13.2. Die Runlevels

Unter Linux existieren verschiedene Runlevels, die den jeweiligen Zustand des Systems definieren. Der Standard-Runlevel, in dem das System beim Booten hochfährt, ist in der Datei /etc/inittab durch den Eintrag initdefault festgelegt. Für gewöhnlich ist dies 3 oder 5 (siehe Überblick in Tabelle 13.1. “Liste der gültigen Runlevels unter Linux”). Alternativ kann der gewünschte Runlevel beim Booten (zum Beispiel am Boot-Prompt) angegeben werden; der Kernel reicht die Parameter, die er nicht selbst auswertet, unverändert an den init-Prozess weiter.

Um zu einem späteren Zeitpunkt in einen anderen Runlevel zu wechseln, kann man init mit der Nummer des zugehörigen Runlevels aufrufen; das Wechseln des Runlevels kann nur vom Systemadministrator veranlasst werden. Beispielsweise gelangt man durch das Kommando init 1 oder shutdown now in den Einzelbenutzerbetrieb (engl. Single user mode), der der Pflege und Administration des Systems dient. Nachdem der Systemadministrator seine Arbeit beendet hat, kann er durch init 3 das System wieder in den normalen Runlevel hochfahren lassen, in dem alle für den Betrieb erforderlichen Programme laufen und sich die Benutzer beim System anmelden können. Mit init 0 oder shutdown -h now kann das System angehalten, bzw. durch init 6 oder shutdown -r now zu einem Neustart veranlasst werden.

[Important]Runlevel 2 bei NFS gemounteter /usr/ Partition

Runlevel 2 sollte auf einem System, dessen /usr Partition via NFS gemountet ist, nicht verwendet werden. Die /usr/ Partition enthält wichtige Programme, die zur reibungslosen Bedienbarkeit des Systems notwendig sind. Da der NFS-Dienst im Runlevel 2 (Lokaler Multiuserbetrieb ohne entferntes Netzwerk) noch nicht zur Verfügung steht, würde Ihr System in seiner Funktion stark beeinträchtigt.

Tabelle 13.1. Liste der gültigen Runlevels unter Linux

RunlevelBedeutung
0 Systemhalt (engl. System halt)
S Einzelbenutzerbetrieb (engl. Single user mode); vom Bootprompt aus mit US-Tastaturbelegung
1 Einzelbenutzerbetrieb (engl. Single user mode)
2 Lokaler Multiuserbetrieb ohne entferntes Netzwerk (engl. Local multiuser without remote network) (d.h. NFS)
3 Voller Multiuserbetrieb mit Netzwerk (engl. Full multiuser with network)
4Frei (engl. Not used)
5 Voller Multiuserbetrieb mit Netzwerk und KDM (Standard), GDM oder XDM (engl. Full multiuser with network and xdm)
6 Systemneustart (engl. System reboot)

Bei einer Standardinstallation von wird normalerweise Runlevel 5 als Standard eingerichtet, so dass sich die Benutzer direkt an der grafischen Oberfläche beim System anmelden können.

Wenn Sie den Runlevel von 3 auf 5 setzen wollen, muss sichergestellt sein, dass das X Window System bereits korrekt konfiguriert ist; (siehe Kapitel 4. Das X Window System). Ob das System so wie von Ihnen gewünscht funktioniert, testen Sie danach durch Eingabe von init 5. Ist dies der Fall, können Sie den Standard-Runlevel über auf 5 ändern.

[Warning]Eigene Änderungen an /etc/inittab

Eine fehlerhafte /etc/inittab kann dazu führen, dass das System nicht korrekt hochgefahren wird. Gehen Sie bei Veränderungen dieser Datei mit äußerster Sorgfalt vor und behalten Sie immer eine Kopie einer intakten Datei. Zur Behebung des Schadens können Sie versuchen, am Bootprompt den Parameter init=/bin/sh zu übergeben, um direkt in eine Shell zu booten und von dort aus die Datei wiederherzustellen. Nach dem Booten spielen Sie mittels cp die Backupkopie wieder ein.