Minuten Athem schpfen, alle hatten sich mehr oder minder im Gesicht und
an den Hnden verwundet, waren unzhlige Male gestolpert und gefallen.

In der Niederung angelangt, fanden wir, da das Feuer sich bereits auf
100 Schritte der Anhhe genhert hatte, whrend 200 Schritte weiter ab
es ber 100 Schritte von ihr entfernt, zu erlschen begann, es war hier
durch eine trockene Regenschlucht gehemmt, whrend es nach uns zu eine
sehr seichte Stelle derselben, ber die wir ohne Mhe gesetzt,
durchgezngelt hatte. Mein Pferd zitterte, da es sich kaum auf den
Beinen erhalten konnte und die Ochsen bliesen (athmeten) schwer mit
zur Erde gesenkten Kpfen und doch hatten wir noch die schwierigste
Aufgabe zu lsen, wir muten, nur 30 Schritte vom Feuer entfernt, etwa
100 Schritte neben dem Brande zurcklegen, bevor wir nach links abbiegen
konnten. So kurz auch die Strecke war, die wir zurckzulegen hatten, sie
drohte uns sicherer Verderben zu bringen als jene, die wir von den
felsigen Hhen herabgestrmt hatten. Ein zwischen mir und dem Feuer kaum
15 Schritte vom Wagen entfernter, durch einen brennenden Zweig in
Flammen gesetzter, trockener Vaalbusch wurde uns zum zweiten Losungswort
dieser Hetzjagd.

Halloh an, die Zugthiere legten sich in's Joch, doch nach kaum fnf
Schritten, drngen sie von dem dichten Qualm betubt, nach dem
Felsenhgel, wobei sie den Wagen unwiderruflich umwerfen muten. In
diesem kritischen Momente setzt der neben ihnen an meiner Seite laufende
Genosse auf die andere, die Hgelseite ber, wo es ihm, den brigen
Genossen und dem dunklen Fhrer gelingt, durch Schlagen und Schreien die
Thiere wieder auf die ebene Flche herabzudrngen. Schlagt zu, schreit,
sonst sind wir verloren und fliegen in die Luft! Und nun ging es durch
den dichten Qualm, dicht herabnieselnde, von dem Winde aufgewirbelte
Asche, durch brennende Grashalme, Rindenstcke, glhende und brennende
Zweige--als wren wir bis auf das Gefhl der Selbsterhaltung sinnlos
geworden--mitten durch das Verderben vorwrts, um jene freiere, nur noch
80, 70, ja nur noch 50 Schritte entfernte, uns Rettung verheiende
Stelle zu erreichen. Die Hize wurde so furchtbar, da ich jeden Moment
die Wagenleinwand aufflackern zu sehen whnte.

Nur noch 20 Schritte--ob es die Zugthiere nur aushalten, sie keuchen und
wanken im Joche!--Endlich, Gottlob, da sind wir, zu unserer Linken ein
freies Grasfeld, zu unserer Rechten die etwa 10 Fu tiefe und 12 Fu
breite Schlucht und darber hinaus das schwarz verkohlte Gras. Ich
springe aus dem Sattel, nehme ihn rasch ab und lenke meine Schritte zu
den Gefhrten, die sich in's Gras geworfen hatten. Sie konnten kaum ein
Wort hervorbringen. Ihre Gesichter sind blutroth, die Hnde, von den
knorrigen Aesten und dem hufigen Fall blutig geritzt und geschunden,
die Augen drohen aus den Hhlen zu springen. Pit's Kleider, der mit den
Frontochsen zuerst die Hindernisse (Bsche etc.) zu bewltigen hatte,
sogar sein Hemd war in Fetzen zerrissen, vom Rcken und von der Brust
trpfelte Blut aus langen, doch glcklicher Weise nicht tiefen
Riwunden.

Weiterziehend, trachteten wir, uns einen Anhang hinaufbewegend, die quer
durch das Feuer nach Gassibone's Stadt fhrenden Wagenspuren wieder zu
erreichen, was uns wohl gelang, obgleich wir der mden Thiere halber
jede 200 Schritt stehen bleiben muten. Wir folgten den Wagenspuren in
nrdlicher Richtung ber ein ebenes Land, was den armen Zugthieren
wesentliche Erleichterung bot. Der Abend war inzwischen eingetreten. Ein
entsetzlicher Durst qulte uns, wir nahmen zum Essig unsere Zuflucht und
netzten damit die Lippen. Ein Ausruf Pits, der voranschritt, ri uns
alle aus dem dumpfen Hinbrten. Bass, kick (sieh) da so sin (sind) ye
det Hartebeeste? Wir alle beugten uns vor, ja, richtig, der Junge hat
ein gutes Auge. Quer ber unsere Richtung, einige 300 Schritte vor uns,
trappten drei Hartebeest-Antilopen an uns vorber. Doch wir waren zu
abgehetzt, zu mde, um ihnen mehr als unsere Blicke zu widmen.

In Afrika habe ich drei Hartebeest-Antilopenarten beobachtet, das
gewhnliche Hartebeest, das von der Colonie bis gegen den Zambesi, doch
hufiger in den sdlicheren und mittleren hochbebuschten Partien
Sd-Afrika's gefunden wird, ferner das Sesephi oder Zulu-Hartebeest,
welches dasselbe Terrain bewohnt, doch auch nrdlich vom Zambesi
angetroffen wird, woselbst ich auch die dritte Art vorfand, welche
jedoch der ersten nher als der zweiten Species verwandt ist, indem sich
die letzteren mehr dem Buntbock nhert. In Folge seines hammerfrmigen
Kopfes, sowie auch seiner winkelig gebogenen Hrner ist das eigentliche
Hartebeest die hlichste der Antilopenarten. Auf das Sesephi werde ich
noch zurckkommen, dem eigentlichen Hartebeest will ich in Folgendem
einige Worte widmen. Ich fand es am hufigsten zwischen dem Vaal und dem
Soa-Salzsee, doch hrte ich, da es auch im Osten und Nordosten der
Transvaal-Colonie und im nrdlichen Theile der Cap-Colonie hufig
vorgefunden wird. Das Thier ist mehr als andere Antilopenarten
ausgerottet und dies wohl, weil es weniger flchtig und dreister als
andere ist. Es lebt in kleineren Rudeln und wir finden es nicht selten
in den von dem gestreiften Gnu bewohnten Gegenden. Da es in dem
nrdlichen Theile des zentralen Sd-Afrika seltener als in den sdlichen
ist, hat wohl seinen Grund darin, da es von den Bamanaquato's ob seines
Felles anderem Wilde vorgezogen wird, und dies darum, weil sich
der stliche Bamanaquato zu seiner kleinen Carosse, seinem
Nationalmntelchen, das Fell dieses Thieres gewhlt hat.

In den bebuschten, doch weniger bewaldeten Gegenden jagt man es zu
Pferde; verfolgt, zeigt das Thier einen schwerflligen Lauf, der wohl in
seinem hohen Vorderleib und Widerrist seinen Grund hat. Ich glaube, da
diese Species (Antilopa caama), obwohl die gemeinste von den drei
genannten, doch zu den Seltenheiten in den europischen Thiergrten
gehrt und da die transzambesische Art gar nicht in denselben vorhanden
ist. In den Wldern wie im Lande der mittleren Betschuana's sucht man
sich ihnen durch Bume und Bsche gedeckt zu nhern, an solchen Stellen
trachten die Thiere sich womglich am Rande einer Lichtung oder in den
weniger bebuschten Partien aufzuhalten, um eine bessere Rundschau halten
zu knnen, whrend sie in den waldlosen Gegenden nur hoch und
gruppenweise bebuschte Partien und im Allgemeinen die Ebene bewohnen.
Von weien Jgern werden sie meist nur neben anderem Wilde, Elephanten,
Strauen etc. gejagt und erlegt.

[Illustration: Hartebeest-Gazellen.]

Der entsetzliche Tag war zu Ende, unser Fhrer hatte Mhe, den durch den
Brand mit Asche gefllten und unkenntlich gewordenen Wagenspuren zu
folgen und uns in der wahren Richtung nach der kleinen Niederlassung der
Eingebornen zu bringen. Nicht blos die Lippen waren hei, der ganze Mund
schien uns wie verkohlt und die qulende Trockenheit war bis in den
Schlund hinein zu fhlen. Wir sprachen nicht mehr und jeder suchte so
still als mglich sein Leid zu tragen. Wir hatten auf die Khle Nacht
gehofft, doch diese war ausnahmsweise warm und selbst der Wind hatte
aufgehrt uns etwas Erfrischung zu spenden. Endlich vernahmen wir
Hundegebell und bald darauf den monotonen Gesang der dunklen Mdchen,
ein Himmelsgesang fr unsere niedergedrckten Geister. Nie wieder mehr
auf meinen spteren Wanderungen habe ich diese monotonen, diese
einfachen, stets sich wiederholenden, mit Holzkastagnetten begleiteten
Weisen der farbigen Mdchen mit solcher Wonne, mit solchem Nachhall in
meinem Herzen begrt, wie an jenem Abend. Der Durst ist doch eines der
schrecklichsten Gefhle, welche die menschliche Natur niederdrcken,
abqulen knnen.

[Illustration: Kopf der Hartebeest-Gazelle. (Antilopa caama).]

Endlich erblicken wir am Abhang zu unserer Linken und etwas vor uns
einige rothleuchtende Stellen, welche auf ebenso viele Feuer
hindeuteten; ich lie den Wagen stehen, mit demselben Entschlusse hatten
meine Gefhrten und der Fhrer ein Gleiches gethan und wir alle eilten
nach den menschlichen Wohnungen zu. Die Kter kamen nun herangeflogen,
whrend das Singen verstummte und vor uns erschien eine dunkle Gestalt,
ein Bewohner der Huschen, nicht wenig berrascht, um diese Zeit und an
diesem Orte einen Wagen vorbeifahren zu sehen. So wie ich den Menschen
vor mir sah, strzte ich auf ihn los, fate ihn bei den Armen und schrie
ihm mit meiner heiseren Stimme Meci, Meci zu. Der so Angefallene stie
einen Schrei aus, wohl den Warnungsruf, denn unser Fhrer konnte, von
einem Lachkrampf darob erfat, gar nicht zu Worte kommen. In einem
groen Ochsenhorn brachte der Mann nach einiger Zeit eine belriechende
Flssigkeit, die er als seinen ganzen Wasservorrath bezeichnete und fr
deren Ueberlassung er eine halbe Krone forderte. Weder die Menge noch
die Qualitt dieser Flssigkeit waren jedoch hinreichend, um den
heftigsten Durst zu lschen. Es gelang uns endlich, unsere Wnsche dem
Manne verstndlich zu machen und in kurzer Zeit darauf brachte er und
zwei Frauen mehrere groe Tpfe mit Milch gefllt, deren Inhalt von uns
gierig verschlungen wurde. Nun galt es auch den Hunger zu stillen und
bald loderte ein groes Feuer, an dem eine Hammelkeule briet.

Der Steppenbrand bildete natrlich das Hauptgesprch; im Sden stand
noch immer eine hohe Rthe am Himmel, ein Beweis, da das Feuer
weiterschritt. Diese Brnde werden zuweilen durch Unvorsichtigkeit
verschuldet, doch in jenen Partien, wo Bsche und Bume seltener sind,
von Farmern oder von Eingebornen im Sptwinter angezndet und dies
namentlich in trockenen Jahren, um, wie die Leute sagen, das Wachsthum
des Grases zu befrdern. Dasselbe thaten frher die Strauenjger im
Innern, um die Straue, die das grn aufsprossende Gras mit Begierde
aufsuchen, an solche Stellen zu locken. Diese Brnde sind sehr oft in
den von den niederen, kaum 18 Zoll hohen Bschen (Scap [Schaf-]bschen)
bewachsenen Ebenen der Colonie und des Freistaates zu bemerken; auf etwa
drei englische Meilen nahegekommen, sehen wir dann in dunklen Nchten
einen oder mehrere gerade, lngere oder krzere glhende Streifen
langsam ber die Erde hinkriechen.

Am folgenden Morgen wieder aufbrechend fanden wir uns eine halbe Stunde
spter in dem schon zu einem Wege ausgefahrenen Wagenspuren, denen wir
im Mrz nach der Abreise von Gassibone gegen den Vaal-River zu gefolgt
waren. Hier verabschiedete sich unser freundlicher Fhrer und wir fuhren
bergab eine der Schluchten hinunter nach Gassibone's Residenz zu. Die
Seiten (d.h. Abhnge) der durchfahrenen breiten, sich nur nach der Stadt
gegen ihre Mndung zu verengenden Schlucht zeigten einen
terrassenfrmigen Abfall der Gebirgsschichten, die trotz des ppigen
Graswuchses deutlich hervortraten; die ebenen Partien dieser Terrassen
waren von der Natur mit Mimosenbumchen bepflanzt worden und boten so
einen, unseren auf Berglehnen angebauten Kirschbaumgrten nicht
unhnlichen Anblick.

Gegen Mittag fuhren wir in Gassibone's Stadt ein, durchschritten
dieselbe und lagerten unter einigen Bumen, etwa in der Mitte des
thalfrmigen Kessels, unmittelbar an einer Regenschlucht. Der Boden des
ganzen Kessels war ein ppiger Rasen, der, weil in der Tiefe liegend und
durch die oben in einer Schlucht liegenden Quellen befeuchtet, sich in
diesem Zustande erhielt. Pit trieb, von E. und F. gefolgt, die Ochsen
nach den Quellen, allein sie fanden dieselben von mehr denn 20 Frauen
umlagert und hatten ber 1 Stunden zu warten, bevor sie an die Reihe
kamen.

Es ist staunenswerth, unter diesen stlichen mit den Bamairen gemengten
Batlapinen so wenig Energie zu finden. Am Tage mssen in der trockenen
Zeit die Farmer stundenlang auf ihren Wasserbedarf harren. Wenn man die
Quellen ausreinigen und unterhalb derselben den feuchten, marschigen
Boden ausgraben und einen Damm errichten wrde, knnte man in der so
gewonnenen Cisterne nicht allein hinreichendes Trinkwasser fr die
Bevlkerung von Gassibone's Residenz-Kraal, sondern auch in dem
errichteten Teiche das nthige Trinkwasser fr eine groe Anzahl von
Hausthieren gewinnen.--Inzwischen war Gassibone selbst, von seinem
Bruder und einigen Mnnern begleitet, herangekommen, die meisten in
gewhnliche graue Baumwollkleider gehllt, einige noch trotz der Hitze
mit berhngenden Carossen, um zu forschen, was wir in seiner Stadt
begehrten. Ich ersuchte ihn, mir einen Ziegenbock zu verkaufen, da ich
auf der zwischen dieser Stadt und jener Mankuruan's am Hart-River von
Eingebornen hufig begangenen Strecke nicht allzuviel Wild anzutreffen
glaubte.

Es wrde das Ansehen Seiner kniglichen Hoheit geschmlert haben, wenn
er sofort eingewilligt htte. Es wren keine--spter meinte er--nur
wenige Ziegen da, dann begehrte er ein Glas Branntwein, setzte sich auf
unser Wasserfchen und begann den Verkauf der Ziege mit seinem Bruder
und dem herum im Grase hockenden und an einigen Bumen angelehnten
Gefolge bis in's Detail zu ventiliren. Da sie die Setschuana sprachen,
verstand ich sie nicht, vernahm jedoch unzhlige Male ein und dasselbe
Wort, welches ich spter Pit mittheilte und das mir von diesem als
Kalpater (Ziegenbock) verdolmetscht wurde. Endlich stand einer der
Mnner auf, kam auf mich zu, und meinte, indem er auf den Chef (Knig)
hinwies, da Morena Botlazitse Gassibone mir einen Bock fr ein half
pund berlassen wolle, ein Anbot, das ich sofort annahm. Seine
Herrlichkeit geruhte mich noch mit einem lngeren Gesprche zu beehren,
nach dessen Beendigung wir unsere Reise fortsetzten.

[Illustration: Ersehnter Labetrunk.]

Als wir durch eine der Stadt gegenberliegende Schlucht die Hhe
erreicht hatten, waren dunkle Wolken aufgestiegen, welche auf Sturm und
den so heiersehnten Regen deuteten. Wir hielten Kriegsrath und da Pit
meinte, da der Sturm sicher auf uns heranzge, spannten wir kaum drei
englische Meilen von der Stadt entfernt aus.

[Illustration: Niger und Cobra.]

Pit hatte richtig geurtheilt, die Wollen hatten sich zu dichten Massen
aufgethrmt, welche nher und nher heranrckten und bevor eine Stunde
verging, kam ein tchtiges Sturzbad auf uns herabgestrmt. Was htten
wir tagszuvor fr eine solche Wohlthat geboten! Es war einer der
heftigsten, etwa zweistndigen Platzregen, die ich in Sd-Afrika
beobachtet. Noch whrend des Regens kamen zwei halbnackte, einen hchst
widerstrebenden Ziegenbock heranschleppende Batlapinen auf uns zu.

Gegen Sonnenuntergang, als die schumenden Wasser abgeflossen, nur
noch in dnnen Strnchen der erzrnten Fluth nacheilten, verlieen wir
den Abhang und zogen weiter. Derselbe fhrte durch ein nur stellenweise
erweitertes Felsenthal, das zu unserer Linken dicht bebuscht war. Niger,
der voran eilte, fing pltzlich in dem hohen Grase zur Rechten zu bellen
an und schien dann etwas, was wir jedoch nicht sehen konnten, ber den
Weg zu verfolgen. Ich bemerkte, wie er nachsprang und dann stets wieder
zurckfuhr, was mich nicht wenig befremdete. Wir hielten sofort an und
eilten Niger nach. Er stand nun an dem, einen der riesigen
Termitenbauten--eine hohe nach oben zu offene Rhre--umgebenden Dickicht
und bellte die darin versteckte Beute heftig an, worin ihm nun unsere
brigen Kter treulich halfen. Unser Erstaunen war nicht gering, als wir
eine ber 7 Fu lange, gelbliche Cobra capella, welche sich um die Rhre
geschlungen und den Hund mit dick aufgeblasenem Halse laut anzischte,
erblickten. Ein Dunstschu machte ihr bald den Garaus und ich zog das
Reptil aus dem Busche um es meiner Sammlung einzuverleiben.

Gegen Abend erreichten wir ein breites Thal, verlieen hier das
Hauptthal und wandten uns lngs eines Felsenabhanges nach Norden, auf
den uns als krzest bezeichneten Weg nach Taung zu. Kaum einige
Wagenlngen die neue Richtung verfolgend, drang von den mit Sykomoren
bewachsenen sandigen Felsenzinnen ein vielstimmiges, wenn auch
verschieden modulirtes, doch in der Mehrzahl im tiefen Bariton gebelltes
Cha-Cha, der Ruf der Paviane zu uns herab; unsere Hunde antworteten
und rannten gegen den Felsen an, whrend wir die flchtigen, gelenkigen
Affen im saftigen Grn der Sykomoren und im drren Mimosendickicht
verschwinden sahen; wir trachteten zwar, unsere Gewehre ergreifend,
einen Vorsprung zu gewinnen, allein sahen bald das Nutzlose unserer
Verfolgung ein und schlugen, zum Wagen zurckgekehrt, unser Nachtlager
auf.

Ein khler, frostiger, umwlkter Tag folgte. Wir berschritten einen
Kessel; an einer der kahlen Berglehnen standen einige Batlapinenhtten.
Es waren schon des neuen Herrschers Leute, Mankuruana's Unterthanen, die
hier etwas Feld anbauten und in gewisser Hinsicht die Grenze gegen
Gassibone's Heerden zu bewachen hatten.[1]

    1: Siehe Anhang 11.

Wir kamen ber einen Hhensattel in ein dichtbebuschtes Thal, dessen
Abhnge mit mannigfachem Gebsch bewachsen waren. Das Thal ffnete sich
in einen andern weiten Kessel, der hunderte kleine, kaum 200 Schritt im
Umfange zhlende, aufgegrabene Grundstcke barg.

Nach einer 1stndigen Fahrt durch diese den Gefilde verlieen wir den
Kessel und einige Hhen berschreitend, sahen wir das Thal des centralen
Hart-Riverlaufes vor uns liegen. Diese Hhen um Taung bilden ein
frmliches Netz, und obgleich sie wohl kaum 800 Fu ber das Bett des
Flusses emporragen, sind sie die hchsten des Hart-Riverthales und
bieten manche recht anziehende Scenerie. Wir hatten den stlichen Abhang
der Hhen, an die wir zuerst gekommen waren entlang zu fahren und dann
uns nach Norden zu wenden, um zu der Furth zu gelangen; Taung, oder
Mahuras-Town, wie es auch nach dem frheren Herrscher genannt wird,
liegt am rechten Ufer des Flusses, etwas ab von dem Flusse im Schutze
und am Abhange einiger Felsenhhen. Der Flu wlzte einen Schwall
gelblichen Wassers durch sein stellenweise mit Schilfrohr
durchwachsenes, doch auch sehr steiniges Bett. Dem Abhange der Hhen
entlang fahrend erblickten wir unter uns ein Eingebornendorf am Abhange
liegen, in dem es lebendig wurde, als man den Wagen bemerkt hatte. Es
whrte auch nicht lange, als sich eine der unangenehmsten Scenen vor uns
entrollte, die ich in Afrika unter den Wilden beobachtet habe.
Halbnackte, in schbige Carossen und zerfetzte europische Kleider
gehllte Mnner, spter auch nackte Kinder und nur mit kurzen
schmutzigen Lederschrzen versehene Frauen kamen aus den Wohnungen
heraus und auf uns zugestrzt. Die einen hielten uns leere, schwarze
Flaschen, andere Tpfchen entgegen, whrend sie Suppy--Bass, verkup
Brandwen--andere Brandy, Brandy schrieen. Die Einen hielten uns ein
Schakal- oder Deukerfell, die anderen Ochsenriemen, Peitschen, Einer ein
Joch, sein Nachbar hlzerne Lffel, ein Greis eine Holzschssel
entgegen, fr welche Gegenstnde sie Branntwein eintauschen wollten. Als
wir auf all' dies wie auf eine Mrchenscene herabschauten und ohne uns
um die Halbnackten zu kmmern weiter fuhren, da stellten sie sich gegen
den Wagen, ergriffen die Ochsen an den Hrnern und suchten sie zum
Stillstehen zu bringen, was ihnen auch gelang.

Wir haben keinen, gaben wir allseitig als Antwort zurck. Da brachten
Einzelne einige schmutzige Shillinge hervor und glaubten uns dadurch
nachgiebiger zu stimmen. Inzwischen hatten einige ihren Frauen zugerufen
und diese kamen mit Milchsckchen, auch eine Ziege brachten zwei
derselben geschleppt. Wir waren frmlich umlagert. Doch all' das
Schreien, Gesticuliren und der Widerstand gegen unseren Weitermarsch
ntzte nichts. Ich gab nicht einen Tropfen des Feuerwassers her und es
blieb ihnen nichts brig, als Einer nach dem Andern abzutreten und uns
ziehen zu lassen. Einige jedoch folgten uns bis zur Furth, sie dachten,
hier wrde ich ihnen, abseits von ihren Genossen, ihren Willen thun und
boten mir fnf Shillinge fr eine Flasche, doch vergeblich.

Wir alle waren froh, nach einem so anstrengenden, unangenehmen Marsche
endlich auf einige Stunden rasten zu knnen. Der Flu war an der Drift
etwa 60 Schritte breit, zeigte eine einzige steinige Insel in der Mitte,
so da wir gleichsam zwei Arme zu berschreiten hatten, die Strmung war
jedoch so bedeutend, da meine Gefhrten zu warten vorschlugen. Ich
konnte jedoch ihre Ansicht nicht theilen. Kaum einen Bchsenschu von
uns entfernt, im Schatten eines groen Cameeldornbaumes, stand ein Wagen
und zwei Zelte, wie wir sehen konnten, von einer weien Familie bewohnt,
daneben mehrere alte, gebrechliche Wgen und ringsherum lag
Schmiedematerial. Die Stadt war durch den Aufenthalt zweier Schmiede
beglckt, von denen einer nahe an der Furth, der zweite weiter aufwrts
in der am Eingange von dem Missionr bewohnten Schlucht seinen
Aufenthaltsort genommen hatte. Der Eine hatte sich schon eine Heerde von
Rindern und Schafen, mit denen er fr seine Arbeiten bezahlt wurde,
erworben (doch klagte er, da sein Verdienst in der letzten Zeit ob der
Verarmung der Leute ein karger sei), whrend der andere seinen Erwerb
bei der nchsten sich ihm darbietenden Gelegenheit in Branntwein
verjubelte. Da natrlich diese beiden groartigen Schmiedewerksttten,
d.h. die Firmen und die Handwerker, in grimmiger Feindschaft lebten, ist
selbstverstndlich.

Um Auskunft ber die Brauchbarkeit der Furth befragt, theilte uns der
Schmied mit, da die Hndler, die Elephanten- und Strauenjger, sowie
die Missionre, wenn sie von den Diamantenfeldern kommen, kurz alle,
welche die krzere Tour ber Kuruman einschlagen, hier durchkmen, da
aber ein Drittel der Reisenden an dieser Drift Schaden an ihren Wgen
leide. Der Chef that nichts, um sie zu verbessern und es htte auch
eigentlich nicht viel geholfen, da der Flu groe Mengen Sand, Erde und
oft groe Steine herabschwemmte und auf diese Weise die Furth nach jedem
Hochwasser ein mehr oder weniger verndertes Aussehen erhielt.

Seinem Rathe folgend bersetzten wir den Flu im Laufe des Nachmittags
und kamen glcklich an das jenseitige Ufer, an dem wir Halt machten und
uns dann auf den Weg nach Taung begaben. Nachdem wir einen Theil der
Stadt der Eingebornen durchschritten hatten, kamen wir an das von einem
Grtchen umgebene, aus Stein erbaute und mit einem mit Gras gedeckten
Giebeldach versehene Missionsgebude. Wir traten in dasselbe ein und
fanden uns einem etwa dreiig Jahre alten Manne mit langem blonden Bart
gegenber, der uns erstaunt, namentlich den bewaffneten F., anblickte.
Ich stellte mich vor, legte ihm mit wenigen Worten den Zweck meiner
Reise dar, was den Missionr, Herrn Brown, gleich freundlicher stimmte.
Er entschuldigte sich ber die Einfachheit seiner _library_
(Studirzimmers), das ihm auch fr seine Kranken als Ordinationszimmer
diente und theilte mir mit, da er eben an einem Setschuana-Wrterbuch
arbeite.[1] Nachdem er mich ber die Dauer meines Aufenthaltes in Taung
befragt, lud er mich ein, um nicht von den Eingebornen des Branntweins
halber belstigt zu werden--meinen Wagen in die Nhe seines Gehftes zu
bringen und daselbst mein Lager aufzuschlagen da selbst Mankuruana die
Reisenden oft unntz aufhielt und belstigte, war ich in der Nhe des
Missionrs auch gegen ihn am besten gesichert. Doch er war diesmal nicht
daheim, sondern in Kuruman bei dem Chef Mora zu Besuche, wohin auch die
Gemahlin des Rev. Brown mit ihren Kindern abgereist war, um einige
Wochen in der Gemeinschaft der Frauen der dortigen Seelsorge
zuzubringen.

    1: Es ist seither verffentlicht worden.

Unter den Batlapinenstdten nimmt Taung unstreitig den ersten Rang ein,
einesteils durch seine malerische Lage an einem der Haupt-Verkehrswege
nach dem Innern, anderntheils durch seine Einwohnerzahl. Leider war
seine Wohlfahrt von Jahr zu Jahr gesunken und ich glaube, da sich Taung
wohl jetzt, nachdem der Export von Spirituosen nach Mankuruana's Land
von der Regierung in Griqualand-West mglichst erschwert wurde, wieder
heben und namentlich Getreide, Vieh etc. nach den Diamantenfeldern
exportiren wird, wozu ihm seine relativ geringe Entfernung von diesem
Markte sehr zu Gute kommt; auerdem ist der Stadt durch ihre Lage in der
Nhe des Hart-Rivers die Mglichkeit geboten, die bebauten Niederungen
regelmig und ergiebig bewssern zu knnen. Die frhere Einwohnerzahl
von Taung lt sich mit 5-6000, die gegenwrtige (1879) mit 3500-4000
angeben. Die Zahl variirt um 500, weil sich manche Familien
periodenweise zu ihren Viehposten, auf denen ihre Diener das Vieh hten,
entfernen, die Mnner oft in grerer Zahl auf Jagd ausgehen und andere
wieder ihre Makalahari-Diener mitbringen.

Um die Zeit meines Besuches und drei Jahre nachher (1877) gab es fr
Taung schlimme Zeiten, die theils durch die Aufregung whrend der Kmpfe
gegen den Vasallenchef Mora und gegen Gassibone, theils durch groe
Trockenheit und deren berall fhlbare Folgen bedingt waren. Im Jahre
1872 starben mehrere Familien in Taung Hungers, weil sie alles, selbst
das letzte Fell, auf dem sie lagen, das Holz von den Dchern ihrer
Htten den Brandyverkufern opferten.

Im Jahre 1843 wurde die London Missionary-Station in Taung durch Mr.
Ro erffnet. Knig Mahura (der Onkel Mankuruana's) verlie jedoch die
Stadt, um sich auf der Hhe des Mamusaberges (zwei Tagreisen
stromaufwrts) anzusiedeln, wohin ihm, nach der Mitteilung meines
hochgeehrten Freundes, Rev. S. Mackenzie von Kuruman, der weie Prediger
nachfolgte, und dort auch verblieb, als es Mahura einige Jahre spter
wieder einfiel, Taung zu seiner Residenz zu machen. Herr Ro hatte an
beiden Orten Kirchen erbaut, die seitdem in Ruinen verfallen sind, und
schlug dann seinen Sitz in dem auf der ersten Reise erwhnten Lekatlong
auf.[1] Im Jahre 1858 spielte sich in Taung die Scene eines grausamen
Kampfes ab, dessen Opfer wir noch als bleichende Gebeine in den
Felsenklften der Taung berragenden Hhen finden konnten. Das Schicksal
der Mahuras-Batlapinen war um so hrter, als sie unschuldiger Weise in
diesen Krieg, der mit dem Kampfe in Taung seinen Abschlu fand,
einbezogen wurden.[2]

    1: Herr Ro, der ein hartes, beschwerliches Leben unter den
    Batlapinen fhrte, starb im Jahre 1863.

    2: Siehe Anhang 12.

Die alte verfallene Kirche war durch eine neue ersetzt worden, welche
einem unserer gewhnlichen, lndlichen Arbeiterhuschen nicht unhnlich,
in Taung auer dem Missionshause das einzige im europischen Style
gehaltene Gebude war und von der hiesigen Gemeinde mit nicht geringem
Stolze angesehen wurde. In ihrer Nhe hing in einer eingepflanzten
Baumgabel ein Glckchen, deren Schall hinreichte, die kleine Gemeinde
zur Versammlung aufzufordern.

Der Schmied in der Schlucht, hinter dem Missionsgebude war mit dem
Schmieden eines jener schweren Rosenkrnze beschftigt, deren sich die
Gerechtigkeit bedient, um Uebelthter zu strafen und an den Ort ihrer
Einsamkeit zu fesseln; er war fr einen Cap-Bastard bestimmt, der einen
Jungen in der Stadt erschossen, und nun an die Behrde von Klipdrift
ausgeliefert werden sollte.

Am Nachmittage des 12. November setzten wir unsere Reise in
nordnordstlicher Richtung und in miger Entfernung vom Hart-River
aufwrts bis zu dem von Barolongen bewohnten Kraal (Stadt) Maruma fort,
welcher Ort unter der Oberaufsicht eines gleichnamigen Chefs stand.
Bevor wir diese, am Abhange einiger Hhen und in einem engen in das
Hart-Riverthal einmndenden Seitenthale gelegene Stadt erreichten,
begegneten wir zahlreichen von der Feldarbeit heimkehrenden Frauen,
welche sehr primitive eiserne Hauen und Holzbndel trugen.

Das Thal, in dem Maruma liegt, wrde dem Maler eine anziehende
Felsenscenerie bieten und ich bedaure nur, von anderweitigen
Beschftigungen whrend des Aufenthaltes in derselben so sehr in
Anspruch genommen worden zu sein, da ich es selbst nicht skizziren
konnte. Felsenthore und schroff abfallenden Ruinen nicht unhnliche
Felsen wechseln hier ab, und durch sie einerseits, sowie durch die an
dem gegenber liegenden Abhange sichtbaren dunklen Eingebornengehfte
andererseits wird das den Boden des engen Thales schmckende Grn sehr
gehoben.

Trotz der letzten heftigen Regen war das Flchen des Thales bis auf
einige in demselben gegrabene Lcher vollkommen trocken, der Regen war
nur auf gewissen, uerst beschrnkten Partien gefallen.

Bevor ich Dutoitspan verlie, hatte ich eine Meerkatze erstanden, welche
ich der Unterhaltung halber mit mir nahm. Monkey hatte ihren Sitz oben
am hinteren Wagenende und war mit einem Kettchen an eines der
Seitenbretter gebunden. Komisch war es anzusehen, mit welcher Angst der
Affe die Gebsche und Bume beobachtete, an denen wir knapp
vorbeifuhren, und welche oft die Seiten des Wagens oder das Dach
streiften. Er legte sich flach auf das Wagendach, um drre Aestchen ber
sich hinwegstreichen zu lassen, whrend er bei strkeren hinten auf das
untere Wagenbrett herabsprang, um, so wie wir die vermeintliche Gefahr
passirt hatten, seinen frheren Sitz sofort einzunehmen. Dieses
zeitweilig recht bissige Affendmchen hatte Tag fr Tag lngere Zeit
einer ueren Besichtigung und Untersuchung des Thrmchens am Wagen
gewidmet. Steckte Einer von uns seinen Kopf zu einem von dessen vier,
nur mit einem Drahtnetz berzogenen Fenstern heraus, so kam sie, leise
die Zhne aneinanderschlagend--was bei ihr eine Bitte oder
Zufriedenheit ausdrcken sollte--heran und trachtete in das Innere des
Wagens hineinzuschlpfen, was wir natrlich nicht gestatten konnten, da
unter dem Thrmchen die eine der beiden Zucker, Reis, Kaffee, Thee,
Zwieback etc. enthaltenden Speisekisten aufbewahrt lag. Monkey wute uns
inde doch zu berlisten und sehr geschickt in das Drahtnetz Bresche zu
legen. Obgleich wir den Einbruch bemerkt hatten und das Dmchen zur
Flucht zwangen, hatte sie sich doch schon ihre Backen mit Reis gefllt,
whrend sie mit beiden Hnden ein riesiges Brodstck nachzuschleppen
sich bemhte.

Zur Mittagsstunde des 13. November verlieen wir das Thal und hielten
schon nach einer kurzen Fahrt zwischen einigen Felsenhgeln, an einer
ppigen Weidestelle. Whrend der Rast erlegte ich einen schnen
Raubvogel (Melierax canorus) und die schon frher erwhnte Art eines
Landleguans.

[Illustration: Bei Taung um Branntwein bestrmt.]

An einem seichten Bache bemerkte ich einen schuppigen Gegenstand, der
sich bei nherer Besichtigung als eine der genannten Riesenechsen
entpuppte, welche sich bei meiner Annherung zu verbergen suchte. Ein
Schrotschu tdtete sie auf der Stelle und verschaffte mir den ersten
Balg dieser Species, dem spter noch mehrere folgten. Zum Wagen
zurckgekehrt, traf ich einige mit einem alten, dachlosen Wagen auf ihre
Viehposten ausziehende Barolongen von Maruma. Der Wagen, dessen vier
Rder nicht in einer und derselben Werksttte gearbeitet waren, schien
jeden Moment auseinanderfallen zu wollen, welcher Befrchtung ich dem
Eigentmer desselben gegenber Ausdruck gab; doch dieser lachte, da
seine Perlenzhne glnzten und meinte, der Koluj (Wagen) msse noch oft
den Weg hin und zurck machen. Um uns von der Reisetchtigkeit desselben
zu berzeugen, setzte er das Gespann vor unseren Augen in Bewegung; das
war ein Getse, Geklapper, Geknarre und Gepolter, jedes Rad hing anders
und lief anders, die Seitenbretter bogen sich und die Bodenbretter
schnellten auf und nieder zum nicht geringen Vergngen der in einer
dichten Gruppe auf dem Wagen sitzenden Frauen und Kinder.

Wir nherten uns nunmehr der nordstlichen Grenze des Batlapinenreiches
und ich hoffte bald jenes schon erwhnte, kleine unabhngige Knigreich
der Mamusa-Koranna's zu erreichen.[1]

    1: Siehe Anhang 13.

Am 14. November wandten wir uns direct nach Norden und kamen auf eine
sehr ausgedehnte, mit hohem Buschwerk bewachsene Ebene, auf welcher
heftige Regengsse uns zu fterem Stillstande nthigten. Zwischen den
hohen Marethwa-Bschen sprangen hufig Antilopen auf und entfachten
meine Jagdlust. Doch diesmal war die Jagd keine leichte, ich mute
unaufhrlich das Pferd bald nach rechts, bald nach links wenden, um den
gruppenfrmig beisammenstehenden Bschen auszuweichen. Ich sah jedoch
bald ein, da ich auf diesem Wege nicht zum Ziele gelangen knne, ich
mute meine Taktik ndern und geradewegs durch die Bsche jagen. Schon
setzt das Pferd in einen kleinen Busch, doch pltzlich hielt es an; es
ist in ein niederes, kaum 1 Fu hohes, mit Doppeldornen versehenes
Mimosengebsch gerathen; ehe ich das Pferd zurcklenken kann, macht es,
wohl in der Absicht um darberzukommen, einen zweiten, einen dritten
Satz, doch leider nur immer tiefer in den Dornbusch hinein, es fngt
endlich an auszuschlagen--armes Thier; ich sehe zwar vor mir eine kleine
offene Stelle in dem greren Gebsche, doch derart mit Wartebichidorn
berhangen, da ich keine Lust verspre, den Versuch eines Durchbruchs
zu wagen. Aufwiehernd macht das Pferd noch einen Satz, der Vorderleib
des Thieres war nun wohl aus den Dornen, doch war mir Hut und Jacke
zerrissen; mit den Hinterfen noch immer in den Dornen gefangen,
schlgt der Rappe wieder und wieder aus und hopp--hopp--gerathe ich
selbst immer tiefer in die Dornen hinein.

[Illustration: In Dornen gefangen.]

Nicht alle Kinder Flora's spenden Wohlgerche und Honig, manche, die
Armen, sind von ihr stiefmtterlicher bedacht worden und diese lassen
nun ihren Unmuth, wo sie nur knnen, an den Sterblichen aus; Mutter
Flora hat viele solcher Stiefkinder nach Sd-Afrika verbannt; mich haben
sie oft geherzt und gekt, doch wenn ich auch Afrika wieder aufzusuchen
gedenke, nach ihnen sehne ich mich wahrhaftig nicht.--Je mehr ich mich
der dornigen Umarmung zu entwinden suchte, desto fester wurde diese
endlich kam der Gaul mit den Beinen aus dem niederen Dorngebsch heraus,
wurde ruhiger und ich konnte nun, das Gewehr auf den nchsten niederen
Busch werfend, abzusitzen trachten. Es gelang mir schlielich, das Pferd
durch eine schmale Spalte aus dem Gebsche heraus zu ziehen und uns
beide von den Dornen zu befreien. Gesicht und Nacken, Hnde und Arme,
sogar die Schenkel brannten wie Feuer; ich kam zum Wagen zurck wie ein
Held aus einer Katzenschlacht.

[Illustration: Billige Diamanten.]

Ungefhr um die Mittagszeit fuhren wir in einen seichten Thalkessel ein.
Am Abhange der Felsenhhen erblickten wir einige Eingebornen-Gehfte.
Der Kessel ffnete sich nach Osten zu auf eine groe, mit hohem, drrem
Gras bewachsene Ebene, auf der sich eine Heerde der zierlichen
Springbcke in Neckereien erging. Als wir nach unserem Mahle und einer
etwa zweistndigen Rast weiter ziehen wollten, sahen wir von Norden her
einen Kafirwagen herankommen. Pit begrte den Eigenthmer, einen in
einen langen Ueberrock gekleideten Batlapinen, den er von Klipdrift her
kannte. Dieser Mann war frher arm, jetzt, meinte Pit, wre er reich,
htte groe Heerden und zwei Wgen und wandere unter den Barolongen
zwischen dem Hart-River und dem Molapo, um ihnen allerlei Artikel, die
er in den Diamantenfeldern einhandle, zu verkaufen. Als der Ankmmling
von Pit hrte, da wir von den Diamantenfeldern kmen, fragte er,
welcher der Ba (der Herr) des Wagens sei. Nachdem er es erfahren,
grte er mich mehrmals mit seinen kleinen listigen Augen, ging zweimal
um den Wagen herum und dann an mich herantretend berhrte er mit der
Hand seinen Hut und sagte Sir. Dabei brachte er aus seiner Tasche eine
etwa drei Zentimeter hohe und sechs Zentimeter im Durchmesser haltende
Blechdose, wie sie in der Regel den Eingebornen als Schnupftabaksdose
verkauft wird, zum Vorschein. Grinsend schttelte er das Dschen. Ich
begriff sofort, auf welche Weise der Mann reich geworden war. Mit der
Hand nach den bei seinem Wagen stehenden Dienern weisend, meinte er, die
htten in den Diamantenfeldern gearbeitet und ihm dies--dabei ffnete er
die Dose--heimgebracht. In der Dose lagen etwa 20 Diamanten, der grte
etwa 3 Karat. Obgleich er blos 30 Shillinge fr die Edelsteine
verlangte, ging ich auf den Kauf nicht ein, denn die Steinchen waren
jedenfalls von den Dienern des Schwarzen in den Diamantenfeldern
gestohlen.[1]

    1: Siehe Anhang 14.

Auf dem nachmittgigen Marsche fing ich eine grere Anzahl von
Rsselkfern unter den Blttern einer lilienartigen Pflanze, sowie
mehrere, noch nicht beobachtete Heuschreckenarten. Als wir Abends bei
strmendem Regen unter dem Schutze eines ausgespannten Segeltuches unser
Lager ausgeschlagen hatten, entfesselte unser Affendmchen die Lachlust
Aller. Ich reichte ihr einige Kfer, die kleineren nahm sie in ihre
Hnde, beroch sie, und dann den Kopf ohne oder mit dem Thorax vom
Hintertheile abreiend, verspeiste sie dieselben. Mit Heuschrecken that
sie ein Gleiches, dagegen warf sie belriechende Insecten, der letzteren
Species angehrend, sowie eine Melo weg, dasselbe that sie mit einigen
Silpha's (Silpha). Zwei erlegte Eidechsen, die ich ihr reichte, warf sie
vom Wagen, anders jedoch geberdete sie sich, als ich ihr eine frisch
erlegte Buffadder gab. Im Nu war sie auf der anderen Wagenseite, dann
lugte sie vorsichtig nach mir aus, und als ich mich ihr wieder nahte,
lief sie das Wagendach entlang und zerrte mit voller Kraft an dem
Kettchen.

Unser Weg fhrte uns nchsten Tages ber kurzbegraste Hochebenen, ber
welche Millionen beflgelter, groer Ameisen schwrmten. Die Regengsse
der letzten Tage lieen mich hoffen, berall Wasser zu finden, und
hatten wir uns deshalb an unserer letzten Raststelle damit nicht
versehen, noch die Thiere vor unserer Abfahrt getrnkt. Leider fanden
wir keines und muten von Durst geqult unsere Wanderung bis zu spter
Abendstunde weiter fortsetzen. An der Abzweigung eines nach Norden
streichenden Thales ffnete sich pltzlich eine Felsenschlucht vor uns,
die nach Regengssen augenscheinlich Wasser enthalten mute. Diese
Stelle umgehend stieg ich in das tiefe Felsenbett des nur nach Regen
flieenden Spruits, eines Zuflusses des Mokara-Rivers, herab und fand
hier mehrere an beiden Seiten einmndende Schluchten, und da die Wnde
dieser Schluchten theils von senkrechten nackten, theils von
terrassenfrmigen und berhngenden Felsen gebildet wurden, boten sie
viele interessante und des Besuches werthe Punkte.

Vergebens suchte ich im sandigen und steinigen Bette nach Wasser und
wollte eben die Tiefe verlassen, als einige von der gegenber liegenden,
steilen Felsenwand wie mir schien herabgekollerte Steine mich aufwrts
blicken hieen. Oben in den Bumen, sowie an den Felsen bewegte sich
eine Truppe von Pavianen. Da mir die Thiere mit den herabkollernden
Steinen ber meinem Kopfe nicht gefielen, dachte ich sie mit einem oder
zwei Schssen zu verscheuchen. Auf einen der berhngenden Bume
zielend, feuerte ich auf den Stamm, in dessen kleiner Krone zwei Paviane
saen. Die in den Stamm eindringende Kugel erschtterte den ganzen, nur
lose in den Felsenfugen hngenden Baum und erfllte die beiden Insassen
desselben derart mit Entsetzen, da der eine hoch aufsprang, der andere
sich fest an den Stamm anklammerte. Ein altes Mnnchen erschien nun
bellend am Fue des Baumes, ergriff jedoch, nachdem es einige groe
Felsstcke losgebrckelt hatte und ein zweiter Schu neuerdings den Baum
traf, mit den brigen die Flucht.

[Illustration: Von Pavianen berrascht.]

Der Hgel, den ich sodann bestieg, mute den Makalahari- oder anderen
hier vor 100 und mehr Jahren wohnenden Eingebornenstmmen zum
Aufenthalte gedient haben, die Kuppe war nmlich von einer Unzahl
kleiner, aus Steinen roh (ohne Zierat) ausgefhrter 2-3 Fu hoher, und
4-8 Meter im Gevierte haltender Umzunungen bedeckt. Manche der
Betschuanastmme behaupten, da diese Stellen von ihren Voreltern
bewohnt waren, allein es scheint mir unwahrscheinlich, da die
Nachkommen diese Gewohnheit ihrer jngsten Vorfahren so bald aufgegeben
htten.

[Illustration: Erschreckte Paviane.]

Wir gewannen nach und nach bis auf 15 englische Meilen Fernsicht und
sahen, da sich die Gegend nach Norden zu senkte. Fnf oder sechs Meilen
vor uns sahen wir ein kleines, auf einer unbedeutenden Bodenerhebung
erbautes Eingebornendorf; hier durfte ich doch auf Wasser hoffen. Als
ich jedoch, in der Nhe des Dorfes angelangt, darnach fragte, wies man
mich nach einer in nordwestlicher Richtung liegenden Vertiefung, die
theilweise durch den Abhang, an dem ich stand, verdeckt war. Leider sah
ich mich wieder, trotz eifrigen Suchens bitter enttuscht und mute, von
Durst gefoltert, hier die Nacht zubringen.

Frh Morgens wieder aufbrechend lenkten wir in ein greres nach Norden
sich erstreckendes Thal und erblickten ein aus etwa 40 Htten
bestehendes Dorf am rechten Ufer eines bis auf einige Lachen
ausgetrockneten Flchens, das nach der Form der Htten von Koranna's
und Betschuana's, wahrscheinlich Barolongen, bewohnt sein mute. Sobald
die Zugthiere das Wasser witterten, hatten wir alle Mhe sie
zurckzuhalten; auf das Ufer lossteuernd, erstaunten wir nicht wenig,
als wir den Weg pltzlich durch ein Dutzend meist in abgetragene,
zerfetzte europische Kleidungsstcke gehllte Koranna's versperrt
sahen. Laut gesticulirend bedeutete man mir, da da kein Thier getrnkt
werden drfe, bevor nicht der Eigenthmer des Wagens fr jedes fnf
Shillinge Trnkegeld bezahlt htte. Ich wies diese Forderung zurck und
bot einen vernnftigen Geldbetrag an, der nun wieder von den Farbigen
abgewiesen wurde; auch Pit, der seine ganze Beredsamkeit aufbot,
vermochte die Opposition der Koranna nicht zu beschwichtigen.

Die Leute sahen uns und den Thieren den Durst an und so dachten sie uns
so hoch wie nur mglich zu schrauben; als kein vernnftiger Ausgleich zu
erzielen war, bedeutete ich den Leuten, die Feigheit der Koranna's wohl
kennend, da ich um jeden Preis zum Wasser gelangen msse. Unsere
Opponenten dachten, da ich dies mit den Waffen erzielen wolle und
fingen jmmerlich zu schreien an, wobei sie ein und dasselbe Wort in der
Begleitung verschiedener Eigennamen riefen, nach Pit's Erklrung riefen
sie ihre Freunde zur Hilfe herbei.

Diese kamen auch rasch zum Succurs herbeigelaufen, die Koranna's mit
Musketen, die Barolongen und Makalahari mit Assagaien bewaffnet; Frauen
brachten den meisten der uns gegenberstehenden, deren Zahl im Nu sich
mehr als verzehnfacht hatte, Gewehre herbei. Wie auf ein Zeichen brach
nun der ganze wst durcheinander rennende Haufe in ein Hllenspektakel
aus. Die Mnner (Koranna's) fluchten theils in ihrer Sprache theils
hollndisch, die Barolongen stieen Verwnschungen und Beschwrungen
aus, am rgsten aber schimpften die Frauen, whrend hinter den
nothdrftigen Umzunungen der Htten der Kinder ungezhlte Schaar lustig
darauf losheulte. Da unsere Hunde nicht ruhig zusehen konnten, sondern
auf den Haufen losbellten und darin von den Dorfktern auf das
Krftigste secundirt wurden, ist leicht begreiflich. Mir schien das
Ganze, trotzdem ich den Ernst der Lage begriff, ein Traum. Ich zog in
diese Lnder im Frieden ein, Frieden wollte ich den Farbigen bringen,
und als Freund von ihnen scheiden. War ich der Schuldige in diesem
unerwarteten Falle oder meine Gefhrten; oder hatte ich es mit einem'
Auswurfe von Schwarzen zu thun, die durch den Alkoholgenu so tief
gesunken waren, da sie sich seinethalben zu wahnsinnigen Forderungen,
zu Gewaltthtigkeiten hinreien lieen.

Meine Begleiter griffen nun, angesichts der drohenden Haltung der
Eingebornen auch zu den Waffen, was jedoch sofort unsere Gegner
veranlate, ihre Gewehre auf uns anzuschlagen und die Assagaien ber dem
Kopfe zu schwingen. Unkenntni des Koranna-Charakters htte sich in
diesem Augenblicke bitter gercht--ich kannte aber die Leute zu gut, um
mich zu voreiligen Schritten hinreien zu lassen. Meine zwei mir
folgenden Gefhrten einige Schritte vor dem Wagen zurcklassend ritt ich
mit meinem Rappen auf die Menge los; von den Waffen Gebrauch zu machen,
fiel mir nicht ein, ich hielt es bei der Feigheit der Koranna's,
trotzdem, da der Wagen nur fnf Vertheidiger zhlte, fr nutzlos und
hatte sofort erkannt, da die Koranna's, obwohl in der Minderzahl, doch
die Anfhrer waren und den Aufstand inscenirt hatten. Statt auf mich zu
feuern, lieen die meisten die gehobenen Gewehre sinken, um jedoch nur
heftiger zu schimpfen. Und ehe ich noch auf Wurfweite angeritten war,
begannen schon die Vordersten sich nach rckwrts zu concentriren.
Kerle lup, det Kerle lup! (die Kerle laufen) schrie mir Pit nach; auch
ich konnte nun deutlich sehen, da die hinteren Reihen sich auffallend
lichteten und setzte nun mein Pferd in Galopp. Die Wirkung dieses
Manvers auf die Gegner war auerordentlich und rief in mir einen
frmlichen Lachkrampf hervor. Der dichte Knuel hatte sich wie auf
Commando gelst, die einen liefen nach links, die anderen nach
rckwrts, um hinter den Umzunungen ihrer Gehfte Schutz zu suchen und
einen den Pferdehufen weniger zugnglichen Standpunkt einzunehmen;
whrend wieder andere gegen die Vertiefung nach rechts abbogen und in
diese hinabsprangen, in ihr fortliefen, um erst am unteren Dorfende
innezuhalten und aus ihr herauszulugen, und hinter den Zunen ihrer
Gehfte gedeckt in ein ohrzerreiendes Geschrei auszubrechen, das mir
wohl unverstndlich, jedenfalls aber die vermeintliche Herzlosigkeit und
Undankbarkeit der Weien verdammen sollte. Ohne weiteren Zwischenfall
wurden die Thiere getrnkt und unser Wasservorrath ergnzt.

Wir brachen nun wieder auf. Am letzten Gehfte gab es wieder viel
Liebesworte und da wir ohne zu erwidern vorberzogen, wurden diese
sen, freundlichen Reden so laut und heftig, da die Ochsen sich darob
scheuten und sich pltzlich nach rechts wandten, in Folge dessen die
Vorderachse brach. Das war ein schlimmer Zufall und uns allen entfuhr
ein Schrei des Erstaunens, es war das Aergste, was uns hier, in diesem
Orte passiren konnte. In diesem Augenblicke schtzte ich mich glcklich,
ohne Drohungen und ohne wirklichen Zusammensto meine Absicht erreicht
zu haben; im entgegengesetzten Falle wre es uns jetzt schlecht
ergangen, denn selbst der Feigste htte hinter diesem oder jenem Zaune,
aus dieser oder jener Htte seine rostige Muskete auf uns abfeuern
knnen, und trotzdem die Bewohner keine treffsicheren Schtzen waren,
htte manche Kugel ihr Ziel erreicht und mir vielleicht die Gelegenheit
benommen, diese Episode niederzuschreiben. Wenn allein Barolongen oder
Makalahari Musemanjana bewohnt htten, wrde es nie zu einem
Miverstndnisse gekommen sein, die Leute htten mige Forderungen und
in entsprechender Weise gestellt.

Durch mein sicheres Auftreten in der Trnke-Angelegenheit hoffte ich den
Bewohnern Musemanjana's Respect eingeflt zu haben, und darauf baute
ich in diesem Momente, da ich ihnen durch den Achsenbruch vollkommen
preisgegeben war, meine Hoffnung. Lachend und schreiend, singend, die
Mdchen und Halberwachsenen der edlen Vertheidiger Musemanjana's sogar
tanzend, strzten sich die Eingebornen aus ihren Gehften, um sich uns
von allen Seiten zu nhern. Den Gefhrten, die am Bock mit den auf den
Knien gelegten Waffen saen, bedeutete ich, sofort die letzteren in den
Wagen zu legen und mit in das Gelchter einzustimmen.

Das machte die meisten der Schwarzen stutzen. Ich bentzte diesen
Augenblick um einen baarfigen, mit einer langen Kranichfeder an Hute
geschmckten Koranna, den ich fr den Huptling des Dorfes hielt mit
lachender Miene anzusprechen und ihm zu bedeuten, da wir nun trotz des
Widerstrebens der Bewohner von Musemanjana noch fters die Thiere zur
Trnke fhren mten. Der Angesprochene war blos der Stellvertreter des
Chefs oder Captain, wie sie ihn zu nennen geruhten, zeigte sich
vernnftig und forderte fr die Bentzung der Trnke einen Shilling, den
ich auch gern erlegte.

Nun kamen die Eingebornen bis an den Wagen und jeder gab seine Meinung
kund, die Frauen blieben noch am lngsten feindlich gesinnt. Ja, es ist
Euch recht geschehen, Weie mssen nicht die Herren spielen, Schwarze
sind die Herren von Musemanjana, und nicht Ihr, sondern Hendrick, der
Koranna, der nach Bloemhof gefahren ist, um fette Ochsen zu verkaufen
und Kleider und Branntwein dafr zu erstehen, ist unser Captain! Die
Mnner wollten an der Achse die Bruchstelle untersuchen etc. etc., was
ich jedoch ablehnte, da ich frchten mute, unversehens bestohlen zu
werden.

Ich dankte fr ihre Hilfe und fragte wo es hartes Mimosenholz gbe, um
eine neue Achse zu zimmern. Wach, Sir, meinte der Vicechef, mut det
ni dun, nicht weit von hier in einer Barolongenstadt mit Namen Marokana
lebt ein alter Mann, der bei einem Schmiede in der Transvaal-Colonie
gearbeitet, zu dem mut Du senden. Ein Barolonge erbot sich auch sofort
fr ein Sixpencestck nach Marokana zu reiten, um den Schmied zu holen.

Da wo sich das Hottentotten-Element mit dem der Bantu vermischt (ich
spreche von den letzten Decennien), namentlich seitdem die Spirituosen
in's Land Eingang gefunden hatten und wo der Huptling der Batlapinen,
Barolongen oder wie sie alle hieen, nicht ein einsichtsvoller Mann
gewesen, wurden die letzteren Stmme von den alle Laster, doch nicht die
Tugenden des weien Mannes sich aneignenden Koranna's, Griqua's etc.
verleitet, in Folge dessen griffen Trunkenheit, Faulheit, Arbeitsscheu,
Diebstahl, ja sogar Mord unter ihnen immer mehr um sich. Um so
folgenwichtiger und wie wir hoffen wollen wohlthtiger halten wir die
von der Regierung in Griqualand-West in der letzten Zeit namentlich in
Bezug auf die Koranna's getroffenen Maregeln.

Mit dem Vice-Captain schlo ich einen Vertrag, demzufolge ich gegen
Entrichtung eines Shillings per Tag meinen Wasserbedarf decken konnte,
ja seine Leutseligkeit ging so weit, da er mir andere, klares Wasser
enthaltende Lachen angab, die selbst von den Eingebornen nicht benutzt
wurden.

Am Nachmittage kam der alte Schmied, ein Griqua mit seinem Sohne, um den
Schaden zu besichtigen. Als ein alter Bekannter der Koranna's im Dorfe,
schttelte er zuerst allen die Hnde, wobei die Mnner mit Bru'rs
(Bruder) und Ohm, die Frauen mit Tante und die Jungen mit Kinders
titulirt wurden. Der Knstler erklrte die Achse aus einem zwischen
Marokana und Musemanjana stehenden Kameeldornbaume (Acacia giraffe)
zimmern zu wollen, doch msse er dies alles in Marokana thun und deshalb
mten wir die Rder und die gebrochene Achse mit der Deichsel nach
Marokana befrdern lassen. Als Lohn fr seine Arbeit forderte er zwei
Flaschen Branntwein und 2  St. und wollte unter keiner Bedingung von
dieser Forderung abgehen und betonte besonders die Ueberlassung des
Branntweins, dessen er zur Strkung bedrfe.

Unterdessen hatte F., der sich mancher Eroberung unter den schwarzen
Schnen rhmte, die Gelegenheit bentzt, um die allgemeine
Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Wohl um die an uns begangene Unbill
zu rchen, griff er zu einem probaten Mittel, sich die Herzen der
zahlreich versammelten Koranna-, Barolong- und Makalahari-Schnheiten im
Fluge zu erobern und zog eine Concertina (sechseckige Handharmonika)
hervor, um ihr die herzzerreienden, dem Gehr der Musemanjana-Beauties
jedoch sichtlich einschmeichelndsten Tne zu entlocken. Doch nicht
Frauen allein, nicht blos das arme schwache Geschlecht, sondern auch die
wackeren Herzen in der Heldenbrust der gelblich- und schwarzbraunen
Krieger von Musemanjana waren von der Macht dieser Tne ergriffen und
Stille--wie vielleicht noch nie--heilige, friedliche Stille herrschte
weithin. Und der Mitleidslose, sehr geschmeichelt und von uns
applaudirt, htte bis zum Sonnenniedergange musicirt, wenn nicht die
Hunde des Dorfes gegen diese himmlischen Laute einmthig protestirt und
den huslichen Frieden der Familien Musemanjana's gerettet htten.

Vielleicht des Effektes wegen, den die Musik auf die Schnen des Ortes
ausbte, vielleicht jedoch auch aus anderen unbegreiflichen Grnden
machte einer der Koranna's unserem Knstler den schmeichelhaften Antrag,
ihm das Musikinstrument fr einen Ziegenbock zu verkaufen. Wir alle
dachten, da F. ob einer solchen Zumuthung, seine Concertina zu
verkaufen, in gerechter Entrstung auflodern werde; doch wer beschreibt
unser Erstaunen, als F. bereitwilligst auf den Antrag einging.

Am folgenden Morgen, den 17., wurde Pit mit den Rdern und der Achse
nach Marokana gesandt und machte uns nicht wenig Sorgen, da er erst am
Nachmittag heimkehrte.

Musemanjana ist die nrdlichste Besitzung des Korannaknigs von Mamusa,
nach Norden und Osten grenzen die wildreichen Ebenen (von mir Quagga
flats benannt) an, welche Montsua angehren, in denen Batlapinen,
Barolongen, Koranna's und hollndische Farmer aus der westlichen
Transvaal-Republik oder jene, die sich mit der Erlaubni der Frsten der
genannten Stmme in deren Gebiet niedergelassen haben, friedlich neben
einander jagen. Nach Westen liegt das kleine Gebiet des
Marokana-Huptlings, der Montsua, den Knig der Barolongen als Oberhaupt
der nrdlichen und westlichen Barolongen anerkennt, allein ihm keinen
Tribut abliefert.[1]

    1: Siehe Anhang 15.

Die Gebirgsformation der Umgegend bestand meist aus blulich-grauem
Kalkschiefer in Blcken und Platten, Quarzitfelsen im Gerlle,
zahlreichen Quarzstcken und Vaalgestein (Grnstein mit mandelartigen
Chalcedon-Einschlssen).

Am Abend besuchte mich der Schmied, um mir mitzuteilen, da die Achse an
der Bruchstelle schon frher geborsten war, doch in Wirklichkeit nur, um
eine Flasche Branntwein als Abschlagszahlung zu fordern. Da ich
befrchtete, da der Genu desselben den alten Mann arbeitsunfhig
machen wrde, verweigerte ich ihm denselben, worber er sehr mrrisch
wurde und den Rckweg antrat, nicht ohne in laute Klagen auszubrechen,
da ihm _det Medicin_ verweigert wurde.

Am folgenden Tag meldeten sich zwei Eingeborne, um in meine Dienste zu
treten. Ich nahm sie gegen 8 Shillinge Wochenlohn auf (Pit bekam 10
Shillinge), mute mich jedoch ihrer Hauptbedingung, ihnen allabendlich
einen Schluck Branntwein zukommen zu lassen, fgen. Der eine war ein
Griqua, der Sohn des Schmieds, der uns bediente, klein, untersetzt mit
sehr einfltigem Blick, der zweite eine Hopfenstange, ein Bastard und
mit dem Huptling Hendrik verwandt. So dumm als der erste, so
verschmitzt sah der zweite aus. Der Schmied erschien zeitlich und wich
nicht eher vom Platze als bis er seinen Branntwein erhalten hatte. Die
Folgen meiner Nachgiebigkeit waren bald bemerkbar, denn er lag bald
betrunken in des Huptlings Hause, whrend der Vice-Huptling, die Frau
des Herrn von Musemanjana und ihre Dienerinnen, die alle vom Feuerwasser
etwas erhascht hatten, wie besessen sangen und tanzten.

[Illustration: Musemanjana.]

[Illustration: Empfang in Musemanjana.]

Am Abend kehrte auch Hendrik, der Huptling des Dorfes zurck.
Allgemeiner Jubel aller seiner Ohm's und Tanten, denn ihre Hoffnungen
waren erfllt. Hendrik brachte eine riesige, wenigstens 10 Liter
fassende Flasche Feuerwasser mit. Bevor er jedoch seine jubelnde
Umgebung damit bewirthete, kam seine Frau herangetrippelt, ihren langen
Ehegespons am Arme fhrend und prsentirte ihn uns mit den Worten. Das
ist der Herr dieses Ortes! Das ist der Herr der vielen Schafe, die Ihr
tglich blken hrt, und ist auch mein Mann! Hendrik, eine schwankende
Hopfenstange, grinste verschmt, streckte mir seine Hand entgegen und
hie mich willkommen.

Mit Hendrik war der Huptling eines anderen an der Mokara gelegenen
Kraal's, angekommen. Er fiel mir auf, weil er sich an dem nun folgenden
Saufgelage nicht betheiligte. Trotz des Unfalls murrte ich nicht mehr
ber den Aufenthalt, der mir in Musemanjana begegnete, da ich
Gelegenheit fand, einen tiefen Einblick in das Leben und Wesen der
Koranna, Barolongen und Makalahari zu gewinnen und bedauerte nur, da
ich nicht genug Geld mit mir fhrte, da mir der mit Hendrik angekommene
Korannahuptling einen vernnftigen Antrag machte. Er besah meine
Zugthiere und hielt fnf von acht fr reiseuntauglich. Er wollte mir fr
dieselben gute Zugochsen, die ich mir selbst aussuchen konnte, gegen
eine Aufzahlung von 2  St. per Stck berlassen.

An diesem Tage hatte ich auch Gelegenheit, das Anfertigen irdener Tpfe
von Seite der Barolongenfrauen zu beobachten. Auf einer hlzernen runden
Schssel wurde die aus Thon und Humus zubereitete Masse mit den Hnden
in die natrliche ausgebauchte Topfform geknetet, stehen gelassen, um
nach einigen Tagen im Feuer eingebrannt zu werden. Diese Gefe, von
7-12 Zoll Hhe und gleicher, oder noch um 2-3 Zoll grerer Breite, mit
einer Oeffnungsweite von 5-7 Zoll und einer Wandstrke von - Zoll
wurden beinahe ausschlielich als Wassergefe bentzt.




IX.

Von Musemanjana nach Moschaneng.

Aufbruch nach Moschaneng.--Quaggaflats.--Hynenjagd bei
Mondschein.--Makalahari-Reiter--Konana.--Barolongenstolz.--Acht
Lwen.--Eine Begegnung mit Lwen am Setlagole.--Thierleben auf der
Hochebene.--Gnujagd bei Nacht.--Boly verirrt sich.--Zebrajagd.
--Skeletthgel.--Eine abenteuerliche Gansjagd.--Sdafrikanischer
Frhling.--An Ufer des Molapo.--Molema's Town.--Rev. Webb und die Mission
daselbst.--Chef Meloma.--Kranken-Ordination.--Siedlersperlinge.
--Hu-Hhe.--Ankunft in Moschaneng.--Hohe Gste.


Abends fand sich der Schmied mit seinem Meisterstcke ein, das kaum zur
Noth brauchbar war. Als man im Dorfe unsere Vorbereitungen wahrnahm,
kamen die Leute herbeigestrmt und ein Jeder begehrte ein Geschenk; nur
die, welche uns behilflich waren, bekamen etwas Tabak und je ein
frbiges Tuch. Als wir schon eingespannt hatten, kam noch der Chef mit
einem Ansuchen. Mein Kind (der ihm verwandte Schwarze) geht mit Euch,
er war einer meiner Diener, deshalb verliere ich einen Arbeiter, ich
kann ihn nicht ziehen lassen, bevor Ihr mir nicht 8 Shilling bezahlt,
d.h. so viel, als Ihr ihm wchentlich Lohn gebt! Um nur loszukommen und
die ausgeglichenen Differenzen nicht vielleicht im letzten Augenblicke
durch andere erneuert zu sehen, gab ich dieser Erpressung nach und wir
zogen ab.

Unter der Fhrung des oben erwhnten Dieners setzten wir unsere Reise
fort und machten erst in spter Nachtstunde Halt. Beim Anznden des
Lagerfeuers hatten wir viel Mhe, um einen Grasbrand zu verhten, da
sich der Wind zu einem wahren Orkan gesteigert hatte. Dagegen war der
folgende Morgen (21. November) schn und warm, wir begegneten einigen
Makalahari- und Barolongfrauen, welche junge, kaum aus den Puppen
gekrochene Heuschrecken emsig sammelten. Nach einer 3 stndigen Tour
erreichten wir eine seichte Vertiefung, in welcher wir in einigen
Lchern schnes klares Trinkwasser fanden. Unsere Weiterfahrt fhrte uns
in einer nordstlichen Richtung ber unabsehbare, sehr sprlich
bebuschte Ebenen. Das trockene Gras verbreitete einen angenehmen
Heugeruch, frisches Gras sprote allenthalben unterhalb der trockenen
Stengel. Der Boden war nach allen Richtungen von den Eingngen zu den
unterirdischen Bauten der Springhasen, Stachelschweine und Erdferkeln
durchfurcht. Doch mangelte es auch nicht an solchen der Schakale,
whrend die Hynen die von den Erdferkeln verlassenen Lcher bezogen
hatten. In diesen von Weien unbewohnten Gegenden werden die Schakale,
die Kaamafchse und die Proteleswlfe ihres Balges halber, der zu
Carossen verarbeitet wird, von den Eingebornen hufig gejagt. In den
wildreichen, von Weien bewohnten Localitten sind es wieder die Hynen,
die meist mit Strychnin ausgerottet werden.

[Illustration: Barolongmdchen Heuschrecken sammelnd.]

Nachdem wir 14 englische Meilen zurckgelegt, kamen wir in ein zweites,
doch breiteres Thal, das wieder zahlreiche Wasserlcher aufwies. Man
hatte hier das Gras im September niedergebrannt, das frische stand schon
12 Zoll hoch. In diesem Thale trafen wir auch die uerste von Chef
Hendriks Ansiedlungen, d.h. Viehposten, und an dieser allein zhlten wir
ber 100 Rinder. Um uns nach allen Seiten hin erstreckte sich die Ebene
bis an den Horizont.

Wir betraten die Quaggaflats und damit Montsua's Gebiet. Der nchste Tag
war schn und warm, auch hatte sich der Wind gelegt, dagegen hatten wir
auf dem die ganze Strecke entlang morastigen Boden mit zahllosen
Schwierigkeiten im Fortkommen zu kmpfen. Wir begegneten aus Marokana
kommenden und auf die Jagd ausgehenden Barolongen und knpften mit ihnen
Verhandlungen ber den Austausch einiger Zugthiere an, die inde
resultatslos waren, da die Barolongen in einem Athem ihre Forderungen
hinaufschraubten und Schlielich 8  St. fr je ein Thier begehrten.

Am folgenden Tage, den 23., verlie ich, von F. und einem unserer
Schwarzen (Boy) begleitet, den Wagen, um zu jagen. Ich beobachtete auf
diesem Jagdausfluge, da die Springbockgazelle ihre Klbchen den Tag
hindurch sich selbst berlt, oft sich auf weite Strecken entfernt und
erst gegen Abend zu den Kleinen zurckkehrt und dann bis gegen
Sonnenaufgang bei ihnen verbleibt. Geht man ruhig durch das zwei Fu
hohe Gras jener Ebenen, so kann man sich den im Grase verborgenen
Thieren bis auf 20-25 Schritte nhern, ohne im Geringsten ihre Gegenwart
zu bemerken. Die schnen Thierchen bleiben, ohne sich gleich den
Orbekigazellen, um dem Beobachter zu entgehen, flach ausgestreckt auf
den Boden zu legen, selbst im kurzen Grase vllig unbemerkt.

Nachmittags kamen wir auf einen nach Norden fhrenden Weg, der sich
spter als die Verbindungsstrae zwischen Mamusa und Konana
herausstellte und dem wir auch folgten. Dieser Weg bestand in einem
vielleicht vor drei Monaten zuletzt befahrenen Geleise und schien auch
hufig als Fupfad von den Eingebornen benutzt zu sein. Wir waren an den
Rand einer von Osten nach Westen unabsehbaren, nach Norden zu in ihrer
Mitte von Hhenkuppen begrenzten und nach dieser Richtung in der
Entfernung einiger Meilen von isolirten Gehlzen unterbrochenen Ebene
gelangt. Abend und Nacht waren ungewhnlich schn, der bleiche Mond mit
einem Nebelkreis um seine runde Scheibe lchelte so freundlich und die
flimmernden Sternlein blickten so hell zur Erde, da ich trotz der
Mdigkeit stundenlang die Pracht dieser Nacht bewunderte. Meine
Gefhrten hatten einer nach dem Andern sich in Morpheus Arme geworfen.
Nur die Hunde blieben bei mir, ich konnte mich von der dunklen, mit
einem grauen Schimmer--dem Abglanz von Luna's Strahlen--bergossenen
unabsehbaren Flche und dem leuchtenden Gestirn ber mir nicht trennen.

Eine pltzliche Bewegung Niger's ri mich aus meinen Gedanken. Von
Onkel, einem zweiten Hunde gefolgt, sprang Niger einige Schritte
vorwrts und fing an zu knurren. Ich sollte ber die Ursache dessen
nicht lange im Zweifel bleiben. In die Stille der Nacht tnte von der
etwas niedriger liegenden Ebene vor mir ein langgezogenes, uerst
unangenehmes, klagendes Geheul. Der hliche Laut, dieses tiefe,
entfernte Sthnen einer gefleckten Hyne fiel wie ein Miton in die
Idylle der schnen Nacht um mich. Eben im Begriffe, es meinen Gefhrten
gleichzuthun, die alle bereits im Reiche der Trume lebten, wurde ich
durch die gesteigerte Unruhe der Hunde auf die Annherung der Raubthiere
aufmerksam und fate den Entschlu, auf diese lstigen Ruhestrer Jagd
zu machen. Ich kroch zu Pit und Boy, rttelte sie auf und hie sie die
Hunde halten, holte dann Gewehr und Munition aus dem Wagen, weckte F.
auf und ohne mich mehr nach ihm umzusehen, hielt ich nach der Richtung
zu, von der mir das Geheul zu kommen schien. Die Hunde am Wagen gaben
aber den Dienern tchtig zu schaffen, da die afrikanischen Hunde die
Hyne stets als ihren Erzfeind betrachten und sie anzugreifen suchen.
Theils gebeugt, theils auf Hnden und Fen vorwrts schleichend, hatte
ich etwa 100 Schritte zurckgelegt, als mir ein dumpfes Knurren auffiel.
Ich hielt an, legte mich flach hinter einen der niedrigen Termitenhgel
und nachdem ich mich umgesehen, ob alles auch hinter mir in Ordnung sei,
legte ich den Hinterlader zum Schusse bereit neben mir nieder. Das
Knurren kam nher, doch schien es mir mehr wie ein Scharren denn ein
Knurren--vielleicht ein Stachelschwein oder Erdferkel? Hu--hu, tnt es
pltzlich vor mir, und das Hu--hu wiederholt sich, noch ein zweites
und tieferes, dann ein Scharren und Knurren, alles klar und deutlich
hrbar und doch vermag ich nichts zu sehen.

[Illustration: Hynenjagd.]

Vergebens beuge ich mich mit dem halben Krper ber den Hgel, ich sehe
nichts als Termitenhgel--es wird stille. Das Knurren und Scharren hrt
auf und ich mute annehmen, da ich durch meine Unvorsichtigkeit die
Raubthiere verscheucht hatte--ich hocke mich wieder hinter den Erdhgel
nieder und verhalte mich still, um selbst die leiseste Annherung der
Thiere wahrnehmen zu knnen. Doch ich harre vergebens, einige Termiten
machen mir das Liegen recht unbequem, ja unmglich. Pltzlich erschallt,
kaum einige Dutzend Schritte vor mir das Doppelgeheul und das grunzende
Sthnen abscheulicher wie je--doch trotz Mondscheins und der uersten
Anstrengung meiner Sehkraft kann ich nichts ersphen, nichts als
Termitenhaufen starren mich an. In diesem spannungsvollen Momente
vernahm ich ein Rauschen, ein Knurren und Fauchen hinter mir, mich
umwendend, will ich schon losdrcken, ich sehe eben einen dunklen
Gegenstand an mir vorbergleiten, als glcklicher Weise ein bekanntes
Gebell mich rechtzeitig an den Irrthum mahnt, den ich mit dem
Niederstrecken eines meiner Hunde begangen htte. Bei dem letzten Geheul
der Hyne hatte sich Niger losgerissen und Boy, frchtend, da die Hyne
den Hund erwrgen knnte, hatte sofort auch dem starken Onkel die
Freiheit gegeben, der nun in Stzen nach Niger gesprungen kam. Sie
jagten die Ebene weit nach abwrts, doch die Hynen waren rechtzeitig
geflchtet und verdrielich mute ich den Rckzug antreten.

[Illustration: Von acht Lwen berrascht.]

Unter den sdafrikanischen Raubthieren ist die gefleckte Hyne in Bezug
auf Lebenskraft das zheste Thier, sowohl dem Hunger, als auch den
schlimmsten Verwundungen setzt ihr Organismus zhen Widerstand entgegen.
In einem Falle war einer Hyne am Schascha-River (Matabele-Land) durch
einen Streifschu der Unterleib aufgeschlitzt worden, so da die
Eingeweide heraushingen, trotzdem lief sie noch lange, mindestens die
doppelte Zeit als es ein anderes Sugethier ausgehalten htte, um
dieselbe Einfriedigung, aus welcher der Schu gefallen war. Die in
Gangrn bergegangene Wunde eines durch eine Lwin verwundeten
Bamanquato hatte sie angezogen. Ich werde noch mehrmals Gelegenheit
haben, auf diese Raubthiere zurckzukommen.

Nchsten Morgens fanden wir uns am Rande eines die eben durchschrittene
Ebene nach Norden begrenzenden Gehlzes. Wir fanden hier einige elende
Htten aus in die Erde eingetriebenen und mit Gras berworfenen Aesten
errichtet, welche von Jochoms, einem Zweigstamme der Makalahari, bewohnt
wurden. Diese Eingebogen waren Vasallen eines eine Stunde weit ab in
einem anderen Gehlze wohnenden Barolongen, mit Namen Mokalana, beide
Gehftgruppen fhrten auch den Namen des Besitzers. Es wiederholt sich
unter den Betschuana's hufig, da neue Stdte und Drfer, nach dem
Erbauer oder Besitzer benannt werden, eine Gepflogenheit, die oft zu
Irrungen Anla gibt, indem ein Ort zuweilen zwei bis drei Namen, seinen
herkmmlichen, den nach dem letzten und den nach dem gegenwrtigen
Huptling fhrt, oder da der Huptling seinen Wohnsitz ndert und
einige Meilen weit ab eine zweite gleichnamige Stadt erbaut. Die Jochoms
hatten eine Heerde Khe und Schafe zu hten und zugleich fr ihren Herrn
und Gebieter zu jagen. Zu letzterem Zwecke hatten sie einige Pferde zu
Gebote und schienen sich weit besser im Sattel zu fhlen als je ein
Betschuana.

Fr das Geschenk eines Taschenmessers bewog ich einen der Eingebornen zu
dem Ba߫ zu reiten und ihn zu ersuchen, mir gegen Geldentschdigung und
Munition einige junge Ochsen gegen unsere matteren auszutauschen.
Whrend unseres Imbisses sahen wir einen Makalahari hoch zu Rosse von
der Jagd heimkehren. Der nur in glatt gargearbeitete Lederstcke
gehllte und mit Assagaien, die mit ihrem unteren Schaftende in eine
Ledertasche am Steigbgel eingelassen waren, bewaffnete rothbraune Sohn
der sdafrikanischen Hochebene sah ganz stattlich aus, er ritt eine
starke Fuchsstute und hatte vorne ber seinen primitiven Sattel und den
Nacken des Pferdes einen Blbock liegen. Dem von Jugend auf an die
Ebene, ihr hohes meist in Bscheln wachsendes Gras, ihre zahllosen,
kleinen und greren Lcher gewhnten Pferde die Zgel lassend, jagt der
Reiter der flchtigen Heerde nach (Springbcke sind zu rasch fr ihn, um
sie vollkommen einzuholen), bis er sie nach einem halbstndigen Ritte
eingeholt, dann ist der Assagaie auch schon wurfbereit und bohrt sich in
das Thier, an dem er vorbersaust; der Jger begngt sich mit diesem
einen und verfolgt fast nie ein zweites, sondern wendet das Pferd und
wirft seinen zweiten Wurfspeer, der dem flchtigen Thiere meist den
Garaus macht. Je weniger Wunden, desto gndiger wird das Fell von dem
Ba entgegen genommen.

Da der ausgesandte Bote nicht kam, lie ich einspannen. Kaum hatten sich
jedoch meine Diener an diese Arbeit gemacht, als einer der Makalahari
den von der Ferne ankommenden Genossen entdeckte. Die Antwort lautete
dahin, da der Ba nur ein Gespann (Zug) Ochsen htte, die er selbst
benthige, da er uns aber ein Schaf fr einen Becher Schiepulver
(etwas ber ein Pfund) geben wolle. Ich nahm dieses Anerbieten an und
erhielt einen feisten Fettschwanz fr die geforderte Quantitt
Schiepulver, dem ich einige Kleinigkeiten (Feuerdosen, Kettchen, Nadeln
etc.) als Geschenk beifgte, das zu entgegnen die Makalahari sich
beeilten und mir einige Protelesfelle und einige Blbock- und
Hartebeesthrner berbrachten.

Der Morgen des folgenden Tages brachte mir eine sehr unangenehme
Ueberraschung, eines der Zugthiere war verendet, es blieb mir nun nichts
brig, als die schwere Last des Wagens den brigen drei Zugthierpaaren
aufzubrden. In das Thal, das wir nun verfolgten, mndeten einige
Querthler, deren Sohle bebaute Felder bedeckten; nach einigen Meilen
gelangten wir in ein von Sden nach Norden sich erstreckendes Thal, das
uns von einigen vorbergehenden Koranna's als das des Konana-Rivers,
welcher sich durch ein Hhenland nach dem Maretsane zuwendet, bezeichnet
wurde. Dieses Hhenland wird von Koranna's und Barolongen sowie deren
Vasallen bewohnt und steht unter der Gerechtsame des Huptlings Schebor,
der selbst wieder Montsua's Unterthan ist.

[Illustration: Jochom-Makalahari einen Blbock jagend.]

Nach einer einige englische Meilen langen Fahrt kamen wir zu dem sich in
einem Hhensattel und am Abhange mit Bumen bestandener Hhen
ausbreitenden, an 1000 Einwohner zhlenden Konana. Auf einer freien, von
der Stadt nach Osten und nach dem tiefen, engen Thale des Konana-Rivers
abfallenden Lehne sich ausbreitenden Rasenstelle hielt ich an, um mit
meinem Wagen besser die Aufmerksamkeit der Bewohner auf uns zu lenken,
denn ich hoffte hier einige frische Zugthiere eintauschen zu knnen. Es
whrte auch nicht lange und wir waren von zahlreichen Besuchern
belagert, unter welchen die Koranna's das Hauptcontingent stellten. Ich
hatte vor dem Wagen einige der auszutauschenden, ursprnglich fr den
Kauf von ethnographischen Gegenstnden bestimmten Waaren ausgebreitet.
Es waren ein guter Plsch-Anzug, ein Paar Schuhe, zwei bunte Wollhemden,
ein Hut, ein halbes Dutzend Taschentcher und eine halbe Rolle Tabak.
Der Huptling des Dorfes kam selbst, um die Waaren zu besehen, und trank
eine Tasse Kaffee mit uns, doch die Leute zeigten keine Neigung, auf
meinen beabsichtigten Tausch einzugehen. Von einem der Barolongen kaufte
ich fr ein Kalikohemd eine Holzschssel, von einem Anderen fr einen
Becher Schiepulver zwei Kiri's und zwei Schakalfelle, von einer Frau
zwei aus Glasperlen gearbeitete Schmucksachen. Von einigen der Besucher
erfuhren wir, da die umliegenden Hhen, wie auch jene am Setlagole- und
Maretsane-Flchen zahlreiche Lwen beherbergen. Die Lwen waren hier so
dreist und dies namentlich (was ich besttigt fand), weil sie oft den
Knall des Gewehres zu hren bekamen und an des Menschen Anblick gewhnt
waren. Obgleich die Umgegend von Wild wimmelte, bekundeten die Knige
des Waldes trotzdem eine besondere Vorliebe fr die Heerden des
Menschen.

Einer der Barolongen brachte mir das Fell eines nicht vollkommen
ausgewachsenen Lwen, fr das er 3  St. in Gold begehrte. Ich bot einen
alten Rock dafr, doch er bestand auf dem geforderten Preis, da er schon
frher ein anderes Lwenfell in Klipdrift fr 3  St. verkauft hatte.
Ich rieth ihm an, es auf den Rcken zu nehmen und damit nach Klipdrift
zu wandern, eine Zumuthung, die den Barolongen in Aufregung versetzte.
Um mich vielleicht nachgiebiger zu stimmen, begann sein Freund mir in
wahrhaft mustergiltigem Hollndisch zu erzhlen, auf welche Art der
schmollende Gefhrte zu diesem Lwenfelle gekommen sei.[1]

    1: Ich lasse hier absichtlich den vollen Wortlaut dieser Erzhlung
    folgen, um die Umstndlichkeit der Eingebornen bei solchen Anlssen
    zu charakterisiren.

Der Mann, meinte unser Vis--vis und zeigte auf den grollenden Helden,
hatte blos eine Kuh, die Kuh war sein, auch hat er zwei Frauen und ein
gutes Stck Feld. Ein Hirt, der noch andere Rinder aus dem Dorfe zu
beaufsichtigen hatte, htete auch die Kuh. Dieser Junge kommt nun eines
Tages gelaufen und klagt unter Heulen, da ein Lwe die Kuh erwrgt
htte. Mein Gefhrte lud schweigend sein Gewehr und folgte dem Jungen,
der das Pulverhorn tragen mute. An einer Stelle, von welcher man den
Lwen und sein Opfer erblicken konnte, kroch mein Freund auf einen Baum,
um Rundschau zu halten. Ja, dort sah er die Kuh liegen, aber keinen
Lwen dabei. Mein Bruder nherte sich deshalb und kroch mit dem Jungen
auf einen nahen Baum, von welchem herab er den Ruber wie eine Meerkatje
(Scharrthier) todtschieen wollte. Mein armer Bruder hatte bis zum
nchsten Morgen auf dem Baume zu sitzen, er wollte gegen den Abend
heruntersteigen, da es ihm auf dem Dornbaume--er sa da drinnen (der
Erzhler ahmte mit ausgespreizten Fingern eine Gabel nach)--nicht gefiel
und sein Krper hart (steif) wurde, doch dachte er wieder auf die
Abends aus den Gebschen ausbrechenden Lwen und so blieb er mit dem
Jungen, der, weil ihm die Fe von dem Stehen auf einem dnnen Aste
schmerzhaft geworden waren, frchterlich heulte. In der Nacht kamen sie,
_nicht einer_ (der Erzhler warf sich in die Brust), sondern viele (er
begann von dem kleinen Finger der linken Hand nach rechts zu zhlen),
acht Lwen, he Makoa (Weier)--acht Lwen! Dabei sah er sich nach
meinen Gefhrten und den Dienern um, ob es wohl auch alle gehrt htten
und wiederholte acht Lwen, wobei er sich etwas bckte, den Krper
vorstreckte und beide Hnde vor sich haltend mit acht Fingern die Zahl
noch deutlicher zu verdolmetschen suchte, whrend sein Freund finster
dareinblickend, noch immer ob der vorerwhnten Zumuthung beleidigt,
unaufhrlich etwas in sich hineinmurmelte, wovon nur die Worte dree
pund--dree pund (drei Pfund) hrbar waren.

Nachdem sich der Erzhler vergewissert hatte, da wir alle die acht
Lwen begriffen hatten, setzte er seinen Bericht fort. Mein Bruder am
Baume und das Kind bei ihm wollten keinen Lwen vor Tagesanbruch
todtschieen; erst dann scho der Mann auf einen, dessen Haut hier liegt
und der zu dem Baume gekommen war, um sich mit dem Schdel daran zu
reiben. Mein Bruder hielt sich mit den Fen auf dem Baume und nachdem
er dem Jungen zugeschrieen, sich mit Hand und Fu festzuhalten, um nicht
durch den Schrecken, den in ihm der Schu hervorrufen knnte, herunter
zu fallen, legte er an. Tla-bumm (hier folgte ein tchtiger Schnalzer
mit den Fingern, der den Schu versinnlichen sollte) und (der Erzhler
ahmte nun das Fallen nach) det Leu wat dod, morsh dod (der Lwe war
todt, mausetodt). Die Andern aber grollten und brllten und wiesen
meinem Bruder und dem Kinde die Zhne so grimmig, da dieses wieder zu
heulen begann. Allein als die Sonne warm wurde und sie die Kuh abgenagt
hatten, liefen sie davon. Mein Freund aber sprang herab, lie den Jungen
als Schildwache auf dem Baume und zog die Haut des geschossenen Lwen
ab, die er dann heimbrachte und fr die er 3  St. bekommen mut (mu),
weil die Lwen seine einzige Kuh erwrgt haben, er konnte nicht einmal
ihr Fell brauchen. Zudem bekam mein Bruder 3  St. fr das Fell eines
Lwen, welcher _keine_ Kuh getdtet hatte.

[Illustration: Erzhlender Barolonge.]

[Illustration: Der Betschuana findet seinen zerfleischten Bruder.]

Und warum hat denn Dein Bruder nicht alle die Lwen erschossen?--Der
Berichterstatter wandte sich nach den nach immer grollend dastehenden
Gefhrten und dieser, der sich durch die Frage beleidigt hielt,
antwortete in der Setschuana mit vor Zorn entstellten Zgen. Sagte
nicht das Kind als es zu mir kam. Ra (Vater, Herr), ein Lwe hat Deine
Kuh erwrgt? Und so nahm ich _eine_ Kugel mit. Darauf ergriff er seine
Lwenhaut und trug sie von dannen.

Auch Schebor, der spter hinzutretende Huptling, bettigte, da die
Lwen in den Bschen und auf den Hhen an den drei Flssen Konana,
Setlagole und Maretsane schlimm (bse) seien und ihm schon so Manchen
seines Volkes, so manches seiner Rinder getdtet htten. Er ermahnte
uns, namentlich whrend der Auffahrt auf die gegenberliegenden
bebuschten Hhen vorsichtig zu sein, da diese ein besonders beliebter
Aufenthalt der Lwen seien. Er berichtete mir folgenden traurigen Fall,
der sich an diesen Flssen zugetragen und der mir auch spter in
Linokana (Stadt der Baharutse) wiedererzhlt wurde.

Eine Schaar Eingeborner aus der Nhe von Maraba (Maraba's Stadt)
passirte auf ihrem Wege nach den Diamantenfeldern jene Gegend. Diese
Menschen, die oft ihre Heimat (z.B. das Makalakaland, von den
Diamantenfeldern ber 800 englische Meilen entfernt) nur mit einem
Assagai und einem Stck Fell ausgerstet verlassen und sich auf der
ganzen langen Strecke bis nach den Diamantenfeldern nur von Wurzeln,
wilden Frchten, nur hie und da vom Fleische kleinerer Wildbeute
ernhren, bieten hufig dem Reisenden, der mit ihnen auf seiner
Wanderung nach Norden zusammentrifft, einen Anblick, der den
Hartherzigen erweichen mte. Es sind frmlich zu Skeletten abgemagerte,
oft tagelang hungernde Gestalten, die ihres Weges dahinschleichen und
die den Hunger dadurch bekmpfen, da sie die Leibriemen, die meist
neben dem Stckchen Fell ihre einzige Bekleidung bilden, fester
zusammenziehen. Eine solche Schaar war auf ihrem Marsche bis an den
benachbarten Setlagoleflu gekommen. Wie gewhnlich folgte Einer dem
Andern auf dem von den Eingebornen dieser Gegend bentzten Pfade. Der
Krftigste, noch Ungebeugteste, bernahm die Fhrung, die Schwcheren
blieben zurck, der schwchste, oder ein Kranker _sich selbst
berlassen_, gewhnlich als letzter weit hinter seinen Genossen. Bei
dieser Schaar befanden sich zwei Brder, von denen der eine seit acht
Tagen schon der letzte war. Am Ufer des Setlagole angekommen, wollte
sich die Schaar etwas ausruhen und fahndete nach rbenartig geformten
Knollen, die auf Kohlenfeuer gebraten, den ersehnten Nachtimbi liefern
sollten. Das Ufer des Flusses erwies sich an solchen so ergiebig, da
man hier zu bernachten beschlo. Der gewhnliche Kreis schlo sich
jedoch diesen Abend nicht vollkommen--einer der dunklen Mnner fehlte.
Sie sahen sich gegenseitig an, worauf Einer, des Vermiten leiblicher
Bruder, aufstand, seine und des Bruders Knollen in sein kleines Fell
nahm, das er sich von der Schulter zog, den Assagai ergriff und seinen
Bruder suchen ging. Die Uebrigen setzten sich nher zum Feuer, schlossen
den Kreis, verzehrten ihren Imbi und nachdem sie mehrere Feuer
errichtet, legten sie sich zwischen diese und ein Gebsch zur
wohlverdienten Ruhe.

Der kranke, durch Hunger geschwchte, von wunden Fen gequlte
Betschuana (ein Batloka) mute hufig ausruhen und so war er vom rechten
Pfade abgekommen und einem gefolgt, der in einen felsigen, durch
zahllose Kareebume und Bsche zu einem stellenweisen Dickicht
umgewandelten und unter den Eingebornen als Lwenhhle notorisch
bekannten Thalstrich fhrte. Unter einer blhenden, schattigen Mimose
ausruhend, wurde der Arme durch einen pltzlichen Sprung von einem dem
ganzen Schwarm seiner Freunde und ihm unbemerkt folgenden Lwen
niedergeworfen und im nchsten Momente auch getdtet.

Sein Bruder geht den Pfad zurck, luft im Grase, um desto deutlicher
die Stelle zu erkennen, an der die Fuspuren den Pfad verlassen, er
findet die Stelle und den Irrpfad, den der Kranke eingeschlagen, doch er
sieht auch schon des Lwen Spur im Sande. Statt umzukehren und die Hilfe
der Genossen anzusprechen, eilt er vorwrts--er hat ja eine Waffe, doch
was ist diese Waffe in der Hand eines Halbverhungerten gegen einen
Lwen, der schon warmes Menschenfleisch genossen und Blut gerochen? So
kommt er zu der Stelle wo der Bruder ohne Gegenwehr von dem Lwen
getdtet wurde, des Bruders Stock liegt auf der Erde--die Leiche selbst
mute von dem Lwen fortgeschleppt worden sein--er blickt herum, geht
einige Schritte--dort des Bruders aus Stroh geflochtener Hut und sein
Krbigef, er springt nher, um einen Baum herum--unter diesem liegt
die halbbenagte Leiche des Gesuchten. Ein Schrei dringt durch die Stille
des Abends am Setlagole-Ufer. Aber auch der Lwe, der den Ankmmling
schon lange bemerkt, hatte sich hinter ein nahes Gebsch in Hinterhalt
gelegt und sein zweites Opfer in dem Momente erfat, als es sich ber
den zerfleischten Krper seines Bruders zu werfen im Begriffe war.

Am folgenden Morgen als die Batloka's aufwachten und sich zur
Weiterreise rsteten, vermite man die beiden Brder. Nichts Gutes
ahnend, liefen erst einige zu einem, am anderen Ufer einige hundert
Schritte abseits liegenden Barolongen-Gehfte, um sich Hilfe, d.h.
Mnner mit Gewehren zu erbitten, die man ihnen auch bereitwilligst
mitgab. Man folgte dem Pfade, fand die Lwenspur theilweise von den
Fuspuren des zweiten Bruders verwischt und endlich beide Leichen; die
Leute konnten auch deutlich wahrnehmen, da das Raubthier erst vor sehr
kurzer Zeit, wahrscheinlich vor den lrmenden Menschen zurckweichend,
den Ort verlassen haben mute. Man nahm nun seine Spur auf und folgte
ihr 500 Schritte weit lngs des Fluufers. Bei einer Biegung glaubten
einige in den Vaalbschen einen gelbschimmernden Gegenstand zu sehen,
riefen die Uebrigen herbei und obgleich man den Gegenstand nicht fr
einen Lwen hielt, schlugen smmtliche Schtzen auf das kleine Gebsch,
respective das gelb durchscheinende Object an und drckten los. Das
Erstaunen aber war gro, als sie einen ausgewachsen, mnnlichen, von
sechs Kugeln durchbohrten Lwen todt im Gebsche vorfanden.[1]

    1: Siehe Anhang 16.

Drei Meilen von Konana auf dem gegenberliegenden Abhange (nachdem wir
den zur Zeit unseres Besuches bis auf einige Lachen trockenen Flu
durchschritten hatten) whlten wir uns einen Lagerplatz aus und trafen
alle nthigen Vorkehrungen, um etwaigen Ueberraschungen von Seite der
Lwen vorzubeugen. Am nchsten Morgen--es war ein wahrhaft lieblicher,
klarer Morgen--drangen die goldenen Strahlen warm durch die Zweige ber
uns und ermunterten die in diesen Zweigen sich tummelnde gefiederte Welt
zur Erffnung ihres Concertes. Namentlich zahlreich waren Wrgerarten,
kleinere Singvgel und Tockus plavirostris (Tukans) vertreten.--Die
Fahrt ging sehr langsam von statten, da wir den Zugthieren oft einige
Rast gnnen muten und die dichtbebuschte Strecke nur vorsichtig
durchfahren werden konnte. Ohne eines der kniglichen Thiere auch nur
ansichtig zu werden, traten wir nach einigen Stunden aus der bebuschten
Partie des Weges heraus. Unvergelich wird mir und meinen Gefhrten der
Ausblick auf die Gegend bleiben, der sich uns nun darbot, als wir einen
freien Ueberblick ber die sich vor uns ausbreitende Hochebene gewannen.
Tage wie der 26. November 1873 werden mir, als Jagdfreund, doch in
hherem Grade als Beobachter des freien Thierlebens, mein ganzes Leben
hindurch in frischem, unvergelichem Angedenken bleiben und mich manche
bittere Erfahrung vollkommen vergessen lassen, sie mgen auch dem
geehrten Leser meine Sehnsucht, nach jenen Gefilden zurckzukehren,
begreiflich erscheinen lassen.

Auf die Hhe des Plateaus gelangt, sahen wir eine etwa 20 Meilen lange,
von Sden nach Norden sich hinziehende, nach Osten von einigen
Mimosengehlzen begrenzte und hier durch freie Zwischenrume mit einer
nachbarlichen zusammenhngende, 6-7 englische Meilen breite Grasebene.
Dieser mit zahllosen rthlichbraunen, niedrigen Termitenhgeln bedeckte
und von frischem, kurz zuvor aufgesprotem und nur stellenweise, wie in
der Nhe der Wassertmpel, aus hohem Gras gebildete, dunkelgrne Teppich
war durch Tausende von Thieren aller Gattungen belebt. Dunkelbraun und
schwarz, rothbraun und hellbraun, gelblich und gescheckt waren die
Farben der Roben, mit denen Mutter Natur die hier versammelte
Gesellschaft bekleidet hatte. Es waren meist schwarze und gestreifte
Gnu's, Blbcke und Hartebeest-Antilopen, Springbockgazellen und
Zebra's (Quagga's). Die einen grasend, die andern einander neckend und
spielend, dort eine Heerde Gnu's eines hinter dem andern wie in tiefes
Nachdenken versunken gemchlich dahinschreitend. In hnlicher Weise
grasten mehrere Blbockheerden, whrend eine uns zunchst stehende,
etwa 150 Thiere starke Zebraheerde, sich in weitem Bogen langsam nach
dem Sden zu bewegte. Zahllose Hartebeeste weideten in kleineren Heerden
und, wie immer, nher an den Gebschen, schwarze Gnu's in Rudeln von
10-80 Stck ber die ganze Ebene zerstreut, whrend es zwischen ihnen
und den Zebra's, ja berall, wohin man auch sehen mochte, von
Springbockgazellen wimmelte. Eine artenreiche Vogelwelt brachte in
dieses reizende Bild erhhte Bewegung. Vor Allem waren es die groen
Trappen Eupedotis Kaffra und Kori zwei der schon oft erwhnten
Zwergtrappen, Chenalopes, Enten, Kibitze, Ibise, Kraniche, Fischreiher,
Regenpfeifer und viele andere, welche durch ihr buntes Gefieder und ihre
schlanken Gestalten, durch ihren meist nahe ber den Boden
dahinstreichenden Flug und durch ihr in allen Modulationen ertnendes
Gepfeife und Geschnatter in die Augen sprangen.

Obwohl ich auf der ersten Reise so manche Scene sdafrikanischen
Thierlebens gesehen, dieses Bild auf dem zwischen der von mir
Jungmanns-Pfanne benannten Salzpfanne und dem Konanaflchen gelegenen
Hochplateau bertraf die khnste Phantasie, es mute selbst den
Gleichgiltigsten zum Naturfreunde machen. Nachdem wir uns--unsere armen,
mden Zugthiere vllig vergessend--wohl eine Stunde lang an diesem
Anblick geweidet hatten, beriethen wir uns ber die Wahl eines
geeigneten Lagerplatzes. Der eben genossene Anblick hatte in mir den
Entschlu gereift, hier einige Tage zu verweilen.

Diese Ebene reicht mit anderen zusammenhngenden bis gegen den oberen
Hart-River nach Osten, bis zum Maretsane-Flu nach Norden und bis gegen
Mamusa nach Sden, bedeckt einen riesigen Flchenraum und gehrt zum
grten Theile zum Gebiete des Knigs Montsua. Sie hat keinen merklichen
Abfall, kaum hinreichend, da das berschssige Regenwasser mit Ausnahme
der unmittelbaren Uferpartien einen Abflu nach dem Hart-River, dem
Maretsane, Konana und Mokara findet, daher treffen wir auf derselben
zahlreiche grere und kleinere Salzseen und eine Unmasse seichter
Vertiefungen, die zur Regenzeit durch Wasserlachen gefllt sind. Diese
Salzpfannen scheinen zum Gedeihen des Wildes wesentlich beizutragen.

Eine solche Vertiefung, etwa drei Meilen von der Stelle, wo wir standen,
wurde zum Lagerplatze auserwhlt. Als wir mit unserem Wagen durch die
Ebene zogen, waren es zuerst die Zebra's und die Blbockantilopen,
welche die Flucht ergriffen; einige der zahlreicheren Heerden, wie die
Zebra's, jagten gegen eines der Gehlze, um durch eine der vielen
Lichtungen in demselben auf die nchste Ebene zu flchten.

Am Nachmittag machte ich mit E. und B. einen Ausflug in sdlicher
Richtung, wobei wir Gelegenheit hatten, die Gnu's ziemlich nahe
beobachten zu knnen, einige der Thiere blieben ohne Scheu stehen,
andere rannten sdwrts, als wir auf der Rckkehr etwas nher an das
eine Gehlz herantraten, setzten sich smmtliche Thiere--eine wenigstens
300 Stck zhlende Gnuheerde--eine hohe Staubwolke aufwirbelnd, in
Bewegung und wandten sich an uns vorbei nach Sden (windabwrts). Das
interessante Schauspiel wiederholte sich auch am folgenden Morgen und
war durch eine nicht weniger anziehende Fata Morgana noch erhht, welche
die einzelnen Thiere riesig gestaltete und die hpfende Bewegung ihres
Laufes in den ber dem fernen Horizonte liegenden Luftschichten
widerspiegelte.

Am folgenden Abend beschlossen wir an einem der zahlreichen, von den
Regenlachen gebildeten, seichten Lcher auf den Anstand auszugehen.
Deutlich konnten wir das Brummen der Gnu-Stiere hren, die ihre Heerden
nach den Lachen zur Trnke fhrten. Am Morgen versuchten wir im
sdlichen Theile der Ebene eine Treibjagd, doch ohne Erfolg. F. und Pit
hatten eine falsche Richtung eingeschlagen, und das Wild bentzte eine
entstandene, etwa 360 Schritte breite Lcke, um durchzujagen.

Zum Wagen zurckgekehrt fanden wir einige Barolongen, die von Konana
kamen und auf eines der Mimosengehlze lossteuerten, in dem schon ihre
Gefhrten bei der beabsichtigten Treibjagd harrten. Sie trugen uns ihre
Hilfe an, von der ich jedoch keinen Gebrauch machte, da ich weniger der
Jagd als vielmehr der Beobachtung der Wildspecies obliegen wollte.
Endlich kam der Abend und mit ihm eine Nacht, die mir ebenso
unvergelich bleiben wird, wie der vorhergehende Tag, unstreitig die
schlimmste Nacht in der ersten Hlfte meiner zweiten Reise. Bei Anbruch
der Nacht war ich mit Boly ausgegangen, wir hielten uns nahe an unserem
Bestimmungsorte und Jeder von uns suchte es sich in dem engen Erdloche
so bequem wie mglich zu machen. Da ich mich kriechend einer Lache
genhert, gelang es mir, meinen Platz einzunehmen, ohne die Vgel an dem
Gewsser aufzuscheuchen. Dieser Vielen vielleicht unscheinbar dnkende
Umstand ist aber fr den Jger auf den sdafrikanischen Ebenen insoferne
wichtig, als die aufgescheuchte Vogelwelt solch ein Zetergeschrei
erhebt, da das Wild, auf eine nahende Gefahr aufmerksam gemacht wird
und dann die gewhnlichen Pfade meidet.

[Illustration: Wild auf den Quaggaflats.]

Die Nacht war ziemlich dunkel, im Norden blitzte es unaufhrlich, ein
Gewitter zog dort nach Osten zu. Auer dem zeitweiligen Gepfeife und
Geschnatter in dem Gewsser vor mir war die Stille um mich nicht
unterbrochen; einigemale schien es mir, als ob ich das Grunzen des
schwarzen Gnu's hren wrde, doch es mochte nur Einbildung sein, die
meine Gedanken in der Erwartung dieser Thiere eben nur auf sie
concentrirte. Einmal hrte ich deutlich das Schlrfen von Wasser,
hnlich wie es die Hunde thun, ich strengte mich an, den Gegenstand zu
erkennen, doch war dies nicht mglich, es mochte wohl ein Schakal sein,
der sich mir windabwrts genhert hatte.

Ich lauschte noch in der Stille der Nacht hin, als ich pltzlich das
erwartete Grunzen vernahm. Ich richtete mich etwas auf, um desto
deutlicher hren zu knnen, richtig, ja das sind schwarze Gnu's; ich
lege das Ohr an eine vom Gras entblte harte Stelle und vernahm
deutlich den dumpfen Schall, den eine auf dem Wildpfade dahinschreitende
Gnuheerde hervorbringt.

Freudig und in gehobener Stimmung ducke ich mich wieder nieder, sowie
ich jedoch wieder aufschaue und mit dem Blicke die Richtung suche, in
der ich die Annherung des Wildes erwartete, blizt es ziemlich hoch am
nrdlichen Himmel auf, dort, wo ich zuvor das Gewitter beobachtet.

Ich unterschied ein mehrstimmiges Brummen und etwas spter erschien ein
dunkler Gegenstand am gegenberliegenden Ufer der Lache. Das Gnu ging um
das Gewsser nach mir zu, kehrte um, kam wieder zurck und nun sah ich
es von mehreren anderen gefolgt. Sie standen eine geraume Zeit, ohne
sich zu nhern, dann trat der Leitstier von einem zweiten Thiere
begleitet vor und kam auf das sandige Ufer zu. Da steht das Thier einige
Schritte vor mir mit dem Kopfe nach mir zugekehrt, da ich nur diesen
Theil und die Lache darunter sehe. Ich ziele so wie es die Dunkelheit
erlaubte, auf den Schdel und mit einem lauten Krach schlgt die Kugel
ein. Ich springe auf, um meine Jagdbeute zu suchen, ohne mich weiter um
die enteilende Heerde zu kmmern. Doch ich sehe nichts, ich reibe mir
die Augen, mit dem Gewehrlaufe auf der Erde herumtastend, hoffte ich
jeden Augenblick den Krper des gefallenen Thieres zu finden.--Doch
alles war Tuschung. Der Schu traf, trotzdem war das verwundete Thier
noch mit den anderen geflohen. Das Aufleuchten des Blitzes am nrdlichen
Firmament brachte mich wieder zur Besinnung. Ich mute fr diese Nacht
das Jagen aufgeben und zum Wagen zurckkehren.

Boly, der mit mir auf den Anstand gezogen, war noch nicht zurckgekehrt.
Ich lie F. mit einem Feuerbrande etwa 200 Schritte aufwrts gehen, um
damit den vielleicht irre Gehenden sein richtiges Ziel zu weisen. Allein
F. schwenkte den Feuerbrand bis es zu regnen anfing und noch immer war
von B. nichts zu hren und zu sehen. Der Wind hatte sich inzwischen
gesteigert und bald raste ein wahrer Orkan ber die Ebene hin.
Theilweise kam uns nun--und auch spter als Blitz auf Blitz auf die
Ebene niederfuhr--unsere etwas tiefere Lage zu Gute, allein sie hatte
auch ihre Schattenseiten. Das Wasser fiel nicht allein in Strmen, es
flo auch in solchen von der Ebene herab in die Tiefe und machte unsere
Lage recht unbequem. Doch es war weniger diese, die uns beunruhigte,
Boly's Zustand machte uns Alle sehr besorgt, sogar die Schwarzen
sprachen von nichts Anderem, als wo doch der Ba B. sein mge. Blitz
folgte auf Blitz, kaum war der Nachhall des einen Donners verhallt,
folgte schon ein anderes Donnergebrll und dazwischen schlug der Regen,
von der rasenden Windsbraut getragen, so heftig gegen den Wagen an, da
wir uns kaum durch Schreien einander vernehmbar machen konnten. Die
Atmosphre war auch bedeutend abgekhlt worden, welcher Temperaturfall
uns nach der furchtbaren Tageshitze und bei den bis auf den Leib
durchnten Kleidern durchaus nicht willkommen war.

[Illustration: Gnujagd bei Nacht.]

Stunde auf Stunde verrann, das Gewitter war vorbergezogen, Regen und
Wind hatten sich gemigt, endlich hrte der Regen gnzlich auf. Die
Sorge um Boly's Schicksal lie uns kaum zwei Stunden der Ruhe pflegen,
zu der uns die Mdigkeit zwang. Am frhen Morgen sandte ich einen der
schwarzen Diener nach Boly aus. Schon nach einigen hundert Schritten sah
dieser den Gesuchten kommen, er war ber und ber mit Koth bedeckt und
sah recht erbrmlich aus. Sein Krper zitterte vor Klte, doch was uns
alle erstaunte, war, da er das Gewehr so rein zurckbrachte wie er es
mitgenommen. Der Aermste hatte an einem Termitenhgel zusammengekauert
das Unwetter ber sich ergehen lassen mssen und hatte berdies, um
seine Waffe schubereit zu erhalten, dieselbe mit seiner Jacke
umwickelt.

Am Abend fanden sich einige berittene Barolongen bei uns ein, welche uns
ein Zebra fr einen Sack Pulver (5 Pfund Gewicht) und zwei Stangen Blei
(12 Pfund) zum Kaufe anboten. Sie hatten eine Treibjagd veranstaltet,
dabei eine Zebraheerde eingejagt und von ihren Pferden eines mit den
Assagaien so verwundet, da das Thier zurckblieb und von den zu Fue
mit Gewehren nacheilenden Genossen erlegt wurde. Schon wollte ich den
Kauf eingehen, als ich noch rechtzeitig bemerkte, da das Fell sehr
beschdigt und zum Prpariren ungeeignet war.

Die gesammten bis nach Mamusa reichenden Ebenen sind von etwa 70, in der
Regel 100-300 Schritte breiten, 200-800 Schritte langen Mimosengehlzen
bedeckt. Beinahe in jedem dieser Gehlze stoen wir auf eine
Eingebornentruppe, welche ber dem Winter oder Sommer auf den
wildreichen Ebenen der Jagd obliegt; trotzdem wird, da die Barolongen
und Batlapinen meist schlechte Schtzen sind, hchstens alle 2-4 Tage
ein Stck Wild erlegt.

Die Formation dieser Ebene ist der harte, graue, im sdlichen
Transvaal-Gebiete erwhnte Kalkstein, dem hie und da das Vaalgestein
aufliegt, im Gerlle sind hufig Rosenquarzstcke zu finden. An den
Abhngen zum Konanaflusse sah ich mige Quarzitadern, einige Fu hoch
jenen Kalkstein durchbrechend, weithin in ihrer weilichen Farbe
schimmern.

Am 29. November Morgens machte ich einen Ausflug und kehrte mit einem
Hynenschdel heim. Im Allgemeinen hatten wir hier eine groe Anzahl von
Gnu-, Blbock- und Springbock-Schdeln gesammelt. Um Mittagszeit
verlie ich den Ort und zog nach Osten, um den vom stlichen Taung nach
Molema's Town fhrenden Weg zu treffen und auf diesem meine Reise nach
Norden fortzusetzen. Nach einer sechs Meilen langen Tour hielten wir in
einem Mimosengehlze Rast und trafen mehrere Barolongen, auerdem sahen
wir zahlreiche verlassene Htten. Um diese Htten lagen frmliche
Knochenhgel; mit Ausnahme der Hrner waren alle Knochen zerschlagen, es
mute wohl unzhligen der auf den Ebenen ringsum flchtigen Thieren das
Leben in den letzten Jahrzehnten gekostet haben, bevor diese
Knochenhaufen aufgestapelt werden konnten. Ich suchte unter den
Knochenresten nach pathologischen Miformen und fand nur zwei
verunstaltete Hrner. Beide Hrner waren durch Kugelschsse
abgeschossen, die entstandene Wundflche zugeheilt und durch neuen
Hornberzug bedeckt worden; ich fand auerdem ein zum Lederarbeiten von
den Eingebogen gebrauchtes, zugespitztes und durchlchertes, an einem
Riemchen hngendes Hornstck.

Bei einbrechender Dunkelheit schlugen wir an einem dicht bebuschten, in
der Nhe eines Salzsees sich erhebenden Hgel, unter einigen schattigen
Kaameeldornbumen unser Nachtlager auf. Der sich unter uns ausbreitende
Salzsee war trocken, allein an seinem Ufer, am Abhange des Hgels und
der Ebene, fanden sich berall se Quellen, die uns mit reinem
Trinkwasser versahen. Zeitlich am nchsten Morgen machte ich einen
kleinen Gang durch das Gehlz und fand abermals Knochensttten und
mehrere Gruppen verlassener Jagdhtten der Eingebornen; da ich auch
mehrfach Hasen, Perlhhner, Rebhhner und Deukerantilopen bemerkte,
entschlo ich mich, hier einen Tag zu bleiben. Der Tag war schn und
lohnte meinen Aufenthalt in jeder Beziehung. Vogelblge, zahlreiche
Schlangen, Insecten und Krustenthiere, doch auch Pflanzen hatten am
Abend meine Sammlungen bereichert. Meine Gefhrten erbeuteten so manchen
schnen Vogelbalg, darunter namentlich Bienenfnger, schwarze und kleine
graue Wrger, Regenpfeifer etc., whrend es mir gelang eine Chenalopes
zu berlisten.

Der bewaldete Hgel erhob sich ber der westlichen Ecke der Salzpfanne,
doch auch das sdliche und nrdliche Ufer waren von felsigen, niederen
Hhen begrenzt. Zwischen dem ersteren und den nrdlichen Hhen ffnete
sich ein Thal und hier fhrte ein gegenwrtig trockener Bach von der
Ebene das berschssige Regenwasser herab, der vorgestrige heftige
Regen, der uns kaum 12 englische Meilen von dieser Stelle entfernt
berraschte, hatte hier keine Spuren hinterlassen, war also, wie immer
in dieser Gegend, im engsten Sinne des Wortes local gewesen. Von der
Hhe herab vernahm ich das Geschnatter mehrerer egyptischer Gnse. Durch
einen Busch am Abhange gedeckt, bersah ich die gesammte Pfanne, folgte
dem Ufer und doch konnte ich nirgends das schreiende Thier zu Gesicht
bekommen. Erst nach langem Suchen erblickte ich das Thier auf dem
hervorragenden Aste einer halbvertrockneten Mimose. Da ich nur mit
kleinem Schrot geladen hatte, mute ich mich nher anzuschleichen
trachten. Hier durch einen Busch, dort durch einen Block gedeckt, war es
mir gelungen, unbemerkt in das Thal hinabzusteigen. Das Thlchen war mit
niedrigen, blos stellenweise hheren, schtteren Bschen und einigen
wenigen Bumen bewachsen, doch der Boden war steinig, und ich mute nun
meine Fubekleidung zurcklassen und barfu weiter schleichen. Der Vogel
sa hochaufgerichtet auf dem dicken Aste, gegen den Stamm zu sah ich ein
Nest, welches ich spter als das seine erkannte. Auf 60 Schritte
nahegekommen, feuerte ich und erlegte die Gans, deren schner Balg
meiner Sammlung einverleibt wurde. Die Formation um diese Pfanne, welche
ich Jungmanns Salzsee oder Chuai Jungmann taufte, war hnlich jener des
Vaalgesteins bei Bloemhof, die Grnsteinblcke bis drei Kubikfu gro.

[Illustration: Verlassener Jagdplatz der Barolongen.]

Nach Sonnenuntergang setzten wir unsere Reise wieder fort. Wir
bernachteten auf einer unabsehbaren Ebene, die deutliche Spuren von
Regenlosigkeit trug, der Boden war zersprungen, das Gras so trocken, da
es bei der Berhrung brckelte, und selbst die dahinjagenden Springbcke
wirbelten Staubwolken auf. Der Wassermangel gab uns auch Veranlassung am
nchsten Tage tchtig auszugreifen, so da wir an diesem Tage 18
englische Meilen zurcklegten. Auch das Wild war in diesem wasserarmen,
nrdlichen Striche recht sprlich geworden; zweimal trafen wir mit
Barolongentruppen zusammen, welche Schiepulver erhandeln wollten; sie
brachten Milch als Tauschartikel. In Folge ihrer Ungeschicklichkeit als
Jger und ihrer Arbeitsscheu schauten die Leute recht verhungert aus;
wir gaben ihnen Schiepulver und etwas Beltong (getrocknetes
Wildfleisch). Die Entdeckung einer mit reichlichem Wasser gefllten
Bodeneinsenkung gab das Signal, den heutigen Marschtag zu beschlieen.

[Illustration: Barolongen Zebra's jagend.]

Am Morgen des 1. December wurden wir durch den Besuch eines Boers
berrascht, dessen Mitteilungen uns dahin belehrten, da wir an der
westlichen Grenze der Transvaal-Republik angelangt waren. Der in der
Nhe unseres Lagers angesiedelte Boer wartete auf den Besuch des
Prsidenten Burger, von dem er endlich Abhilfe von den unausgesetzen
Grenzstreitigkeiten mit den Barolongen erwartete. Er theilte uns auch
mit, da zwei seiner Shne in das Innere auf Elephantenjagd ausgezogen
waren und ersuchte uns, ihnen im Begegnungsfalle seine Gre zu
entbieten. Von dem gesprchigen Farmer scheidend, setzten wir unsere
Fahrt in nordwestlicher Richtung fort und gelangten auf eine reichlich
mit Mimosen bestandene Ebene, zwischen dem Molapo- und Maretsaneflusse,
dessen Quellen wir in der verflogenen Nacht, ohne es zu wissen, passirt
hatten.

Einige der weidornigen Mimosen waren auf dieser Ebene in voller Blthe,
mit hunderten und aber hunderten kleiner, grellgelber, kugelfrmiger und
duftender Blthen behangen. Die Blthen wie Bltter der bis zu 18 Fu
hohen Bumchen waren uerst zart und mit hunderten von
verschiedenartigen Blumenkfern (Cetonidae), sowie einigen
rothgebnderten Holzbcken bedeckt; es wunderte mich, da unter den
zahlreichen Bumchen blos zwei von den Insecten ausgesucht wurden,
whrend an den Aesten zahlreiche weie, ber einen Zoll lange Puppen der
groen Cicade klebten, die allenthalben ihre laute Stimme erschallen
lieen, bei unserer Annherung mit lautem Summen davonflogen und sich
mit einem hrbaren Schlag auf dem nchsten Mimosenbumchen niederlieen.
Auch buntfrbige Blattwanzen fehlten nicht und groe stahlblaue
Raubwespen zogen summend und nach Fliegen haschend um die Bsche. In
gewohnter emsiger Weise schnurrend flogen zahlreiche Hummeln ber den
krftig emporsprieenden Grasteppich hin, um fr sich und die im nahen
verlassenen Termitenhaufen eingenistete Brut Vorrthe zu sammeln.

[Illustration: Prsch auf egyptische Wildgnse.]

Der sdafrikanische Frhling war mit aller Macht in die Gegenden am
oberen Molapo eingezogen, all' das kleine Gethier fhlte seine
Herrschaft und war zum Leben erwacht, um ein neues Dasein zu beginnen;
fremd, weder ersehnt noch willkommen schien er dem Menschen am oberen
Molapo zu sein. Friede, neues Leben, vereinigtes Schaffen, Lust und
Freude, das war um mich her an jenem Morgen auf den Fluren am Molapo der
Hauch der verstandeslosen Natur. An Hader, Brand und blutige Thaten
dachten, davon sprachen und damit drohten--die Herren der Schpfung.

Nach einer kurzen Fahrt am Morgen des 2. Decembers langten wir bei dem
Dorfe der Makuben an, welches am sdlichen (linken) Ufer des Molapo
gelegen, zu Molema's Town (d.h. die Stadt Molema's, eines Bruders des
Knigs Montsua) gehrte. Das Thal des oberen Molapo ist in den ersten 15
Meilen seiner Lnge eng, von dem steilen Abfall des Hochplateaus
eingeengt, in seinem weiteren Verlaufe ist es flach, ein miger
Einschnitt in die etwas nach Westen abfallende Hochebene. Wir hatten es
in der letzteren Partie zu berschreiten. Das Bett des Flusses war hier
von Kalktuff gebildet, der zahlreiche fossile Pflanzen enthlt und
deutlich darauf hinweist, da dieser Thaleinschnitt schon vor
Jahrtausenden als ein gerumigeres Flubett bentzt worden war. Dieser
Kalktuff wird von dem harten, grauen Kalkstein berlagert und ist durch
eine Unzahl kleiner Grotten, Hhlen, Lcher charakterisirt, welche die
Tmpel der fast monatelang trockenen Flurinne bilden. Oberhalb dieser
Stellen und in den eingeengten oberen, wie auch in dem Bergthale ist das
Bett schlammig und sumpfig und dieser Umstand ist wohl der Grund, da in
der trockenen Jahreszeit groe Wassermengen verloren gehen und der Flu
schon nach wenigen Meilen seines Oberlaufes versiegt.

In dem marschigen Theile des Thales finden sich die westlichsten, die
sogenannten Molapo-Farmen des Marico-Districtes, deren Besitzer ihre
Felder continuirlich irrigiren knnen; in dem mehr offenen Theile finden
sich die Niederlassungen der Barolongen[1], welche ihre hie und da nach
europischem Vorbilde angelegten Grundstcke zu bewssern im Stande
sind.

    1: Nach Westen erstreckt sich ihr Gebiet bis gegen Namaqualand.

Den Molapo (d.h. ein Flu) berschreitend, lagerten wir an seinem
rechten Ufer in der Nhe einiger Wartebichi-Mimosen. Gegen
Sonnenuntergang blickend sahen wir Molema's Town vor uns, an einem
migen Abfall der im Hintergrunde bewaldeten Hochebene; im Osten ist
die Stadt durch zwei interessante Felsenpartien begrenzt und im Schutze
der einen, zwischen ihr und dem Flchen, stand das gerumige, im Style
der Eingeborenen ausgefhrte Missionshuschen der Wesleyan
Missionsgesellschaft.[1]

    1: Dieselbe besitzt in Molema's Town, in Lothlakane und Poolfontein
    (zu der Zeit meines Besuches war die eine, die sich jetzt in
    Lothlakane befindet, in Moschaneng) je eine Station, von denen
    frher die in Molema's Town, gegenwrtig die in Lothlakane von einem
    weien Missionr dirigiert wird. Auerdem ist Poolfontein auch der
    Sitz eines Predigers der deutschen Hermannsburger
    Missionsgesellschaft, der jedoch unter den meist der Wesleyan'schen
    Kirche angehrenden aus der sdcentralen Transvaal-Republik nach der
    Poolfonteiner Ebene (auf Montsua's Gebiet) verpflanzten Borolongen
    eine schwierige Stellung hat. Poolfontein liegt zwischen Lothlakane
    und Lichtenburg.

Die erwhnten Felsenpartien, das mit Bumen bestandene Ufer des kaum
vier bis zehn Schritte breiten Flchens, sowie die vielen zwischen den
Gehften sich erhebenden Karie-, Kameeldorn- und Weidenbume, welche den
ganzen Abhang des Plateaus bedecken, verleihen Molema's Town eine der
schnsten Lagen unter den Eingebornenstdten des centralen Sd-Afrika.
Seine Gehfte stehen weniger dicht aneinander und sind mit Zunen
versehen, aus denen sich die spitzig zulaufenden mit den Stauden der
Kaleba-Krbisse berwucherten Dcher der Htten erheben.

Zahlreiche Wgen zeugen von der zunehmenden Wohlhabenheit des Stammes,
die namentlich dem Umstnde zugeschrieben werden darf, da Knig Montsua
den Branntweinverkauf im Lande sistirte, eine Verfgung, welche Molema,
der Unterchef und Gouverneur von Molema's Town, mit seiner ganzen
Autoritt zur Geltung brachte, ferner da der frher hier ansig
gewesene Missionr, europischen Getreidearten in Molema's Town Eingang
verschaffte.[1]

    1: Siehe Anhang 17.

Was mich in Molema's Town besonders angenehm berhrte, war das Verbot
Molema's, der nebenbei gesagt ein Christ und Prediger ist, im Bereiche
der Stadt keinen Baum zu fllen; wir hatten kaum unser Lager
ausgeschlagen, als ein Eingeborner (einen Polizisten vertretend) im
Namen des Fieldcornets (Sheriff, oberster Sicherheits-Beamter) bei uns
erschien, um uns Weidepltze fr die Zugthiere anzuweisen und das eben
erwhnte Verbot zur Kenntni zu bringen.

Bevor ich noch meinen Entschlu, Rev. Webb aufzusuchen, ausfhren
konnte, kam aus dem Missionshuschen ein blondbrtiger, untersetzter
Mann, ein kleines Mdchen an der Hand fhrend, auf mich zu. Es war der
Gesuchte. Wir waren bald in ein eifriges Gesprch ber Molema's Town und
die Grenzfrage verwickelt. Von Montsua, dem Herrn des Landes, erfuhr
ich, da er in Moschaneng, in einer im Gebiete seines kniglichen
Freundes, des Banquaketse-Herrschers Chatsitsive, erbauten Stadt wohne
und entschlossen sei, sich in Poolfontein niederzulassen, wohin jedoch,
wohl um den unabhngigen Barolongenfrsten zuvorzukommen, die
Transvaal-Regierung ihr unterthane Barolongen bereits angesiedelt hatte.
Montsua war darber sehr verdrielich und im Begriffe, Moschaneng zu
verlassen und sich in seinem Gebiete eine andere Stelle zum Baue der
Residenz auszusuchen.[1]

    1: Er hat dies auch spter gethan, indem er der englischen Regierung
    die Oberhoheit ber sein Gebiet antrug.

Des Missionrs Huschen war nur auf das Nothdrftigste eingerichtet,
denn aus den eben erwhnten Grnden betrachtete Rev. Webb seinen
Aufenthalt nur als provisorischen, berdies war Molema selbst Prediger
und den weien Missionren nicht sehr gewogen. Rev. Webb und seine Frau,
die ihrem Lebensgefhrten in dieser Abgeschiedenheit treu zur Seite
stand, riethen mir, baldigst nach Moschaneng aufzubrechen.

Herr Webb begab sich hierauf zum Chef Molema, um ihm meine Ankunft
anzuzeigen. Als er heimkehrte, kam er mit dem an Asthma leidenden alten
Manne zurck, der mich herzlich willkommen hie und meinte, da auer
dem Naka (Doctor) Livingstone noch kein Naka zu ihm gekommen sei, er
zeigte sich ber meine Ankunft sehr erfreut, denn er hoffe, da ich ihm
doch ein Molemo (Medicament) bereiten werde, das ihm den garstigen
Husten benehmen und ihm ein freieres Athmen gestatten wrde. Zugleich
lud er mich ein, ihn am folgenden Morgen zu besuchen, sowie meinen
Aufenthalt auf einige Tage auszudehnen, er wolle mir als Gegenleistung
ein fettes Schaf senden.

Am Morgen des 2. Decembers machte ich einen Ausflug thalaufwrts und
fand dieses in allen, mchtige Humuslagen aufweisenden Partien dicht mit
Kafirkorn angebaut. Ich war durch die ersten Anzeichen einer von
Grahamstown bis zum Molapo vermiten tropischen Vegetation berrascht,
welche sich durch manche Species bemerkbar machte, anderseits traf ich
hier auch Pflanzen der gemigten Zone, in artenreicher Zahl, so
Campanula Saponaria, Veronicae, mehrere der doldenblthigen
Euphorbiaceen und andere; auf den Wiesenflchen stand das Gras 4 Fu
hoch. Ich erlegte einen Fischreiher, mehrere Finkenarten, darunter zwei
Feuerfinken und zwei Spornkibitze, die mich durch ihr lautes Tik-Tik
angelockt hatten. Die auf den Feldern arbeitenden Frauen sahen bedeutend
reinlicher als die Batlapinen aus und ich mute auch spter, als ich von
Molema's Town schied, diesen sogenannten nrdlichen Barolongen eine
hhere Stufe als den Batlapinenstmmen und selbst als den Mokalana,
Marokana etc. oder sdwestlichen Barolongen einrumen, obgleich sie im
Ackerbau und der Viehzucht von den sdstlichen Barolongen, die unter
Maroka in Taba Unschu und der Umgebung dieser ber 10.000 Einwohner
zhlenden Stadt wohnen, bertroffen werden; jenen kommt allerdings die
Pferdezucht zu Gute, welche am Molapo wie in der Transvaal-Republik
durch die grassirende Pferdekrankheit vereitelt wird.

[Illustration: Feldapotheke.]

[Illustration: Die Ueberbringer der Arznei.]

Ich bereite fr Mrs. Webb und den Huptling einige Medicamente, darunter
auch Pulver, bei welcher Manipulation ich von den zahlreichen uns
besuchenden Eingebornen angestaunt und bewundert wurde. Einer der Mnner
setzte sich neben Pit am Feuer nieder und fragte hier mit gedmpfter
Stimme, was ich da thue, Pit meinte, ich bereite ein Medicament. Der
Fragesteller mischte sich nun sofort unter die gaffende Menge und
verbreitete unter ihr die Nachricht, da ich ein Naka sei und eben ein
Molemo bereite. Das dadurch hervorgerufene Erstaunen war in den Zgen
Aller, der Mnner, Frauen, ja selbst der Halberwachsenen deutlich zu
bemerken. Einer raunte dem Andern die Worte Naka und Molemo zu und man
konnte an den Lippenbewegungen beobachten, wie es sich die Einzelnen
wiederholten. Ich hatte damit bedeutend an Ansehen und Respect gewonnen
und es wurde so stille um mich, da man jedes Wort der abseits am Feuer
sprechenden Diener vernehmen konnte. Jede, auch die geringste meiner
Bewegungen wurde mit dem grten Interesse verfolgt, am meisten jedoch
das Abwgen der gleichen Theile und das Einschtteln der Pulver in die
von F. am Wagenbrette zubereiteten Papierhlsen. Als ich meine Arbeit
beendet, frug ich, ob einer das Molemo zum Chef Molema tragen wolle;
Alle, die Mnner wie die Knaben, schrieen durcheinander, manche eine,
manche beide Hnde darnach ausstreckend. Jeder wollte der Ehre
theilhaftig werden, des weien Naka's Medicin dem geliebten Huptlinge
zu berbringen. Bei solcher Auswahl hatte ich die Laune, auch wirklich
whlerisch zu sein, ich suchte mir den Aeltesten im Haufen aus, ein
gebeugtes, weihaariges Mnnchen, das gar nicht seinen Augen trauen
wollte, und gab ihm die zu einem Pckchen geformten Pulver; er wollte
sie jedoch nicht berhren, sondern bat mich, sie ihm an seinen Stock zu
binden, den er nun vor sich hertragen wollte. Da ihm dies jedoch,
beschwerlich fiel, so ergriff ich einen der zunchst stehenden Jungen,
seine Peitsche fassend befestigte ich an dieser das Pckchen und hie
ihn dem Alten folgen, was diesem erwnscht war, und den Haufen um mich
zu befriedigen schien, denn wiederholt hrte ich den Ausruf monati,
monati (schn).

Am folgenden Tage hatte ich den Huptling wieder zu besuchen. Molema
empfing mich in seinem Hfchen, stellte mir seine Frau und seine um ihn
herum wohnenden Shne vor. Dann lie er fr mich und Herrn Webb je ein
hlzernes Sthlchen bringen und bat mich, ihm die letzten Ereignisse und
Tagesneuigkeiten aus der Cap-Colonie und den Diamantenfeldern
mitzutheilen, erkundigte sich nach den Verfgungen der englischen
Regierung im Sden, klagte ber die Anmaungen der Boers im Osten und
frug mich endlich, ob ich ein Englnder oder Boer wre. Die ihm von
Herrn Webb ertheilte Antwort, da ich ein Bhme (Bohemian) sei, konnte
er nicht begreifen und lie, nachdem er noch nach meinem Namen gefragt,
die beiden ihm so fremd erscheinenden Worte von den im Hfchen
herumsitzenden alten Barolongen so oft wiederholen bis er sich dieselben
eingeprgt hatte. Als ich von ihm schied, mute ich ihm versprechen, ihn
so oft ich in das Land der Barolongen kme, zu besuchen, ich wrde ihm
stets willkommen sein. Ich traf hier auch den Huptling Schebor von
Konana, der zu Molema auf Besuch gekommen war, und dieser entschuldigte
sich, da seine Leute, von denen wir drei Ochsen fr einen Hinterlader
eintauschen wollten, sich versptet hatten, wodurch der Handel nicht zu
Stande kam.

Den kommenden Nachmittag verbrachten wir mit Fischfang, der ein uerst
ergiebiger war (wir fingen nicht weniger als 42 Welse). Als Kder
bentzten wir die berall hufigen, 1 Zoll langen Grasheuschrecken. Das
Wasser in den Grotten der Tufffelsen war so klar, da man auch jedes
grere Sandkrnchen auf eine Tiefe von 2-6 Fu unterscheiden konnte.
Wir hatten kaum unsere Angeln ausgeworfen, als die dunkle Gestalt eines
schildkpfigen Welses (Glanis siluris) aus einer der Seitengrotten
herauskam, den Kder langsam umschwamm und dann ahnungslos verspeiste.
Die Thiere wogen alle -1 Pfund; als ich im Jahre 1875 whrend meines
zweiten Besuches an derselben Stelle fischte, fand ich nur kleine,
braune, 6 Zoll lange Thiere; die Trockenheit des Jahres 1874 hatte die
meisten der Grotten trocken gelegt und die Fische getdtet, die neue
Brut war mit den Regenfluthen aus den Smpfen des oberen Molapo
herabgekommen.

Herr Webb versah mich mit zwei Briefen, an Herrn Martin, einen in
Moschaneng wohnenden Hndler, und an den Knig Montsua, den ihm der
Erstgenannte vorlesen sollte. Montsua's Titel lautete: Morena Montsua
(Montsiwe, Montsiva) Khoschi ca Barolong. Auerdem machte mich mein
neuer Freund auf zwei alte, unter den Barolongen noch vor ihrer Kenntni
des Christenthums gelufige Sagen aufmerksam. Die eine berichtet von
einem Chef, der nach Belieben die Gewsser eines Flusses theilen und
durch die so entstandene trockene Stelle schreiten konnte, und die
zweite erzhlt von einem Chef, der gleich Salomon zwischen zwei Frauen
zu entscheiden hatte, von welchen jede ihr Mutterrecht an einem und
demselben Kinde geltend machen wollte.

Am 5. brachen wir endlich auf, und zogen nordwrts am Fue einer
bewaldeten Erhebung. Die nchste Umgebung unserer Route bot mir
reichlich Gelegenheit, meine Insectensammlung zu bereichern; unter
anderen fand ich eine schne groe, mir bisher unbekannte
Schildkferart, deren Flgeldecken grnlichgolden und braun punktirt
waren und die ich hufig an einer der gemeinsten Nachtschattenarten
Sd-Afrika's antraf. Meine Aufmerksamkeit war auch auf die zahlreichen,
den Weg sumenden Kameeldornbume gerichtet, die mit den Nestern des
Siedelsperlings (Philetaerus socius) dicht bedeckt waren.

In einer Bodenvertiefung nahe einem nach Nordosten dem Taung oder
Notuani-River zuflieenden Bache beendeten wir unsern heutigen Marsch.
Die zu einem frmlichen Niederwald angewachsen Kameeldornbestnde
durchziehend stieen wir am nchsten Morgen auf ein Makalaharidorf,
dessen Insassen Hirten und Jger Montsua's waren. Sie schilderten uns
den weiten Weg bis nach Moschaneng in sehr dsteren Farben und meinten,
wir wrden mit den schwachen Zugthieren kaum die Knigsresidenz
erreichen. Der Weg war auch thatschlich uerst beschwerlich, der tiefe
Sand ermdete die Thiere in hohem Grade, dazu war der Wald von zahllosen
kleinen, 1-2 Fu tiefen Senken (in der Regenzeit Tmpel) durchsetzt; der
von dem Sandboden aufsteigende Staub trocknete Mund und Luftrhre in
bedenklicher Weise aus und schmerzte im Gesichte. An einer kleinen der
eben genannten ausgetrockneten, mit frischem Gras berwachsenen Senken
fand ich zu hunderten eine metallischblau glnzende Lytta mit einem
rostrothen Flecke (ich traf sie spter nur noch einmal und unter
hnlichen Verhltnissen auf meiner dritten Reise im Schescheker Walde,
etwa 15 Meilen nordwestlich von Schescheke an), auch scho ich einen
ber uns kreisenden Honigbussard (Pernis apivorus).

Dieser Zustand des Weges blieb sich auch am folgenden Tage gleich und an
zwei zum grten Theil trockene Salzpfannen angelangt, schien es kaum
mglich, die mit 14 Zoll tiefem Sand bedeckten Pfannen zu passiren.
Unter Anwendung aller erdenklichen Auskunftsmittel und mit vereinten
Krften gelang es nach stundenlanger Arbeit, das jenseitige bewaldete
Ufer zu erreichen. Die nun folgende Rast war redlich verdient. In dem
Walde fanden wir zwei ebare Beerenfrchte, und zwar die schon vom
Hart-River bekannte rostrothe Beere des Blaubusches (die Samenkerne
derselben werden von den Koranna's als Schrot verwendet) und gelbliche,
unseren Johannisbeeren nicht unhnliche Beeren, die von den Boers wilde
Granaten, von den Koranna's geip genannt und gerne genossen werden.

Wir nherten uns am nchsten Tage einem unseren Weg kreuzenden
Hhenzuge, der uns von vorbeiziehenden Barolongen als Malau's Hhen
bezeichnet wurde und dessen hchste, bisher namenlose Kuppe ich Huhhe
nannte. Ich hatte an diesem Tage Gelegenheit, meine Sammlungen um eine
Zwergeule und den Balg eines Milans zu vermehren. Am Fue der Hhen
stieen wir auf zahlreiche Viehposten der Baharutse und Barolongen von
Moschaneng, welche ihr Vieh an Regenlachen trnkten, whrend sie selbst
ihren Wasserbedarf den natrlichen Felsencisternen entnahmen. Die
Abhnge der Hhen waren zum grten Theile hochbegraste Triften, zur
Viehzucht wie geschaffen. In der Nacht begegneten wir zwei mit Elfenbein
beladenen von Schoschong, der Stadt der stlichen Bamanquato kommenden
und von den Elfenbeinhndlern Francis and Clark nach Grahamstown
abgesandten Wgen.

[Illustration: Nest des Siedelsperlings.]

Am 9. hatten wir den Sattel der Malauhhen erreicht und lagerten
zwischen grnen, gruppenweise zusammenstehenden mit Zaunrben,
Cucurbitacaeen und Lianen berspannten Bschen, auch schattige
Kameeldornbume fehlten nicht, in denen sich namentlich die
langschwnzigen, schwarzwei gescheckten Wrger bemerklich machten.
Groe Turteltauben waren nicht selten und zum ersten Male vernahm ich
hier einen Pfiff, der einem Psittacus anzugehren schien. Dem Rufe
folgend hatte ich auch die Freude, ein Prchen kleiner, graulicher, am
Kopfe und den Flgelwurzeln gelb gefleckter und an der Brust schn grn
gefrbter Papageien zu entdecken. Diese Species (Psittacus Rupelii) ist
bis ber den Zambesi verbreitet, lebt meist paarweise und nistet in
Baumlchern.

Auf unserer Weiterfahrt fand ich neben dem Wege einen getdteten
Schlangenadler, den wohl ein einfltiger Barolonge aus Muthwillen erlegt
und dann abseits vom Wege in den Busch geworfen haben mochte. Wir hatten
mehrere Thler zu berschreiten und steile, uerst steinige Hhen zu
erklimmen. Auf einem der Hgel hatte Niger eine Schlange entdeckt und
sie in einen Dornbaum gejagt; und da ich den Schlangen Sd-Afrika's,
nachdem man mir berall von den vielen Opfern, die jhrlich den giftigen
Schlangen dieses Kontinentes anheimfallen, berichtet, ewige Feindschaft
geschworen hatte (alle, die nicht in Spiritus untergebracht werden
konnten, wurden abgehutet oder wenigstens enthauptet und der Kopf
aufbewahrt), war ich auch bald mit dem Gewehre zur Stelle, um dem Hunde
beizustehen. Das von ihm verfolgte Reptil war mehr denn daumenstark,
grn und ber vier Fu lang und hatte sich in ein Bumchen (Acacia
giraffe) geflchtet, in dessen dichtem Geste es sich blitzschnell auf-
und nieder bewegte. Ein Dunstschu betubte die Schlange, ohne sie zu
tdten, ich ergriff nun das Schwanzende des Thieres, um es aus dem
Dornengeste herauszuziehen. Ich zerrte etwas heftiger--da gibt der
neben mir stehende Pit einen Schrei von sich, ich kehre mich nach ihm,
als durch ein schmerzliches Gefhl an meinem rechten Daumen meine
Aufmerksamkeit rasch zu dem Object zurckgefhrt wurde. Die Schlange
hing mit ihren Kinnladen an meinem Finger. Mir wurde recht warm um's
Herz, ich ri an dem Schwanzende, da ich beinahe die Schlange entzwei
gerissen htte, wodurch das Thier vollends getdtet zur Erde fiel.
Sofort rief ich nach Salmiak, beugte mich jedoch gleichzeitig zu dem
Reptil nieder, um die Art zu bestimmen. Ist das nicht ein Bucephalus
viridis (cupensis)? Eine gift- und harmlose Schlange? Das Kpfchen
ergreifend ffne ich die Kinnladen, kein Giftzahn zu sehen, noch zu
fhlen. Auf F. hatte dieser Zwischenfall einen tiefen Eindruck gemacht
und ihn zum erbitterten Feinde aller Reptilien umgewandelt; whrend wir
unsere Fahrt fortsetzten, lie er kein Akazienstmmchen unbehelligt,
seine Rache sphte eifrig nach einem Opfer, doch stundenlang mute er
nur ber sich selbst die Rache der Dornen ergehen lassen.

Hurrah, Halloh, Hurrah, und ebenso viele Luftsprnge von Seite F.'s
unterbrachen unseren Gedankenlauf; wir hielten den Wagen an, Wei und
Schwarz eilte auf den vor Freude bersprudelnden Jngling zu. Da stand
er, selbstbewut, und wies siegesgewi nach der Spitze des nchsten
Busches. Doch nur einen Augenblick whrte sein vermeintlicher Triumph,
in das krampfhafte Gelchter, welches B. und E. mit den Schwarzen im
Chorus anstimmten, mute auch ich einfallen, als ich ein harmloses
Chamleon erblickt hatte. Der arme F. hatte aber auch entschiedenes
Unglck mit seinen Anlufen zu Heldenthaten.

Der Wassermangel wurde am nchsten Tage schon uerst fhlbar und obwohl
wir von vorbeiziehenden Barolongen einige Tpfe mit Milch erstanden, war
unseren lechzenden Zugthieren nicht gedient. In einem breiten Thale nach
Norden bei Osten vordringend, hatten wir endlich die bewaldeten Abhnge
der Auslufer der Malauhhen erreicht, eine frische Brise fchelte uns
Armen Khlung zu und zu unserer grten Freude versprach ein
aufsteigendes Gewitter das heiersehnte Na zu spenden.

Unsere Hoffnung ward nicht getuscht, ein miger Regenschauer fllte
unsere Wassergefe und gestattete die Thiere zur Noth zu trnken. Nun
hie es frisch weiterziehen, da ich die Absicht hatte, noch am selben
Tage Moschaneng zu erreichen. Ein dumpfer Schall, der sich uns deutlich
zu nhern schien, verzgerte unsere Abfahrt. Ueber die Ursache desselben
wurden wir bald aufgeklrt.

[Illustration: Auffangen von Regenwasser.]

Es erschien ein berittener Barolonge und ihm folgte eine Heerde von
gegen 50 Pferden, welche von zwei anderen Barolongen angetrieben und
deren seitliches Ausweichen von je einem an jeder Seite in dem Gehlze
galoppirenden Eingebornen verhindert wurde. Unsere Ueberraschung, hier
eine solche Pferdetruppe zu sehen, war nicht gering. Einer der
Nachtreiber sprang auf einen Augenblick aus dem Sattel und berichtete
uns, da dies Montsua's, des Barolongenknigs, Pferde seien, die er
jhrlich zu seinem Vetter Maroka nach dem Freistaat schicke, um sie
daselbst whrend der Dauer der in den Betschuanalndern grassirenden
Pferdekrankheit weiden zu lassen. Hat denn Dein Knig so viel Pferde,
wie die Zahl derer beweist, die an uns vorbeigejagt hatte?--O, Master.
Morena (der Knig) hat mehr denn diese, in der Stadt behlt er sich nur
die gesouten (gesalzenen) Pferde, welche eben die werthvollsten sind.

[Illustration: Wald am Fue der Malau-Hhen.]

Nach einer kurzen Fahrt hielt ich eine Stunde Weges vor Moschaneng. Der
Regen hatte hier alle Vertiefungen mit Wasser gefllt, und die Stelle
war ein anziehendes, gegen den Wind geschtztes, leicht bewaldetes, fr
einen zweitgigen Aufenthalt wie geschaffenes Thal, so da ich hier von
den Anstrengungen der Molapo-Reise auszuruhen und dann erst nach
Moschaneng zu gehen gedachte, wo ich auerdem recht beschftigt zu sein
und fr meine Zugthiere, der vielen in der Stadt gehaltenen Heerden
halber, keine gute Weide zu finden glaubte.

In dem Gehlze gab es schne (von den Boers so genannte)
Buchenholzbume, sowie die unter dem (flschlichen) Namen wilde Syringa
bekannten, wilden Oliven- und Kareebume, Mohatla- und Morethwabsche,
Bume und Strucher mit ahornartigen, geflgelten Samen, mehrere Arten
von Mimosen (Acacia detinens, Acasia giraffe, Acacia horrida), an den
Hhen die von Sden her bekannten (doch wie es mir schien in neuen
Formen vertretenen) Alon. Hier scho ich auch einen groen, grauen Lori
(Go-away von den Englndern, grote Mausevogel von den Hollndern
genannt), ferner eine braune Gabelweihe und zwei gelbgeschnbelte
Tukane. Der erstere Vogel nistet auf den hchsten Spitzen der Bume, von
wo er mit nach rechts und links bewegendem Kpfchen Alles ihm fremd
erscheinende beugelt, und dabei so oft er sein hliches Geschrei
go-a-wh ausstt, seinen Schopf hoch ausrichtet. Am 11. December machte
ich mehrere Ausflge in die Umgegend, die meinen Sammlungen sehr zu
Statten kamen. Unter der Ausbeute befanden sich Papageien, sechs jener
Lori's, Witwen, Tukane und zwei Kukuksarten, eine kleine, grn und grau
melirte, rothbeschopfte Spechtart und Wrger.

Unsere Ankunft fhrte, da ich F. nach der Stadt entsendet hatte, um den
dort ansssigen hollndischen Schmied zu entbieten, bald mehrere
Besucher herbei, deren erste scheu hervorgebrachte Frage dem Feuerwasser
galt. Ihre Verlegenheit bewies mir, da Montsua's Ruf als Gegner des
Branntweins begrndet war.

Nachmittags erhielten wir einen andern Besuch aus Moschaneng, und zwar
den ehrendsten im Lande der Banquaketsen, deren Gebiet wir (ungefhr
unter 25 10' sdlicher Breite) etwa halben Weges zwischen Molema's Town
und dem jetzigen, 70 englische Meilen davon entfernten Aufenthalte
berschritten hatten. Ein gedeckter, zweirdriger mit vier Pferden
bespannter Karren kam angefahren, bog im Gehlze um und dann gerade auf
uns zu. Whrend Stephan die Pferde hielt, stiegen die Insassen, vier
Eingeborne, aus. Zuerst ein junger Mann von etwa 25-28 Jahren, der sich
uns als Mobili, den Sohn eines Basutohuptlings vorstellte und der F.
von Kimberley aus kannte, wo er ob seiner englischen Erziehung und
seiner Fertigkeit in der englischen Sprache durch einige Zeit als
Dolmetsch bei dem Gerichtsamt angestellt und ein Lebemann
sdafrikanischen Anstrichs war. Er war auf einer Rundreise unter den
Betschuanahuptlingen begriffen und eben vor wenigen Tagen vom Knige
der Bakwena's angekommen. Mobili stellte uns nun, nachdem er mit F.
Hndedrcke ausgetauscht, die brigen drei Personen mit den Worten vor.
These are two of the most distinguished Bechuana Kings (zwei der
hervorragendsten Betschuanaknige), Montsua, jener der Barolongen, of a
wealthy and mighty tribe (ber einen wohlhabenden und mchtigen Stamm),
hier Chatsitsive, Knig der Banquaketsen und dort der Hauptrathgeber
oder der Vice-Kanzler des Banquaketse-Reiches.

Montsua, ein Mann von ber 50 Jahren, wohlbeleibt mit einem stets
lchelnden, gutmthigen Gesicht, flte mir sofort Zutrauen ein.
Chatsitsive, ein groer, hagerer Mann, zeigte deutlich, wie auch sein
Reichskanzler, da sie ihr faltenreiches Antlitz den Umstnden
anzupassen verstanden. Alle waren europisch gekleidet, Chatsitsive mit
einem langen Ueberrock und Cylinder und sein Factotum mit einem
Mentschikoff. Nachdem wir whrend des Gesprchs, das Mobili und Pit als
Dolmetscher leiteten, scharf gemustert worden waren, meinte Montsua, da
er mich im Weichbilde seiner Stadt willkommen heie, er wre wohl nicht
eigentlich auf seinem Gebiete, er lebe hier auf dem Boden seines
Freundes Chatsitsive und habe vor langer Zeit schon den Molapo
verlassen, weil er von den Boers bedrngt worden war; er sei nun aber
ihres Treibens satt und wolle Moschaneng verlassen, um sich am Molapo
oder in Poolfontein oder am Lothlakaneflchen eine Stadt zu bauen, dann
msse ich kommen und ihn besuchen.

[Illustration: Knigliche Besucher.]

Hierauf wurde ich ber Ziel und Zweck meiner Reise befragt. Als Antwort
zeigte ich einige der Vogelblge, welche mit Staunen betrachtet wurden.
Mobili verdolmetschte dem Knig die Bearbeitung des Balges, was dieser
jedoch nicht begreifen konnte und darber unaufhrlich den Kopf
schttelte. Als ich den Knig zur Vorsicht mahnte, da Gift in der Haut
des Balges enthalten sei (Mobile bersetzte es mit _molemo maschwe_,
schlechte, bse Medicin) stie der alte Knig einen leisen Schrei aus
und lie den Balg fallen; die Betschuana's frchten nichts mehr als
knstlich zubereitetes Gift, jedes Medicament, das nicht hilft und eine
Verschlechterung des Kranken herbeifhrt oder den Tod nicht verhten
kann, wird als Gift betrachtet O, seufzte Montsua, und er wie seine
beiden Genossen besahen sich die Hnde und fingen an, die Aermel ihrer
Rcke aufzuschlagen, um sich die Finger im Sande abzureiben. Ich lie
Wasser und Seife bringen und holte eines meiner Handtcher, das Montsua
noch immer mit einem besorgten Gesichte annahm und sich nicht eher
beruhigte, als bis ich ihm durch Mobili die Wirkungslosigkeit des Giftes
auf der menschlichen Haut erklren lie.

Greres Erstaunen aber als der Vogelbalg, und laute Ausrufe selbst auch
von Seite des sich den Anschein eines Gelehrten gebenden Mobili folgten,
als ich zwei meiner mit Reptilien, Schlangen, Eidechsen, Frschen und
Spinnen gefllten Flaschen vorwies. Alle vier Besucher waren dabei
zurckgewichen und Montsua, seinen Kiristock gegen die Flasche
vorhaltend, wollte nicht nher herantreten. Bald mich, bald die Flasche
anstaunend beruhigte er sich erst, nachdem er sich berzeugt hatte, da
die Schlangen in dem _Butshuala a Makao_ (im Biere des Weien)
schliefen und nicht heraus konnten.

Inzwischen war ein Mokka fertig geworden und die Blechbecher wurden
herumgereicht. Unterdessen besah sich Montsua den Wagen, frug die Jungen
(Diener), woher sie kmen und mich endlich, was sein Bruder Molema thue,
ob er wohl sei; ich antwortete ihm, da er an seinem alten Uebel leide
und da ich ihm ein Molemo gab, was ihm wohl helfen drfe. Montsua nahm
diese Nachricht mit beiflligem Schmunzeln auf.

Sowie sich auch Chatsitsive gesetzt, frug Mobili, ob ich den hohen
Herren keine andere Erfrischung zu bieten htte. Ich verneinte, ich
wte nicht, _was_ ich ihnen antragen knnte. Mobili stand auf, kam zu
mir herber und meinte, ich solle Pit und Stephan um Wasser schicken, er
wollte mir etwas sagen, die Diener drften jedoch nicht dabei sein. Ich
that es und nun entpuppte sich das Geheimni. Ich sollte jedem einen
Schluck Brandy anbieten. Ich that es und Montsua meinte, da er seinen
Unterthanen Brandy anzubieten nicht gestatte, da er ihn selbst nur ein
oder zwei Mal im Jahre und dann nur zu einem halben Glas Wein trinke.
Ich schenkte ein, Montsua trank etwa einen halben Lffel voll, griff
aber darauf sofort nach Wasser. Chatsitsive brachte zwei Lffel voll
hinunter, verzog aber dabei sein langes Gesicht derart, da selbst
Montsua (mit uns) in ein krampfhaftes Lachen ausbrach. Chatsitsive lie
etwa einen Lffel in dem Blechbecher brig, reichte ihn dem
Vize-Kanzler, und dieser leerte ihn rasch, worauf er den Rest mit dem
Finger zu erhaschen sich bemhte. Mobili splte den halben Becher hinab,
ohne eine Miene zu verziehen.

Nachdem die hohen Herren uns allen die Hnde geschttelt hatten, und
sogar die Diener mit einem Kopfnicken bedachten, stiegen die Besitzer
von einigen hundert deutschen Quadratmeilen Landes in ihren Karren,
Mobili nahm die Zgel zur Hand, um sich zur Abfahrt fertig zu machen; da
legte sich Montsua's Linke an seine Schulter, whrend er mir mit der
Rechten noch einmal an den Karren heranzukommen winkte. Mit zwei Stzen
war ich an seiner Seite und der Dolmetscher frug mich in des Knigs
Namen, wo ich den fr ihn bestimmten Rumela (Empfehlungsbrief) des
Missionrs Webb habe. Ich holte beide Schreiben und bat nun den Knig,
den zweiten an seine Adresse zukommen zu lassen, konnte jedoch nicht
umhin, meiner Verwunderung Ausdruck zu geben, da man am Hofe zu
Moschaneng schon von der Sache vernommen hatte. Montsua lachte. Ja,
meinte er, ich wei es seit drei Tagen, denn an Euch gingen eines
Tages, whrend Ihr schliefet, zwei Barolongen von Molema's Town vorber,
welche mir die Nachricht von Deinem Besuche der Stadt, Deinem Thun
daselbst und von dem Zwecke Deiner Reise, von den beiden Briefen und der
guten Wirkung Deines Molemo an Bruder Molema zu berichten hatten.

Am folgenden Morgen besuchte mich Herr Martin, einer der besten Mnner
unter den Weien, die ich unter den central-sdafrikanischen Eingebornen
gefunden, zugleich mit Gentua, dem Huptling der Baharutsestadt, welche
den nrdlichen, durch einen Bach getrennten Theil von Moschaneng bildet.
Wir hatten eine lngere Unterredung, die mir sehr willkommen war.[1] Ich
benutzte jeden freien Augenblick zum Sammeln und war mit dem Aufenthalte
in dem traulichen Gehlze sehr zufrieden.

    1: Kanja (Kanje) die Hauptstadt der Banquatetsen (oder
    Ba-N'Quatetsen) und Chatsitsive's Residenz liegt neun englische
    Meilen, Sd bei Ost, von Moschaneng; eine Tagreise weit
    ostnordstlich (zwischen 17 und 20 Meilen liegen die Ruinen der
    frheren Residenz des Balwenaknigs Seschele, doch in ihrer Nhe,
    nur durch ein Flchen entfernt, gegenwrtig zwei Eingebornenstdte,
    die diesseitige, welche an Chatsitsive's Gebiet liegt von den Manupi
    und eine zweite an Seschele's Gebiet grenzend, die von den Makhosi
    bewohnt wird (seitdem sind die Makhosi ausgewandert). Herr Martin
    sprach sich sehr lobend ber Gentua aus. Herr Martin hatte mit
    einem anderen Hndler auch einen Jagdzug nach dem westlichen
    Matabeleland unternommen, dabei jedoch durch Krankheit, die Tsetse
    und andere Unannehmlichkeiten viele Zugthiere und im Allgemeinen
    sehr viel eingebt. Er war an die Tochter des vor Kurzem
    verstorbenen Districtbeamten des Maricodistrict verheiratet und
    seine Frau wohnte theils bei ihren Verwandten in Zeerust, theils
    lebte sie mit ihm in einem kleinen Huschen in Moschaneng, das er
    mir gastlich zur Verfgung stellte.

Am 14. Nachmittags setzte ich meine Reise nach Moschaneng fort. Die
Fahrt dahin ging durch angebaute Felder und in einem offenen sich nach
Osten ausbreitenden, nach Westen durch Felsenhhen und zu unserer Linken
nach Sden durch bebuschte Hhen begrenzten Thale; die letzteren
bildeten als die nrdliche Kette von Malau's Rand die Hhen von
Moschaneng. Malau's Rand ist wiederum als der sdcentrale Theil der
Banquaketsehhen zu betrachten, welche durch die Lekhutsa und
Makarupuhhen in stlicher Richtung mit dem westlichen Gebirgsknoten des
zentralen Sd-Afrika zusammenhngen.[1]

    1: Ich unterscheide drei Gebigsknoten im centralen Sd-Afrika; einen
    stlichen, die Magalisberge; einen westlichen, das Marico-Hhennetz;
    und einen nrdlichen, den im Matabeleland.




X.

Von Moschaneng nach Molopolole.

Knig Montsua und das Christenthum.--Die Wesleyan-Mission in
Moschaneng.--Besuch am Wagen.--Meine rztliche Praxis in
Moschaneng.--Merkwrdige Termitenbauten.--Ein Intermezzo bei unserer
Abreise.--Das Banquaketse-Hochland.--Anzeichen tropischer
Vegetation.--Hynenhunde.--Pittoreske Landschaftsscenerien an den
Naprstek-Hhen.--Beleuchtungseffecte auf der Hochebene.--Ruinen von
Mosilili's Stadt.--Klippdachsjagd.--Grasbume.--Ein Thari.--Molopolole.


Der sdliche Theil von Moschaneng war von Molema und seinen Barolongen
bewohnt, und mit Ausnahme der schon verfallenen Kirche und dem Huschen,
in dem Herr M. wohnte, besa es kein im europischen Style aufgefhrtes
Wohnhaus. Die Huschen der Eingebornen zeigten den, den Betschuana's
eigenthmlichen Typus, nur waren sie ob des beschrnkten Raumes sehr
dicht nebeneinander erbaut, dagegen waren die Gehfte des durch einen
Bach und sein kleines Thlchen geschiedenen Stadttheils der Baharutse
gerumiger. Ich schtzte die Einwohnerzahl beider Stdte auf 7000,
welche Zahl um circa 1000 auf- und abschwankt, da einestheils viele
Bewohner lngere Zeit in den Diamantenfeldern arbeiten, andere wieder
die entfernten Felder bestellen. Des Knigs Behausung, je ein Gehft mit
zwei Wohnungen fr jede seiner fnf Frauen und sein eigenes stand in der
westlichen Hlfte der Stadt nahe am Ufer des Bchleins.

Die Verfassung unter den Barolongen und Banquaketsen ist eine im
gewissen Sinne constitutionelle, wenn auch etwas beschrnkter als unter
den Bakwena's und stlichen Bamanquato's. Unter den Betschuanaknigen
steht nach Khama, dem nunmehrigen Knige der stlichen Bamanquato,
Montsua obenan. Er ist ein Heide, doch besser als der christliche
Seschele, obwohl er anfangs, als das Christenthum in's Land drang, aus
Unkenntni seiner Satzungen es lebhaft bekmpfte, da er befrchtete, da
dasselbe seine Unterthanen von ihm abwendig machen und seine knigliche
Macht schwchen knnte und daher alles aufbot, es wieder aus dem Lande
zu verdrngen.

Wie bei den meisten Betschuanastmmen, unter denen Missionre zu wirken
begannen, waren es auch hier meist die jungen Leute, welche an den neuen
Lehren Gefallen fanden, whrend die alten fest an ihren heidnischen
Satzungen hielten. Montsua fiel dies auf und dies um so mehr, als sich
die jungen Mnner und Mdchen nicht in der entsprechenden Anzahl zur
Circumcision einstellten, an den Hochzeitsorgien nicht theilnehmen
wollten und viele andere heidnische Feste sprlich besucht waren. Unter
den Betschuana's ist ein Tanz gebruchlich, welcher Rohrtanz heit,
einem alten, heidnischen Gebrauche zu Grunde liegt und der von durch die
Stdte ziehenden, auf Schilfrohrpfeifen unaufhrlich blasenden Mnnern
getanzt wird (zuweilen stirbt einer oder mehrere whrend des Tanzes oder
kurz darnach an acutem Emphysem der Lungen durch das unaufhrliche
Pfeifen hervorgerufen). Montsua stellte daher das Verlangen, da die
jungen Leute der herkmmlichen heidnischen Sitte gerecht werden sollten,
und hatte unter dieser Bedingung nichts gegen die Taufe (_bathu ba
lehuku_: nach Rev. Mackenzie das Volk des Wortes, oder das Volk, welches
das Wort Gottes aufnimmt) einzuwenden. Durch seinen eigenen Bruder
Molema, der das Christenthum mit vollem Herzen aufgenommen, angespornt
und ermuntert, verweigerten es die Neubekehrten, dem Wunsche des Knigs
nachzukommen. Molema fand an Jan, dem nunmehrigen dunklen
Barolongen-Prediger einen treuen Helfer.

Von seinen Regendoctoren aufgestachelt, forderte Montsua, da sich die
Bekenner des neuen Glaubens an zwei mit der Regenzauberei
zusammenhngenden Ceremonien betheiligen sollten, d.h. an der
Letschulojagd, welche von den Regendoctoren veranstaltet wird, um von
gewissen Wildarten bestimmte, zu ihren aberglubischen Handlungen
gebrauchte Theile zu erlangen, sowie an dem Umgraben einer Ackerstelle,
welche von den Regendoctoren benutzt und als geweiht angesehen, und
tsimo _ea pulta_, d.h. Garten, dem Regen geweiht, genannt wird. Auch
dies wurde von den Bekehrten verweigert, sie lieen jedoch dem Knige
wissen, da sie ihm jeden anderen Beweis ihrer Treue und ihres Gehorsams
als Unterthanen geben wollten, allein die Gebruche ihrer Vorvter,
seitdem sie _bathu ba lehuku_ geworden, nicht mehr ausben knnten.

In Folge des constitutionellen Regimes und der Zahl der Anhnger des
neuen Glaubens konnte er die sich Weigernden nicht so leicht bestrafen,
allein er sann auf andere Mittel und fand auch bald Gelegenheit, solche
in Anwendung zu bringen, als sich am nchsten Sonnabend Molema und Jan
auf das Land begaben. Er lie in der Stadt bekannt machen, da sich am
folgenden Tage kein Mensch in der Kirche blicken lassen drfe. Allein
ohne sich um diesen Befehl zu kmmern und von zwei Frauen (denn diese
erkannten zu wohl, da das Christenthum sie aus der Stellung der
Sclavinnen in eine dem Manne ebenbrtige hob) angefeuert, fehlte auch
nicht Einer, als die Zeit des Gottesdienstes kam, in dem kleinen
Gebude. Des Knigs Getreue brachten ihm bald die Kunde von dem
Geschehenen, auch konnte er aus seinem Huschen den Gesang der Hymnen
hren. Aufgebracht ber diesen offenen Widerstand bewaffnete sich
Montsua mit einem langen, dolchartigen Messer und eilte nach der Kirche,
in welche er eintrat, als eben einer der Mnner (in Molema's
Abwesenheit) das Dankgebet vorlas. Sein Erscheinen brachte natrlich
Schrecken unter die Versammelten und diese Verwirrung benutzend, befahl
ihnen der Knig, sich sofort zu entfernen. Da war es eine der Frauen,
die ihm mit den Worten entgegentrat, da sie (die Versammelten) als
_bathu ha lehuku_ erst ihre Andacht beenden wrden. Diese Worte brachten
den Knig derart in Zorn, da er auf die Frau losstrzte und es ihm nur
durch die Drohung, von seiner Waffe Gebrauch zu machen, gelang, die
Anwesenden aus der Kirche zu treiben. Unter den Bekehrten befand sich
auch eine seiner Tchter und ihr Mann. Der Knig verbot ihr aus dem
Hause zu gehen, als sie jedoch von einem der Unterrichteten aus der
neuen Gemeinde besucht wurde und mit diesem in einem Hymnenbchlein las,
schied sie ihr Vater von ihrem Manne, nahm sie zu sich in's Haus und
zwang sie, der alten heidnischen Sitte gem sich blos mit dem
Lederschrzchen zu bekleiden.

Doch alles dies half Montsua nichts und so wurde er endlich seines
strengen Verfahrens mde und nachdem er eingesehen, da die Bekehrten
sonst ebenso treue Unterthanen waren und berdies arbeitsamer und
wohlhabender wurden, lie er nicht allein von den Verfolgungen ab,
sondern befrderte (ohne selbst die neuen Lehren anzunehmen) die
Verbreitung des Christenthums in seinem Lande als Jener und Molema
spter von einander schieden, ordnete er an, da Jan, der Barolonge, den
um ihn Wohnenden und Molema den in Molema's Town am Molapo Weilenden
predigen sollte.[1]

    1: Das Christenthum wurde unter die Barolongen durch die
    Weslyanische Missionsgesellschaft gebracht, deren nrdlichste
    Station zur Zeit meines Besuches im Jahre 1875 Moschaneng,
    gegenwrtig, nach der Uebersiedlung Montsua's nach Lothlakane,
    Molema's Town ist. Hier wirkt noch immer Molema, whrend Herr Webb
    seitdem die Stadt verlie und in Lothlakane Rev. Harris (statt Rev.
    Webb) fungiert. Das Wirken der Missionsgesellschaft hat insofern
    gute Frchte getragen, als es viele der Barolongen veredelte, den
    Herrscher zu weisen Maregeln brachte, und dadurch, da die
    Missionre auch Ackerbau einfhrten, den Wohlstand der Eingeborenen
    hob.

Einer der ersten Besucher am Wagen war ein alter Regendoctor, der mich,
als er von Montsua hrte, da ich ein Naka (Doctor) sei, als Kollegen zu
begren kam. Der alte Mann fand groen Gefallen an Monkey und bat mich
wiederholt, ihm das Thier zu verkaufen, da er es zu seinem _pula-jana_
(Regenzauberei) gebrauche, und wunderte sich, da ich, trotzdem ich auch
ein Naka sei, es nicht glauben wolle. Auch Montsua kam mit Einigen
seines Haushaltes, ein Diener trug ihm ein Sthlchen nach, worauf sich
Seine knigliche Hoheit niederlie; er erzhlte mir von dem die Manupi
beherrschenden, ber 100 Jahre (105) alten Huptling und von der Weise,
wie die Matabele Moselikatse's Begrbni gefeiert hatten.

Was ich schon whrend der Reise bis hierher wiederholt befrchtet, trat
ein, von meinen Zugthieren erkrankten nicht weniger als vier, von denen
ich drei, Dank eines mir von Herrn Martin anempfohlenen Heilmittels noch
retten konnte, ihre Leistung konnte aber fr die nchste Zeit kaum in
Betracht kommen. Ich stand nunmehr der absoluten Nothwendigkeit
gegenber, mir Ersatz zu schaffen; glcklicher Weise gelang mir dies
leichter, als ich es je gehofft. Am nchsten Tage lie mich Montsua zu
sich rufen und erbat sich nicht nur fr sich selbst, sondern auch fr
drei seiner Frauen, von welchen er eine mir als sterbenskrank
schilderte, meinen rztlichen Beistand. Die von mir verabreichten
Arzneien hatten Wunder gewirkt, alle meine Patienten fhlten sich schon
in den nchsten Tagen bedeutend wohler. Ich sah mich in Folge dessen
bald von Hilfsbedrftigen umlagert, des Knigs Bruder, der Chef
Chatsitsive, der Barolong-Prediger Jan Leschumo, seine Frau und sein
Sohn und zahlreiche andere Eingeborne, darunter besonders Frauen mit
ihren Suglingen, drngten sich zu meinem improvisirten, unter freiem
Himmel errichteten Ordinationssalon. Meinen rztlichen Erfolgen hatte
ich es zu danken, da ich Moschaneng mit einem frischen, zugkrftigen
Gespann verlassen konnte.

Die von Molema (des Knigs Bruder) vom Molapo gesandte und durch zwei
Boten abermals besttigte Nachricht von seiner Besserung hatte mir nicht
allein als Empfehlung gedient, sondern mir auch das Vertrauen der Leute
in Moschaneng im Sturm gewonnen.[1]

    1: Siehe Anhang 18.

Montsua bewies seine Erkenntlichkeit, indem er mir 1  St. fr die
verabreichten Arzneien nebst vier weien und ebensovielen schwarzen
Strauenfedern von seltener Schnheit berreichte, von welchen er die
weien fr meine Frau bestimmte; meine Entgegnung, da ich noch keine
Frau htte, nahm er mit unglubiger Miene auf, rieth mir aber
schlielich, die Federn fr meine zuknftige Gattin aufzubewahren. Dem
Wohlwollen des Knigs verdankte ich auch fnf krftige Zugthiere, die er
mir fr mein Snidergewehr berlie, whrend Herr Martin und der Hndler
Mr. T. mir zu weiteren fnf Thieren verhalfen, so da ich nunmehr ber
14 Zugthiere verfgen konnte und frohen, leichten Muthes der Weiterreise
entgegensah.

[Illustration: Barolongfrauen aus Moschaneng.]

Ich mu hier einer interessanten Beobachtung gedenken. An der Lehmwand
von Mr. Martin's Wohn- und Verkaufslocale sah ich Termiten von einem
unter der Mauer, in der Erde befindlichen Baue einen Gang nach auswrts
an der Auenseite der Wand, aus dem Anwurf mit Hilfe der
Speichelsecretion kneten und formen. Dieser bedeckte Gang war so weit,
da man etwa einen Bleistift htte einfhren kennen, zeigte viel
Abzweigungen nach rechts und links und auch Gabelungen nach oben. Aus
einem zweiten Souterrainbau fhrten mehrere solcher Kanle nach
auswrts, aus der Ferne betrachtet schien es, als htten Menschenhnde
an Herrn Martin's Hauswand Strauchformen durch Ankneten von rthlicher
Thonerde nachzuahmen versucht.

Der Aufenthalt in Moschaneng war auch der Vermehrung meiner
ethnographischen und etymologischen Sammlungen sehr frderlich. In Bezug
auf erstere erwarb ich mehrere Carossen, Kiri's, Waffen, Stcke mit
eingebrannten Verzierungen, zu Wassergefen hergerichtete Straueneier,
hlzerne Lffel, eine Holzschssel, Schnupftabakdosen aus Krbisschalen
und Horn gearbeitet und viele Insecten. Unter den letzteren eine neue
Cerambyx und eine dieser Familie verwandte, schwarzgelb gebnderte
Species, zwei stahlgrne und eine kupferfarbige Scarabidenart, sowie
andere neue Stcke und Duplicate, im Ganzen etwa 350 Stck. Die
trockenen Mimosenzune waren die Rendezvousstellen zweier schner
Bockkferarten.

Am 17. wollte ich endlich abreisen, doch Montsua lie es nicht zu. Ich
msse noch bleiben, htte ich kein Fleisch, wrde er mir welches senden
und um Mittag wurde ich thatschlich mit einem Ziegenbock als Geschenk
des guten Mannes berrascht. Dann kam er selbst wieder und bat mich noch
einen seiner Leute, einen wohlhabenden Mann, besuchen zu wollen. Als ich
einwilligte, wurde ich sofort zu dem letzteren gefhrt und hatte hier
Gelegenheit, Einblick in das Familienleben eines Betschuana's zu thun.

In einem etwa 40 Schritte im Durchmesser zhlenden Hfchen standen drei
der gewhnlichen Betschuanahtten oder Huschen. Eine Schaar nackter
Kinder spielte lustig umher. Ich hatte kaum Zeit, mich in dem Hfchen
umzusehen und die riesigen aus Gras geflochtenen Krbe zu betrachten, in
denen das Kafirkorn aufbewahrt wird, als der Bote aus dem Huschen
heraustrat und mir mit den Worten Bapila, Sir (Warte, Herr) ein
primitives Sthlchen zum Sitze anbot. Dann lief er in die nchste Htte
und holte ein junges Weib heraus, sowie eine alte Frau, welche die
Kinder zur Ruhe verwies. Die Frauen begaben sich sodann in das Huschen,
in dem der Kranke lag, brachten zuerst ein gegerbtes Ochsenfell heraus
und dann mit Hilfe des Fhrers den kranken Mann, der es nicht zugeben
wollte, da sich der weie Doctor in das Innere der kleinen Wohnung
bemhen solle. Ich hatte vor mir einen noch jungen Mann. Er betrachtete
mich mit neugierigen, etwas ngstlichen Mienen und schien seit Langem
ein Lazarus zu sein. Um den Hals trug er ein aus Gras geflochtenes
Schnrchen und an diesem im Abstande von 1-1 Zoll kleine,
gekerbte, Schwrzliche Holzpflckchen, etwas hnliches ber der
Wade--Beschwrungsmittel die ihm, um seine Krankheit zu heilen, von den
Regendoctoren angelegt worden waren. So ngstlich wie der Kranke, sahen
mich auch die beiden Weiber, seine Frau und seine Mutter, an. Ich fand
den Fu in sehr schlechtem Zustande und die meisten der Tarsusknochen
caris entartet. Als ich die Sonde in die Wunde einfhrte, schlo ihm
die junge Frau mit ihrer rechten Hohlhand die Augen und ich sah
deutlich, wie sich die Stirne des Mannes ber der vorgehaltenen Hand und
seine Schlfe mit dichten Schweitropfen bedeckten.

Als ich die Untersuchung der Wunde beendet hatte, sprach ich dem Kranken
gegenber die Hoffnung aus, ihn bei meinem nchsten Besuche Moschanengs
besser zu finden. Er war des Hollndischen nicht mchtig und richtete
einen fragenden Blick auf den Boten. Sofort bersetzte dieser mein
Gutachten, wobei er dreimal so viel Worte gebrauchte. Nun folgten meine
Rathschlge, welche zwei- und dreimal so lang, meist in umschriebener,
mit Gesticulationen verbundener Form wiedergegeben wurden. Als der Mann
das Einspritzen von lauwarmem Wasser in die Wunden, dann jenes einer
Lsung von Medicamenten erklrte, mute ich alles aufbieten, um nicht in
lautes Lachen auszubrechen. Ich hatte eine kleine Glasspritze
mitgenommen, deren Wirkung von allen offenen Mundes angestaunt wurde;
hchst verwundert nahm jeder der Anwesenden die Spritze zur Hand.

War schon die Gebrauchsanweisung derselben von meinen Zuhrern schwer
begriffen worden, so war dies noch im hheren Grade der Fall, als ich
das Vorgehen bei dem Loslsen zerstrter Knochenstcke und das Herauf-
und Herausheben der so zur Oberflche durch die Wundkanle getretenen zu
erklren hatte; doch auch dies gelang, ebenso die Belehrung, tglich
hufige Waschungen zu halten und ihm eine Medicin (Eisen und Chinin)
dreimal und ein Pulver (Kalk-Phosphate) zweimal des Tages zu
verabreichen. Hier mute ein Holzlffel geholt, Wasser eingeschttet,
dann das Pulver mit etwas Mehl nachgeahmt und das ganze von dem Fhrer
verschluckt werden, um alles dies im Hfchen wohl begreiflich zu machen
und dem Kranken selbst Vertrauen einzuflen. Als ich beendet, ersuchte
mich der Kranke, ihm meine Hand zu reichen und unter einem allseitigen
Rumela verlie ich das Hfchen, um die Medicamente zu prpariren; mein
Fhrer jedoch eilte zu dem Knige, um hier (wie ich spter erfuhr) die
ganze Scene, mein Betragen etc. haarklein zu beschreiben.

Whrend unseres Aufenthaltes in Moschaneng wurde Pit hufig von einer
Landsmnnin besucht, welche von ihrem Vater (einem Griqua) an einen
hiesigen Barolongen verkauft, d.h. verheirathet worden war. Sie schien
sich vollkommen glcklich zu fhlen, ebenso da sie einen
Stammesbruder fand, mit dem sie, einen Sugling im Tuche am Rcken
gehllt und ein Kind an der Hand fhrend, stundenlang im Tage Pfeifchen
um Pfeifchen ausschmauchen konnte. Sie schien ein weniger hartes Los zu
haben, als es sonst die Frauen der Betschuana's ertragen mssen.

Montsua machte mir den Vorschlag, mich in Moschaneng huslich
niederzulassen, und meinte, an Praxis wrde es mir hier nie fehlen
knnen, da die Leute von Kanja, Molema's Town, von Manupi u.s.w. alle um
Molemo (Medicin) zu mir kommen und diese mit Strauenfedern, Fellen,
Ochsen und Ziegen bezahlen wrden. So wohlwollend die Einladung auch
war, ich hatte eine andere Aufgabe vor mir.

Am Morgen des 18. machte ich mich zur Abreise bereit. Alle Notabilitten
von Moschaneng fanden sich ein, Montsua und Herr Martin brachten noch je
eine schne, weie Feder und ich mute wiederholt dem Knige die Hnde
schtteln. Als letzten Beweis seiner Huld bot mir der Knig einen Fhrer
nach Molopolole zu dem Knige der Bakwena's an, den ich, obwohl er nicht
krftig schien, mitnahm. Ein Intermezzo, das unsere Lachlust auf's
Hchste in Anspruch nahm, beschlo unseren Aufenthalt in Moschaneng.
Unser neuer Fhrer nahm Freund Boly bei seite und frug ihn, ob der Ba
es wohl erlauben wrde, da er seine Frau und Nichte mit auf die Reise
nehmen knne. Da Boly es verneinte, wandte er sich darauf an mich und
ber den Grund dieses seines Ansuchens befragt, gestand er, da dieser
Makoa (Weie), auf B. weisend, seiner Frau und dem Kinde (Nichte) tata,
tata (viel, viel) gefiele und sie deshalb mitreisen wollten.

[Illustration: Klippdachsjagd.]

Wir schlugen eine nordwestliche, dann eine nrdliche Richtung ein und
hatten zwischen der verlassenen Stadt und dem zweitnchsten Flusse, den
Koluany, den wir zu berschreiten hatten, ein Hochland zu durchziehen,
welches an Schnheit der Gebirgsscenerien en miniature nur von dem
groartiger geformten Makalaka-Hhenlande (Westmatabele) bertroffen
wird. Das Hochplateau ist theilweise Busch-, theilweise freies Grasland,
doch hie und da auch dnn bewaldet und von einer Unzahl bis an 80 Fu
hohen meist pyramidenfrmig geformten, aus riesigen Granitblcken
bestehenden Felsenhhen berset. Da sich in ihrer Nhe der Boden in der
Regel feucht erhlt, sind sie von einem Mimosengrtel umsumt und von
ppigster Vegetation bedeckt, in welcher sich namentlich kleine
Aloarten und niedrige cactusfrmige Euphorbiaceen, doch auch Stapelien
bemerkbar machen und letztere mit ihren dunklen, sammtartigen, fein
behaarten, erstere mit ihren schnen rosa- und dunkelrothen Blthen und
die Euphorbiaceen durch ihre Formbildung besonders hervorstechen und um
so wirkungsvoller in das Auge fallen, als sich ihr Bild hier aus einer
verwitterten Felsenritze, dort zwischen zwei eng aneinander gefgten
Blcken oder aus den grauen Felsenhhlungen anmuthig hervorhebt. Doch
das, was uns am meisten aus der Pflanzenwelt an diesen interessanten
Felsenkuppen auffllt, sind die Sykomoren, welche mit hellgrauen, dicken
wulstigen, bald breiten und flachen, bald netz- oder auch gabelfrmigen
Wurzeln senkrechte Felsenwnde berziehen um in einer Hhe von 2-10 Fu
und darber (von der Ritze, aus der diese Wurzeln gekommen) in den
fleischigen, gedrungenen, mit schnen groen Blttern und einer
schattigen Krone geschmckten Stamm berzugehen. Oxalis, Farrenkruter
und Moose sowie Flechten sind in artenreicher Anzahl vorhanden; auch
beobachtete ich auf diesem Plateau neue Lepidopteren und Kfer, und fand
von Sugethieren marder- und katzenartige Raubthiere, sowie auch den
Klippdachs zahlreich vertreten. Nach Westen senkt sich das Hochplateau
gegen einen nach Regen zu einem Flusse angeschwollenen und von
Moschaneng von Norden bei Westen, dann Nordwesten und endlich Norden
flieenden und in den Masupa-River mndenden Bach. Der Abfall ist steil,
oben bewaldet, ein Lieblingsaufenthalt der Hyna brunea und punctata,
doch hauptschlich des Caracal und des Leopard.[1]

    1: Siehe Anhang 19.

[Illustration: Naprstek-Hhen.]

[Illustration: Wolfshynen eine Viehheerde berfallend.]

Diese ausgedehnten Hochflchen sind aber besonders durch die in groen
Rudeln auftretenden, gefrchtetsten aller sdafrikanischen Raubthiere
verrufen. Von Gestalt zwischen Proteles und Hyne, ist dieses Thier der
grimmigste Feind aller Viehheerden, vor ihm warnte mich sowohl Herr
Martin als Knig Montsua selbst. Du darfst nie, meinte Montsua, Deine
Ochsen in der Nacht grasen, nie sie allein ohne Aufsicht am Tage weiden
lassen, sonst wirst Du nur wenige mehr nach Molopolole bringen. Jenes
Raubthier ist der wohlbekannte Canis pictus (auch Lycaon pictus oder
venaticus, in Sd-Afrika als the wild dog bekannt) der zu den
ruberischsten, mit einem unauslschlichen Vernichtungstriebe und einer
nicht minder gierigen Frewuth von der Natur bedachten Geschpfen der
Erde gehrt. Von der Gre eines nicht ganz erwachsenen Wolfes, doch
schmchtiger, wird dieses Thier groen Sugethieren wie Rindern, Eland-,
Hartebeest-Antilopen etc., dadurch gefhrlich, da es nur in Rudeln
jagt, niederen Thieren dadurch, da es, sobald es eines derselben
(Ziege, Schaf, Wildschwein) getdtet, sich auf ein zweites und drittes
wirft und auf diese Weise unbewachten Heerden die grten Verluste
beibringen kann. Die Lnder der Eingebornen und die Grenzdistricte der
Transvaal-Provinz werden besonders hufig von ihnen heimgesucht.

Dieses Raubthier bewohnt unterirdische Hhlen und jagt in Rudeln in
einem bestimmten Districte von seinen Hhlen aus oder ber weite
Strecken, um sich zur Frhjahrszeit in seinen alten Wohnsitzen
einzufinden. Mit hochgehaltener Schnauze sucht es die Witterung
aufzunehmen, ist es darin erfolglos, so luft die Truppe zerstreut, doch
nicht weit auseinander, durch das Gras, mit der Schnauze lngs dem Boden
hinfahrend. Aufgenommene frische Spuren von Wild und Hausthieren (sehr
selten Pferden, die fr den Canis pictus zu rasch und gefhrlich sind)
werden sofort verfolgt dann jagt die Meute dicht gedrngt, heulend und
klffend in der Spur, kommt ihnen auerdem die Witterung noch zu Hilfe,
so geht ihr Lauf in ein solches Rasen ber, da manche oft gegen Bsche
anrennen und ber Gestein und Ameisenhgel kollern. Ihrer geringen Gre
halber lassen grere Thiere, wie Rinder und Elandantilopen, sie oft
nahe kommen, was diesen dann zum Verderben wird. Ja es geschieht sogar
zuweilen, da sich dieselben nicht eher zur Flucht wenden, als bis sie
von der Meute angegriffen werden. Whrend sich nun das eine Rind mit den
Hrnern gegen zwei oder drei der Austrmenden kehrt, haben sich deren
drei bis vier andere in die Schenkel, ebenso viele in den Bauch
verbissen--statt sich nun zu wehren, sucht sich das Thier durch die
Flucht zu retten; manchmal gelingt dies und die Rinder kehren mit in den
Unterleib gebissenen Lchern heim, doch wenn es stolpert, wenn es am
Halse, oder gar an den Nstern gefat wird, wenn ihm die Kniegelenke
durchbissen werden und durch die Wunden im Unterleibe, die in der Regel
die gefhrlichsten werden, die Eingeweide herausfallen oder
herausgezerrt werden, ist es verloren und geht nach stundenlanger Qual
zu Grunde.

Am 18. zogen wir ber das Hochplateau des Banquaketse-Landes. In Folge
des vorgeschrittenen Sommers grnte alles um die Wette, ich sah nicht
eine trockene Mimose. Die Perle der verschiedenen, dem Auge sich
bietenden Felsenscenerien trafen wir an den Naprstekhhen, mit denen das
pittoreske Landschaftsbild auch nach Norden zu seinen Abschlu findet.

Gegen Sonnenuntergang fuhren wir in das mig tiefe Thal eines bis auf
eine kleine Rinne trockenen Sand-Rivers, Mosupa (Masupa, Moschupa)
genannt, der sich mit dem Taung, einem linken Nebenflu des Notuany
vereinigen soll. Das Bett des Flusses wie seine Ufer waren stellenweise
mit riesigen Granitblcken berset, welche am linken Ufer gewaltige
Platten bildeten, deren ebene, etwas vertiefte, obere Flchen groe von
der Natur gebildete, seichte Wasserreservoirs zeigten. Einige hundert
Schritte zur Rechten macht der Flu eine pltzliche Wendung nach
Nordosten; im inneren Winkel dieses Buges und am linken (nrdlichen)
Ufer erhebt sich ein grotesker Felsenhgel, welcher mit zwei anderen
zusammenhngenden, doch niedrigeren, aus wahren Riesenblcken
bestehenden, abgeflachten Hhenkuppen durch einen Sattel zusammenhngt.

Von dem Hochplateau gegen die Thalsohle herabfahrend, verwehrte uns
ppiges Baum- und Buschdickicht den Fernblick und so ffnete sich denn
pltzlich vor uns eine der anmuthigsten und schnsten Scenerien. Die
glhende Sonnenscheibe berhrte den Rand des nahen, bebuschten
Hochplateaus, aus dem sich der Masupa-River den Weg nach Osten bahnt.
Die ganze Flle der Strahlen ergo sich in das Thal und auf die ihm
zugekehrten Seiten der Hhen. Whrend es ihnen ob der tiefen Lage des
Flubettes, aus dem nur hie und da der weiliche Sand und die hellen
Felsenblcke undeutlich herausschimmerten, nicht mglich war, in diese
Mulde zu dringen, beschienen sie hell die riesigen Felsenplatten und
Massen aufgetrmter Felsenblcke am linken, jenseitigen Ufer, aus denen
an verschiedenen Stellen die erleuchteten Oberflchen der klaren,
natrlichen Felsencisternen nach allen Seiten riesigen Diamanten gleich
funkelten. Hob sich der Blick nach den Hhen im Norden und Nordosten
(den nahen Naprstekhhen) so erschienen die schroffen und abschssigen,
die abgerundeten und abgeflachten Felsenblcke derselben berall da, wo
sie nicht eine schattige Sykomore oder anderes, helleres oder dunkleres
Grn von Bumen oder Struchern deckte, wie durch innere Hitze erglhend
und der Reflex dieses Purpurlichtes, sowie die unmittelbar auf das Laub
der Bume fallenden Strahlen des untergehenden Sonnenlichtes hllten die
dem Westen zugekehrten Kronen in ein goldenes Gewand, welches bei der
Bewegung der Aeste, Zweiglein und Bltter, zu flimmern schien. Von den
so herrlich beleuchteten Punkten der vor unseren Blicken sich
ausbreitenden Scenerie vollkommen gefesselt, hatte unser Auge die
weniger beleuchteten Partien, wie z.B. jenen freien geschtzten Raum am
Fue der Hhen zwischen den nrdlichen und den am jenseitigen Ufer sich
erhebenden Felsenmassen nicht gesehen. Doch als nun das goldene Gestirn
untergegangen war, als der Purpurglanz an den Hhen und den vorragenden
Erhebungen und Felsenformen im Thale erbleicht war und eine
gleichmigere Vertheilung des Lichtes platzgriff, fiel uns jene
oberwhnte, anfangs nicht beachtete Strecke am sdlichen Fue der Hhen,
jener zwischen denselben von pittoresken und belaubten Felsenmauern
umschlossene Raum auf.

Hatten wir mehrere zufllig hingeblickt, oder war es die erwhnte
gleichmige Lichtvertheilung, welche die Netzhaut unseres Auges in
gleicher Weise afficirte, genug, E., ich und Pit der Griqua stieen
unwillkrlich einen Ruf der Ueberraschung aus. Was hatten wir erblickt?
War das ein Kirchhof--doch nein, wir sind ja im Centrum Sd-Afrika's
unter Wilden. Ruinen sind es, Ruinen einer mit einer niedrigen
Felsenmauer umgebenen Stadt. Der von Montsua uns mitgegebene Fhrer
wute uns darber folgendes zu berichten: Diese Eingebornenstadt war bis
in die letzten Jahre hin von einem Banquaketsestamm (Zweigstamm)
bewohnt. Der Sohn des Huptlings Mosilili, mit Namen Pilani, ein Freund
Seschele's des Bakwenaknigs, verlie mit einer Anzahl seiner Anhnger
seines Vaters Stadt und das Gebiet des Chatsitsive, um sich im neuen
Gebiete des Knigs Seschele in Molopolole niederzulassen, worauf
Mosilili, ein alter Freund von Chatsitsive, die halbverlassene Stadt mit
dem Reste ihrer Einwohner im Stiche lie, um sich in der Nhe von Kanja
anzusiedeln. Die Ruinenstelle ist etwa  englische Meilen lang und
stellenweise 2-600 Schritte breit. Die Mauer, die um den Kraal luft,
ist niedrig, blos 3 Fu hoch, 1-2 Fu dick und diente wohl dazu, nur das
Vieh nahe an den Husern zu halten. Zur Vertheidigung war sie nur dann
von Nutzen, wenn mit Dornenbschen 4-5 Fu hoch berdeckt; mit einer
hnlichen, blos aus aneinander gelegten, kopfgroen Gesteinen
errichteten Mauer war auch der tiefste Einschnitt im Hhensattel
versehen. Der nchste Tag wurde dem Besuche der Ruinen gewidmet und auf
die zahlreichen, die Hhen bewohnenden Hynen Jagd gemacht.

[Illustration: Afrikanischer Luchs.]

An den Ruinen fielen uns vor Allem die cylindrischen Mauern, Ueberreste
der Wohnungen und Gehft-Einfriedigungen, ferner einige noch bedachte
Htten, zur Rechten die Ruinen eines Missionshauses, doch vor Allem
kegelfrmige gedeckte, meist aus rthlichem Thon gefertigte, noch
ziemlich gut erhaltene Eingebornen-Wohnungen auf.[1]

    1: Siehe Anhang 20.

Auf einem lngs des Fluufers unternommenen Ausfluge fand ich recht
anziehende Partien sowohl in dem Flubette selbst als auch an den beiden
hohen, mit bunter Boden- und Buschvegetation dicht bewachsenen Ufern.
Bald stufen- bald walzenfrmig lagen die vom Wasser spiegelglatt
geschliffenen Felsenblcke bereinander und bildeten kleine Katarakte,
die fr den knftigen Besiedler des Ufers natrliche Wehren sind, um
seine Mhle zu treiben und seine Gefilde zu bewssern. In den Dickichten
am Flusse jagten sich Heerden der gehrnten Perlhhner (N. coronata) und
an den lehmigen Stellen sah ich deutliche Fischotter- und Leguanspuren.

Um die Mittagszeit, als wir berall auf den vorragenden Felsenblcken
den Klippschliefer hocken und herumhuschen sahen, machten wir uns mit
den Hunden auf, um einigen dieser von den Englndern Rockrabbits, von
den Boer's Dossies genannten Dickhutern nachzustellen. Wohl weil von
den Eingebornen hufig verfolgt, zeigten sich diese kleinsten der
lebenden _Pachydermata_ sehr scheu; so lange wir am Wagen oder im
Bereiche der Ruinenstadt blieben, wichen sie, meist in kauernder
Stellung an den vorragenden Felsenblcken--vielleicht auch als Wachen
sitzend--sonst aber in den Bschen nach Wurzeln und Gras, auf den
dickstmmigen Sykomoren nach Feigen suchend, nicht von der Stelle;
sobald wir jedoch den Fu der Hhen erreicht hatten, verschwanden sie in
der nchsten Felsenritze.

Whrend Freund Eberwald und F. mit Stephan auf dem stlichen Hgel
darauf losknallten, hatte ich mich von dem westlichen steilen Abhange
nach dem nrdlichen geschlichen, um einen auf der uersten Felsenspitze
vollkommen apatisch und melancholisch hockenden, um seine und die
Sicherheit seiner Kameraden unbesorgten Klippdachs anzuschleichen. Nicht
ohne Schwierigkeiten und manchen meine Lachlust erregenden Zwischenfall
gelang es, den steilen Abhang emporzuklimmen und eine Stelle zu
erreichen, von welcher aus das kleine Thierchen in Schuweite lag. Mein
Begleiter Pit wollte durchaus noch weiter klettern, ich aber ersah den
gnstigen Moment und feuerte eine Schrotladung hinauf. Der Schu hatte
getroffen, der Klippdachs kollerte zum Stamm einer ber den Abhang sich
erhebenden Sykomore und fiel dann einige Fu senkrecht herab. Athemlos
klettern wir ber die groen Felsblcke auswrts, um die Stelle am Fue
der Sykomore zu erreichen--doch welche Enttuschung, die Erde war vom
Blute des Thieres gerthet, das Thier selbst war jedoch verschwunden.
Wir durchsuchten alle Ritzen und Lcher zwischen den Felsen--vergebens.

Hyrax capensis, wohl eine und dieselbe Species oder eine sehr nahe
Variett des Hyrax abissinicus ist von der sdlichen Meereskste durch
ganz Sd-Afrika ber den Zambesi hinaus verbreitet und whlt sich meist
felsige Hhen zum Aufenthaltsorte. Von seinem gewhlten Schlupfwinkel
weicht er nicht gerne und mag auch unter dem Felsen, auf den er sich
eingenistet, ein Gehft oder eine Stadt entstanden sein, er bleibt ruhig
wo er war, nur da er scheuer als in der Wildni wird. Als kleinster der
Dickhuter ist er ein eigentmlicher Kauz, ein tiefer Denker, der seine
Handlungen wohl berlegt, bevor er sie ausfhrt, sonst ein nrrischer
und bissiger Geselle. Etwas ber Kaninchengre, mit kurzen Ohren und
kleinen, sehr lebendigen Aeuglein, ist er mit einem dichten, dunkel
gelblich-braunen Pelze bekleidet, dessenthalben ihm von den Eingebornen
eifrig nachgestellt wird. Doch auch sein Fleisch wird von vielen Weien
und von den Eingebornen genossen und manche der Stmme, wie die
Makalaka's, bedienen sich mit Ngeln versehener Stcke, um die in die
Felsenritzen geflchteten Klippschliefer aus diesen herauszuholen. Nebst
dem Menschen sind es der Caracal und der sdliche Luchs (Lynx pardinus)
sowie der braune Adler, welche ihm nachstellen, doch ohne seiner groen
und raschen Verbreitung viel Abbruch thun zu knnen; seiner Brut werden
die Genetten gefhrlich.

Die steilsten Hhen, schroffe Abflle, in Sd-Afrika als Krnze
bekannt, sind seine Lieblings-Aufenthaltsorte. Ein kleiner Hase bewohnt
diese Hhen und ist oft sein Gesellschafter, wenn dieser auch nicht in
die tiefsten Spalten herabsteigt, sondern sich mehr an der Oberflche
aufzuhalten sucht. Der Klippdachs liebt die Wrme und sich zu sonnen ist
neben seinen Nahrungssorgen seine wichtigste Beschftigung. Nasse Winter
(eine Seltenheit auf den Hochebenen) und groe Klte schaden ihm sehr.
Gefangene, denen man nicht vollkommen das freie Herumlaufen gestatten
konnte und die in feuchten, oben geschlossenen Localen gehalten wurden,
erkrankten an Augenentzndungen und siechten zusehends ab; sonst sieht
man sie hufig in Behausungen gehalten und an Schnrchen, die sie nicht
zerbeien, angebunden. Man kann sie hier und da fr 2-5 Shilling per
Stck erstehen.

In einer der vielen trichterfrmigen Kalk-Felsenhhlen in der westlichen
Transvaal-Republik beobachtete ich eine Art mit etwas zottigem,
fuchsrothem Fell, ohne ihrer jedoch habhaft werden zu knnen und in den
bewaldeten Partien des sdlichen Theiles der Cap-Colonie, wie auch in
Kafraria, Natal und weiter nordwrts lebt eine graue mit einem weien
Band geschmckte, etwas kleinere Art nur auf Bumen, von der ich zwei
Exemplare sah. Sie sollen ein weithin tnendes Gepfeife ausstoen und
sind sehr scheue, besser als ihre Stammesbrder auf den Felsen,
Feuchtigkeit vertragende Thierchen.

Freund E. war glcklicher als ich, er brachte Turteltauben und ein
schnes groes Rebhuhn (Francolinus gariepensis), sowie einige der uns
bisher fremden, palmenartigen Grasbume heim; manche derselben waren
stark angekohlt, ein Beweis, da die Hhen zeitweilig von Brnden
heimgesucht werden. Wir benutzten die aus den Stammenden und an den
armleuchterartig emporsehenden Abzweigungen hervorsprieenden, viel
Kieselkrystalle enthaltenden Bltter, um damit unsere Eisen- und
Stahlsachen blank zu scheuern. Ich beobachtete noch eine zweite, hhere
und bedeutend dnnere starkverzweigte Art an einigen (immer nur an)
Hhen im Zambesithale, eine der beiden Arten soll auch im centralen
Transvaal-Gebiete auf den Magalisbergen vorkommen. Die Pflanze gehrt
unstreitig dem wrmeren Theile Sd-Central-Afrika's an und fesselt durch
ihre dunklen, aus dem Grase und zwischen den grauen oder weilichen
Felsblcken hervorsprieenden, 2-3 Fu hohen und armdicken Stmmchen
sofort die Aufmerksamkeit des Fremden.

Nachdem ich die Hupter meiner Lieben gezhlt und keines fehlte, brach
ich wieder auf; unser Weg fhrte uns durch mehrere sandige Flubette
(Koluany und Mahatelve) und zahlreiche Regenmulden, deren Ufer von
herrlich grnenden Mimosen bestanden waren. An einer dieser Regenmulden
entdeckte unser Fhrer zahlreiche Hynen- und Leopardenspuren, die uns
zur Vorsicht mahnten. Kaum hatten wir das Schutaniflchen, dessen
felsiges Flubett den Zugthieren viel zu schaffen gab, berschritten,
als die Hunde mit besonderer Vehemenz auf einen Busch anschlugen.

Da rief Stephan pltzlich: Bas, Bas. Sir, pass up, een chut lup nack ye
tu (Herr, Herr, gib' acht, ein Ding luft auf Dich zu). Ich sprang zur
Erde, Pit, E. und B., wir alle wandten unsere Blicke nach der
Schallrichtung, das Hundegeklffe kam nher, entfernte sich dann aber,
als pltzlich einige Schritte vor den Ochsen ein gelbliches,
schwarzgeflecktes Thier, ein sdlicher Luchs, Thari von den Eingebornen
genannt (L. pardinus) ber den Weg setzte und den Anhang hinablief. Es
schien uns allen so klein, und da die Hunde, namentlich Onkel, dem
Thiere auf den Fersen waren, dachte Niemand nach dem Gewehre zu greifen,
alles lief dem flchtigen Thiere nach. Ueber Busch, ber Stock und Stein
flogen und fielen wir--doch dieses spontane Wettrennen war nur von
kurzer Dauer, denn an einem Haufen tief in die Erde eingebetteter
Felsblcke, vor einer tiefen, in eine Hhle fhrenden etwa 16 Zoll
breiten Zerklftung hielten die Hunde mit einem Male still und klfften
in die Hhle hinab, aus der das Fauchen des Raubthieres zu hren war.

Wir hatten inde keine Zeit zu versumen und muten, wenn auch ungern,
zum Wagen zurckkehren. Am Lagerplatze angelangt, schrfte ich den
Dienern die grte Wachsamkeit ein und lie mehrere grere Feuer zur
Abwehr der Leoparden errichten.

Durch dichten Niederwald, in dem Laubhlzer zahlreich auftraten, setzten
wir am nchsten Tage unsere Reise fort. Wir begegneten zwei Frauen,
deren Hals und Brust ber und ber mit Glasperlenschnren und Arme und
Schenkel mit aus kleinen Glasperlen gearbeiteten fingerdicken Ringen
bedeckt waren; ein ihnen folgender Knabe trieb einen Ochsen, der als
Packthier das Gepck der Schnen trug. Mit dem Ueberschreiten des
Koluanyflchens hatten wir das Gebiet Seschele's betreten, des
Herrschers der Bakwena's, der nchst den beiden Bamanquato-Herrschern
das umfangreichste Landgebiet unter den unabhngigen Betschuana-Knigen
besitzt.

Durch den Knall unserer Peitsche angelockt, kamen zwei Bakwenaknaben zum
Wagen herbeigelaufen, und trugen mir eine Deukergazelle zum Kaufe an;
ich erstand das liebe, zierliche Thierchen, das ohne Verwunderung ber
den Wechsel seines Gebieters so treu und traulich uns mit seinen
schnen, groen Augen anblickte und sich im Wagen bald heimisch fhlte,
fr eine Bagatelle.

Nachdem wir das theils felsige, theils sandige Flchen, Malili genannt,
berschritten hatten und durch einen tiefsandigen Wald reisten,
erblickten wir, whrend des Aufstiegs durch Bume verdeckt, eine
Hhenkette im Norden, welche bebuscht zu sein schien. Nher kommend,
gewahrten wir, da sich im Osten noch andere Hhen an die erwhnte (der
mittlere Theil der Bakwena-Hhen) anschlossen und auf einer derselben
hoch oben einen weien Punkt, einem europischen, weigetnchten Gebude
nicht unhnlich. Unser Fhrer machte uns auf diesen weien Punkt
aufmerksam, es war das Wahrzeichen Molopolole's, die Residenz
Seschele's. Der Weg zu der am Abhange eines Hhenzuges erbauten Stadt
fhrte uns durch ein Kesselthal, dessen Sohle von drftigen und
schlechtgepflegten Feldern eingenommen wurde.

Abends fuhren wir bis zu einem in der Mitte des Kessels sich
ausbreitenden, von einer Bachschlucht durchschnitten Rasenplatz, in
dessen Nhe drei Eingebornendrfer gruppenweise je an dem Fue einer
Hhe lagen und schlugen hier unser Lager auf. Gegen Osten blickend sahen
wir in der Entfernung von circa 300 Schritt den Hhenrcken mit
Seschele's Villa, die einige hundert Fu hoch ber dem Bette des Baches
und dem sdlichen Ende einer auf den Hhenrcken sich nach Norden
windenden seichten Thalvertiefung, erbaut war. Diese Villa, der sieh die
Gebude des kniglichen Haushaltes und die Kotla (der umzunte
Berathungsplatz der conservativen Bakwena's) wie die Gebude der hier
zeitweilig wohnenden Hndler anschlossen, lag unter dem Schutze eines
kleinen Felsenhgels. Unten am Rande des Thalkessels und am Fue dieser
Hhe lag ein anderer Theil Molopolole's (ein Eingebornendorf). Ein
dritter Theil liegt am Fue des isolirten sdlichen Hhenrckens, der
von den stlichen und von der lagen nrdlichen, von Westen nach Osten
sich ziehenden Hhenmasse durch eine lange Felsenenge, das von den
Eingebogen Kobuque genannte Felsenthor, geschieden war. Auch am Fue der
eben erwhnten nrdlichen Kette liegt ein Stadttheil neben einem in
Ruinen verfallenen, doch nicht mehr im Thalkessel, sondern auerhalb
desselben, an die nach der offenen Sdsdwestseite hin sich
ausbreitenden Felder angrenzend. Eine zweite Schlucht, deren
felsenthorartige Mndung Molopolole genannt ist und der Stadt den Namen
gab, fhrt in nrdlicher Richtung aus dem Thalkessel; durch sie tritt
der Bach aus dem Bakwena-Hhennetze in den Kessel. Unter der Mndung
dieser Schlucht im Thalkessel liegen die Gebude der Missionre und die
Schule, whrend die Kirche oben auf dem Hhenrcken im oberen
Stadttheile zu Anfang einer zum Thalkessel fhrenden Schlucht erbaut
ist.




XI.

Von Molopolole nach Schoschong

Malerische Lage der Stadt.--Rev. Price und Williams.--Die
Kotla.--Ausflug in die Molopolole-Schlucht.--Ein Festtag fr
Molopolole.--Millionrs-Laufbahn in Sd-Afrika.--Empfang bei
Seschele.--Die Bakwena's.--Geschichte des Bakwena-Reiches.--Knigin
Ma-sebele und Kronprinz Sebele.--Molopolole's Umgebung.--Sitten und
Gebruche der Betschuana's.--Religise Vorstellungen derselben.--Naka's,
Linjaka's und Moloi.--Heilmethode und Heilmittel derselben.--Beschwrung
Khama's.--Regenmacher.--Aufbruch von Molopolole.--Ein dornenvoller
Marsch.--Eingeborne Postboten.--Wassernoth.--In Lebensgefahr.--Barwa's
und Masarwa's.--Aberglubische Gebruche dieses Sclavenstammes der
Betschuana's.--Ihre Jagdlist.--Neujahrsfeier in der Wildni.--Im
Bakwenalande verirrt.--Von Masarwa's gerettet.--Ein merkwrdiger
Fund.--Begegnung mit Leoparden.--Ein besorgter Vater.--Einzug in
Schoschong.


[Illustration: Termitenhgel.]

Unstreitig bietet Molopolole von dem Thalkessel aus gesehen den
interessantesten Anblick und die schnste Scenerie unter allen
Betschuanastdten dar. Aus dem kleinen, grn begrasten Thalkessel, in
dem wir stehen, erblicken wir um uns die meist in ihren oberen Partien
oder bis zur Hlfte perpendiculr abfallenden, oder bis an ihren Fu von
Blcken gebildeten, zwischen diesen aber und an den minder abschssigen
Abhngen dichtbebuschten, hie und da mit einer riesigen Alospecies
gezierten Felsenhhen. Zu unserer Rechten die von Norden kommende
Schlucht mit der beraus interessanten Felsenformation des berhngenden
Molopololefelsens und zwischen uns und dieser Schluchtmndung hohe
Laubbume, die Gebude der Missionre und ihre Grtchen mit dem
tropischen Pflanzenwuchse der Bananen und des Zuckerrohres geschmckt.
Vor uns, am Fue der stlichen steilen, und rechts von uns an dem der
westlichen bewaldeten Hhe je ein Eingebornendorf, in dem letzteren die
umfangreichen Gehfte der Handelsfirma Taylor, nchst Francis und Clark
die bedeutendste in den Betschuanalndern, und zwischen den beiden
dringt der Blick durch das nach Sden fhrende Felsenthor, die
Kobuque--und ber dem Dorfe vor uns endlich nach Osten zu--hoch oben der
von den Besten des Stammes bewohnte Stadttheil mit den kniglichen
Gehften. Wenden wir uns nach Norden und Westen, so sehen wir den
nrdlichen Stadttheil am Fue der nrdlichen Hhenkette und auerhalb
des Thalkessels die rthlichen Ruinen einer verlassenen Eingebornenstadt
und die breite Ebene, von dem dunklen Grn des eben durchreisten,
tiefsandigen Waldes nach Sden und Sdwesten begrenzt. Was uns noch bei
dieser Betrachtung auffllt, sind einige am Fue der letztgenannten
Hhen wie am Uferrande des Bchleins stehende Riesenbauten der
Termiten.[1]

    1: Der eine war 9 Fu hoch (die Hauptpyramide) und hatte (mit den
    Nebenpyramiden) 40 Fu Peripherie.

An Molopolole haben wir die Schnheit der Naturscenerie zu bewundern,
ohne da der Flei seiner dunklen Bewohner durch Anpflanzungen oder
hervorragende Form im Baustyle seiner Htten etwas dazu beigetragen
htte, nur die Anlage der Stadt an der von der Natur aus befestigten
Stelle spricht zu Gunsten ihres Knigs. Der gegenwrtige Knig Seschele,
dem schon Livingstone einige Capitel seines Buches (Missionary
Travels) widmet, und von dem ich noch ausfhrlicher zu reden haben
werde, wohnte mit seinem Stamme, den Bakwena, der durch innere Reibungen
und Kriege mit den umwohnenden Stmmen bedeutend herabgeschmolzen war,
sdstlich von Molopolole, nahe da, wo wir jetzt die Stadt der Manupi
finden. Ruinen bezeichnen noch die Stelle wo er gehaust; diese seine
erste, gegen die Transvaal-Grenze zu gelegene Residenz hie Kolobeng.
Hier wurde er im Jahre 1842 von dem Nestor der Afrika-Reisenden besucht.

Aus Kolobeng wurde Seschele von den Boers vertrieben und siedelte sich
dann in Liteyane, 10 englische Meilen westlich von Molopolole an. Seit
1865 residirt er in Molopolole, wo sich schon frher eine Niederlassung
im Thalkessel befand und wohin auch Pilani aus der Mosupa-Stadt
bersiedelte. Das Gebiet Seschele's, das nrdlichste der vier erwhnten
Betschuanareiche, grenzt nach Westen an das groe Namaqualand, im Norden
an das der westlichen oder N'Gami-Bamangwato's oder der Batowana's und
an das der stlichen oder Schoschong-Bamangwato's, im Osten mit dem
Limpopo und Marico an die Transvaal-Colonie und im Sden an das Land der
Banquaketse. Die Sdgrenze verluft unter 24 10' s. Breite von Koluany,
an Kolobeng vorbei in sdstlicher Richtung zu den Dwarsbergen bis zum
groen Marico. Die nrdliche Grenze gegen die zwei Bamangwato-Reiche
liegt unter 23 30' s. Breite und folgt zum Theile dem Sirorume-River.
Die Zahl der eigentlichen Unterthanen Seschele's schtze ich auf
32-35.000 und jene der im Lande wohnenden, allein keinen Tribut an
Seschele zahlenden Batloka, Bakhatla und Makhosi auf 18-20.000, whrend
ich die Kopfzahl der das ganze Banquaketseland bewohnenden Stmme auf
28-30.000, die eigentlichen Unterthanen im Lande Montsua's, des Knigs
der Barolongen auf 33-35.000 und jene in seinem Lande sdlich vom Molapo
gegen die Batlapinen zu wohnenden, allein ihm nicht Tribut zahlenden
kleinen Barolongenstmme in der Umgebung gewisser Stdte, wie Marokana
etc. auf 30.000 veranschlagen mchte. Mankuruane, der Batlapinenknig
hat ber 30.000 unter seinem Scepter, whrend sich in dem kleinen
Mamusa-Knigreiche kaum 8000 finden drften, obwohl die Stadt Mamusa
allein vor einigen Jahrzehnten an 10.000 Bewohner in ihrem Weichbilde
beherbergt hatte.

Als wir am 21. Abends auf dem Rasenplatze in dem Molopololekessel
lagerten, nherten sich uns ein rmlich gekleideter Hollnder, der hier
Schmiedarbeiten versah, und zwei Eingeborne, welche uns Weidepltze fr
die Zugthiere anwiesen. Bald adarauf erschienen die beiden Missionre
Price und Williams und hieen mich willkommen. Der letztere ist seitdem
nach Europa zurckgekehrt, whrend Rev. Price von seiner Gesellschaft
nach Central-Afrika beordert wurde. Durch seine zweite Verehelichung mit
Mi Moffat ist er mit Livingstone verschwgert.

Am folgenden Morgen unternahm ich einen Ausflug zu der nach Westen
gelegenen Ruinenstadt und einen zweiten in die mit dem Molopolole-Thor
in den Thalkessel mndende Schlucht aufwrts. In der Ruinenstadt fielen
mir die gewlbten, aus Schilfrohr und Ruthen errichteten und cementirten
Doppelbauten auf, wie ich sie in Mosilili's Stadt am Mosupaflusse
beobachtet habe.

Trkische Feigen und die bekannte sdafrikanische violettblhende Datura
gediehen auf diesem Platze vorzglich.

Unter den bewohnten Htten der Baknena oder Bakwena fielen mir
namentlich zwei Merkmale auf, durch welche sich dieselben von jenen der
Barolongen und Batlapinen etc. unterscheiden. Sie waren im Allgemeinen
weniger fest gearbeitet und konnten sich mit denen der Barolongenhtten
etc. nicht messen, doch zeigten die meisten aus Thon gearbeitete
Umzunungen, die wir z.B. bei den stlichen Batlapinen nur noch an dem
Feuerherde, bei den sdlichen und westlichen gar nicht vorfinden. In den
Drfern fand ich frei zwischen den Gehften stehende Berathungshuschen,
d.h. ein kegelfrmiges, auf 20 und mehr Pfhlen ruhendes Strohdach, die
Oeffnungen zwischen den einzelnen Pfhlen waren bis auf die
Eingangsstelle mit einer solid gearbeiteten Rohrwand bis zur halben Hhe
der Pfhle geschlossen und diese Wand mit einfachen Ockermalereien
verziert.

Mein Ausflug die Molopolole-Schlucht aufwrts, an den Gebuden der
Missionre vorbei, war recht lohnend. Ich scho in dem Gewsser, das
jedoch noch im Bereiche der Stadt versiegt, mehrere Fische und fing mit
der Angel am Felsenthore sieben Welse. Der linke Flgel des Felsenthores
wird durch einen perpendiculren, man knnte beinahe sagen, in seinen
oberen Partien etwas berhngenden Felsen gebildet, unter welchen sich
eine tiefe Stelle findet, die durch theils natrliche, theils knstliche
Abdmmung stets gefllt ist und den Fischen auch in trockenen Jahren
eine sichere Zufluchtssttte bietet; diese wrden sich auch in den
oberhalb in der Schlucht befindlichen Tmpeln bedeutend vermehren, wenn
die letzteren ob ihres geringen Umfanges nicht so leicht von den
Fischottern und Leguanen heimgesucht wren.

Mit nicht geringem Erstaunen und zugleich mit Unwillen, hrte ich von
einer Elephantenjagd, die sich einige Monate zuvor mitten in der Stadt
zugetragen. Der letzte Winter (die Zeit des europischen Sommers) war im
Lande der Bakwena's ungemein trocken. Von allen Seiten brachten die
Barwa's und Makalahari Wildfleisch und Felle zu ihren Herren nach
Molopolole, denn das abgemattete und durstende Wild lie sich mhelos
erlegen. Die Regentmpel, die Quellen (die Flubette waren lngst
ausgetrocknet) trockneten aus, so da man die Heerden bis an den unteren
Marico und Limpopo zur Weide fhren mute. In Molopolole selbst war der
Bach beinahe vollkommen versiegt und die Frauen muten stundenlang
warten, bevor sie ihre Tpfe fllen konnten. Die halbverdursteten
Thiere, Eland-Antilopen, Giraffen, Sbel-Antilopen, gestreifte Gnu's,
nebst einer Unzahl Gazellen und kleiner Antilopen schleppten sich zu den
wenigen brig gebliebenen Wasserstellen, um hier in den Tod zu laufen,
denn diese waren von Jgern umstellt.

Zu dieser Zeit--im Monate Juni--erscholl eines Tages ein Geschrei von
Htte zu Htte, von Dorf zu Dorf im Thale sich verbreitend und auf die
Hohen dringend, ein Geschrei, das die Hndler und Missionre fr
Kriegsgeschrei hielten; als sie bestrzt nach der Ursache desselben
forschten, sahen sie mitten im Thalkessel eine zehn Stck zhlende, laut
brllende, nach den Quellen sich Bahn brechende Elephantenheerde vor
sich. Weie und Schwarze, alles was nur ein Kugelgewehr hatte, sprang
herbei und die Metzelei begann.

Fr Molopolole war dies der grte Tag seitdem es zur Residenz des
Knigs Seschele auserkoren war. Das Auge des Bakwena, der an der Jagd,
recte Metzelei, Theil genommen, glht und er lacht und gesticulirt laut,
wenn er von dem Ereignisse spricht, das sich auch bis in die Kpfe der
Greise und der Frauen, selbst die ihrer Kinder eingeschlichen hat, wer
von ihnen htte auch jener glorreichen Festtage vergeben knnen, an
denen man einige Tage hindurch an Fleisch ama (njama) Ueberflu hatte.
Diese in Molopolole getdteten Elephanten gehrten smmtlich (wie ich
spter von den Boers erfuhr) der grten, doch die kleinsten Zhne
tragenden Variett des afrikanischen Elephanten an, die Zulah oder
Hohlkopf genannt wird.

Von den beiden Predigern eingeladen, besuchte ich sie und fand, da Rev.
Price geschmackvoll eingerichtet jeder Bequemlichkeit sich rhmen
konnte. Er hatte aber auch hart arbeiten mssen, bevor er es so weit
gebracht. Er war einer der beiden Missionre, welche die Mission im
Lande der Makololo, d.i. in dem von ihnen mit Waffengewalt eingenommenen
Gebiete zu errichten bestimmt worden waren und die Arbeit auch in
Angriff genommen hatten, allein durch Mierfolge entmuthigt, endlich
aufgeben muten. Rev. Price und Helmore erreichten die Stadt Linyanti am
nrdlichen Tschobe im Februar 1860 nach einer siebenmonatlichen Reise
von Kuruman und wurden von dem Makololoknige Sekeletu freundlich
aufgenommen, doch schon nach 14 Tagen waren beinahe Alle am Fieber
erkrankt. Zuerst starb Malatsi, einer der Betschuana-Wagenfhrer--alle
central-sdafrikanischen Betschuana's mit Ausnahme der Batowana's vom
N'Gami-See und der Makoba's am Zuga-River werden in Malaria-Gegenden vom
Fieber decimirt--acht Tage spter, als Rev. Price, der sich noch auf den
Fen erhielt, den Kranken die letzte Wegzehrung reichte und Einer nach
dem Andern mit dem Tode abging, fand er das kleinste der vier neben Frau
Helmore liegenden kranken Kinder kalt und leblos. Der Mutter, die
bewutlos am Fieber dalag, wurde so das Leid erspart, das erste Opfer
unter den Ihrigen zu sehen; am 9. Mrz starb der Sugling, dem Frau
Price das Leben gegeben. Am 11. schied Selma Helmore aus dem Kreise der
Niedergeworfenen und am nchsten Tage folgte ihre Mutter, den Folgen des
schrecklichen Uebels erliegend. Selbst die Schwarzen wissen nur Gutes
von dieser edlen Frau zu berichten, welche die Wildni und das giftige
Klima nicht gescheut, um dem Manne zu folgen, und mit ihm das Los seines
Berufes zu theilen, unter einem wilden, kriegerischen Volksstamm das
Wort Gottes zu verbreiten.

Auf der Reise gegen den Tschobe, auf welcher die Reisenden mehr als
einmal vor Durst beinahe umgekommen wren, hatte sie oft ein seltenes,
aufopferndes Beispiel ihrer Mutterliebe gegeben, um ihre Kinder vor dem
Tode des Verdurstens zu retten und nun, in ihre neue Heimat gekommen,
war ihrem, einem der edelsten Leben, in wenigen Tagen Halt geboten
worden. Doch selbst in ihren Delirien--zu einem Skelett abgemagert und
mit entstellten Gesichtszgen--hatte ihre innige Mutterliebe ihr
momentan die berstandenen Sorgen in's Gedchtni zurckgebracht, denn
oft murmelten die in Fieberhitze glhenden Lippen, da ihrem Henri
(dem ersten Opfer in ihrer Familie) drste und baten, man mge den ihr
zukommenden Lffel voll des rettenden Elementes dem Kinde reichen. Nach
dem Tode der Frau besserte sich fr kurze Zeit der Zustand der brigen,
verschlechterte sich jedoch wieder im April und am 21. erlag Helmore dem
Fieber, nachdem schon am 11. und 19. Mrz Tabe (sprich Teb) und Setloke,
zwei Betschuana's (Batlapinen), gestorben waren.

In dieser schweren Zeit wurde auerdem einer der Diener mit Namen Mahuse
Verrther an den brig gebliebenen. Den Zustand derselben wohl
einsehend, fand er sich tglich am Hofe des Sekeletu ein und brachte ihn
endlich zu der Ueberzeugung, da alles, was dem Herrn Helmore gehre,
nur ihm, dem Knige, zufallen msse. Da diese und hnliche Worte unter
dem wilden Makololostamme und von Seite seines Knigs williges Gehr
fanden, wird man leicht begreifen. Die Makololo stahlen und nahmen was
sie wollten und als Herr Price Linyanti verlassen wollte, da kam
Sekeletu, nahm ihm auer einigen wenigen Kleidungsstcken alles ab und
lie ihn nur mit dem leeren Wagen von dannen ziehen. Bei dem spter
erfolgten Besuche Livingstone's trachtete er seine Infamie auf jede
Weise zu beschnigen, doch sein unruhiger Geist lie ihm keine Rast, bis
er freiwillig einem in die Tschobe-Gegenden auf die Elephantenjagd
ausgehenden Banquaketse, mit Namen Sebehwe, ein volles Gestndni seines
schurkischen Betragens abgelegt hatte.

Auf seiner Reise von Linyanti nach dem Sden verlor auch Rev. Price sein
treues Weib in den Ebenen des stlichen Mahabi; sie starb am 5. Juli und
wurde von ihrem Gemal unter dem einzigen auf der weiten Grasflche
sichtbaren Baum beerdigt. Er reiste langsam mit den beiden Waisen des
Herrn Helmore weiter gegen den N'Gami-See und wurde, hier endlich
angekommen, von dem Knige der westlichen Bamangwato's Letschulatebe,
freundlich aufgenommen und behandelt und traf einige Tage spter meinen
geliebten Freund, Rev. Mackenzie, der auf dem Wege nach Linyanti
begriffen war, um der Mission Proviant etc. zuzufhren.

[Illustration: Bei Knig Seschele.]

Rev. Price hatte mir bei meinem Besuche in seinen. Hause in Molopolole
diese Episode mitgetheilt, spter hrte ich sie wieder von meinem
Freunde in Schoschong, ohne zu ahnen, da auch die Zeit an mich
herantreten wrde, in der ich mit einem hnlichen Ungemach zu kmpfen
haben sollte. Doch wenn wir Beide auch aus verschiedenem Antriebe die
Einden Sd-Afrika's durchwanderten, er mit dem Banner der Religion, ich
um meine geringen Krfte der Wissenschaft zu widmen, die Sumpffieber
haben unsern Wissens- und Thatendrang nicht zu ersticken vermocht.

Obwohl er sich in Molopolole bereits eine Heimat gegrndet hatte, folgte
er willig dem an ihn ergangenen Rufe an den Tanganjika-See.

Neben Rev. Price erwhnte ich Rev. Williams als seinen Brudermissionr,
gleich den Missionren in Kuruman (Batlapinen), Taung, Kanja
(Banquaketse) und Schoschong (stliche Bamangwato) der London
Missionary Society angehrend, war er erst einige Jahre in Sd-Afrika
und eben im Begriffe, sich ein Wohnhaus aufrichten zu lassen. Die beiden
Herren erboten sich, mich dem Knige vorzustellen und so machten wir uns
den zweiten Tag nach meiner Ankunft in Molopolole daran, die Felsenhhe,
auf der wie ein Adlernest der von den Getreuesten der Getreuen
Seschele's bewohnte Stadtheil erbaut ist, hinanzuklimmen. An Mr.
Williams Gebude vorber, hatten wir eine enge, steile Schlucht nach
aufwrts zu verfolgen, an derem Eingange die von Mr. Price erbaute
Kirche, ein 60 Fu langes und 21 Fu breites, mit einem Anbau
versehenes, gewhnliches, mit Gras gedecktes Gebude steht. Von der
Kirche gingen wir durch den sdstlichen Theil des oberen Stadttheiles
nach der Residenz zu, doch zuvor muten wir in die Kotla eintreten, um
hier in formeller Weise den von meiner Ankunft in Kenntni gesetzten
Knig zu begren. Unter der Kotla verstehen wir die aus starken Pfhlen
und Baumstmmen geformte runde Umzunung, wie sie in der Regel in der
Mitte der Betschuanastdte fr Berathungszwecke erbaut ist. Auf der der
kniglichen Wohnung zugekehrten Seite der Umzunung befindet sich in
derselben eine Oeffnung, die nach Belieben mit Baumstmmen geschlossen
werden kann. An der den genannten Wohnungen nchsten und besonders dicht
gebauten Stelle findet sich der Ort, wo der Herrscher, auf einem
Sthlchen sitzend zu beiden Seiten von den Aeltesten des Stammes, oder
den Huptlingen, oder seinen Verwandten umgeben, die Berichte der vor
ihm auf der Erde hockenden Boten, Jger, Spione und die Parlamentre
anderer Eingebornenknige anhrt und ihnen selbst, oder durch einen der
zunchst Sitzenden Bescheid ertheilt. Oft ist in der Umzunung eine
kleine gedeckte Holzhtte erbaut, in welcher in der Regel ein Feuer
brennt, dieselbe wird whrend der Regenzeit als Versammlungsort benutzt.
Diese Kotla's dienen zugleich als Forts; bei jenen, die am Fue von
Hhen liegen, sind namentlich die gegen dieselben gewendeten
Umfriedungspartien aus groen und schweren Baumstmmen errichtet, um die
Wirkung der Wurfgeschosse abzuschwchen.

Seschele empfing uns stehend. Der Knig der Bakwena's ist hoch in den
Fnfzigern, wohlbeleibt, von groer Statur, ein beinahe unaufhrliches
Lcheln umspielt sein Gesicht. Es war leicht erklrlich, da ich mich in
meinem Urtheile ber dieses eigentmliche Lcheln nicht tuschte, und
meine Ansicht auch besttigt fand. Es drngte sich mir unwillkrlich die
Meinung auf, da ich einen Tartuffe vor mir habe.

Seschele wandte sich, nachdem er unsere Gre erwidert, zu Rev. Price
und ersuchte ihn, mir zu sagen, es htte ihm noch nie ein Weier so
gefallen wie ich. Whrend mir es Price bersetzte und ich erstaunt war,
solch' ein Kompliment von einem Eingebornen, den ich zum ersten Male
getroffen, zu hren, und den Knig prfend anblickte, sah ich, wie
dieser mit seinem rechten Auge einen ihm zunchst stehenden Alten
(Unterhuptling) und seinem Sohne zuwinkte; sein Mienenspiel der rechten
Gesichtshlfte stand mit dem mir vorhin erwiesenen Komplimente im
offenen Widerspruche. Die Leichtigkeit, mit der er sich aber sofort, als
er mein Erstaunen begriffen, aus der zweideutigen Lage zu helfen wute,
zeigte von nicht geringer Selbstbeherrschung.

Er lud mich und die beiden Missionre hierauf ein, ihn in seine
Behausung zu begleiten und eine Tasse Thee zu nehmen. Wenige Augenblicke
spter standen wir vor seinem neuen Hause, einem reinen und schmucken
Gebude, neben welchem sein frheres, nur von dem ltesten Sohne
bewohntes Huschen stand, an das sich die brigen von der kniglichen
Familie bewohnten anschlossen. Das neue Haus fr den Knig von Taylor um
den Betrag von 3000  St. aufgebaut und adaptirt worden, welcher Betrag
dem Kaufmanne in Strauenfedern und Ochsen ausgezahlt wurde.

Unter allen Betschuana-Herrschern ist Seschele am bequemsten und in
europischem Style eingerichtet. Doch bevor wir mit dem Knige das
reine, gepflasterte Hfchen, in dem die Knigin, auf unseren Besuch
unvorbereitet, nach Bakwenasitte auf einem Rindsfelle lag, und sein
Wohnhaus betreten, erlaube ich mir, den geehrten Leser mit Seschele
etwas vertrauter zu machen. In Bezug auf Charakter nimmt Seschele unter
den sechs Betschuana-Herrschern, trotzdem er sich die lngste Zeit zur
christlichen Religion bekennt, die unterste Stufe ein, whrend sein
nrdlicher Nachbar, der jetzige Knig der stlichen Bamangwato, Khama,
am hchsten und ihm als der Nchste unser gutherziger Freund Montsua zur
Seite steht.[1] Seschele ist ein geschickter Intriguant, ein Mann mit
einem Doppelgesicht, seinen Intentionen entspricht die Sentenz Der
Zweck heiligt das Mittel.

    1: Von Chatsitsive will ich noch nachtrglich erwhnen, da er als
    Character zwischen Mankuruan und Montsua die Mitte hlt, d.h. da
    ihm mehr zu trauen und zu glauben ist als dem Ersteren, ohne da er
    die Gutmthigkeit und lobenswerthen Eigenschaften des letzteren
    bese.

Sein Stamm, die Bakwena's, leiten ihren Namen von Ba (oder Ma) und Kuena
(Kwena) her, d.h. die Menschen des Crocodils, oder die Menschen, die
den Tanz des Crocodils tanzen, also Menschen, die, ohne das Crocodil zu
vergttern, ihm eine gewisse Achtung zollen.[1]

    1: In dieser Weise finden wir auch die brigen Betschuanastmme
    benannt, d.h. mit Namen, die sie sich selbst gegeben, nachdem sie
    das centrale Sd-Afrika eingenommen und sich dann in die
    verschiedenen Stmme getheilt hatten. So bedeutet der Name der
    Batlapinen eigentlich die Ba-Tlapi, d.h. die den Fische geweihten.
    Bakhatla (Ba-Khatla), die den Affen Geweihten; Batau = Ba-Tau
    (Taung), dei dem Lwen Ergebenen: Makhosi oder Makosi = Ma-Khoschi,
    Menschen, die einen Herrn (Huptling), Banoga = Ba-noga (oder
    nocha), die eine Schlange etc. verehren.

Die Bakwena waren noch vor vierzig Jahren, nachdem sie sich bereits von
den Banquaketse getrennt und selbst nachdem ein Theil derselben nach
Norden auswanderte und sich nher an die Bamangwato ansiedelte, ein
reicher Stamm, der sich meist von der Jagd und Viehzucht nhrte. Der
schwchere Theil zog nach dem Ngami-See ab, wo er zwar anfangs durch
Fieber arg litt, der Rest aber sich nach und nach acclimatisirte und
ber die daselbst wohnenden Stmme die Oberhand gewinnend, mit ihnen
ganz verschmolz. Die zahllosen am Notuany, am westlichen Marico-Ufer und
den westlichen Nebenflssen des letzteren weidenden Heerden bildeten den
Reichthum des Stammes.

Mochoasele, Seschele's Vater, machte sich eines Verbrechens  la Morena
David schuldig, in Folge dessen er ermordet wurde und die unzufriedenen
Huptlinge eine andere Herrscherfamilie zu whlen beschlossen. Es
geschah um die Zeit als Sebituane, von dem Stamme der Basuto's, mit
seinen kriegerischen Makololo die Masse der Betschuana's durchbrechend,
nach Norden zog, um sich jener Striche, von denen er vernommen, da sie
sich eines ewigen Frhlings erfreuen, d.h. der Gegenden am Tschobe und
Zambesi zu bemchtigen. Die Freunde des getteten Mochoasele sandten
heimlich Boten zu Sebituane und baten ihn, dem jungen Seschele zu seinem
Rechte zu verhelfen. Sebituane entsprach auch ihrem Wunsche und sicherte
dem Sohne des getteten Frsten die Herrschaft ber die Bakwena's. Diese
Verfgung, sowie die neuerliche Loslsung einzelner Abtheilungen vom
Hauptstamme, welche nach Nordost, Sden und Sdost auswanderten,
schwchte die Bakwena's an Zahl und Macht und verminderte ihre
Wohlhabenheit. Auf Livingstone's Anrathen, der im Jahre 1842 Seschele
zum ersten Male besuchte und ihm den ersten Begriff eines rationell
betriebenen Ackerbaues, wenn auch in einfachster Form, beibrachte,
wechselte der junge Herrscher seinen Wohnsitz und lie sich 20
geographische Meilen entfernt am Kolobengflchen nieder; so entstand
seine erste und eigentliche Residenz Kolobeng.

Der Ackerbau schien den Bakwena's Segen zu bringen und der Stamm erholte
sich sichtlich; trotz einiger Drre-Perioden war der Stamm derart
erstarkt, da er den anwohnenden Hollndern, die, wie es ihr Vorgehen
mit Mankuruan, Montsua und Chatsitsive beweist, ihre Grenzlinien nach
Westen ausdehnen wollten, allzu mchtig zu werden schien und sie ihn
kleen zu machen beschlossen. Sie beschuldigten die Bakwena's, da sie
Diebsthle an ihren Farmen begangen und drangen auf Zchtigung
derselben. Mochte nun auch der Vorwurf des Viehdiebstahls gerechtfertigt
sein, das Vorgehen der hollndischen Boer's, welche im Jahre 1852
Kolobeng berfielen und verbrannten, alles Vieh, dessen sie habhaft
werden konnten, raubten und zahlreiche Gefangene mitschleppten, lt
sich in keiner Weise entschuldigen, es bleibt ein willkrlicher
Gewaltact. Nach der Zerstrung Kolobeng's erstand Liteyane und spter
Molopolole.

Seschele wurde in seiner Jugendzeit Christ, als er aber bemerkte, da
die Mehrzahl seines Stammes am Heidenthume hielt, sein Bruder
Khosilintschi von dem Volke sehr geachtet wurde und durch seine
(Seschele's) Bekehrung die von ihm aufgegebenen heidnischen Gebruche,
deren Leitung dem jeweiligen Knig zufielen und mit dem Genu der ersten
Feldfrchte und der Regenmacherei etc. verbunden waren, nunmehr von
seinem Bruder geleitet und vollstreckt wurden und dieser in der Gunst
der Volkes stieg, entschlo sich Seschele, wohl bis zu einem gewissen
Punkte, so z.B. den Besuch der Kirche, der Taufe seiner Kinder u.s.w.
Christ zu bleiben, sonst aber, soweit dies mit seiner Macht als
Herrscher zusammenhing, die heidnischen Gebruche auszuben und
theilweise auch zu leiten. Die kleine, junge, christliche Gemeinde unter
den Bakwena's sah darin nichts Arges, betrachteten das Singen,
Kirchengehen und die Monogamie als die Hauptpflichten eines Christen,
whrend die mchtige Partei der Regenbeschwrer, id est Heiden, froh
war, den Knig den alten herkmmlichen Landesgebruchen treu zu sehen.

Noch einige Zge aus seinem Leben, um seine Geschichte abzurunden und
dann, lieber Leser, wollen wir sein jetziges Schlchen auf den
Bakwenahhen betreten. Im Jahre 1864 sandte Seschele einige Hundert
seiner Leute aus, um Sekhomo, den damaligen Knig der Bamangwato,
anzugreifen. Doch die Makalahari-Vasallen berichteten diesem rechtzeitig
die Annherung der Bakwena's und diese wurden im Thale des
Schoschon-Rivers, vor der Stadt Sekhomo's, geschlagen. Diese Truppe
wurde von Khosilintschi angefhrt. Seschele entschuldigte sich, da er
den Raubzug auf Anrathen Matscheng's, des frheren, nun flchtigen und
bei ihm wohnenden Bamangwatoknigs angeordnet hatte. Einer weiteren
Schandthat machte sich Seschele durch die Ermordung Tschukuru's im April
1866, des Schwiegervaters des gegenwrtigen Knigs der Bamangwato, Khama
(Sekhomo's Sohn), schuldig. Bei einem der schndlichen Versuche, seine
beiden vom Volke geliebten Shne Khama und Khamane zu tdten, wobei
diese sich flchten muten, sich spter aber auf Gnade ergaben, wollte
Sekhomo den Anhngern seiner Shne gegenber nicht gleiche Gnade walten
lassen, weshalb diese, darunter auch Tschukuru, auf Seschele's Einladung
hin, Zuflucht bei diesem nahmen. Sie kannten zwar Seschele nicht, allein
weil ihnen ein Sohn Seschele's (ein Getaufter) mitgegeben war, lieen
sie sich doch berreden, nach Molopolole zu wandern. In der ersten Nacht
wurde Tschukuru unter dem Vorhaben aufgeweckt, da ihn des Knigs Bruder
zu sehen wnsche und als er unvorsichtiger Weise dem Boten folgte, im
Walde von Bewaffneten niedergestoen. Seschele hatte dies angeordnet,
weil sich Tschukuru im Kampfe gegen die Schoschong angreifenden Bakwena
hervorgethan und dann auch, um Sekhomo, der den alten Mann hate, einen
Gefallen zu erweisen. Als Sekhomo durch den vertriebenen und zu Seschele
geflchteten Mascheng verdrngt wurde und selbst bei Seschele Zuflucht
nahm, half dieser mit seinen Leuten den Shnen Sekhomo's, Mascheng,
seinen frheren Schtzling, zu vertreiben.

In den folgenden erneuten Kmpfen zwischen Sekhomo und seinem Sohne
Khama bot er beiden seine Hilfe zugleich, gegen eine Summe von 2000 
St. in Strauenfedern und Elfenbein. Eine seiner letzten Ehrenthaten war
das von ihm erlassene Gesetz, womit er einigen hollndischen Jgern
gegen schweres Geld Erlaubni gab, durch sein Land zu ziehen und in
dessen nordwestlichem Theile zu jagen, dabei aber den Makalahari, welche
die Jagdgebiete bewohnten, sowie den Fhrern der Jger verbot, diesen
die Wasserstellen zu zeigen. Die von den Bakwena's unter Fhrung seiner
Shne im Jahre 1876 an den Bakhatla's verbten Grausamkeiten sind noch
in frischer Erinnerung.--

Bei unserem Eintritt in den Hof des kniglichen Hauses wurden wir von
der sich erhebenden Knigin, einer groen starken Frau, die ein nach
hinten zusammengebundenes Kopftuch, so wie ein groes, wollenes
Umschlagtuch und ein Cattunkleid trug, bewillkommnet und in's Haus
gefhrt. Des Knigs voller Titel ist Seschele M'Kwase Morena ea
Bakwena. [1]

    1: Unter den centralen Betschuana's ndert der Vater seinen Namen
    wenn seine Familie mit mehreren Shnen bedacht ist und diese im
    Aufwachsen begriffen sind, indem er den Namen des ltesten Sohnes
    annimmt, z.B. heit der Huptling der stlichen Bakhatla gegenwrtig
    Ra-Piti, d.h. der Vater (Ra) des Piti (sein ltester Sohn), whrend
    die Mutter den des jngsten Sohnes annimmt, so heit die Knigin
    oder Seschele's Frau, Ma-sebele, d.h. (Ma oder M') Mutter des
    Sebele.

Wir wurden von Seschele zuerst in das Empfangszimmer gefhrt, whrend
Ma-sebele den Auftrag gab, uns einen Imbi zu bereiten. Das
Empfangszimmer (Seschele gebraucht den englischen Ausdruck
drawing-room, nur da er ihn in einer regelwidrigen Weise ausspricht)
ist vollkommen mit europischem Comfort eingerichtet, Sthle etc. aus
Nubaum, die Sitzpolster mit rothem Sammt berzogen. Ein selbstbewutes
Lcheln, durch die hohe Meinung ber sich selbst hervorgerufen,
besonders wenn er sich in seinem drawing-room befand, soll das ohnehin
freundlich lchelnde Vollgesicht des Bakwena-Herrschers umspielen, so
oft er einem Weien das Innere seines Palastes zu zeigen in der Lage
ist, und sich an dem Erstaunen des Fremden weiden kann--auch mir armen
Sterblichen wurde das hohe Glck zu Theil, es zu schauen.

Whrend wir uns niederlassen muten, breitete sich der Knig erst sein
Schnupftuch (das er jedoch nicht zu gebrauchen scheint) auf den von ihm
erkorenen Stuhl aus, bevor er sich auf denselben niederlie. Ma-sebele
trat spter auch ein, und lie sich auf einem Holzstuhle nieder. Durch
meine beiden Begleiter befragte mich Seschele nach dem Zwecke meiner
Reise, nach meiner und der Nationalitt meiner Begleiter. Da er, wie die
meisten der Betschuana's nur Englnder und Boers kannte, die ersten
gerne sah, die letzteren nicht liebte, so war er sehr erstaunt zu
hren, da ich ein Weier sein konne, ohne zu einer der beiden Nationen
zu gehren. Endlich hatte er sich das Wort Austria eingeprgt und nun
fragte er, an welchem Flusse ich wohne und ob in einer Stadt oder auf
einem Viehposten, d.h. auf dem Lande. Ich nannte Prag, fr ihn ein neues
Rthsel und dies um so mehr, als ich, um die Gre der Stadt nach
Betschuanabegriffen darzustellen, ihm mittheilte, da Prag seine
Residenz Molopolole zwanzig Mal an Umfang bertreffe. Er meinte, sein
Herz wre voll Staunen ber das groe Dorf und nachdem er die ihm
bersetzten Worte meiner Begleiter nachgesprochen, erzhlte er der
Knigin, die mich gndig zu mustern schien, die ganze Episode mit den
Worten: Er (nach mir weisend) ist ein Naka (Njake, Njaga oder auch
Njaka, d.h. Doctor) no Englishman, no Boer (er sprach Bur), sondern
ein--hier sah er wieder fragenden, doch auch lchelnden Antlitzes Herrn
Price an; dieser nickte auch und sagte Au--strian--O--O--stri--en,
plapperte Seine Majestt nach und stand auf, um sich in die Brust zu
werfen, da ihm dies gelungen.

Ein neuer Ankmmling, lachend und beide Missionre begrend, ward nun
auf der Thrschwelle sichtbar, es war ein etwa 14jhriger, hoch
aufgeschossener, mit Hemd, Weste und Beinkleidern angethaner Jngling,
der eine rothe, wollene Zipfelmtze trug. Er lachte zu allem was
gesprochen wurde, namentlich als ihn seine Mutter--denn der
schmucke Jngling mit dem Barett auf dem wolligen Kopfe war kein
Minderer als Sebele, der Jngste oder Ma-sebeles _darling Baby_
(Herzenskindlein)--mir mit den Worten _mo Sebele o Th[=o]-li[)ng]
B[)e]b_ vorzustellen geruhte. Nach einer halben Stunde fiel es
pltzlich dem jungen Knigssohne ein, seiner Mutter mitzutheilen, da
der Thee im Speisesalon aufgetragen sei.

Seschele erffnete hierauf den Zug, wir folgten und Ma-sebele bildete
den Nachtrab. Wir waren alle im besten Humor--namentlich ich und
Tholing--, ich weil ich zum ersten Mal seit zwei Monaten, und Tholing
Beb, weil er schon zum zweiten Mal an diesem Morgen die Kuchen des
Makoa (die Kuchen des weien Mannes) erblickte. Doch wurde ihm das Glck
nicht zu Theil, gleich uns an der Tafelrunde zu sitzen; er war bestimmt
die Honneurs zu machen, worauf er sich ziemlich gut zu verstehen
schien.

Das Speisezimmer hatte eine schne mit weiem Linnen gedeckte Tafel, der
Thee wurde in napffrmigen Tassen servirt, von denen die des Knigs, der
oben an der Tafel sa, mindestens einen Liter fassen mochte. Die Kannen,
Zuckerdose und das brige auf einem Seitentischchen stehende
Tischgeschirr war aus Silber gearbeitet und wie ich hrte, dem Knige
von den periodisch sich in Molopolole aufhaltenden Kaufleuten verehrt
worden. Der Thee war gut und die Kuchen lieen nichts zu wnschen brig.
Unser Gesprch aus dem _drawing-room_ wurde fortgesetzt und ich ber das
Gebahren der englischen Regierung in den Diamantenfeldern und jenes der
hollndischen in Pretoria und Bloemfontein befragt.

Ihre schwarze Majestt schien an unserer Conversation kein Interesse zu
finden und fing anfangs leise und verstohlen, doch als nach und nach die
Natur ber sie die Oberhand gewann, merklicher und hrbarer, ihre durch
unser Eintreten in's Hfchen unterbrochene Beschftigung wieder
aufzunehmen, d.h. zu schlummern. Der Herr Ehegemahl sah dies und da es
ihm vielleicht etwas ungebhrlich dnkte, gab er ihr erst durch ein
Hsteln und als dieses nichts half, zeitweilig durch eine zarte
Berhrung mit seinen Elephantenfchen den begangenen Versto gegen die
Hofsitte zu verstehen. Ich hatte alle Mhe meine Lachmuskeln im Zaume zu
halten und bemeisterte endlich die Versuchung, indem ich an den Knig
das Wort richtete.

Morena! Als ich ein Knabe von dreizehn Jahren war und zum ersten Male
die Bcher Naka Livingstone's las und in denselben auch Deinen Namen
fand, dachte ich wahrlich nicht, da ich einst Dich selbst sehen,
sprechen, ja noch Thee und Kuchen in Deinem Hause genieen wrde.
Seschele, der es, trotzdem er die Regendoctorei prakticirt, sehr gut
versteht, an passender Stelle Bibelsprche anzufhren, war auch sofort
mit einer ebenbrtigen Erwiderung zur Hand. Die Wege der Vorsehung sind
wunderbar, waren seine unmittelbar darauf folgenden Worte; doch schon
whrend Mr. Williams Uebersetzung meiner Worte hatte der Knig, dessen
rechte Gesichtshlfte uns, die linke seinem Weibe die nthige
Aufmerksamkeit zuzuwenden schien, zu seinem Bedauern beobachtet, da
Ma-sebele wieder eingeschlummert war und diesmal sich gefhrlich nach
der Seite neigte. Mich mit listigem Blicke betrachtend, applicirte er
seiner Frau einen so unzarten Fusto, da Ma-sebele, die arme Knigin,
mit ihrer Stirne beinahe die vor ihr stehende Tasse umgeworfen htte.

Nach Tisch machte ich mit den beiden Herren einen Spaziergang auf die
Felsenhhe, auf welcher Molopolole erbaut ist; diese Hhe heit
Mo-ra-a-Khomo, d.h. der Vater der Ochsen, so genannt nach einem einst
hier ansssigen Bakwena-Viehzchter und bildet mit der ihr gegenber
liegenden Hhe das Felsenthor Kobuque.

Die frher hier ansssigen Makalahari's und Bakwena's--es geschah dies
noch als Seschele in dem nahen Liteyane wohnte--bentzten die steil
abfallenden Wnde der Moraakhomo-Hhe an dem Felsenthore, um
altersschwache Eltern oder nahe Verwandte, deren Ernhrung und
Verpflegung ihnen lstig fiel, ber dieselben herabzustrzen. Die Unthat
wurde vom nchsten in demselben Gehfte wohnenden Verwandten
vorgeschlagen und mit Hilfe seiner Nachbarn im Dunkel der Nacht
vollbracht. Die Schwachen und Hilflosen, wohl wissend, was ihnen
unausweichlich bevorstehe, wurden ohne Widerstand an den Felsenrand
hingebracht oder hingetragen und Hynen oder Schakale besorgten noch in
derselben Nacht die Bestattung der Herabgestrzten oder machten den
Leiden der durch den Sturz nur Schwerverletzten ein Ende.

Das unter dem Molopolole-Felsen, d.h. am nrdlichen Felsenthore
befindliche, von dem etwa 2 englische Meilen auswrts in der Schlucht
entspringenden Tschanjana-Flchen gefllte, drei bis vier Fu tiefe
Felsenloch wird an trockenen Tagen von der dunklen Jugend Molopolole's
als Badeort bentzt. Da jedoch Baden und Waschen keine den Betschuana
eigentmliche Tugend ist, konnte ich an den Jungen, die sich vor mir
badeten, und wobei natrlich Sebele, des Knigs Sohn, den Anfhrer
spielte, und die unsinnigsten Sprnge etc. ausfhrte, bemerken. Sie
krochen wohl in's Wasser, beeilten sich jedoch, bald aus dem nassen
Elemente herauszukommen und sich an den sengenden Sonnenstrahlen zu
trocknen; an trben Tagen mieden sie ngstlich das Wasser.

Die freie Zeit meines Aufenthaltes in Molopolole bentzte ich zu
Ausflgen in die nchste Umgebung, auf welchen meine Sammlungen um
manches interessante Object vermehrt wurden. Theils erstand ich, theils
erhielt ich als Geschenk: einige Carossen, einige sehr primitiv
gearbeitete Assagaie, d.h. Wurfspiee, deren Schaft kurz und fingerdick,
deren Eisen stumpf und uerst schlecht gearbeitet, deren oberes
Schaftende mit Sehnen umflochten, oder mit einigen Stckchen einer im
nassen Zustande umgelegten und zusammengenhten Boahaut zusammengehalten
war, ferner Schlachtbeile, welche in dem  Meter langen, hlzernen Stiel
lose befestigt, unseren Hackbrettmessern nicht unhnlich sind, ferner
einige gut gearbeitete Holztpfe und einige Beschwrungsmittel, eines
aus Rsselkfern, zwei aus Samen und eines aus Vogelklauen, Haut- und
Hornstcken gearbeitet. Herr Williams verehrte mir einen aus Boababrinde
(Andansonia) gearbeiteten Reissack, den er von den von einem Raubzuge
aus dem Maschonalande heimkehrenden Matabele erhalten hatte.

Meine zoologischen Sammlungen vermehrten sich um einen schnen Orix
capensis-Kopf mit langen Hrnern, ein Leopardenfell und eines von
Gueparda jubata, einige Hyraxfelle, ferner eines von Viverra Zivetia,
welches jedoch selten zu sein scheint, und mehrere von Felis caligata.
Herr Williams brachte mir den Cadaver eines dreijhrigen Kamafuchses,
das Thier hatte sich frher schon in einem Schlageisen gefangen, war
jedoch nach Zurcklassung des einen Hinterfues davongekommen, nun hatte
es sich zum zweiten Male tuschen lassen und diesmal sein Leben
verwirkt. Die Bakwenahhen beherbergen auch den schnen Klippspringer;
im Lande der Bakwena's, nrdlich von Molopolole begegnen wir endlich zum
ersten Male der Eland-(Elen-)Antilope und der Giraffe.

Unter den Vgeln fiel mir die Hufigkeit mittelgroer Raubvgel auf,
namentlich Sperber, Falken, Bussarde und Milane; von letzteren hatte
Herr Williams mehrere erlegt, da sie die Kchlein seiner Frau Gemahlin
decimirten. Sonst fielen mir durch ihre Hufigkeit Eulen, Uhu's,
Schleiereulen und Zwergkuze auf, welche in den Felshngen ihre
Wohnsitze aufgeschlagen hatten. In den Felsenritzen und unter den vielen
Felsblcken herrscht ein reges Thierleben--Sugethiere, namentlich
Raubthiere in groer Zahl, dann Reptilien, besonders Schlangen und
Eidechsen finden hier die besten Schlupfwinkel; an die reiche und ppige
Pflanzenwelt, die an den Abhngen vermodernden Baumstmpfe ist die
Existenz zahlloser Insecten, darunter Lepidoptera, Fliegen etc.
gebunden. Meine Ausbeute an Kfern, Spinnenarten und Scolopender war
eine sehr reiche; fr einen Naturforscher ist berhaupt der Aufenthalt
in dem Bakwena-Hhennetze in jeder Beziehung ein uerst lohnender.

Wir finden auch hier wie an den Bamangwato- und anderen auf dem
Hochplateau des zentralen Sd-Afrika gruppenfrmig ansteigenden,
felsigen, mit dem Marico- oder Matabele-Gebirgscentrum zusammenhngenden
Hhen, den steilen, zerklfteten Abfall der Tafelberge oder
tafelfrmige, mit kegelfrmigen, isolirten Hhenspitzen besete
Hochflchen. Dieses Gesammthhennetz geht allmlig nach Norden in eine
bewaldete und meist tiefsandige Hochebene ber, um sich dann wieder
ebenso allmlig in einer Ausdehnung von 30 bis ber 100 englische Meilen
zu einem seicht eingeschnittenen Flubette zu verflachen, auf dessen
gegenber liegendem Ufer ein hnlich beschaffenes Hhennetz, wie das
eben beschriebene sich fortsetzt. Granit, Quarzitschiefer, Trapdykes,
Kalkadern und eisenhaltiger, sandiger Thon bilden die Hauptformation der
Hhen, deren Vegetation durch mehrere riesige Alospecies charakterisirt
wird, welche frmliche Gehlze bilden.

Bevor wir von Molopolole scheiden, sei es mir erlaubt, hier einige der
wichtigen religisen und lokalen Gebruche unter den Betschuana's zu
erwhnen. Ich verdanke die folgenden Mitteilungen der Gte der
englischen Missionre Herren S. Mackenzie, Hephrun, Price, Williams,
Brown und Webb und des deutschen Missionrs T. Jensen, ferner einigen
der hervorragendsten Trader und einigen gebildeteren hollndisch und
englisch redenden Betschuana's und fand dieselben aus eigener Anschauung
whrend meiner drei in's Innere unternommenen Reisen bettigt.

Religion im eigentlichen Sinne des Wortes besitzen die Betschuana's,
d.h. die das centrale Sd-Afrika bewohnenden Stmme dieser Vlkerfamilie
nicht, doch kennen wir aus dem Umstande, da sie bei den ersten
Belehrungen ber das Christenthum dem unsichtbaren Gott sofort den Namen
Morimo beilegten, ohne da das Wort eine anderweitige Verwendung fnde,
schlieen, da sie in lngstvergangener Zeit einem sichtbaren oder
unsichtbaren Wesen gttliche Verehrung gezollt haben muten. So hat sich
denn das Wort Morimo bei ihnen traditionell erhalten. Das
nchstverwandte Wort zu Morimo ist Barimo, welchen Ausdruck die
Betschuana's noch immer hufig gebrauchen und der die Geister der
Abgestorbenen bezeichnet. Trotzdem sie also keine eigentliche Religion
besitzen, hngt doch die Masse an vielen Gebruchen, welche bei anderen
Vlkern, die Vielgtterei treiben, als religise Gebruche angesehen
werden, z.B. eine gewisse Verehrung, die sie, wie schon erwhnt,
gewissen Thieren zollen, dieselbe ist jedoch nur darauf beschrnkt, da
sie das Thier nicht tdten, sein Fleisch nicht genieen und sein Fell
nicht gebrauchen. So finden wir auch, da diese Gebruche von
bestimmten, dazu herangebildeten Personen gelehrt und ausgebt werden,
welche den Knig, oder ist der Knig ein Christ geworden, einen ihm an
Wrde zunchststehenden Heiden als ihr Oberhaupt anerkennen und auf
diese Weise die Kaste der Priester und des Oberpriesters reprsentiren,
welche unter den Betschuana's Naka (Njaka, Njaga) heien. Als die
Betschuana's ein wohl in mehrere Unter-Familien getheiltes, doch noch
unter einem Scepter vereinigtes Volk und Reich darstellten, war das
Knigthum in der Familie Baharutse erblich. Selbst als sich spter die
Betschuana's theilten, der eine Stamm (eine Abzweigung, Unter-Familie)
etc. nach Norden, die anderen nach Sden, Osten, Sdost und Sdwest
zogen und selbststndige kleinere und grere Knigreiche errichteten,
die alte knigliche Familie von den meisten ihrer Unterthanen verlassen
auf die Unter-Familie, aus der sie entsprang, beschrnkt, und machtlos
geworden war, blieb ihr doch das Vorrecht jene aberglubischen, dem
Hohenpriesteramte unter den Betschuana's zukommenden Gebruche zu
verrichten, und Mitglieder kniglicher Familien, sowie Naka's aus den
neuerstandenen Betschuana-Reichen wanderten an den Hof der Baharutse
(Bahurutse) um von dem jeweiligen Oberhaupte diese Gebruche verrichten
zu sehen. Seitdem jedoch einzelne der losgetrennten Stammzweige der
Betschuana's eigene, ziemlich mchtige Reiche errichteten und einige der
Chefs oder Knige Christen geworden sind, hat dies beinahe vllig
aufgehrt, trotzdem aber wird von allen Betschuana's mit hchster
Verehrung von der alten kniglichen Familie gesprochen, welche seitdem
durch des Geschickes Walten ihre Macht durch eine abermalige Theilung
ihrer Mitglieder und der daraus folgenden Zersplitterung ihres Stammes
vllig eingebt hat und gegenwrtig als Unterthanen der
Transvaal-Colonie in und im Weichbilde der Stadt Linokana (frher zur
Lebzeit des Huptlings Moilo nebenbei Moilio oder Moiloa genannt) und
als Unterthanen des Knigs der Banquaketsen, Chatsitsive, die Stadt
Moschaneng bewohnt. Der gegenwrtige Huptling der ersteren (der
stlichen Baharutse) und somit das eigentliche Oberhaupt der
Betschuana's ist Kopani, ein noch junger Mann.

[Illustration: Regenbeschwrer.]

Zu jenen Gebruchen, die in den einzelnen Betschuana-Reichen von dem
Oberhaupte des Landes oder wo verschiedene Stmme ein Reich bewohnen von
den diesen vorgehenden Huptlingen angeordnet werden, gehrt vor Allem
der ceremonielle Genu der ersten geweihten Feldfrchte (meist
Krbisse), ferner die Ausbung der Heilkunde, das Regenmachen und das
Bezaubern. Dem Stammes-Oberhaupte als obersten Doctor, Zauberer etc.
stehen bei der Ausbung der Zeremonien mit Ausnahme der ersten
obgenannten, die er nur allein verrichten kann, die Linjaka's
(Priester), die man jedoch auch Naka (Njaka) nennt, zur Seite (wir
wollen sie aber der Unterscheidung und ihrer untergeordneten Stellung
halber Linjaka's nennen), welche die brigen Zeremonien der Zauberei und
der Regenmacherei verrichten und damit auch einige primitive Kenntnisse
der Heilkruter verbinden.

Als Heilknstler erkennt man sie in der Oeffentlichkeit an einem aus
Pavianfell (Cynocephalus Babuin) verfertigten Mntelchen, und in ihren
Wohnungen an den aus dem Felle der Hynena crocaia (maenlaia)
gearbeiteten Fudecken (Teppichen), auf denen sie Audienzen ertheilen.
Manche tragen auch um den Hals an Schnren oder Riemchen verschiedene
Sugethier-, Vgel- und Reptilienknochen, doch immer auch vier meist aus
Elfenbein, zuweilen aus Horn geschnitzte, mit eingebrannten Zeichnungen
versehene Stbchen und Pflckchen, welche Wrfel darstellen und zur
Diagnose benutzt werden. Diese letzteren werden auch von Menschen
getragen, welche gegen Bezahlung des Lehrgeldes blos in dem Werfen
dieser Dolo's unterrichtet werden, ohne da sie wirkliche Linjaka's
wren.

Ihr Amt ist unter den Betschuana's erblich, doch werden auch
wibegierige junge Mnner zu Doctoren gebildet. Der Aspirant hat als
Honorar seinem Lehrer eine Kuh (gegenwrtig zumeist andere Objecte im
gleichen Werthe), oder falls derselbe in den Diamantenfeldern Mali
(Geld) verdient hat, 4-7  St. zu geben und wird darauf sofort in die
Lehre genommen. Der medicinische Lehrcurs beginnt mit dem Ausgraben
(das Graben bildet einen wichtigen Begriff und eine wichtige
Manipulation bei vielen Zeremonien der Betschuana's) der Heilkruter,
wobei er von seinem Lehrmeister durch Wald und Flur geleitet, ber die
Species der Pflanzen, die zur Bentzung gelangenden Theile, sowie ber
die Jahres- und Tageszeit, zu welcher die Pflanze ausgegraben werden
mu, belehrt wird. Die gesammelten Pflanzentheile werden sodann
getrocknet, gerstet oder zerstampft und dann ein Pulver oder Absud
derselben als Heilmittel erklrt, wobei jedoch gewisse Sprche und
Formalitten bei der Zubereitung wie bei der Verabreichung zu beobachten
sind, welche von den Aerzten bei der Behandlung wohlhabender Leute unter
groem Lrm inscenirt werden.

Ein oft verordnetes Heilmittel sind schweitreibende Vegetabilien und
dies, wie das Schrpfen um locale, so jenes um innere, im ganzen Krper
oder ber grere Partien desselben verbreitete Schmerzen (Typhus,
Dysenterie etc.) zu beseitigen, dabei wird der Kranke verhalten, sich in
seine beste Carosse oder in eine gekaufte Wolldecke zu hllen, und
nachdem das Mittel seine Schuldigkeit gethan, erscheint der Doctor, um
die Carosse oder die Decke mit dem Schweie, dem transpirirten
Krankheitstoffe einzugraben, d.h. sie in Besitz zu nehmen, whrend der
Kranke froh ist, den Grund seines Uebels aus dem Hause entfernt zu
wissen. Der Patient wrde es nie wagen, dieselbe zurckzufordern, sollte
er auch nach seiner Genesung die Frau Doctorin mit seinem Schakalmantel
in den Straen des Dorfes herumstolziren sehen.

Den letzten Lehrcurs bildet die Belehrung ber das Werfen der Dolo's.
Neben dem Dienste der Medicinmnner haben die Linjaka's auch einen
zweiten Dienst, den der Beschwrer oder guten Zauberer zu versehen.
Hierher gehren: das Herbeischaffen, der Gebrauch und der Verkauf von
Mitteln, welche an einer Schnur an der Stirne und am Halse getragen,
z.B. den Trger einer Lwenklaue muthig und flink, seine Verfolger trge
und ihn selbst kugelfest machen sollen. Solche Mittel sind ferner: aus
kleinen Tarsus- und Carpusknochen gewisser kleiner Sugethiermnnchen,
verschiedener Vierfler, Schuppen des Schuppenthieres,
Metatarsus-Knochen gewisser Vgel und den Klauen bestimmter Raubvgel,
aus Schlangen- und Leguanhaut, kleinen Schildkrten, den Leibern groer
Rsselkfer verfertigte Amulete; mit verschiedenen eingebrannten Zeichen
versehene Holzpflckchen, eingeschnittene Ziegenbockhrner und kleine
Hrnchen der zarteren Gazellenarten etc. welche allein oder mit
verschiedenen buntbemalten Glasperlen an eine Gras- oder
Giraffenschwanzhaar-Schnur angefdelt als Schutz vor Krankheiten, Uebeln
und Unfllen am Arme oder um den Hals getragen werden. In den Amtsberuf
der Linjaka's gehrt endlich der Gebrauch der Dolo's um die Zukunft oder
z.B. den Ort zu erfahren, an welchem ein gestohlenes Gut oder ein
Flchtling zu finden ist etc. etc.; die Beschwrungsweisen, um bse und
unreine Menschen und Thiere zu schrecken, und sich von den ersteren zu
befreien: z.B. durch das Aufhngen verschiedener Artikel unmittelbar an
oder in der Nhe der Umzunung des Gegners, durch das Errichten von
Feuer in seiner Nhe, welche umgangen, umtragen und ber welche gewisse
Formeln gemurmelt werden.

[Illustration: Die Beschwrung Khama's.]

Zur Arbeit der guten Zauberer gehrt auch die Ausbung der zum
ffentlichen Wohle gereichenden Beschwrungsgebruche, wie das Vergraben
von zwei Antilopenhrnern an den zu einer Stadt fhrenden Pfaden, das
Aufhngen von Tpfen auf Pfhlen zwischen den Gehften, in manchen
Hofrumen oder an den die Stadt beherrschenden Punkten, das Aufhngen
von Paviankpfen nahe am Eingange zur Kotla und der Kpfe grerer
Raubthiere in der Nhe jenes Viehkraals, dessen Insassen von dem
betreffenden Raubthiere getdtet worden waren etc.

All' dieses geschieht, um damit Segen und Gedeihen ber eine Stadt zu
verbreiten, um sie gegen Feuersbrunst und feindliche Angriffe zu
schtzen, im letzteren Falle um die Heerde vor einem weiteren Unfall zu
bewahren. Auch die Felder werden in hnlicher Weise mit
Beschwrungsmitteln umgeben, um eine gute Ernte zu sichern und
Heuschrecken abzuhalten. Aus diesem Grunde werden auch diese
_ffentlichen_ Amulete, lipeku genannt, auf die feierlichste und
geheimnivollste Weise bereitet (bei den Marutse am centralen Zambesi
wurden Menschenopfer zu diesem Zwecke dargebracht) und nur die ltesten
Linjaka's zu der Zubereitungs-Ceremonie zugelassen. Nur einige solcher
Ceremonien sind auch Fremden zugnglich, z.B. der Khomo kho lipeku, d.h.
der dem lipeku geweihte Ochs; zu dieser Ceremonie wird ein bishin weder
als Zug- noch als Packthier bentztes Thier ausgesucht, diesem die
Augenlider mit seinen Thiersehnen zugenht und dasselbe wieder in die
Heerde eingetrieben, dabei sorgfltig bewacht und nach einiger Zeit
geschlachtet; hierauf wird sein Blut mit anderen Mitteln zusammengekocht
und der Brei in kleinen Krbisgefen aufbewahrt. Im Kriege beschmieren
sich der Knig und die Heerfhrer mit diesem Brei oder behngen sich mit
kleinen, damit gefllten Gefen.

Linjaka's, welche aus Rache oder Bswilligkeit, Jemandem schaden wollen,
aber auch solche, deren Zauberschwindel eine der beabsichtigten
entgegengesetzte Wirkung hervorbringt, erhalten den Beinamen Moloi, d.h.
bser Zauberer und werden gefrchtet und gehat, so da schon der Name
Moloi den Ausdruck der hchsten Verachtung bezeichnet und man dem
Betschuana keinen rgeren Schimpf anthun kann, als ihm diesen beilegen.
Der Moloi erscheint den Betschuana's auch mchtiger als der Linjaka, da
ihm ohne die Ausbung seiner Zaubermittel selbst die stumme Natur
gehorcht, er bewegt sich, klettert ber Zune und Felsen und geht ber
Flsse, ohne gehrt zu werden, Feuer schadet ihm nicht, Hunde, Schakale
etc. hren auf zu heulen und verhalten sich stille, wenn er an ihnen
vorbeigeht oder an sie herantritt. Mtter gebrauchen den Namen Moloi, um
ihre schlimmen und schreienden Kinder zur Ruhe zu verweisen.

Die bsen Zauberer trachten auch die Ernte zu schdigen; werden jedoch
die Linjaka's von ihren Huptlingen ausgesandt, dies einem Nachbarstaate
anzuthun, so trgt nur der Auftraggeber das Odium der That, sie, die
blos seinen Befehl ausgefhrt, bleiben wie zuvor Linjaka's. Die
Betschuana's behaupten, da die Moloi's Leichen ausgraben, um ihnen
gewisse Krpertheile zu entnehmen, auch da sie Neugeborne tdten und
aus gewissen Korpertheilen derselben Zaubermittel bereiten, doch die
wichtigsten ihrer Mittel (d.h. die ihrer Meinung nach schdlichsten)
behaupten die Moloi von Thieren zu gewinnen, die allgemein gefrchtet
sind und nur schwer in die Gewalt des Menschen gelangen, so z.B. von der
Boa, vom Krokodil und anderen. Hat ein Mann seinen Nebenmenschen, ist
er auf ihn eiferschtig, so begibt er sich in der Dmmerung zu einem
Moloi, um diesen gegen entsprechendes Honorar fr seinen Plan zu
gewinnen. Ereignet es sich nun zufllig, da der auf der Jagd Abwesende
oder Verreiste der bsen Macht des Zauberers erliegt und natrlichen
Todes stirbt oder von einem Thiere getdtet wird, dann heit es, der
Mann sei im ersten Falle durch das Molemo (Gift), oder im letzteren
Falle durch das vom Moloi gewonnene Thier (Bffel, Lwe etc.) getdtet
worden.

Das vorstehende Bild stellt eine Scene dar, die sich im Jahre 1866 in
Schoschong zutrug. Knig Sekhomo hatte Moloi's gedungen, welche durch
verschiedene in der Nacht vor dem Huschen Khama's, seines beim Volke
beliebten Sohnes, auszufhrende Zaubereien diesen tdten sollten. Khama
erwachte durch den Glanz des vor seiner Einfriedigung hell auflodernden
Feuers, schlich sich an den Zaun und sah ruhig zu. Als sich zufllig
einer der Alten nach seiner Wohnung umsah und ihn erblickte, stie er
einen Schrei aus; bei dem nun folgenden Tumulte suchten die Zauberer das
Weite. Khama trat vor, zerschlug die Beschwrungsgefe, warf den
Beschwrungstrdel in's Feuer, lschte dieses aus und erschien zum
grten Erstaunen Sekhomo's und der von ihm gedungenen Moloi's am
nchsten Morgen, frischer und froher wie je in der Kotla.

In Uebereinstimmung mit ihrem Charakter gelten die Moloi auch als Feinde
des Regens. Die Moloi glauben durch die frischen Zweige eines grnen
Busches, welche unter einer Verwnschungsformel in die Flammen geworfen
werden--den Regen bannen zu knnen, ferner suchen sie denselben Zweck
durch die Verwstung der von den Regendoctoren ausgesetzten Zaubermittel
zu erzielen, auch glauben sie, da das wiederholte Abfeuern von Gewehren
die sich nhernden Wolken verscheuche.

Der wichtigste Dienst, der von den Linjaka's und ihrem Oberhaupte
gefordert wird, ist die Regenbeschwrung. Da jedoch der Mierfolg bei
dieser _ffentlichen_ Beschwrung nur zu leicht ersichtlich wre,
bertrgt man zur Zeit langer Drre-Perioden die Beschwrung des Regens
an Linjaka's aus regenreichen Gegenden. Es sind meist die am rechten
Ufer des mittleren Limpopo wohnenden Ma-lokwana, welche gegen ein
Geschenk an Vieh zu dieser Arbeit gewonnen werden.

In feuchten, niederschlagsreichen Jahren wird die Arbeit den heimischen
Linjaka's berlassen; allein oder von Freiwilligen begleitet, begeben
sich dieselben auf ein speciell dazu bestimmtes, fruchtbares Grundstck,
um isimo ea pula d.h. das Feld des Regens zu graben. Dies ist eine
allgemeine Ceremonie und geschieht zeitlich im Frhjahr. Dann folgt das
Umgraben der Fluren durch die Frauen, nachdem noch zuvor die Mnner von
den Linjaka's durch Beschwrung gesegnete Samen (Kafirkorn, Mais,
Krbis, Wassermelone etc.) gekauft und diese in die vier Ecken des
Feldchens eingepflanzt haben. An diesem Tage wird alle Arbeit
eingestellt und erst am folgenden von den Frauen fortgesetzt.

Von diesem Tage ab ist es ferner den Betschuana's verboten, die jungen
Zweige der Bume abzubrechen, vor Allem aber nicht jene des schon oft
erwhnten Wart-en-bichi(bitje)-Baumes, der unter den Betschuana's
allgemein verehrt wird. Erst zur Kafirkornreife und von den Njaka
angefhrt, versammeln sich die mit Aexten und Messern versehenen Mnner
in der Kotla, um einige Aeste von der geheiligten Accacie abzuhauen; mit
den ersten wird der an die Kotla angrenzende knigliche Viehkraal
ausgebessert und nachdem dies geschehen, dasselbe an den brigen
Kraalzunen gethan. Vor der Ernte einen abgeschnittenen Ast der Accacia
detinens um Mittagszeit in einem Betschuanadorfe herumzutragen, kme
einer schweren Beleidigung des Stammes gleich.

[Illustration: Pit, der Griqua, entdeckt Leopardenspuren.]

Zur Erntezeit mssen alle Baum- und Buschfrchte, Strauenfedern und
Elfenbein bedeckt aus dem Walde zur Stadt gebracht werden. Hat es in der
Nacht geregnet und der Regen bis zum Morgen angedauert, so bebaut
Niemand an diesem Tage die Felder, um den Regen nicht aufzuhalten und zu
stren. Hat sich die nasse Jahreszeit eingestellt, oder, wie der
Betschuana sagt, der Linjaka mit seinen Medicinen den Regen
herbeigerufen, so trachten nun die letzteren auch den Regen auf lngere
Zeit zu fesseln. Aus diesem Grunde besuchen sie allein oder von ihren
Schlern oder von den Besitzern der Felder begleitet einsame Orte, meist
Hhen, pfeifen, schreien, murmeln Formeln und entznden hie und da an
den vorspringenden Stellen der Hhen Feuer, wobei sie zuweilen gewisse
Ingredienzen in's Feuer werfen.

Versagen alle angewendetem Zaubermittel und fllt kein Regen, dann wird
in der Regel die Schuld auf die Masse geschoben und dieselbe irgend
eines Verstoes gegen die herkmmlichen Gesetze beschuldigt; meist sind
es Witwen und Witwer, welchen der Vorwurf trifft, die vorgeschriebenen
Reinigungen unterlassen zu haben. Die Untersuchung beginnt und findet
sich nun ein Schuldiger oder eine Schuldige, so wird der- oder dieselbe
verurtheilt, sich ffentlich der Reinigung zu unterziehen. Die Linjaka's
bauen ihnen dann gegen Bezahlung auer der Stadt Grashtten, in welcher
sie einige Zeit bleiben mssen, um sich ihre Wolle vom Kopfe abschaben
und sich von den Linjaka's reinigen zu lassen; dann erst knnen sie zu
den Ihrigen heimkehren.

Hilft auch dies nichts, dann wird eine allgemeine Reinigung des Feuers
und der Herdsteine vorgenommen. Die Linjaka's beseitigen in jedem
Hfchen die drei Herdsteine, auf denen der Topf an's Feuer gestellt war
und tragen sie auf einen bestimmten Punkt vor die Stadt, wo sie
aufgehuft und neue geweiht werden. Whrend der Dauer dieser Zeremonie
mssen alle Herdfeuer im Orte ausgelscht werden. Abends oder am
folgenden Morgen erscheint der Unterpriester mit Reisig und einem
geweihten brennenden Stock, um, nachdem die Feuerstelle gut abgescheuert
worden ist, die Feuer in der ganzen Stadt anzuznden.

Sollte dies Alles noch keinen Regen zur Folge haben, ordnet man eine
allgemeine Reinigung der Stadt an, herumliegende Fellstcke, Knochen, im
Felde, vielleicht nahe an der Stadt zu Tage liegende Menschenreste
werden begraben. Liegt der Ort in der Nhe der Begrbnistelle eines
Huptlings, die sonst sehr geheim gehalten wird, so schlachtet man ein
Stck Hausvieh, um damit den vielleicht erzrnten Todten zu besnftigen.
Es werden auch ganze Jagden auf gewisse Thiere abgehalten, von welchen
die Linjaka's gewisse Organe als Regen beschwrende Mittel gebrauchen;
diese Jagd heit Letschulo und wird unter den Auspicien der
Regenmacher abgehalten.

Obgleich das Christenthum das Loos der Frauen unter den Bekehrten etwas
gemildert hat, konnte es ihnen doch viele der schwersten Arbeiten nicht
abnehmen, und erst der eingefhrte Pflug, dessen Gebrauch sich
gegenwrtig immer mehr einbrgert, hat das Loos des Betschuanaweibes
erleichtert, dadurch, da der Mann ihn mit Hilfe der Ochsen verwendet,
welche die Frau nie berhren darf. Einen hnlichen guten Einflu wird
die Einbrgerung des Pflugs auf das allmlige Verschwinden der eben
betriebenen aberglubischen und sinnlosen Regenbeschwrungs-Gebruche
nehmen.

Ich schliee hiemit diese vorlufige ethnographische Skizze und kehre
zur Schilderung meiner Reiseerlebnisse zurck.

Der freundlichen Einladung Rev. Williams, die Weihnachts-Feiertage noch
in Molopolole zuzubringen, konnte ich leider nicht willfahren.

Durch das Kobuque-Felsenthor verlieen wir den Thalkessel von Molopolole
und zogen im Thale eines Tschanjanazuflusses nach Norden. Die ppigste
Vegetation sprote um uns her, das Ufer des Flchens und die unbebauten
Thalstellen, die Abhnge an den Felsenhhen waren mit den mannigfachsten
Blumen und Grsern bekleidet, stellenweise bebuscht und mit Bumen
bestanden, so da die hier rthlichen, dort gelblichen, dann wieder auch
grauen bis schwarzbraunen senkrechten Felsenmauern, stufenfrmige,
natrliche Felsenterrassen, die viereckigen und die abgerundeten, sowie
die herabgekollerten Felsblcke wie von einem buntgeblmten hier hellen,
dort dunkelgrnen Teppich umrahmt schienen.

Der Himmel hatte leider kein Erbarmen mit uns, in strmendem Regen
muten wir uns durch den tiefen Sand des Weges hindurcharbeiten. Das
Migeschick dieses Tages war aber damit nicht erschpft. Als ich nach
des Tages Mhen ruhen wollte, fehlten die beiden schwarzen Diener
Stephan und Dietrich, die ich von Musemanjana mitgenommen, und mit ihnen
waren zwei meiner krftigsten Zugthiere spurlos verschwunden. Es war mir
schon am verflogenen Abend aufgefallen, da die beiden Flchtlinge mich
wiederholt vor umherstreifenden Lwen warnten, sie hatten offenbar mich
damit von der Verfolgung abhalten wollen. Obwohl bereits 15 englische
Meilen von Molopolole entfernt, beschlo ich, dahin zurckzukehren, um
Seschele zu bitten, die Diebe durch Reiter auf Chatsitsive's Gebiet
verfolgen zu lassen. Von Boly und Pit begleitet, machte ich mich am
nchsten Tage, nachdem der Regen etwas nachgelassen, zu Fu auf den Weg.

[Illustration: Eingeborne Postboten.]

Doch schon nach fnfstndigem Marsche war ich auer Stande den Weg
fortzusetzen, die schwere Fubekleidung hatte meine Fue gnzlich
dienstunfhig gemacht; ich blieb am Rande des zum Molopololekessel
fhrenden Kobuque liegen und sandte Boly und Pit zu Rev. Price und
Seschele. Stunde um Stunde verrann, es war ein bses Omen fr den Erfolg
ihrer Mission--endlich spt Nachmittags hatten sie mich wieder erreicht,
wie ich es geahnt, war ihr Gang vergebens.

Die Rckkehr zum Wagen war fr mich eine wahre Martertour. Der Regen
hatte zahllose Samen einer Ranunculus-Species (_R. crepens_) von der
Hhe in das Thal herabgeschwemmt, die ob ihrer stachlichen Eigenart von
den Boers Develkies genannt werden. Unfhig in meiner Beschuhung den
Rckweg anzutreten, mute ich es barfu thun,--das weitere bedarf keiner
nheren Schilderung. Mitternacht war nicht fern, als wir das lodernde
Feuer des Lagers meiner Gefhrten mit einem Freudenschrei begrten--die
Stunde der Erlsung war gekommen.

[Illustration: Scene aus dem Leben der Masarwa's.]

Wir beeilten uns am 27. zeitlich Morgens die Sttte trber Erinnerungen
zu verlassen und setzten die Reise durch den tiefsandigen Wald nach
Norden fort. Die schlechte Beschaffenheit des Weges nthigte uns zu
fterem Rasten; whrend einer solchen kam Pit, welcher die Zugthiere
abseits des Wagens zwischen den Grasbschen weiden lie, athemlos auf
mich zugelaufen und schrie von Weitem. Teiger, Teiger, Bass! Bei
nherer Untersuchung fanden wir zwar keinen _Teiger_ (Leopard), jedoch
zahlreiche Spuren desselben auf den salzhaltigen Stellen des Bodens. Ich
hielt es daher fr rathsam, den Marsch wieder weiter aufzunehmen.

Die Reise am 28. fhrte uns theils durch einige seichte Vertiefungen,
welche deutlich den Abfall des Bodens nach Osten zu zeigten und in
einige in der Regenzeit dem Limpopo zuflieende Bachbetten ausliefen,
theils durch sandigen Wald, in dem ich mir, nach dem Weglaufen der
Diener als unfreiwilliger Wagenlenker meine Sporen zu verdienen hatte.
Von Wildspuren fanden wir jene des gestreiften Gnu, der Elandantilope,
des kurzschwnzigen Schuppenthieres und auch solche von Hynen zahlreich
vor.

Auch am 29. war die Fahrt recht beschwerlich, nicht allein da der Sand
nicht abnahm, es hob sich das Land merklich gegen Norden. Die Entfernung
von Molopolole nach Schoschong betrgt in der krzesten Strecke 128
englische Meilen, doch kann man diese, hufigen Wassermangels halber,
nicht zu allen Jahreszeiten passiren und mu deshalb zeitraubendere
Touren whlen. Zu Fue kann die Strecke mit Bentzung der Fupfade in
fnf Tagen zurckgelegt werden, eine Leistung, die auch von den
Post-Betschuana's zu Stande gebracht wird. Der im westlichen Theile des
Marico-Districtes wohnende Missionr, Herr T. Jensen, versieht den
Dienst des Postmeisters fr das Innere, d.h. fr die in den
Eingebornenstdten wohnenden Missionre und Hndler, bei denen auch die
Briefe, die den Jgern von den Ihrigen nachgesendet werden, aufbewahrt
werden. Wchentlich kommt ein Eingeborner mit den Briefen von Molopolole
und bringt die in Linokana angekommenen nach der Balwenastadt; alle
vierzehn Tage werden wieder zwei Bamangwato von Schoschong von dem
dortigen Prediger nach Molopolole gesandt, um die Post, die der
Molopololer von Linokana gebracht, nach Schoschong zu befrdern. Ein
Feuerbrand, einige Assagaien, auf welche sie rohes Fleisch spieen und
der lederne Gurt mit den Briefen ist die ganze Ausrstung der Postboten.
Frher wurde je ein Mann fr diesen Postdienst von Schoschong nach
Molopolole auf sechs Monate gemiethet, er erhielt Kost und wurde mit
einer Muskete und etwas Schumaterial, gegenwrtig aber mit barem Gelde
fr seine Mhe entlohnt.

[Illustration: Flchtender Leguan.]

Zahlreiche Lwen- und Leopardenspuren am Rande der vielen
vegetationslosen Bodeneinsenkungen mahnten uns am folgenden Tage zur
grten Vorsicht, auch bot der tiefe Sand, in dem die Rder bis acht
Zoll tief einsanken, groe Schwierigkeiten. Einst mochten diese eben
durchzogenen Gegenden sehr wildreich gewesen sein, dafr sprachen die
aufgehuften Skelette von Antilopen, besonders des Elands und der
Giraffe. An keinem der vielen, hier und auf der weiteren Reise nach
Schoschong angetroffenen Giraffenschdeln beobachtete ich die kleinen
knchernen Stirnauswchse gleich hoch, an manchen einen, an manchen
beide mit Exostosen bedeckt, oder durch solche an der Stirnbasis
brckenfrmig mit einander verbunden.

[Illustration: Trocknen von Giraffenhuten.]

Gegen Abend fiel mir Niger's Betragen auf, der im Grase zu unserer
Linken hin- und herlief. Ich rief Onkel herbei--wir hatten nach und nach
die brigen Hunde (sieben) eingebt--beschleunigte meine Schritte und
kam eben noch zur rechten Zeit, um einen riesigen Landleguan gemchlich
auf einen Baum klettern zu sehen. Auf dem ersten horizontallaufenden,
dicken Aste legte er sich flach nieder und dehnte sich derart, da man
ihn leicht bersehen htte, wenn nicht die gelblichen Querstreifen von
der grauen Rinde des Baumes grell abgestochen htten. Das Thier, welches
durch sein pltzliches Erscheinen die befiederten Bewohner des Baumes
nicht wenig erschreckt hatte, blieb vollkommen ruhig auf dem Aste
liegen, man sah nur die Bewegungen der Augenlider und das momentane
Aufblitzen der kleinen schwarzen, glnzenden Augen. Ein Schrotschu
ttete das Thier, das meinen Sammlungen einverleibt wurde.

Am 31. waren wir wieder in tiefsandigen Wald gelangt, die Gegend zeigte
wellenfrmige, geringe Bodenerhebungen, welche stellenweise bebuscht
oder mit Bumen schtter bestanden, stellenweise jedoch dicht bewachsen
waren, whrend die seichten Vertiefungen eine uerst ppige, wenn auch
nicht tropische Vegetation bargen. Der Regen hatte in den letzten Tagen
abgenommen und die sdafrikanische Decembersonne lie uns warm ihre
Strahlen fhlen. Auf dem tiefsandigen engen Wege einherziehend, machte
mich B. auf einen dunklen, auf einem hohen Kameeldornbaum hngenden
Gegenstand aufmerksam. Wir fanden nhergekommen mehrere groe Stcke
trockener Giraffenhaut, die von den Jgern vor langer Zeit aufgehangen
und vergessen worden sein mochten. In der Untersuchung derselben wurden
wir durch einen herbeieilenden Makalahari unterbrochen, welcher durch
seine Mittheilung, da die Haut dem Morena Seschele gehre, alle
Annexionsgedanken im Keime erstickte. Er und seine im Walde wohnenden
Gefhrten waren hier stationirt, um die zeitweilig anzutreffenden
Giraffen zu jagen. Das Fleisch gehrte ihnen, doch die Haut dem Knige.
Die weitere Mittheilung des von mir beschenkten schwarzen Jgers, da
wir erst zu Mittag des folgenden Tages auf Wasser stoen wrden, trieb
uns zur Eile an. Erst die einbrechende Nacht machte unserem Tagemarsche
ein Ende.

Am Lagerplatz angelangt, berieth ich eben mit meinen Gefhrten, wie der
Wassernoth zu begegnen sei, als die Hunde zu knurren anfingen. Aus dem
Benehmen derselben, die, ohne die Nhe des Feuers zu verlassen, auf eine
Stelle in's Dunkle hinblickten und dann sich nach der entgegengesetzten
Seite kehrten, wobei es uns auffiel, da sie einen sich um unser Gefhrt
in den Gebschen bewegenden Gegenstand witterten, schlo Pit, da
diesmal Masarwa oder Makalahari (die Sclaven der Bakwena's) die
Ruhestrer waren.

Ein leises Rumela, Sir! das uns aus den Gebschen entgegentnte, lste
jeden Zweifel; nachdem Pit die Hunde zur Ruhe verwiesen hatte, traten
zwei Schwarze an's Feuer, es waren die Postboten aus Schoschong auf dem
Wege nach Molopolole. Der eine trug ein groes Stck Fleisch, das er in
einem, eine halbe Tagreise entfernt liegendem Barwadorfe fr eine
Handvoll Zndhtchen erhandelt; als sie sahen, da wir mit dem Wasser
recht sparsam umgehen muten, boten sie uns ihre beiden mit Wasser
gefllten und mit frischen Grasbscheln zugepfropften Kalebassen an,
leider konnten wir des starken Geruches der unrein gehaltenen
Krbisgefe halber von ihrem freundlichen Anerbieten keinen Gebrauch
machen.

Der Neujahrsmorgen 1874 brach recht trbe an, Tags zuvor war es glhend
hei gewesen, heute war der Himmel mit Wolken bedeckt und die Atmosphre
bedeutend abgekhlt. Gegen Mittag heiterte sich der Himmel auf und als
wir unsere Ost bei Nord-Richtung in eine nrdliche nderten, sahen wir
in eine Vertiefung vor uns, die sich nach Osten zu ziehen und der Anfang
eines Thales zu sein schien, sowie eine kleine Rauchsule an der
bebuschten Erhebung ober dieser Vertiefung. Ein Sule Gold htte uns
alle nicht so elektrisiren knnen, wie es der bluliche, in kleinen
Wlkchen sich emporhebende Dunst und Rauch vermochte. Nach und nach
erkannten wir auch einige elende Grashtten, dann spielende Kinder in
ihrer Nhe und unten in der Tiefe zwei Barwa, die auf uns zu warten
schienen. Ich sandte Pit voraus, um nach Wasser zu fragen; als wir zur
Gruppe gestoen waren, theilte uns der Diener mit, da auer einigen
tiefen, engen Lchern, aus denen nur die Bewohner des kleinen Drfchens
Wasser holten und aus denen hchstens Ziegen trinken konnten, kein
trinkbares Wasser in der Nhe sei, wohl aber gegen Sonnenuntergang,
wohin sie uns mit der Erlaubni ihres Herrn, eines Bakwena's, fhren
wollten.

Unser Fhrer gehrte ebenfalls dem Bakwenastamme an. Ich glaube schon
erwhnt zu haben, da die Betschuana's sowie die Koranna's von Mamusa
Diener, oder besser gesagt Sclaven besitzen, die dem Makalaharistamme
(auch Bakalahari) angehren, welcher frher die Gebiete zwischen dem
Zambesi und dem Oranjeflusse sein eigen nannte. Auer diesen Sclaven,
die jedoch ziemlich mild behandelt werden, befinden sich in den sechs
Betschuana-Reichen noch zwei andere Stmme in der Stellung von Sclaven
den Betschuana's gegenber, doch ist diese Stellung eine drckendere,
denn whrend es zu geschehen pflegt, da Makalahari freigelassen werden,
und zuweilen eine Annherung und Verschmelzung der Ma- oder Bakalahari
und der Bakwena's etc. statthat, geschieht dies nie zwischen den
letzteren oder anderen freien Betschuanastmmen und den beiden hart
behandelten Sclavenstmmen, den Barwa's, die bei den nrdlichen
Betschuana's Masarwa's genannt werden, und den Madenassana's, die in dem
nordwestlichen Gebiete der stlichen, und dem nordstlichen der
westlichen Bamangwato's wohnen.

[Illustration: Masarwa's am Feuer.]

Ich mchte die Barwa's und Masarwa's als ein Mischlingsvolk,
hervorgegangen aus der Verschmelzung der Makalahari, d.h. eines Zweiges
derselben, mit den Buschmnnern bezeichnen. Gestalt, Teint, Gebruche
und die Sprache sind ebenso viele Indicien fr diese beiderseitige
Verwandtschaft und ich glaube nicht fehl zu gehen, wenn ich die Barwa's
und Masarwa's ein Bindeglied zwischen den Buschmnnern und der
Banthufamilie nenne. Whrend die Makalahari etwa Leibdiener,
hauptschlich aber Hirten der Betschuana's sind, haben die brigen
Sclavenstmme Jagddienste zu versehen, in welcher Beschftigung sie ihre
Gebieter auch weit bertreffen. Der Bogen und der Pfeil, den
Betschuana's fremd, sind bei den Barwa und Masarwa wie bei den
eigentlichen Buschmnnern noch immer im Gebrauch, ebenso verstehen sie
die Thiere in Fallen, d. h. mit vergifteten Assagaien (siehe die
Illustration Seite 44) und in Fallgruben zu fangen, als Antreiber sind
sie--wie die ihnen bezglich der Sprache und des Gesichtsausdrucks
verwandten, doch sich sonst an die westlichen Eingebornenstmme
anlehnenden Madenassana's--vorzglich verwendbar. Nur gegen ihre
Verschmitztheit, Untreue und ihren Hang zum Diebstahl ist es gerathen,
sich vorzusehen.

[Illustration: Anschleichende Masarwa's.]

Sie bewohnen in wildreichen Gegenden kleine Drfchen, d.h. Htten, deren
heuschoberhnliches Gerippe aus einigen in die Erde schief
eingetriebenen, etwa fnf Fu ber dem Boden miteinander verbundenen
Pfhlen besteht und mit einer Lage von drren Zweigen und Gras berdeckt
wird. Sonst zeigt keine Umzunung, blos einige glatte Steine, worauf
Samen zerrieben, Knochen zerschlagen oder geschliffen werden, sowie
einige Aschenhaufen, zahlreiche trockene Schoten von Leguminosen
(Bumen, Struchern und Pflanzen) und einige Fupfade, da hier Menschen
hausen oder gehaust haben. Gewehre und Schiebedarf werden ihnen
anvertraut, die Felle, Strauenfedern, Elfenbein und Rhinoceroshorn,
nebstdem auch wilde Frchte, wie jene des Baobab, der Fcherpalme etc.
mssen sie an ihre Herren abliefern. In der Regel finden wir jedoch
einen Bamangwato oder Barolong etc., dessen Leibdiener sie sind, mit
ihnen jagen, kehrt er heim, so bergibt er dem ltesten von ihnen das
Commando. In jedem andern Falle mssen sie sich nach zwei bis fnf
Monaten in der Hauptstadt einfinden und die Jagdbeute abliefern. Bei dem
Besuche derselben ist es ihnen aber nicht gestattet, bei Tage in die
Stadt zu treten, sie lassen sich vor der Stadt nieder, und nachdem sie
dem nchsten besten Einwohner ihren Namen, ihren Wohnort und den Zweck
ihres Kommens mitgetheilt und dieser es dem Knig hinterbracht hat, wird
ihnen am Abend nach Sonnenuntergang ein Bote zugesendet, der sie in die
Kotla fhrt. Solche, die den Besuch der kniglichen Stadt zur bestimmten
Zeit unterlassen, wenden durch einen von dem Chef ausgesendeten Boten an
ihre Pflichten gemahnt und abgeholt.

Die Masarwa's sind von mittelgroer Statur, besitzen einen
rthlichbraunen Teint und abstoende Gesichtszge; in ihrer Gestalt
nhern sie sich dem Buschmanne, in ihren Gesichtszgen und dem Teint den
Makalahari's. Sie sind weniger treu und anhnglich als letztere, darum
werden sie auch von ihren Herren seltener im Kampfe und als Hirten
bentzt, wohl aber als Spione oder um die Grenzen zu bewachen und von
der ersten Annherung eines feindlichen Haufens nach des Knigs Stadt
Nachricht zu bringen.

Kein Stamm im centralen Sd-Afrika versteht es in den trockensten
Gegenden mit solchem Erfolge nach Wasser zu spren, die Fhrte des
Wildes so treu aufzunehmen und das Wild so geschickt und unbemerkt zu
beschleichen und zu berlisten wie die Barwa's und Masarwa's. Weil sie
jedoch in Folge ihrer Untugenden von den Betschuana's hart behandelt
werden, sind sie auch den Weien gegenber mitrauisch geworden. Reist
man durch die Kalahari, oder in den sandigen Wldern, die wir eben
durchzogen, oder in jenen zwischen Schoschong und dem Zuga-River und
jenen zwischen den Salzseen und dem Zambesi, so ist man oft, ohne die
leiseste Ahnung davon zu haben, von Angehrigen dieses Stammes gefolgt,
der ob seines Mitrauens und um nicht schwere Arbeit verrichten zu
mssen, sich scheu in der Ferne des Weien hlt. Hat man jedoch ein
Stck Hochwild geschossen, so sieht man sich, bevor noch die Beute
erstarrt, von einem Trupp Barwa's umringt, welche mit Ungeduld den
Moment erwarten, zum Ausweiden der Jagdbeute aufgefordert zu werden, um
einen Theil des Fleisches als Entlohnung zu erhalten. Ich mchte sagen,
sie sind unter den sdafrikanischen Racen das, was unter den Vgeln der
Aasgeier und unter den Sugethieren die Schakale. Kreist in den
obgenannten Gegenden ein Aasgeier hoch in den Lften, so hat ihn auch
schon des Masarwa Auge erspht und er eilt rasch nach der Stelle zu, wo
der Geier sich niedergelassen. Ueberraschen sie nun bei solcher
Gelegenheit den Knig der Thiere beim Mahle, so trachten sie durch
Geschrei, mit Stein- und Feuerbrandwrfen das Raubthier zu verscheuchen,
angegriffen, flchten sie sich wie die Affen in die Bume und
verkriechen sich wie die Wiesel in die Dorngebsche, um dem sie
verfolgenden Lwen einen ihrer vergifteten Pfeile in eine dnnere
Hautstelle einzubohren.

Nach der Mittheilung meines Freundes Mackenzie werden diese Masarwa's
und Barwa's von den Betschuana's in der Regel Masarwa a bolotsana thata,
d.h. schlechte Menschen (Bsewichter) und Masarwa Ki linoga hela (wahre
Schlangen) betitelt.

Gleich den Buschmnnern in der Colonie und im Oranje-Freistaat hassen
die Barwa's und Masarwa's Ackerbau und Viehzucht, doch beobachtete ich
nie--auer an einigen, jenen der Makalahari's hnlichen, auf Bein und
Holz ausgefhrten, hchst einfachen, eingebrannten oder eingeschnittenen
Strichen etc.--da sie Gravirungen in Stein ausfhren oder steinerne
Objecte in ihrer einfachen Haushaltung bentzen wrden. Dagegen arbeiten
sie lange Ketten aus rundlichen Straueneier-Scheibchen und andere
Verzierungen aus diesem Material. Ich konnte bei ihnen weder von einem
Hhlenbau in Felsen, noch etwas von einer Ausschmckung der Felsenkuppen
sehen oder in Erfahrung bringen, hingegen fand ich bei ihnen den
crassesten Aberglauben in voller Blthe.

Auf der Jagd, mag der Masarwa nun allein oder in Begleitung seines
Betschuanaherrn sein, werden die einfachen Knochen- und Holz-Amulete
(Dolos) geschttelt und geworfen, um die Richtung des Wildes, die Art
und Zahl desselben und den Erfolg der Jagd zu erfahren. Sie werden auch
in Krankheitsfllen befragt, und ob der Herr kommt. Von den
Betschuana-Herren hat er den Namen Morimo fr Gott aufgeschnappt, und
obgleich der Betschuana selbst den Begriff Morimo, der von seinen
Vorfahren verehrt wurde, bis auf den Gedanken, da Morimo ein hher als
die Morena's (Frsten) gestelltes Ding oder hheres Wesen bezeichnet,
verloren, so bezeichnet doch auch der Masarwa und der Barwa seine Dolos,
die ihn ber alles belehren und unterweisen sollen, seinen Schatz und
seinen theuersten Besitz mit Morimo, er meint dies ist mein Gott (Se-se
morimo-se) oder er sagt die Dinge meines Gottes (Lilo tsa Morimo oa
me) und Dinge die ihn benachrichtigen, Lilo-lia impulelela mehuku.
Doch nicht allein, da ihm die Dolos sein Morimo oder die Eigenschaft,
das Eigenthum eines mchtigen Wesens sind, er behauptet auch
andererseits, da er selbst mit dem Werfen dieser Dolos Morimo
Gelegenheit gebe, seine Kenntni darzuthun, und da er selbst Morimo's
Werkzeug sei.

Die Barwa- und Masarwamnner zeigen ihren Frauen gegenber mehr
Anhnglichkeit als die Betschuana's und Makalahari's, die schwerste
ihnen zukommende Arbeit ist das Wasserholen in den mit Bast, Stricken
oder Thierhautstreifen umflochtenen Straueneier- oder Krbisschalen und
das Tragen der kaum nennenswerthen Hausutensilien. Die primitiven Htten
sind in wenigen Stunden mhelos hergestellt. Eine groe Anhnglichkeit
zeigt der Masarwa fr seine Hunde, die, im Gegensatz zu der schlechten
Behandlung, die diesem Hausthiere von den Betschuana's zu Theil wird,
bei ihnen zumeist gut gepflegt werden.

Von ihren Gebruchen sind nur wenige bekannt, da noch kein Reisender in
der Lage war, lngere Zeit in oder in der Nhe eines Masarwadorfes zu
wohnen und ihrer Sprache mchtig zu werden; wir wissen blos, da sie
sich im Stadium der Pubertt, mit einem Knochen die Nasenscheidewand
durchbohren und ein Holzpflckchen einschieben, um eine kleine
kreisrunde Oeffnung zu erzeugen. Das Hlzchen wird, nachdem der Zweck
erreicht, wieder entfernt; sie benennen diese That rupa, was jedoch ein
aus der Setschuana entnommenes Wort ist und die Einleitungceremonie zu
der Beschneidung bei den Betschuana's bezeichnet.

[Illustration: Neujahrstafel im Urwalde.]

Was vielleicht dem Reisenden am meisten an den Masarwa's, die in manchen
Gegenden ber Mittelgre, ja zuweilen im Lande der Bamangwato's oder
Bakwena's etc. ebenso wie der herrschende Stamm von hoher Statur sind,
neben der Hlichkeit ihrer Gesichtszge am meisten auffllt, das sind
die rthlichen, wie halbgerstet aussehenden vorderen Schienbeinflchen,
oft tragen die Vorderarme und der Rcken sowie die Furcken und
Schenkel hnliche narbenartige Merkmale. Der Masarwa--in selteneren
Fllen der Makalahari--der kaum mehr als ein kurzes Fellstck, ber die
Schulter geworfen hat und zuweilen auer einem kleinen aus Elandfell
gearbeiteten Schildchen nichts zu seinem Schutze mit sich trgt, ist
gegen die Klte sehr empfindlich. Statt sich nach Betschuanasitte ein
umzuntes Hfchen zu machen und hier oder nach jener der Koranna's in
der Htte selbst ein Feuer anzuznden, entzndet er das seine stets im
Freien und sucht sich dann so rasch wie mglich zu erwrmen; er rckt
dem Feuer so nahe wie mglich und schlft hockend mit auf die Kniee
gesunkenem, zwischen die Arme gepretem Kopfe ein, daher sind dann auch
die vorderen Unterschenkelflchen dieser armen Geschpfe denen des
Metatarsus der paarenden Strauenhhne nicht unhnlich gefrbt.

Berichtet man von dem Buschmann der Colonie, da er die Haut des Wildes
bentzt, um sich demselben bis auf Treffweite seines Pfeiles zu nhern,
so bentzt der Masarwa einen kleinen dichten Busch als Deckung, d.h. den
Busch mit der einen Hand vor sich hinhaltend und vorschiebend, um in
kriechender Stellung seine Opfer zu beschleichen. Eines Abends,
erzhlte ein mir wohlbekannter Jger, sa ich allein an meinem Feuer in
einer der weiten Ebenen des Mababifeldes. Vor mir lag die Ebene, das
Gras war noch jung, kaum zwlf Zoll hoch. Ich rauchte und blickte auf
die Ebene hinaus; vor mir hob sich hie und da ein kleiner Busch empor.
Als ich nach einer Weile wieder aufsah, schien es mir, als ob sich der
eine Busch an einer Stelle befnde, an welcher ich zuvor keinen
erblickt, d.h. kaum 50 Schritte vor mir. Ich fixirte das Object, doch
mehr denn eine Viertelstunde verrann und noch immer stand der Busch an
seiner Stelle. Ich hielt das ganze fr Sinnestuschung und kehrte mich
zum Wagen--doch wer beschreibt meine Ueberraschung, als ich mich nach
einigen Minuten zufllig umwandte und etwa 20 Schritte vor mir einen
Masarwa erblicke.

Bei den Wassertmpeln angelangt, fhlte ich mich bedeutend wohler.
Unsere Haltstelle, wo ich uns eine mehrtgige Rast gnnen wollte, schien
vor einem Jahre, oder doch whrend dieser Zeit von Jgern bewohnt
gewesen zu sein. Einige Hufe von Zebra's, welche mit Auswchsen, durch
Wespenmaden hervorgebracht, wie mit Zoten dicht berwachsen waren, sowie
Bruchstcke von Kudu- und Blbockhrnern, gestreifte Gnuschdel, ein
Giraffen- und ein beschdigter Nashornschdel, und Reste einiger
Grashtten wiesen deutlich darauf hin. Unsere Masarwa-Fhrer bettigten
meine Vermuthung und theilten mir mit, da hier Bakwena's (die Herren
des Landes) unter der Anfhrung eines Sohnes Seschele's, d.h. des
kniglichen Prinzen mit mehreren Pferden gejagt und nebst einigen
Strauen einen groen Wagen mit Fellen und Fleisch beladen nach
Molopolole zurckgebracht htten.

Nachdem wir uns alle gelabt und erfrischt hatten, konnten wir endlich
daran denken, den Tag der Jahreswende zu feiern. Es geschah dies nicht
ohne jedes Ceremoniell, ein Toast auf das Wohl des Kaisers von
Oesterreich schlo die Feier des Neujahrstages 1874 im Herzen der
sdafrikanischen Wildni. Erstaunt sah uns der Masarwa an, er sah uns in
die Lfte sprechen und frug Pit, ob wir zu unserem Morimo geredet
htten.

Gegen Abend fhlte ich mich so weit hergestellt, da ich sogar einige
hundert Schritte weit in die Bsche gehen konnte, wobei mir ein
undurchdringliches dichtes Gehlz nahe an der Stelle, wo der nach Westen
zu fhrende Weg pltzlich nach Norden sich wendet, durch seine Hhe
auffiel. Gruppenweise fanden sich in diesem Walde zwischen Molopolole
und Schoschong bis zu 60 Fu hohe Bume. Eine der Acacia horida uerst
hnliche Art war besonders hufig vertreten. Alte Stmme waren
niedergefallen, lagen theilweise zwischen den zerschmetterten, schwarz
berindeten Aesten gebettet, theils lehnten sie an anderen, sich noch
krftigen Gedeihens erfreuenden und bildeten mit den vielen neu
aufsprossenden Bumen, dem anderweitigen Gebsch, sowie den durch den
Moder der absterbenden Bume befrderten reichen Pflanzenwuchs dichte,
oft undurchliche, wenn auch beschrnkte Urwaldpartien in dem
unabsehbaren, tiefsandigen Niederwalde. Bei der herrschenden Dunkelheit
hielt ich es nicht fr gerathen, in das oberwhnte Gehlz einzudringen,
trotzdem mich ein mehrstimmiges Perlhuhngegacker anlockte.

Nachdem ich sie reichlich beschenkt, entlie ich die beiden
Masarwa-Fhrer und lie ihrer Mahnung entsprechend, sechs groe Feuer um
unser Lager anznden, um die hier zahlreich herumwandernden Raubthiere
abzuhalten. Ohne Ahnung, da der folgende Tag fr mich einer der
ereignireichsten und zugleich trbsten whrend meines siebenjhrigen
Aufenthaltes werden sollte, verfiel ich bald darauf in einen
wohlthtigen Schlummer. Spter als ich es sonst gewohnt war, wachte ich
durch ein unnatrliches Kltegefhl auf, welches durch eine von der
Wrme angelockte und wohl irgendwo unter den zahlreichen umliegenden
Thierschdeln wohnende kleine Schlange verursacht worden war. Die Sonne
stand schon hoch und am Feuer saen Besucher aus dem gestern von uns
wahrgenommenen Dorfe. Ich erkannte sie an dem Bakwena, der das Wort
fhrte. Der Mann hatte einige Pallahfelle, einige weie, doch nicht
besonders feine Strauenfedern und einen etwa neun Pfund schweren
Elephantenzahn mitgebracht, der deutliche Spuren trug, da er von einem
der Thiere verloren, durch lange Jahre irgendwo im Grase gebleicht
hatte, bevor ihn der Zufall dem Bakwena oder einem seiner Masarwa-Diener
in die Hnde gespielt hatte.

[Illustration: Verirrt.]

[Illustration: Von Masarwa's gestrtes Lwenmahl.]

Gegen Mittag schulterte ich das in Moschaneng erstandene Doppelgewehr,
nahm 12 Patronen mit und schlug eine westliche Richtung ein, um unseren
Tisch mit frischem Wildfleisch zu versehen. Etwa 700 Schritte vom Wagen
stie ich auf Gnu's und nach weiteren 1000 Schritten, nachdem ich diese
in Sd- bei West-Richtung verfolgt, auf quer ber meinen Pfad nach
Norden fhrende, frische Giraffenspuren. Ich verlie sofort die zuerst
eingeschlagene Richtung und folgte den Giraffen, die, etwa 20 an der
Zahl hier ihren Weg genommen haben muten. Nach einer Stunde Weges
theilten sich die Spuren, ich folgte den zahlreicheren, die nach
Nordwest zu fhren schienen. Der Rasen wurde dicht ohne hoch zu sein,
die Spuren wurden immer undeutlicher, trotzdem fand ich an einigen
abgebrochenen Zweigen deutliche Merkmale, da hier die Thiere noch vor
einigen Stunden geweidet haben muten. Die Gegend war derselbe
Niederwald, doch nur stellenweise dichter, und bestand aus geringen
Senken und ebenso unbedeutenden sandigen Bodenerhebungen. Seitdem ich
die abgebrochenen Zweige wahrgenommen, hatte ich weniger die Richtung im
Auge behalten und als ich bei meinem Suchen drei Meilen zurckgelegt,
hatte ich dieselbe vollkommen verloren. Whrend ich mich zu orientiren
versuchte, fhlte ich mich recht matt und abgeschlagen, dabei mchtigen
Hunger, das Aergste von Allem jedoch war, da es in meinem Kopfe wohl
durch den Einflu der brennenden Sonnenhitze wie in einer Mhle sauste
und sich stechende Schmerzen in den Schlfen einstellten. Ich war so,
ohne es zu wissen, zweimal im weiten Bogen zurckgegangen und mute mich
hchstens fnf Meilen weit vom Wagen befinden, doch in meiner Verwirrung
und von unsglichem Kopfschmerz geplagt, schlug ich die entgegengesetzte
Richtung ein und ging so rasch es meine Mdigkeit nur gestattete, gerade
nach Nordnordwest. War der Kopfschmerz die Ursache, oder war ich so matt
und meine Sinne durch die groe Hitze so abgestumpft, ich kann es mir
selbst heute nicht erklren, da es mir in dieser Zeit, als ich schon
die Giraffenspuren verlassen und den Heimweg angetreten zu haben whnte,
nicht einfiel, das goldene Himmelsgestirn anzusehen, nicht eher, als bis
es sich schon zum Untergange neigte und die langen Schatten der Bume
das Ende des Tages anzeigten.

Da schlug ich eine sdstliche, dann aber eine stliche Richtung ein, um
den von Molopolole nach Schoschong fhrenden Weg zu treffen. Allein als
ich zu diesem Entschlusse gekommen war, hatte auch meine Abmattung den
Gipfelpunkt erreicht und ich konnte kaum 20 Schritte gehen, ohne
ausruhen zu mssen. Der Durst qulte mich entsetzlich. In der Hoffnung,
da ich vielleicht dem Wagen nher war als ich es vermuthen konnte, oder
aber um die Aufmerksamkeit zufllig in der Nhe jagender Masarwa's auf
mich zu lenken, feuerte ich acht Schsse ab und horchte mit grter
Spannung auf den Erfolg meines Nothsignals. Doch Alles blieb stille.

Mit Anstrengung und der Wunden nicht achtend, die mir das Erklimmen
eines Dornbaumes verursachte, feuerte ich nochmals von seiner Spitze
zwei Schsse ab, vielleicht wurde ich nun gesehen, doch wie weit mein
wirrer Blick auch reichte, keine Bewegung in den Bschen, kein
Gegenstand zu erblicken, der mir Hilfe hoffen lie. Nun sank mir der
Muth. Ich fhlte mich auer Stande, einige Meilen weiter zu gehen. Die
letzten beiden Schsse konnte ich doch nicht aufopfern, ich fhlte mich
so schwach, da mir das Tragen des Gewehres zur Last wurde und htte es
wegwerfen mgen. All' dies wohl die Folge der heutigen Anstrengungen,
des Unwohlseins und der Unflle, die mir Tags zuvor zugestoen waren.
Was nun thun! Schreien! Ja, Schreien, ich begriff nicht, da mir dies
nichts helfen, hchstens wilde Thiere anlocken wrde. Ich kroch auf
einen Termitenhgel und schrie aus Leibeskrften. Es whrte nicht lange
und ich hatte mich--ohnehin derart abgemattet, da ich mich mit
aller Macht an den Termitenbau anklammern mute, um nicht
herunterzugleiten--heiser geschrieen. Als ich mich zur Erde gleiten lie
und hier neben dem Gewehre lag, brach ich, durch die glhende Sonne und
die gnzliche Ermattung wie sinnesverwirrt, in ein Gelchter aus. Es kam
mir selbst sinnlos vor, in dieser Wildni, in der weit und breit im
Umkreise keine menschliche Seele zu treffen war, auf solche Weise
Rettung zu suchen. Das krampfhafte Lachen hatte einen krampfhaften
Husten zur Folge und dieser fhrte mich wieder zur Besinnung zurck.

Der in mir whlende Durst drohte mir den Rest meiner Krfte zu rauben,
vergebens sah ich mich nach Blttern um, deren Feuchtigkeit meinen
brennenden Lippen Khlung gewhren konnte, die einen waren drr, die
anderen mit Wollhaaren bedeckt; mechanisch griff ich nach den Blttern
eines mir unbekannten Busches und fhrte sie an die Lippen, doch auch
sie waren--Ironie des Schicksals--gallbitter. Noch einige Schritte und
ich lie das Gewehr fallen, Blitzartig durchzuckte mich jedoch bald
nachher der Gedanke, da ich damit meinen einzigen Schutz, meinen besten
Freund geopfert und mit Aufgebot aller Krfte schleppte ich mich zur
Stelle zurck und hob das Gewehr, das noch zwei Schsse barg, auf. Was
war ich ohne Waffe in dieser Wildni--ein wehrloses Opfer hungriger
Hynen!

Meine letzte Hoffnung war darauf gerichtet, mit einem der Schsse ein
kleines Feuer zu entznden, unter dessem Schutze ich die Nacht berleben
konnte. Doch auch dieses letzte Auskunftsmittel versagte, die drren
Aeste fingen kein Feuer. Nun ergriff mich nackte Verzweiflung, wie im
Fieberwahnsinn jagten die tollsten Gedanken durch mein erhitztes Gehirn,
Verwnschungen drngten sich auf die Lippen und mechanisch griff ich
nach dem Gewehre.

Ich fhlte nun vollends meine Krfte schwinden und erinnere mich nur
noch, da ich auf die Knie fiel, beide Hnde ausstreckte und wie sich in
diesem Momente eine schwarze Gestalt vor mir auf die Erde warf, an mich
herankroch und mich erfate. Ich war gerettet--gerettet durch einen
Masarwa, der viele Meilen weit von Westen her auf dem Wege zu der
gestern passirten Niederlassung begriffen war, um seine Genossen zu
holen, denn er hatte frh am Morgen weit von hier ein Gnu erlegt.

Ein labender Trunk htte mich nicht mehr elektrisiren konnen als diese
Erscheinung. Er richtete mich auf und als ich mit den Fingern nach dem
Munde wies, da ich durstig sei, da holte er aus seinem Ledersacke am
Rcken eine Handvoll Beeren und prete sie mir in die Hand. Als ich sie
geschluckt und mich an ihrem slichen Saft gelabt, fhlte ich mich wie
verjngt. Nun trachtete ich ihm mit dem Namen Koloj begreiflich zu
machen, da ich zum Wagen gehen wolle, Koloj ist kein Setschuana-Wort,
doch bei den Betschuana's, ihren Vasallen und den Makalaka's etc.
eingebrgert. Mein Retter grinste mich an und wies nach Sdost;
Pata-Pata meinte er. Dies ist unter diesen Stmmen der aus dem
Hollndischen entnommene und verunstaltete Ausdruck fr einen Weg, den
ein Wagen befahren kann, und ich konnte nur nicken, um ihm meine
Befriedigung auszudrcken. Mich erhebend, versuchte ich zu gehen und der
Mann, obwohl kleiner als ich, sttzte mich; er nahm mein Gewehr und
schulterte es mit seinen drei Assagaien auf die linke Schulter, whrend
er mir die rechte als Sttze bot. Allmlig kehrten meine Krfte zurck
und wenn auch nur uerst langsam und nach lngeren Ruhepausen--aber es
ging vorwrts.

Als die Sonne unter den Horizont gesunken war, befanden wir uns am
Fahrwege. Im Osten zeigte der Himmel eine dunkle Frbung, dort blitzte
es und dumpf grollte der Donner zu uns herber. Die Atmosphre war
khler geworden und obgleich noch immer warm, schauerte ich doch unter
dem Hauche des leisen Windes, der aus Nordosten durch die Bume strich.
Ich war in Schwei gebadet und mein Hemd (ich hatte die Jacke im Wagen
zurckgelassen) klebte am Krper. Nach einer halben Stunde Ganges wollte
ich mich niedersetzen, doch mein Begleiter lie es nicht zu. Kurz darauf
ging er links vom Wege in die Bsche, ich wollte ihm nicht folgen, es
war ja eine verkehrte Richtung, die er einschlug. Da wies er auf den
Mund und ahmte einen schlrfenden Laut nach. Meci? (Wasser) frug ich.
E-he, E-he! (ja, ja) antwortete er mit einem Kopfnicken und Grinsen
und ich gehorchte.

Nahe am Wege in einer kleinen Sandvertiefung lag eine kleine von
Eingebornen ausgegrabene, mit schlechtem Pftzenwasser gefllte, doch
mir sehr willkommene Grube. Gnu's hatten die Stelle kaum eine Stunde
zuvor besucht und sich mit demselben Na ihren Durst gestillt. Kaum
hatte ich mich von dem Pfuhle erhoben, bedeutete mir der Masarwa ihm zu
folgen, indem er nach dem Gewitter im Osten wies; die Dunkelheit war
schon eingebrochen als wir vom Wege abbogen, und beinahe zur selben Zeit
brach auch der Sturm los. Bald fiel der Regen in Strmen, die groen
Tropfen schienen mir wie Schloen und erzeugten, auf meinen schwitzenden
Leib fallend, ein hchst unangenehmes Gefhl von Abmattung und
Kraftlosigkeit.

Mein Fhrer hatte sein kleines Ledermntelchen um mein Gewehr geschlagen
und auf meinen Retter gesttzt, ging es, stellenweise bis an die Knie
durch das Wasser watend vorwrts. Endlich hrte ich die Hunde anschlagen
und kaum hatte man mich erblickt, kamen E. und B. auf mich zu gelaufen
und schalten mich wegen der Besorgni, die ich ihnen mit meinem
Ausbleiben bereitet hatte. Sie ahnten wohl nicht, wie es mir ergangen.

Nun, da ich wieder im Innern meines Wagens geborgen war, erwachten
wieder alle Lebensgeister. Ich bat sie, den Masarwa zu bewirthen und ihn
bei Pit am Feuer schlafen zu lassen. Ein krftiger Imbi und ein
mehrstndiger tiefer Schlaf hatten mich so weit hergestellt, da ich
mich schon am nchsten Morgen ohne Sttze bewegen konnte.

Da nach Aussage des uns begleitenden Bakwena's der direkte Fahrweg in
Folge des heftigen Regenfalles schwer passirbar geworden, schlugen wir
am folgenden Morgen (am 3. Jnner 1874) einen etwas weiteren Seitenweg
durch die Bsche ein. Schon nach einigen hundert Schritten stieen wir
auf eine verendete Deukergazelle, welche in der verflossenen Nacht von
einer Hyne getdtet worden war. So unglaublich es mir auch schien, die
von den Masarwa's verfolgten Spuren lieen keinen Zweifel darber
aufkommen, da die schlanke Gazelle dem plumpen unbeholfenen Raubthiere
zum Opfer gefallen war.

Nicht weit vom Wege trafen wir die Reste--einer amerikanischen Pumpe.
Ein greres Rthsel konnte uns nicht aufstoen--unsere Fhrer konnten
uns darber keinen Anschlu geben, d.h. sie wollten oder durften es
nicht. Nicht eher als in Schoschong wurde mir das Rthsel gelst.
Seschele hatte, als die Hndler noch die directe, sehr wasserarme Route
nach Schoschong frequentirten (gegenwrtig wird zumeist der wasserreiche
Weg ber die Dwarsberge und lngs des Marico und Limpopo eingeschlagen),
aus diesem Umstande Profit ziehen wollen, und sich deshalb durch einen
der in seiner Stadt wohnenden Hndler eine amerikanische Pumpe von Port
Elizabeth bringen und an jener Stelle einsetzen lassen. Hier hatten
Makalahari fr die nach dem Innern reisenden Jger, Hndler etc. Wasser
auszupumpen und jene dafr an den Knig eine Abgabe zu bezahlen. Da
jedoch eine amerikanische Kettenpumpe den Makalahari's etwas
Ungewhnliches war und von ihnen trotz aller Instructionen unrichtig
behandelt wurde, so whrte es nicht lange und sie versagte den Dienst.

[Illustration: Trinkende Masarwa's.]

Freund Eberwald, der dem Wagen vorausging, um demselben den Weg durch
die Gebsche anzuweisen, kam pltzlich athemlos zum Wagen
zurckgelaufen. Kommt rasch, nehmt Eure Gewehre, verseht sie mit
frischen Zndhtchen, allein rasch, sonst verlieren wir ein schnes
Stck Wild, das heit Sie, Doctor, einen sehr schnen Balg. Wir folgten
ihm alle, auch die Masarwa's. Hundert Schritte vom Wagen entfernt, war
Eberwald pltzlich im hohen Grase auf einen Leoparden gestoen. Das
Thier sprang auf, fauchte und fletschte ihn an, machte einen Sprung und
duckte sich weiter abwrts einige 30 Schritte vor ihm im hohen Grase
nieder. Da Eberwald nur mit Schrot geladen hatte, wollte er sich nicht
zu einem Schusse auf das Thier erkhnen und holte Succurs. An Ort und
Stelle angekommen, konnten wir jedoch nichts wahrnehmen, einer der
Masarwa warf seinen Speer nach der deutlich bezeichneten Stelle, doch
nichts regte sich. Ich lie die Hunde holen, doch da ich den Ha kenne,
mit dem sich diese beiden Thiere stets verfolgen und Niger, der immer
dem starken Onkel voraus war, dabei leicht zu Schaden kommen konnte,
hielt ich und Pit die Hunde an der Leine, whrend B. mit einem Masarwa
als Wchter am Wagen zurckblieb. Bellend nahmen die Hunde die Spur auf,
welche geraden Weges auf das hohe dichte Gehlz zufhrte, welches ich
bereits Abends zuvor bemerkt hatte. Doch der Leopard war verschwunden,
in dem dichten Buschwerk war er brigens vor Entdeckung sicher.

[Illustration: Begegnung mit einem Leoparden.]

Im weiteren Verlaufe unseres heutigen Marsches, der des aufgeweichten
Bodens halber sehr beschwerlich war, begegneten uns Masarwa's, welche
mit Honig beladen heimkehrten. In Wldern folgen sie dem Honigvogel, auf
der Grasebene und da, wo nur niederes Gebsch zu treffen ist, dem Fluge
der von den Wasserstellen heimkehrenden Bienen. Die Thiere folgen eines
dem andern der Richtung nach ihrem Bau und leiten auf diese Weise die
Honigsucher zu ihrem Neste. Ist der Eingang zum Bau (meist eine Hhlung
im Baume) entdeckt, trachtet man die Bienen auszurauchen und sich dann
des Honigs zu bemchtigen. Fr ein etwa 1 Zoll langes, fingerdickes
Tabakstckchen erstand ich mehr denn einen halben Liter Honig.

Der Weg wurde auch am folgenden Tage nicht besser, an den sumpfigen
Stellen trafen wir zahlreiche Schildkrten-Leichen. Zu den dem Auge
wohlgeflligsten Schlingpflanzen Sd-Afrika's gehren unstreitig einige
der gurkenartigen Gewchse. Auch auf der heutigen Fahrt beobachtete ich
welche, die sich an Bschen emporschlangen, von denen sie durch ihre
gelappten, schnen blulichgrnen Bltter, namentlich aber durch ihre
mehr denn daumenstarken und lang herabhngenden, unreif
hellblulichgrnen, wei gescheckten, reif scharlachrothen Frchte
deutlich abstechen. Eine solche Staude trgt oft drei bis sieben, ja bis
zehn Frchte, von denen selten drei in gleichem Entwicklungsstadium
stehen. Zumeist fand ich das herabhngende Ende der Frucht
scharlachroth, den dem Stengel zugekehrten Theil jedoch noch grn und
den dazwischen liegenden im allmligen, oder auch pltzlichen Uebergang
von blulichgrn oder hellgrn zu gelb, orange und rthlichgelb. Whrend
der Nacht begegnete uns ein Hndler, der mit Elfenbein, Strauenfedern,
Carossen und ungegerbten Thierhuten ber Molopolole und weiter sdwrts
nach der Cap-Colonie fuhr.

Auch am 5. Jnner blieb der Weg tiefsandig, der Wald wurde immer lichter
und endlich gelangten wir auf eine groe, blos stellenweise mit Bschen
bewachsene Grasebene. Ich erbeutete auf derselben eine 4 Fu lange
giftige, von mir bisher noch nicht beobachtete Schlange. Was mir
besonders whrend der heutigen Fahrt auffiel, waren die zahlreichen,
nicht blos in den nchstanliegenden sdlichen Strichen, sondern auf
weite Flchen hin einzeln auftretenden hohen, bald pyramiden-, bald
kegel- und kegelstutzfrmigen, sowie auch sulenfrmigen, bis zu vier
Meter hohen, graulichweien Termitenhgel, welche sich in dem hohen
Grase freistehend oder sich oft an ein kleines, dichtes Gebsch
anlehnend, gleich Monumenten emporhoben.

Nachdem wir etwa weitere 11 Meilen zurckgelegt hatten, sahen wir
einen nur mit zwei Assagaien und einer Holzaxt bewehrten, mit einem
Lederschrzchen bekleideten Makalahari auf uns zukommen. Nach Wasser
befragt, erbot er sich unsere Thiere zu einem etwa drei Meilen
entfernten Tmpel zu fhren. Unterdessen lie ich unser Nachtlager
aufschlagen.

Hundegebell schreckte mich aus dem Schlafe auf; aus dem Wagen
hervortretend, fand ich mich zwei Eingebornen gegenber, die mich mit
einem Redeschwall in der Setschuana begrten, von dem ich nicht ein
einziges Wort verstehen konnte. Ich weckte Pit und erfuhr von ihm, da
ich zwei Bamangwato's, beide Unterthanen Sekhomo's, vor mir habe, wovon
einer des Knigs Abgesandter, eine Art Polizist, und der zweite ein
betrbter Vater sei, der seinen entlaufenen Sohn, den er Kind
titulirte, suche. Der Ungehorsame, der sich schon die mnnlichen
Sandalen zu tragen berechtigt glaubte, hatte Schoschong und den Seinen
heimlich Valet gesagt und sich dann am vorigen Tage einem
vorberziehenden Hndler als Diener verdungen. Der besagte Vater frug
nun, ob und wo wir sein Kind und den Weien gesehen, dem es
nachgelaufen, er msse es zurckbringen, zu welchem Zwecke er den mit
einer Donnerbchse bewaffneten Vertreter der Behrde mitgenommen.
Nachdem sie den gewnschten Bescheid erhalten, verlieen uns die
Verfolger raschen Schrittes. Einige Tage spter, als ich bereits in
Schoschong weilte, kam ein ltlicher Mann mit einem etwa
vierzehnjhrigen Jungen zu mir, mich freundlich und im vertraulichen
Tone begrend. Pit kam meinem Gedchtnisse zu Hilfe. Erkennst Du ihn
nicht, Herr? warf mein Griqua ein. Es ist der Alte, der jene Nacht an
uns vorbeirannte, um sein entflohenes Kind zu suchen. Das ist das Kind,
er kommt es Dir zu zeigen.

[Illustration: Bamangwatoknabe.]

Der 6. Jnner war wieder ein durch mancherlei Unflle ausgefllter Tag.
Kaum hatte ich mich von einem Stoe erholt, den mir eines unserer
unbndigen Zugthiere versetzte, als mich Monkey in den Daumen bi, da
ich eben daran war, die durch Sturm und Regen beschdigte Deckleinwand
des Wagens in Stand zu setzen. Spt Nachmittags begegneten wir auf die
Jagd ziehenden Bamangwato's, welche uns auf die Nhe der Stadt
Schoschong aufmerksam machten.

Nach einer 1stndigen Fahrt langten wir in dem groen, flachen Thale
eines Flusses, in den sich zur Regenzeit der Schoschon als linkes
Nebenflchen ergiet und bei den Feldern der Bamangwato's an. Dieses
Thal scheidet die Bamangwatohhen in eine nrdliche und eine sdliche
Partie, von welchen die sdliche durch einige Hhenketten charakterisirt
wird, welche ihrerseits wieder durch Querthler untereinander getrennt
werden. Die nrdliche Partie bildet ein sehr interessantes, von
zahlreichen Parallel- und Querthlern durchzogenes Hhennetz, von denen
das des Schoschon- und Unicorn-Flusses zu den bedeutendsten gehren;
Hochplateaus auf den abgeflachten Hhen, kegelfrmige kleine Kuppen,
die hie und da aus diesem emporsteigen und aus groen Blcken
gebildet werden, Felsenthore etc. charakterisiren das nrdliche
Bamangwato-Hhennetz. Mit dem schon erwhnten Hhenrcken am Limpopo und
durch diesen mit dem Central-Gebirgsknoten im Marico-District sind die
Bamangwatohhen durch einige kegelfrmige Berge verbunden; die nrdliche
Partie der Bamangwatohhen hngt durch die Tschopokette mit dem
nrdlichen Central-Gebirgsknoten des Matabele-Reiches zusammen. Dieses
fr die Geschichte der Bamangwato's bedeutende Thal--die wichtigsten
geschichtlichen Episoden dieses Stammes spielten sich darinnen
ab--erlaubte ich mir Franz Josef-Thal, sowie den hchsten Punkt des
Hhennetzes Franz Josef-Kuppe zu benennen.

Ich zog am 8. Jnner zum ersten Male in Schoschong ein. Da meine
Provisionen sehr abgenommen hatten und ich nicht im Stande war, neue mit
barem Gelde zu erstehen, da ich ferner keinen Diener miethen konnte und
bestrebt sein mute, mich in drei Monaten auch wieder in den
Diamantenfeldern einzufinden, um bei meinen frheren Kranken nicht
vollkommen in Vergessenheit zu gerathen und die Mittel fr die dritte,
_die eigentliche Reise_ zu gewinnen, so wurde Schoschong der _fernste
nrdliche Punkt_ meiner zweiten Versuchsreise und ich wandte mich von
hier nach einem lngeren Aufenthalte, den ich im Folgenden nher
beschreiben will, wieder nach dem Sden.




XII.

Von Schoschong zurck nach den Central-Diggings

Lage und Bedeutung Schoschongs.--Unser Empfang daselbst.--Rev. Mackenzie
und die Mission der London Missionary Society.--Geschichte der
Bamangwato's und ihres Reiches.--Sekhomo und Khama.--Sekhomo's
Rath.--Sitten und Gebruche der Betschuana (Schlu).--Die Circumcision
und Boguera.--Die Kotla in Schoschong.--Die Breiprobe.--Aufbruch von
Schoschong.--Das Fasanhuhn.--Khama's Salzsee.--Elephantenspuren.--Die
Buffadder.--Die Dornfelder im Limpopothale.--Ein Lwe und die
Hundemeute.--Ein seltener Anblick.--Zu Tode erkrankt.--Tschune-Tschune.
--Die Dwarsberge und der Schweinfurth-Pa.--Brackfontein.--Eine
Sonderbare Elephantenjagd.--Linokana.--Rev. Jensen und die
Hermannsburger Mission.--Die Baharutse und Ihr Ackerbau.--Zeerust und
der Marico-District.--Das Hooge Velt.--Potschefstroom.--Die
Elephantenjger David Jackob und Biljeon.--Die Quarzitwlle am
Klip-Port.--Trennung von meinen Gefhrten.--Ankunft in Dutoitspan.


Die wichtigste Stadt der unabhngigen Eingebornenreiche im Innern
Sd-Afrika's ist unstreitig der Hauptort der stlichen Bamangwato:
Schoschong. Im Hauptthale der interessanten, nach dem sie bewohnenden
Stamme benannten Hhen zieht sich das nur nach den sommerlichen
Regengssen gefllte Bett eines unbedeutenden Flchens, das von Norden
her aus einer an der Mndung ziemlich breiten Felsenschlucht ein auch
nur periodisch flieendes, zur Regenzeit jedoch hochangeschwollenes
Bchlein Schoschon aufnimmt und an dem die Stadt gelegen ist; daher
auch der Name Schoschong, der Ablativ von Schoschon (am Flusse
liegend).

Schoschong war vor etwa zehn Jahren, bevor noch die Kmpfe zwischen den
einzelnen Gliedern der kniglichen Familie ausgebrochen waren, die
bevlkertste Stadt in den unabhngigen Betschuanalndern. In diesen, den
Lndern der Batlapinen, Barolongen, Banaquaketsen, Bakwena, der
stlichen und westlichen Bamangwato, in denen die Hauptmacht des
regierenden Stammes gewhnlich in der jeweiligen Hauptstadt concentrirt
ist, nahm Schoschong als eine der lteren Stdte mit seiner
Bevlkerungszahl von 30.000 Seelen den ersten Rang ein, gegenwrtig
zhlt die Stadt kaum mehr als ein Fnftel der einstigen Bevlkerung.
Diese Abnahme ist namentlich Sekhomo's Werk, der zur Zeit meines ersten
Besuches die stlichen Bamangwato beherrschte, er ist es, der nicht
allein den Brgerkrieg entfachte, durch welchen viele Bewohner das Leben
verloren, sondern auch eine Spaltung des Stammes und die Auswanderung
der Makalaka hervorrief. Unter dem gegenwrtigen Regime des besten der
Betschuana-Herrscher erholt sich die Stadt augenscheinlich und wenn das
Land nicht in den nchsten Jahren durch einen feindlichen Einfall der
Zulu-Matabele leidet, wird es wie frher seinen Vorrang unter den
Eingebornenreichen im Innern Sd-Afrika's erringen. Fr den Weien, sei
er Forscher, Hndler oder Jger, war es von jeher ein Ort von hchster
Wichtigkeit und wird es auch bleiben, und zwar aus folgenden Grnden:

In die vier sdlichen Betschuana-Knigreiche fhren drei Wege: vom
West-Griaqualande, vom Oranje-Freistaate und dem Transvaalstaate; diese
vereinigen sich nach Norden zu in der Stadt Schoschong und von hier
verzweigt sich wieder die Route nach Norden zum Zambesi, nach Nordosten
zu dem Matabele- und Maschona-Lande, und nach dem Gebiete der westlichen
(Ngami-See) Bamangwato und endlich zum Damaralande nach Nordwesten, so
da ein Besuch dieser Lnder oder des nrdlichen Theiles Sd-Afrika's,
sowie das Vordringen nach Central-Afrika vom Sden her, von der Aufnahme
der Weien von Seite des Knigs Khama, des Sohnes Sekhomo's, abhngt.

Das erwhnte Hauptthal in dem Hochlande der Bamangwato ist 4-6 englische
Meilen breit, mit Gras und Bschen bewachsen, ein Theil ist cultivirt
und an der Vereinigung mit der Schoschong-Schlucht erblickt das Auge des
Reisenden einige hundert dunkelgraue, kegelfrmige Strohdcher, welche
die niedrigen cylindrischen, etwa 2 Meter hohen und 3-3 Meter im
Durchmesser enthaltenden Htten bedecken. Hie und da ist eines von den
rauhen, dunkelgrnen Blttern der Kaleba-Krbisse berrankt.

Bevor wir jedoch aus Sden kommend die Stadt betreten, finden wir etwa
600 Schritte vor derselben das aus drei Gehften und fnf einzeln
stehenden, theils im Style der Bamangwatohtten, doch grtentheils im
europischen Style aus gebrannten Ziegelsteinen erbauten und mit
Giebeldchern versehenen Husern bestehende, weie oder
Hndler-Viertel, in dem englische Hndler einen Theil des Jahres
wohnen, um mit den Eingebornen zu verkehren, und auch, wie es frher der
Fall war, um den in das Innere ziehenden Jgern die nthigen Bedrfnisse
vorzustrecken, welche Darlehen von den Jgern nach ihrer Rckkehr mit
Elfenbein und Strauenfedern zurckerstattet wurden. Das wichtigste
Handels-Etablissement war das der Herren Francis und Clark, welche
jedoch wie alle Binnenhndler in den letzten Jahren groe Verluste
erlitten. Bisher verwehrte es der Knig den Weien, sich an Ort und
Stelle ein Grundstck kuflich zu erwerben, er berlie ihnen jedoch
whrend der Zeit ihres Aufenthaltes dasselbe unentgeltlich. Nachdem wir
die zerstreuten Gehfte der Weien passirt, um zu dem Labyrinthe der
Betschuanahtten zu gelangen, betraten wir die Stadt, in der mir
zahllose verlassene Gehfte auffielen. An einigen wurden Verbesserungen
vorgenommen. Hier sahen wir Frauen mit Hilfe der bloen Hand die in den
Boden etwa einen Fu tief eingerammten, armdicken, knorrigen und mit
Grasstricken aneinander befestigten, eine cylindrische, fnf bis sechs
Fu hohe Wand bildenden Pfhle berschmieren. Das Material hiezu
bereiten einige Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren, welche bis
auf eine etwa handbreite, aus Glasperlen oder Sternchenschnren
gearbeitete Schrze jeder Bekleidung entbehrend, in einer migen
Vertiefung den rothen Lehmboden unter einem monotonen Gesange stampfen,
was ihnen ebenso Freude bereitet, wie es den Mttern das notwendige
Baumaterial verschafft. Eine alte Frau, die mit ihren dnnen Gliedern
und der vertrockneten, pergamentartigen Haut mehr einer wandelnden Mumie
hnelt und in ihrem Aussehen der Sorgfalt ihrer Kinder kein gutes
Zeugni gibt, sitzt nahe an der Grube und schttet langsam aus den an
sie herangestellten Tpfen dem Anwurfsmateriale Wasser zu. Dort klettern
wieder einige Frauen auf den eben mit frischgetrockneten und in
Bndelchen angelegten, grasbedeckten Dchern herum, um sie theilweise zu
gltten, die widerspenstig hervorragenden Halme herauszuziehen, andere
das Dach mit dnnen Grasschnren der Lnge und Breite nach zu
berziehen. An den Pfaden, in den Hfchen, doch meistens am Zaune, haben
sich neugierige Frauen postirt, die ihre Suglinge auf dem Arm und
berdies noch einen Haufen kleiner, nackter Kinder um sich geschaart,
lachend den fremden Makoa (Weien) anstaunen und ihre Meinungen ber
denselben austauschen. Der Hals ist mit zahllosen, dunkelblauen groen
Glasperlen, die in Schnren aneinander gereiht sind, bedeckt, die Brust
entblt--blos hie und da bedeckt ein Cattunrckchen und ein Wolltuch
(meist roth und schwarz carrirt) den Krper, der Unterkrper ist meist
mit einer bis an die Knie oder bis zu den Kncheln reichenden Carosse
verhllt. Nach einer Stunde haben wir uns aus dem Labyrinthe
herausgearbeitet und treten in die eigentliche Schlucht ein, die etwa
400 Schritte breit, sich nach 1000 Schritten allmlig zu einem
Felsenthore einengt. Wenn wir gegen dasselbe hinblicken, so scheint es,
als wenn hier die Schlucht ihren Abschlu finden mchte; dem ist aber
nicht so, es ist nur die westliche steile Wand der Felsenenge, welche in
ihrer Wendung nach Osten sich bis an die von zerrissenen Felsblcken
(der sogenannten Affenburg) gekrnte Ostwand vorschiebt; wie die
Geschichte der Stadt es beweist, ist diese Felsenge fr den Besitz
derselben von der grten Wichtigkeit.

[Illustration: Frauenschrzen der Bamangwato's.]

[Illustration: Bamangwatohtten in Schoschong.]

Auf unserem Wege durch die Schlucht, nach den vor diesem Felsenthore je
an einem Abhange erbauten steinernen Missionsgebuden, sehen wir den zur
Rechten durch drei Husergruppen gebildeten mittleren Stadttheil,
whrend der hintere eine halbe Stunde jenseits der Felsenenge in einem
Felsenbecken erbaut ist.

[Illustration: Kotla in Schoschong.]

An der steilen Berglehne zur Linken (unbedeutend hoch ber dem
Flubette) sieht man Ruinen eines europischen Huschens, es sind die
Ueberreste der Hermannsburger Missionskirche, die nach dem Scheiden der
Hermannsburger Mission von Schoschong, wo sie der Londoner
Missions-Gesellschaft Raum machte, verfiel, bis sie in einem der Kmpfe
als ein Bollwerk bentzt, und bis auf die lehmigen Mauern zerstrt
wurde.

Das Missionsgebude an der rechten Felsenwand ist wohnlicher und stellt
ein groes Gehfte dar, in dem sich auch die Schule und die Wohnungen
fr die verheirateten, schwarzen Seminaristen und die Kirche befinden.
Zur Zeit meines ersten Besuches in Schoschong wohnte hier als Prediger
einer der edelsten Mnner, die ich in Afrika kennen gelernt, Rev.
Mackenzie, der seit 1876 mit dem Seminar nach Kuruman bersiedelte.
Seine Stelle wurde nicht ersetzt, in dem anderen Hause wohnt bis heute
noch Rev. Hephrun.

[Illustration: Bamangwatohaus.]

Von dem Herrn des Hauses freundlichst aufgenommen, wurden wir von seiner
Frau Gemahlin mit einer Tasse Thee und einer Brotschnitte bewirthet und
brachen sodann in seiner Begleitung wieder nach der Stadt auf, um den
Knig, der schon in der Kotla Platz genommen, zu begren. Aus dem engen
Felsenthore, unter der vorerwhnten Affenburg strmt ein frmlicher Zug
von Frauen, manche wieder lenken in die Schlucht ein--andere kommen von
den im mittleren Drittel der Schlucht entspringenden Quellen, um Wasser
zu holen oder eilen zu ihnen hin. Sie haben die rauhgar gegerbten Felle,
Carossen (mit den Haaren nach innen) toga-artig um den Leib geschlungen;
die Rechte hngt heraus oder hlt das am Kopfe getragene Thongef. Sie
verstehen sich darauf, diese irdenen, wenn auch noch so schweren Tpfe
ber den sehr steinigen Weg hin, sehr gut zu balanciren. Die Carossen
sind reichlich mit einfachen aus Glasperlen und Riemchen verfertigten
Zierraten geschmckt, die Waden mit Wadenringen (Glasperlen und
Messingdraht) bedeckt, die Unterschenkelbildung vollkommen verunstaltend
und verhllend.

Auf unserem Wege nach des Knigs Htten, welche um die Kotla, d.h. den
Berathungsplatz der conservativen Betschuana's, erbaut sind, haben wir
Gelegenheit zu beobachten, wie freundlich unser Begleiter von Alt und
Jung von den Vorbergehenden mit Rumela oder einem Hutlften gegrt
wird. Die Kotla ist ein kreisfrmiger, von 10 bis 30 Centimeter im
Durchmesser starken Baumstmmen umfriedeter, ebener Raum, welcher nach
Sden einen Ausgang in eine kleinere Umfriedung und nach Norden einen
Eingang hat. Die zweite Einfriedung ist des Knigs Rindviehkraal, d.h.
eine Umzunung, in welcher die Milchkhe oder Schlachtthiere zur
Nachtzeit untergebracht werden, whrend die Pferde in der Kotla
bernachten knnen. Der Eingang zu diesen beiden Rumen wird in der
Nacht mit Holzpfhlen geschlossen. Zur Kriegszeit wird Nachts in der
Kotla ein hellloderndes Feuer unterhalten.

Schoschong, frher der Sitz eines Hermannsburger Missionrs, ist
gegenwrtig eine Station der London Missionary Society. Zur Zeit meines
ersten Besuches (1874) standen derselben Rev. J. Mackenzie (der Autor
des Werkes Ten Years north of the Orange-River) und Hephrun vor. Ihre
Amtsbrder in Molopolole hatten mir die Post fr Schoschong mit auf den
Weg gegeben, und mich damit an Rev. Mackenzie gewiesen. Seine
freundliche Aufnahme, sein hchst freundliches und anspruchsloses
Betragen whrend meines ersten Aufenthaltes in Schoschong, seine
freundschaftliche Zuvorkommenheit whrend meines zweiten Besuches und
seine wahrhaft brderliche Sorgfalt, die er mir angedeihen lie, als ich
mittellos und krank von der dritten Reise zurckkehrte, haben mich oft
alle Mh- und Drangsale meiner Laufbahn vergessen lassen, mich mit
innerstem Danke gegen diesen wahren Apostel des Friedens erfllt und
mich seinen anhnglichsten und wrmsten Freund werden lassen. Ich
erflle eine der angenehmsten Pflichten, indem ich auch an dieser Stelle
meinem Dankgefhle Ausdruck gebe.

Rev. John Mackenzie, ein Ehrenmann im vollsten Sinne des Wortes,
bekleidete als Missionr in Schoschong angesichts der steten Kmpfe in
der kniglichen Familie der stlichen Bamangwato eine der schwierigsten
Stellen in Sd-Afrika, doch wie geschaffen fr den Posten wirkte er mit
der grten Umsicht als Vermittler zwischen den einzelnen Parteien; mit
seltener Klugheit und tiefem Mitgefhl fr das Edle und Gute begabt,
wute er jeden Conflict zwischen den einzelnen Stmmen in Gte zu
schlichten und den Sinn fr Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu wecken.
Wenn heute Khama, der Sohn Sekhomo's, als der beste Herrscher unter den
Eingebogen Sd-Afrika's anerkannt wird, so ist dies das Werk Rev.
Mackenzie's. Ich verdanke ihm vielfache Aufklrungen und Mittheilungen
ber die Geschichte und die Gebruche der Betschuana's, deren Treue ich
in mehrfacher Hinsicht durch eigene, sptere Forschungen besttigt fand.

Ich lagerte mit meinem Wagen am Sdostende der Stadt und war bald von
einem Haufen Neugieriger umringt. Da es Herr Mackenzie fr angezeigt
hielt, baldigst Sekhomo's, des Knigs, Bekanntschaft zu machen, so begab
er sich mit mir zu ihm und bald saen wir dem alten Manne auf kleinen
Sthlen in der Kotla gegenber. Von seiner bettelhaften Zudringlichkeit
abgesehen, konnte ich mich whrend meines kurzen Aufenthaltes in
Schoschong ber Sekhomo's Betragen nicht beklagen. Mehr als von
Mittelgre, etwas beleibt, unterschied er sich durch nichts von den
Umsitzenden, sein Auftreten lie den Beherrscher eines so groen
Gebietes kaum vermuthen. Ein kleiner Lederlappen war um seine Lenden
geschlungen, ein Ledermntelchen hing um die Schultern. Dieses ist in
der Regel bei den stlichen Bamangwato's aus Hartebeest-Fell gearbeitet,
bis auf fnf Stellen (siehe die Illustration) glattgar gegerbt, mit
einem aus dem Felle der Sbelantilope geschnittenen schwarzen Ringe
(oder zuweilen ohne denselben) nahe an der unteren Ecke verziert und
oben am Halsrande mit aus Glasperlen etc. gearbeiteten Verzierungen
behangen. Nach einigen gewechselten und durch Herrn Mackenzie
verdolmetschten Phrasen schied ich aus der Kotla, um meinen Besuch
nchsten Tages zu wiederholen.

Ich will nun, bevor ich zu meinem persnlichen Verkehr mit Sekhomo und
seinen Bamangwato's bergehe, einige wichtige Episoden aus der
Geschichte des Bamangwato-Reiches anfhren.

Nach den von meinem Freunde Mackenzie gesammelten Traditionen stammen
die Bamangwato von den Banquaketse ab. Wie schon erwhnt, theilten sich
die Baharutse in mehrere Unterabtheilungen und wanderten von den
gemeinsamen Stammsitzen aus; eine dieser Unterabtheilungen theilte sich
spter wieder in zwei Stmme, die Banquaketse und die Bakwena, von
welchem ersteren endlich die Bamangwato's sich als der schwchere Theil
loslsten und die Gebiete nrdlich der Bakwena's bis an den Zambesi und
Tschobe besetzten. Zur Zeit Matipis, des Urgrovaters Sekhomo's, fand
eine neuerliche Theilung der Bamangwato's statt, welcher die beiden
Bamangwato-Reiche (das westliche am Ngami-See und das stliche zu
Schoschong) ihre Existenz verdanken.

Der Stifter des ersteren war Towane, der jngere der beiden Shne
Matipi's, Khama blieb in den Bamangwato-Hhen. Towane behandelte den mit
ihm ziehenden greisen Vater so schlecht, da dieser wieder zu Khama
seine Zuflucht nahm. Khama lie ihn zwar im Lande, verbot ihm aber die
Stadt zu betreten; ber diesen schnden Undank seiner beiden Shne brach
dem alten Manne das Herz und er nahm sich das Leben. Seine Grabstelle
wird noch bis jetzt von den Bamangwato's in hohen Ehren gehalten.

Der Gerechtere unter den sieben Bamangwato-Herrschern, deren Namen uns
die Tradition nennt, war Khari, von ihm heit es, da er muthig und
kriegerisch war, klug, wenn er in der Kotla sprach, und milde mit den
Makalahari, den Madenassana und Masarwa's, den Unterjochten im Reiche.
Er war auch von den Nachbarvlkern so geachtet, da viele, wie die
Makalaka's und einige weiter stlich wohnende Maschona's an ihn
freiwillig Tribut zahlten. Leider wird auch hier an den
Betschuana-Frsten der Historiker eine ihm so wohlbekannte Erscheinung
zu beobachten haben. Der Mchtige, im eigenen Lande Hochgeehrte, bei den
Nachbarn Geachtete und von seinen Feinden Gefrchtete wollte noch hher
steigen. Dieser Versuch fhrte aber seinen Fall herbei. Einen der
sdlicheren kleineren Maschona-Huptlinge angreifend, fiel er mit dem
Kerne seiner Truppen in einen Hinterhalt, in dem er mit seinem
Unterhuptling den Tod fand, whrend die Bamangwato-Armee beinahe
vollkommen aufgerieben wurde und in Folge dieser Niederlage im Lande
allgemeine Anarchie einri. Die Maschona's, welche die Kampfweise der
Bamangwato kennen gelernt hatten, theilten ihre Armee in zwei Theile.
Die jngeren Regimenter (die jungen Soldaten) muten den anrckenden
Feinden entgegengehen und ihn angreifen, dann zurckweichen, die Flucht
fingiren, whrend inzwischen die alten Regimenter die feindliche Armee
nach Zulu-Art zu umzingeln hatten. Der Plan gelang vollstndig. Die
angreifenden Maschona's nahmen Reiaus, kehrten sich jedoch gegen ihre
Verfolger und stachen sie nieder, whrend die Hauptmacht der Ersteren
Khari und sein Gefolge, die sorglos der scheinbar siegenden Vorhut
folgten, angriff und niedermetzelte. Die in der Hauptstadt des Landes
und hie und da im Lande zurckgebliebenen Huptlinge hoben nun die Shne
des Khari auf den Schild; bevor es inde noch zum Brgerkriege kam,
wurde das Land von dem aus den Oranje-River-Gegenden ausgewanderten und
von Sebituane angefhrten Basutostamme der Makololo besetzt, whrend
die Hinterbliebenen des Knigs als Gefangene nach Norden mitgeschleppt
wurden, wohin die Makololo's zogen, um sich am Tschobe eine neue Heimat
zu grnden. Im sdlichen Theile des Mababifeldes gelang es den
Gefangenen zu entfliehen und Sekhomo, der lteste Sohn Khari's, obwohl
nach dem Gesetze von der Thronfolge ausgeschlossen, da er nicht ein Kind
des ersten Weibes seines Vaters war, durcheilte das Land, um die
Zerstreuten zu sammeln und sich Vasallen zu sichern. In einem der
folgenden Kmpfe mit den Makololo's gelang es ihm nicht nur den Angriff
derselben erfolgreich abzuwehren, sondern auch ein Reservecorps der
Makololo's in einem Engpasse der Bamangwato-Hhen (Unicornpa)
vollkommen aufzureiben. Dieser Sieg gewann ihm die Untersttzung der
meisten Huptlinge des Landes. Der eigentliche Thronerbe und Stiefbruder
ward auf sein Anstiften von den Letzteren getdtet. Sein Bruder
Matscheng wurde von der Knigin (seiner Mutter) durch Flucht vor einem
hnlichen Schicksale bewahrt.

[Illustration: Sekhomo und sein Rath.]

Der Sieg der Bamangwato's ber die Makololo's blieb nicht lange
vereinzelt, bald waren sie so erstarkt, da sie auch den Matabele-Zulu's
erfolgreich Widerstand leisten konnten, welche seit 30 Jahren jhrlich
nach den Betschuanalndern kamen, um zu morden, zu plndern und zu
rauben. Ja es gelang ihnen sogar, den Matabele das geraubte Vieh
abzujagen und viele derselben niederzumachen. Dieser Waffenerfolg der
Bamangwato schchterte den Matabele-Knig Moselikatse etwas ein und
hatte zur Folge, da die stlichen Bamangwato lngere Zeit von den
Belstigungen der Matabele verschont blieben. Ein spterer Versuch
Moselikatse's einen Raubzug nach dem Lande der Bamangwato zu
unternehmen, hatte ein klgliches Ende. Moselikatse sandte 40
Zulukrieger zu Sekhomo ab, um von ihm Tribut zu fordern. Sekhomo lie
die Seinen sich heimlich rsten und die Abgesandten niedermetzeln. Seit
diesem Vorfalle wagte es Moselikatse 20 Jahre hindurch nicht, die
Bamangwato's zu beunruhigen, so da diese sogar ihre Viehheerden bis
gegen den Matliutse vorschoben. Im Mrz 1862 jedoch erneuerte er, durch
einen zu ihm geflchteten Bamangwato-Unterhuptling, Kirekilwe, dazu
bewogen, den Angriff. Die am Matliutse und Serule Vieh htenden
Makalahari wurden getdtet, ein Dorf der Maschwapong in den stlichen
Bamangwato-Hhen zerstrt. Nur zwei Mnner konnten als Ueberlebende des
Dorfes die Nachricht nach Schoschong (der von Sekhomo gewhlten
Residenz) bringen. Seine Shne Khama und Khamane brachen nun auf, um
diesen Einfall zu rchen; sie griffen die Matabele an, schlugen zwei
Haufen zurck, wurden jedoch von einem dritten, der auf einem Raubzuge
begriffen, durch das Schieen angelockt wurde, im Rcken angegriffen und
hatten Mhe, nachdem sie etwa 40 Matabele getdtet und dabei 20 der
Ihrigen verloren, Schoschong wieder zu gewinnen.

Die Matabele kamen nur bis in das Franz Josef-Thal und nherten sich den
die Schoschon-Schlucht und Schoschong beherrschenden und von den
Bamangwato's vertheidigten Hhen bis auf Schuweite. Sie zerstrten die
Felder und da sie aus guten Grnden das Eindringen in die Schlucht
vermeiden wollten, machten sie mehrere, jedoch erfolglose, Versuche, die
Bamangwato's zum Kampfe in der Ebene zu verleiten. Sie verlieen endlich
das Franz Josef-Thal und zogen heim, die geraubten Heerden mit sich
fhrend, die ihnen Sekhomo inde zwei Wochen spter wieder abjagte.

Seit diesen Erfolgen mehrte sich das Ansehen der Bamangwato, da die
Matabele als die tapfersten Krieger angesehen wurden; aus dem
Matabelelande kamen Makalaka, Batalowta, Mapaleng, Maownatlala und
Baharutse als Flchtlinge und baten um die Erlaubni, sich an den
Bamangwato-Hhen niederlassen zu drfen. Ich erwhnte, da der
Stiefbruder Sekhomo's, Matscheng, mit seiner Mutter zu den Bakwena's
geflohen war. Hier wurde er von den auf einem Raubzuge befindlichen
Matabele's gefangen, doch befreit, fiel aber bei dem nchsten Raubzuge
denselben Matabele's wieder in die Hnde und wurde von diesen als
gemeiner Soldat Le-chaga aufgezogen.

Seschele, der schon lngst seine angeblichen Anrechte auf die
Bamangwato's (da sie von den Banquaketse's abstammten) geltend machen
wollte, sich jedoch offen aufzutreten zu schwach fhlte, suchte im
Geheimen die Bamangwato's fr Matscheng, ihren rechtmigen Herrscher zu
gewinnen, was ihm auch theilweise gelang. Durch Dr. Mossat's Einflu
wurde der Gefangene im Matabeleland freigelassen und von Seschele mit
Pomp empfangen, was diesem in Schoschong zu solchem Ansehen verhalf, da
er als sich Tschukuru (nchst Sekhomo der erste Mann im Lande) fr ihn
erklrte, als Knig in Schoschong einziehen konnte. Seschele wurde fr
seine Hilfe mit Elfenbein und Strauenfedern bezahlt.

Sekhomo flchtete nun zu Seschele, wo er mit offenen Armen aufgenommen
wurde. Matscheng behauptete sich jedoch nicht lange in Schoschong; er
war als Matabele-Krieger aufgezogen worden und wollte den Despotismus
derselben unter den conservativen Bamangwato's einfhren, die von ihm
begangenen Uebergriffe und Grausamkeiten kosteten ihm bald den Thron.
Tschukuru war der erste, der sich gegen ihn auflehnte und mit Seschele's
Hilfe, Sekhomo wieder auf den Thron brachte. Der flchtige Matscheng
aber wurde wieder von Seschele auf das Freundlichste aufgenommen. Dies
geschah im Jahre 1859, also vor dem letzterwhnten Angriffe der Matabele
auf die Bamangwato.

Von Interesse ist es vielleicht zu hren, da, obgleich Matscheng als
Stiefbruder Sekhomo's, Khari's Sohn genannt wurde, er thatschlich nicht
dessen Sohn war. Seine Mutter war die erklrte Knigin und deshalb war
Matscheng, obwohl einige Jahre nach Khari's Tode geboren, legal, whrend
Sekhomo, obwohl Khari's Sohn, aber von einem Weibe zweiten Ranges
geboren, als illegal angesehen wurde.

Im Jahre 1864 vereitelte Sekhomo den bereits erwhnten Angriff
Seschele's auf Schoschong. Als im Jahre 1865 die Boguera in Schoschong
gefeiert wurde und Sekhomo seine beiden Shne, Khama und Khamane, nicht
unter den gestellten Knaben und Jnglingen gewahrte, wurde der Knig
so wthend, da er dieselben ein volles Jahr durch Moloi's bezaubern
lie, allein mit keinem anderen Erfolge, als beiden die Sympathien der
jungen Regimenter zuzuwenden.

Der Ha Sekhomo's mehrte sich noch, als Khama, ein Schwiegersohn
Tschukuru's, sein ihm von dem Prediger angetrautes Weib der Boguera
nicht unterwerfen wollte, was Sekhomo den alten Gebruchen gem
forderte, wenn sie von Rechtswegen Knigin werden sollte. Sekhomo wollte
heimlich Tschukuru tdten; unter den Bamangwato's wagte er es jedoch
nicht, die Mrder zu suchen und auch von den Matabele-Flchtlingen
wollte keiner die That auf sich nehmen. Im Jahre darauf, nachdem Sekhomo
durch alle mglichen Mittel, Ueberredungen und Abschreckungen seinen
Shnen viele Freunde abwendig gemacht zu haben glaubte, unternahm er
whrend einer Nacht einen Angriff auf die Htten der Beiden. Er lie
heimlich seine Getreuesten versammeln und hie sie auf die Htten seiner
Shne losfeuern. Da jedoch Keiner dem Befehle Folge leisten wollte,
legte er selbst an, doch wurde ihm das Gewehr aus der Hand geschlagen.
Vergeltung befrchtend floh er nun zu seiner Mutter, doch seine Shne
verziehen ihm nicht allein, sondern setzten ihn wieder unter der
Bedingung als Knig ein, da er gegen sie und die christliche Gemeinde
kein neues Attentat versuchen drfe. Sekhomo versprach es, doch sein
Charakter war nicht darnach, einer neuen Versuchung, die Verhaten
verderben zu knnen, aus dem Wege zu gehen.

Schon kurze Zeit darauf sandte er zu Seschele, lud Matscheng zu sich, um
sich mit diesem gegen seine Shne zu verbinden. Im Mrz desselben Jahres
brachte Sekhomo einen zweiten Anschlag gegen seine Shne zur Ausfhrung,
diesmal gelang es ihm namentlich durch Versprechungen viele der
Bamangwato's zu gewinnen, so da Khama und Khamane mit ihrem Anhang sich
auf die Berge flchten muten, nachdem sie eine Belagerung in der
zerfallenen Kirche der Hermannsburger Mission ausgehalten hatten. Als
nach vierwchentlichem Kampfe Sekhomo noch immer kein Resultat sah,
sandte er um Makalahari und die Makalaka erstrmten die Tafelflche der
Hhe und belagerten von hier aus die auf dem, von der Tafelflche
emporsteigenden isolirten Felsenhgel sich verteidigenden Shne. Nach
achttgiger Belagerung ergab sich Khama mit seinem Anhange aus
Wassermangel auf Gnade und Ungnade, ohne jedoch persnlich zum
Heidenthume zurckzukehren. Sekhomo schenkte wohl seinem Sohne das
Leben, nicht aber seinen Getreuen, sie muten alle fliehen, und viele,
darunter auch Tschukuru, wurden gettet.

Schon im Monat Mai erschien Matscheng in Schoschong um abermals sein
Recht zu fordern. Khama und Khamane erklrten sich offen gegen den
Prtendenten, ohne jedoch zu den Waffen zu greifen. Sekhomo wurde jedoch
zuerst seines Stiefbruders berdrssig und sann auf neue List. Er
berief eine ffentliche Versammlung ein, wozu Matscheng und seine Shne
geladen waren, er wollte diese zuerst in die Kotla eintreten und selbe
dann umzingeln lassen, um sich so mit einem Schlage von allen seinen
Gegnern zu befreien. Allein wie immer erfuhr Khama diesen Anschlag und
warnte Matscheng; am Versammlungstage wuten es die Geladenen so
einzurichten, da sie die Letzten in die Kotla eintraten. Da sann
Sekhomo einen neuen Plan, doch die Seinen lieen ihn wieder im Stiche
und er mute fliehen. Matscheng ward nun zum zweiten Male erklrter
Herrscher der Bamangwato's.

Sekhomo flchtete sich zu den Manupi, im Lande der Banquaketse, dann zu
den Makhosi, wurde jedoch von hier auf Seschele's Befehl ausgetrieben
und floh zu Chatsitsive nach Kanja. Kaum fhlte sich jedoch Matscheng
alleiniger Herrscher der stlichen Bamangwato, so verfiel er in seine
alten Gelste und benahm sich wie ein Zulu-Usurpator. Den Einflu und
die steigende Macht Khama's und seines Anhanges trachtete er bei dem
Volke durch die Erklrung zu untergraben, da die Kirche eine dem Staate
feindliche Gewalt sei und versuchte das religise Pflichtgefhl der
christlichen Gemeinde auf jede Art zu verletzen. Der offene Ungehorsam,
der seinen diesbezglichen Befehlen entgegengesetzt wurde, bestrkte
Matscheng in seinem Streben, sich Khama's zu entledigen. Da dies mit
Waffengewalt nicht gut mglich war, blieb kein anderer Ausweg brig, als
die Moloi's herbeizuziehen; doch all' ihre anstrengende Arbeit blieb
wirkungslos, ebenso erfolglos war Matschengs Bestreben, zu diesem Zwecke
von einem weien Hndler Gift zu erhalten.

Matschengs Herrlichkeit nahm ein schnelles Ende. Whrend eines Besuches
bei Chatsitsive im Banquaketseland traf Khama den Knig Seschele,
welcher ihm Hilfstruppen lieferte, um Matscheng aus Schoschong zu
vertreiben. In einer im Franz Josef-Thale an der Mndung der
Schoschonger Schlucht gelieferten Schlacht, welche auch in taktischer
Hinsieht dadurch an Bedeutung gewann, da die unter Kuruman, dem Sohne
Moselikatse's, Fhrung stehenden Matabele's, die Verbndeten Matschengs,
zu Pferde fochten, wurde dieser geschlagen. Khama, der diesen Angriff
voraus sah, hatte seine in frheren Kmpfen erprobten Schtzen als
Tiralleurs vorrcken und hinter kleinen Bschen Posto fassen lassen und
dadurch die berittenen Matabele zur zerstreuten Fechtart gezwungen, in
welcher sie gegen die gedeckt stehenden Schtzen nicht aufkommen
konnten. Noch whrend der Schlacht fiel Kuruman von Matscheng ab und
trat den Rckzug nach dem Rustenburger District an. Matscheng und seine
Leute flohen in regelloser Flucht, nachdem sie das Haus des Hndlers
Drake geplndert hatten.

Seit jener Zeit lie sich der nach den Landesgesetzen rechtmige, doch
allgemein durch seine Handlungsweise verhate Herrscher der stlichen
Bamangwato nicht mehr in Schoschong blicken und zog zunchst nach den
Maschwapong-Hhen am mittleren Laufe des Limpopo (im stlichen
Bamangwatolande) und von Khamane aus diesem Zufluchtsorte vertrieben
spter nach dem Mabolo-Gebirge. Nach der Vertreibung Matschengs wurde
Khama der erklrte Knig der stlichen Bamangwato, und es schien, als ob
nun nach so vielen Fehden und nachdem die beiden Haupt-Unruhestifter
Matscheng und Sekhomo auer Land waren, Friede in demselben herrschen
sollte. Doch das gute, kindliche Herz Khama's brachte es trotz aller
bitteren Erfahrungen nicht ber sich, Sekhomo in der Verbannung zu
lassen; unter dem Versprechen Frieden zu halten, rief er ihn nach
Schoschong zurck. Doch es whrte nicht lange und Sekhomo begann
neuerdings zu whlen; zunchst versuchte er seine beiden Shne Khama und
Khamane zu entzweien, indem er das Matscheng abgenommene Vieh sowie ein
Dorf der Manansa, die im Albertslande (dem Hhenlande sdlich von den
Victoriafllen) wohnten, Khamane zusprach. Leider lie sich Khamane
verleiten; in der Hoffnung, einst den Thron zu besteigen, blieb er gegen
Khama's und die Vorstellungen meines Freundes Mackenzie taub, der eine
Verstndigung zwischen den beiden Brdern und dauernden Frieden im Lande
herbeifhren wollte.

[Illustration: Flucht auf die Berge.]

Khama wanderte hierauf mit dem grten Theile der Schoschonger
Bevlkerung aus, lie sich im Gebiete der westlichen Bamangwato am
Zuga-River nieder und erwarb sich hier unter den Batowana's groe
Achtung und Zuneigung. Doch seine Leute wurden durch die Fieber am
Zuga-River decimirt und so blieb Khama nichts brig, als an die Rckkehr
zu denken. Dies war der Zustand der Dinge, als ich in Schoschong
anlangte.

Meine nchste Sorge nach unserer Ankunft in Schoschong war die Ergnzung
meines Proviants, der bereits bedenklich zur Neige ging; es ging dies
schwerer als ich dachte, und nur durch die freundliche Vermittlung Rev.
Mackenzie's gelang es mir, den dringenden Bedarf zu decken. Aus eben
diesem Grunde mute ich auf die Ausfhrung meines Wunsches verzichten,
bis zum Zuga oder Botletle vorzudringen.

Schon am 9. stattete mir Sekhomo den ersten Gegenbesuch ab und ich hatte
anfangs das Vergngen, das sich bald in eine Plage umwandelte, den Knig
mit seinen Linjaka's, die wir aus nher zu erluternden Grnden den
Aasvogel-Rath nannten, tglich ein bis zweimal bei uns zu sehen. Der
Knig schttelte mir stets die Hand, whrend unterdessen sein
hollndisch redendes Factotum diese oder jene Bettelei vorbrachte. Er
stand in der Regel mit eingestemmten Armen vor mir, whrend der Rath in
einem Halbkreise um ihn herumhockte und seine Geberden nachahmte. Lachte
er, lachten die Aasvgel mit, eines Tages verbrannte er sich die Lippen
an dem heien Thee, den ich ihm anbot, auch diesmal beeilte sich der
versammelte Rath, die Gesichter zu verziehen und ihrem Bedauern Ausdruck
zu geben; ghnte seine Majestt, so blieben die alten Getreuen mit ihrer
Beisteuer nicht zurck und macht er sich auf den Heimweg, so erhob sich
einer nach dem andern, um dem Knig im Gnsemarsch zu folgen.

Am 11. wurde ich auf einen vorberfahrenden hollndischen Jger, Namens
Franz Vissasi, aufmerksam, der mit seiner Familie von der Jagd aus den
Zuga- und Mababi-Gegenden heimkehrte. Whrend seiner sechsmonatlichen
Abwesenheit hatte er in diesen 21 Elephanten und 15 Straue erlegt und
theilte mir zwei interessante Lwenabenteuer mit, bei welchen sich sein
kleiner Sohn recht heldenmtig betragen haben sollte; er nahm noch am
selben Tage meine Hilfe in Anspruch, da drei seiner Kinder an _Febris
intermittens_ darniederlagen.

Sekhomo's direkte Einnahmen betrugen nach einer Mittheilung Rev.
Mackenzie's 3000  St. und bestanden in Rindern, Elfenbein,
Strauenfedern, Huten und Carossen. Staatsausgaben waren unbekannt. Den
freien Bamangwato's blieb der Ertrag ihrer Viehheerden, die
minderwerthigen Strauenfedern, Thierfelle, sowie je ein Elfenbeinzahn
von jenen Thieren, die sie selbst oder ihre Vasallen fr sie erlegten.

Am 22. kamen zwei Boerwgen vom Marico-District an, welche verschiedene
Victualien zum Verkaufe brachten. An den folgenden Tagen besuchte ich
die Hhen, an denen ich einen Matabeleschdel fand und machte Ausflge
im Schoschonthal aufwrts, besuchte den am jenseitigen Ufer des
Schoschon-Flchens sich erhebenden pittoresken Monkey-Felsen, den
nchtlichen Sammelort der Paviane und bestieg einige der anliegenden
Hhen. Da wo sich das Thal ber dem Monkey-Felsen erweitert, lagen zwei
Drfer der hier als Flchtlinge lebenden Makalaka's und eines der
verlassenen Missionsgebude des Hermannsburger Predigers Herrn
Schukenberg. Ueber dem stlichen Dorf erhob sich ein isolirter
Tafelberg, auf dessen Kuppe die Pferde whrend der Herbstpneumonie-Zeit
mit gutem Erfolge gehalten wurden.

Unser Wagen war trotz des mit geringen Unterbrechungen herabstrmenden
Regens whrend der ganzen Dauer unseres Aufenthaltes stets von Besuchern
und Arbeitern umlagert, es entwickelte sich ein reger Verkehr, der nur
einmal durch einen kleinen Zwischenfall, den meine Zugthiere verschuldet
hatten, unterbrochen wurde. Die allgemeine Friedensstimmung und
gemchliche Ruhe der Bevlkerung wurde eines Tages pltzlich in
unerwarteter Weise durch die Nachricht gestrt, da feindliche Matabele
im Anzuge seien. Eine mir unerklrliche Panik ergriff nun die
Bevlkerung; der Knig eilte zu mir und lieh sich eines meiner Gewehre
aus--ich hatte die grte Mhe, es spter wieder zu erlangen--er zeigte
mir sein Palladium, ein aus einer Lwenklaue verfertigtes Amulet, das
ihn kugelfest machen sollte, und ordnete die Flucht der Bamangwato's auf
die Schoschong beherrschenden Hhen an. Die geringen Habseligkeiten
eiligst zusammenraffend, die widerspenstigen Rinder- und Schafheerden
vor sich hertreibend, floh Jung und Alt den Hhen zu. Die Bestrzung und
Verwirrung erreichte den hchsten Grad, als einige Mnner auf eine vor
der Stadt aufgescheuchte Hyne einige Schsse abfeuerten, man whnte die
Matabele schon an den Fersen zu haben.

Tags darauf traf ein Boer-Jger aus dem westlichen Matabelelande, ein
Sohn des berhmten Elephantenjgers Pit Jacobs, der am Tatiflusse
residirt, in Schoschong ein, der die Bevlkerung ber die vllige
Grundlosigkeit ihrer Aufregung aufklrte. Die Beschwichtigungen des
Jgers fanden inde keinen Glauben und selbst die Weien (Hndler)
trafen Anstalten zu ihrem Schutze. Rev. Mackenzie rieth mir, baldigst
abzureisen, da mir, wenn nicht persnlich, so doch meiner Habe Gefahr
drohen konnte.

Als Sekhomo hrte, da ich abreisen wollte, klagte er ber den Schmerz,
den ihm mein Entschlu bereite, nannte uns seine Freunde und bat uns,
ihn in dieser Bedrngni nicht zu verlassen. Ich gab ihm fr eine seiner
sieben Frauen ein blaues Wollkleid als Abschiedsgeschenk, das er mit
einem Bschel grauer Strauenfedern erwiderte.

In keiner anderen der auf dieser Reise berhrten Eingebornenstdte war
es mir vergnnt, eine hnliche Menge der mannigfachsten ethnographischen
Objecte zu gewinnen, als eben hier; was ich noch an Gtern im Wagen
hatte, tauschte ich leider zum sichtlichen Mibehagen der hier
ansssigen Hndler fr Arbeiten der Eingebornen aus. Ich erstand
zahlreiche Assagaie, Schlachtbeile und einige Dolche und Messer, Kiri's
und Stcke, hlzerne Kopfpolster, Tpfe und Pfannen, hlzerne Lffel,
aus verschiedenem Material gearbeitete Wrfel (Zauber- und
Doctorwerkzeuge), die verschiedenartigsten Schnupftabaksdosen,
Krbigefe, Toiletteartikel und Carosse-Verzierungen, Schrzen und
Mtzen, Puppen und aus Thon gearbeitete Spielsachen. Zu den wichtigsten
von mir erworbenen Gegenstnden gehrten Sekhomo's Regen- und
Kriegstrommel, ein aus Elfenbein gearbeiteter kleiner Fetisch, Kiri's
aus Rhinoceros-Horn etc., auch fehlten Pfeifen nicht. Ich tauschte viele
Pallah- (Antilopen-) Leoparden-, Luchs-, Caracal-Felle etc. aus und lie
mir daraus gegen Bezahlung Carossen verfertigen. Bis auf kleine
Unterscheidungs-Merkmale gleichen die Arbeiten der Bamangwato's denen
aller brigen Betschuanastmme. Die Bauart der Htten gleicht der bei
den Barolongen blichen, die Htten selbst sind nur kleiner und leichter
gebaut, hingegen traf ich in ihrer Gre unbertroffene Korngefe aus
ungebranntem Thon. Nicht minder zahlreich als meine ethnographischen
Acquisitionen waren die naturhistorischen.[1]

    1: Unter den Eidechsen zeichnet sich eine schne, metallisch in
    Braun, Dunkelgrn und Blau glnzende, leicht gestreifte, mitunter
    auch streifenlose Art durch ihre Hufigkeit und Zutraulichkeit aus.

Bevor ich auf die Schilderung meiner Rckreise nach den Diamantenfeldern
eingehe, will ich die im vorigen Kapitel begonnenen Mittheilungen ber
Sitten und Gebruche der Betschuana's zu Ende fhren. Der gewhnliche
heidnische Betschuana besitzt in der Regel eine Frau, die wohlhabenderen
zuweilen zwei, Unterhuptlinge drei bis sechs, die Knige noch mehr,
doch nicht so viele, als es im Marutse-Reiche Gebrauch ist. Der
wohlhabende Mann macht der neu erworbenen Frau ein Geschenk von mehreren
kleinen oder groen Hausthieren.

Beim Betreten einer Stadt hebt der Ankmmling die auf seinem Pfade
liegenden Steine auf und wirft sie in einen dichten Busch oder legt sie
in die Astgabelungen der Bume, indem er den Wunsch ausspricht, er mge
den Zweck seiner Reise erreichen. Das Fell, Horn und Fleisch eines
geweihten Thieres--die Deukergazelle bei den Bamangwato's, das Krokodil
bei den Bakwena's etc.--darf nicht berhrt werden; eine auf der Htte
sitzende Eule wird als Unglcksbote angesehen und die Hilfe des Linjaka
in Anspruch genommen, um die vom Vogel berhrte Stelle zu reinigen.

Auerdem werden Thiere, welche zuweilen etwas nach Betschuana-Begriffen
Ungewhnliches begehen, als gefhrlich und verderbenbringend angesehen
und mssen getdtet oder durch einen Linjaka gereinigt werden. So wird
z.B. eine auf das Dach springende Ziege mit dem Assagai durchbohrt.
Peitscht ein Thier, eine Kuh, in einem Viehkraal lngere Zeit hindurch
mit dem Schweife den Boden, so ist sie keine gewhnliche Kuh mehr, sie
ist Tiba, eine Unheilbringende, welche dem Eigenthmer Schaden,
Krankheit, sogar den Tod bringen kann. Ein Reicher tdtet ein solches
Thier sofort, ein Armer bietet sie dem Weien oder einem Nachbarstamme
zum Kaufe an, es ist dies der einzige Fall, in welchem der Betschuana
seine Milchkhe verkauft. Keinem Weib ist es gestattet, die Milchkhe
und berhaupt das Rind zu berhren, dies ist Sache der Mnner, der
Knaben wie des Mannes und Greises, so auch das Hten derselben, whrend
es bei der Hottentottenfamilie gestattet ist, da diese Hausthiere auch
von den Frauen gehtet werden.

Wie ich bereits erwhnt, ist die Regierungsform unter den Betschuana's
eine im gewissen Sinne constitutionelle; alle wichtigen Verfgungen und
Beschlsse mssen von dem Pitscho (der ffentlichen Versammlung)
besprochen werden, doch sind in der Regel, namentlich da, wo der Knig
die Huptlinge beeinflut, diesen oder jenen fr sich zu gewinnen
wei--alle Beschlsse eine im Vorhinein heimlich abgemachte Sache. Wie
bei anderen Banthuvlkern ist auch bei den Betschuana's der Knig
(Morena oder Koschi) der Oberste bei allen ffentlichen Functionen;
unter ihm stehen die Unterhuptlinge des eigenen Stammes oder die
Flchtlinge, die seinen Schutz angefleht, sowie die Huptlinge anderer
Betschuanastmme, welche die Erlaubni erhalten hatten, sich auf seinem
Gebiete niederzulassen, z.B. Chatsitsive und die Huptlinge der Manupi
und der westlichen Baharutse. Diese Huptlinge und Unterhuptlinge
wohnen in eigenen Drfern, die mehr oder minder von einander entfernt
liegen, oft jedoch an einander grenzen und Theile der Residenz bilden.
In jedem dieser Drfchen ist nahe an dem Gehfte des Huptlings ein
kleiner mit Pfhlen umfriedeter, runder Raum, welcher die Stelle der
Kotla vertritt, und in welchem die in der Kotla zur Sprache kommenden
Gegenstnde vorberathen werden. Beruft der Knig die Unterhuptlinge und
das Volk zu einer wichtigen Berathung, so legt der knigliche Bote je
einen Baumzweig in die kleinen Kotla's--es ist das Zeichen des Aufruf's.

Eine Berathung ber Krieg wird im Plenum auerhalb der Stadt
gehalten--um nicht so leicht wie in der Kotla belauscht zu werden, eine
solche Zusammenkunft wird Letschulo genannt, ebenso wie die von den
Linjaka's anllich der Regenbeschwrung veranstalteten Jagden. Bei
diesen Berathungen, an welchen die Einwohner der einzelnen Drfer sich
unter der Fhrung ihrer Unterhuptlinge betheiligen, wird sehr viel
gesprochen, Kleinigkeiten bis zur Erschpfung ventilirt und dem
Redeschwall keine Zgel angelegt.

[Illustration: Korngefe der Bamangwato's.]

Hat sich die Versammlung als Gerichtsbehrde constituirt, so wird in der
Regel darauf Rcksicht genommen, ob der Schuldige eine bei Hofe beliebte
Person sei oder nicht, im ersteren Fall geht oft auch ein Mrder
straflos aus. Hat Jemand sich eines Diebstahls schuldig gemacht, so eilt
des Knigs Bote durch die Stadt und verkndet denselben, sowie die
knigliche Androhung der ber den Dieb verhngten Strafe. In der Regel
wirkt die bloe Androhung und im Dunkel der Nacht beeilt sich der Dieb
das gestohlene Gut auf einem ffentlichen Orte zu deponiren. Oft aber
werden die Linjaka's zur Hilfe gerufen, um einen Dieb zu eruiren, sie
bentzen in solchen Fallen verschiedene Kunstgriffe oder werfen blos die
Wrfel, im ersteren Falle gelingt es ihnen zuweilen, den Dieb ausfindig
zu machen. Eine oft gebrauchte List ist folgende: Nach eingehender
Untersuchung des Falles werden die der That Verdchtigen durch des
Knigs Boten in die Kotla vorgeladen. Der Linjaka setzt sie in einem
Kreise um sich und nachdem er bei den Worten der die Kuh etc.
gestohlen, mu noch heute sterben, mehrmals im Kreise herumgegangen,
lt er einen Topf mit warmem Mais- oder Kornmehlbrei herbeibringen. Er
schpft nun einen Holzlffel voll dieses Breies und spricht dazu. Der
Dieb, der diesen Brei verschlingt, wird noch heute sterben, und
wiederholt diese Worte, so oft er jedem der Umstehenden einen Lffel
voll in den Mund schiebt.

[Illustration: Staatskleid eines Bamangwato's.]

Nachdem er seine Arbeit gethan, beobachtet er Jeden genau, wirft dann
die Elfenbeinwrfel und mit den Worten: Ich habe den Dieb gefunden,
erhebt er sich, um den Kreis der Angeklagten zu umgehen. Er befiehlt
hierauf Allen den Mund zu ffnen und siehe da, Alle bis auf Zwei haben
den Brei geschluckt, diese Zwei jedoch, das sind die Diebe, die aus
Furcht vor dem Tode den Brei im Munde behielten um ihn im gnstigen
Momente heimlich ausspeien zu knnen. Der eruirte Dieb mu doppelt bis
vierfach das Gestohlene ersetzen. Einem wiederholt ertappten Diebe
werden die Finger, einem unverbesserlichen Gewohnheitsdiebe die ganze
Hand verbrht. Der Mord wird in der Regel mit dem Tode bestraft, doch
ist es auch zulssig, sieh durch ein Blutgeld von der Strafe
loszukaufen, wobei die Gegenstnde (Rinder etc.) welche der zuerkannten
Geldstrafe gleichkommen, an die nchsten Angehrigen des Getdteten
abzugeben sind.

Zur Zeit als noch Matscheng in Schoschong herrschte, ereignete sich der
Fall, da ein Mann aus Habsucht einen Brudermord beging. Sein alter
Vater hatte dem lteren Bruder den grten Theil seines Besitzes
gegeben, und da entschlo sich der Jngere, sich einfach des Bruders zu
entledigen, um das Ganze zu haben. Bruder, hat Dir nicht der Vater
erzhlt, da der Linjaka (Doctor) ein Affenfell braucht, um seinen
Gliedern die Kraft wieder zu geben? Ich gehe heute auf jenen Hgel
dort--er wies auf den isolirten nahe der Stadt im Franz Josef-Thal sich
erhebenden, felsigen Kegel--um einen Affen zu schieen. Der Angeredete
hielt es fr seine Pflicht mitzugehen und folgte dem Bruder. Am Fue des
eine Gehstunde entfernten Hgels, schlug der Antragsteller des sicheren
Erfolges halber vor, die Jagd von zwei entgegengesetzten Seiten aus zu
beginnen, worauf der ahnungslose Bruder auch einging. Eine alte Frau,
welche unweit davon Beeren sammelte, und welcher das Betragen der beiden
mit Gewehren Bewaffneten auffiel, schlich sich nher und folgte
vorsichtig dem Einen derselben nach. Schon in der Mitte der Hhe kroch
der Jngere, statt geradeaus emporzusteigen, nach rechts um den Hgel,
bis er seines Bruders ansichtig wurde und scho ihn dann nieder. In der
Stadt erzhlte er mit groer Bestrzung, da er seinen Bruder fr einen
Affen angesehen und getdtet habe, allein das alte Weib berichtete
Matscheng den wahren Sachverhalt und statt in den Besitz des Erbes zu
kommen, wurde der Schuldige auf Matschengs Befehl an den Thatort gefhrt
und hier mit dem Gewehre des getdteten Bruders erschossen.

Unter den noch zu erwhnenden Gebruchen gibt es solche, die uns an die
alten mosaischen Gesetze erinnern und an die wir mehr oder weniger bei
allen mir bekannten, zu der Banthufamilie gehrenden Stmmen lebhaft
erinnert werden.[1] Vor Allem die Beschneidung (Circumcision); sie ist
die wichtigste Ceremonie fr den heidnischen Betschuana, ohne die der
Jngling von seinen Gefhrten weder als Mann, noch die Frau als
heiratsfhig anerkannt wird. Doch fllt diese Ceremonie nicht mit dem
Stadium der Mannbarkeit zusammen--wie wir es bei anderen Stmmen, wie
z.B. bei den Matongas und Maschukulumbe und deren Sitte des
Zhneausbrechens beobachten--sie wird einfach ausgebt, um die Reihe von
Abhrtungen zu beginnen, die ein Knabe durchmachen mu, um einst, wenn
er Mann geworden, auch den Titel eines Mona und Ra fhren zu knnen. Die
Ceremonie heit Boguera und wird an den Knaben nach ihrem neunten
Altersjahre ausgefhrt. Je nach der Strke des Stammes wird sie alle
zwei bis fnf Jahre vorgenommen und bildet eine der grten
Festlichkeiten in den Stdten. Mit einer Kalklsung bestrichen, gehen um
diese Zeit die dazu sich freiwillig meldenden oder gezwungenen Knaben
einher, die Mdchen nur mit aus Schilfrohrstcken verfertigten Bndern
oder Genettaschwanz-Schrzen bekleidet, auch sie werden auf der Brust
und im Gesichte hnlich wie die Knaben wei bertncht. Die Zeremonie
wird auerhalb der Stadt bei den ersteren von alten Mnnern, bei den
Mdchen von alten Frauen ausgefhrt.

    1: Ich verweise den Leser auf die zwei Sagen der nrdlichen
    (Montsua's) Barolongen.

Da eben zur Zeit meines Besuches in Schoschong die Boguera gefeiert
wurde, hatte ich Gelegenheit, die Zeremonie nher kennen zu lernen.
Singend ziehen die Knaben und Mdchen, von den Gauklern begleitet vor
die Stadt. Hier werden die Knaben im mnnlichen Auftreten, die Mdchen
in weiblichen Arbeiten und Pflichten unterrichtet und ihnen sofort
schwere Arbeiten, wie das Tragen groer Holzbndel, Wasserholen etc.,
auferlegt, bei deren Verrichtung sie meist einen monotonen Gesang
anstimmen. In ihrer Uebertnchung und mit den klappernden
Schilfrohrbndern behangen, gewhren diese Gestalten einen nicht minder
phantastischen als komischen Anblick. Die Knaben werden partienweise in
die Kotla berufen, wo sie gepeitscht werden. Wir finden hier zwei Reihen
gegen einander mit dem Rcken stehender, bis auf ein sehr primitives
Kleidungsstck nackter Knaben, welche in ihren Hnden Sandalen halten
und niederzuknieen haben, um von den vor ihnen stehenden Mnnern (in der
Regel ihren nchsten Verwandten) auf den Rcken geschlagen zu werden.
Sowie aber der Mann zum Schlagen ausholt, hebt der Knabe die Sandalen
empor und die meisten verstanden es, die Wucht des Schlages mit den
Sandalen zu brechen, oder den Schlag vollkommen damit aufzufangen. Dabei
singen die Knaben und heben abwechselnd die Fe empor.

[Illustration: Zchtigung der Knaben.]

Alle jene Knaben, die sich zur selben Zeit dieser Zeremonie unterziehen,
werden in ein Regiment eingereiht, und desto grer ist der Stolz des
heidnischen Betschuana, je mehr Shne er zur Boguera mitbringen kann.
Der Huptling aber trachtet, da auch er einen Sohn einstellen kann,
oder wenigstens den eines seiner nchsten Verwandten, da dieser die
Leitung dieses neu gebildeten, d.h. _seines_ Regimentes bernimmt. Enge
Freundschaft wird dann geschlossen und von ihr auch bei den zuweilen am
Hofe auftauchenden Streitigkeiten guter Gebrauch gemacht. Diese
Freundschaft bleibt selbst dann aufrecht erhalten, wenn der Sohn des
Huptlings, d.h. der Chef des Regiments, sich spter taufen lt. Die
Mdchen drfen nach der Ceremonie lngere Zeit hindurch nicht schlafen,
um sie wach zu erhalten, haben sie des Nachts auf den hlzernen
Kornstampfblcken (_motso Chlobole_) zu sitzen; da jedoch diese
Stampfblcke in der Regel so unfrmlich gearbeitet sind, da sie an und
fr sich kaum das Gleichgewicht halten knnen, fallen die darauf
Sitzenden sofort nieder, wenn sie, sich vergessend, einschlummern.

[Illustration: Bamangwatomdchen zur Boguera bekleidet.]

Der Hauptzweck dieser Ceremonie ist die Abhrtung der Jugend. Denselben
Zweck verfolgt auch der dieser Ceremonie folgende und sich auch im
nchsten Jahre wiederholende Jagdzug. Die zu einem Regiment Vereinigten
theilen sich, von erfahrenen Jgern angefhrt, in mehrere Haufen, um
Antilopen, Gazellen etc., im folgenden Jahre Bffel, Elephanten etc. zu
tdten. Auf dieser Jagd werden der Jugend alle mglichen Strapazen
aufgelegt, ihr jede Erleichterung versagt, lange Mrsche in wasserlosen
Gegenden unternommen, der Zutritt zu dem Feuer in der oft bitterkalten
Jahreszeit nur ausnahmsweise gestattet und sie berdies mit den Qualen
des Hungers bekannt gemacht.

Der gemeine Betschuana bestimmt sein Alter nach der Boguera, d.h. er
sagt, da er zu dem oder jenem (bestimmt benannten) Regimente gehre,
oder er nennt eines oder zwei der wichtigsten Mitglieder desselben, z.B.
des Oberbefehlshabers, die als weise angesehen, den Fragesteller
vielleicht mit einer anderen Antwort befriedigen knnen.

In die Kategorie des eben betriebenen Gebrauches gehrt auch nach
Mackenzie die _Tschwaragana moschwang_, das Bndni zwischen zwei
Huptlingen, das Gelbde der Treue, Freundschaft und des Vertrauens
zwischen ihnen, z.B. dem Herrscher eines Landes und einem bei ihm als
Gast oder Schtzling weilenden Huptling. Das Bndni wird auf folgende
Weise ceremoniell gefeiert. Ein Hausthier wird geschlachtet und der
Magen aufgeschnitten, und nun tauchen beide Huptlinge ihre Hnde in
seinen Inhalt und schtteln sich dann dieselben.

Zu diesen Gebruchen gehrt auch die Reinigung jener, die aus einem
Kriege oder von einem Raubzuge heimkehren, die Reinigung ihrer Waffen
und der Gefangenen wie der brigen Beute, die sie aus dem Kriege
mitbringen, die Reinigung aller Personen, die eine Leiche berhren oder
berhren mssen, jene der Frauen nach Geburten, die ein bis drei Monate,
je nach der Wohlhabenheit ihres Mannes (je wohlhabender desto lnger)
abgesondert leben mssen, ferner die Isolirung und Abschlieung der
Schwererkrankten. Die Reinigungen, die meist gegen Bezahlung von Seite
der Linjaka's ausgefhrt und von ihnen auch oft angeordnet werden, sind
uerst mannigfach. Dazu gehrt z.B. das Abschaben der Wollhaare am
Kopfe mit einem scharfen, kleinen Horn, Messer etc.

Am 16. Februar brachen wir endlich von Schoschong nach dem
Maricodistrict auf. Jupiter grollte uns noch immer und sorgte fr die
ausgiebigste Erschwerung des Fortkommens auf dem vllig durchweichten,
schlammigen Boden. An manchen Stellen stand das Wasser zwei Fu hoch und
auch an ein Ausweichen war bei dem dichten Baumwuchs auf der Strecke
nicht zu denken. Die Gesammtstrecke von Schoschong bis zu dem Punkte, an
welchem der Reisende den Limpopo auf seinem Zuge nach Sdosten trifft,
ist ein einziger Wald. Manche Stellen zeigten salzhaltigen Grund und
auch Salzseen waren nicht selten. Der sdlichere Theil an den Ufern des
Sirorume ist etwas hgelig und hier ist der Wald tiefsandig. Zur
Winterszeit hat diese drei Tagereisen beanspruchende Strecke nur an zwei
Stellen Swasser.

Whrend der Fahrt am 17. beobachtete ich zum ersten Male ein
hhnerartiges Federwild, welches in Sd-Afrika allgemein det fasant
genannt wird. Ich hrte ein lautes, schrilles Gackern in einem dichten
Niederbusch und bald darauf erschien der Schreier, ein brunlicher
Vogel, (Francolinus nudicollis) auf einem Baumstumpf. Er gehrt zu den
rebhuhnartigen Vgeln und ist ber einen groen Theil der bewaldeten und
bebuschten, wasserreichen Thalpartien der von mir besuchten Gegenden
Sd-Afrika's verbreitet, auch in Sd-Central-Afrika sehr hufig.
Paarweise oder in kleinen Ketten lebend, wacht der Hahn treu ber das
Wohl der Seinen, schreit bei jeder Gelegenheit, whrend des Scharrens,
wenn er sich umsehen will, sich ein Feind nhert, oder wenn er Abends
die Lagersttte im gewohnten Busch oder Baum aufsucht. Durch sein
Geschrei und weil er sich, wenn auch nur fr wenige Momente, auf
hervorragende Gegenstnde setzt, wird er oft des Jgers Beute.

Am 18. passirten wir einen einige hundert Schritte langen, ellyptisch
geformten, flachen, kaum zwei Fu tiefen Salzsee, der mit einer stark
salzhaltigen, milchigen Flssigkeit gefllt war. Nur an seinem
nrdlichen Ende ist in trockenen Jahren in Felsenlchern Trinkwasser zu
finden. Still lag die milchig-graue Fluth des todten See's von einem
breiten, hellgrnen Rasenbande umsumt in einer migen Vertiefung des
Waldes vor uns. Kein grner Binsenhalm, kein Blatt der Seerose
schaukelte sich darin. Hier waren es Bume, die das sich sanft erhebende
Ufer bekrnzten, dort undurchdringliches Gebsch, wo nur gebeugt und
mhselig zwischen den Stmmchen die flchtige Deukergazelle wandeln
mochte--in den brigen Uferpartien neigten sich von dem Niederwalde die
kurzen schattigen, einer gemeinschaftlichen Wurzel mehrfach
entsprossenen Akazienbumchen herab und Blumen wucherten berall--da
der todte See in der Vertiefung einer duftenden bebuschten und
bewaldeten Au begraben zu sein schien. Spter nannte ich den Salzsee dem
jetzigen, edlen Bamangwato-Knige zu Ehren Khama's Salzsee (Khama's
Saltpan). Am Rande des See's fand ich Grnsteinstcke und Chalcedone,
sowie an der nahen, dicht mit Dornbumen bebuschten Bodenerhebung
Quarzit und weiterhin Kalkfelsen vor. Zahlreiche Spuren deuteten auf die
Anwesenheit kleinerer Gazellen, Gnu's, Zebra's und Giraffen, welche in
den westlich und stlich nach dem Limpopo sich ausbreitenden bewaldeten
Ebenen reichliche Weide finden.

Unter den Bumen fiel mir namentlich einer auf, dessen vortreffliches
Holz ich noch spter kennen lernen sollte; es ist dies eine den Boers
als Knopidorn bekannte und bis zu 50 Fu Hhe meist gerade wachsende,
selten gabelig verstelte Mimose. Die grau bis gelblichgraue Rinde ist
mit ein bis zwei Zoll langen Auswchsen versehen, welche an ihrer meist
stumpfen Spitze hakenfrmig gekrmmte, kleine und scharfe Dornen tragen.
Ihr Holz wird als Bauholz, namentlich aber zu Wagnerarbeiten verwendet.

Nachmittags gelangte ich zu einigen Salzlachen, in denen ich zu meinem
Erstaunen Fische--eine mir bekannte Species--uerst verkmmert vorfand.
Bei der Lage der Tmpel auf der Hhe des Hochplateau's lt sich ihr
hiesiges Vorkommen nicht anders erklren, als da sie durch Vgel hieher
bertragen worden waren. Der Abend berraschte uns in dem Thale des
oberen Sirorume, dort, wo er sich ber einige interessante
Sandsteinbnke in ein offenes Thal Bahn bricht, um dann eine sdliche,
spter eine Ostsdost-Richtung nach dem Limpopo zu verfolgen. Als wir am
nchsten Tage den tiefsandigen Wald, in dem inneren Bogen des Sirorume
durchzogen, wurden wir vom Wagen aus auf eine Spur aufmerksam, welche
durch das Gras fhrte; das hohe Gras schien wie mit einer zwei Meter
breiten Walze niedergedrckt worden zu sein--die Stelle nher
untersuchend fanden wir Elephantenspuren. Zwei nach dem
Transvaal-Gebiete ziehende Bamangwato berichteten uns, da diese Spuren
von einer kleinen Heerde der groen, kleinzhnigen Elephanten
herrhrten, welche hier an der Grenze von Sekhomo's und Seschele's
Gebiet wechsle. Es mute jene Heerde sein, von der ich schon vernommen
und die sich auch hier noch zwei Jahre aufhielt, bis sie von den
Damara-Emigranten vernichtet wurde.

Vor uns in ziemlich geringer Entfernung wand sich das Thal des Sirorume,
darber hinaus nach Westen und Sden lag unabsehbar ein dichter
Niederwald. Bald darauf stiegen wir zum zweiten Male in das Thal des
Sirorume, von den Englndern _the Brack reeds_ genannt, herab. Das Bett
des Flusses ist hier meilenweit auf- und abwrts flach und ein einziges
mit bohem Schilf bewachsenes Moor. Dreimal passirte ich diese Strecke
und jedesmal fand ich die Gegend berraschend reich an der bekannten
Buffadder. Alle unsere Mhe Trinkwasser zu finden war vergebens und so
zwang mich die Wassernoth und der herabgeschmolzene Mehlvorrath
weiterzureisen.

[Illustration: Khama's Salzsee.]

Am 21. endlich stieen wir auf der Hhe des bewaldeten Plateau's auf
eine jener unverhofft anzutreffenden Regenlachen, deren Vorkommen ich
bereits bei der Schilderung meiner ersten Reise erwhnt habe.

Auf unserer Weiterfahrt am 18. hatten wir Gelegenheit, zwei Buffaddern,
Puffotter (Vipera arietans), einen Meter lange, armdicke Exemplare mit
herzfrmigem Kopf und zwei sehr langen und stark gekrmmten Giftzhnen
zu erlegen. Das Schuppenkleid dieser Schlangen variirt in der Farbe
zwischen gelblich- bis dunkelbraun und ist schrg nach abwrts,
abwechselnd hell und dunkel gebndert. Vom Meere bis zum Zambesi
verbreitet, bewohnt sie unstreitig gewisse Striche hufiger als andere.
So fand ich namentlich dicht bebuschte, besonders mit Dornbschen
bewachsene Partien dichter von dieser Schlange bevlkert. Eben diese
Partien werden auch seltener von den Schlangenadlern aufgesucht. Die
meisten Exemplare lagen trge am Rande von Gebschen und Pfaden
tellerfrmig zusammengerollt. Ihre Trgheit und Unbeholfenheit ist
merkwrdig--denn ich sah sie in Wasserlchern liegen, aus denen sie sich
nicht mehr emporwinden konnte. Ihrer stark nach rckwrts gekrmmten
Giftzhne halber, kann die Buffadder nicht gleich den gewhnlichen
Species verwunden, sie mu vielmehr um dies zu thun, ihren Vorderkrper
nach rckwrts krmmen, den Kopf senken und sich mit dem halben oder
ganzen Krper auf ihr Opfer werfen. Dies vermag sie auf mehrere Fu
Entfernung hin und mir sind namentlich Beispiele dieses Angriffs aus der
Cap-Colonie und Natal bekannt. Auer dieser finden wir noch eine zweite
Eigenthmlichkeit, die mehrmals schon, und dies namentlich in der
westlichen Cap-Colonie, beobachtet wurde und welche ich mir in folgender
Weise zu erklren suche. Zufllig trifft hier ein Landmann, dort ein
Jger oder ein Hirt auf eine dieser Schlangen. Nicht ihr Anblick,
sondern ein eigenthmlicher Ton, der zwischen Fauchen und Aechzen die
Mitte hlt, wird die Aufmerksamkeit desselben erregen. Diesem fauchenden
Aechzen nachforschend, findet der Beobachter eine Buffadder vor sich,
welche sich hin- und herwindet, hin- und herschlgt und sich wiederholt
krmmt. Bei nherem Herantreten sieht er, da der Leib des Thieres
durchlchert ist und aus diesen Oeffnungen sich die kleine Brut einen
Weg nach Auen zu bahnen sucht. Jene, welche dies beobachtet, waren und
sind der Ansicht, da die Brut auf diese Weise zur Welt gebracht
wurde, d.h. da sie sich selbst aus dem Mutterleibe herausfresse; ich
konnte dieser Ansicht nicht beipflichten und wurde darin spter durch
den Bericht eines gebildeten Augenzeugen bestrkt. Unter den Schlangen,
die ich in Sd-Afrika kennen gelernt, ist die Buffadder durch die
Anhnglichkeit an ihre Brut wohlbekannt. Bei Gefahr, die sie auerhalb
ihres Schlupfwinkels berrascht, blst sie sich auf und droht dem Feinde
mit weit aufgesperrtem Rachen. Dabei geschieht es nun--doch bleibt es
mir ein Rthsel, ob das Thier dies absichtlich thut oder nicht--da ein
Theil der herumschlngelnden ber und unter der Mutter hingleitenden,
sich an sie schmiegenden Brut in dem weiten Rachen verschwindet. Die
Mutter blst sich noch mehr auf, wobei die Jungen bald darauf sich
gewaltsam einen Ausweg nach auen bahnen, nachdem ihnen zum Theile oder
insgesammt vielleicht durch das Schlieen der Kinnladen der Mutter der
natrliche Ausweg benommen wurde.

Von den Buffadder-Hhen am Unterlaufe des Sirorume herabfahrend, kamen
wir in das Thal des Limpopo (auch Ouri und Krokodil-River genannt); die
hgelige Gegend am linken Ufer desselben geht nach Westen in ein
bewaldetes Hochplateau ber, whrend das rechte und flache theils
bewaldete, theils prairienartige Ebenen besumt. Das Bett des 12-30
Meter breiten Flusses ist sandig, das Ufer steil gebscht und mit
undurchdringlichem Gebsch oder mit hohem Gras bewachsen. Am Ufer fand
ich hufig Krokodil-, sowie einige Flupferdspuren, an den freieren und
lehmigen Uferstellen Lwen- und Leopardenspuren und in dem anliegenden
Walde konnten wir folgende Wildarten theils beobachten, theils deren
Anwesenheit an den frischen Spuren erkennen: Kudu's, Roenantilopen,
Wasserbcke, Buschbcke, Hartebeeste, Gnu's, Giraffen und Zebra's.

Wir waren noch nicht weit das Limpopothal nach aufwrts gefahren, als
wir erstaunt ein Gefhrte vor uns erblickten. Es war ein mit Mehl schwer
beladener Wagen, Eigenthum eines Baharutse in Linokana, der den Ertrag
seiner Felder nach Schoschong bringen wollte, um ihn da an die Hndler
oder an die Bamangwato's zu verkaufen. Ein auf sdafrikanischen Wegen
hufiger Unfall, ein Achsenbruch, nthigte dem armen Manne an dieser
Stelle einen unfreiwilligen, dreiwchentlichen Aufenthalt auf, denn so
lange whrte es, bis seine Diener aus Linokana Ersatz herbeischaffen
konnten.

Am 22. langten wir an der Mndung des Notuany, eines im westlichen
Maricodistrict des Transvaal-Gebietes entspringenden, nur nach heftigem
Regen und selbst dann nur stellenweise flieenden etwa 150 engl. Meilen
langen Flusses an. Sein Bett ist tief, grubenfrmig, und an seinen
bewaldeten Ufern finden sich hie und da groe, stets wasserhaltende
Lachen, welche zahlreiche Fische und oft auch Krokodile beherbergen. Zur
Zeit unseres Besuches flo der aus Westen zahlreiche Sand-River
aufnehmende Notuany, und da seine Mndung stark verschilft war, dachten
wir, da die Saurier nicht ber Land in den Flu gelangen knnten und
gnnten uns an der ziemlich tiefen Furth die Wohlthat eines Bades.

In dem sdlichen Winkel der Notuany-Mndung finden wir, wie an mehreren
anderen Stellen im Limpopothale, ein Dornfeld, d.h. eine umfangreiche
ebene und humusreiche Strecke, die mit bis sechs Fu hohen _Acacia
horrida_-Gebschen bewachsen ist. Es sind dies Strecken, deren
Bodengattung das Herz eines europischen Landwirthes erfreuen mten,
die hier aber lange Jahre noch brach liegen werden. Auf meinen Ausflgen
whrend des zweitgigen Aufenthaltes am Notuany scho ich einen grauen
Uhu und einen Aasgeier. Thier- und Pflanzenleben boten mir reichlichen
Stoff zu den interessantesten Studien.

Im Jahre 1870 hatte einer der Schoschonger Hndler zwei Wgen unter der
Oberaufsicht von drei Colonial-Halbcastmnnern und eines ihnen
untergeordneten Bamangwato-Dieners nach Zeerust gesendet. Eine ihrer
Raststellen war an der Furth des Notuany-Flusses. Da es die Wagenfhrer
fr gut fanden, in der Tageshitze nicht zu reisen, so betrug die Rast
mehrere Stunden, welche Zeit sich einer der Halbcast mit einem Ausflug
verkrzen wollte und zu diesem Zwecke von einer Meute Hunde gefolgt auf
die Jagd zog. Lngs des Ufers vordringend, sah er sich bald von seinen
vierfigen Freunden verlassen, die eine Wildspur aufgenommen zu haben
und ihr nun klffend zu folgen schienen. Er achtete anfangs nicht
darauf, als es ihm jedoch duchte, da sie mit vereinten Krften auf
eine bestimmte Stelle anschlugen, nahm er diese Richtung auf und nherte
sich vorsichtig derselben. Dichtes Gebsch, hie und da ein Baum und
hochbegraste Lichtungen bildeten die Scenerie seiner nchsten Umgebung.

[Illustration: Lwe von Hunden umringt.]

Je deutlicher das Gebell ihm entgegendrang, um so rstiger schritt er
darauf los und sah sich nach einer Viertelstunde einem seltsamen
Schauspiele gegenber. Von der klffenden Meute umringt, sa einige
Schritte vor ihm ein ausgewachsener, dunkel bemhnter Lwe, der seinen
mchtigen Schdel bald nach dieser, bald nach jener Seite wendete und
dem das heisere Kriegsgeschrei der Hunde kein besonderes Vergngen zu
bereiten schien. Der Jger schlich sich gedeckt durch einen Busch, bis
auf 50 Schritte heran und konnte nun das Zhnefletschen des Lwen sehen
und sein dumpfes Brummen vernehmen. Der Mann legte an, doch in dem
Augenblicke als er losdrcken will, springt der grte der Hunde, der in
Schoschong als ein Hynenwrger bekannt war, vorwrts, um den Knig des
Waldes zu fassen. Das arme Thier bte seinen Muth mit dem Tode, ein
blitzschneller Hieb mit der Pratze schlug ihn nieder. Seine Brust und
der Unterleib zeigten eine klaffende Wunde, aus der die Eingeweide
hingen. Nach allen Seiten stoben daraufhin die Hunde auseinander, auch
des Schtzen Hand zitterte fhlbar und er mute niederknieen, und mit
aller Kraft das Gewehr an die Schulter und Wange pressen, um einen
sicheren Schu zu erzielen. Der Lwe war aufgestanden und beschnupperte
sein zuckendes Opfer--da traf ihn die Kugel, wie eingegossen sa sie
unter dem Blatte in der Brust und der knigliche Ruber fiel auf
derselben Stelle, an der er seinen verwegenen Angreifer getdtet hatte.

Am 24., als wir uns der Marico-Mndung nherten und einige der hier
zahlreichen den Weg kreuzenden, nach dem Limpopo zu fhrenden engen
Regenschluchten passirten, brach die in Schoschong gezimmerte Achse,
doch gelang es dieselbe noch so weit herzustellen, da sie bis zur
nchsten Transvaal-Farm Dienste leistete. Am folgenden Tage hatte ich
Gelegenheit, zwei Heerden der schnen, im Buschlande in den Wldern
nrdlich vom Molapo bis in's centrale Afrika wohnenden, hier an
Hufigkeit den sdlichen Blbock der Grasebenen vertretenden Pallah's
zu treffen. Unsere Weiterfahrt war durch anhaltende Regen gehindert und
da wir noch immer in der Niederung des Limpopo und spter jener des
Maricothales aufwrts zogen und es in den letzten Wochen hier ebenso
stark wie in Schoschong geregnet haben mute, so reisten wir fast die
Hlfte der Strecke hindurch durch Wasserlachen und Sumpfland, ohne
selbst zu unserem Nachtlager eine trockene Stelle ausfindig machen zu
knnen.

Auf einer groen Wiesenflche zu unserer Linken (am linken Maricoufer)
wurden wir auf der Morgenfahrt des 26. von einem seltenen Anblick
berrascht. Mehr denn die Hlfte der Au, einige hundert Schritte im
Gevierte messend, glich einem einzigen feuerrothen Teppich, ringsum von
dem ppigen Grn der Wiesenflur und dem dunklen Grn der Mimosen-Bsche
und Bume umrahmt. Dieses herrliche Bild war durch blhende Alon
hervorgerufen, welche aus dem Kranze ihrer fleischigen und bedornten
Bltter, die bis drei und vier Fu hohen, oben armleuchterfrmig
verstelten Aehrenblthen tragenden Stengel emporhoben. In den dichteren
Bschen beobachtete ich manche derselben mit einer schn
schwefelgelbblthigen Schlingpflanze berladen.

Die Anstrengungen der Reise, die Fieberluft der durchzogenen Gegenden
und die feuchten Nachtlager der letzten Tage blieben nicht ohne Folgen
fr meine Gesundheit, am 28. hatte sich mein Zustand derart
verschlimmert, da wir die Reise unterbrechen muten. Die allgemeine
Abspannung hatte in einem solchen Grade zugenommen, da ich nicht im
Stande war, vom Wagen herabzuklimmen, sondern von den Gefhrten
heruntergehoben werden mute. Nach 1 Stunden trat heftiges Erbrechen
ein, der Kopf schien mir centnerschwer, und ich war unfhig, auf die
Fragen der mich bestrmenden Freunde zu antworten. Allmlig schwand die
Kraft der Sinne und ich verfiel in ein zweistndiges Delirium, aus dem
ich auf einen Moment--Dank der Hilfe meiner Gefhrten--erwachte. Die
drei Mnner knieten an meiner Seite und frottirten mich mit khlem
Wasser. Freund E. schluchzte laut und F. lief wie sinnlos umher. Nur
nach der aufopfernden Pflege des um mich besorgten Freundes Eberwald,
und nachdem ich mir, des heftigen Blutandranges zum Kopfe halber, mit
Noth zur Ader gelassen hatte, trat eine merkliche Besserung ein. Die
rhrende Sorgfalt und Theilnahme Eberwalds zeigte sich mir bei dieser
Gelegenheit im schnsten Lichte und machte mir den Freund um so werther.
Das eiserne Gebot der Notwendigkeit, die afrikanische Natur, hatten
inde den besten Einflu auf meine Genesung, am dritten Tage war ich
wieder so weit hergestellt, da wir die Reise fortsetzen konnten.

Am 3. verlieen wir das eigentliche Thal des Marico[1] berschritten den
Sattel und kamen in einen nur nach dem Marico zu offenen Kessel, der von
dem Betschuanaspruit durchkreuzt, im Sden von der interessanten Gruppe
der Berthahhen gebildet wird. An ihren sdwestlichen Auslufern liegt
Tschune-Tschune (engl. Tshwene-Tshwene), die Stadt der unter dem
Huptling Matlapin stehenden Batloka, die auf dem Gebiete Seschele's
liegt, das von der Sirorume-Mndung bis an die Dwarsberge reicht. In dem
Niederwald im Kessel, namentlich gegen Tschune-Tschune, fand ich den
Morula-Baum mit reifen Frchten.

    1: Ich beobachtete am Marico-Ufer Granit- und Gneisfelsen mit
    aufsteigenden mchtigen Quarzadern, die von groen
    Goldglimmerplttchen durchzogen waren.

Am 4. trafen wir im Weichbilde der Stadt ein. Die Stadt selbst war
ziemlich reinlich gehalten. Die Gehfte und Htten waren grer und
gerumiger als jene der meisten Betschuana's und hie und da von Grtchen
umgeben. Auf den Feldern stand nur noch hie und da etwas Korn, Mais und
Kafirzuckerrohr. Ich hielt vor der Stadt, da mir von Batloka's bedeutet
wurde, da der Morena betrunken sei und es in der Stadt lustig hergehe.
Von dem Hochplateau, aus dem sich der letztgenannte Hhencomplex erhebt,
herabsteigend, fanden wir an dem Abfall desselben in dem harten grauen
Kalksteinfelsen mehrere tiefe Lcher, welche khles Quellwasser
enthielten. Von diesen Quellen bot sich uns ein berraschender Anblick.
Vor uns lag ein mehrere Meilen breites, leicht bewaldetes Thal, das sich
gegen Osten nach dem Marico zog und im Sden von einem langen bebuschten
und bewaldeten, zahllose Kuppen aufweisenden Hhenzuge, den Dwarsbergen,
begrenzt war. Jenseits derselben lag bereits das Gebiet der
Transvaal-Republik. Den Pa, ber den ich die Dwarsberge am 6.
berschritt, nannte ich Schweinfurths-, den nchsten westlichen
Rohlfs-Pa. Von der Sattelhhe desselben erblickten wir auf einer
namentlich nach Osten gegen den Marico sich ausbreitenden Ebene die
erste Farm. Am jenseitigen Fue der Hhen begegneten wir einem nach dem
Damaralande auswandernden Boer.

Auf der Farm Brackfontein angelangt, entdeckte ich zu meiner freudigsten
Ueberraschung, da der Eigenthmer ein Schmied war, und ich nun die
Schden an meinem Wagen ausbessern lassen konnte. Der Einladung seiner
beiden Shne, sie auf die Jagd zu begleiten, konnte ich mit Rcksicht
auf meine Reconvalescenz nicht folgen, obwohl der Reichthum der Gegend
an Wild verlockend war. In den dichter bebuschten Partien an den
Dwarsbergen gab es Gazellen und Kudu-Antilopen, in den leicht bewaldeten
Partien an ihrem Fue und auf den Grasebenen nach Osten und Sden
Heerden der beiden Gnu-Arten, Zebras, Springbcke und zuweilen wurden
auch Sbel-Antilopen und Straue sichtbar. Fourier, der Farmer, erwhnte
auch, da Lwen zur Winterszeit die Gegend beunruhigen und erzhlte mir
mehrere Jagdabenteuer, von welchen ich eines hier anfhren will, das er
und seine benachbarten Farmer im Maschonalande erlebten.

[Illustration: Elephant und Boer.]

Auf einem gemeinschaftlich unternommenen Jagdausfluge im Gebiete der
Tsetsefliege hatten dieselben eine Elephantenheerde aufgesprt; da sich
die Spuren pltzlich theilten, folgte Fourier mit seinen
Matabele-Dienern den zahlreicheren, whrend sein Freund die riesige
eines mnnlichen Thieres aufnahm. Er war auch der erste, der seiner
Beute nach einem halbstndigem Marsche ansichtig wurde. Fourier hrte
auch dessen Schu und kehrte, nachdem sein Bemhen, die Heerde
aufzufinden, erfolglos war, zu seinem Freunde zurck, er fand ihn, doch
nur als Leiche, wieder. Auf den Boden gestreckt, sein Gesicht mit Blut
befleckt, das aus Mund, Nase und den Ohren flo. Vor ihm lag sein
Gewehr[1] mit geborstenem Kolben und etwa 30 Schritte in gleicher
Richtung unter einem Baume der Cadaver eines groen mnnlichen
Elephanten. Whrend der Erzhlung des Farmers hatte ich eines der
riesigen, unbeholfenen und schweren, stark verrosteten Vierpfnder in
die Hand genommen, die Innenflche (Backenflche) war mit Schafwolle
ausgefttert und mit einer weichen Haut berzogen.

    1: Das Gewehr, von pfndigem Kaliber, wird, da vier Kugeln auf ein
    Pfund gehen, von den Boers Vierpfnder genannt.

Von Brackfontein wandte ich mich am 12. nach Sden, um--das sogenannte
Bushveldt (Buschfeld) durchkreuzend--die in dem eigentlichen
Marico-Hhennetze liegende Eingebornenstadt Linokana aufzusuchen.

Ohne vorlufig auf eine nhere Beschreibung des Bushveldts einzugehen,
will ich hier nur erwhnen, da es von einem bewaldeten Hgelland
gebildet wird, das zahlreiche mit den Dwarsbergen zusammenhngende,
niedere Kmme, sandige Bodenerhebungen, isolirte Hgel und zahlreiche
Thler aufweist und dessen Boden mit ppigem Grase bewachsen ist. Bevor
ich es durch den Buyspa (Buysport) verlie, berhrte ich die Farmen
Markfontein, Sandfontein, Witfontein. Der Eigenthhmer der
erstgenannten, Zwart, hatte die ziemlich umfangreiche, groe Farm um 300
 St. erstanden. Auch Zwart war ein alter Elephantenjger und hatte das
Damaraland und die Zambesi-Flle auf seinen Streifzgen besucht. In
Sandfontein wohnte in einem Hartebeest-Huschen ein Hollnder, der fr
Herrn Taylor, den Kaufmann bei Seschele, die Verfrachtung der Waaren
besorgte. Wir wurden von ihm und seiner freundlichen, alten Mutter,
trotzdem da er hier nur mit den Seinen periodisch einige Tage im Monat
wohnte, auf das Beste bewirthet.

[Illustration: Buysport, Felsenthor im Bushveldt.]

Abends erreichten wir den erwhnten Buysport (Pa) und berschritten ihn
am folgenden Tage (15. Mrz). Der Buyspa gehrt zu den anziehendsten
Partien des Marico-Hhennetzes. Ein Spruit, der in kleinen, tiefen
Lachen das ganze Jahr hindurch Wasser in seinem felsigen Bette birgt,
mu einigemal gekreuzt werden, und wenn auch das Fortkommen dadurch sehr
erschwert wird und die grte Vorsicht erheischt, so bietet sich dem
Auge in dem bald von bewaldeten, bald schroff abfallenden oder
stufenfrmigen Felsenblcken eingeengten Fluthale ein so pittoreskes
und schnes Bild dar, da man die Mhen der Reise durch den Pa nicht
scheut, und dies um so mehr, als der Naturfreund sich reichlich belohnt
findet.

[Illustration: Baharutse Wasser schpfend.]

Buschbcke, Roibock-Gazellen, Klippspringer, Paviane und Meerkatzen
gehren nebst kleineren katzenartigen Raubthieren und dem Hyrax zu den
gewhnlicheren Erscheinungen unter den greren Vierflern, doch trifft
man auch zuweilen Leoparden, Luchse und Kudu's. Der Reichthum an Vgeln,
Schlangen, Insecten und Pflanzen ist berraschend. Nebst dem schon hie
und da erwhnten Wildgeflgel--mit Ausnahme der Trappen und der
trappenhnlichen Otis--fand ich Wachteln, zwei mir neue Drosselarten,
einen Wendehals, zwei Mandelkrhen-Arten etc.

Das Hochplateau, das wir nach Passirung des Passes betraten, war ein
herrliches Wiesenland und von zahlreichen bebauten Flchen bedeckt, nach
Westen und Osten senkt es sich zu den Notuany- und Zeerust-Hhen herab.
Diese Hhen einige Meilen in sdwestlicher Richtung herabfahrend, kamen
wir in das Thal des obern Notuany, das von dem unmittelbar vor uns
einmndenden Matebethal durch einen Hhenzug theilweise getrennt und zur
Hlfte seiner Ausdehnung bebaut war. Diese Felder bildeten das
Wahrzeichen Linokana's, einer Baharutsestadt, von deren blhendem
Ackerbau ich schon in Moschaneng, Molopolole und an anderen Orten
vernommen hatte. Der Notuany, den wir einige Meilen oberhalb seiner
Quellen berschritten, flo in einem grabenfrmigen Bette und war mit
einigen Holzstmmen neu nothdrftig berbrckt, ber welchen hchst
primitiven und gefhrlichen Bau wir den Wagen bersetzen muten. Wir
fuhren in das Thal des Matebeflchens und kamen bald in den Thalkessel
von Linokana, in dessen Mitte, sowie an dessen nrdlichem und stlichem
Rande der Hhen die gleichnamige Eingebornenstadt erbaut ist.

In den zahlreichen Schilfrohrdickichten am Matebeflchen macht sich
eine reiche Thierwelt bemerklich. Der Abend und der Morgen sind die
Zeiten, an denen wir ihrem Treiben lauschen, die graue Wildkatze im
Beschleichen der Schnepfen und der langschwnzigen Capfinken, den
Wasserleguan und seltener auch den Caracal beobachten knnen, den
letzteren doch nur dann, wenn es ihm in seinem Felsengeklfte an Nahrung
gebricht und er sich gezwungen sieht, in das Thal herabzusteigen, wo ihm
dann die Schilfrohrdickichte reiche Beute und einen sicheren
Schlupfwinkel bieten.

Gleich beim Betreten des stlichen Thalkessels fllt uns neben den
wohlbebauten Feldern eine dichte Baumgruppe am nrdlichen Ende der Stadt
auf, aus welcher Baumgruppe sich namentlich einige schlanke und weithin
sichtbare Eucalyptus-Bume[1] bemerkbar machen. Sie beschatten mehrere
im europischen Style erbaute Huschen, die einem freundlichen und
zuvorkommenden Manne als Wohnsttte dienten, der mit seinem Beispiele so
wohlthtig auf die Baharutse eingewirkt hat, da diese jetzt unter den
Transvaal-Betschuana's die bedeutenden Ackerbauer und wohl auch die
wohlhabendsten sind. Thomas Jensen ist der Name dieses Missionrs, ein
Mitglied der Hermannsburger Missionsgesellschaft; er nahm uns freundlich
auf, fhrte mich zum Huptling Moilo (oder Moiloa) und zu den anderen an
den Bergen wohnenden Huptlingen, Tschukuru etc. Moiloa war eine hohe
Greisengestalt, freundlich, obgleich mit harten Gesichtszgen, er war
ein treuer Unterthan der Transvaal-Republik, besorgt um das Wohl seiner
Unterthanen und berragte in mehrfacher Hinsicht die Herrscher der
Nachbarreiche. Er stellte mir seine Shne vor, von denen er keinen der
Nachfolge auf den Thron fhig bezeichnete, brigens war der in
Moschaneng lebende Sohn eines verstorbenen Verwandten, als Ursprosse des
alten Knigshauses aller Betschuana's, der Baharutse in Linokana, der
rechtmige zuknftige Huptling.

    1: Dieselben hatten bei einer Hhe von ber 60 Fu einen
    Stamm-Durchmesser von zwei Fu.

In jedem greren Gehfte in der Stadt fand ich einen Pflug und berall
ragten Wagendcher zwischen den kegelfrmigen Grasdchern hervor. Dem
Rathschlage Rev. Jensens folgend, haben es die Baharutse verstanden, die
an den westlichen Hhen des Thalkessels entspringende Quelle des
Matebeflchens auszuntzen; sie wird theilweise durch die Stadt, doch
auch in mehreren Armen durch die Felder und Obstgrten geleitet und
sowohl zur Bewsserung des angebauten Landes, als auch als Wasserleitung
fr husliche Zwecke in Anspruch genommen. Die erwachsene mnnliche
Bevlkerung zahlte zehn Shillinge Kopfsteuer an die Transvaal-Republik
und war im Kriegsfalle verpflichtet, Mnner und Zugthiere beizustellen.
Rev. Jensen war mit der Inempfangnahme der Kopfsteuer betraut und
lieferte sie an die Regierung ab, wofr ihm keine Vergtung irgend einer
Art zu Theil wurde, obgleich er jhrlich an 400  St. abgab.

Um das Missionsgehfte ziehen sich die Grten und Felder, in denen Mais
und Weizen angebaut wird und Pfirsiche, Aprikosen, Birnen, Feigen,
Orangen und Zitronen gedeihen, deren Ertrag eine willkommene Beisteuer
zu dem allzu bescheidenen Gehalt des Missionrs bildet. In dem kleinen
Blumengrtchen begrten wir alte Bekannte aus der trauten Heimat, da
gab es mehrere Arten von Rosen, theils einzeln, theils als Hecken
gezogen, Schwertlilien, die buntfarbigen, duftenden Nelken, den
Pfeifenstrauch, verblhte Tulpen, Hyazinthen etc.

Das Familienleben des Missionrs unter den hohen Bluegum-Bumen am
Matebeflchen glich einer stillen, glcklichen Idylle, und war um so
beachtenswerther, als sie den dunklen Nebenmenschen ein leuchtendes
Vorbild war. Rev. Jensen theilte uns auch mit, da sicheren Nachrichten
zufolge, die ber Capstadt von Zanzibar gekommen waren, Livingstone
einem Ruhr-Anfall am Bangweolo-See erlegen sei, was unsere allgemeine
Freude ber die freundliche Aufnahme nicht wenig trbte. Von Rev. Jensen
erfuhr ich, da der erste Begleiter Livingstone's auf seinen
Missionsreisen in Linokana noch lebe.

Der Huptling Moiloa beklagte sich bei mir durch Rev. Jensen ber das
Betragen einiger Weien, die in die Stadt gekommen waren, namentlich
eines Photographen von Gewerbe (eines Amerikaners) und eines Englnders,
der sich C.H. nannte. Rev. Jensen berichtete mir eine hchst
interessante Heilung von Schlangenbi, die er an einem Bewohner
Linokana's beobachtet hatte. Ein Mann war whrend des Holzfllens von
einer Cobra gebissen worden. In seiner Angst laut schreiend, lie er
Beil und Pfhle im Stiche und lief aus Leibeskrften ber Stock und
Stein nach dem Missionshause zu. Verwundert sieht Jensen einen ber und
ber mit Schaum bedeckten Mann heranstrzen, der, bei ihm angekommen,
vor Ermattung niederfllt und kein Wort zu stammeln im Stande ist. Als
er nach einiger Zeit zu sich kommt und die Wunde vorzeigt, war ihre
nchste Umgebung nur etwas geschwollen, allein der Mann fhlte sich ganz
wohl und ward gesund, ohne ein Medicament genommen zu haben. Der heftige
und reichliche Schwei hatte zweifellos das Gift aus dem Krper
getrieben.

[Illustration: Scene aus dem Leben der Baharutse.]

Die Baharutse besitzen zahlreiche Heerden, obgleich sie jhrlich eine
bedeutende Anzahl durch die herrschende Lungenseuche verlieren.[1]

    1: Nur durch von der Regierung erlassene Maregeln und durch die
    Einfhrung von Acid. sulphuricum dilutum als Specificum, wird man
    mach meinem Dafrhalten diesem Uebel krftig entgegenwirken und
    damit ein groes Capital, das jhrlich im Transvaal-Gebiete nutzlos
    verloren geht, vielleicht retten knnen.

Linokana (=ein kleiner Flu--Li=der--noka=Flu--nokana=Flchen) wurde
frher, aber nur zu Lebzeiten des Huptlings Moiloa und ihm zu Ehren
Moiloa genannt. Fr den Sammler ist, wie Karl Mauch dies besttigt hat,
ein mehrwchentlicher Aufenthalt in Linokana sehr lohnend. Mit Ausnahme
der Mamalia sind naturhistorische Objecte aller Art reichhaltig
vertreten.[1] Die Hhen, von denen der nrdliche der To- (Elephanten-),
der stliche Po- (Bffel-) Berg genannt werden, die Wiesen und
morastigen Partien des Matebethales, die bewaldeten des Notuany zeigen
eine groe Reichhaltigkeit an Vgeln, unter denen namentlich Raubvgel,
langschwnzige Finken, Bienenfnger, grnliche Tauben und Purpurreiher
etc. auffallen.

    1: Eisenhaltiger Schiefer sowie der harte graue Transvaal-Kalkstein
    mit Kalkspath, Blei-, Eisen-, und Kupfererzen durchschlossen und
    ganze Hgel von Petrefacten, der letzten Periode angehrend, welche
    deutlich auf ein Vorhandensein heier Quellen schlieen lassen,
    werden die mineralogischen Sammlungen bereichern.

In frheren Zeiten hatte Moiloa groe Treibjagden veranstaltet, welche
auf der westlichen Hochebene abgehalten wurden. Er lie groe Flchen
derselben umzingeln und die Treiber das aufgescheuchte Wild gegen den
Abfall der Hochebene nach Linokana zu treiben, wo es von den Schtzen
erwartet und zum groen Theile erlegt wurde.

Am 16. verlie ich Moiloa's freundliche Ackerbauer und schlug eine
sdliche Richtung ein, um nach Zeerust zu gelangen. Wir kamen am selben
Tage bis zur nchsten schnen Farm, die dem Fieldeornet Martin Zwart
gehrte, und den wir eben mit der Destillation von Pfirsichbranntwein
beschftigt fanden. M. Zwart besa hier zwei Farmen, hatte mehrere an
der Grenze verkauft und befand sich trotzdem in keineswegs rosigen
Verhltnissen. Gleich vielen anderen einst wohlhabenden Farmern lie die
leidenschaftlich betriebene Jagd auch ihn nicht aufkommen. Er war 21
Jahre lang Jachter (Jagter-Jger) gewesen, whrend welcher Glanz- und
zugleich Verarmungsperiode er 294 Elephanten erlegt hatte.

[Illustration: Sdafrikanische Trappe.]

Im Notuanythal aufwrts zu den Quellen dieses Flusses ziehend, unternahm
ich eine Excursion, nach der Farm des Oosthuisen, der hier mit mehreren
Verwandten in einem schnen Thalkessel wohnte. Seine Farm ist
nennenswerth reich an Kupfererzen, welche auch hier zuvor von den
Eingebornen gewonnen, geschmolzen und zu Armringen etc. verarbeitet
wurden; ebenso wie man an den Hhen unfern der Matebequellen bei
Linokana Stellen findet, an denen Eisenerze in hnlicher Weise
verarbeitet wurden. Oosthuisen beschftigte sich namentlich mit Mais-,
Weizen- und Tabakbau und dem Gerben von Thierfellen, die er den aus dem
Inneren heimkehrenden Jgern abgekauft hatte. Nach Zwarts Farm
zurckgekehrt, fuhren wir zwei Stunden spter in das nahe liegende
Zeerust, den Sitz der Behrde fr den District Marico. Damals nur aus
circa 40 Husern bestehend, hatte das Stdtchen eine mit hoher Mauer
umfriedete hollndische Kirche, welche bei der frheren Unsicherheit der
Gegend, der hollndischen Bevlkerung der nchsten Umgebung als
Zufluchtsort diente.

[Illustration: Tschukuru, Huptling der Baharutse.]

Zeerust liegt am kleinen Marico, der sich nach Osten durch die Hhen
Bahn bricht, um sich mit dem groen Marico zu vereinigen. Der
Marico-District ist zum grten Theile ein von zahlreichen flieenden
Bchlein und Flchen durchzogenes und uerst fruchtbare Thler
besitzendes Hhenland, das auch verhltnimig besser als die meisten
brigen Transvaal-Districte angebaut ist. Ein Theil ist mit einem
Mimosen- und anderem Niederwald bedeckt und in seiner Gesammtheit ein
gutes Weideland fr Pferde und Rinder. Die Farmen stehen hier auch
dichter und wir sehen die Gartencultur ziemlich schwunghaft betrieben,
da wir jedoch trotz Allem die Wohlhabenheit nur auf gewisse Farmen
concentrirt fanden, rhrt daher, da sich die Besitzer der meisten
derselben der Elephantenjagd ergeben hatten und dabei die Ertrgnisse
des fruchtbaren Bodens an dieses so beschwerdenreiche Vergngen
vergeudeten. Das von den Betschuana-Knigen erlassene Jagdverbot wird
diese Jger zwingen, daheim bei ihren Pflgen zu bleiben, was ihre
materielle Lage heben und in einigen Jahren dem Reisenden nur ein Bild
allgemeiner Wohlhabenheit im Marico-District bieten wird.

Am 19. verlie ich Zeerust im Thale des kleinen Marico aufwrts nach
Sden. Nachdem wir eine Anzahl von Farmen, die theils im Thale und in
den Seitenthlern, theils an den Abhngen liegen und Quarifontein,
Quaggafontein, Kafirkraal, Graffel und Deukfontein etc. heien, passirt
hatten, gelangten wir auf das Hooge-Veldt (Hohe Feld), eine der grten
Grasebenen des sdafrikanischen Hochplateaus. Im Osten waren die
Zwart-Ruggens (schwarzen Hhenrcken) sichtbar. Die wildreiche Ebene ist
der stliche Theil der zwischen dem Molapo- und dem Hart-River liegenden
Wildebenen jenes Hochlandes, in dem der Hart-River, der Molapo und der
Marico mit vielen ihrer Nebenflsse entspringen und denen der bei
Wonderfontein beschriebene und sonst oft erwhnte graue
Transvaal-Kalkstein als Grundlage dient. Auf diesem Hochplateau, dem
stlichen Theil des Hooge-Veldt, stieen wir blos auf zwei Farmen, Pit-
und Witfontein, welche in kleinen Vertiefungen lagen, die nach dem
Hart-River zu fhren schienen.

Auf einer der Farmen klagte mir der Eigenthmer ber die Dreistigkeit
der Hynen. Eine solche war einige Wochen zuvor Abends, als der
Eigenthmer in der Stube sa, in dieselbe eingedrungen. Der Mann, der
eben eine hollndische Zeitung las, dachte, es sei ein Hund, als ihn
sein unter dem Tische liegender Hund, der auf den frechen Eindringling
lossprang, eines Anderen belehrte. Auf Pitfontein fanden wir Lwenspuren
und die Shne des Farmers erzhlten uns, da eine der in dem umzunten
Felde arbeitenden Barolong-Dienerinnen zwei Tage zuvor, Frh am Morgen
einen Lwen gesehen htte. Auch war am selben Tage eines ihrer Klber im
veldt (auf der Ebene) von einem Lwen getdtet gefunden worden. Nach
diesen Mittheilungen zu schlieen, muten es Lwen vom Maretsane- und
Konanaspruit gewesen sein, welche vom Westen her hnliche Besuche diesen
Farmen und den wildreichen Ebenen abzustatten pflegten.

Auf Witfontein klagte man ber die Unverschmtheit eines Mannes, der in
Potschefstroom wohne und zeitweilig das Land bereise, um unter dem
Vorwande, neue Quellen aufzufinden, den Bauern schweres Geld ablocke.
Nach der Beschreibung der Leute hatten wir dem Mann begegnet, als wir
eben das Hochplateau betraten. Es war ein verschmitzt aussehender Alter,
das Prototyp eines echten Transvaal-Raubritters, mit einem
hoffnungsvollen Sprossen und einem Betschuana, der den zweirdrigen von
zwei Ochsen gezogenen Karren lenkte.

Am 22. Mrz begannen wir allmlig herabzusteigen und betraten das Thal
des Makoksspruit, an dem Makoks-(Eingebornen-)Kraal liegt. Im Thale fand
ich eine Farm und in dem Farmer den Verwandten eines Mannes, den ich in
den Diamantenfeldern behandelt. Obgleich sehr verarmt, bemhten sich die
Leute uns zu bewirthen. Am folgenden Tage erreichten wir das Thal des
oberen Schoenspruit, der reichlich flo und in dessem Thale sich eine
Farm an die andere reihte. Zwischen dem Schoenspruit und Potschefstroom
hatten wir mehrere flache Hhenrcken zu berschreiten, welche
sdwestliche Auslufer des Hooge-Veldts sind und die Moi-River und
Schoen-Zuflsse begleiten.

Unter den in meinem Tagebuche verzeichneten Lwenjagden finde ich
einige, welche sich auf dem Terrain zwischen Zeerust und Potschefstroom
abspielten. Die interessanteste derselben, welche mir in dem Urwalde des
stlichen Bamangwatolandes von dem im Jakobsdaler District ansssigen
Elephantenjger David Jakobs mitgetheilt wurde, will ich hier
wiedererzhlen.

Im Jahre 1863, whrend der in der Transvaal-Republik herrschenden
Unruhen hatten sich auch die Bewohner des Marico-Districtes an denselben
betheiligt und so war ein Haufen der Farmer zu Pferde nach
Potschefstroom abgezogen. Unter diesen befanden sich die zwei berhmten
Elephantenjger J.W. van Viljoen und Pit Jakobs, dann der Erzhler und
17 andere Boers. Auf ihrem Wege dahin waren sie bis zu Makoks-Kraal
gekommen, als unweit desselben die Reiter nahe am Wege eine
ausgewachsene Lwin im hohen Grase liegen sahen. Viljoen, ein Lwenjger
 la Gordon leitete den sofortigen Angriff ein und die brigen, seine
Erfahrenheit in diesen Dingen wohl kennend, fgten sich willig. Er lie
absatteln, die Pferde mit den Zgeln aneinander binden und dann die
Mnner mit ihren Gewehren eine Stellung zwischen dem Raubthiere und den
Pferden einnehmen, in dieser waren sie etwa 100 Schritte von demselben
entfernt. Viljoen erlaubte sich bei solchen Gelegenheiten immer einen
Spa; so oft er mit Jemandem jagte und dabei zufllig einem Lwen
begegnete, stellte er immer den Muth seines oder seiner Begleiter auf
die Probe. Van Viljoen, der seitlich von seinen Begleitern stand,
bentzte den Moment, wo deren Augen auf die Pferde gerichtet waren, um
sich nach der Lwin zu wenden, und um sie herauszufordern, eine Kugel
ber sie hinwegfliegen zu lassen. Seine Absicht gelang vollkommen. Die
Lwin kam zhnefletschend bedchtig herangeschritten. Auf 40 Schritte
Entfernung traf sie der Schu eines der Jger am Ohr und nun kam sie
rascher heran. Als das Raubthier die Entfernung schon um 20 Meter
verkrzt hatte, geriethen die Mnner in's Schwanken--Viljoen stand ruhig
etwa 18 Meter von dem Thiere entfernt und fixirte bald das Thier, bald
die auf dasselbe gerichteten Mndungen der Gewehre seiner Genossen--da
blitzte es auf, sechs Schsse fielen und die Lwin that keinen Schritt
nher--fnf Kugeln waren ihr in die Brust gedrungen.

Nun, da haben sich Deine Freunde wacker gehalten, sagte ich zu David
Jakobs.

Nun, es war nicht so arg mit ihnen, denn als die Lwin nher kam,
kehrten sich einige von ihnen nach den Pferden um, d.h. sie wollten sich
empfehlen, allein die Pferde, welche die Lwin gewittert, hatten sich
ngstlich aneinander gepret und waren um volle 20 Schritte
zurckgewichen, so muten die Genossen bleiben, die Lwin htte ihnen
den Rckzug abgeschnitten.

Auf dem Wege vom Schoenspruit nach Potschefstroom entdeckte ich auf der
ersten Hhe ein interessantes Felsenthor und mehrere senkrecht aus der
Erde meist halbkreisfrmig aufsteigende, kammfrmige Quarzit-Wlle. Die
zwischen denselben gelegene Farm fhrt den Namen Klip-Port und eine der
nchsten Farmen Klip-(Stein-)Fontein; auch hier fand ich massenhaft
schnen, ein wellenfrmiges Geschiebe bildenden mit Quarzit
durchschossenen Eisenschiefer, wie wir es an den Quarzitfelsen auf
Klip-Port beobachtet. Auch weiterhin gegen Potschefstroom zu, hatten wir
enge Thler und felsige Hhen zu berschreiten.

Am selben Tage Nachmittags langten wir in Potschefstroom an. Meinem
Vorhaben gem verkaufte ich daselbst zwei Zugthiere, da mein Baargeld
vllig erschpft war. Freund E. und B. sagten mir hier Lebewohl, um sich
nach den in Schwung gekommenen Goldfeldern des Leydenburger Districtes
zu begeben und ihr Glck, das sie vergebens in den Diamantenfeldern
gesucht, nochmals zu erproben; auch F. verlie mich hier.

Am 28. brach ich von Potschefstroom auf und erreichte Tags darauf
Klerksdorp. Auf dieser 34 englische Meilen langen Strecke begegnete ich
auffallend vielen Wgen. Es waren Kaufleute und Diamantensucher, sowie
Kantinjers, welche Leydenburg mit den Diamantenfeldern zu vertauschen
gesonnen waren und nun nach Gold lechzten, ebenso wie kurz zuvor
Diamanten ihr Losungswort war. Ich verlie Klerksdorp noch am Abend
desselben Tages und fuhr bis zum Estherspruit.

Am 30. begegneten wir der Passenger cart, dem zwischen den
Diamantenfeldern und Leydenburg verkehrenden, auch die Transvaalpost
befrdernden Omnibus.

An der Furth des Maqwasispruit wurde mir eine angenehme Ueberraschung
bereitet. Die Zugthiere an der Trnke beaufsichtigend, schlug pltzlich
der Ruf: Doctor, mein Gott, Doctor, sind Sie es? an mein Ohr. Ich sah
auf und blickte in das freundliche Gesicht der Frau P., eine jener
Frauen, in deren Hfchen ich in Dutoitspan am Hill gewohnt. Sie war
immer so gtig gegen mich, da ich sie Mutter nannte. Ihr Mann wie ihr
Bruder hatten sich aufgemacht, um ihr Glck, das sie in den
Diamantenfeldern vollkommen im Stich gelassen, nun in den Goldfeldern zu
versuchen.

Am 1. April berschritt ich den Bamboesspruit und 17 Meilen unterhalb
Christiana den Vaal an Blignauts (sprich Blechnots) Fhre und langte am
7. April 1874 in Dutoitspan an. Die Gesammtauslagen dieser zweiten Reise
berstiegen 9000 fl. Unter den mitgebrachten, mehr als 20 Kisten
fllenden Gegenstnden waren die ethnographischen Objecte, 400 an der
Zahl, am besten vertreten, ihnen folgten, der Zahl und dem Werthe nach:
Insecten, Pflanzen, Hrner, Reptilien, Sugethierfelle, Mineralien,
Vogelblge, anatomische Prparate, Spinnen und Krustenthiere,
Weichthiere und Versteinerungen. Auch in kartographischer Hinsicht
konnte ich whrend dieser zweiten Reise der Aufnahme meiner Routen mehr
Mue widmen; leider verhinderten mich theils Wassermangel, theils
verschiedene Unflle, die der geehrte Leser bereits kennt, an einer
umfassenderen Verwirklichung meiner diesbezglichen Absichten.




XIII.

Dritter Aufenthalt in den Diamantenfeldern.


So war ich denn zum dritten Male in Dutoitspan angelangt, gleich wie
nach meiner ersten Ankunft in den trostlosesten pecuniren
Verhltnissen. Gleich am Tage nach meiner Ankunft wurde mir von einem
Attorney (Notar) das Good for zur Zahlung prsentirt, das ich vor der
Abreise fr den spter entlaufenen M. gegeben und hatte bald darauf den
weiteren Betrag von 117  St. zu bezahlen. So mute ich denn die meisten
Carossen und Strauenfedern sowie meinen Wagen und Gespann um jeden
Preis losschlagen. Auch in anderer Hinsicht hatte ich mit manchen
Schwierigkeiten zu kmpfen, umsomehr, als es lnger denn einen Monat
whrte, bis ich mir wieder eine nennenswerthe Praxis verschafft hatte.

Ich miethete mir in einer der Nebenstraen Dutoitspans ein aus Lehm
aufgefhrtes, aus einem Zimmer bestehendes, mit galvanisirtem Eisenblech
gedecktes Huschen, dem eine aus gleichem Material errichtete Bude
angebaut war, zu welchem auch ein Hof mit einem Brunnen und ein nach
zwei Seiten hin offener Pferdestall gehrte und bezahlte fr diese
weitlufigen Appartements 5  St. monatliche Miethe. Im Juni hatte ich
mir wieder eine ansehnliche Praxis erworben und war genthigt, mir ein
Reitpferd, einen Monat spter zwei Ponnies zu einem Cabriolet
anzuschaffen. In den Wintermonaten des Jahres 1874 gab es eine bse Zeit
fr die Central-Diggings, die Masern waren ausgebrochen, 40 Visiten
tglich waren mehrere Wochen hindurch an der Tagesordnung, manche Woche
stieg die Zahl derselben auf 52.

Mit dem Aufblhen meiner Praxis begannen bei mir auch schon die
Vorbereitungen zu meiner dritten und groen Reise. Ich schaffte mir
einen neuen Wagen und zehn ausgesuchte, krftige Zugthiere an; von allen
Seiten trugen sich mir Begleiter an, doch diesmal hatte ich es mir
vorgenommen, mit der grten Vorsicht meine Auswahl zu treffen.

Eine groe Erleichterung whrend meines dritten Aufenthaltes in den
Central-Diggings erfuhr ich durch meinen Cap'schen Halfcast-Diener mit
Namen Jan van Stahl, der englisch und hollndisch schreiben konnte, es
auch bald begriff, mir die Medikamente bereiten zu helfen und berdies
ein ausgezeichneter Eincassierer war. In einem der vielen Kauflden
lernte ich einen jungen Commis kennen, der mir seine Berufsgenossen an
Bildung zu berragen schien und auch sonst ein einnehmendes Wesen hatte.
Ich machte ihm daher, als ich mich seines Charakters versichert hielt,
den Antrag, mit mir zu gehen, und einen Monat darauf kam er auch
thatschlich zu mir, da sein Brodherr das Geschft aufgegeben hatte.
Theunissen, so hie mein neuer Gefhrte, wurde bald mein Freund, und
obwohl wir ber ein Jahr bei einander wohnten und lebten, hatte ich mich
nicht eher ernstlich ber ihn zu beklagen, als am Zambesi, woselbst er
mich im Stiche lie, da er der ihm vom Fieber drohenden Gefahr entgehen
wollte. In Dutoitspan hatte er sich bald in das Zubereiten der
Medicamente gefunden und da er eine ziemlich gute Kenntni der
Landwirthschaft besa, war mir oft sein Rath, namentlich was die Wahl
der Zugthiere etc. betraf, von nicht unerheblichem Nutzen. Der Diener
van Stahl hatte keine Lust mit in's Innere zu reisen--die Lwen waren
ihm zu schreckliche Gestalten--dagegen entschlo sich der Hirte Pit
Dreyer mitzugehen.

Vor und whrend der Zeit meines dritten Aufenthaltes hatten die
Verhltnisse in den Diamantenfeldern einen groen Umschwung erfahren.
Mehr denn ein Viertel der einstigen weien Bevlkerung hatte sie
verlassen, war nach der Colonie, nach dem Oranje-Freistaat (ihrer
frheren Heimat), nach Europa etc. zurckgekehrt oder nach den
Transvaaler Goldfeldern ausgewandert. Man begann namentlich in Kimberley
grere Sorgfalt auf die eisernen und hlzernen Wohnungen zu verwenden.
Doch zeigte sich ein guter Theil der Bevlkerung mit dem ersten
Gouverneur der Provinz unzufrieden, welche Mistimmung whrend meiner
dritten Reise zu einer Revolte ausartete. Die Diamanten waren im Preise
seit dem Jahre 1872 gesunken, da aber dies nicht mit den Claims der Fall
war, verwendete man grere Capitalien und bessere Maschinerien, um der
Edelsteine habhaft zu werden.

[Illustration: Mein Wohnhaus in Dutoitspan.]

Vor dem Antritte meiner dritten Reise begab ich mich im November 1874
nach dem Vaal-River und schlug hier, Delportshope und der
Hart-Rivermndung gegenber, zu meiner Erholung fr 14 Tage mein Lager
auf. Kleine Jagdausflge und das Sammeln naturhistorischer Objecte
fllten diese Tage bald aus.

[Illustration: Koles-Kopje im Jahre 1875.]

Nach Dutoitspan zurckgekehrt, erhielt ich aus Prag die erfreuliche
Nachricht, da die auf der ersten Versuchsreise und whrend meines
Aufenthaltes in den Diamantenfeldern gesammelten Objecte, mit Ausnahme
einiger beschdigter Vogelblge und Insecten, vollkommen erhalten in der
Heimat eingetroffen waren.

Ich hatte mich mit Kleidern auf 2 Jahre, mit Lebensmitteln auf zehn
Monate versehen, in den wildreichen Gegenden hoffte ich gengende Mengen
Fleisch zu gewinnen, um nicht Noth zu leiden. Schlielich traf ich
Vorsorge, da mir meine Correspondenz nach Zeerust im Marico-District
nachgesendet werde.




Anhang.


1) Das Museum, um dessen Grndung und Hebung sich namentlich die Herren
Grey, Fairbridge und der frhere sterreichische Consul, Herr Adler,
hohe Verdienste erworben haben, steht mit seiner Hauptfaade dem
Tafelberge zugewendet. Es enthlt theils inlndische, theils auch
eingetauschte oder geschenkte ethnographische und naturwissenschaftliche
Gegenstnde, ferner eine kleine Gemldesammlung und eine bedeutende
Bibliothek. Aus der Vorhalle, in der dem Besucher der ausgestopfte Balg
eines aus der sdlichen Polarzone herrhrenden See-Elephanten und
Gemlde von den Victoriafllen des Zambesi besonders in die Augen
fallen, tritt man zur rechten in die Bibliothek, zur Linken in den
groen Saal ein, der zwei Gallerien aufweist, und die ethnographischen
und zoologischen Sammlungen enthlt. Die ersteren sind ziemlich
bedeutend, von den letzteren namentlich die Sammlung afrikanischer
Mamalia, Aves, Crustaceen und Lepidoptera nennenswerth. Das Museum steht
unter der Leitung eines Kurators, R. Trimen, welcher sich nicht nur um
das Museum groe Verdienste, sondern auch als Erforscher der
sdafrikanischen Lepidoptera einen Weltnamen in diesem Fache erworben
hat. Auch der sich anschlieende botanische Garten ist in jeder
Beziehung nennenswerth, wenn er auch vielleicht nicht so viel zur
Pflanzencultur beitrgt als wie jener in Grahamstown, der unter den
sogenannten botanischen Grten Sd-Afrika's, deren es mehrere gibt, wohl
der bedeutendste ist. Diese Grten sind wie in Europa theils vom Staate,
theils von den Stdten, in deren Nhe sie errichtet sind, theils durch
freiwillige Beitrge unterhalten und sollen Erholungsorte vorstellen,
wobei jedoch auch besondere Rcksicht auf Pflanzen- und Baumcultur
genommen wird, so da aus ihnen die fr ffentliche Anlagen und neu zu
errichtende botanische Grten nthigen Setzlinge bezogen werden und sie
auch im Stande sind, den Bedarf an Pflanzen, Struchern und Bumen fr
Privatgrtner und Farmer zu decken. In diesen Grten werden jedoch auch
exotische Gewchse mit vorzglichem Erfolge cultivirt und gedeihen
namentlich australische Baumarten, ferner Gewchse aus Mauritius,
Madagaskar und Sd-Amerika. Vor Allem scheinen namentlich die
australischen Eucalyptus-Arten sehr gut fortkommen zu wollen.

2) Port Elizabeth ist der bedeutendste Hafenplatz in der Cap-Colonie,
dann folgt Capstadt, East London, Port Alfred etc., und ist der Handel
in demselben meist in den Hnden englischer und deutscher Kaufleute. Bei
meiner Ankunft im Jahre 1872 wurden aus Port Elizabeth in der ersten
Jahreshlfte 280.000 Centner Schafwolle im Werthe von 2,500.000  St.,
Diamanten im Werthe von ber 1,000.000  St., Elfenbein und
Strauenfedern im Werthe von ber 100.000  St., Felle und Hute im
Werthe von ber 300.000  St., ferner:

                        im zweiten Quartale des Jahres
                              1878         1879
Alo   .  .  .  .  .         9.150        3.625 Pfund
Mehl      .  .  .  .            --        5.000   "
Hafer     .  .  .  .         4.500          120   "
Strauenfedern     .        15.403       15.347   "
Eingesalzene Fische          1.000           --   "
Angorahaar      .  .        79.555      268.690   "
Rindshute      .  .        17.476       14.172 Stck
Rindshorn       .  .        23.519       34.208   "
Pferde    .  .  .  .            --          188   "
Elfenbein    .  .  .        30.771       12.258   "
Schaffelle   .  .  .       250.922      203.741   "
Ziegenfelle  .  .  .       147.798       89.680   "
Branntwein      .  .            --           15 Gallonen
Castantia-Wein     .            --           76   "
Wolle     .  .  .  .        57.753.42    66.036.66 Centner
im Werthe von      .       524.730      509.538  St. ausgefhrt.

Die Zoll-Einnahmen dieses Hafenamtes betrugen im Oktober 1879 39.915 .
St.; gewi eine sehr betrchtliche Summe, wenn man bedenkt, da Port
Elizabeth kaum 20.000 Einwohner besitzen drfte.

3) Bezglich ihrer Lage gilt Grahamstown oder die Stadt der Settlers
als die schnste Stadt der Cap-Colonie. Malerisch breitet sie sich an
den Ufern des Oberlaufes des Kowieflchens am Abfalle der ersten Stufe
des sdafrikanischen Hochplateaus aus. Grahamstown ist der Sitz eines
katholischen und englischen (Hochkirche) Bischofs und besitzt mehrere
Bildungsanstalten. Es ist mit Port Elizabeth durch die Bahn verbunden
und soll nun auch mit seinem Hafen Port Alfred durch einen
Schienenstrang in engere Beziehung treten, welcher der Stadt groe
Vortheile bieten wrde. Unter den Sehenswrdigkeiten steht der
Cathedralthurm obenan (an der Kirche selbst wird gebaut), es ist der
schnste in Sd-Afrika und mit den grten Glocken versehen; um die
Frderung des Baues hat sich der dem Dome vorstehende Rev. Dean Williams
hoch verdient gemacht. Sehenswerth sind ferner: ein Gebudecomplex des
frheren Militrkommando's fr Sd-Afrika mit einem Paradeplatz und dem
sich anschlieenden botanischen Garten, ferner am entgegengesetzten
Stadtende die Irrenanstalt und das im provisorischen Stadthause in der
Bathurststrae untergebrachte Museum. Es wird von der Stadt und durch
Beitrge von Privaten unterhalten und besitzt viele Versteinerungen,
meist von Dr. Atherstone fr dasselbe erworben, ferner eine reichhaltige
ornithologische Sammlung und ein bedeutendes Herbarium. Im Allgemeinen
sind alle naturwissenschaftlichen Fcher, auch das ethnographische,
ziemlich gut vertreten. Im Hofraum werden einige lebende Thiere
gehalten.

4 u. 5) Cradock gehrt zu den bedeutenderen Stdten der Colonie und wird
in allernchster Zeit durch die Bahn mit Port Elizabeth verbunden sein.
Die Stadt besitzt eine Merkwrdigkeit, die hollndische Kirche, die mehr
einem Rathhause als einer Kirche hnelt und mit einem Kostenaufwande von
30.000  St. erbaut wurde.

Von groer Bedeutung fr Cradock ist die Gilfillanbrcke, eine
Eisenconstruction auf drei Pfeilern ruhend. Sie wurde im Jahre 1874 von
dem tckischen Fish-River hinweggesplt und ist seitdem um sechs Fu
hher angelegt worden. Nahe an der Stadt, theilweise auf ihrem Gebiet
wie auf der nahen Farm des Herrn von Rensburg finden sich warme,
schwefelhaltige Quellen, der Boden ihrer nchsten Umgebung zeigt tiefe
Lagen von Asche. Zwei Wollwschereien sind hier angelegt. Der District
Cradock ist einer der bedeutendsten in der Colonie und namentlich durch
seine Zucht von Angoraziegen und Strauen ausgezeichnet. Er ist einer
der Gebirgs-Districte und stellenweise ungewhnlich reich an fossilen
Ueberresten des Dicyuodon. In Cradock selbst wohnte der um die Geologie
des Districtes so hochverdiente Dr. Grey, leider hat ihn der Tod zu
frh, bevor er noch seine Forschungen beenden konnte, der Wissenschaft
entrissen.

6) Colesberg, auf der Hauptstrae von Port Elizabeth nach den
Diamantenfeldern gelegen, hat in den letzten Jahren bedeutend gewonnen.
Auf meiner Hinreise hielt ich mich hier nur zwei Stunden, auf der
Heimreise dagegen fnf Tage auf.

7) Jagersfontein hat in den allerletzten Jahren, namentlich durch die
Rhrigkeit der Kaufleute in Fauresmith bedeutend gewonnen.

8) Der Wunsch und die Absicht, Thiere, welche in der Regel in der
Gefangenschaft schwer zu erhalten sind, vor meinen Augen gedeihen zu
sehen, bewog mich zur Anlage eines kleinen Thiergartens, in welchem ich
unter anderen Thieren Proteles Lalandii, das Erdferkel, Schuppenthiere,
Rohrrler etc. hielt. Nach dem Erstgenannten fahndete ich mehrere Jahre
vergebens, bis ich endlich zwei Thiere von einem Elfenbeinhndler
erstand und sie in einer etwa sieben Meter groen aus Fadauben
errichteten Umzunung verwahrte. Am nchsten Morgen fand ich nur mehr
ein Thier, das andere, obgleich noch ganz jung, hatte sich nachtsber
den Weg nach Auen aufzuscharren gewut und war, wie die angestellten
Nachforschungen erwiesen, von Hunden zerrissen worden. Das Ueberlebende
wollte lange Zeit durchaus keine Nahrung zu sich nehmen. Das kleine
Gebi dieses merkwrdigen Raubtieres weist es auf Termiten an und so
blieb mir nichts brig, als ihm mit Gewalt die Nahrung,--zerhacktes, in
Milch eingeweichtes Fleisch--hinzubringen. Nach einigen Tagen, nachdem
ich den Boden des gerumigen Zwingers mit Steinen pflastern lie, fra
es diese Nahrung aus meiner Hohlhand, lie ich sie jedoch in einer Tasse
in oder an seinem Baue, so rhrte es dieselbe nicht an. So ging es durch
volle vier Monate, dreimal des Tages hatte ich das Thier eigenhndig zu
fttern. Allmlig wurde das Thier in mancher Hinsicht zahmer, es fauchte
nur mehr zuweilen, wobei es seine Mhne hoch aufzurichten pflegte. Da
sich whrend meines vierten Aufenthaltes in den Diamantenfeldern die
Zahl meiner Patienten von Woche zu Woche steigerte, sah ich mich
gezwungen, die Behandlung der meisten meiner Thiere und auch die
Ftterung des Proteles einem meiner schwarzen Diener zu bergeben. Ich
gab mich der Hoffnung hin, das Thier werde durch den Hunger genthigt
werden, selbst die Nahrung aufzusuchen, hatte mich jedoch getuscht, es
lie dieselbe drei Tage gnzlich unberhrt und bi mich, als ich ihm am
vierten Tage mit Gewalt einige kleine Stckchen Fleisch in den Schlund
einfhrte. Zwei Tage spter war das Thier verhungert.

9) Die Salzpfanne (Salzsee) an der Hallwaterfarm besitzt zwei Buchten,
eine nach Norden und eine nach Westen, am Sdufer erhebt sich ein aus
dem nie fehlenden schligen Kalk bestehender Hgel, sonst sind ihre Ufer
flach und sehr steinig, das Gestein meist Grnstein in Form von Blcken
mit mandelartigen, rosarothen Chalcedoneinschlssen. Bis auf die Mitte
ausgetrocknet, war sie an der tiefsten Stelle hchstens zwei Fu tief,
so da die Bodenflche sehr eben erschien, doch konnte man deutlich
wahrnehmen, da dieser kleine Salzsee in frheren Perioden einen hheren
Wasserstand besa als gegenwrtig. An den Buchten mnden kleine, nur
nach heutigen, in der nchsten Umgebung niedergefallenen Regengssen
flieende Bche. Es scheint mir, da dieser, wie die meisten brigen
Salzseen, tief in das Terrain eingebettet war, da sie nur in abflulosen
Landstrichen vorkommen. Das in den Bachbetten nach der Pfanne strmende
Wasser, das bisweilen selbst kleine Felsenplatten mitreit, laugt den
salzhaltigen Boden aus, und da das Wasser sehr schnell verdunstet,
concentrirt sich der Salzgehalt whrend der Trockenheit in den
brigbleibenden Lachen und macht den Inhalt derselben ungeniebar. Die
nchste Umgebung der Savanne ist bebuscht, namentlich dicht nach Norden
und Nordwest, in welcher Richtung sich ein Kameeldornwald anschliet.
Wir forschten nach den Stellen, d.h. nach den Ruinen, die man uns als
Reste von Monopotapa bezeichnet hatte, allein wir fanden von denselben
auch nicht die geringsten Anzeichen, dagegen in einigen Gruben
gesimsartig geformte Schieferplatten. Dieselben trugen keinerlei Spur
menschlicher Arbeit an sich, es sind Schieferlagen, welche meist in
horizontaler Lage aufeinander geschichtet sind und auf welche in dieser
Lage eine Strmung zu verschiedenen Perioden mit einer verschiedenen
Strke einwirkte. Da wo die Schieferplatten der Quere nach gespalten
waren, drang das Wasser ein und erzeugte die rundlichen Scheiben, die
als Fragmente von Sulen angesehen wurden. Die meisten Schieferplatten
haben in der Mitte eine hrtere Struktur, man mchte sagen, da sie
schalig sind, und daher rhrt auch die an manchen beobachtete
Linsenform. In geognostischer Beziehung von groem Interesse ist der Ort
vorlufig, so lange nicht Nachgrabungen zu einem entsprechenden
Resultate fhren, fr den Archologen von keiner Bedeutung. Ich glaube,
da Nachgrabungen, die ich an dieser Stelle zu veranstalten hoffe, uns
neue Aufschlsse ber die Geologie Sdfrika's bieten werden. Vorlufig
ist der Traum von der glnzenden Vergangenheit zerstoben und nur die
prosaische Wirklichkeit geblieben, da die Pfanne gutes Salz liefert. In
letzterer Zeit machten die durch das Glck der Zulu's in den ersten
Kmpfen aufgestachelten und khner gewordenen Koranna's die Gegend so
unsicher, und betrugen sich den Gerichtsbeamten gegenber so
unverschmt, da bewaffnete Mannschaft gegen sie abgesendet werden
mute, um die Diebe zu fassen. Leider wurden diese von den Koranna's mit
den Waffen in der Hand empfangen, wobei ein Weier das Leben verlor,
bevor den beraubten Farmern und dem verhhnten Gesetze Genugthuung
verschafft werden konnte.

10) Die Carotiden waren unverletzt, dagegen die ueren Kehlkopfarterien
schwer verletzt. Ich verband vorerst die Arterien und nhte sodann den
durchschnittenen Adamsapfel zusammen. Der Zustand des Verwundeten war
ein sehr bedenklicher und Pimie zu frchten. Ich gab kleine Dosen von
Chinin, 1/10 Gramm in flssiger Form jede drei Stunden, ferner Tinctura
Aconiti Napellus einen Tropfen alle vier Stunden mit Wasser, sowie
dreimal des Tages die in meiner sdafrikanischen Praxis als
ausgezeichnet befundene Tinctura ferri sesquichlorati in zweitropfigen
Dosen.

Als ich am dritten Morgen zu meinem Kranken kam, hrte ich schon beim
Eintreten in's Zimmer einen starken Luftstrom durch die Kehlkopfwunde
mit dem eigenthmlichen Gerusch entweichen. Der Kranke war whrend der
Nacht wieder in Hallucinationen verfallen und hatte sich den Kehlkopf,
sowie den rechten Flgel der ueren Wunde aufgerissen. Ich entfernte
mit Hilfe der Pincette und der Scheere die zerrissenen Kehlkopftheile,
wodurch eine klaffende Oeffnung in der vorderen Wand des Adamsapfels
entstand, tzte mit Lapis die umliegenden mir als schlecht erscheinenden
Fleischstellen, wusch die Wunde aus und applicirte eine schwache
Hllensteinlsung. Schon am nchsten Tage nahm das Fieber ab und der
Kranke besserte sich von diesem Augenblicke an, ohne ein einziges Mal
eine Verschlechterung seines Zustandes zu erfahren. Sechs Wochen spter
war die vordere Kehlkopfwand bis auf eine bohnengroe Oeffnung
geschlossen und nach acht Wochen vom Tage der Behandlung an, war die
Wunde geschlossen bis auf eine erbsengroe Vertiefung, eine vollkommen
seichte Narbe zurcklassend. Die Stimme des Kranken war weniger laut,
doch auch nicht heiser zu nennen.

11) Nachdem Gassibone sein Gebiet der Transvaal-Republik angeboten und
diese es auch angenommen, frchtete sich Mankuruana, da er ein
Unterthan dieses Staates werden msse, und bot sein nrdlich vom
Hart-River bis gegen den unteren Molapo sich erstreckendes Gebiet, mit
Ausnahmne einer kleinen Strecke bei Taung, der englischen Regierung an,
die es nicht annahm. Ich erlaubte mir, als dies geschah, die
Colonial-Regierung auf Mankuruana's Charakter aufmerksam zu machen,
hauptschlich darauf, da man seiner Erklrung von Loyalitt und
Freundschaft nur wenig glauben schenken drfe. Die Folge bettigte
meine Ansicht: sowie der Transvaal-Staat englisch geworden war, nderte
er sein Spiel, erst in allerletzter Zeit zeigte er sich abermals
freundlicher und englisch gesinnt, dies jedoch nur, nachdem sich seiner
Vasallen, Mora von Kuruman zu Ungerechtigkeiten den Weien gegenber
hinreien lie und dafr gezchtigt wurde.

12) Als in der Mitte der Fnfziger Jahre die Freistaatboers in einem
Kampfe mit dem im Sdosten wohnenden Basutoknig Moschesch begriffen
waren, bentzten einige sdlich vom Vaal wohnende Koranna's mit ihrem
Huptling Kousop (Kusop) die durch diesen Krieg hervorgerufene
Entblung der nordwestlichen Freistaatfarmen von der mnnlichen
Bevlkerung, die zu dem Kriege abcommandirt war, um hinterlistiger Weise
die ihnen zunchstgelegenen Niederlassungen der Weien zu berfallen,
und nachdenm sie die Frauen und Kinder getdtet, mit den gesammten
Heerden in ihre Heimat zu flchten, und da sie sich nach dieser
ruchlosen That im Freistaate nicht sicher fhlten, ihre Niederlassung zu
verlassen und ber den Vaalflu zu setzen. Kusop begab sich zu
Gassibone, dem Vater des von mir besuchten Chefs der Batlapinen, und
nachdem er ihm von seiner Beute Geschenke abgegeben, erhielt er von
diesem die Erlaubni--da Gassibone als der Paramont Chef das eigentliche
Oberhaupt der Batlapinen anerkannt war--sich in seinem Gebiete
niederzulassen. Als die Batlapinen die schnen Heerden sahen, die Kusop
geraubt, waren sie, als ihnen die Shne des alten Gassibone, Pohu'tsive
und Bojong, den Befehl ertheilten, sofort bereit, sich zu einem Raubzuge
nach dem Freistaate zu rsten, an welchen sich auch ein benachbarter
Chef der Bamairen Motlabane betheiligte und auf welchem auch die
Transvaalfarmen im Osten berfallen wurden. Da der Krieg mit Moschesch
noch nicht beendet war und der berfall nach der Ostseite pltzlich
geschah, fanden die wilden Horden weder im Freistaate noch im
Transvaalgebiete erheblichen Widerstand und kehrten mit zahlloser Beute
beladen in ihre zwischen dem unteren Hart- und dem mittleren Vaal-River
gelegenen Wohnsitze zurck. So wie sich jedoch die Nachricht von diesen
Ueberfllen im Freistaate und dem Transvaalgebiete verbreitete, rsteten
sich alle jene der Farmer, die nur abkommen konnten, gegen Kusop, er
wurde im Kampfe getdtet und ihm ein Theil der geraubten Heerden nebst
seinen eigenen abgenommen. Die brig gebliebenen seiner Leute flchteten
sich gegen Mamusa, oder folgten den Farmern, um in deren Dienste zu
treten. Pohu'tsive, der die Vergeltung seiner ruberischen That an
seines Vaters Kraal frchtete, dachte, da es besser wre, die
hollndischen Farmer, bevor sie noch ihre Farmen erreichen konnten,
anzugreifen, zu vernichten und ihnen die Heerden abzujagen. Sein Plan
ging dahin, die Truppe der Weien zu umzingeln. Doch die Angreifer
wurden zurckschlagen, zerstreut, ihre Reihen nach allen Seiten
durchbrochen, und der Fhrer getdtet, bevor er seines Vaters Kraal
erreichen konnte. Ohne den Angriff Gassibone's des Vaters abzuwarten,
griffen nun die Farmer, die auerdem durch Zuzug verstrkt worden waren,
ihn, sowie seinen Bundesgenossen Motlabane an und schlugen beide, der
erstere wurde spter enthauptet. Die so zerstreuten Koranna's,
Batlapinen und Bamairen flchteten nach Taung, und da es manchen noch
glckte, mit den gestohlenen Heerden zu entkonmmen, so folgten die
Krieger in ihren Spuren bis nach Taung. Mahura, der Knig der stlichen
Batlapinen, hatte jene Raubzge der brigen sdlichen Batlapinen nicht
gebilligt, allein er zeigte sich nicht willig, die zu ihm geflohenen
Stammesgenossen mit ihrem geraubten Gute auszuliefern. Darum setzte er
sich zur Wehre, nahm den Kampf auf und stellte sich den Farmern
entgegen. Er wurde geschlagen und seine Leute flchteten sich in die
felsigen Hhlen ber der Stadt, nach der hollndischen Version sie zu
vertheidigen trachtend, nach der eigenen nun von den unten campirenden
Boers, wo sie sich blicken lieen, niedergeschossen zu werden.
Der Sieg ber Taung fhrte zu einem Frieden, den die Shne
Mahura's im Namen ihres Vaters mit + unterzeichneten, die
Friedensbedingungen waren berspannte und grausame, da doch Mahura's
Batlapinen sich keiner Rubereien gegen die Boers schuldig gemacht
hatten. Die Strafe lautete auf Auslieferung einiger der Freibeuter und
die Zahlung von 8000 Stck Rindvieh, 390 Pferden und 500 Musketen, eine
Kontribution, welche die vereinigten Batlapinenstmme zu jener Zeit
nicht aufbringen konnten.

13) Mankuruana's Batlapinenreich stellt gleich den brigen nrdlich
liegenden Betschuanareichen ein Parallelogramm dar, dessen lange Seiten
von West bei Nord nach Ost bei Sd und von West nach Ost laufen. Die
stliche Grenze dieser Reiche wird theilweise vom Hart-River, theilweise
vom Marico-District der Transvaal-Republik, dem unteren Maricolaufe,
sowie von dem centralen Limpopo gebildet, die westliche erstreckt sich
tief in das Kalabari-Bushveldt bis nach Gro-Namaqualand. Die
regierenden Stmme der Betschuana's, die Batlapinen, Barolongen,
Banquaketsen und Bakwena's, sowie einige ihnen verwandte Stmme, denen
gestattet wurde, im Lande zu wohnen, die Bamairen, Botlaro's, Baharutse,
Makhosi, Manupi, Batloka und Bakhatla wohnen in dem stlichen Theile des
Gebietes, in Gegenden die wasserreich sind, whrend die wasserarmen,
theilweise centralen, theilweise westlichen Striche von ihren Dienern,
den Makalahari's, den Barwa's und Masarwa's, bewohnt werden. Die
Makalahari, auch Bakalahari genannt, knnen, wenn sie dem Knige
langjhrige gute Dienste erwiesen, sowie wenn sie ihren Herren durch
glckliche Jagden viel Nutzen brachten, von diesen frei erklrt werden,
es wird ihnen dann gestattet, in der Residenz des Knigs oder eines
Unterchefs zu wohnen und sie werden als Batlapinen oder Barolongen etc.
betrachtet und behandelt. Rev. Mackenzie, der seit 20 Jahren Gelegenheit
hatte, das Verhltni zwischen beiden Stmmen, den Dienern und Herren,
zu beobachten, bemerkte, da die Diener auch Bakhalahatsane oder
Bathu-hela (Menschen, oder gleich anderen Menschen) von den
letzteren genannt werden. Unter den Betschuana-Reichen ist das
Mankuruan's das kleinste, und bisher das am wenigsten ergiebige gewesen,
doch wenn der Stamm durch die gegenwrtigen, von Seite der Regierung in
Griqualand-West ergriffenen Maregeln arbeitsamer geworden, wird er
durch Ackerbau und Viehzucht leicht emporkommen knnen, wobei ihm die
Nhe der Diamantenfelder besonders zu Gute kommt.

14) In den Diamantenfeldern war die Ansicht allgemein verbreitet, da
die in denselben arbeitenden Schwarzen ihren Chefs Diamanten von den
Feldern in die Heimat mitzubringen verpflichtet wurden. Ich glaube
nicht, da dies regelmig geschieht und von allen Eingebornen-Chefs
gefordert wird, doch von manchen Huptlingen, wie von Secoccuni und
anderen geschah es _ganz sicher_; da jedoch viele Betschuana's ihre
Makalahari- und Barwadiener nach den Diamantenfeldern zur Arbeit senden,
ohne da deren Huptlinge von diesen Diebsthlen wissen, ist ebenso
gewi. Die Haupturheber der zahllosen an den Diggers von Seite ihrer
farbigen Diener begangenen Diebsthle sind jedoch weniger die
unwissenden Eingebornen, sondern jene Bande von verkommenen Weien und
Halfcasts, welche eine wahre Plage der Diamantenfelder sind, und
trotzdem viele von ihnen von dem Arme der Gerechtigkeit erreicht wurden,
ihr Unwesen noch lange forttrieben. Die Behrde hlt sich natrlich in
erster Linie an den factischen Verbrecher, sie trachtet aber auch den
Anstifter zu eruiren. In dem Falle in dem ein Weier oder Halfcast der
Schuldige war, wird der Dieb dies sofort eingestehen, dagegen wohl nie,
wenn der Dieb von seinen Angehrigen, von seinen gleichfarbigen Herren
daheim, nach dem Diamanten-District _zur Arbeit_ gesendet wurde. Die
Meisten erdulden ihre Strafe, ihre Lasches und ihr bis dreijhriges
Gefngni, ohne etwas zu verrathen, daheim htten sie im
entgegengesetzten Falle die Rache ihrer Herren zu frchten.

15) Die ethnographischen Verhltnisse auf dem Gebiete zwischen dem
Konana-, Hart- und Vaal-River lassen erkennen, da sich das
Koranna-Element vom Sden nach Norden ausgebreitet hat. Ich glaube, da
die Hottentotten, die lngs der Westkste nach dem Sden zogen und den
westlichen Theil der Cap-Colonie bevlkerten, sich theilten, d.h. durch
Streitigkeiten und Kriege unter sich verfielen und theils gezwungen
theils freiwillig jene Gebiete verlieen, wobei ein Theil im Thale des
Oranje-Rivers nach aufwrts zog (das folgen der Flsse ist ein
Charakteristicum in der Verbreitung des Hottentotten-Stammes) und sich
endlich in den fruchtbaren Gefilden an der Vereinigung des gelben und
schwarzen Gariep (Oranje- und Vaal-Rivers) niederlie. Die vernderte
Lebensweise, Einwirkung des Klima's, sowie deren theilweise Vermischung
mit den Buschmnnern im Sden und Osten, mit den Barwa's im Norden,
vielleicht auch mit den Stmmen im Westen erzeugte jene Vernderungen,
welche diesen am Oranje-River angesiedelten Stamm charakterisiren, ihn
von den eigentlichen Hottentotten schieden und zum Griqua stempelten.
(Ich glaube, da der Linguist leicht den Namen Griqua wie Koranna aus
der Hottentottensprache herleiten knnte, was gewi von Wichtigkeit sein
wrde.) Diese Griqua haben durch diese Vernderung ihres ursprnglichen
Elementes nicht gewonnen, physisch und psychisch stehen sie unter ihren
Stammvtern ebenso wie die Koranna's wieder unter den Griqua's, die ich
als eine Abzweigung der letzteren halte, welche hnlich wie jene der
Griqua's von den Hottentotten vor sich gegangen sein mute. Die
Koranna's zogen den Vaal aufwrts, bis sie gegen das jetzige Bloemhof
von dem Betschuana-Elemente, den Bamairen, Barolongen, Batlapinen etc.
zum Stillstand gebracht wurden. Diese sie zwischen den Hart- und
Vaal-River drngende Barriere durchbrachen sie zwischen Christiana und
dem Hart-River, da, wo zwischen den verschiedenen Stmmen der Batlapinen
ein von allen beanspruchtes, von keinem aber in Besitz genommenes Land
lag und setzten sich am Mamusahgel fest. Von Mamusa gingen sie auf das
obere Mokarathal (rechter Nebenflu des Hart-Rivers) ber und von da
sogar noch nrdlicher in das Thal und Gebiet des Konanaspruit, der nach
Norden nach dem Maretsane fliet. Hier muten sie die Obergewalt der
Barolongen anerkennen und mischten sich theilweise mit diesem
Betschuanastamme diese Abkmmlinge fand ich physisch und intellektuell
hherstehend als die Koranna's und Griqua's.

16) Die theilweise Verschmelzung des Koranna-Elementes mit dem der
Barolongen in Konana hatte theilweise zur Folge, da die Wohnungen im
Style der Betschuana's aufgefhrt, reinliche Gehfte darstellten. Ein
ziemlich groer Theil der Bevlkerung hatte sich schon an den Gebrauch
europischer Kleidung gewhnt. Dagegen konnte man jedoch auch deutlich
beobachten, da Frechheit eine der Untugenden ihrer Bewohner war und
diese war dadurch begrndet, da viele derselben lngere Zeit in den
River-Diggings als Diener und zwar in der rgsten Zeit, unmittelbar
nachdem die Diamantenfelder aufgefunden wurden, gearbeitet hatten. Da
sie nicht auch den Branntweingebrauch hierher verschleppt, war in dem
Verbote von Seite des Herrschers dieser Landstriche, des Knigs Montsua,
begrndet. Auf meiner Fahrt von Konana nach Molema's Town traf ich drei
Eingeborne, welche gemeinschaftlich einen Hinterlader ihr Eigenthum
nannten. Darber erstaunt, wurde ich belehrt, da dies hier zu Lande
hufig vorkomme: die Miteigenthmer gehen dann gemeinschaftlich auf die
Jagd und einen Tag bentzt ihn der Eine, am nchsten der Zweite u.s.w.
Die Beute wird ohne Rcksicht auf die Leistungen der einzelnen Jger zu
gleichen Theilen vertheilt. Schieen sie zwei oder blos ein Zebra, so
theilen sich zwei in das Fleisch, der Dritte nimmt das Fell. Doch
hufiger geschieht es, da jeder der Eigenthmer tourweise mit seinen
Dienern whrend einiger Wochen der Jagd obliegt.

17) Aus den Fellen der beiden letzteren werden Carossen verfertigt und
dem Knige verehrt oder an die in Moschaneng wohnenden Hndler verkauft,
d.h. gegen Waaren ausgetauscht, um von diesen wieder nach Sden gesendet
und hier als Bett- oder Sophadecken, oder als Zimmerschmuck feilgeboten
zu werden. Fr eine Caracal-Carosse von zehn Fellen, welche in
Sd-Afrika als Roikat-Karossen bekannt sind, erhlt der Eingeborne
Waaren im Werthe von 3 . St., in Moschaneng z.B. folgende Gegenstnde:
1. Zwei Wolldecken und eine Hose; 2. einen Rock, eine Banmwolldecke,
sechs farbige Tcher, oder 3. zehn Pfund Schiepulver. Beim
Wiederverkaufe begehrt der Trader 4 . St. in barem Gelde, in der
Colonie 4-10 . St., oder 5 . St. in Waaren. Eine aus vier
Leopardenfellen gearbeitete Carosse wurde mit einer Muskete, zwei Sack
Schiepulver, 10-15 Pfund Blei, einer Dose Zndhtchen und einem kleinen
Geschenk als Zugabe bezahlt, und in Moschaneng fr 9 . St. in der
Colonie fr 10-13 . St. in Barem feilgeboten. Gegenwrtig, wo durch das
Waffen-Einfuhrsverbot die Gewehre entfallen, wrde der Kaufpreis einen
Anzug, zwei Wolldecken, ein Paar Stiefel und ein groes Frauentuch, oder
mit der Zugabe eines Schafes zu der Carosse, einen Pflug betragen. Eine
Carosse aus Silberschakalfellen (Canis mesomelas), gewhnlich aus 14
Fellen gearbeitet, hat in Moschaneng einen Werth von 4-10  St., eine
aus 30 Klippdachsfellen, einen solchen von 3-10 . St., eine Carosse aus
den Fellen der gewhnlichen blulich-grauen Wildkatze 3-10 . St., eine
aus 16 Proteles-Lalandiifellen 4 . St., eine aus 6 Tharifellen 8 . St.
und eine aus 32 Genettafellen einen Werth von 4-10 . St. Die schnsten
Carossen (fr das Auge) sind die Silberschakal-Decken, die schnsten
Felle liefern die Batlapinenlnder und der sdlich vom Molapo liegende
Theil der von den Barolongen bewohnten Striche.

18) Whrend meines Aufenthaltes in Moschaneng hatte ich Eingeborne und
Weisse in folgenden Krankheitsfllen zu behandeln:

      Person          Krankheit              Ursache                 Anmerkung

                      Chron. Rheumatismus
Montsua, Knig der    mit Ablagerungen in    Verklung d. Nsse
    Barolongen        den Kniegelenken

Seine lteste Frau    Marasmus

Eine zweite Frau      Pneumonie beid. Lungen Verklung d. Nsse

Eine dritte Frau      Herzvergrerung,           "               Rheumatismus
                      Aortenstenose.                              vorhergehend

Des Knigs Bruder     Lumbago                     "

Knig Chatsitsive     Ischias                     "

Prediger Jan Leschumo Coprostasie                ---

Seine Frau            Herzvergrerung,     Verkhlung d. Nsse   Rheumatismus
                      Isufficienz der Aorta                       vorhergehend

Sein Sohn             Tuberculosis beid. Lungen  ---              selten

Pit, ein Barolonge    Ischias (seit 17 Jahren)  eine alte Wunde

Eine Barolongin       Reconvalescent nach   Verkhlung d. Nsse
                      einer Pneumonie

Jan, ein Barolonge    Abscesse am linken    Verwundung durch
                      Fussrcken,           einen eingetriebenen
                      Carise Knochen       Dorn

Ein Weier Hndler    4 tgiges Intermittens,      Fieber         hufig unter
      Kanja           Leberverhrtung,                            den Weien
                      Hydrothorax Hydropericardium

19) Zu den unwirschesten Gesellen der afrikanischen Katzenwelt gehrt
unstreitig der Caracal (Caracal melanotis) von den Boers det Roikat
genannt. Dicht bebuschte Felsenpartien, dichtbelaubte, hohe Bume an
schwer zugnglichen Fluufern sind seine Lieblings-Aufenthaltsorte, an
denen er zusammengekauert, anscheinend schlummernd, doch die Umgebung
ringsum wohlbeachtend, den Tag zubringt. Kleines Wild wird von dem
Caracal mit Tatzenhieben erschlagen oder betubt. Seine Muskelkraft ist
bedeutend grer als man bei der Gre des Thieres vermuthen wrde. Ob
seines rthlichen Felles wei er sich leichter dem Auge des Menschen zu
entziehen als der Thari und gelingt es selten, ihn zu erlegen. Sein Fell
wird zu sehr gesuchten Carossen verarbeitet, doch da es zu lange whrt,
bis ein Betschuana so viele Felle erwirbt, um eine ordentliche Carosse
verfertigen zu knnen, kommen nur kleine, acht bis zehn Felle
enthaltende Roikat-Carossen in den Handel. Ich brachte einen Caracal
nach Europa mit, er befindet sich gegenwrtig in dem Zoologischen Garten
zu London. Er hatte an dem Fish-River-Rand, einen dicht bebuschten sich
zum Fish-River neigenden Abhang zwischen Grahamstown und Cradock seine
Heimat und war ein Geschenk des Rev. Dean Williams von Grahamstown.

20) Ich mchte unter den Ruinen von Mosilili's Stadt namentlich die
gewlbten Innenbauten hervorheben und dabei schon auf den Unterschied
zwischen den Bauarten der Barolongen und Batlapinen hinweisen. Die Wnde
der Huptlingswohnung und der brigen Htten waren 3-5 Fu hoch, die
Wanddicke an der Basis 5, oben 4-4 Zoll. Sie bestanden aus einer
Innenlage und einer Umhllung, welche die erstere deckte. Die letztere
bestand aus einem aus Thon und Sand gearbeiteten Cement und der Innenbau
aus einer Reihe von in die Erde eingetriebenen und nur an und
nebeneinander befestigten Stben, Ruthen, Schilfrohr, doch auch
trockenem Zuckerrohr und Kafirkornstengeln, auf welche der Cement
aufgetragen wurde. Die Bauten waren so elastisch, da wir eine ganze
Rundwand durchschtteln konnten, ohne da Sprnge entstanden oder die
Mauer vielleicht eingestrzt wre. An einigen Htten fand ich, da man
den Cement auf die innere Holzlage dnn aufgetragen hatte, dann ihn
trocknen lie und eine zweite Lage anbrachte und so weiter. Wir konnten
sechs deutlich unterscheidbare Lagen wahrnehmen, wobei die Basis der
Mauer 12 Zoll, die obere Kante 6 Zoll breit war. An manchen der
Gehftsmauern fanden wir kleine aus greren Steinen oder Dornensten
aufgefhrte zwei bis vier Fu hohe Umzunungen, welche als Stlle
dienten. Der Boden in dem Hfchen war festgestampft, oder wir fanden ihn
mit Cement, oder auch mit Rinder-Ererementen berdeckt, in einigen
wenigen mit ungebrannten, in dem des Knigs mit gebrannten Ziegelsteinen
gepflastert. In vielen Gehften war dies mit Steinplatten geschehen und
in manchen eine Cementlage auf die Steinplatten aufgetragen worden. In
einem Hfchen beobachtete ich ein erhhtes, mit Topfscherben ausgelegtes
Trottoir. Neben der inneren Mauer lief in einem andern Gehfte eine um
drei bis vier Zoll erhhte, cementirte Stufe, welche wohl den hier
Versammelten als Sitz zu dienen hatte. Der Durchmesser der Huschen war
6-12 Fu. Bei den meisten war das Dach durch die Verwitterung der Aeste
(Pfhle), bei manchen durch Feuer zerstrt. Ich fand nur zwei gedeckt
und in dem einen ein Betschuanaskelett. Es mochte wohl ein alter Mann
gewesen sein, den man mitzunehmen nicht werth gefunden und der hier
Hungers gestorben war, oder ein Wanderer, der in der Htte ein
Nachtlager gesucht und von einer Schlange gebissen, hier verschmachten
mute. Dem Schdel nach schien es mir ein Banquaketse zu sein; ich
rumte ihm eine Stelle unter meinen anatomischen Prparaten ein.
Topfscherben, Ueberreste von hlzernen Stampfblcken, Schsseln, Lffeln
waren berall zu sehen, auch jene glatten Steine, zwischen denen der
Rauchtabak zu Schnupftabak zerstubt wird. Was mir besonders auffiel,
war der verschiedenfach geformte Eingang in diese Huschen, einmal
viereckig, dann oben spitzig zulaufend oder abgerundet, oder aber unten
eng und oben breiter, gewhnlich 1-1 Fu breit und 1-3 Fu hoch. Die
Rume der Wohnung des Huptlings waren die umfangreichsten, doch das
aufflligste in der Ruinenstadt waren die kegelfrmigen, aus zwei bis
drei Abstzen bestehenden den Schmelzfen nicht unhnlichen, gedeckten,
aus eisenhaltigem Thon ausgefhrten und in die obbeschriebenen
gewhnlichen Wohnungen eingebauten Kammern. Diese Kammern waren noch
einmal so hoch, als die sie ringfrmig (concentrisch) umgebende Mauer
des Huschens, allein das Dach des letzteren deckte auch den inneren
Bau, indem seine Spitze auf der Kuppe des letzteren aufruhte. Ich fand
diese Innenbauten auch bei den Bakwena's, ohne mich jedoch vergewissert
zu haben, ob sie Pilani dorthin bertragen hat, was ich jedoch
bezweifeln mchte, schner und gerumiger auch bei den am zentralen
Zambesi wohnenden Marutse im Gebrauch.





End of the Project Gutenberg EBook of Sieben Jahre in Sd-Afrika. Erster
Band., by Emil Holub

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the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
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1.B.  "Project Gutenberg" is a registered trademark.  It may only be
used on or associated in any way with an electronic work by people who
agree to be bound by the terms of this agreement.  There are a few
things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
even without complying with the full terms of this agreement.  See
paragraph 1.C below.  There are a lot of things you can do with Project
Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
works.  See paragraph 1.E below.

1.C.  The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
Gutenberg-tm electronic works.  Nearly all the individual works in the
collection are in the public domain in the United States.  If an
individual work is in the public domain in the United States and you are
located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
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works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
are removed.  Of course, we hope that you will support the Project
Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
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the work.  You can easily comply with the terms of this agreement by
keeping this work in the same format with its attached full Project
Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.

1.D.  The copyright laws of the place where you are located also govern
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a constant state of change.  If you are outside the United States, check
the laws of your country in addition to the terms of this agreement
before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
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Gutenberg-tm work.  The Foundation makes no representations concerning
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States.

1.E.  Unless you have removed all references to Project Gutenberg:

1.E.1.  The following sentence, with active links to, or other immediate
access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
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This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
almost no restrictions whatsoever.  You may copy it, give it away or
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from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
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with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
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     owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
     has agreed to donate royalties under this paragraph to the
     Project Gutenberg Literary Archive Foundation.  Royalty payments
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     prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
     returns.  Royalty payments should be clearly marked as such and
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1.E.9.  If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
electronic work or group of works on different terms than are set
forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark.  Contact the
Foundation as set forth in Section 3 below.

1.F.

1.F.1.  Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
collection.  Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
works, and the medium on which they may be stored, may contain
"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
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1.F.2.  LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
liability to you for damages, costs and expenses, including legal
fees.  YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
PROVIDED IN PARAGRAPH F3.  YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
DAMAGE.

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your written explanation.  The person or entity that provided you with
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providing it to you may choose to give you a second opportunity to
receive the work electronically in lieu of a refund.  If the second copy
is also defective, you may demand a refund in writing without further
opportunities to fix the problem.

1.F.4.  Except for the limited right of replacement or refund set forth
in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.

1.F.5.  Some states do not allow disclaimers of certain implied
warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
the applicable state law.  The invalidity or unenforceability of any
provision of this agreement shall not void the remaining provisions.

1.F.6.  INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
with this agreement, and any volunteers associated with the production,
promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
that arise directly or indirectly from any of the following which you do
or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.


Section  2.  Information about the Mission of Project Gutenberg-tm

Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
electronic works in formats readable by the widest variety of computers
including obsolete, old, middle-aged and new computers.  It exists
because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
people in all walks of life.

Volunteers and financial support to provide volunteers with the
assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
remain freely available for generations to come.  In 2001, the Project
Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.


Section 3.  Information about the Project Gutenberg Literary Archive
Foundation

The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
Revenue Service.  The Foundation's EIN or federal tax identification
number is 64-6221541.  Its 501(c)(3) letter is posted at
http://pglaf.org/fundraising.  Contributions to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
permitted by U.S. federal laws and your state's laws.

The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
throughout numerous locations.  Its business office is located at
809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
business@pglaf.org.  Email contact links and up to date contact
information can be found at the Foundation's web site and official
page at http://pglaf.org

For additional contact information:
     Dr. Gregory B. Newby
     Chief Executive and Director
     gbnewby@pglaf.org

Section 4.  Information about Donations to the Project Gutenberg
Literary Archive Foundation

Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
spread public support and donations to carry out its mission of
increasing the number of public domain and licensed works that can be
freely distributed in machine readable form accessible by the widest
array of equipment including outdated equipment.  Many small donations
($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
status with the IRS.

The Foundation is committed to complying with the laws regulating
charities and charitable donations in all 50 states of the United
States.  Compliance requirements are not uniform and it takes a
considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
with these requirements.  We do not solicit donations in locations
where we have not received written confirmation of compliance.  To
SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
particular state visit http://pglaf.org

While we cannot and do not solicit contributions from states where we
have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
against accepting unsolicited donations from donors in such states who
approach us with offers to donate.

International donations are gratefully accepted, but we cannot make
any statements concerning tax treatment of donations received from
outside the United States.  U.S. laws alone swamp our small staff.

Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
methods and addresses.  Donations are accepted in a number of other
ways including including checks, online payments and credit card
donations.  To donate, please visit: http://pglaf.org/donate


Section 5.  General Information About Project Gutenberg-tm electronic
works.

Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
concept of a library of electronic works that could be freely shared
with anyone.  For thirty years, he produced and distributed Project
Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.

Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
unless a copyright notice is included.  Thus, we do not necessarily
keep eBooks in compliance with any particular paper edition.

Most people start at our Web site which has the main PG search facility:

     http://www.gutenberg.net

This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.

*** END: FULL LICENSE ***

