17.3. NetWare-Emulation mit MARSNWE

Der NetWare-Emulator MARSNWE kann einen Novell NetWare 2.2 bzw. 3.11 Server für Datei- und Druckdienste relativ leicht ersetzen und kann dabei auch als IPX-Router verwendet werden. Die Funktionalität neuerer NetWare-Versionen, wie z.B. NDS NetWare Directory Services kann er allerdings nicht bieten. Arbeitsstationen, die mit DOS oder Windows laufen und bereits für den Zugriff auf einen NetWare 2.2/3.11/3.12-Server konfiguriert sind, können mit minimalen Änderungen den Linux-Server mit dem NetWare-Emulator MARSNWE als Server nutzen. Die Administration kann man unter Linux erledigen.

17.3.1. NetWare-Emulator MARSNWE starten

Der MARSNWE auf SUSE LINUX kann nach der Installation gestartet werden, da er bereits soweit vorkonfiguriert ist, dass man ihn sofort testen kann. Die erforderliche IPX-Unterstützung seitens des Kernels ist als ladbares Kernelmodul vorhanden und wird vom Startskript bei Bedarf automatisch geladen. Das Aufsetzen des IPX-Interfaces wird vom MARSNWE automatisch durchgeführt. Netznummer und zu verwendendes Protokoll werden dabei der ausführlich kommentierten Konfigurationsdatei /etc/nwserv.conf entnommen. Gestartet wird der MARSNWE mit dem Kommando rcnwe start. Meldet er dabei am rechten Bildschirmrand in grün done, wurde er erfolgreich gestartet.

Ob der NetWare-Emulator läuft, überprüft man mit rcnwe status, und beendet wird er mit rcnwe stop.

17.3.2. Die Konfigurationsdatei /etc/nwserv.conf

Die Konfigurationsoptionen sind zu durchnummerierten Sections zusammengefasst. Jede Konfigurationszeile beginnt dabei immer mit der Nummer der jeweiligen Section. Interessant sind lediglich die Sections 1 bis 22, wobei aber nicht alle Nummern verwendet werden. Im Normalfall kommt man mit folgenden Sections für die Konfiguration aus:

1

NetWare Volumes

2

Servername

4

IPX-Netzwerk

13

Benutzernamen

21

Drucker

Nach Änderungen an der Konfiguration, muss MARSNWE mit dem Befehl rcnwe restart neu gestartet werden.

Die Konfigurations-Optionen im Detail:

Volumes (Section 1):
1    SYS     /usr/local/nwe/SYS/     kt      711 600
      

Hier werden die zu exportierenden Volumes definiert. Jede Zeile beginnt mit der Nummer der Section (hier 1), danach folgt der Volume-Name und dann der Pfad des Verzeichnisses auf dem Server. Zusätzlich können noch diverse Optionen angegeben werden, die durch einzelne Buchstaben dargestellt sind, sowie jeweils eine Umask für das Erzeugen von Verzeichnissen und eine für Dateien. Wird keine Umask angegeben, wird der Standardwert aus Section 9 verwendet. Das Volume für SYS ist bereits eingetragen. Um Probleme mit Groß- und Kleinschreibung bei Dateinamen zu vermeiden, empfiehlt sich die Verwendung der Option k, denn dann werden alle Dateinamen in Kleinschreibung konvertiert.

Servername (Section 2):
2    MARS
     

Diese Angabe ist optional, standardmäßig wird der Hostname verwendet.

Interne Netznummer (Section 3):
3    auto
     

Die interne Netznummer wird aus der MAC-Adresse der Netzwerkkarte generiert, wenn hier auto angegeben ist. Normalerweise behält man diese Einstellung bei.

IPX-Konfiguration (Section 4):
4    0x0     *       AUTO            1
4    0x22    eth0    ethernet_ii     1
     

Hier gibt man die NetWare-Netznummer an und auf welche Netzwerk-Schnittstelle es mit welchem Protokoll gebunden werden soll. Das erste Beispiel setzt alles automatisch auf, während das zweite die Netznummer 0x22 auf die Netzwerkkarte eth0 mit dem Frametyp Ethernet-II bindet. Hat man mehrere Netzwerkkarten und trägt diese alle mit unterschiedlichen Netznummern ein, so wird IPX dazwischen geroutet.

Create Mode (Section 9):
9    0751    0640
     

Gibt die Standardrechte an, mit denen Verzeichnisse und Dateien angelegt werden.

GID und UID mit minimalen Rechten (Section 10, 11):
10   65534
11   65534
     

Gruppen- und Benutzer-ID für nicht angemeldete Benutzer. Hier nogroup und nobody.

Supervisor Login (Section 12):
12   SUPERVISOR      root
     

Der Supervisor wird auf den Benutzer root abgebildet.

Benutzer Logins (Section 13):
13   LINUX           linux
     

Die Zuordnung der NetWare-Benutzer zu den Linux-Usern wird hier festgelegt. Optional kann ein festes Passwort mit eingetragen werden.

Automatische Benutzer-Abbildung (Section 15):
15   0       top-secret
     

Gibt man hier statt der 0 eine 1 an, werden die Linux-Logins automatisch als NetWare-Logins zur Verfügung gestellt, das Passwort ist in diesem Fall „top-secret“.

Drucker-Queues (Section 21):
21   LP      -       lpr -
     

Der erste Parameter LP ist der Name des NetWare-Druckers, als zweites kann man den Namen des Spool-Verzeichnisses angeben und als drittes das Druckkommando.

Print-Server (Section 22):
22   PS_NWE  LP_PS   1
     

Drucker die über pserver aus dem ncpfs angesprochen werden, können hier definiert werden.

17.3.3. Zugriff auf NetWare-Server und deren Administration

Das ncpfs ist eine Sammlung kleiner Programme, mit denen man einen NetWare 2.2/3.11 Server von Linux aus administrieren, NetWare-Volumes mounten oder Drucker verwalten kann. Will man auf neuere NetWare-Server ab Version 4 zugreifen, muss auf diesen die Bindery-Emulation und IPX aktiviert sein.

Folgende Programme stehen dafür zur Verfügung, deren Funktion man den entsprechenden Manual-Pages entnehmen kann:

nwmsgncopyncpmountncpumount
nprintnsendnwauthnwbocreate
nwbolsnwbopropsnwbormnwbpadd
nwbpcreatenwbprmnwbpsetnwbpvalues
nwdirnwdpvaluesnwfsctrlnwfsinfo
nwfstimenwgrantnwpasswdnwpurge
nwrevokenwrightsnwsfindnwtrustee
nwtrustee2nwuserlistnwvolinfopqlist
pqrmpqstatpserverslist

Wichtig ist zum Beispiel ncpmount, mit dem man Volumes von einem NetWare-Server unter Linux einhängen (mount) kann und ncpumount, um es wieder auszuhängen (umount).

Außerdem enthält das ncpfs Tools zur Konfiguration des IPX-Protokolls und IPX-Routing:

ipx_cmd          
ipx_configure    
ipx_interface   
ipx_internal_net 
ipx_route
  

Mit ipx_configure oder ipx_interface kann man die IPX-Konfiguration der Netzwerkkarte vornehmen. Hat man MARSNWE laufen, macht dieser das aber bereits automatisch.

17.3.4. IPX-Router mit ipxrip

Ein weiteres Paket, um Linux in einen IPX-Router zu verwandeln ist ipxrip. In der Regel wird man es aber nicht benötigen, da man mit MARSNWE oder den Tools aus ncpfs ebenfalls einen IPX-Router konfigurieren kann.