SUSE LINUX enthält ein Rettungssystem, mit dessen Hilfe Sie in Notfällen von außen auf Ihre Linux-Partitionen zugreifen können: Sie können das Rescue–System von CD, Netzwerk oder vom SUSE-FTP-Server laden. Weiterhin gibt es eine bootbare SUSE LINUX–CD (die LiveEval-CD), die als Rettungssystem eingesetzt werden kann. Zum Rettungssystem gehören verschiedene Hilfsprogramme, mit denen Sie Probleme mit unzugänglich gewordenen Festplatten, fehlerhaften Konfigurationsdateien usw. beheben können. Teil des Rettungssystems ist auch Parted (parted) zum Verändern der Partitionsgrößen. Es kann bei Bedarf aus dem Rettungssystem heraus manuell aufgerufen werden, falls Sie nicht auf den in YaST integrierten Resizer zurückgreifen wollen. Informationen zu Parted finden Sie unter:
http://www.gnu.org/software/parted/
Das Rettungssystem wird von CD (oder DVD) gestartet. Voraussetzung ist, dass das CD-ROM/DVD-Laufwerk bootfähig ist. Gegebenenfalls müssen Sie im BIOS-Setup die Boot-Reihenfolge ändern.
Nachfolgend die Schritte zum Starten des Rettungssystems:
Legen Sie die die erste CD oder DVD von SUSE LINUX in das entsprechende Laufwerk ein und schalten Sie Ihr System ein.
Sie können entweder das System durchbooten lassen oder Sie wählen aus, und können dann – falls notwendig – bei spezielle Boot-Parameter angeben.
Nehmen Sie im linuxrc die erforderlichen Einstellungen für die Sprache und die Tastatur vor.
Anschließend können die für ihr System benötigten Kernel-Module geladen werden. Laden Sie hier bitte alle Module, von denen Sie glauben, dass sie später im Rettungssystem gebraucht werden. Das Rettungssystem selbst enthält aus Platzgründen fast keine.
Wählen Sie im Hauptmenü den Punkt .
Wählen Sie im Menü den Punkt (s. Abb. 1.3. “Installationsmenü von linuxrc”) und geben Sie dann das gewünschte Quellmedium an (s. Abb. 12.6. “Quellmedium für das Rettungssystem”).
Das Rettungssystem auf der CD-ROM wird verwendet.
Das Rettungssystem wird über eine Netzverbindung gestartet. Hierfür muss vorher das richtige Kernel-Modul für die Netzwerkkarte geladen worden sein (vgl. die allgemeinen Hinweise in Abschnitt 1.3.2. “Installation via Netzwerk”). In einem Untermenü stehen mehrere Protokolle zur Verfügung (s. Abb. 12.7. “Netzwerkprotokolle”): NFS, FTP, SMB etc.
Sollten Sie vorher schon ein Rettungssystem auf eine aktuell erreichbare Festplatte kopiert haben, können Sie hier angeben wo es liegt. Dieses Rettungssystem wird dann verwendet.
Welches Medium Sie auch gewählt haben, das Rettungssystem wird dekomprimiert, als neues Root-Dateisystem in eine RAM-Disk geladen, gemountet und gestartet. Es ist damit betriebsbereit.
Das Rettungssystem stellt Ihnen unter Alt + F1 bis Alt + F3 mindestens drei virtuelle Konsolen zur Verfügung, an denen Sie sich als Benutzer root ohne Passwort einloggen können. Mit Alt + F10 kommen Sie zur Systemkonsole mit den Meldungen von Kernel und syslog.
In dem Verzeichnis /bin finden Sie die Shell und Utilities (zum Beispiel mount). Wichtige Datei- und Netz-Utilities, zum Beispiel zum Überprüfen und Reparieren von Dateisystemen (e2fsck), liegen im Verzeichnis /sbin. Des Weiteren finden Sie in diesem Verzeichnis auch die wichtigsten Binaries für die Systemverwaltung wie fdisk, mkfs, mkswap, init, shutdown, sowie für den Netzwerkbetrieb ifconfig, route und netstat. Als Editor ist der vi unter /usr/bin verfügbar; hier sind auch weitere Tools (grep, find, less etc.) wie auch das Programm telnet zu finden.
Zum Mounten Ihres SUSE LINUX-Systems auf der Platte ist der Mountpoint /mnt gedacht. Sie können für eigene Zwecke weitere Verzeichnisse erzeugen und als Mount-Punkte verwenden.
Nehmen wir als Beispiel einmal an, Ihr normales System setzt sich laut /etc/fstab wie in der Beispieldatei 12.4. “Beispiel /etc/fstab” beschrieben zusammen.
Beispiel 12.4. Beispiel /etc/fstab
/dev/sdb5 swap swap defaults 0 0 /dev/sdb3 / ext2 defaults 1 1 /dev/sdb6 /usr ext2 defaults 1 2
![]() | Warnung |
|---|---|
Beachten Sie im folgendem Abschnitt die Reihenfolge, in welcher die einzelnen Geräte zu mounten sind. | |
Um Zugriff auf Ihr gesamtes System zu haben, mounten Sie es Schritt für Schritt unter /mnt mit den folgenden Befehlen:
mount /dev/sdb3 /mnt mount /dev/sdb6 /mnt/usr
Nun haben Sie Zugriff auf Ihr ganzes System und können zum Beispiel Fehler in Konfigurationsdateien wie /etc/fstab, /etc/passwd, /etc/inittab beheben. Die Konfigurationsdateien befinden sich statt im Verzeichnis /etc jetzt im Verzeichnis /mnt/etc. Um selbst komplett verloren gegangene Partitionen mit dem Programm fdisk einfach wieder durch Neu-Anlegen zurückzugewinnen, sollten Sie sich vorher einen Ausdruck (Hardcopy) von dem Verzeichnis /etc/fstab und dem Output des Befehls fdisk -l machen.
Beschädigte Dateisysteme sind ein besonders ernster Anlass für den Griff zum Rettungssystem. Dateisysteme lassen sich grundsätzlich nicht im laufenden Betrieb reparieren. Bei schwereren Schäden lässt sich unter Umständen nicht einmal mehr das Root-Dateisystem mounten und der Systemstart endet in einer kernel panic. Dann bleibt nur noch der Weg, die Reparatur von außen unter einem Rettungssystem zu versuchen.
Im SUSE LINUX-Rettungssystem sind die Utilities e2fsck und dumpe2fs (zur Diagnose) enthalten. Damit beheben Sie die meisten Probleme. Und da auch im Notfall oft die Manual-Page von e2fsck nicht mehr zugänglich ist, ist sie im Anhang C. Manual-Page von e2fsck ausgedruckt.
Beispiel: Wenn sich ein Dateisystem wegen eines ungültigen Superblocks nicht mehr mounten lässt, wird das Programm e2fsck vermutlich zunächst ebenfalls scheitern. Die Lösung ist, die im Dateisystem alle 8192 Blöcke (8193, 16385…) angelegt und gepflegten Superblock-Backups zu verwenden. Dies leistet zum Beispiel der Befehl:
e2fsck -f -b 8193 /dev/<Defekte_Partition>
Die Option -f erzwingt den Dateisystem-Check und kommt damit dem möglichen Irrtum von e2fsck zuvor, es sei – angesichts der intakten Superblock-Kopie – alles in Ordnung.