5.3. Drucker einrichten mit YaST

5.3.1. Warteschlangen und Konfigurationen

Normalerweise werden mehrere Druckerwarteschlangen aus folgenden Gründen benötigt:

  • Verschiedene Drucker müssen über verschiedene Warteschlangen angesprochen werden.

  • Pro Warteschlange kann der Druckerfilter individuell konfiguriert werden. Also werden verschiedene Warteschlangen für denselben Drucker verwendet, um verschiedene Konfigurationen zur Verfügung zu stellen. Bei CUPS ist das nicht notwendig, da hier der Benutzer selbst die entsprechenden Einstellungen festlegen kann; siehe dazu den Abschnitt 5.1.3. “Verschiedene Drucksysteme”.

Bei reinen Schwarzweiß-Druckern (z. B. den meisten Laserdruckern) ist eine Standardkonfiguration ausreichend, aber bei Farb-Tintenstrahldruckern werden normalerweise mindestens zwei Konfigurationen benötigt:

  • Eine Standardkonfiguration, mit der der Drucker schnellen und kostengünstigen Schwarzweißdruck liefert.

  • Eine color-Konfiguration bzw. Warteschlange für Farbdruck.

5.3.2. Grundsätzliches zur YaST Druckerkonfiguration

Die YaST Druckerkonfiguration kann nicht nur über die Menüs, sondern auch als Benutzer root direkt von der Kommandozeile mit yast2 printer aufgerufen werden.

Ein Hin- und Herwechseln zwischen CUPS und LPRng/lpdfilter ist mit der Druckerkonfiguration von YaST in einem Sondermenü über den Button Erweitert möglich. Beim Wechseln geht aber eine bestehende Konfiguration verloren, das heißt eine bestehende CUPS Konfiguration wird nicht in eine Konfiguration für LPRng/lpdfilter umgewandelt und auch nicht umgekehrt.

Zwischen folgenden Drucksystemen kann mit der YaST Druckerkonfiguration gewählt bzw. gewechselt werden:

CUPS als Server (Vorgabe bei der Standardinstallation)

Wenn ein Drucker lokal angeschlossenen ist, muss CUPS als Server laufen. Wird keine lokale Warteschlange mit YaST konfiguriert, dann wird der CUPS-Daemon cupsd nicht automatisch gestartet. Soll der cupsd dennoch laufen, so ist der Dienst cups zu aktivieren (normalerweise für die Runlevel 3 und 5) – siehe den Abschnitt 5.9.2. “Schnellkonfiguration für einen Client-Rechner”. Die folgende Pakete werden für dieses Drucksystem installiert:

  • cups-libs

  • cups-client

  • cups

  • footmatic-filters

  • cups-drivers

  • cups-drivers-stp

CUPS ausschließlich als Client

Wenn es im lokalen Netzwerk einen CUPS-Netzwerk-Server gibt (siehe den Abschnitt 5.9.1. “Bezeichnungen”) und man nur über dessen Warteschlangen drucken möchte, genügt es, wenn CUPS ausschließlich als Client läuft – siehe den Abschnitt 5.9.2. “Schnellkonfiguration für einen Client-Rechner”. Folgende Pakete sind hierfür ausreichend:

  • cups-libs

  • cups-client

LPRng

Wählen Sie dies, wenn das LPRng/lpdfilter Drucksystem verwendet werden soll oder wenn es im Netzwerk nur einen LPD-Server gibt (siehe den Abschnitt 5.9.1. “Bezeichnungen”) und man über dessen Warteschlangen drucken möchte – siehe den Abschnitt 5.9.2. “Schnellkonfiguration für einen Client-Rechner”. Folgende Pakete werden hierfür installiert:

  • lprng

  • lpdfilter

  • footmatic-filters

  • cups-drivers

Das cups-client und das lprng schließen sich gegenseitig aus und dürfen nicht gemeinsam installiert sein. Das cups-libs muss immer installiert sein, denn etliche Pakete (z. B. Ghostscript, KDE, Samba, Wine und die YaST Druckerkonfiguration) benötigen die CUPS-Bibliotheken.

Für ein komplettes Drucksystem werden normalerweise noch etliche weitere Pakete benötigt, die aber alle beim Standard-System automatisch installiert werden:

  • ghostscript-library

  • ghostscript-fonts-std

  • ghostscript-x11

  • libgimpprint

Die YaST Druckerkonfiguration zeigt an, welche Konfigurationen angelegt werden konnten, ohne dass ein Fehler dabei aufgetreten ist.

Da das tatsächliche Anlegen der Konfigurationen erst beim endgültigen Beenden der YaST Druckerkonfiguration geschieht, sollte man für eine Kontrolle die YaST Druckerkonfiguration erneut starten.

5.3.3. Automatische Konfiguration

Je nachdem, inwieweit YaST die Hardware automatisch erkennt und inwieweit zu dem jeweiligen Druckermodell Informationen in der YaST-Druckerdatenbank vorhanden sind, kann YaST die benötigten Daten automatisch ermitteln oder eine sinnvolle Vorauswahl anbieten. Andernfalls muss der Anwender die nötigen Informationen in den Dialogen liefern. YaST ermöglicht eine automatische Konfiguration des Druckers, wenn folgende Bedingungen erfüllt sind:

  • Via automatischer Hardwareerkennung kann die parallele Schnittstelle bzw. die USB Schnittstelle automatisch korrekt eingerichtet und der daran angeschlossene Drucker automatisch erkannt werden.

  • In der Druckerdatenbank findet sich die Identifikation des Druckermodells, die YaST bei der automatischen Hardwareerkennung erhalten hat. Da diese Identifikation von der Modellbezeichnung verschieden sein kann, ist es möglich, dass das Modell nur manuell ausgewählt werden kann.

Für jede Konfiguration sollte immer mit dem YaST-Testdruck ausprobiert werden, ob sie tatsächlich funktioniert, denn in vielen Fällen müssen Konfigurationsdaten ohne explizite Unterstützung durch den Hersteller des Druckers verwendet werden. Daher kann die Funktion nicht für alle Eintragungen garantiert werden.

Zudem liefert die YaST-Testseite wichtige Informationen zur jeweiligen Konfiguration.

5.3.4. Manuelle Konfiguration

Wenn eine der Bedingungen für die automatische Konfiguration nicht erfüllt ist oder wenn eine spezielle individuelle Konfiguration gewünscht wird, muss diese manuell erfolgen. Folgende Werte müssen konfiguriert werden:

Hardwareanschluss (Schnittstelle)
  • Erkennt YaST das Druckermodell automatisch, ist davon auszugehen, dass der Druckeranschluss auf Hardware-Ebene funktioniert und es müssen hier keine Einstellungen konfiguriert werden.

  • Erkennt YaST das Druckermodell nicht automatisch, deutet dies darauf hin, dass der Druckeranschluss auf Hardware-Ebene nicht ohne manuelle Konfiguration funktioniert. Bei der manuellen Konfiguration muss die Schnittstelle ausgewählt werden. /dev/lp0 ist die erste parallele Schnittstelle. /dev/usb/lp0 ist die Schnittstelle für einen USB-Drucker. Hierbei sollte unbedingt der entsprechende Test in YaST gemacht werden, um zu prüfen, ob der Drucker über die ausgewählte Schnittstelle überhaupt ansprechbar ist.

    Am sichersten funktioniert es, wenn der Drucker direkt an der ersten parallelen Schnittstelle angeschlossen ist und im BIOS für die parallele Schnittstelle folgende Einstellungen gesetzt sind:

    • IO-Adresse 378 (hexadezimal)

    • Interrupt ist nicht relevant

    • Modus Normal, SPP oder Output-Only

    • DMA wird nicht verwendet

    Ist trotz dieser BIOS-Einstellungen der Drucker nicht über die erste parallele Schnittstelle ansprechbar, muss die IO-Adresse entsprechend der BIOS-Einstellung explizit in der Form 0x378 bei den detaillierten Einstellungen zur parallelen Schnittstelle eingetragen werden. Sind zwei parallele Schnittstellen vorhanden, die auf die IO-Adressen 378 und 278 (hexadezimal) eingestellt sind, dann sind diese in der Form 0x378,0x278 einzutragen.

Name der Warteschlange

Da der Warteschlangenname beim Drucken oft eingegeben werden muss, sollten nur kurze Namen aus Kleinbuchstaben und evtl. Zahlen verwendet werden.

Ghostscript-Treiber bzw. Druckersprache (Druckermodell)

Ghostscript-Treiber und Druckersprache sind durch das jeweilige Druckermodell vorgegeben und werden durch die Wahl einer zum Druckermodell passenden vordefinierten Konfiguration festgelegt, die bei Bedarf in einer gesonderten Maske individuell angepasst werden kann – d. h. durch die Wahl von Hersteller und Modell wird eigentlich die Druckersprache bzw. ein zum Drucker passender Ghostscript-Treiber mit passend vordefinierten Treibereinstellungen ausgewählt.

Da der Ghostscript-Treiber die druckerspezifischen Daten für Nicht-PostScript-Drucker erzeugt, ist die Konfiguration des Ghostscript-Treibers die entscheidende Stelle, an der die Art des Ausdrucks festgelegt wird. Zuerst die Wahl des Ghostscript-Treibers und dann passende treiberspezifische Einstellungen bestimmen das Druckbild. Hier werden die Unterschiede im Druckbild zwischen verschiedenen Konfigurationen für denselben Drucker festgelegt.

Hat YaST das Druckermodell automatisch erkannt bzw. findet sich das Modell in der Druckerdatenbank, gibt es eine sinnvolle Vorauswahl geeigneter Ghostscript-Treiber. In diesem Fall bietet YaST zumeist mehrere vordefinierte Konfigurationen an – z. B.

  • Schwarzweißdruck

  • Farbdruck 300 dpi

  • Photodruck 600 dpi

Eine vordefinierte Konfiguration beinhaltet einen geeigneten Ghostscript-Treiber und ggf. passende treiberspezifische Einstellungen für die jeweilige Art des Ausdrucks.

Wenn es treiberspezifische Einstellungen gibt, können diese individuell in einer gesonderten Maske verändert werden. Klicken Sie auf einen Wert und wenn es dazu eine Unterauswahl gibt, sind die entsprechenden Menü-Einträge eingerückt. Nicht alle auswählbaren Kombinationen einzelner Treibereinstellungen funktionieren mit jedem Druckermodell – insbesondere in Kombination mit einer hohen Auflösung.

Ein Test durch Drucken der YaST Testseite ist unerlässlich. Wenn beim Drucken der Testseite Unsinn (z. B. viele fast leere Seiten) gedruckt wird, können Sie normalerweise den Druck sofort am Drucker stoppen, indem Sie alles Papier entnehmen und erst dann den Testdruck abbrechen. Allerdings gibt es Fälle, bei denen danach kein weiterer Ausdruck mehr möglich ist. Es ist daher problemloser, den Testdruck abzubrechen und das Ende des Ausdrucks abzuwarten.

Ist das Druckermodell nicht in der Druckerdatenbank eingetragen, so gibt es eine Auswahl an generischen Ghostscript-Treibern für die Standarddruckersprachen. Diese finden sich unter einem generischen Hersteller.

Sonstige spezielle Einstellungen

Bei diesen speziellen Einstellungen sollten im Zweifelsfall die Voreinstellungen belassen werden.

Beim CUPS Drucksystem gibt es hier folgende spezielle Einstellungen:

  • Zugriffsbeschränkungen für bestimmte Benutzer.

  • Status der Warteschlange: ob der Ausdruck erfolgen soll oder nicht und ob die Warteschlange Druckaufträge annehmen soll oder nicht.

  • Bannerseiten bzw. Deckblätter: ob und wenn ja welche Bannerseite vor dem eigentlichen Ausdruck gedruckt werden soll und ob und wenn ja welche Bannerseite nach dem eigentlichen Ausdruck gedruckt werden soll.

Beim LPRng/lpdfilter Drucksystem gibt es hier folgende spezielle hardwareunabhängige Einstellungen:

  • Das Seitenlayout kann hier für den Ausdruck von ASCII-Texten festgelegt werden, nicht aber für Grafiken und Dokumente, die mit speziellen Anwendungsprogrammen erzeugt wurden.

  • Für spezielle Fälle kann die Warteschlange als sog. ascii-Warteschlange eingerichtet werden. Bei einer ascii-Warteschlange wird der Druckerfilter gezwungen, die Ausgabe als ASCII-Text vorzunehmen. Das ist nötig, um bei ASCII-Textdateien, die der Druckerfilter nicht als ASCII-Text erkennt, die ASCII-Text-Ausgabe zu erzwingen (z. B. um PostScript-Quelltexte zu drucken).

  • Die länderspezifische Kodierung betrifft die Darstellung von länderspezifischen Sonderzeichen beim Ausdruck von ASCII-Texten und von einfachem Text in HTML-Seiten aus Netscape.