Die Nutzung des Systems soll nun kurz vorgestellt werden. Dabei gliedert sich dieser Abschnitt im wesentlichen in die Beschreibung des Faxbetriebs einerseits sowie der Nutzung des Anrufbeantworters andererseits. Vorab erfolgt noch eine kurze Erläuterung zum Empfang von Nachrichten über das Linux-eigene Mailsystem.
Bei der Entwicklung von CapiSuite wurde speziell Wert darauf gelegt, vorhandene Linux-Fähigkeiten zu nutzen. Daher wird zum Beispiel zur Zustellung eingegangener Faxe und Nachrichten des Anrufbeantworters das Linux-eigene Mailsystem genutzt, anstatt eigene Programme und Protokolle für diesen Zweck zu entwickeln.
Dies erfordert die Einrichtung des genutzten Mailprogrammes für den Empfang lokaler Nachrichten durch jeden Benutzer von CapiSuite. Als Beispiel wird hier die Einrichtung des lokalen Postfaches unter dem KDE-Mailprogramm KMail beschrieben. Für nähere Einzelheiten oder für die Einrichtung unter anderen Programmen lesen Sie bitte das entsprechende Handbuchkapitel oder die zum genutzten Mailprogramm gehörige Dokumentation.
Um den Empfang lokaler Mails in KMail zu aktivieren, führen Sie bitte folgende Schritte aus:
Starten Sie KMail wie gewohnt
Wählen Sie im Menü den Punkt
Klicken Sie in der linken Liste auf das Netzwerk-Icon
Wählen Sie den oberen Karteireiter
Sollte ein Eintrag mit dem Typ local in der Liste auftauchen, so ist der Empfang bereits aktiviert und Sie können den Dialog durch beenden. Ist dies nicht der Fall, klicken Sie bitte auf .
Wählen Sie aus der erscheinenden Liste und bestätigen mit .
Nun geben Sie dem Konto noch einen Namen (z.B. "lokales Postfach") durch Ausfüllen des obersten Feldes. Alle restlichen Einstellungen können Sie auf den Standardwerten belassen.
Jetzt können Sie die Konfiguration durch zweimaliges Drücken auf abschließen.
Sollten Sie CapiSuite in der Konfiguration (siehe vorhergehenden Abschnitt) den Versand von Mails nicht verboten haben, erhalten Sie nun jede eingehende Sprach- und Faxnachricht direkt in Ihrem Email-Programm und können sie dort wie gewohnt betrachten bzw. anhören.
Zum Empfang von Faxen ist hier keine weitere Anleitung erforderlich. Sobald ein Fax unter einer einem Benutzer zugeordneten Rufnummer eintrifft, wird dieses im System abgelegt und dem Benutzer als Email mit PDF-Anhang (PDF ist ein verbreites Austauschformat für Dokumente und kann in praktisch jedem verbreiteten Betriebssystem mit dem Acrobat Reader der Firma Adobe gelesen werden) zugestellt. Der Benutzer kann dieses nun wie gewohnt in seinem Mailprogramm öffnen, betrachten und ausdrucken.
Zur Sicherheit wird jedes empfangene Dokument auch auf der Festplatte im Verzeichnis /var/spool/capisuite/users/<benutzername>/received/ abgelegt. Sollte also einmal beim Email-Versand ein Fehler auftreten oder eine Mail versehentlich unwiederbringlich gelöscht worden sein, kann auf dieses Verzeichnis zurückgegriffen werden. Nähere Informationen dazu finden Sie in der CapiSuite-Benutzerdokumentation unter /usr/share/doc/packages/capisuite/manual/index.html.
Zum Versand von Faxen steht das Kommandozeilentool capisuitefax zur Verfügung. Dieses erlaubt die Angabe einer Zielrufnummer und einer oder mehrerer Dokumente im PostScript-Format. Dieses Format wird von praktisch allen Linux-Programmen erzeugt, wenn Sie die Funktion zum Drucken in Dateien verwenden.
capisuitefax erlaubt die Angabe folgender Parameter:
Gibt eine kurze Übersicht der Parameter aus.
Mit diesem Parameter wird die Rufnummer angegeben, an die das Fax geschickt werden soll.
capisuitefax gibt normalerweise einige informative Meldungen aus - diese Option unterbindet das und erlaubt nur noch die Anzeige von eventuellen Fehlermeldungen.
Folgender Aufruf würde die beiden Dokumente dokument1.ps und dokument2.ps an die Rufnummer 089123456 senden:
capisuitefax -d 089123456 dokument1.ps dokument2.pscapisuitefax wandelt die Dokumente in das richtige Format und stellt sie zusammen mit einer Beschreibungsdatei in ein spezielles Verzeichnis, von wo sie dann von CapiSuite abgeholt und versandt werden. Dadurch kann es zwischen dem Aufruf des Kommandos und dem tatsächlichen Versand durchaus zu einer kurzen Verzögerung kommen. Sobald das Fax erfolgreich verschickt wurde oder eine vorgegebene Anzahl an Versuchen fehlschlug, erhält der Benutzer eine entsprechende Email zugesandt.
Unter dem Standarddesktop KDE können Faxe sogar mit Hilfe des Programms KDEPrintFax bequem aus jeder KDE-Anwendung veschickt werden. Dazu ist KDEPrintFax wie folgt einzustellen:
Starten Sie KDEPrintFax zum Beispiel durch Drücken von Alt-F2 und Eingabe von kdeprintfax
Wählen Sie bitte im Menü den Punkt .
Klicken Sie auf der linken Seite das -Symbol an.
Da capisuitefax im wesentlichen kompatibel zu dem HylaFAX-System ist, wählen Sie hier bitte .
Das Kommando stellen Sie bitte auf folgende Befehlszeile:
/usr/bin/capisuitefax -d %number %files(siehe Bildschirmphoto).
Nun schließen Sie die Konfiguration durch Drücken auf und Beenden von KDEPrintFax ab.
In Zukunft steht Ihnen in jeder KDE-Applikation unter die Option zur Verfügung. Wenn Sie diese auswählen, erscheint beim Drucken das bereits bekannte KDEPrintFax, in dem Sie die Rufnummer eintippen und das Fax versenden können.
Auch in Nicht-KDE-Anwendungen können Sie diese Funktion nutzen, sofern diese die Einstellung des Druckbefehls erlauben. Ersetzen Sie in diesem Fall das meist benutzte lpr durch kprinter und Sie erhalten ebenfalls das KDE-Druckmenü mit der Faxmöglichkeit.
![]() | Warnung |
|---|---|
capisuitefax unterstützt bisher nicht dem kompletten Funktionsumfang von HylaFAX. So bleiben erweiterte Funktionen wie die Einstellung der Auflösung momentan wirkungslos. | |
Auch auf dem Anrufbeantworter hinterlassene Nachrichten werden dem durch die angewählte Rufnummer bestimmten Empfänger per Email zugesandt, sofern der Email-Versand nicht deaktiviert wurde. Somit erfordert die Nutzung des Anrufbeantworters keine weitere Beschreibung - alle eingegangenen Nachrichten können bequem wie gewohnt im Emailprogramm empfangen und angehört werden. Zur Sicherheit erfolgt hier ebenfalls eine Speicherung der empfangenen Nachrichten im Pfad /var/spool/capisuite/users/<benutzername>/received/.
Die Aufnahme der eigenen Ansage erfolgt direkt über die Fernabfragefunktion des Anrufbeantworters.
Zur Fernabfrage rufen Sie von einem beliebigen Telefon auf der konfigurierten Rufnummer an. Während die Ansage läuft, tippen Sie bitte die eingestellte PIN über das Telefon ein. Haben Sie sich vertippt, ertönt nach einigen Sekunden ein Piepton und Sie können es nochmals probieren. Bei richtiger Eingabe der PIN teilt Ihnen der Anrufbeantworter kurz darauf die Anzahl der gespeicherten Nachrichten mit. Nun haben Sie die Auswahl, ob Sie eine neue Ansage aufsprechen oder die gespeicherten Nachrichten abhören wollen. Je nach Tastenwahl landen Sie nun im entsprechenden Menü. Folgen Sie bitte weiterhin den gegebenen Anweisungen.
Die folgende Tabelle gibt eine kurze Übersicht der Menüfunktionen für das Abhören von Nachrichten. Es empfiehlt sich bei häufiger Nutzung der Fernabfragefunktion, diese mitzuführen, um nicht nach jeder Nachricht die Erklärung anhören zu müssen und somit Telefongebühren zu sparen. Die Eingabe der Kommandos ist jederzeit während des Abhörens der Nachrichten möglich. Sie können so zum Beispiel auch eine überlange Nachricht beim Abhören überspringen.